CHAP IX . ST. V incent, ST. L ucia, M artinique, Dominica, Les Saintes und Guadalupe, Und Antigua
CHAP X. Antigua - Guadeloupe - Les Saintes - Dominica - Martinique
CHAP XII. Canouan - Tobago Cays - Union Island - Palm Island
CHAP XIII. Carriacou - Grenada - Los Testigos - Margarita - Coche
Am
17.Oktober gegen Mittag beginnt die Ragnar ihre Reise um die Welt. Wir sind fünf
an Bord: Skip der Skipper, Barbara der Maat und Dani der Schiffsjunge als
Kerncrew. Ausserdem Jaime und Rosa, Danis Eltern, die uns auf unserem ersten
Abschnitt begleiten.
Die
Vorbereitungen waren gewaltig, und wir empfinden es als eine Erleichterung,
endlich aufzubrechen und den Stress der letzten Wochen von uns abzuschütteln.
Vor zwei Wochen war Ringu Tulku Rimpoche aus Sikkim an Bord, um uns und dem Boot
ein Blessing zu geben. Un zusammen mit den guten Wünschen von Lama Yeshe
Rimpoche, dem Abt und guten Freund aus Samyeling in Schottland, fühlen wir uns
bestens gerüstet für die Reise.
Nach
tränenreichem Abschied von Jule und Alfonso und Lola und Kathleen und Klaus
fahren wir langsam aus dem Varadero von Palma de Mallorca hinaus, bis auch die
Klorolle zwischen Dani und seiner Schwester
Monica zerreisst…
Es
ist warm, die See glatt wie ein Spiegel, der Himmel etwas verhangen, ab und zu
bricht die Sonne durch. Wind und Flauten wechseln sich ab. Nachts Vollmond.
Wir
segeln südöstlich an
Jaime
und Skip fangen ihren ersten Fisch, einen etwa drei Kilo schweren Tunfisch,der
uns ein köstliches Abendessen beschert.
Ab
und zu begleiten uns Schwärme von Delphinen und kleine gelb-grünliche Vögel,
die auf dem Deck oder in Danis Haarschopf landen.
Jaime
und Dani haben das Kochen übernommen. Mit dem, was wir fischen, und unseren
Vorräten sind wir bestens versorgt: jede Menge Reis, Hülsenfrüchte,
Trockenobst, Orangen aus Soller, eine riesige Sobrasada von Jaimes Mutter,
tomates de ranillete, ein grosser Eimer voller frischer Eier, etc.
Am
Donnerstag, 2o.10., gehen wir in
Wir
gönnen uns eine ruhige Nacht vor Anker in einer stillen Bucht auf der Leeseite
des Kaps und schaffen es am Samstagmorgen (22.10.) endlich, es zu umrunden. Kurz
danach finden wir einen herrenlosen ca. 5 Meter langen Zodiac und nehmen ihn in
Schlepp. Offensichtlich eine “patera”, mit der Flüchtlinge aus Afrika die
Meerenge von
Am
Montag machen wir Halt in Motril, am Dienstag in Benalmádena bei
Palmeira, Ilha do Sal
Cabo Verde, 23.11.o5
Es tut mir leid, dass ihr so lange nichts vo uns gehoert habt. Danis
second-hand laptop hat den Geist aufgegeben, was bedeutet, dass wir die
Texte nicht vorbereiten koennen auf deutsch, englisch und spanisch- was viel
Zeit in Anspruch nimmt. Ausserdem sind im Laptop unsere Digitalphotos
gespeichert, zu denen wir jetzt auch keinen Zugang haben. Danis neue Kamera
funktioniert im Augenblick auch nicht und der Kontakt mit Danis Vater, der
die Website macht, verlief auch nicht reibungslos.Elektronik kann schon
total frustrierend sein. Unser Autopilot tuts auch nicht mehr richtig nach
dem Sturm bei Tarifa und wir hoffen, dass wir ihn wieder reparieren koennen,
denn ohne ihn ist die Steuerei doch sehr muehsam. Bitte habt Geduld mit uns.
Wir haben uns also in Benalmadena (Málaga) von Danis Eltern verabschiedet
und sind zu dritt weitergesegelt. Die Fahrt nach Gibraltar verlief ruhig,
bis wir the Rock in Sichtweite bekamen: ueber dem enormen Felsen steht eine
riesige schwarze Wolke. Und als wir in den Hafen einlaufen, stuermt es aus
allen Himmelsrichtungen.Zu allem Uebel bekommen wir auch in keiner der
Marinas einen Liegeplatz, da die Boote von der Blue Water Ralley und der
Transatlantik-ARC-Regatta alles in Beschlag genommen haben.Also ankern wir
direkt na der Landebahn dês Flughafens. Am naechsten Morgen koennen wir dann
am Queen Ann's Quarry anlegen.
Die naechsten 3 Tage bleiben wir in G., einer Stadt von 30000 Einwohnern
sehr gemischter Herkunft: Araber, Juden, Englaender, Inder z.B. Und dabei
sehr, sehr britisch. Die Haeuser eine Mischung aus englisch, spanisch und
arabisch, sehr bunt. Die Leute sind alle mindestens zweisprachig: sehr
englisches Englisch und sehr andalusisches Spanisch, was eine kuriose
Mischung ergibt. Sie wollen aber auf gar keinen Fall zu Spanien gehoeren,
sondern britisch bleiben.
Wir nehmen ein Táxi und fahren auf den Felsen hoch, der seit 1704 zu England
gehoert und eisern verteidigt wurde. In der Antike war es der Platz der
Saeulen dês Herkules, das Ende der Welt und der Eingang zum Hades, das non
plus ultra. Oben auf dem Felsen leben 2oo Affen, die aufs Autodach steigen
und mit ihren langen Armen ins Innere greifen; draussen ziehen sie einen na
der Hand und springen einem auf die Schulter, richtig frech. Der Blick vom
Grat dês Felsens ist atemberaubend: im Osten das Mittelmeer, im Westen
Algeciras und der Atlantuik.
Am Sonntagmorgen d. 30.Okt. segeln wir in einer leichten suedoestl. Brise
Richtung Kanaren ab. Wir machen nicht viel Fahrt, denn in den ersten Stunden
(bis zur Flut) ist die Stroemung noch gegen uns, und als wir auf der Hoehe
von Tarifa sind und durchs Wasser 4.5 Knoten machen, fahren wir in
Wirklichkeit ueber Grund 0.5 Knoten rueckwaerts.. Das Wasser sprudelt wie in
einem Jacuzzi. Wir starten den Motor und versuchen soschnell wie moeglich
aus der Meerenge hinauszukommen. Ueber Tarifa haengen dicke schwarze Wolken.
Als es schon dunkel ist, dreht der Wind innerhalb von Minuten von SO
Windstaerke 2-3 nach SW Windstaerke 8 oder mehr und bringt uns fast zum
Kentern. Mit Mueh und Not holen wir die Jib ein, die ins Wasser faellt und
die wir nur unter gruosser Kraftanstrengung wieder na Deck festmachen
koennen. Dabei verletzt sich Skip schlimm na der rechten Handflaeche: eine
scheussliche, tiefe grosse zerrissene Wunde in Form eibnes Kreuzes. Es
regnet wie aus Kuebeln, der Wind heult orkanartig, wir koennen
uns im
Cockpit gegenseitig fast nicht mehr sehen. Dani haelt das Ruder so fest,dass
es ihm fast den Arm bricht, waehrend ich Skips Hand verbinde. Nach etwa 45
Minuten ist der Spuk vorbei, und es ist wieder ruhig, Flaute. Was fuer ein
Empfang im Atlantik! Und Skip hatte uns so vorgeschwaermt vom beautiful
swell und den konstanten, wunderbaren Passatwinden.
Die naechsten 3 Tage auf dem Ozean verlaufen ruhig. Wir haben
wunderschoenes Wetter, eine leichte Brise aus NW, lange Wellen. Wir fangen
Tunfisch und geniessen Sonnenauf- und untergaenge und den naechtlichen
Sternenhimmel und Vollmond. Einmal kommt im Morgengrauenein anderes
Segelschiff ganz dicht na uns vorbei; Leute na Deck, aber kein Winken, kein
Gruss,nichts. In der Nacht dês 4. Tages kommt ein Sturm auf, Windstaerke
8-9, aus N. Wir fahren nur noch mit dem gerefften Vorsegel und dem
zerfetzten Topsegel, das sich mit der Ragnarfahne verheddert hat, und rasen
3 Naechte und 2 Tage mit 6-8 Knoten dahin, heftig von Seite zu Seite
rollend. Wir koennen nicht mehr kochen, nicht einmal mehr Tee machen; essen
nur noch Kekse, Mandeln, Aepfel und Miesmuscheln aus der Buechse.
Im Morgengrauen dês Sonntag 6.11. sichten wir schliesslich Tenerife und
legen etwas spaeter am Kai der Marina del Atlântico in Santa Cruz de
Tenerife na. Scott und Torsten warten dort schon auf uns und helfen uns ,
Segel und Flagge herunterzuholen. Wir sind voellig ausgelaugt und machen
einen schwankenden Spaziergang durch die huebsche Altstadt von Sra. Cruz mit
ihren gruenen, schattigen Plaetzen und Strassen und der ueppigen
subtropischen Baeumen und Blumen. Am naechsten Tag mieten wir ein Auto und
fahren durch die steile Berglandschaft Tenerifes hoch zum Teide (fast 3800m
hoch), dem hoechsten Berg und einzigen aktiven Vulkan Spaniens. Durch
riesige, wollig aussehende Pinienwaelder, die man aufgeforstet hat. Und dann
durch eine Mondlandschaft: nur noch Felsen, Steine, Lava, Sand,
Salbeibuesche, Lava, Steine. Wunderschoene Farben: ocker, ziegelrot,
schwarz, creme, braun, violett. Eine Gegend heisst la tarta, die Torte: man
sieht die Sedimente der verschiedenen Eruptionen dês Vulkans, alle in
verschiedenen Farben. Daneben die montana mostaza, der Senfberg.
Na der Drahtseilbahnstation hinauf bis fast zum Gipfel ein Gedraengel:
hauptsaechlich Deutsche und Englaender, die Letzteren gern auch in Badehose,
mit hohen Absaetzen und Burberry baseball Kappen und sehr weiss- und
gaensehaeutig. Die letzten 200 Meter bis zum Gipfel kann man nur mit
Genehm8igung erklimmen, die wir aus Zeitmangel nicht einholen konnten. Es
ist irrsinnig kalt da oben und zieht wie Hechtsuppe, aber der Blick ist
atemberaubend.
Danach fahren wir durch das Oratava-Tal zurueck. Es soll das huebscheste
sein, liegt aber unter einer dichten Wolkendecke verborgen, so dass wir
nicht viel davon sehen koennen. In einem kleinen Laden an der Strasse
kaufen wir Wein aus eigener
Herstellung. Der Besitzer raet uns veraechtlich von einem machinell
produzierten ab und preist de naus seinem eigenen Anbau: dessen Trauben
wurden von den Fuessen seiner Familie zerquetsch! Wir kaufen etwas zoegernd,
aber neugioerig. Abends machen wir eine Gemuesesuppe mit unserem neuen
Mixstab und trinken den Wein dazu. Beides ist exzellent und wir muessen viel
lachen. Magie der Fuesse?
Am naechsten Tag besichtigen wir den Botanischen Garten von Puerto de la
Cruz mit seiner unglaublichen Vielfalt na exotischen Baeumen aus
aller
Welt. Am Freitag, 11.Nov., fahren wir Richtung Kapverden ab. Wir wollen noch
in Radazul suedlich von Sta. Cruz Diesel und Wasser tanken, koennen aber
nicht na der Tankstelle anlegen, weil alles voller Boote ist. Das kommt uns
spanisch vor. Also wieder zurueck nach Sta.Cruz, wo wir ueber Nacht im
Boatyard vom Puerto Pesquero bleiben duerfen, um dann endlich am
Samstagmorgen nach Sueden aufzubrechen. Es hat sich mal wieder bewahrheitet,
dass man na einem Freitag nicht abfahren sollte.
Torsten ist nun doch nicht mit dabei, er hat sich anders entschieden. Also
sind wir nun vier mit Scott.Mit 8.5 bis 9 Knoten rasen wir die We4stkueste
Teneriffas entlang, nuir mit stay und main stay Segeln. Die PASSAGE ZWISCHEN
Teneriffa und Gran Canaria hat einen Trichtereffekt. Die naechsten 7 Tage
angenehmes Segeln die ganze Strecke bis Ilha do Sal, der noerdlichsten der
Kapverdischen Inseln. Wir fangen Tunfisch, Goldmakrelen, sehen viele
Delphine, die um den Bug herum spielen, und ganze Schwaerme von fliegenden
Fischen, von denen einer auf dem Deck landet. Seine Flossen sehen aus wie
grosse Fluegel. Die Naechte sind zauberhaft. Meist sind wir ganz allein auf
hoher See, nur wenige Male sehen wir in der Ferne ein Frachtschiff oder ein
anderes Segelboot. Die Luft ist warm, der Himmel klar bis auf ein paar
freundliche Haufenwolken gegen Abend. Nachts sehen wir den Widerschein von
Rabat, Casablanca. Bei Sonnenaufgang am Sonntag d.20.Nov. sichten wir die
kleinen Vulkankegel von Ilha do Sal und laufen gegen Nachmittag im Hafen von
Palmeira ein.
Wir segeln die vulkanische, voellig oede braune Kueste von Ilha do Sal
hinunter auf der suche nach der Hafeneinfahrt von Palmeira. Ein grosser
Oeltanker weist uns schliesslich den Weg und dann sehen wir auch etwa 40
weitere Segelschiffe in der Bucht liegen. Nach ein paar Versuchen fasst der
Anker schliesslich, aber dann verschindet die Kette in einem Loch zwischen
den Felsbloecken und reisst das Boot so boes hin und her, dass die
Ankerrollen voellig verbogen werden...
Vom Hafen her droehnt afrikanische Diskomusik. Wir rudern an Land und
treffen Grilo, einen jungen Kapverder, der uns in der naechsten Woche hilft
und uns erklaert, dass Sonntags die Leute vom Dorf ordentlich feiern und die
Capricornio-Bar zur Disko umfunktioniert wird. Palmeira, ein kleiner Ort von
etwa 1500 Einwohnern, macht einen huebschen und froehlichen Eindruck: bunte,
meist einstoeckige Haeuser, kleine Plaetze mit Akazien, gepflasterte
Strassen, kaum ein Auto, viele, viele Kinder (70% der Bevoelkerung der
Kapverden sind unter 20!), Musik. Es ist schon Afrika hier; es ist arm, aber
die Leute sehr freundlich und froehlich. Die jungen Leute versuchen, mit den
Bootsleuten etwas Geld zu verdienen und bieten ihre Dienste an: Muell
abholen, Waesche waschen, Sachen transportieren etc. Es gibt ausser einer
Hummerfabrik, der Entsalzungsanlage, dem Hafen nicht viel mehr, wo man
Arbeit finden koennte.
Grilo fuehrt uns in ein kleines Restaurant am Dorfrand, wo wir eine
koestliche soada de langosta essen and Dani und Scott "caracas",
Muscheln in
Lavagestein, die man mit langen Ndeln herauspulen muss. Sie sind nicht
sonderlich begeistert von ihrem exotischen Mahl...
Am naechsten Tag besorgt uns Carlos con Trans Ocean einen Taucher, der die
Ankerkette wieder freilegt. Thomas von der "Gades" leiht uns seine
Flexmaschine, damit wir die Ankerrollen durchschneiden und zum Geradebiegen
in die Hummerfabrik bringen koennen. Dort arbeitet Toxa, der beste
Mechaniker von Sal, der nebenher alles Moegliche repariert: mit primitivsten
Mitteln, immenser Kraft und viel Improvisationstalent zerschneidet er das
Teil komplett, biegt und haemmert es zurecht und schweisst es schliesslich
wieder zusammen. Dankbar ziehen wir mit unserer heilen Ankerrolle wieder
Richtung Hafen. Beim Baecker gibt es Campinggas, am Dorfbrunnen leckere
Tunfischkroketten, die wir waehrend des Auffuellens unserer 20
5Liter-Flaschen verzehren. Wir muessen unseren Wassertank auffuellen. Per
Schlauch und Hahn geht das in Palmeira aber nicht; also muessen wir die Tour
zum Dorfbrunnen 5x machen; Grilos "Taxi", eine Schubkarre, erleichtert
die
Sache etwas. Trotzdem sind wir hinterher erschoepft und gehen frueh zu Bett.
Da wir dringend Essen einkaufen muessen, fahren wir mit einem Kollektivtaxi
(Pick-up) auf der Ladeflaeche in den Hauptort Espargos, wo man alles
bekommen koenne. Wir finden Bananen, ein paar Paprika, Karotten und ein
vakuumverpacktes gebackenes Huhn aus Valencia. Die Sorge um das Schiff in
der Brandung treibt uns dann schnell wieder nach Palmeira.
An einem Tag fahren wir in den Sueden der Insel nach Sta. Maria, ein kleiner
aufstrebender touristischer Ort mit einer traumhaft schoenen Bucht mit
makellosem und fast leeren Strand. Ein Surfparadies! Es gibt ein paar kleine
Hotels, Bars, Restaurants und Souvenirlaeden, aber es ist auch ein echt
kapverdisches Dorf geblieben. Wir sehen Scharen von adrett und sauber
gekleideten Schulkindern auf dem Nachhauseweg. Wir essen leckeren gegrillten
Fisch zu Mittag, trinken danach einige Caipirinhas in einer Strandbar mit
Blick auf das tuerkisblaue Meer und fuehlen uns wie im siebten Himmel.
Im Pick-up zurueck sitzen Skip und ich vorn im Fahrerhaus und Scott und Dani
hinten auf der Ldeflaeche. Es faengt an, in Stroemen zu regnen und die
beiden werden nass bis auf die Haut. Der erste Regen seit 2002. Skip hatte
am Abend vorher im Hafen aus Spass einen Regentanz aufgefuehrt und war nun
etwas erschrocken ueber die Folgen, die das anscheinend bewirkt hatte...
Scott und Dani machen einen Ausflug zu dem Felsenpool an der Kueste und am
Fuss eines der kleinen Vulkane. Sie muessen 45 Minuten zu Fuss durch die
Wueste wandern und treffen dabei auf zwei kleine Jungens, mit denen sie sich
muehelos unterhalten koennen, da sich Mallorquin und Portugiesisch aehnlich
sind. Am Weg sehen sie eine melonenaehnliche Frucht in der Groesse eines
Apfels. Einer der Jungs sagt, man koenne sie nicht essen. Er nimmt sie in
die Hand, sieht einen Spatz, zielt und toetet den Vogel mit einem Wurf.
Scott versucht es ihm nachzumachen und verrenkt sich dabei die Schulter
ziemlich schlimm... Der Felsenpool besteht aus zwei Baedern: einem Pool in
einer Hoehle und einem zweiten im Freien mit tiefem, kuehlen tuerkisen
Wasser- eine Wohltat nach dem langen und staubigen Weg.
Am Sonntag fuehrt uns Grilo in eine kleine Wochenendbar: ein winziger
Hinterhof, ueberdacht mit Wellblech, ein paar Holzbaenke, eine Kuehltruhe,
ein Grill. 4o bis 50 Leute draengeln sich hier und bis auf die Strasse, um
kleine Schweinefleisch- Kebabs fuer 50 cents zu essen. Dazu trinkt man
ponche (Rum m. Zitronenscheiben und Honig) oder "cortao" (Rum m.
Fruechten),
beides "bestial", aber billg.
Nach einer Woche in Palmeira segeln wir weietr Richtung Tarafal auf Sao
Nicolao. Die Ankerrollen sind wieder in Ordnung, ebenso der Autopilot. Aber
die Brandung im Hafen wurde schliesslich zu gefaehrlich. Wir hoffen in
Tarafal Proviant fuer die Atlantikueberquerung bunkern zu koennen.
Eigentlich waere Mindelo auf Sao Vicente der geeignetere weil groessere Ort,
aber alle raten davon ab, weil es in Mindelo so viel Kriminalitaet gibt.
Nach einem rauhen 23stunden Trip kommen wir in Tarafal an, einem malerisch
vor schroffen Felswaenden gelegenen kleinen Dorf. Aber die Geschaefte bieten
fast noch weniger an als in Sal und im Shell-Laden finden wir noch das
Beste: Pasta, Joghurt, Lorbeerblaetter und Marsriegel... Wior nehmen ein
Taxi nach Ribeira Brava im Inselinnern, dem Hauptort. Da gibt es zwar eine
grosse Markthalle, aber kaum Gemuese und Obst. Trotzdem ist die Fahrt es
wert gewesen: 25 km ueber gepflasterte enge, kurvige, steile Strassen,
bergauf, bergab mit Blick auf grandiose Landschaften: wuestenaehnliche Berge
und gruene terrassierte Taeler und wilde Kueste.
An Skips Geburtstag, 29. Nov., kaufen wir einen 5kg schweren Tunfisch von
einem Fischer und laden Thomas und Anke von der Gades zum Abendessen auf
unserm Deck ein. Am 30. Nov. segeln wir nun doch, trotz aller Bedenken, nach
Mindelo ab.
Und es gefaellt uns sehr gut!! Das erste Mal, dass wir uns voellig sicher
vor Anker und in dem Hafen fuehlen! Kurz nach unserer Ankunft naehern sich
die zwei Brueder Umberto und Eric mit ihrem Dinghy unserm Schiff und bieten
ihre Dienste an. Und sie erweisen sich als absolut vertrauenswuerdig und
hilfsbereit. Sie helfen uns mit Wasser und Treibstoff und zeigen uns, wo wir
Dinge kaufen koennen, z.B. 25-Liter Wasserkanister in einer Baeckerei- na
klar! Sie fuellen unsere Wassertanks auf, sind unser Wassertaxi, bewachen
und waschen unser Dinghy. Wir fuehlen uns sehr wohl und sicher mit ihnen. In
Mindelo bekommen wir auch genuegend Proviant fuer die Reise ueber den
grossen Teich, die wir dann am Sonntagmorgen, 14.Dez. starten.
CHAP. IV Cabo Verde - Barbados
Schoenes Wetter, ein gutter Passat aus NO, Kurs 280 Grad, 6.3 Knoten und
2000 Seemeilen vor uns. Keiner spricht viel, wir sind nachdenklich, uns
allen ist leicht mulmig zumute; alle hoffen und beten, dass alles gut geht.
In den ersten Tagen sehen wir noch ein paar andere Segelboote am Horizont,
die auch in Richtung Westen fahren, aber dann sind wir tagelang
mutterseelenallein. Wunderschoene, Sonnenauf- und untergaenge, Unmengen von
fliegenden Fischen, von denen ab und zu einer auf dem Deck landet. Delfine
spiuelen um unseren Bug herum. Die Tage vergehen mit Waschen, Kochen,
Reparieren, Saubermachen, Steuern, Schreiben. Das Wetter ist bestaendig-
tagsueber klarer Himmel, Wolken und Regenschauer nachts. Im Durchschnitt
segeln wir 120 Meilen am Tag (216 km).
Am 9. Dez., einem sonnigen wolkenlosen Tag, kommen wir in eine totale
Flaute. Das Wasser sieht wie Oel aus,und Dani und Scott springen in den
tintenblauen 5000 m tiefen Ozean und schwimmen ein bisschen. Aber die Flaute
macht uns auch Sorgen- was machen wir, wenn sie 14 Tage oder laenger dauert?
Haben wir genug Wasser und Proviant an Bord? Wir fangen an, unser
Trinkwasser zu rationieren, waschen und kochen von nun an meist mit
Salzwasser. Unsere Gemuese- und Obstvorraete faulen schnell dahin, aber wir
haben ja viele Konserven, Getreide und Huelsenfruechte an Bord. Am 12. Dez.
Faengt Scott den groessten Fisch seines Lebens- einen grossen wunderschoenen
Mahi-Mahi, der uns ein leckeres Essen beschert. Jetzt haben wir auch wieder
Wind.
Am 13. Dez. Habenwir noch 970 Seemeilen zu segeln, etwa die Haelfte. Wir
feiern das mit einem Schokoladenkuchen mit Sahne! 2 Tage spaeter treffen wir
Salt Whistle, eine deutsche Yacht auf ihrem Weg nach Martinique. Sie sind am
29. Nov. in Tenerife gestartet und in den Hurrikan gekommen, dessen
suedlichen Rand wir von den Kapverden sehen konnten: 71 knoten Wind!!!
Am 14. Tag koennen wir endlich Radio Barbados empfangen; sie spielen lauter
Weihnachtslieder im Calypso- Rhythmus, mit Steelbands; wir finden das
irrsinnig komisch- Gott sei Dank, denn wir denken schon oft an zuhause und
es wird uns dann etwas komisch zumute.Noch 240 Seemeilen bis Port St.
Charles in Barbados. Wir wollen endlich ankommen! Manchmal sind wir ziemlich
erschoepft; die Stimmung wechselt, manchmal sind wir eher meditative
gestimmt, manchmal etwas genervt und manchmal aufgeregt und gespannt auf die
Karibik. Wenn die See rauh ist und die Wellen von allen Richtungen kommen,
rollt das Boot wild von einer Seite auf die andere und wir stolpern wie
betrunkene Seeleute umher. Wasserkessel, Messer, Porridge fliegen durch die
Luft, Kaffee, wird verschuettet, wir sind voller blauer Flecken. Dann fragen
wir uns manchmal, WARUM mache ich das eigentlich alles?? Gott sei Dank wird
keener seekrank
Frueh morgens am 19. Dez. Sehen wir einen riesigen doppelten Regenbogen vor
unserem Bug- ein gutes Omen! Alles wird gut gehen! 2o. Dez.: noch 110
Seemeilen! Am Mittwoch, 21. Dez.,m gg. 9 Uhr, umrunden wir endlich die
Nordspitze von Barbados. Die Insel ist nicht sehr hoch und deshalb nicht
leicht zu sichtwen. (Frueher warfen die Seeleute, wenn sie sich der Insel
naeherten, Schweine ins Wasser; die haben einen sehr ausgepraegten
Geruchssinn und witterten das Land schon, wenn man es noch nicht sehen
konnte. Die Schiffe folgten dann der Richtung, in die die Schweine
schwammen) Wir geraten in einen fuerchterlichen Regen, so dass wir die
Kueste nicht mehr ausmachen koennen. Gott sei Dank haben wir GPS! Wir stehen
dick vermummt in unseren Schlechtwetteranzuegen an Deck, als wir kurz danach
in Port St. Charles ankommen, wo es sonnig und heiss ist, und muessen einen
seltsamen Anblick geboten haben!
Vor der Einfahrt nach Port St. Charles, einem der wenigen Haefen von
Barbados, muessen wir warten: der Zollbeamte ist noch nicht in seinem Buero.
Nach einer Stunde kontaktieren wir die Behoerde noch mal ueber Funk und
bekommen die Erlaubnis, an einer Boje festzumachen. Nach einer weiteren
Stunde duertfen wir dann in den Hafen hinein. Die Beamten von Zoll-, Hafen-,
Einwanderungs- und Gesundheitsbehoerden sind sehr freundlich, die Prozedur
geht schnell und glatt. Port St, Charles hat nur ein Dock fuer 6 Yachten,
und der Hafenmeister eroeffnet uns, dass unser Schiff zu klein ist dafuer
(sie sind nur fuer Megayachten gebaut). Aber wir duerfen zurueck an die
stabile Boje ausserhalb und fuehlen uns da auch sehr sicher und wohl. Nach
den wuestenartigen Kapverden und den endlosen Weiten des graublauen Atlantik
kommen wir uns in Port St. Charles vor wie im Garten Eden.
Am Nachmittag laufen wir ins nahegelegene Speightstown um zu sehen, was wir
hier an Essen, Wasser und Ersatzteilen bekommen koennen. Wir finden
exotische Gemuese und Fruechte zuhauf - Brotfrucht, Taro, Yams, gruene
Kokosnuesse, Papayas etc.- mit denen zu kochen wir erst mal
Am Nachmittag laufen wir ins nahegelegene Speightstown um zu sehen, was wir
hier an Essen, Wasser und Ersatzteilen bekommen koennen. Wir finden
exotische Gemuese und Fruechte zuhauf - Brotfrucht, Taro, Yams, gruene
Kokosnuesse, Papayas etc.- mit denen zu kochen wir erst malnen muesen. Am
Tag darauf nehmen wir den Bus nach Bridgetown, der Hauptstadt im Sueden, um
uns etwas in der Yactszene umzugucken. Wir sind enttaeuscht, dass wir kein
gutes Geschaeft fuer Schiffszubehoer finden. Der sogenannte Boatyard ist
mehr eine Stranddisko als ein Boatyard, und wir sollen 20 Barbados-Dollar
(etwa 10 US$) bezahlen, nur um ein paar Auskuenfte zu bekommen. Nicht sehr
angenehm. Jetzt verstehen wir, warum die meisten anderen Boote sich andere
Ziele in der Karibik aussuchen: Barbados ist definitive nicht der Ort, der
an Weltumseglern interessiert ist.
Wir sind froh, dass wir in Port St. Charles liegen. Dort ist es ruhig,
sicher und sauber und freundlich und die gepflegten tropischen
Gartyenanlagen sind hinreissend! Ausserdem liegen gleich nebenan
Speightstown mit seinem quirligen karibischen Leben und Little Harbor, ein
kleines Fischerdorf, wo man an Staenden filettierte fliegende Fische kaufen
und wo man abends an einer Strandbude billig und gut essen und ein Banks
Bier trinken kann.
Wir fahren mit dem Bus quer durchs Inselinnere nach Bathsheba an der
Atlantikkueste, die wohl noch so ist wie vor 20 Jahren. Es ist steil hier
und rauh, und deshalb hat sich hier kaum Tourismus entwickelt. Bathsheba ist
ein pittoreskes kleines Dorf an einem Sandstrand mit Kokospalmen; viele
Surfer kommen hierher wegen der hohen Wellen. Bizarre moosbewachasene Felsen
ragen aus dem Wasser. Wir verbringen den Morgen auf der Terrasse eines
kleinen chattel house (cottage) mit zwei amerikanischen Freunden, die mit
Dani an Bass und Mundharmonika zusammen jammen. Auf dem Rueckweg steigen wir
auf einen Huegel mit grandioser Aussicht ueber die Taeler und die
Atlantikkueste und gucken uns die riesigen Mahagonnybaeume und Affen an.
Die Inselbusse sind ein Kapitel fuer sich eine Fahrt kostet 1.50 BB$, etwa
70 cents, egal wie weit man faehrt, Besonders in den gelben fuehlt man sich
wie im Irrenhaus: wilde Hiphop/ Reggae/ Steelband-Musik, wahnsinnig schnell,
man muss sich mit beiden Haenden festhalten! Wildes Gehupe im Rhythmus der
Musik jedesmal, wenn es durch eine der engen und scharfen Kurven geht! Wir
fuerchten um unser Leben, denn die Strassen sind sehr eng und der Verkehr
sehr dicht. Wir denken, wir sollten es mal per Anhalter versuchen: nach noch
nicht einer Minute haelt schon ein Auto (trotz -oder wegen?- Skips
inzwischen wildem Rasta-Look.)und wieder befinden wir uns auf einer
Achterbahn mit Hiphop und wildem Gehupe Richtung Holetown, dem hotsytotsy
Einkaufs-zentrum der Insel.
Am 24. Dez. Schlendern wir den Strand entlang und bleiben in einer Strandbar
an der Mullins Beach, wo eine tolle Steelband Weihnachtslieder auf
karibische Art spielt. Wir trinken - was sonst hier? -Rumpunsch und tanzen
ein bisschen und ab und zu ueberkommt mich das Heimweh. und dann rauschen
wir mit einem Hobycat wieder zum Schiff - ich das erste Mal auf einem
Katamaran und voellig durchnaesst, aber was fuer ein Toern! Spaeter leisten
wir uns im Fish Pot in Little Harbor ein Weihnachtsessen. Scott und Skip
nehmen Alligatorspiesse als ersten Gang (ich ziehe Jakobsmuscheln vor, zu
Recht, wie sich herausstellt) und dann gibt es eine sagenhafte Fischplatte.
Wir beobachten den Sonnenuntergang von der Terrasse aus und tatsaechlich da
ist der beruehmte green flash: kurz nachdem die Sonne am Horizont versunken
ist, blitzt sekundenlang ein blaugruener Lichtstrahl auf!
Am 29. Dez. Werden wir von unseren Nachbarn Gina und Peter auf ihrem
Katamaran zu einem typischen Bajan dinner eingeladen. Gina hat breadfruit
gemacht, cuckoo (aus Maismael und Okra), fish sauce, fliegenden Fisch,
Christophene und Karotten, alles koestlich! Am 31. Dez. Segeln wir von Port
St. Charles ab die Westkueste entlang und gucken uns all die Feuerwerke an,
die die grossen Hotels veranstalten. Dann nehmen wir Kurs Richtung Grenada
im Suedwesten etwa 200 Seemeilen. Anfangs ist das Wetter wunderbar,
Sternenhimmel, eine leichte Brise. Aber dann geraten wir in einen Sturm von
Windstaerke 8. Wir werden kraeftig hin- und hergeschuettelt, lassen nur noch
das staysail stehen und machen trotzdem noch etwa 7 Knoten und das im
Stockfinstern und in sintflutartigem Regen. Hohe Wellen schwappen staendig
ueber das Deck und sogar ueber das Doghouse! Die Jungs stehen angeschnallt
im Cockpit , damit sie nicht ueber Bord gespuelt werden, sie sind nass bis
auf die Haut trotz der Anzuege. Und ich liege/rolle im Bett und bete. Im
Morgengrauen des zweiten Tages hat der Spuk ein Ende als wir schon in
Sichtweite von St.Georges, Grenada sind. Alle sind voellig uebernaechtigt,
keener hat seit 48 Stunden geschlafen. Wir fahren in die Prickly Bay und
machen nach erfolglosen Versuchen zu ankern dort an einer Boje fest.
Wir moechten uns hier bei allen bedanken, die uns SMS (mein Telefon geht
wieder!) und e-mails geschickt haben und uns entschuldegen, dass wir uns
noch nicht im einzelnen gemeldet habern!Unser Computer an Bord ist ja kaput
und es ist auch nicht immer einffach, ein Internetcafe zu finden.Wir
wuenschen allen unseren Freunden ein gklueckliches neues Jahr und danken
Euch allen fuer das griosse Interesse an unserer Website. Es ist fuer uns
ein tolles Gefuehl zu wissen, dass Ihr uns auf unserer Reise begleitet! Ich
vermisse Euch alle!!!
Gegen 10 Uhr abens am 31. Dez. Segeln wir von Port St. Charles auf Barbados ab die Westkueste hinunter bis Sandy Lane, um uns all die Feuerwerke
anzugucken, um uns herum noch mehrere andere Yachten mit Parties an Bord.
Nach dem grandiosen Schauspiel nehmen wir Kurs auf Grenada, die erste “wirklich” karibische Insel, denn Barbados liegt ja etwas abseits und
gehoert eigentlich noch mehr zum Atlantik.
Wir segeln durch die lauwarme, sternenklare Nacht bis wir aus dem Windschatten der Insel heraus sind, nur mit Grosssegel und Fock, um unsere Geschwindigkeit niedrig zu halten; denn wir wollen bei Tageslicht in Grenada ankommen, nach etwa 36 Stunden. (Es ist nicht ratsam, in der Karibik nachts in einen Hafen einzulaufen wegen der zahllosen Riffe, Wracks, Untiefen, fehlenden Markierungen etc.)
Waehrend des Tages kommt immer mehr Wind auf, die Wellen werden immer hoeher und wir reffen beide Segel, nur um nicht so schnell vorwaerts zu
kommen. Nach dem Sonnenuntergang haben wir Windstaerke 8 erreicht, von achtern, und jede zweite Welle spuelt ueber das Deck. Eine Nacht mit Wasser
von oben und Wasser von unten: die Wellen stuerzen sogar ueber das Doghouse und ueberfluten das Cockpit, unglaublich! Wenn wir nicht angeschnallt
gewesen waeren, waren wir alle ueber Bord gespuelt worden!
Wir kommen nach nur 24 Stunden an der SW-Stpitzevon Grenada an und warten auf den Sonnenaufgang. Bei Tageslicht segeln wir zurueck nach Osten zur
Prickly Bay und versuchen dort vergebens zu ankern. Schliesslich mmachen wir an einer Boje fest und schlafen bis mittags, voellig erschoepft von der
anstrengenden Nacht.
Dann fahren Skip und ich mit dem Dinghy zur Prickly Bay Marina um die Zoll- und Einwanderungsformalitaeten zu erledigen. Der
Beamte ist sehr freundlich, problemlos, und erzaehlt uns vom Hurrikan Ivan, der 2004 die Insel zu 90% “zerkaut” hat )chewed up).Danach gehen wir
etwas einkaufen, essen eine tolle Pizza in der Marina und trinken an der Bar in der “happy hour” – nicht Rumpunsch, sondern Lambrusco…
Am naechsten Tag fahren wi r zur Budget Marine Chandlery und flippen ueber das riesige Angebot an Schiffszubehoer fast aus! Spaeter nimmt uns
Henry von den Safari Tours mit nach St. George’s zum Grenada Yachtclub, wo wir einen Spezialpreis fuer 6 Tage aushandeln: wir bezahlen nur fuer 4 Tage,
die restlichen 2 sind frei. Super! Nach zwei Naechten in Prickly Bay segeln wir also in die Lagune von St. George’s, machen am Dock fest, stecken unser
Stromkabel in die Steckdose und erholen uns.
Seit Gibraltar haben wir nicht mehr so tief und fest und ruhig geschlafen wie hier, ohne Sorgen um Anker, Brandung, Gezeiten und Wind und Wetter!!Am 6. Januar treffen wir uns in der Frueh mit Campbell, einem von Henry’s Leuten, um mit ihm eine Tour ueber die Insel zu machen.Wir fahren dien Westkueste hoch nach Concord Falls, ueber engste und kurvige Strassen voller Schlagloecher und “schlafender Polizisten” (Bodenschwellen!), durch kleine bunte Doerfer mit ueppigen Blumen- und Gemuesegaerten, durch Regenwald und ueber Bergbaeche.
Danach fahren wir weiter nach Guayava, einem Fischerdorf im Nordwesten, mit weissem Sandstrand voller froehlich bemalter Boote und
Netze.
Dann fahren wir weiter ins Innere. Manchmal sind die Strassen so steil, dass man es fuer unmoeglich haelt, da hinauf zu kommen: der Wagen steht fast
still, avber im letzten Augenblick schafft er es doch noch…Die
Immortellenbaeume fangen gerade an knallgelb zu bluehen, die Korallenbaeume feuerrot; riesige Farne ueberall, Kletterpflanzen ueberwuchern ganze
Landschaften. Aber bei all der gruenen Ueppigkeit sieht man auch noch viele Spuren von Ivan: abgebrochene Baumwipfel, kopflose Palmen, duerre braune
Aeste. Der Hurrikan hat sogar den Grossteil der Fauna ausradiert; naja, wenigstens hat man seither keine Schlangen mehr gesichtet…
Wir klettern hinunter zu den Sieben Schwestern-Faellen. Der Pfad ist lehmig, schlammig und besteht zum Grossteil aus glitschigen steilen Stufen . Wir
stuetzen uns auf unsern Wanderstock und krallen uns an Lianen und Aesten fest.
Unterwegs erklaert uns Campbell die Pflanzen: wir sehen Muskatnussbaeume und Zimtbaeume und eine Menge exotischer Blumen, die ich
sonst nur in Blumenlaeden gesehen habe. Man nennt Grenada auch die
Gewuerzinsel. Sie bauen Vanille an, Kakao Ingwer und vieles andere. Der Markt von St. George’s ist eine Symphonie von Geruechen und Farben!
Nach einem letzten besonders steilen und muehsamen Stueck des Pfades kommen wir endlich an den Wasserfall. Wir springen in das kuehle kristallklare
Wasser und Dani und Scott klettern ueber die fast senkrechte Felswand auf die obere Kante und stuerzen sich die 15 Meter hinunter in das 6 Meter tiefe
Becken!
An einem anderen Tag fahren wir mit dem Bus nach Grand Anse Beach, einem makellosen weissen menschenleeren Sandstrand, gesaeumt von Kokospalmen und
Seagrape- Bueschen. Vor uns das karibische Meer, tuerkis und tintenblau.
Am 10. Januar mieten wir uns einen Jeep und fahren all die Buchten im Sueden ab (man muss sich immer in tropischen Gewaessern ueber
Hurrikanloecher informieren, d.h. Stellen , wo man Zuflucht nehmen kann).
Dann fahren wir hoch nach Grenville im Osten auf der Atlantikseite. Wir essen zu Mittag im Ebony. Kein Schild weist auf dieses Lokal hin, und man
findet es nur, wenn man sich durchfragt: man geht durch eine winzige dunkle
Gasse, durch einen Hinterhof, eine wacklige Stiege hinauf und betritt dann ein Haus aus dem 17. Jh. mit einem grossen Speisesaal, einfach aber
sauber.Das Restaurant soll eines der besten der Insel sein.. Und wir sind
auch wirklich sehr angetan von dem Essen: Conch curry ( conch ist eine riesige Muschel, deren Fleisch koestlich schmeckt), Kingfish, Reis, Kuerbis,
gruene Bohnen, callalou (Wie Spinat) und Brotfrucht.
Heute ist der 12. Januar mund wir haben beschlossen, noch 4 weitere Tage in Grenada zu bleiben und dann weiter zu segeln nach Carriacou , einer anderen
Insel noerdlich von hier. Eigentlich wollten wir schon einen Tag frueher los; da das aber ein Freitag, der 13., ist und wir inzwischen sehr
aberglaeubisch sind was Freitage angeht, haben wir die Abfahrt auf den Samstag verschoben.
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Am 13. Februar segeln wir morgens um 9 Uhr von St. George's. Grenada Richtung
Carriacou ab; die Insel gehoert zu Grenada und liegt etwa 35 Seemeilen /63
km)nordoestlich. Bei schoenstem Wetter segeln wir gemaechlich
nahe der Kueste lang im Wiondschatten der Insel. Ab und zu weht eine Boe aus
einem der Taeler hinunter. Wir fahren mit allen Segeln, haben aber auch
noch den Motor an, damit wir bei Tageslicht in Carriacou ankommen. Es wird gegen
18 Uhr dunkel- schlecht, wenn man die Riffe nicht mehr erkennen kann und die
sandigen Stellen, an denen man ankern muss, um die Korallen nicht zu
beschaedigen. Wir fahren vorbei an der gruenen Kueste von Grenada, den dicht
bewaldeten Bergen, Gouyave- dem kleinen Fischerdorf; ab und zu bunte Haeuser,
ein Kokospalmenhain mit einer Huette.
Am Nordzipfel der Insel faengt es an zu blasen, die Wellen werden hoeher, vor
uns liegen viele kleine unbewohnte Inseln: Sisters, les Tantes, Zuckerhut,,
London Bridge (sieht aus einem bestimmten Winkel wirklich so aus!), Kick 'em
Jenny. Der Wind weht nun stark aus Osten, und wir beschliessen, westlich an Kick
'em Jenny vorbei zu fahren-was man eigentlich nicht tun sollte, weil in dieser
Gegend ein aktiver unterirdischer Vulkan
liegt, der 1989 zum letzten Mal ausgebrochen ist. Auf Hoehe der Inseln wird es
ziemlich rauh, 3 bis 4 m hohe Wellen. Es macht Spass an Deck, und die mRagnar
ist in ihrem Element. Je naeher wir Tyrell Bay kommen, um so ruhiger wird die
See wieder.
Gegen 16 Uhr segeln wir in die Tyrell Bay hinein. Es liegen etwa 50 Segelschiffe
dort. Wir ankern problemlos an einer sandigen Stelle- es gelingt auf nAnhieb!
Sofort kommen ein paar Einheimische mit Dinghies herbei und wollen uns
Hummer, Limetten und Wein verkaufen und ein Restaurant empfehlen. Wir bedanken
uns und vertroesten alle auf morgen, kochen eine herzhafte orange Linsensuppe
mit Knoblauch und Ingwer und gehen beim Klang von Steeldrums und Dschembe-Trommeln
und Windraedern schlafen, nachdem wir im Cockpit noch ein Glas Wein im hellen
Vollmondschein getrunken haben.
Am naechsten Morgen fahren wir mit dem Dinghy in den Mangroventeil der Buch -ein
gutes 'hurricane hole', das sich ziemlich tief ins Land erstreckt. Es liegen
drei Wracks da, ansonsten sind wir die einzigen. Es ist heiss, die
Luft flimmert, Voegel kreischen, die Mangroven mit ihren tausenden von Wurzeln
erscheinen uns undurchdringlich. Man kann sich gut vorstellen, dass sie einem
guten Schutz vor einem Hurrikan bieten.
Hinterher lassen wir das Dinghy am Strand von Tyrell Bay liegen, festgebunden an
einen Baum(in Carriacou gibt es so gut wie keine Kriminalitaet), und erkunden
das Dorf. Ein paar Supermaerkte (in denen es aber nur das Allernoetigste gibt),
ein paar rum shops (ganz einfache Bars), eine Segelmacherei, ein paar
Restaurants, ein boat yard, den Yacht Club und eine echte italienische Pizzeria.
Danach nehmen wir den Bus nach Hillsborough, dem Hauptort der Insel, die
insgesamt nur 20000 Einwohner hat. Es ist Sonntagmorgen, alle Geschaefte
geschlossen, sogar die Bars, kein Verkehr. Nur in der Naehe der vielen
Kirchen sieht man viele Leute im besten Sonntagsstaat. Die Haeuser wirken
sehr gepflegt, bunt gestrichen, kaum Spuren vom Hurrikan Emily zu sehen, der 10
Monate nach Ivan Carriacou heimsuchte. Entlang der Hillsborough Bay ein sauberer
weisser Sandstrand, tuerkises Meer, und am westlichen Rand Sandy Island, nur
weisser Sand mit ein paar Palmen drauf. In der Bucht einige froehlich bemalte
Boote. Whow! Gegen Mittag erwacht der Ort zum Leben. Wir gehen in eine Bar an
der Hauptstrasse, die nach hinten eine Verandah direct am Strand hat.Aus den
glaslosen Fenstern sehen wir Schwaerme von Pelikanen ueber das Wasser rauschen
und sich dann ins Meer stuerzen und mit einem Fisch im Schnabel wieder
auftauchen. Der Besitzer der Bar sitzt auf einem Stuhl am Tisch neben uns und
haelt mit der Kappe ueber dem Gesicht ein Nickerchen. Wir gehen, sagen good-bye,
aber er ruehrt sich nicht. Draussen erinnert sich Skip, dass er nicht bezahlt
hat. Er geht zurueck, weckt den Mann und bezahlt. Der haette gar nichts gemerkt,
es waere ihm wohl auch egal gewesen.
Carriacou gefaellt uns jeden Tag besser. Wir bleiben zwei Wochen und waeren noch
laenger geblieben, wenn wir nicht nach Grenada haetten zurueckkehren muessen. Es
gibt praktisch keinen Tourismus ausser den Seglern und den paar Leuten, die mit
der Faehre ankommen und einige Stunden hier verbringen. Jeder kennt jeden, jeder
scheint jede Menge Zeit zu haben, keine Eile, viel Geduld; viel Gescherze und
Gelaechter.
Wir gucken uns per Bus die ganze Insel an. Jede Fahrt kostet 1 Euro, egal wie
weit man faehrt. Man sitzt eingequetscht zwischen riesigen Pos und Busen, Kisten
und Kanistern, bei Calypso und Reggae-Musik; es geht wild durch die Kurven, und
dann wieder wird bruesk gestoppt wegen einem 'sleeping policeman' (Bodenschwelle).
Wir wandern auf den Mount Chapeau-Carre, den hoechsten Berg von Carriacou, den
wir vom Schiff aus sehen koennen (etwa 350m). Zuerst ist der Weg bequem und
breit, sauber gehalten von Ziegen und Kuehen, die dort grasen. Wir kommen an
einem Haus vorbei und frage nach dem Weg zum Gipfel. Ein etwa 8-Jaehriger,
Darell, begleitet uns ueber einen kaum zu erkennenden Pfad hiauf. Er springt
selbst wie eine Ziege den steilen Berg hinauf, wir keuchend hinterher. Durch
Gebuesch, an verlassenen ueberwucherten Huetten vorbei. Schlingpflanzen,
stacheliger Spargel, poison ivy,praechtige rot und gelb bluehende Baeume. Oben
ein wunderbarer Rundblick ueber die Insel, die Kueste, bis Grenada, Union
Island,Petite Martinique, Petit St. Vincent.
Riffe,weisse Brandung an ihren Raendern, tuerkises Meer. Darell verzieht das
Gesicht vor Schmerz: er wollte eine schoene Muschel aufheben- und der
Einsiedlerkrebs innendrin beisst ihn in den Finger, und es dauert eine
Weile, bis wir ihn aus ihrer Umklammerung befreit haben!
Wir machen eine andere Wanderung von SixCrossRoads (Hillsborough) aus nach
Dumfries an der Ostkueste zu einem schoenen Sandstrand, wo ein Mann manchineel-Stuempfe
verbrennt /diese schoenen aber giftigen Baeume waren vom Hurrikan entwurzelt
worden). Wir suchen den Weg nach Mount Pleasant und erfahren, dass auch er von
Emily 'zerkaut' (chewed up) wurde. Der Mann meint aber, wir koennten ihn
vielleicht finden. Also klettern wir ein Stueck den steilen Hang am Strand hoch,
ueber Reihen von umgestuerzten Baeumen, durch Dornengestruepp. Dann lichtet sich
der Pfad, und wir befinden uns hoch oben an der Steilkueste inmitten von
wogendem Gras mit Kuehen. Duftende Frangipani-Baeume wachsen aus den Ritzen
zwischen den Felsen und der Blick auf die Riffe zwischen Carriacou und
Martinique ist einfach atemberaubend- sie schimmern fast psychedelisch in
allen Schattierungen von blau, gruen und tuerkis! Zauberhaft!
Wir klettern auf den Berg oberhalb von Grand Bay: steil, steil! Viele neue
Haeuser in lindgruen, knallrot, rosa, lila und gelb mit rotten, gruenen oder
blauen Daechern; dazwischen ueppige Vegetation, Bougainvilleas in violet,
rot und weiss, Schlingpflanzen mit glaenzenden Blaettern und rosa und blauen
Blueten. Eine einzige Farbsymphonie. Wir klettern den Berg auf der anderen Seite
wieder hinunter zum Meer, aber der Strand ist voller Abfall und Algen- also
wieder hoch kraxeln.
Es ist sehr heiss, also gehen wir in einen rum shop, um was Kaltes zu trinken,
und da bietet sich eine ire Szene: der Besitzer ist da, ein junger, cooler Typ;
ein aelterer Betrunkener, der auf Dani (der nichts versteht) einredet und von
Abenteuern labert, die man in der Jugend suchen muesse; und ein 'demonio' mit
vielen Zahnluecken, einer loechrigen Hose mit einem Bein bis zum Knie und
dem andern bis auf den Boden und diabolischem Gelaechter
wegen Skips dreadlocks (Rasta-Frisur). Die Frau des Betrunkenen vor der Huette
schreit drohend: Komm sofort da raus! Er ruehrt sich nicht, kriegt aber nix mehr
ausgeschenkt. Dazwischen kommen Kinder rein, kaufen Kaese,
Eier und Chips und starren uns wie Ausserirdische an.
Danach laufen wir zurueck zum Paradise Beach, um uns abzukuehlen und im Schatten
der Mangroven auszuruhen. Der Rastamann von der Bar uebt am Strand Schattenboxen,
nicht gut, aber anhaltend und beeindruckend. Wir holen uns das Bier selbst aus
dem Kuehlschrank und legen ihm das Geld auf die Theke.
Alles OK, man.
Wenn wir nicht die Insel erkunden, arbeiten wir auf dem Schiff: schleifen,
lackieren, schleifen, lackieren, bis wir 6 Schichten drauf haben. Die anderen
boaters und die Einheimischen beobachten uns genau und sind immer
auf dem neuesten Stand.
Wir fuehlen uns richtig wohl in Carriacou und ueberlegen, ob man sich hier nicht
ein Haeuschen bauen sollte. Aber es gibt hier z.b. keine Buchlaeden, keine
Presse,; Essen einzukaufen ist schwierig, weil es wenig Gemuese und Obst, fast
kein Fleisch oder Milchprodukte gibt. Nur die Pampelmusen sind die besten auf
der Welt!
Am Mittwoch, d. 1.2., fahren wir morgens wieder Richtung Grenada zurueck.
Das Wetter wear tagelang regnerisch und windig und der Schwell gross. Jetzt ist
2 Tage lang gutes Wetter angesagt. Mit perfektem NO-Wind und unter blauem Himmel
segeln wir mit 5-6 Knoten Richtung Sueden, ein wunderschoener Toern.
Am 7. Februar ist Unabhaengigkeitstag. Grenada ist seit 1974 keine englische
Kolonie mehr. In seiner kurzen Geschichte ist es turbulent zugegangen. 1979
uebernahm der beliebte Fidel Castro-Fan Maurice Bishop die Regierung ; unter ihm
gab es einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung, der aber durch die
US-Intervention und seine Exekution 1983 abrupt beendet wurde. Der
Hurrikan Ivan zerstoerte 2004 zwei Drittel aller Gebaeude und die gesamte
Landwirtschaft, und seither ist Grenada voellig abhaengig von internationaler
Hilfe. Man versucht nun, wieder eine eigenstaendige Wirtschaftsstruktur
aufzubauen, aber die Muehlen malen sehr langsam.
Die 90000 Menschen hier sind sehr stolz auf ihr Land. Fast jeder traegt zur Zeit
eine Kappe, ein T-shirt, ein Tuch in den Landesfarben, die Kinder
gruen,gelb,rote Baender in ihren vielen Zoepfchen. Die Staemme der
Strassenbaeume werden angemalt, Gebaeude,Autos und Schiffe geflaggt. Die
Strassen sind blitzsauber gefegt, und bis nachts werden die Rasen gemaeht.
Venezolanische, englische und franzoesische Kriegsschiffe liegen im Hafen.
Polizei und Militaer marschieren zur Uebung im Calypso-Rhythmus durch die
Strassen. Am 7.Februar nachts um 1.30 Uhr gehen wir zum Freiheitsfest am
Flughafen, einem Reggaekonzert mit grenadischen und jamaikanischen
Musikern, das gegen 5.30 endet.
T O B A G O
Am 26. Februar gegen 16 Uhr segeln wir von Grenada ab in suedoestlicher
Richtung nach Tobago, wo wir unsere Freunde Pit und Anni treffen wollen. Es
sind 90 Seemeilen (162 km), und wir wollen bei Tageslicht ankommen. Schoenes
Wetter und eine gute Brise aus NO, Kurs 120-130 Grad. Der Atlantik in dieser
Gegend ist eher flach und die Wellen daher steil, so dass das Schiff arg
rollt. Morgens sehen wir Tobago und suedlich davon Trinidad vor uns
auftauchen. Nach langen 21 Stunden umrunden wir Crown Point, die SW-Spitze
Tobagos, und segeln mit Motor Richtung Scarborough, wegen der 4 Knoten
starken Stroemung. Wir brauchen 3 Stunden fuer die 8 Seemeilen, mit dem
Motor auf Hochtouren, und muessen hoellisch aufpassen, dass wir in dem
engen, nur 5 m tiefen Kanal bleiben und nicht auf ein Riff auflaufen. Nahe
Scarborough erstreckt sich das Riff etwa 2 Seemeilen ins Meer hinaus, und es
gibt nur eine einzige Markierung dafuer. Also muessen wir die Augen offen
halten und staendig beobachten, wo sich die Wellen brechen, denn die starke
Stroemung schiebt uns in die Richtung des Riffs. Nachmittags um 4 Uhr haben
wir es geschafft und ankern im Fischerhafen von Scarborough. Dort finden wir
nur noch ein anderes Segelschiff vor.
Wir rudern mit dem Dinghy an den Steg und klarieren beim Zoll ein. Die Lady
dort ist sehr nett und erklaert uns, dass wir am naechsten Tag auch noch bei
Immigration einklarieren muessen (es ist ja Sonntag). Ausserdem gibt sie uns
Auskunft ueber die Karnevalsaktivitaeten in den naechsten zwei Tagen und
warnt uns vor zwielichtigen Elementen- es ist eine wilde Zeit.
In der Strasse entlang dem Hafen wummert aus riesigen Lautsprechern
Karnevalsmusik. Die Strassen sind voller Geschaefte, Staende, Bars,
Pizzerias. Ein riesiges Kreuzfahrtschiff liegt hochhaushoch direkt hinter
den Hafengebaeuden. Es wimmelt von Leuten. Wir finden eine kleine coole Bar
an einer Kreuzung etwas oberhalb des Hafens und beobachten von dort aus das
abendliche Treiben.
Am naechsten Morgen wachen wir auf von laermender Musik und Geschrei. Es ist
Karnevalsmontag, Jouvert genannt. Um 7 Uhr gehen wir mit unseren Papieren
rueber zu Immigration, vorbei an mit Schlamm und Farbe beschmierten
Gestalten mit glasigen Augen. Waehrend wir 2 Stunden lang Crewlisten,
Gesundheitsformulare etc ausfuellen, beobachten wir aus dem ersten Stock die
Riesenmasse von jungen Leuten, die seit 4 Uhr morgens sich mit Schlamm und
Farben beschmieren und trinken und tanzen bis zum Umfallen. Riesige
Lastwagen, vollgestopft mit Lautsprechern, plaerren irrsinnig laute
Soca-Musik: immer wieder dieselben Ohrwuermer, shake it, shake it, shake it!
Zur Erholung gehen wir in unsere Bar, die die Leute das watering hole
nennen, die Wasserstelle. Von da haben wir einen guten Ueberblick. Manchmal
steht der ExPremier von Tobago hinterm Tresen, manchmal eine indisch
aussehende Frau mit goldenen Vorderzaehnen.
Danach machen wir einen Spaziergang durch den Botanischen Garten. Dort
machen wir Bekanntschaft mit einem sehr netten Mann, der uns ein Stueck
begleitet und uns Baeume erklaert. Er hebt eine braune Schote auf, sagt wir
sollten sie schaelen und probieren: es ist eine Tamarinde, sauer, aber gut.
Er zeigt uns Sapodilla-, Balsam-, feuerrote Korallenbaeume, riesige Ceibas
(silk cotton trees) etc. Oben im Park spielt ein Mann sehr einfuehlsam auf
einer sehr feinen steelpan.
Dann wandern wir durch Upper Scarborough. Das wirkt im Gegensatz zum Hafen
verschlafen, sauber und ordentlich. Wir entdecken eine Baeckerei, die einen
unglaublich leckeren Karottenkuchen verkauft. Danach wandern wir noch weiter
die steile Strasse hinauf nach Fort George; um das alte Fort herum grosse
Rasenflaechen mit uralten weit ausladenden Baeumen voller bluehender
Schmarotzerpflanzen; unter den Baeumen picknicken Familien.
In der Zwischenzeit haben sich unten am Hafen und Markt die Leute
versammelt, um den Kinderkarneval anzuschauen. Wir stehen am Endpunkt des
farbenfrohen und froehlichen Umzugs, und die Kinder sind nach dem
stundenlangen Tanzen etwas groggy. Wir auch. In der Bar treffen wir zwei
freundiche Tobager, die uns ueber die unterschiedlichen Musikstile
aufklaeren, die unter dem Begriff Calypso firmieren. Es gibt zwei grosse
Gruppen: Kaiso und Soca. Kaiso ist der traditionelle Calypso, er ist
langsamer und der Text ist wichtig: er ist z.B. sozialkritisch oder macht
sich ueber Politiker lustig. Soca ist modern, schnell, diskoartig, er
scheint inhaltsleer und simple (auch musikalisch), aber er bringt die Leute
zum Tanzen! Karnevalsmusik ist Soca, je ohrrenbetaeubender, umso besser. Wir
erholen uns davon, indem wir dismal die Reling des Schiffes abschleifen (ein
niemals endender Job).
Bevor wir am Dienstag den Umzug der Erwachsenen angucken, essen wir bei
Rasta Ma zu Mittag. Rastas sind gute Koeche, pieksauber. Sie kochen Fisch-
und Fleischgerichte, aber auch viel Gemuese und Reis und sehr leckere
Bohnen- und Maissuppen.
Der Umzug dauert Stunden: phantasievolle Kostueme in buntesten Farben, die
Frauen alle in Bikinis, wildes Getanze. Mud-people, ueber und ueber mit
Schlamm beschmiert; Teufel mit Mistgabeln. Nicht alle der Teilnehmer haben
die Traumfiguren, die wir von Bildern kennen; es ist alles vertreten: Kleine
und Runde, Grosse und Alte, Junge und Fette- manche mehr als man sich
vorstellen kann. Alle tanzen bis zur Erschoepfung, und darueber hinaus. Man
spuert eine ungeheuere Lebensfreude.
Nach dem Umzug zum Ausruhen ins watering hole. Die Szene dort koennte aus
einem Fellini-Film stammen. Roemische Soldaten, Bauchtaenzerinnen,
Schlamm-Leute, weisse Leute (=Schwarze, mit Kreide beschmiert und mie Masken
auf)- alle kommen den Huegel hinauf, manche voellig ausgelaugt, manche
taufrisch. Maedchen in glitzernden Bikinis mit Fransen; dicke Mamas mit
Tangas und Glitzerschmuck stapfen heimwaerts mit einem Regenschirm unterm
Arm, ohne jegliche Komplexe, inmitten der voellig normal angezogenen Leute
der Stadt. Besonders spektakulaer: ein bildschoenes 2 Meter-Maedchen im
weiss-goldenen Bikini-Kostuem und langen Federn als Kopfschmuck beugt sich
nieder, um in ein Taxi einzusteigen.
Am 2. Maerz besuchen uns Pit und Anni und fahren mit uns nach Castara Bay.
Unterwegs halten wir an einer Bar, wo die Wirtin ein 2-Wochen altes Zicklein
mit der Babyflasche fuettert. Jeden Sommer besucht sie eine andere
karibische Insel. Wir fragen sie, welche ihr am besten gefallen hat, und sie
sagt: Oh, Grenada- ich liebe Grenada! Oh, St. Vincent- ich liebe
St.Vincent! St. Lucia-oh, I love St. Lucia!Oberhalb von Castara befindet sich ein grandioser Aussichtspunkt inmitten
eines kleinen Parks mit Rasen und Seemandelbaeumen. Ganz weit unten sieht
man Castara Bay mit seinem weissen Sandstrand und die bewaldete
buchtenreiche Westkueste Tobagos.
Tobago ist ausser Trinidad, mit dem zusammen es einen Staat bildet, die
einzige karibische Insel, die frueher mit dem suedamerikanischen Festland
verbunden war, sich davon jedoch schon vor 11 mio. Jahren geloest hat
(Trinidad erst vor 11 000 Jahren). Deshalb gibt es hier Pflanzen, Voegel und
Eidechsen, die man auf anderen Inseln nicht findet. Tobago hat 210
verschiedene Vogelarten,viel mehr als jede andere Insel. Der Regenwald ist
der ueppigste von allen, die wir gesehen haben.
Als wir unterwegs anhalten, um einen Wasserfall zu suchen, laufen wir durch
ein Gebirgsbachbett, an dessen Ufern rotbluehender Ingwer und wilde Anturien
und Heliconias und Callalou wachsen.
Zwei Tage spaeter verabreden wir uns mit Pit und Anni in Charlotteville an
der NW-Spitze der Insel.Wir fahren mit dem Bus die Ostkueste entlang: enge
Strasse, oefter mal eine Erdrutschstelle, Buchten, Straende. Zum Schluss
noch mal einen so steilen Berg hinauf, dass der Motor ueberhitzt, und dann
durch Haarnadelkurven hinunter nach Charlotteville. Unsere Freunde haben auf
wundersame Weise die Lageskizze von einem Schatz bekommen. Diesen Schatz
wollen wir jetzt bergen! Wir fahren ueber eine elendige Holperstrasse voller
Schlagloecher einen steilen Berg hinauf und lassen das Auto stehen. Danach
beginnt ein 15-minuetiger Abstieg durch den Regenwald: riesenhohe Baeume mit
Philodendren, die sich bis oben um den Stamm ranken, Riesenbambus,
Riesenfarne, Pflanzen mit so grossen Blaettern dass man sich damit bedecken
koennte. Bunte Voegel. Wir waten durch einen klaren Bach und sehen durch das
Laubwerk einen sandigen leeren Strand mit Kokospalmen, die Brandung und das
Meer. Der Garten Eden.
Pit findet den Schatz schnell, die Skizze ist genau; am Fuss eines Baumes,
an den ein "Betreten verboten!- Schild genagelt ist, in einer Kokosnuss,
alles bester pflanzlicher Natur. Wir sitzen im Schatten eines Seemandelbaums
auf ein paar Bambushoelzern und geniessen das Paradies. Nachher fahren wir
zum Hotel, wo Pit und Anni uns zur besten Piña colada unseres Lebens
einladen. Die Voegel auf dem Verandahgelaender sind so zahm, dass man sie
anfassen koennte.
Pit und Anni setzen uns dann in Speyside ab,von wo wir den Bus zurueck nach
Scarborough nehen wollen. Da treffen wir eine gute Seele namens Joseph, der
uns zeigt, wo wir die Fahrkarten kaufen koennen und auch ein paar
Flachmaenner mit Rum, um uns mit noch zwei Freunden von ihm die Zeit bis zur
Abfahrt zu vertreiben. Waehrend wir alle auf den Bus warten, gesellt sich
auch noch die Pastorin dazu und klagt mir ihr Leid ueber schwer
kontrollierbare Schaefchen und wie sie alles mit viel Liebe und Respekt (ein
sehr wichtiger Begriff hier) in Griff bekommt. Der Bus kommt irgendwann
tatsaechlich an, und alle verabschieden uns herzlich. Die Rueckfahrt durch
die fruehe dunkle Tropennacht ist ein kurviges Abenteuer. Eigentlich ist es
besser als bei Tag, weil man die Abgruende nicht sehen kann.
Am 4. Maerz fruehmorgens lichten wir den Anker und segeln ab nach Plymouth,
wieder vorsichtig durch die Riffs, aber dismal MIT der Stroemung und fast 6
Knoten! Es ist ein wunderschoener Toern mit 20 Knoten Wind aus Ost und
vorbei an den schoensten Straenden Tobagos um Pigeon Point herum. Gegen 13
Uhr kommen wir in der Courland Bay an. Wir sind das einzige Segelschiff
hier. Nach einem Spaziergang durch Plymouth gehen wir den wunderbaren Strand
entlang: Turtle Beach. Hier kommen in dieser Jahreszeit nachts die
Schildkroeten an Land , um ihre Eier im Sand zu verbuddeln. Es gibt Hunderte
von Voegeln hier, in der Luft, auf dem Wasser und auf den Fischerbooten. Die
Pelikane sind die witzigsten.Sie ziehen ihre Krreise ueber dem Wasser und
stuerzen sich dann ins Meer, um einen Fisch zu schnappen. Normalerweise
kommen sie mit dem Fisch im Schnabel heraus und verschlingen ihn dann. Hier
aber setzen sich die Lachmoewen auf ihre Koepfe, um ihnen den Fisch zu
rauben. Frech! Aber die Pelikane sind schlauer: sie nehmen den Fisch schon
unter Wasser ganz in ihren Schnabel und verschlingen ihn dann, wenn sie
herauskommen, so dass die Lachmoewen keine Chance haben. Die grosse rote
Sonne geht langsam unter und die Mondsichel steht schon hell am Himmel.
Karibische Abendstimmung.
Am Sonntag, dem 5. Maerz, segeln wir mit Pit und Anni von Plymouth nach
Charlotteville. Es ist der erste Segeltoern fuer Anni ueberhaupt. Wir segeln
nahe der Kueste, entlang an Englishman's Bay, Parlatuvier Bay und Bloody Bay
und den Sisters Rocks. Anni moechte unbedingt Delphine sehen. Also schlage
ich gegen die Bordwand, und Anni macht Delphingeraeusche. Und tatsaechlich-
wie von Zauberhand erscheinen sie ploetzlich, viele viele, und viel groesser
und heller als die, die wir bisher gesehen haben.Ein Baby ist dabei. Sie
spielen, tauchen unter dem Schiff und kommen auf der anderen Seite wieder
zum Vorschein. Anni ist entzueckt! Dann verschwinden sie, kommen aber
spaeter noch mal wieder. Schliesslich kreuzen wir in die Man of War Bay
hinein und gehen vor Charlotteville vor Anker und springen ins Wasser. Skip
schrubbt gerade entlang der Wasserlinie der Ragnar, als ich einen grossen
hellen Fisch entdecke, der um ihn herum schwimmt. Anni schreit:Ein Hai!!!
Worauf Skip schnell an Bord klettert . Im selben Moment springt Dani auf
der anderen Seite ins Wasser.Als wir ihm zurufen, da ist ein Hai!, hechtet
er mit affenartiger Geschwindigkeit an Bord.(Spaeter erfahren wir, dass der
Fisch kein Hai war, sondern ein Pilotfish, der sich an andere Fische heftet
und sie von Plagegeistern befreit. Er blieb die ganze Zeit bei uns, und wir
fuetterten ihn, Salat mochte er am liebsten, Tomaten weniger.)Am naechsten Tag holen uns Pit und Anni mit dem Mietauto ab, und wir fahren
zu den Argylle Wasserfaellen bei Roxborough. Wir schlendern durch die
Kakaoplantagen und dann durch den Regenwald entlang dem Flussbett zu den
atemberaubenden Faellen. Wir steigen in das untere Becken und klettern dann
die Wurzelstufen hoch zum zweiten und dritten Becken, der "Rastadusche".
Steht man darunter und scheint die Sonne, kann man einen kreisrunden
Regenbogen sehen. Man kann ihn in der Hand halten! Auf dem Weg zurueck
kommen wir vorbei an Rastas, die entlang dem Weg Lampenschirme aus
Kalabasse verkaufen, Bambus-Aschenbecher, Kakaobaelle, und anderes.
Spaeter finden wir nach vielem Fragen das Richmond Plantation House. Pit
faehrt in die Einfahrt und blockiert sie, als ein anderer Wagen auch hinein
will. Er hupt und wartet dann sehr geduldig, bis Pit gewendet und sich an
die Seite gestellt hat. Was fuer ein glueckliches Zusammentreffen! Der
Fahrer ist Arthur Jemmotte, der Leiter der Restaurierung des 300 Jahre alten
Hauses . Er sagt, sie arbeiteten noch daran, aber er wuerde uns gerne
erlauben, einen Blick ins Innere des Hauses zu werfen., wenn wir unsere
Schuhe ausziehen. Unglaublich! Das Haus selbst und die Sammlung von
afrikanischen Skulpturen und Holzarbeiten darin muss man sich ansehen!
Danke, Arthur, fuer die freundliche Einladung und die interessanten
Erklaerungen!
Auf dem Weg zurueck zum Blue Waters Inn koennen wir natuerlich einer Piña
colada nicht widerstehen. Hmmm!!
Am naechsten Tag fahren wir alle mit dem Glasbottom- Boot nach Petit Tobago,
der kleinen Insel gegenueber vom Hotel. Die Insel ist Naturschutzgebiet, und
dort finden wir auch endlich die Voegel, die uns ueber den ganzen Atlantik
begleitet haben. Es sind Tropicbirds, die hier ihre Nester unter grossen
Anturiumpflanzen bauen. Ihre Jungen sind vor ein paar Tagen geschluepft. Sie
haben ueberhaupt keine Angst vor uns. Nach dem Spaziergang ueber die Insel
schnorcheln wir auf dem Riff und beenden den Ausflug mit einer--- klar,
Piña colada.
Am Freitag klarieren wir aus Charlotteville, wobei wir herausfinden, dass
man in jedem Hafen von Trinidad und Tobago ein- UND ausklarieren muss.
Am Samstagmorgen beobachten wir ganz relaxed, wie die Fischer ihre Netze an
den Strand ziehen, setzen dann die Segel, waehrend wir noch vor Anker liegen
und segeln dann nach NW ab. Was fuer eine Fahrt!! Fuer uns ein Rekord: 90
Seemeilen in 12 Stunden! Jetzt sind wir wieder "zuhause", in St. George's,
Grenada, liegen am Dock, haben gut gegessen und gehen zu Bett.
CHAP VIII Bequia, ST. Vincent
B E Q U I A
Wir sind zur Antigua Classics Regatta eingeladen worden, die vom 20 bis 25.
April stattfindet. Deshalb muessen wir nun die Inselkette hoch segeln, um
rechtzeitig dort anzukommen. Am Samstag, d. 18. Maerz um 12 Uhr segeln wir
von Grenada ab Richtung Bequia, einer kleinen Grenadinen-Insel suedlich von
St. Vincent, 70 Seemeilen von St. George's, bei nordoestlichem Wind. Wir
halten uns so nahe an der Kueste wie moeglich, um die Fallwinde, die die
Taeler hinunterwehen, zu erwischen.Nach Einbruch der Dunkelheit kreuzen wir
bis etwa 12 Seemeilen westlich von Union Island und dann zurueck bis 2
Seemeilen vor der Kueste. Dann wieder kreuzen bis 10 Seemeilen vor Bequia
und von dort in den Hafen von Admiralty Bay, wo wir gegen Mittag
ankommen.Ein Einheimischer kommt uns mit seinem Boot entgegen und hilft uns,
an einer Boje festzumachen. Um 15 Uhr klarieren wir bei Zoll und Immigration
ein und sind 10 Minuten spaeter schon fertig. Rekord!
Admiralty Bay mit dem Fischerdorf Port Elizabeth ist eine grosse Bucht mit
hellem Sandstrand fast rundum.Es ist ein Platz fuer Segelyachten- wir
zaehlen etwa 170- , aber auch beliebt bei Megayachten und
Kreuzfahrtschiffen. Es gibt viel zu beobachten, vor allem die grossen
Segelschiffe mit 3,4 und sogar 5 Masten sind eine Augenweide. Entlang der
Bucht verlaeuft ein Gehweg, bepflanzt mit Palmen, Zedern, Frangipanis und
Blumen. Kleine bunte Haeuser saeumen das Ufer- Bars, Restaurants, Boutiquen,
Internet-Cafés, Supermaerkte, Delikatessen, Markt, alles da, was das Herz
begehrt.
Wir schlendern die Bucht entlang; die Einheimischen sitzen angezogen im
Wasser und geniessen die Kuehle. Haendler bieten unter den einladenden
Schattenbaeumen Bootsmodelle aus Kokosnussschalen an. Wir trinken ein
Smoothie- Saft aus Mangos, Papayas und soursop. Hmmm! Danach essen wir die
in der ganzen Karibik geruehmte lobster (Hummer)-Pizza im Mac's, eine
wirkliche Gaumenfreude!! Und so viel, dass wir den Rest im doggy-bag
mitnehmen fuer den naechsten Tag.
Am Montagmorgen, ganz frueh, bevor die Invasion von den Kreuzfahrtschiffen
anfaengt, gehen wir auf den Markt, einer der besten der Karibik bisher. Die
Haendler sind fast alle Rastas, wie immer unglaublich nett; sie lassen uns
die Fruechte probieren, die wir nicht kennen- Passionsfrucht, Sternfrucht,
golden apples usw.
Danach wandern wir ueber den Berg nach Friendship Bay. Das letzte Stueck der
Strasse ist so steil wie eine Sprungschanze, und Dani und ich breiten unsere
Fluegel aus und fliegen hinunter! Unten biegen wir an einem Telefonmast
rechts ab, schlagen uns ein Stueck durch die Buesche und geraten wieder mal
an eine traumhafte Bucht. Wir waten durch das kuehle Wasser, bis wir an die
Mosquito Bar kommen: dort verbringen wir die naechsten Stunden schaukelnd in
den Stuehlen, die um die Bar herum von der Decke haengen! Natuerlich bei
piña coladas- anders als die in Tobago, aber auch sehr lecker!! Nach einem
wunderbaren Lunch mit Kuerbis und Suesskartoffeln nehmen wir ein Taxi und
fahren die Ostkueste von Bequia ab, so weit die Strasse reicht. Wir kommen
vorbei anwunderschoenen leeren Sandstraenden, dahinter Kokosnussplantagen
und weidende Kuehe.
Am Montag machen wir das Schiff sauber, schleifen und lackieren. Wir wollen
in Antigua ja einen guten Eindruck machen!
In Admiralty Bay zu liegen ist wie in einem 5-Sterne Hotel zu wohnen. Um 7
Uhr morgens kommt der Brotmann mit seinem Boot vorbei und bietet frische
Baguettes und banana bread an; dann kommt der Gemuesemann, dann der mit
Wasser und Diesel, dann das Maedchen von der Waescherei, und wenn man zu
traege is t,das Dinghy zu nehmen, kann man das Wassertaxi herbeiwinken.
Gerade sitzen Skip und ich im Internet-Café und beobachten das Treiben im
Hafen ; wir sind hin und weg von der Musik, die gerade gespielt wird:
tollste afrikanische Trommeln, nur Trommeln, sonst nichts, unglaublich der
Rhythmus und die Exaktheit der Musiker . Wir haetten die CD gern, aber
leider ist es ein altes Band, das die E·x-Frau von jemandem zurueckgelassen
hat...Not available.
ST. V I N C E N T
Am Donnerstag, 23.3., fahren wir weiter nach Wallilabou, St. Vincent, mit
durchschnittlich 7.5 Knoten! Wieder mal eine Rauschefahrt, da macht das
Herz einen Huepfer! Wallilabou ist eine sehr malerische Bucht, und im
wahrsten Sinne wie aus Hollywood, denn hier wurde Pirates of the Caribbean
gedreht, mit Johnny Depp. Sie haben die Kulissen stehen gelassen, und wenn
man in die Bucht hineinfaehrt, hat man den Eindruck, dass man ein altes
karibisches Fischerdorf vor sich sieht, mit alten Gemaeuern und
palmwedelgedeckten Daechern, grossen Holzfaessern, einigen alten Saergen(
?). Bei naeherem Hinschauen entdeckt man dann, dass die Steine aus Styropor
sind und die Haeuser nur aus Fassaden bestehen- dahinter befindet sich nur
Gestaenge und Sperrholz.Aber es hat trotzdem was, es wirkt ganz gemuetlich.
Und zwischen diesen Kulissen leben ja auch ganz normal die Leute.
Als wir in die Bucht hineinfahren, kommt uns Smiley entgegen und hilft uns
mit der Boje. Ausserdem muessen wir das Schiff auch mit einer Heckleine
vertaeuen, die er an einer 50 m entfernten Palme festmacht. Er hilft uns
auch , den folgenden Tag zu organisieren, denn wir wollen den Vulkan
besteigen!
Am naechsten Morgen um 6.30 Uhr holt uns "Brother" mit seinem Wassertaxi ab.
Wir muessen eine Stunde bis zur Richmond Bay hinauffahren, von wo der Trail
zum Soufriere-Vulkan abgeht. Wir fahren ganz nah an der Kueste lang,
haarscharf vorbei an den Riffs und Felsen; in Cumberland Bay holen wir
unseren guide (Fuehrer) ab, Dannyman. Als wir ankommen, gucken wir hoch zum
Kraterrand - ueber 1000 m steil hoch...Eine 2 ½ bis 3-stuendige Kletterei,
zuerst durch ein ausgetrocknetes Flussbett mit schwarzem Sand (und Dannyman
barfuss.), dann durch eine stellenweise, 70cm breite Schlucht, und dann hoch
und immer hoeher, ohne ebene Stellen., durch dichtesten Regenwald mit 10m
hohen Riesenfarnen. Teilweise ist der schmale Pfad entlang dem Grat so
schmal, dass, wenn man auf die Fuesse guckt, man beide Seiten des nahezu
vertikalen Hangs sieht. Und diese Haenge sind bewirtschaftet- Rastas haben
saubere Furchen gezogen und mit Auberginen, Paprika und anderem bepflanzt.
Nach einem zermuerbenden feuchten und heissen Aufstieg durch den Wald
lichtet sich ploetzlich die Landschaft und wird vulkanisch oede, nur ein
paar Graeser gedeihen hier, und wir muessen unsere Jacken anziehen, weil es
auf einmal kalt und windig ist. Und dann gelangen wir an den Kraterrand- ein
Riesenkrater, etwa 400 m tief. Wir muessen gebueckt laufen und hoellisch
aufpassen, dass wir nicht hinunter geweht werden. Ab und zu wehen
Wolkenfetzen an uns vorbei. Wir machen ein kurzes Picknick und dann geht's
wieder bergab, mit grandiosem Blick ueber die spitzen Berge und die Kueste
von St. Vincent. Aber unsere armen Knie!! Auf halbem Weg erkennt Skip
richtig, weshalb der Vulkan Soufriere heisst: er laesst dich leiden /suffer!
Am naechsten Tag haben wir so einen Muskelkater, dass wir nicht wie geplant
weitersegeln, sondern uns erst mal auskurieren, bevor wir weiter nach St.
Lucia fahren.
CHAP IX. ST. V incent, ST. L ucia, M artinique, Dominica, Les Saintes und Guadalupe, Und Antigua
ST. V I N C E N T
Am Donnerstag, 23.3., fahren wir weiter nach Wallilabou, St. Vincent, mit
durchschnittlich 7.5 Knoten! Wieder mal eine Rauschefahrt, da macht das Herz
einen Huepfer! Wallilabou ist eine sehr malerische Bucht, und im wahrsten Sinne
wie aus Hollywood, denn hier wurde Pirates of the Caribbean gedreht, mit Johnny
Depp. Sie haben die Kulissen stehen gelassen, und wenn man in die Bucht
hineinfaehrt, hat man den Eindruck, dass man ein altes karibisches Fischerdorf
vor sich sieht, mit alten Gemaeuern und
palmwedelgedeckten Daechern, grossen Holzfaessern, einigen alten Saergen( ?).
Bei naeherem Hinschauen entdeckt man dann, dass die Steine aus Styropor sind und
die Haeuser nur aus Fassaden bestehen- dahinter befindet sich nur Gestaenge und
Sperrholz.Aber es hat trotzdem was, es wirkt ganz gemuetlich.
Und zwischen diesen Kulissen leben ja auch ganz normal die Leute.
Als wir in die Bucht hineinfahren, kommt uns Smiley entgegen und hilft uns mit
der Boje. Ausserdem muessen wir das Schiff auch mit einer Heckleine vertaeuen,
die er an einer 50 m entfernten Palme festmacht. Er hilft uns auch , den
folgenden Tag zu organisieren, denn wir wollen den Vulkan
besteigen!
Am naechsten Morgen um 6.30 Uhr holt uns "Brother" mit seinem Wassertaxi ab.
Wir muessen eine Stunde bis zur Richmond Bay hinauffahren, von wo der Trail zum
Soufriere-Vulkan abgeht. Wir fahren ganz nah an der Kueste lang, haarscharf
vorbei an den Riffs und Felsen; in Cumberland Bay holen wir unseren guide (Fuehrer)
ab, Dannyman. Als wir ankommen, gucken wir hoch zum Kraterrand - ueber 1000 m
steil hoch...Eine 2 ½ bis 3-stuendige Kletterei, zuerst durch ein
ausgetrocknetes Flussbett mit schwarzem Sand (und Dannyman barfuss.), dann durch
eine stellenweise, 70cm breite Schlucht, und dann hoch und immer hoeher, ohne
ebene Stellen., durch dichtesten Regenwald mit 10m hohen Riesenfarnen. Teilweise
ist der schmale Pfad entlang dem Grat so schmal, dass, wenn man auf die Fuesse
guckt, man beide Seiten des nahezu vertikalen Hangs sieht. Und diese Haenge
sind bewirtschaftet- Rastas haben saubere Furchen gezogen und mit Auberginen,
Paprika und anderem bepflanzt.
Nach einem zermuerbenden feuchten und heissen Aufstieg durch den Wald lichtet
sich ploetzlich die Landschaft und wird vulkanisch oede, nur ein paar Graeser
gedeihen hier, und wir muessen unsere Jacken anziehen, weil es auf einmal kalt
und windig ist. Und dann gelangen wir an den Kraterrand- ein
Riesenkrater, etwa 400 m tief. Wir muessen gebueckt laufen und hoellisch
aufpassen, dass wir nicht hinunter geweht werden. Ab und zu wehen Wolkenfetzen
an uns vorbei. Wir machen ein kurzes Picknick und dann geht's wieder bergab, mit
grandiosem Blick ueber die spitzen Berge und die Kueste von St. Vincent. Aber
unsere armen Knie!! Auf halbem Weg erkennt Skip richtig, weshalb der Vulkan
Soufriere heisst: er laesst dich leiden /suffer!
Am naechsten Tag haben wir so einen Muskelkater, dass wir nicht wie geplant
weitersegeln, sondern uns erst mal auskurieren, bevor wir weiter nach St. Lucia
fahren.
ST. L U C I A
Am Sonntag, den 26. Maerz, segeln wir weiter nach Norden, nach St. Lucia.
Mit Hilfe von Pancho machen wir in Benny's Haemony Beach an einer Boje fest und
zur Sicherheit auch an einem Baum. Ausser uns sind noch etwa 3 andere Yachten
hier, direkt am Fuss des kleinen Piton, einem von zwei zuckerhutaehnlichen ueber
700m steilen Bergen suedlich vom Fischeerdorf Soufriere, die eine der
Hauptattraktionen von St. Lucia sind. Das Wasser ist kristallklar, so dass wir
vom Deck aus die bunten Fische und Korallen sehen koennen.
Abends rudern wir die weite Strecke bis zu Benny's Restaurant. Seine Frau
Marcelene ist eine exzellente Koechin, und das kreolische Abendessen lecker.
Wir fuehlen uns wie zu Hause mit dieser Familie!
Am naechsten Tag zeigt uns Junior, der Taxifahrer aus Soufriere, interesssante
Orte in dieser Gegend: die tolle Aussicht, die man von La Haute Plantation auf
die Pitons hat;die Fahrt durch den Vulkankrater, wo Schwefeldaempfe aus
kochenden schwarzen Tuempeln wabern; das Dasheene Restaurant auf einem
Bergsattel direkt zwischen den beiden Pitons. Der Blick raubt Skip buchstaeblich
den Atem, er fuehlt sich wie erdrueckt von dieser spitzen
Bergmasse.Anschliessend zur Kakaoplantage Le Fond Doux Estate.
Theodora unsere huebsche junge und gut ausgebildete Begleiterin erklaert uns die
verschiedenen Stadien der Kakaoproduktion: Pfluecken, Schaelen, Gaeren, Trocknen,
Entfernen der aeusseren Schale (durch Tanzen auf den Bohnen in einem grossen
eisernen Bottisch) , Mahlen ( mit einem Moerser, per Hand,15 Tonnen jedes Jahr).Dann
wandern wir mit ihr durch den Park. Sie pflueckt
eine grosse reife gelbe Kakaofrucht vom Baum, oeffnet sie und sagt, wir sollten
die weissen glibbrigen Samen lutschen und wieder ausspucken - nicht kauen oder
schlucken. Wir sind ueberrascht, dass diese Dchungel-M&Ms, wie sie sie hier
nennen,ueberhaupt nicht wie Kakao aussehen oder schmecken,
sondern eher wie unsere spanischen Cherimoyas, suess und sauer zugleich.Sehr
lecker und erfrischend.
Bevor wir am naechsten Morgen weiter noerdlich nach der beruehmten Marigot Bay
segeln, fahren wir noch um den kleineren Piton herum in die Bucht zwischen den
Pitons. Zuerst gucken wir uns Bang an, eine kleine Ansammlung von Villen,
Restaurants und Geschaeften, erbaut unter der Leitung eines
englischen Lords fuer die internationale crème de la crème. Um diese Uhrzeit ist
noch nichts offen, aber alles ist mit viel Geschmack und Understatement gemacht.
Nebenan gibt es ein luxurioeses Hotel inmitten von Rasenflaechen und
Palmenhainen. Wir trinken Kaffee auf der Terrasse und kommen uns vor wie in
einer Kunstwelt- der Kontrast zum Nachbardorf Soufriere ist krass. Sie haben
sogar den schneeweissen Sand aus Guayana importiert. Wir verlassen den Ort
fluchtartig /unfreundliches Personal, arrogantes Publikum). Am Rand des Areals
sprechen wir mit einer Waerterin, die verhindert, dass ihresgleichen den
Sandstrand betritt. Sie fragt uns, was unser naechstes Ziel ist, und auf unsere
Antwort "Marigot Bay" sagt sie "Warum wollt ihr denn da hin?"
Als wir einige Stunden spaeter in Marigot Bay ankommen, fragen wir uns das auch.
Die Bucht , die mal eine der schoenssten der Karibik gewesen sein muss, ist in
die Haende von Investoren geraten, die kraeftig dabei sind, ihre Einzigartigkeit
und ihren Charme zu zerstoeren. Obwohl sie beste Absichten haben: Umwelt
schuetzen, naturgemaess bauen, Arbeit beschaffen etc.Die Einheimischen sehen
diese Entwicklung auch mit sehr gemischten Gefuehlen: ihr alter Lebensstil geht
verloren- im Austausch fuer was, fragen sie sich.
Wir fluechten am naechsten Tag nach Rodney Bay und geraten in eine Marina, die
genauso gut irgendwo in Florida sein koennte. Wir schaetzen, dass wir mal wieder
an Strom und Wasser angeschlossen sind und das Beiboot an Bord lassen koennen,
aber die Resort-artige Umgebung und die Malls gefallen uns weniger.
Wir mieten ein Auto, um von dieser Kueste wegzukommen, auf der Suche nach dem
karibischen St. Lucia. Im Inneren der Insel finden wir Labisab Plantation, einen
Bauernhof, der schon seit Generationen in den Haenden einer Familie ist. Dieser
Hof liegt sehr idyllisch zwischen zwei Bergbaechen, von denen der eine ein
Becken bildet, in dem die Baptisten ihre Taufen abhalten.
Alles auf dieser Farm ist selbst hergestellt, sogar die Bretter fuer den Hausbau
werden mit der Hand gesaegt. Die Staemme werden auf ein etwa 2.5m hohes Geruest
gelegt. Ein Mann steht oben, ein anderer unten, und beide saegen gleichzeitig
mit der langen Saege, der eine schiebt, der andere
zieht. Um die Arbeit zu erleichtern und unterhaltsamer zu machen, wird dabei
gesungen und getrommelt. Der Hof ist vollkommen autark und produziert genug, um
den Ueberschuss auf dem Markt von Castries zu verkaufen. Reich beschenkt mit
goldenen Aepfeln, Mangos, Papayas und Kokosnuessen verabschieden wir uns von
dieser freundlichen Familie. Auch sie haben Konzessionen an die neue Zeit
gemacht; ab und zu veranstalten sie Besichtigungen fuer Touristen von
Kreuzfahrtschiffen und demonstrieren z.B. Cassava-Brotbacken. Aber sie moechten
auch gerne ihren eigenen Lebensstil beibehalten.
St. Lucia ist eine traumhafte Insel mit Hotelanlagen, die zu den schoensten der
Welt zaehlen, ideal fuer ein paar Tage Ferien im Paradies. Vielen Einheimischen
sind diese Anlagen jedoch suspekt. Sicher, sie schaffen Arbeitsplaetze, aber
gleichzeitig auch Abhaengigkeit. Die traditionelle Familienstruktur droht zu
zerfallen, wie uns der Bauer erzaehlt: frueher kamen alle Familienmitglieder des
grossen Klans oefter an den Wochenenden zusammen, um sich gegenseitig beim
Hausbau und der schweren Feldarbeit zu
helfen. Jetzt aber wollen einige nur noch gegen Bezahlung mitmachen. Viele
fragen sich, ob Autos, Sofas, Mikrowelle und Computer den Verlust alter Werte
lohnen. Und was passiert, wenn ein Hurrikan die Hotels zerstoert?
Wir haben den Eindruck, dass die neuen Jobs im Tourismusbereich entfernt der
Arbeit aehneln, die die Leute frueher auf den Pflanzungen der reichen Weissen
verrichteten. Sie sind wieder die Dienstleister fuer die wenigen, die sich in
ihren "gated ghettos" einigeln. Nur ganz wenige Einheimische partizipieren an
dem neuen Reichtum.
Die Menschen, die wir in nicht vom Tourismus befallenen Gegenden treffen,
scheinen viel freundlicher zu sein, voller Selbstvertrauen und Wuerde. Sie
moegen in einfachen Holzhaeusern auf Stelzen leben, ohne Luxus, aber direkt am
Meer oder an einem Bergbach mit kristallklarem Wasser. Das Klima ist das ganze
Jahr ueber mild, es gibt einen Ueberfluss an wilden essbaren Pflanzen und Tieren,
keiner hungert.
M A R T I N I Q U E
Am Samstag, 1.April, segeln wir rueber nach Martinique und gehen vor Fort de
France, der Hauptstadt, vor Anker. Wir machen uns auf die Suche nach Zoll und
Polizei, es ist sehr heiss entlang den breiten leeren Strassen. Die Polizei gibt
uns unsere Stempel, aber da das zollbuero geschlossen ist, muessen wir am Montag
noch mal hin. Das tun wir, aber wieder Fehlanzeige: Yachties muessen jetzt in
einem Geschaeft fuer Schiffszubehoer am anderen Ende der Stadt einklarieren.
Auch am Montag wirkt Fort de France noch ziemlich leblos. Das liegt wohl an den
rieigen Einkaufszentren nahe dem Flughafen, die die Stadtzentren veroeden wie
auvh ueberall in den USA.Nachts wirkt die Stadt wie tot, ohne Bars und
Restaurants, deprimierend.
Wir bleiben auf dem Schiff und schleifen und lackieren den Mast. Am Dienstag
nehmen wir die Faehre nach Anse Mitan auf der anderen Seite der Bucht. Und
geraten wieder in eine sterile Urbanisation, die genauso gut irgendwo im
Mittelmeer liegen koennte. Es haelt uns nichts in Fort de France, und so
machen wir uns auf den Weg nach St. Pierre weiter im Norden.
Im 19. Jahrhundert nannte man St. Pierre das Paris der Karibik. Ed liegt
malerisch am Fuss der Montagne Pelee, einem Vulkan, der 1902 ausbrach und die
Stadt vollstaendig verwuestete. 30 000 Menschen kamen um, und auch heute sieht
man noch viele Spuren dieser Katastrophe. Wir fuehlen uns nicht ganz wohl an
diesem wunderschoenen, aber melancholischen Ort.
Etwas ausserhalb von St. Pierre befindet sich der Schmetterlingsgarten. Wir
wollen uns unbedingt die Scmetterlinge dort ansehen.Leider koennen wir nur einen
einzigen erspaehen, denn alle anderen sind einer Anti-Moskito-Spruehaktion vom
Flugzeug aus zum Opfer gefallen. Auch die Voegel hat es erwischt. Trotzdem
gefaellt uns dieser Garten, denn eine Gruppe von jungen idealistischen Leuten
hat eine ganze Reihe von einzigartigen Musikinstrumenten aus Bambus gebaut und
im Park aufgestellt,
damit die Besucher damit spielen koennen. Am Wochenende veranstalten sie
Konzerte, und wir moechten auf dem Rueckweg deshalb noch mal hier Halt machen.
D O M I N I C A
Am Donnerstag, dem 6. April, weiter nach Dominica, bei schoenstem Segelwetter
und einer guten Brise aus Suedost.Wie schoen, wieder auf einer echten
karibischen Insel zu sein! Unsere erste Station ist Roseau, die Hauptstadt, eine
quicklebendige bunte Stadt- das sieht man schon von weitem!
Nachdem Pancho uns geholfen hat, en einer Boje festzumachen, wandern wir die
anderthalb Kilometer am Meer entlang bis zum Zentrum um einzuklarieren. Dann auf
ein kuehles Bier in eine Kellerbar (Keller gibt es sonst nicht in der Karibik)
und wieder zurueck zum Schiff. Es wird schon dunkel (gegen 18.30)
und ueberall sitzen die Leute vor ihren Haeusern, redden, trommeln, spielen,
lachen. Es gibt auch wieder Rastas, besonders liebenswuerdig und respektvoll.
Fast jeder gruesst. Eine andere Welt.
Wir laufen durch den Botanischen Garten und die Stufen von Jack's Walk hinauf.
Oben jede Menge Busse mit Touristen. Skip kauft fuer 5 EC $ 2 Coca Colas von
einer der Ladies an den Souvenirstaenden. Nach einer Weile kommt sie zu uns
hinueber und gibt uns 2 $ zurueck. Sie sagt, sie haette uns faelschlicherweise
fuer Touristen gehalten.
Nach zwei Tagen segeln wir weiter nach Prince Rupert Bay und Portsmouth.
Wieder ein sehr schoener Trip mit genau dem richtigen Wind! Portsmouth ist ein
kleines Fischerdorf, das noch pittoresker wirkt mit den riesigen rostigen Wracks,
die der Hurrikan Lenny an den Strand gespuelt hat. Keiner hier hat das Geld,
diese Wracks wegraeumen zu lassen.
Kurz nachdem wir geankert haben, kommt Martin, ein Freund von Pancho, mit seinem
Boot Providence vorbei und bringt uns zum Indian River.
In Dominica, mehr als auf anderen karibischen Inseln, versuchen sie ihr
kulturelles Erbe zu bewahren. Man sagt, dass, wenn Kolumbus jetzt zurueck in die
Karibik kaeme, er nur noch Dominica wiedererkennen wuerde. Der Indian River ist
einer von 365 Fluessen, die von den hohen Bergen herabkommen und einen Sumpf
bilden, bevor sie ins Meer muenden. An der Muendung ist er etwa
50m breit und wird dann immer schmaler, bis die Aeste der Baeume und die Lianen
einen Tunnel bilden. Die Wurzeln der bloodwood-Baeume entlang dem Ufer sind in
Jahrhunderten zu bizarren skulpturen verwachsen. Wilder Hibiskus waechst in
dichten Bueschen am Ufer, Kokospalmen, Farne. Es herrscht absolute Stille,
unterbrochen nur von Vogelstimmen und dem Platschen der Paddel. Ein
verwunschener Ort.
Am naechsten Tag nehmen wir auf's Geratewohl einen Bus, der uns irgendwo an der
Strasse absetzt, als er abbiegen will. Es wuerde bald ein anderer kommen, der
uns mitnehmen koennte nach Calabishie an der Nordost-Kueste.
Nach einer halben Stunde des Wartens in der Gluthitze machen wir uns zu Fuss auf
den Weg und versuchen zu trampen. Wir laufen eine Schlucht entlang und sehen an
einigen Stellen tief tief unten den Fluss durch die dichte tropische Vegetation
schimmern.
Nach einer Weile haelt ein Auto und nimmt uns mit. Der Fahrer, Moise, und seine
haitische franzoesischsprachige Frau Alexandrine fragen nach unserem Ziel. Auf
unsere Antwort, dass wir uns ihre wunderschoene Insel angucken moechten, bieten
sie uns an,eine Rundfahrt mit ihnen zu machen.
Zuerst fahren wir die Atlantikkueste hinunter. Auf dem Weg trinken wir etwas in
einer Strandbar, danach stoppen wir an einer Huehnerfarm und kaufen Eier (die
billigsten auf der Insel), danach Zitronen (limes) von einem Stand an der
Strasse (der Besitzer selbst ist nicht da, wir lassen das Geld unterm
Topf). Ab und zu nimmt Moise einen Bauern mit Machete oder ein paar Arbeiter ein
Stueck mit, gratis. Dann moechte Moise unbedingt zum Emerald Pool Wasserfall
fahren, denn Alexandrine kennt den auch noch nicht. Wir haben inzwischen so
viele Wasserfaelle gesehen, dass wir wahrscheinlich nicht
hingegangen waeren. Aber das waere ein grosser Fehler gewesen, denn dieser ist
sicher einer der schoensten! 15 Minuten muessen wir im Regen durch den Regenwald
laufen, aber wir werden nicht nass, denn die Baeume bilden ein schuetzendes Dach.
Dieser Regenwald sieht ganz anders aus als die
bisherigen, denn das Klima ist hier oben viel kuehler und alle Staemme sind
dicht bemoost. Es sieht maerchenhaft aus, wie eine Hobbitlandschaft.
Danach fahren wir das Layou-Tal hinab zum Meer. Auf dem Weg halten wir wieder
ab und zu an und kaufen Zuckerrohrsaft, gegrillte Bananen und Mangosaft. Es ist
wie ein entspannter Familienausflug mit Reggaemusik. Was fuer ein Vergnuegen!!
LES S A I N T E S und G U A D E L O U P E
Wir haben keine besonders grosse Lust auf noch eine franzoesische Karibikinsel,
aber als wir in Bourg en Saintes ankommen, dem Hauptort einer kleinen
Inselgruppe noerdlich von Dominica, sind wir angenehm ueberrascht.
Bourg en Saintes iswt ein winziges, gemuetliches Fischerdorf mit einer voellig
gemischten Bevoelkerung aus Bretagne und Karibik. Ein bezubernder Ort, wo wir
gerne spaeter noch mal Halt machen wollen.
Da man hier nicht einklarieren kann, muessen wir am naechsten Tag weiter nach
Guadeloupe, ein paar Seemeilen weiter noerdlich.
Wir ankern vor Basse-Terre, der Hauptstadt von Guadeloupe, und paddeln zum Zoll.
Gott sei Dank bleibt Dani an Bord, denn waehrend wir an Land sind, schleift der
Anker und Ragnar waere ohne uns hinaus auf's Meer oder auf die Felsen getrieben.
Da Basse-Terre kein sehr einladender Ort zu sein scheint und keinen guten
Ankerplatz bietet, fahren wir weiter die Kueste hinauf bis Deshaies and der
Nordspitze.
Die Bucht ist vollgepackt mit Schiffen, aber der kleine Ort ist voller Charme.
Im L'Amer Restaurant feiern wir den 7. Vollmond seit unserer Absreise mit einem
absolut koestlichen Abendessen.
Es waere schoen, wenn die franzoesischen Behoerden sich etwas mehr fuer die
beduerfnisse der Yachties interessieren wuerden und Bojen installieerten, an
denen man festmachen kann. Die Bucht von Deshaies ist ein guter Ankerplatz, aber
nachts fegen die Thermowinde unter Umstaenden fast in Orkanstaerke die Berge
hinunter. Wir ankern in 6m tiefem Wasser, mit 40m Kette, und nachts
ist die Kette fast horizontal gespannt von der Wucht des Windes. Nicht gerade
ein Plaetzchen zum Ausruhen.
A N T I G U A
Am Samstag, d. 15. April, segeln wir von Guadeloupe nach Antigua. Auf dem Weg
sehen wir unsere ersten (Buckel)Wale im Atlantik!!! Zuerst sieht man kleine
Springbrunnen, und dann springen diese kolossalen Tiere in einem eleganten
Bogen aus dem Wasser und tauchen wieder unter. Sie schwimmen unter unserem Kiel
durch und verschwinden auf der anderen Seite in der Ferne.Lange
bevor wir Antigua ausmachen koennen, sehen wir Monserrat mit seinem rauchenden
Vulkan am Horizont.
Am fruehen Nachmittag kommen wir in FLMOUTH Harbour an und machen in der Antigua
Yacht Club Marina am Dock fest. Jeden Tag mehr fuellt sich der Steg mit
wunderschoenen alten klassischen Booten, eins toller als das andere. Als wir
sehen wie sie glaenzen und schimmern, greifen auch wir zum Lappen und "Nevr Dull"
- Messing- u. Bronzepolitur) und schreiben uns ein fuer den Concours d'elegance.
Man kann ja nie wissen.
Am Freitagmorgen sitzen wir adrett gekleidet im Cockpit , darauf bedacht ,
nichts mehr zu beruehren, und warten auf die Preisrichter. Und tatsaechlich:
abends bei der Preisverteilung gewinnen wir den 3. Platz in unserer Kategorie (persoenliche
Instandhaltung). Hurra!!!
Am Samstag, d. 22. April, ist der erste Regattatag. Um 10 Uhr started die
Klassik-Klasse A (unsere), und dann alle 15 Minuten der Start der
naechstschnellsten Klasse. Aber es herrscht absolute Flaute, und schliesslich
duempeln alle 55+ Boote um die Startlinie herum auf dem Wasser; die Segel
flattern, man unterhaelt sich von Boot zu Boot, etwa eine Stunde lang bis eine
leichte Brise die Flotte auseinander weht.
Die zweite Regatta , die Schmetterlingsregatta, findet am Sonntag statt.
Dieser Tag faengt gut an mit einer kraeftigen Brise, genau richtig fuer Ragnar.
Wir umrunden die erste Boje direkt hinter der beruehmten Eleonora of London und
knapp vor Ranger- den beiden beeindruckendsten Schiffen der Klassiker. Nachdem
wir die Ziellinie durchfahren haben, segeln wir nach English Harbour zur Parade.
Am Eingang der Bucht stellt sich Dani als Gallionsfigur auf den Bugspriet. Als
wir an Cathrines Café mit den vielen Zuschauern vorbeifahren und der Sprecher
unser Boot beschreibt und unsere Namen nennt, kriegen wir donnernden Applaus.
Am Montag, die Kanonen-Regatta. Eine Gerade von 6 Seemeilen, dann um eine Boje
herum und wieder zurueck zur Startlinie und das Ganze noch mal. Da die kleinen
Schiffe eine Stunde vor den Groessten starten, koennen wir die erste Boje
umrunden bevor die Grossen uns eingeholt haben. Auf dem Weg zurueck rauscht
Eleonora backbord an uns vorbei und Ranger kommt uns steuerbord
entgegen. So viele der schoensten Schiffe der Welt koennen wir hier bestaunen,
dass wir nicht wissen, wohin wir zuerst gucken sollen. Diese Regatta ist der
absolute Hoehepunkt, sheer bliss!!
Jeden Tag nach den Regatten gibt es Feste im Club, in Nelson's Dockyard in
English Harbour, an Bord von Jambalaya (ein in Carriacou gebauter neuer Schooner)
und last but not least- die Champagner-Party auf Eleonora. Die Atmosphaere
dieser Regatta ist einzigartig, denn es geht hier in allererster
Linie nicht um Wettkampf, sondern um sportsmanship. Alle Teilnehmer bilden eine
Gemeinschaft, man gruesst sich, besucht sich, hilft sich gegenseitig, egal ob
jemand von einer Luxusyacht ist oder vom Carriacou-Kanu mit quadratischem Segel.
Abends wird auf dem Steg gegrillt und getrommelt und
getanzt.
Und noch eine Ueberraschung erwartet uns am letzten Abend, dem Abend der
Preisverteilung: wir kriegen die Trophaee fuer den 2. Platz ueber die verkuerzte
Regattastrecke!!
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CHAP X. Antigua - Guadeloupe - Les Saintes - Dominica - Martinique
Am 27.April kommen Skips Schwester April, ihr Mann Pieter und Sohn
Bart in Antigua an Bord, sie wollen 8 Tage lang mit uns segeln. Da wir waehrend
der Hurricane-Saison (von Mai bis November)nach Venezuela
ausweichen wollen, muessen wir wieder nach Sueden segeln und haben beschlossen,
ihnen Dominica zu zeigen.Das ist eine englischsprachige karibische Insel, die
noch sehr urspruenglich und nicht amerikanisiert bzw.
Europaeisiert sit wie die franzoesischen.
Von Antigua segeln wir nach Deshaies, Guadeloupe, wo wir im Dunkeln und
stroemenden Regen ankommen und ankern. Am naechsten Tag die kurze Strecke
hinueber nach Les Saintes, ud am folgenden Tag nach Portsmouth, Dominica.
Martin, unser Begleiter vom letzten Mal, rudert uns wieder den Indian River
hinauf, dismal im Regen, was aber auch seinen Reiz hat.
Am Nachmittag wandern wir mit unserem Brot-Mann den Berg oberhalb der Prince
Rupert Bay hoch. Es ist einfach schoen, an Orte zurueckzukommen, wo wir schon
Leute kennen! Breadman erklaert uns Pflanzen, die den Weg entlang wachsen:
Zimtbaeume, Allspice-Baeume, karibische Aprikosenbaeume mit ihren riesigen,
runden braunen Fruechten und die seltsamen Cashewnuss-Baeume, bei denen die
Nuesse aus dem unteren Ende von einem rotten Apfel wachsen, den man auch essen
kann. Brot-Mann pflueckt uns Guaven und Passionsfruechte und
erzaehlt uns, dass es in Dominica viele Boa constrictor gibt, harmlose
Riesenschlangen, denen all diese Leckerbissen auch sehr gut schmecken. Von da an
fassen wir unsere Umgebung auf Wanderungen etwas schaerfer ins Auge.
Nach einer sehr lauten Nacht , mit Trommeln und Soca-Musik aus Big Papa's Bar
bis ins Morgengrauen (1. Mai "jump up") segeln wir nach Roseau im Sueden der
Insel. Wir gehen wieder am suedlichen Ende der Stadt an eine Boje, nahe dem
Tauchzentrum, von wo wir leicht einen Minibus ins Zentrum nehmen koennen. Noch
schoener aber ist es, die Meile in die Stadt zu Fuss zu gehen,denn die Strasse
ist gesaeumt mit Huetten und kleinen Buden, in denen alles angeboten wird, was
man sich denken kann, und das Leben der Leute spielt sich am Strassenrand ab:
kochen, essen, schwaetzen, duschen, spielen.
In der Stadt gehen wir durch die engen lebhaften Gassen mit ihren bunten
Haeusern, kaufen ein paar Souvenirs und essen dann am Hafen im Cocorico ein
leckeres karibisches Mal und trinken eine piña colada und denken dabei an Pit
und Anni, die uns auf den Geschmack gebracht haben.
Unser Freund Pancho hat eine Rundfahrt im Kleinbus und eine Wanderung zum
Victoria Wasserfall im Sueden Dominicas fuer uns organisiert. Auch dieser
Teilder Insel ist dicht bewaldet und die feuerroten Flamboyant-Baeume stehen in
voller Bluete. Unser junger Begleiter Christopher pflueckt uns verschiedene
Fruechte und Nuesse von Baeumen am Weg- man kann fast ueberall anhalten und sich
den Bauch fuellen, es ist wie im Schlaraffenland.
Ueber enge, steile und kurvige Strassen fahren wir zu Panchos Onkel Moses.
Er hat einen etwa 50 000 qm grossen Bauernhof in einem kuehlen Tal am Victoria
Fluss. Moses ist ein etwa 50 Jahre alter Rasta mit Dreadlocks bis zu den Knieen,
eine beeindruckende Gestalt. Er lebt hier allein, seinem
Bruder gehoert der Nachbarshof. Sein Hof ist komplett oekologisch
bewirtschaftet, er erntet nur, was er fuer einen Tag braucht. Nichts liegt in
Saecken herum, nichts wird faul oder schimmelig. Moses ist zu 95% autark;
das wenige Geld, das er braucht, verdient er sich mit Kursen in Kraeutermedizin
und der Herstellung von Bay-Oel (eine Art Lorbeer, aber aromatischer und mit
grosser Heilwirkung bei Hautkrankheiten).
Christopher fuehrt uns zum Wassrfall. Da es gestern arg geregnet hat, ist der
Fluss heftig angeschwollen. Wir muessen ih 5mal durchqueren.
Normalerweise kann man ueber Steine trockenen Fusses das andere Ufer erreichen,
aber dismal muessen wir manchmal fast bis zur Huefte durch's Wasser. Die Felsen
sind sehr glitschig und gross, so dass wir uns hochziehen oder hochgezogen
werden und auf der anderen Seite wieder auf dem Hosenboden hinunterrutschen
muessen.
Als wir schliesslich an dem Wasserfall ankommen, wagen nur Skip und Bart in den
Pool;er ist wie ein Hexenkessel, der orkanartige Wind und das herabfallende
Wasser peitschen ihnen ins Gesicht, sie koennen sich kaum auf den Beinen halten
und wir sie kaum mehr sehen. Der Weg zurueck faellt uns viel leichter, denn
jetzt kennen wir uns ja schon ein bisschen aus.
Als eir zurueck zum Hof kommen, hat Moses schon das Mittagessen vorbereitet und
den Tisch unter einem Dach aus Palmwedeln gedeckt: weisses Tischtuch, fuer jeden
eine Kalabasse und einen Loeffel aus Kalabasse. Moses stellt eine grosse
Schuessel mit dampfender Calalou-Suppe auf den Tisch. Alles was sein Garten an
dem Tag hergibt, befindet sich in dieser Suppe, die er mit Basilikum, Thymian,
Zimt, Allspice, Schnittlauch und Milch aus frisch geraspelter Kokosnuss gewuerzt
hat. Koestlich!
Nach dem Essen redden wir eine Weile ueber die Situation Dominicas und das Leben
im allgemeinen, bedanken uns fuer seine Gastfreundschaft und verabschieden uns
von diesem weisen und freundlichen Mann. Es war ein
einmaliges Erlebnis, von ihm eingeladen zu werden.Am naechsten Morgen segeln wir
weiter nach Martinique, wo wir vor Sain Pierre ankern. Wir gucken uns die Stadt
an, kaufen auf dem Markt Obst und Gemuese und finden nach langer Suche endlich
Gasflaschen fuer den Herd.
Danach laufen wir zum Schmetterlingsgarten, wo wir wieder eine Menge Spass mit
allden Bambusinstrumenten haben, die ueberall im Park aufgestellt sind.
Bart steppt auf Holzboxen in verschiedenen Groessen, die verschiedene Toene
erzeugen; April gibt ein kleines Konzert auf dem Bambus-Klavier, wir drehen das
riesige Regenmacher-Rad und Bambus-Mann spielt uns etwas auf den vielen
Bambus-Instrumenten vor, die er gebaut hat und die klingen wie ein Bass, ein
Saxophon, ein Banjo. Der Garten hat etwas Magisches, diesmal ist alles
blitzsauber und in Zen-Manier gerecht. Ausser uns sind nur eine Handvoll anderer
Leute da und wir entdecken sogar Schmetterlinge! (Das letzte Mal gab es keine,
weil sie bei einer Spruehaktion mit Flugzeugen alle getoetet worden waren)Am
folgenden Tag, Samstag, segeln wir mit Motor nach Fort de France und ankern vor
der Altstadt. Wir gehen in die Stadt, die an diesem Morgen voller
Leben ist. Auf dem Markt kaufen wir ein paar Mitbringsel, Gemuese und Gewuerze.
Die Auswahl ist riesig und gut, die exotischen Gerueche machen einen fast
benommen.
Nachmittags verabschieden wir uns von April, Pieter und Bart, die wieder zurueck
nach Holland fliegen. Wir haben schoene Tage zusammen verbracht, obwohl das
Wetter nicht immer ideal zum Segeln war und wir oefter als uns lieb war das
"eiserne Segel" (Motor) benutzen mussten, weil der Wind genau aus der Richtung
blies, in die wir fahren wollten.
CHAP XI. ST. Lucia - ST. Vincent - Bequia - Mustique
Nach ein paar Tagen schrubben, wienern und relaxen in Martinique fahren wir
am 9. Mai weiter nach Sueden. Da jetzt im Juni ernsthaft die Hurrikan-Saison
anfaengt, muessen wir uns suedlich von 12 Grad Nord begeben. Grenada liegt auf
12 Grad N und ist in den letzten Jahren zweimal boese erwischt worden von den
Hurrikanen Ivan und Emily, so dass wir noch weiter suedlich wollen, nach
Venezuela.
Zuerst stoppen wir in Rodney Bay, St. Lucia, und geniessen ein paar Tage lang
den Luxus, an Wasser und Strom angeschlossen zu sein. Was fuer ein Gefuehl, so
lange duschen zu koennen wie man will, mal abends alle Lichter
brennen zu lassen, den Foen und die grosse Kuehlbox benutzen und das Laptop
anschliessen zu koennen. Obwohl wir uns nicht beklagen koennen: mit unseren 4
Solarplatten kommen wir gut ueber die RundenIn Rodney Bay explodiert ein
Feuerzeug in Skips Hose: er kommt ziemlich blass zurueck, dankbar, dass alles
noch heil ist.
Nach 3 Tagen ankern wir dann in der Pigeon Bay (am Eingang von Rodney Bay), um
uns vom Schiff aus das Jazz Festival anzuhoeren. Leider haben viele andere auch
diese gute Idee, denn der sonst ruhige und idyllische Platz
fuellt sich mit -zig Charter-Katamaranen und Motorbooten aus Martinique und
Guadeloupe, und der Laerm und die gefaehrlichen Manoever dieser Spezies von
Fahrzeugen und jungen Crews geht uns ganz schoen auf die Nerven.
Am Montag, 15.5., fahren wir die kurze Strecke runter nach Soufriere, entlang
der wunderschoenen huegeligen gruenen Kueste von St. Lucia. Wir gehen in
Soufriere einkaufen und viele Leute begruessen Skip mit "White
Rasta! How you doing, mon? Where you been?" Wir essen wieder bei Benny fish
Creole auf der Terrasse mit dem spektakulaeren Blick auf Palmen, Strand und
Sonenuntergang, halten ein Schwaetzchen mit Marcelene und tuckern dann mit dem
Dinghy zurueck zum Schiff.
Am naechsten Tag weiter nach St. Vincent, vorbei an den Pitons und dann in
Rauschefahrt (z.T. 9 Knoten!) hinueber nach Wallilabou. Vor der Cumberland Bay
treffen wir Brother mit seinem Boot, und um die Ecke kommt uns Smiley entgegen,
hilft beim Festmachen an der Boje und der Palme. Der Obst-Mann kommt mit
frischen Avocados, Ananas und Manos, der FischMann mit frisch gefangenem red
snapper.
Am 17.5. segeln wir ein paar Meilen weiter nach Petit Byahaut Bay.Wir sind das
einzige Boot hier. Nachts ist es pechschwarz um uns herum, das einzige Licht
kommt von Gluehwuermchen und den Sternen.
Tags darauf weiter nach Bequia. Eigentlich wollten wir in Kingstown, der
Hauptstadt von St. Vincent Halt machen, aber der Hafen ist nichts fuer Yachten.
Admiralty Bay in Bequia ist wie immer ziemlich voll, rund 70
Schiffe. Bequia ist eines der beliebsten Segelziele in der Karibik. Es ist
idyllisch, freundlich, ganz auf Yachties eingestellt. Man kann hier gut
einkaufen, sie haben einen richtig guten Markt, ein tolles
Delikatessengeschaeft, gute Restaurants, gute Internetbars und einen
fantastischen Boot-Service.
Am Samstag machen wir einen Ausflug zum Moonhole. Ein amerikanisches Ehepaar hat
dort vor 45 Jahren eine kleine felsige Halbinsel gekauft und 19 Haeuser darauf
gebaut. Sie wollten etwas Neues machen, nur mit Materialien der Gegend, alles
offen, nichts eckig, aber ohne eine Ahnung vom Bauen. Das Ergebnis ist
entsprechend schoen-schaurig, einige Ecken sind sehr reizvoll, andere
grauenvoll, und insgesamt scheint sich alles in Aufloesung zu befinden.
Am 23.5. segeln wir weiter nach Mustique, einer kleinen privaten Insel in
Sichtweite von Bequia. Etwa 80 Haeuser /Palaeste fuer die haute haute volee gibt
es hier. Die ganze Insel ist wie ein riesiger Park, makellos gepflegt, die Wege
werden jeden Tag gefegt und gerecht, alle Leitungen verlaufen unterirdisch. Von
den Besitzern sieht man fast nichts, sie halten sich hier fast nur im Dezember
und Januar auf. Die Angestellten, etwa 1000 Personen, fahren in Golf-Carts herum
und halten alles in Schuss. Es gibt ein Dorf fuer sie, eine Schule, eine Kirche.
Es gibt keine Vebrechen, Wachmaenner beobachten die Kueste mit Argusaugen, es
ist ein sicherer Ort.
In Britannia Bay gibt es ein kleines Fischerdorf und etwa 30 Moorings fuer
Yachten. Man kann hier drei Tage lang bleiben.Basil's Bar auf Stelzen ueber dem
Wasser ist beruehmt fuer ihrBlues Festival im Januar, wenn die besten Musiker
sich hier versammeln und auch Mick Jagger oefter mal spontan was singt. (Er hat
auf Mustique auch ein Haus).
Die Insel ist wunderschoen, ein Ort des Friedens und der Ordnung, mit langen
weissen, von Palmen umsaeumten Straenden, Mangroven, kristallklarem Wasser- ein
Paradies, ohne die Probleme, aber auch das pusierende Leben der anderen Inseln.
Am zweiten Tag haben wir das Privileg, den Polizeichef kennenzulernen, als wir
naemlich Dani ausloesen muessen, der sich aufgemacht hatte, eine Nacht unter
freiem Himmel zu verbringen, bepackt mit Rucksack und selbstgemachter
Haengematte. Sie nahmen ihn am Strand fest, weil er in seinem grunge-look
(ausgefranste Jeans und loechriges Hemd) so gar nicht ins Schema der Insel
passte und sie ihn fuer einen Terroristen hielten.
CHAP XII. Canouan - Tobago Cays - Union Island - Palm Island
Nach 3 Tagen in Mustique fahren wir die 14 Seemeilen weiter nach Canouan. Es ist
eine sehr zerklueftete Insel mit vielen weissen Straenden und kegelfoermigen
Bergen. Die Insel ist zweigeteilt. Die noerdliche Haelfte
gehoert einer amerikanischen Firma (Trump), die hier einen Supergolfplatz und
einige Luxushaeuser gebaut hat, alles sehr dezent und praktisch vom Meer her
kaum sichtbar. Als wir uns das Gelaende ansehen wollen, geraten wir an einen
Schlagbaum wie Checkpoint Charlie, und man erklaert uns, dass wir 100 US$ pro
Tag und Person bezahlen muessen, um hineingelassen zu werden. Wir erwidern, dass
die Mauer in Berlin schon lange nicht mehr existiert und kehren um. Noch nicht
mal die Einheimischen duerfen in dieses Areal hinein (es umfasst eine
Naturschutzzone) ohne zu bezahlen- der Gerechtigkeit halber muss man sagen,
dass man fueer den Preis auch ein Golf-Cart benutzen darf und Lunch bekommt.
Der Rest der Insel, das Dorf Charlestown, versucht vom Luxus dieses Raffles
Resort zu profitieren. Es ist ein Bau-Boom zu beobachten, ueberall werden
Haeuser hochgezogen, ohne dass aber erst eine Infrastruktur geschaffen worden zu
sein scheint. Viele Strassen sind nicht geteert, und ueberall liegen Tonnen und
Tonnen vonMuell herum. Wenn jeder, der etwas wegwirft, 100 US$ Strafe zahlen
muesste (wie im Resort), waere die Insel reich.
Wir gehen vor dem luxurioesen und in balinesischem Stil gehaltenen Tamarind
Beach Hotel an eine Boje. Sobald wir aus dem Hotel-Komplex hinauskommen,
erscheint die Insel arm. In den "Supermaerkten" gibt es fast nur Dosen,noch
nicht einmal Frischmilch; auf dem "Markt" noch nicht einmal Bananen. Man sieht
keine Gaerten, das Land liegt brach und ist entweder voll Muell und Unkraut oder
nackt und erodiert. Erst als am Samstag das Frachtschiff aus St. Vincent
ankommt, gibt es einige Tomaten und Mangos.
Wir wandern entlang dem Kamm der Huegel und sehen im Osten den Atlantik und im
Westen die Karibik und im Sueden - atemberaubend!- die Tobago Cays und Union
Island. Nahe dem kleinen Flughafen hat Trump einen neuen Fischerhafen gebaut und
eine Entsalzungsanlage. Aber insgesamt ist unser Eindruck von Canouan eher
deprimierend.
Am Sonntag, 28.5., segeln wir schon frueh ab nach den Tobago Cays, einer Gruppe
von 4 winzigen unbewohnten Inseln oestlich von Union Island. Sie sind vom
Atlantik geschuetzt durch zwei Riffe: das aeussere End of the World Reef und das
innere Horseshoe Reef. Das Wasser um die Lagune, in die wir vorsichtig (auf GPS
sollte man sich hier nicht verlassen) durch einen engen Kanal hineinsegeln, ist
ein Kaleidoskop vongruen, tuerkis, blau und aquamarin. Es ist maerchenhaft.
Wir fahren mit dem Dinghy an den Riffrand, wo es kleine Bojen gibt, an denen man
festmachen kann, ohne das Riff zu beschaedigen. Die Korallen wachsen sehr, sehr
langsam, zwischen 30 und 60 cm in 100 Jahren! Dani schnorchelt und ist voellig
begeistert. Das Wasser ist kristallklar und nur 2m tief, und schon vom Boot aus
sieht man die Korallen in ihren vielen Formen, bunte Fische, Seeigel, Seesterne.
In der Lagune liegen etwa 30 Schiffe, aber es ist still und von den anderen
sieht und hoert man wenig. Die Bilderbuchstraende der Inselchen sind leer, nur
ein paar Leguane huschen durch das Kakteengestruepp.
Wir bleiben ueber Nacht. Von ferne sieht man die Lichter von Canouan und Union
Island. Am Himmel die schmale Mondsichel und das Kreuz des Suedens.
Am 29 Mai fahren wir sehr vorsichtig durch die Suedpassage der Cayds nach
Clifton auf Union Island. Mit Hilfe von Tiger machen wir an einer Boje sehr
dicht am Strand fest. Wir haben kaum eine Handbreit Wasser unterm Kiel, und es
ist ein Glueck, dass der Wind auf der Ostseite der Insel konstant aus O oder SO
weht und nie aus SW, sonst saessen wir bald auf dem Strand.
Von weitem sieht Union Island viel grosser aus als es ist. Es gibt nur zwei
Orte, Clifton und Ashton, beide im Sueden, aber sehr verschieden. Clifton hat
einen Hafen und die entsprechende quirlige Atmosphaere. In Ashton sollte ein
grosser Hafen von den Amerikanern gebaut werden, aber das Projekt wurde aus
irgendwelchen Gruenden eingestellt, und so ueberlebt das Dorf auf Sparflamme.
Das Wasser wird in Eimern vom Brunnen nach Hause transportiert.Weil es so
wahnsinnig heiss ist, nehmen wir ein Taxi und fahren in einer Stunde alle
Strassen der Insel ab. Der Grossteil der Insel ist unberuehrt, und einige
Gebiete scheinen nur darauf zu erwarten, dass jemand sie erschliesst.
An einem Nachmittag nehmen wir ein Wasser-Taxi hinueber nach Palm Island.
Als wir an Land gehen wollen, gibt es drei Wege und an jedem steht ein Schild
"Privat! Nur fuer Hotelgaeste."Wir stehen etwas ratlos da, als ein
blauuniformierter Waechter herankommt und uns erklaert, dass wir den Strand
entlang gehen koennen, aber an Land nur bis zur ersten Baumreihe.
Wir laufen also durch makellosen puderigen Sand, links kristallklares Wasser,
rechts die strohgedeckten Luxusbungalows in Palmenhainen und tropischen
Gartenanlagen. Das ideale Versteck fuer jemand, der sich von
allem zurueckziehen will. Alles inclusive 1000 US$ pro Tag. Weiter im Norden der
Insel ein paar private Haeuser und ein etwas ungepflegter Golfplatz.
Als wir zum Steg zurueckkommen, moechten wir in der Bar etwas trinken, aber
leider, leider sind nur Hotelgaeste erwuenscht. Im Souvenirladen kann man etwas
Kaltes kaufen, und wir setzen uns unter einen Seemandelbaum und warten auf die
Faehre, die die Angestellten zurueckbringt nach Clifton.
Noch ein Beispiel, was man aus einer karibischen Insel alles machen kann.
CHAP XIII. Carriacou - Grenada - Los Testigos
- Margarita - Coche
Am 1. Juni segeln wir ab von Palm Island hinueber nach Carriacou, ein
Katzensprung, denn zwei Stunden spaeter sind wir schon in der Hillsborough Bay.
Um 10.30 Uhr haben wir einklariert, eingekauft und halten ein
Schwaetzchen mit dem Friedensrichter in seiner Bar. Danach fahren wir um die
Ecke in die Tyrell Bay, ankern und lueften und reinigen das Schiff.
Vom 1. bis 8. Juni bleiben wir in Carriacou, unserer Lieblingsinsel. In Antigua
haben wir Dave Goldhill kennengelernt, der sich in Windward an der Ostkueste ein
gemuetliches Anwesen in einem grossen Garten direkt am Strand gebaut hat. Sogar
die Moebel hat er selbst gebaut und alles in kraeftigen karibischen Farben
angemalt. Er hat uns fuer Pfingstmontag eingeladen zur Segelregatta auf der
kleinen Insel Petite Martinique, die man von seiner Terrasse aus sehen kann.
Mit 18 Leuten fahren wir auf seinem Motorboot hinueber und fuehlen uns wie auf
einem Familienausflug. Seine drei beeindruckenden Kinder sind dabei und einige
Freunde aus Carriacou. Auf dem Weg schleppen wir ein havariertes Regattaboot ab,
gehen etwas essen und gucken uns die robusten Holzschiffe an, die in
traditioneller Weise am Strand gebaut werden.
Kurz vor Dunkelwerden fahren wir zurueck nach Carriacou und sitzen auf der
Terrasse bei Rumpunsch und Eistee mit Pfefferminz, schwarzem Salbei und
Zitronengras.
Am letzten Abend auf der Insel essen wir im Twilight am Hafen Lambi (conch),
als sich neben uns eine Gruppe von Frauen versammelt um Gospels zu singen.
Ein Junge flitzt auf dem Skateboard vorbei, und eine Kuh trottet
am Strand gemaechlich heimwaerts. Tyrell Bay.
Am 8. Juni fahren wir von Carriacou bei schoenstem Segelwetter wieder Richtung
Grenada, vorbei an Kick 'em Jenny, den Sisters, London Bridge und Zuckerhut:
eine Rauschefahrt bis fast hinein nach St. George's. Die
Hurrikansaison rueckt naeher und ganz Grenada bereitet sich vor; Bachbetten
werden gereinigt, Daecher und Terrassen verstaerkt, Baeume von trockenen Aesten
befreit.
Wir reparieren, flicken das Dinghy, waschen, kaufen Proviant, gehen zum Markt,
treffen Freunde und gucken Fussballweltmeisterschaft im Grenada Yacht Club.Beim
Spiel Trinidad/Tobago erscheint Skip im Club mit der Tobago-Flagge im Nacken,
unter Beifall aller Einheimischen. Sie wollen nur eins- England besiegen. Leider
klappt es nicht.
Es regnet viel, und die Moskitos plagen uns und auch die Schwaerme von
rainflies, die wie grosse Motten aussehen, nur bei Regen auftauchen und danach
wieder spurlos ver-schwinden.
Wir warten auf ein weather-window zwischen all den tropical waves, die von Osten
auf und zu kommen, um nach Isla Margarita, Venezuela, zu segeln. Obwohl wir uns
in Grenada wie zu Hause fuehlen, moechten wir doch alle jetzt mal wieder zu
neuen Zielen aufbrechen.
Am Sonntag, 25.6.06, bei leichter Bewoelkung, 20 Knoten Wind aus SO und 2 Knoten
westlicher Stroemung, fahren wir gegen 17.30 aus der Lagune von St. George's
hinaus. Wir sind nicht allein, vier andere Segelschiffe fahren in dieselbe
Richtung. Bis Los Testigos sind es 90 Seemeilen, und dort kommen wir nach einer
Rauschefahrt am naechsten Morgen gegen halb neun an. Wir ankern an der Playa
Tamarindo von Testigo Grande. Es sind noch 15 andere Yachten da, davon 5 mit
deutscher Flagge.
Wir sind sehr muede und wollen gerade alle etwas schlafen, als Pieter und Gina,
die wir aus Barbados kennen, mit dem Dinghy herankommen- was fuer eine
Ueberraschung! Sie sind auf dem Weg nach Trinidad und sagen, wir muessten uns
bei der Kuestenwache melden. Wir kontaktieren sie auf Kanal 16, und sie wollen,
dass wir zu ihnen hinueberkommen. Also den Anker wieder lichten und hinueber
nach Iguana Grande. Wir ankern, lassen das Dinghy ins Wasser, paddeln zum
blendendweissen Sandstrand und klettern den Huegel zum Buero
hinauf.
Jesús, der Chef, ein freundlicher junger Typ mit graublauen Augen, traegt uns in
ein dickes Buch ein. Im Schnitt kommen hier taeglich 10 Yachten an! Alles geht
problemlos vor sich. Eigentlich duerfen wir nur 2 Tage bleiben,
aber drei ist auch OK. Einklarieren muessen wir dann spaeter in Isla Margarita.
Jesus ist froh, dass wir spanisch sprechen. Neulich kam eine tuerkische Yacht an
und die Besatzung sprach nur tuerkisch.Er musste sich
mit Gesten und Skizzen verstaendigen, und es dauerte endlos, bis er alle
Informationen hatte.
Danach fahren wir zurueck nach Testigo Grande und ankern neben Gina und
Pieter.Auf dem Weg sehen wir die fantastische Playa Real von Testigo Pequeño,
ueber uns die riesigen Fregattenvoegel und Pelikane. Wir schlafen
bis halb sechs, als zwei Franzosen im Dinghy herankommen und uns kleine Bonitos
anbieten, gratis und frisch gefangen. Dann kommt Pieter und laedt uns zum
Abendessen ein, sie haben auch Fische bekommen.Gina braet sie alle und wir essen
sie mit Salat. Lecker!
Am naechsten Morgen gehen wir an Land. Am weissen Sandstrand liegt eine Flotte
von bunten Fischerbooten mit hohem und sehr spitzem Bug. Den Strand entlang
stehen etwa 10 Holzhuetten, umgeben von Palmen, Tamarinden und
Flamboyantbaeumen. Der Rest der huegeligen Landschaft ist sehr karg,
wuestenartig, nur bewachsen mit stacheligen Straeuchern und Kakteen. Ab und zu
sieht man grasgruene und giftgelbe Eidechsen und Leguane vorueberhuschen.
Wir laufen auf die Ostseite der Insel; starke Brandung, viel angeschwemmtes
ausgebleichtes Holz und die breite Spur (wie von einem Lastwagen) von einer
Schildkroete, die da ihre Eier abgelegt hat.
In der Bar erzaehlt uns die Wirtin, dass ihre Familie schon seit Generationen
hier lebt. Es gibt etwa 250 Personen auf den Testigos. Das Leben hier ist nicht
einfach, sie vergleicht es mit dem Leben auf einem
Schiff, man muss mit dem haushalten, was man hat. Wasser ist ein Problem: seit 5
Monaten hat es nicht geregnet, und sie hat einen Riesenberg Waesche, den sie
nicht waschen kann. Ab und zu fahren sie nach Margarita zum
Einkaufen, hauptsaechlich Reis und Huelsenfruechte. Sie leben von Fischen;
Gaerten gibt es nciht, es ist zu trocken.
Skip und Dani gucken sich das Spiel Brasilien-Ghana im Wohnzimmer ihrer Huette
an, der Fernseher ist an eine grosse Autobatterie angeschlossen. Ich fluechte
vor den Moskitos wieder in die ueberdachte Bar am Strand , neben mir im
Tamarindenbaum ein Affe an einer langen Schnur. Ich unterhalte mich mit Sohn
Daniel, der mir die 3 Tage alten, huebsch schwarz und weiss gepanzerten
Schildkroeten zeigt, die er im Dunkeln von der Playa Guzman geholt hat: 175
Stueck!
Die Schildkroeten legen pro Tier etwa 200 Eier. Wenn es heiss ist, schluepfen
sie nach 72 Stunden aus; wenn es regnet und kuehler ist, kann es auch Wochen
dauern. Die Kleinen laufen dann zum Meer und werden tagsueber
sofort von den Fregattenvoegeln gefressen. Deshalb holt Daniel sie zu sich,
fuettert sie mit Fischstueckchen, bis sie groesser sind, und setzt sie dann am
selben Strand ins Wasser. Nach 5-6 Monaten sind sie 500-600 kg schwer und kommen
Jahre spaeter zum Eierlegen wieder an denselben Strand zurueck.
Daniel und auch seine Mutter sagen, dass ihnen das Leben hier sehr gefaellt. Sie
koennen in Ruhe und Frieden leben, sie koennen alles offen lassen, hier klaut
niemand etwas. Was fuer ein Unter