Logbuch

 


CHAP.I  Mallorca - Gibraltar

Am 17.Oktober gegen Mittag beginnt die Ragnar ihre Reise um die Welt. Wir sind fünf an Bord: Skip der Skipper, Barbara der Maat und Dani der Schiffsjunge als Kerncrew. Ausserdem Jaime und Rosa, Danis Eltern, die uns auf unserem ersten Abschnitt begleiten.

Die Vorbereitungen waren gewaltig, und wir empfinden es als eine Erleichterung, endlich aufzubrechen und den Stress der letzten Wochen von uns abzuschütteln. Vor zwei Wochen war Ringu Tulku Rimpoche aus Sikkim an Bord, um uns und dem Boot ein Blessing zu geben. Un zusammen mit den guten Wünschen von Lama Yeshe Rimpoche, dem Abt und guten Freund aus Samyeling in Schottland, fühlen wir uns bestens gerüstet für die Reise.

Nach tränenreichem Abschied von Jule und Alfonso und Lola und Kathleen und Klaus fahren wir langsam aus dem Varadero von Palma de Mallorca hinaus, bis auch die Klorolle zwischen Dani und seiner Schwester  Monica zerreisst…

Es ist warm, die See glatt wie ein Spiegel, der Himmel etwas verhangen, ab und zu bricht die Sonne durch. Wind und Flauten wechseln sich ab. Nachts Vollmond.

Wir segeln südöstlich an  Ibiza und Formentera vorbei Richtung Gibraltar.

Jaime und Skip fangen ihren ersten Fisch, einen etwa drei Kilo schweren Tunfisch,der uns ein köstliches Abendessen beschert.

Ab und zu begleiten uns Schwärme von Delphinen und kleine gelb-grünliche Vögel, die auf dem Deck oder in Danis Haarschopf landen.

Jaime und Dani haben das Kochen übernommen. Mit dem, was wir fischen, und unseren Vorräten sind wir bestens versorgt: jede Menge Reis, Hülsenfrüchte, Trockenobst, Orangen aus Soller, eine riesige Sobrasada von Jaimes Mutter, tomates de ranillete, ein grosser Eimer voller frischer Eier, etc.

Am Donnerstag, 2o.10., gehen wir in Cartagena an Land, frühstücken und besichtigen das römische Amphitheater. Danach fahren wir weiter Richtung Cabo de Gata, nördlich von Almería. Der Wind aus SW, Stärke 5-6, ist nicht gerade günstig für uns. Wir müssen viel kreuzen und dem Schiffsverkehr entlang der Küste ausweichen und kommen mit unserem Zickzackkurs dem berüchtigten Kap nur zeitlupenhaft und etwas erschöpft näher.

Wir gönnen uns eine ruhige Nacht vor Anker in einer stillen Bucht auf der Leeseite des Kaps und schaffen es am Samstagmorgen (22.10.) endlich, es zu umrunden. Kurz danach finden wir einen herrenlosen ca. 5 Meter langen Zodiac und nehmen ihn in Schlepp. Offensichtlich eine “patera”, mit der Flüchtlinge aus Afrika die Meerenge von Gibraltar zu überqueren versuchen und  dabei oft ertrinken. Wir haben ein mulmiges Gefühl, denn es befinden sich halbvolle Kanister mit Benzin, zerfranzte Turnschuhe und zerfetzte T-Shirts im Schlauchboot...In Aguadulce bei Almería übergeben wir das Boot der Guardia Civil,die darüber nicht gerade erfreut ist, weil so viele pateras herumschwimmen und es für sie nur eine Menge Papierkrieg bedeutet.

Am Montag machen wir Halt in Motril, am Dienstag in Benalmádena bei Malaga . Dort gehen Jaime und Rosa von Bord und Skip, Dani und ich  segeln alleine weiter nach Gibraltar und von dort auf die Kanarischen Inseln.

 

Palmeira, Ilha do Sal Cabo Verde, 23.11.o5

Es tut mir leid, dass ihr so lange nichts vo uns gehoert habt. Danis second-hand laptop hat den Geist aufgegeben, was bedeutet, dass wir die Texte nicht vorbereiten koennen auf deutsch, englisch und spanisch- was viel Zeit in Anspruch nimmt. Ausserdem sind im Laptop unsere Digitalphotos gespeichert, zu denen wir jetzt auch keinen Zugang haben. Danis neue Kamera
funktioniert im Augenblick auch nicht und der Kontakt mit Danis Vater, der die Website macht, verlief auch nicht reibungslos.Elektronik kann schon total frustrierend sein. Unser Autopilot tuts auch nicht mehr richtig nach dem Sturm bei Tarifa und wir hoffen, dass wir ihn wieder reparieren koennen, denn ohne ihn ist die Steuerei doch sehr muehsam. Bitte habt Geduld mit uns.
Wir haben  uns also in Benalmadena (Málaga) von Danis Eltern verabschiedet und sind zu dritt weitergesegelt. Die Fahrt nach Gibraltar verlief ruhig, bis wir the Rock in Sichtweite bekamen: ueber dem enormen Felsen steht eine riesige schwarze Wolke. Und als wir in den Hafen einlaufen, stuermt es aus allen Himmelsrichtungen.Zu allem Uebel bekommen wir auch in keiner der
Marinas einen Liegeplatz, da die Boote von der Blue Water Ralley und der Transatlantik-ARC-Regatta alles in Beschlag genommen haben.Also ankern wir direkt na der Landebahn dês Flughafens. Am naechsten Morgen koennen wir dann am Queen Ann's Quarry anlegen.
Die naechsten 3 Tage bleiben wir in G., einer Stadt von 30000 Einwohnern sehr gemischter Herkunft: Araber, Juden, Englaender, Inder z.B. Und dabei sehr, sehr britisch. Die Haeuser eine Mischung aus englisch, spanisch und arabisch, sehr bunt. Die Leute sind alle mindestens zweisprachig: sehr englisches Englisch und sehr andalusisches Spanisch, was eine kuriose
Mischung ergibt. Sie wollen aber auf gar keinen Fall zu Spanien gehoeren, sondern britisch bleiben.
Wir nehmen ein Táxi und fahren auf den Felsen hoch, der seit 1704 zu England gehoert und eisern verteidigt wurde. In der Antike war es der Platz der Saeulen dês Herkules, das Ende der Welt und der Eingang zum Hades, das non plus ultra. Oben auf dem Felsen leben 2oo Affen, die aufs Autodach steigen und mit ihren langen Armen ins Innere greifen; draussen ziehen sie einen na
der Hand und springen einem auf die Schulter, richtig frech. Der Blick vom Grat dês Felsens ist atemberaubend: im Osten das Mittelmeer, im Westen Algeciras und der Atlantuik.
Am Sonntagmorgen d. 30.Okt. segeln wir in einer leichten  suedoestl. Brise Richtung Kanaren ab. Wir machen nicht viel Fahrt, denn in den ersten Stunden (bis zur Flut) ist die Stroemung noch gegen uns, und als wir auf der Hoehe von  Tarifa sind und durchs Wasser 4.5 Knoten machen, fahren wir in Wirklichkeit ueber Grund 0.5 Knoten rueckwaerts.. Das Wasser sprudelt wie in
einem Jacuzzi. Wir starten den Motor und versuchen soschnell wie moeglich aus der Meerenge hinauszukommen. Ueber Tarifa haengen dicke schwarze Wolken.
Als es schon dunkel ist, dreht der Wind innerhalb von Minuten von SO Windstaerke 2-3  nach SW Windstaerke 8 oder mehr und bringt uns fast zum Kentern. Mit Mueh und Not holen wir die Jib ein, die ins Wasser faellt und die wir nur unter gruosser Kraftanstrengung wieder na Deck festmachen koennen. Dabei verletzt sich Skip schlimm na der rechten Handflaeche: eine
scheussliche, tiefe grosse zerrissene Wunde in Form eibnes Kreuzes. Es regnet  wie aus   Kuebeln, der Wind heult orkanartig, wir koennen uns im Cockpit gegenseitig fast nicht mehr sehen. Dani haelt das Ruder so fest,dass es ihm fast den Arm bricht, waehrend ich Skips Hand verbinde. Nach etwa 45 Minuten ist der Spuk vorbei, und es ist wieder ruhig, Flaute. Was fuer ein
Empfang im Atlantik! Und Skip hatte uns so vorgeschwaermt vom beautiful swell und den konstanten, wunderbaren Passatwinden.
Die naechsten  3 Tage auf dem Ozean verlaufen ruhig. Wir haben wunderschoenes Wetter, eine leichte Brise aus NW, lange Wellen. Wir fangen Tunfisch und geniessen Sonnenauf- und untergaenge und den naechtlichen Sternenhimmel und Vollmond. Einmal kommt im Morgengrauenein anderes Segelschiff ganz dicht na uns vorbei; Leute na Deck, aber kein Winken, kein
Gruss,nichts. In der Nacht dês 4. Tages kommt ein Sturm auf, Windstaerke 8-9, aus N. Wir fahren nur noch mit dem gerefften Vorsegel und dem zerfetzten Topsegel, das sich mit der Ragnarfahne verheddert hat, und rasen 3 Naechte und 2 Tage mit 6-8 Knoten dahin, heftig von Seite zu Seite rollend. Wir koennen nicht mehr kochen, nicht einmal mehr Tee machen; essen
nur noch Kekse, Mandeln, Aepfel und Miesmuscheln aus der Buechse.
Im Morgengrauen dês Sonntag 6.11. sichten wir schliesslich Tenerife und legen etwas spaeter am Kai der Marina del Atlântico in Santa Cruz de Tenerife na. Scott und Torsten warten dort schon auf uns und helfen uns , Segel und Flagge herunterzuholen. Wir sind voellig ausgelaugt und machen einen schwankenden Spaziergang durch die huebsche Altstadt von Sra. Cruz mit
ihren gruenen, schattigen Plaetzen und Strassen und der ueppigen subtropischen Baeumen und Blumen. Am naechsten Tag mieten wir ein Auto und fahren durch die steile Berglandschaft Tenerifes hoch zum Teide (fast 3800m hoch), dem hoechsten Berg und einzigen aktiven Vulkan Spaniens. Durch riesige, wollig aussehende Pinienwaelder, die man aufgeforstet hat. Und dann
durch eine Mondlandschaft: nur noch Felsen, Steine, Lava, Sand, Salbeibuesche, Lava, Steine. Wunderschoene Farben: ocker, ziegelrot,
schwarz, creme, braun, violett. Eine Gegend heisst la tarta, die Torte: man
sieht die Sedimente der verschiedenen Eruptionen dês Vulkans, alle in
verschiedenen Farben. Daneben die montana mostaza, der Senfberg.
Na der Drahtseilbahnstation hinauf bis fast zum Gipfel ein Gedraengel:
hauptsaechlich Deutsche und Englaender, die Letzteren gern auch in Badehose,
mit hohen Absaetzen und Burberry baseball Kappen und sehr weiss- und
gaensehaeutig. Die letzten 200 Meter bis zum Gipfel kann man nur mit
Genehm8igung erklimmen, die wir aus Zeitmangel nicht einholen konnten. Es
ist irrsinnig kalt da oben und zieht wie Hechtsuppe, aber der Blick ist
atemberaubend.
Danach fahren wir durch das Oratava-Tal zurueck. Es soll das huebscheste
sein, liegt aber unter einer dichten Wolkendecke verborgen, so dass wir
nicht viel davon sehen koennen. In einem kleinen Laden an der  Strasse
kaufen wir Wein aus eigener
Herstellung. Der Besitzer raet uns veraechtlich von einem machinell 
produzierten ab und preist de naus seinem eigenen Anbau: dessen Trauben
wurden von den Fuessen seiner Familie zerquetsch! Wir kaufen etwas zoegernd,
aber neugioerig. Abends machen wir eine Gemuesesuppe mit unserem  neuen
Mixstab und trinken den Wein dazu. Beides ist exzellent und wir muessen viel
lachen. Magie der Fuesse?
Am naechsten Tag besichtigen wir den Botanischen Garten von Puerto de la
Cruz mit seiner  unglaublichen Vielfalt na  exotischen Baeumen aus aller
Welt. Am Freitag, 11.Nov., fahren wir Richtung Kapverden ab. Wir wollen noch
in Radazul suedlich von Sta. Cruz Diesel und Wasser tanken, koennen aber
nicht na der Tankstelle anlegen, weil alles voller Boote ist. Das kommt uns
spanisch vor. Also wieder zurueck nach Sta.Cruz, wo wir ueber Nacht im
Boatyard vom Puerto Pesquero bleiben duerfen, um dann endlich am
Samstagmorgen nach Sueden aufzubrechen. Es hat sich mal wieder bewahrheitet,
dass man na einem Freitag nicht abfahren sollte.
Torsten ist nun doch nicht mit dabei, er hat sich anders entschieden. Also
sind wir nun vier mit Scott.Mit 8.5 bis 9 Knoten rasen wir die We4stkueste
Teneriffas entlang, nuir mit stay und main stay Segeln. Die PASSAGE ZWISCHEN
Teneriffa und Gran Canaria hat einen Trichtereffekt. Die naechsten 7 Tage
angenehmes Segeln die ganze Strecke bis Ilha do Sal, der noerdlichsten der
Kapverdischen Inseln. Wir fangen Tunfisch, Goldmakrelen, sehen viele
Delphine, die um den Bug herum spielen, und ganze Schwaerme von fliegenden
Fischen, von denen einer auf dem Deck landet. Seine Flossen sehen aus wie
grosse Fluegel. Die Naechte sind zauberhaft. Meist sind wir ganz allein auf
hoher See, nur wenige Male sehen wir in der Ferne ein Frachtschiff oder ein
anderes Segelboot. Die Luft ist warm, der Himmel klar bis auf ein paar
freundliche Haufenwolken gegen Abend. Nachts sehen wir den Widerschein von
Rabat, Casablanca. Bei Sonnenaufgang am Sonntag d.20.Nov. sichten wir die
kleinen Vulkankegel von Ilha do Sal und laufen gegen Nachmittag im Hafen von
Palmeira ein.

 

CHAP. III CaboVerde

Wir segeln die vulkanische, voellig oede braune Kueste von Ilha do Sal
hinunter auf der suche nach der Hafeneinfahrt von Palmeira. Ein grosser
Oeltanker weist uns schliesslich den Weg und dann sehen wir auch etwa 40
weitere Segelschiffe in der Bucht liegen. Nach ein paar Versuchen fasst der
Anker schliesslich, aber dann verschindet die Kette in einem Loch zwischen
den Felsbloecken und reisst das Boot so boes hin und her, dass die
Ankerrollen voellig verbogen werden...

Vom Hafen her droehnt afrikanische Diskomusik. Wir rudern an Land und
treffen Grilo, einen jungen Kapverder, der uns in der naechsten Woche hilft
und uns erklaert, dass Sonntags die Leute vom Dorf ordentlich feiern und die
Capricornio-Bar zur Disko umfunktioniert wird. Palmeira, ein kleiner Ort von
etwa 1500 Einwohnern, macht einen huebschen und froehlichen Eindruck: bunte,
meist einstoeckige Haeuser, kleine Plaetze mit Akazien, gepflasterte
Strassen, kaum ein Auto, viele, viele Kinder (70% der Bevoelkerung der
Kapverden sind unter 20!), Musik. Es ist schon Afrika hier; es ist arm, aber
die Leute sehr freundlich und froehlich. Die jungen Leute versuchen, mit den
Bootsleuten etwas Geld zu verdienen und bieten ihre Dienste an: Muell
abholen, Waesche waschen, Sachen transportieren etc. Es gibt ausser einer
Hummerfabrik, der Entsalzungsanlage, dem Hafen nicht viel mehr, wo man
Arbeit finden koennte.

Grilo fuehrt uns in ein kleines Restaurant am Dorfrand, wo wir eine
koestliche soada de langosta essen and Dani und Scott "caracas", Muscheln in
Lavagestein, die man mit langen Ndeln herauspulen muss. Sie sind nicht
sonderlich begeistert von ihrem exotischen Mahl...

Am naechsten Tag besorgt uns Carlos con Trans Ocean einen Taucher, der die
Ankerkette wieder freilegt. Thomas von der "Gades" leiht uns seine
Flexmaschine, damit wir die Ankerrollen durchschneiden und zum Geradebiegen
in die Hummerfabrik bringen koennen. Dort arbeitet Toxa, der beste
Mechaniker von Sal, der nebenher alles Moegliche repariert: mit primitivsten
Mitteln, immenser Kraft und viel Improvisationstalent zerschneidet er das
Teil komplett, biegt und haemmert es zurecht und schweisst es schliesslich
wieder zusammen. Dankbar ziehen wir mit unserer heilen Ankerrolle wieder
Richtung Hafen. Beim Baecker gibt es Campinggas, am Dorfbrunnen leckere
Tunfischkroketten, die wir waehrend des Auffuellens unserer 20
5Liter-Flaschen verzehren. Wir muessen unseren Wassertank auffuellen. Per
Schlauch und Hahn geht das in Palmeira aber nicht; also muessen wir die Tour
zum Dorfbrunnen 5x machen; Grilos "Taxi", eine Schubkarre, erleichtert die
Sache etwas. Trotzdem sind wir hinterher erschoepft und gehen frueh zu Bett.

Da wir dringend Essen einkaufen muessen, fahren wir mit einem Kollektivtaxi
(Pick-up) auf der Ladeflaeche in den Hauptort Espargos, wo man alles
bekommen koenne. Wir finden Bananen, ein paar Paprika, Karotten und ein
vakuumverpacktes gebackenes Huhn aus Valencia. Die Sorge um das Schiff in
der Brandung treibt uns dann schnell wieder nach Palmeira.

An einem Tag fahren wir in den Sueden der Insel nach Sta. Maria, ein kleiner
aufstrebender touristischer Ort mit einer traumhaft schoenen Bucht mit
makellosem und fast leeren Strand. Ein Surfparadies! Es gibt ein paar kleine
Hotels, Bars, Restaurants und Souvenirlaeden, aber es ist auch ein echt
kapverdisches Dorf geblieben. Wir sehen Scharen von adrett und sauber
gekleideten Schulkindern auf dem Nachhauseweg. Wir essen leckeren gegrillten
Fisch zu Mittag, trinken danach einige Caipirinhas in einer Strandbar mit
Blick auf das tuerkisblaue Meer und fuehlen uns wie im siebten Himmel.

Im Pick-up zurueck sitzen Skip und ich vorn im Fahrerhaus und Scott und Dani
hinten auf der Ldeflaeche. Es faengt an, in Stroemen zu regnen und die
beiden werden nass bis auf die Haut. Der erste Regen seit 2002. Skip hatte
am Abend vorher im Hafen aus Spass einen Regentanz aufgefuehrt und war nun
etwas erschrocken ueber die Folgen, die das anscheinend bewirkt hatte...

Scott und Dani machen einen Ausflug zu dem Felsenpool an der Kueste und am
Fuss eines der kleinen Vulkane. Sie muessen 45 Minuten zu Fuss durch die
Wueste wandern und treffen dabei auf zwei kleine Jungens, mit denen sie sich
muehelos unterhalten koennen, da sich Mallorquin und Portugiesisch aehnlich
sind. Am Weg sehen sie eine melonenaehnliche Frucht in der Groesse eines
Apfels. Einer der Jungs sagt, man koenne sie nicht essen. Er nimmt sie in
die Hand, sieht einen Spatz, zielt und toetet den Vogel mit einem Wurf.
Scott versucht es ihm nachzumachen und verrenkt sich dabei die Schulter
ziemlich schlimm... Der Felsenpool besteht aus zwei Baedern: einem Pool in
einer Hoehle und einem zweiten im Freien mit tiefem, kuehlen tuerkisen
Wasser- eine Wohltat nach dem langen und staubigen Weg.

Am Sonntag fuehrt uns Grilo in eine kleine Wochenendbar: ein winziger
Hinterhof, ueberdacht mit Wellblech, ein paar Holzbaenke, eine Kuehltruhe,
ein Grill. 4o bis 50 Leute draengeln sich hier und bis auf die Strasse, um
kleine Schweinefleisch- Kebabs fuer 50 cents zu essen. Dazu trinkt man
ponche (Rum m. Zitronenscheiben und Honig) oder "cortao" (Rum m. Fruechten),
beides "bestial", aber billg.

Nach einer Woche in Palmeira segeln wir weietr Richtung Tarafal auf Sao
Nicolao. Die Ankerrollen sind wieder in Ordnung, ebenso der Autopilot. Aber
die Brandung im Hafen wurde schliesslich zu gefaehrlich. Wir hoffen in
Tarafal Proviant fuer die Atlantikueberquerung bunkern zu koennen.
Eigentlich waere Mindelo auf Sao Vicente der geeignetere weil groessere Ort,
aber alle raten davon ab, weil es in Mindelo so viel Kriminalitaet gibt.

Nach einem rauhen 23stunden Trip kommen wir in Tarafal an, einem malerisch
vor schroffen Felswaenden gelegenen kleinen Dorf. Aber die Geschaefte bieten
fast noch weniger an als in Sal und im Shell-Laden finden wir noch das
Beste: Pasta, Joghurt, Lorbeerblaetter und Marsriegel... Wior nehmen ein
Taxi nach Ribeira Brava im Inselinnern, dem Hauptort. Da gibt es zwar eine
grosse Markthalle, aber kaum Gemuese und Obst. Trotzdem ist die Fahrt es
wert gewesen: 25 km ueber gepflasterte enge, kurvige, steile Strassen,
bergauf, bergab mit Blick auf grandiose Landschaften: wuestenaehnliche Berge
und gruene terrassierte Taeler und wilde Kueste.

An Skips Geburtstag, 29. Nov., kaufen wir einen 5kg schweren Tunfisch von
einem Fischer und laden Thomas und Anke von der Gades zum Abendessen auf
unserm Deck ein. Am 30. Nov. segeln wir nun doch, trotz aller Bedenken, nach
Mindelo ab.

Und es gefaellt uns sehr gut!! Das erste Mal, dass wir uns voellig sicher
vor Anker und in dem Hafen fuehlen! Kurz nach unserer Ankunft naehern sich
die zwei Brueder Umberto und Eric mit ihrem Dinghy unserm Schiff und bieten
ihre Dienste an. Und sie erweisen sich als absolut vertrauenswuerdig und
hilfsbereit. Sie helfen uns mit Wasser und Treibstoff und zeigen uns, wo wir
Dinge kaufen koennen, z.B. 25-Liter Wasserkanister in einer Baeckerei- na
klar! Sie fuellen unsere Wassertanks auf, sind unser Wassertaxi, bewachen
und waschen unser Dinghy. Wir fuehlen uns sehr wohl und sicher mit ihnen. In
Mindelo bekommen wir auch genuegend Proviant fuer die Reise ueber den
grossen Teich, die wir dann am Sonntagmorgen, 14.Dez. starten.

CHAP. IV  Cabo Verde - Barbados

Schoenes Wetter, ein gutter Passat aus NO, Kurs 280 Grad, 6.3 Knoten und
2000 Seemeilen vor uns. Keiner spricht viel, wir sind nachdenklich, uns
allen ist leicht mulmig zumute; alle hoffen und beten, dass alles gut geht.
In den ersten Tagen sehen wir noch ein paar andere Segelboote am Horizont,
die auch in Richtung Westen fahren, aber dann sind wir tagelang
mutterseelenallein. Wunderschoene, Sonnenauf- und untergaenge, Unmengen von
fliegenden Fischen, von denen ab und zu einer auf dem Deck landet. Delfine
spiuelen um unseren Bug herum. Die Tage vergehen mit Waschen, Kochen,
Reparieren, Saubermachen, Steuern, Schreiben. Das Wetter ist bestaendig-
tagsueber klarer Himmel, Wolken und Regenschauer nachts. Im Durchschnitt
segeln wir 120 Meilen am Tag (216 km).
Am 9. Dez., einem sonnigen wolkenlosen Tag, kommen wir in eine totale
Flaute. Das Wasser  sieht wie Oel aus,und Dani und Scott springen in den
tintenblauen 5000 m tiefen Ozean und schwimmen ein bisschen. Aber die Flaute
macht uns auch Sorgen- was machen wir, wenn sie 14 Tage oder laenger dauert?
Haben wir genug Wasser und Proviant an Bord? Wir fangen an, unser
Trinkwasser zu rationieren, waschen und kochen von nun an meist mit
Salzwasser. Unsere Gemuese- und Obstvorraete faulen schnell dahin, aber wir
haben ja viele Konserven, Getreide und Huelsenfruechte an Bord. Am 12. Dez.
Faengt Scott den groessten Fisch seines Lebens- einen grossen wunderschoenen
Mahi-Mahi, der uns ein leckeres Essen beschert. Jetzt haben wir auch wieder
Wind.
Am 13. Dez. Habenwir noch 970 Seemeilen zu segeln, etwa die Haelfte. Wir
feiern das mit einem Schokoladenkuchen mit Sahne! 2 Tage spaeter treffen wir
Salt Whistle, eine deutsche Yacht auf ihrem Weg nach Martinique. Sie sind am
29. Nov. in Tenerife gestartet und in den Hurrikan gekommen, dessen
suedlichen Rand wir von den Kapverden sehen konnten: 71 knoten Wind!!!
Am 14. Tag koennen wir endlich Radio Barbados empfangen; sie spielen lauter
Weihnachtslieder im Calypso- Rhythmus, mit Steelbands; wir finden das
irrsinnig komisch- Gott sei Dank, denn wir denken schon oft an zuhause und
es wird uns dann etwas komisch zumute.Noch 240 Seemeilen bis Port St.
Charles in Barbados. Wir wollen endlich ankommen! Manchmal sind wir ziemlich
erschoepft; die Stimmung wechselt, manchmal sind wir eher meditative
gestimmt, manchmal etwas genervt und manchmal aufgeregt und gespannt auf die
Karibik. Wenn die See rauh ist und die Wellen von allen Richtungen kommen,
rollt das Boot wild von einer Seite auf die andere und wir stolpern wie
betrunkene Seeleute umher. Wasserkessel, Messer, Porridge fliegen durch die
Luft, Kaffee, wird verschuettet, wir sind voller blauer Flecken. Dann fragen
wir uns manchmal, WARUM mache ich das eigentlich alles?? Gott sei Dank wird
keener seekrank
Frueh morgens am 19. Dez. Sehen wir einen riesigen doppelten Regenbogen vor
unserem Bug- ein gutes Omen! Alles wird gut gehen! 2o. Dez.: noch 110
Seemeilen! Am Mittwoch, 21. Dez.,m gg. 9 Uhr, umrunden wir endlich die
Nordspitze von Barbados. Die Insel  ist nicht sehr hoch und deshalb nicht
leicht zu sichtwen. (Frueher warfen die Seeleute, wenn sie sich der Insel
naeherten, Schweine ins Wasser; die haben einen sehr ausgepraegten
Geruchssinn und witterten das Land schon, wenn man es noch nicht sehen
konnte. Die Schiffe folgten dann der Richtung, in die die Schweine
schwammen) Wir geraten in einen fuerchterlichen Regen, so dass wir die
Kueste nicht mehr ausmachen koennen. Gott sei Dank haben wir GPS! Wir stehen
dick vermummt in unseren Schlechtwetteranzuegen an Deck, als wir kurz danach
in Port St. Charles ankommen, wo es sonnig und heiss ist, und muessen einen
seltsamen Anblick geboten haben!
Vor der Einfahrt nach Port St. Charles, einem der wenigen Haefen von
Barbados, muessen wir warten: der Zollbeamte ist noch nicht in seinem Buero.
Nach einer Stunde kontaktieren wir die Behoerde noch mal ueber Funk und
bekommen die Erlaubnis, an einer Boje festzumachen. Nach einer weiteren
Stunde duertfen wir dann in den Hafen hinein. Die Beamten von Zoll-, Hafen-,
Einwanderungs- und Gesundheitsbehoerden sind sehr freundlich, die Prozedur
geht schnell und glatt. Port St, Charles hat nur ein Dock fuer 6 Yachten,
und der Hafenmeister eroeffnet uns, dass unser Schiff zu klein ist dafuer
(sie sind nur fuer Megayachten gebaut). Aber wir duerfen zurueck an die
stabile Boje ausserhalb und fuehlen uns da auch sehr sicher und wohl. Nach
den wuestenartigen Kapverden und den endlosen Weiten des graublauen Atlantik
kommen wir uns in Port St. Charles vor wie im Garten Eden.
Am Nachmittag laufen wir ins nahegelegene Speightstown um zu sehen, was wir
hier an Essen, Wasser und Ersatzteilen bekommen koennen. Wir finden
exotische Gemuese und Fruechte zuhauf - Brotfrucht, Taro, Yams, gruene
Kokosnuesse, Papayas etc.- mit denen zu kochen wir erst mal
Am Nachmittag laufen wir ins nahegelegene Speightstown um zu sehen, was wir
hier an Essen, Wasser und Ersatzteilen bekommen koennen. Wir finden
exotische Gemuese und Fruechte zuhauf - Brotfrucht, Taro, Yams, gruene
Kokosnuesse, Papayas etc.- mit denen zu kochen wir erst malnen muesen. Am
Tag darauf nehmen wir den Bus nach Bridgetown, der Hauptstadt im Sueden, um
uns etwas  in der Yactszene umzugucken. Wir sind enttaeuscht, dass wir kein
gutes Geschaeft fuer Schiffszubehoer finden. Der sogenannte Boatyard ist
mehr  eine Stranddisko als ein Boatyard, und wir sollen 20 Barbados-Dollar
(etwa 10 US$) bezahlen, nur um ein paar Auskuenfte zu bekommen. Nicht sehr
angenehm. Jetzt verstehen wir, warum die meisten anderen Boote sich andere
Ziele in der Karibik aussuchen: Barbados ist definitive nicht der Ort, der
an Weltumseglern interessiert ist.
Wir sind froh, dass wir in Port St. Charles liegen. Dort ist es ruhig,
sicher und sauber und freundlich und die gepflegten tropischen
Gartyenanlagen sind hinreissend! Ausserdem liegen gleich nebenan
Speightstown mit seinem quirligen karibischen Leben und Little Harbor, ein
kleines Fischerdorf, wo man an Staenden filettierte fliegende Fische kaufen
und wo man abends an einer Strandbude billig und gut essen und ein Banks
Bier trinken kann.
Wir fahren mit dem Bus quer durchs Inselinnere nach Bathsheba an der
Atlantikkueste, die wohl noch so ist wie vor 20 Jahren. Es ist steil hier
und rauh, und deshalb hat sich hier kaum Tourismus entwickelt. Bathsheba ist
ein pittoreskes kleines Dorf an einem Sandstrand mit Kokospalmen; viele
Surfer kommen hierher wegen der hohen Wellen. Bizarre moosbewachasene Felsen
ragen aus dem Wasser. Wir verbringen den Morgen auf der Terrasse eines
kleinen chattel house (cottage) mit zwei amerikanischen Freunden, die mit
Dani an Bass und Mundharmonika zusammen jammen. Auf dem Rueckweg steigen wir
auf einen Huegel mit grandioser Aussicht ueber die Taeler und die
Atlantikkueste und gucken uns die riesigen Mahagonnybaeume und Affen an.
Die Inselbusse sind ein Kapitel fuer sich eine Fahrt kostet 1.50 BB$, etwa
70 cents, egal wie weit man faehrt, Besonders in den gelben fuehlt man sich
wie im Irrenhaus: wilde Hiphop/ Reggae/ Steelband-Musik, wahnsinnig schnell,
man muss sich mit beiden Haenden festhalten! Wildes Gehupe im Rhythmus der
Musik jedesmal, wenn es durch eine der engen und scharfen Kurven geht! Wir
fuerchten um unser Leben, denn die Strassen sind sehr eng und der Verkehr
sehr dicht. Wir denken, wir sollten es mal per Anhalter versuchen: nach noch
nicht einer Minute haelt schon ein Auto (trotz -oder wegen?- Skips
inzwischen wildem Rasta-Look.)und wieder befinden wir uns auf einer
Achterbahn mit Hiphop und wildem Gehupe Richtung Holetown, dem hotsytotsy
Einkaufs-zentrum der Insel.
Am 24. Dez. Schlendern wir den Strand entlang und bleiben in einer Strandbar
an der Mullins Beach, wo eine tolle Steelband Weihnachtslieder auf
karibische Art spielt. Wir trinken - was sonst hier? -Rumpunsch und tanzen
ein bisschen und ab und zu ueberkommt mich das Heimweh. und dann rauschen
wir mit einem Hobycat wieder zum Schiff - ich das erste Mal auf einem
Katamaran und voellig durchnaesst, aber was fuer ein Toern! Spaeter leisten
wir uns im Fish Pot in Little Harbor ein Weihnachtsessen. Scott und Skip
nehmen Alligatorspiesse als ersten Gang (ich ziehe Jakobsmuscheln vor, zu
Recht, wie sich herausstellt) und dann gibt es eine sagenhafte Fischplatte.
Wir beobachten den Sonnenuntergang von der Terrasse aus und tatsaechlich da
ist der beruehmte green flash: kurz nachdem die Sonne am Horizont versunken
ist, blitzt sekundenlang ein blaugruener Lichtstrahl auf!
Am 29. Dez. Werden wir von unseren Nachbarn Gina und Peter auf ihrem
Katamaran zu einem typischen Bajan dinner eingeladen. Gina hat breadfruit
gemacht, cuckoo (aus Maismael und Okra), fish sauce, fliegenden Fisch,
Christophene und Karotten, alles koestlich! Am 31. Dez. Segeln wir von Port
St. Charles ab die Westkueste  entlang und gucken uns all die Feuerwerke an,
die die grossen Hotels veranstalten. Dann nehmen wir Kurs Richtung Grenada
im Suedwesten etwa 200 Seemeilen. Anfangs ist das Wetter wunderbar,
Sternenhimmel, eine leichte Brise. Aber dann geraten wir in einen Sturm von
Windstaerke 8. Wir werden kraeftig hin- und hergeschuettelt, lassen nur noch
das staysail stehen und machen trotzdem noch etwa 7 Knoten und das im
Stockfinstern und in sintflutartigem Regen. Hohe Wellen schwappen staendig
ueber das Deck und sogar ueber das Doghouse! Die Jungs stehen angeschnallt
im Cockpit , damit sie nicht ueber Bord gespuelt werden, sie sind nass bis
auf die Haut trotz der Anzuege. Und ich liege/rolle im Bett und bete. Im
Morgengrauen des zweiten Tages hat der Spuk ein Ende als wir schon in
Sichtweite von St.Georges, Grenada sind. Alle sind voellig uebernaechtigt,
keener hat seit 48 Stunden geschlafen. Wir fahren in die Prickly Bay und 
machen nach erfolglosen Versuchen zu ankern dort an einer Boje fest.
Wir moechten uns hier bei allen bedanken, die uns SMS (mein Telefon geht
wieder!) und e-mails geschickt haben und uns entschuldegen, dass wir uns
noch nicht im einzelnen gemeldet habern!Unser Computer an Bord ist ja kaput
und es ist auch nicht immer einffach, ein Internetcafe zu finden.Wir
wuenschen allen unseren Freunden ein gklueckliches neues Jahr und danken
Euch allen fuer das griosse Interesse an unserer Website. Es ist fuer uns
ein tolles Gefuehl zu wissen, dass Ihr uns auf unserer Reise begleitet! Ich
vermisse Euch alle!!!

 

CHAP. V  Grenada

Gegen 10 Uhr abens am 31. Dez. Segeln wir von Port St. Charles auf Barbados ab die Westkueste hinunter bis Sandy Lane, um uns all die Feuerwerke anzugucken, um uns herum noch mehrere andere Yachten mit Parties an Bord. 
Nach dem grandiosen Schauspiel nehmen wir Kurs auf Grenada, die erste “wirklich” karibische Insel, denn Barbados liegt ja etwas abseits und gehoert eigentlich noch mehr zum Atlantik. 

Wir segeln durch die lauwarme, sternenklare Nacht bis wir aus dem Windschatten der Insel heraus sind, nur mit Grosssegel und Fock, um unsere Geschwindigkeit niedrig zu halten; denn wir wollen bei Tageslicht in Grenada ankommen, nach etwa 36 Stunden. (Es ist nicht ratsam, in der Karibik nachts in einen Hafen einzulaufen wegen der zahllosen Riffe, Wracks, Untiefen, fehlenden Markierungen etc.)

Waehrend des Tages kommt immer mehr Wind auf, die Wellen werden immer hoeher und wir reffen beide Segel, nur um nicht so schnell vorwaerts zu kommen. Nach dem Sonnenuntergang haben wir Windstaerke 8 erreicht, von achtern, und jede zweite Welle spuelt ueber das Deck. Eine Nacht mit Wasser von oben und Wasser von unten: die Wellen stuerzen sogar ueber das Doghouse und ueberfluten das Cockpit, unglaublich! Wenn wir nicht angeschnallt gewesen waeren, waren wir alle ueber Bord gespuelt worden!
Wir kommen nach nur 24 Stunden an der SW-Stpitzevon Grenada an und warten auf den Sonnenaufgang. Bei Tageslicht segeln wir zurueck nach Osten zur Prickly Bay und versuchen dort vergebens zu ankern. Schliesslich mmachen wir an einer Boje fest und schlafen bis mittags, voellig erschoepft von der anstrengenden Nacht. 

Dann fahren Skip und ich mit dem Dinghy zur Prickly Bay Marina um die Zoll- und Einwanderungsformalitaeten zu erledigen. Der Beamte ist sehr freundlich, problemlos, und erzaehlt uns vom Hurrikan Ivan, der 2004 die Insel zu 90% “zerkaut” hat )chewed up).Danach gehen wir etwas einkaufen, essen eine tolle Pizza in der Marina und trinken an der Bar in der “happy hour” – nicht Rumpunsch, sondern Lambrusco…
Am naechsten Tag fahren wi r zur Budget Marine Chandlery und flippen ueber das riesige Angebot an Schiffszubehoer fast aus! Spaeter nimmt uns Henry von den Safari Tours mit nach St. George’s zum Grenada Yachtclub, wo wir einen Spezialpreis fuer 6 Tage aushandeln: wir bezahlen nur fuer 4 Tage, die restlichen 2 sind frei. Super! Nach zwei Naechten in Prickly Bay segeln wir also in die Lagune von St. George’s, machen am Dock fest, stecken unser Stromkabel in die Steckdose und erholen uns.

 Seit Gibraltar haben wir nicht mehr so tief und fest und ruhig geschlafen wie hier, ohne Sorgen um Anker, Brandung, Gezeiten und Wind und Wetter!!Am 6. Januar treffen wir uns in der Frueh mit Campbell, einem von Henry’s Leuten, um mit ihm eine Tour ueber die Insel zu machen.Wir fahren dien Westkueste hoch nach Concord Falls, ueber engste und kurvige Strassen voller Schlagloecher und “schlafender Polizisten” (Bodenschwellen!), durch kleine bunte Doerfer mit ueppigen Blumen- und Gemuesegaerten, durch Regenwald und ueber Bergbaeche. 

Danach fahren wir weiter nach Guayava, einem Fischerdorf im Nordwesten, mit weissem Sandstrand voller froehlich bemalter Boote und Netze.
Dann fahren wir weiter ins Innere. Manchmal sind die Strassen so steil, dass man es fuer unmoeglich haelt, da hinauf zu kommen: der Wagen steht fast still, avber im letzten Augenblick schafft er es doch noch…Die 
Immortellenbaeume fangen gerade an knallgelb zu bluehen, die Korallenbaeume feuerrot; riesige Farne ueberall, Kletterpflanzen ueberwuchern ganze Landschaften. Aber bei all der gruenen Ueppigkeit sieht man auch noch viele Spuren von Ivan: abgebrochene Baumwipfel, kopflose Palmen, duerre braune Aeste. Der Hurrikan hat sogar den Grossteil der Fauna ausradiert; naja, wenigstens hat man seither keine Schlangen mehr gesichtet…
Wir klettern hinunter zu den Sieben Schwestern-Faellen. Der Pfad ist lehmig, schlammig und besteht zum Grossteil aus glitschigen steilen Stufen . Wir stuetzen uns auf unsern Wanderstock und krallen uns an Lianen und Aesten fest. 

Unterwegs erklaert uns Campbell die Pflanzen: wir sehen Muskatnussbaeume und Zimtbaeume und eine Menge exotischer Blumen, die ich sonst nur in Blumenlaeden gesehen habe. Man nennt Grenada auch die 
Gewuerzinsel. Sie bauen Vanille an, Kakao Ingwer und vieles andere. Der Markt von St. George’s ist eine Symphonie von Geruechen und Farben! Nach einem letzten besonders steilen und muehsamen Stueck des Pfades kommen wir endlich an den Wasserfall. Wir springen in das kuehle kristallklare Wasser und Dani und Scott klettern ueber die fast senkrechte Felswand auf die obere Kante und stuerzen sich die 15 Meter hinunter in das 6 Meter tiefe Becken!
An einem anderen Tag fahren wir mit dem Bus nach Grand Anse Beach, einem makellosen weissen menschenleeren Sandstrand, gesaeumt von Kokospalmen und Seagrape- Bueschen. Vor uns das karibische Meer, tuerkis und tintenblau.

Am 10. Januar mieten wir uns einen Jeep und fahren all die Buchten im Sueden ab (man muss sich immer in tropischen Gewaessern ueber Hurrikanloecher informieren, d.h. Stellen , wo man Zuflucht nehmen kann). 
Dann fahren wir hoch nach Grenville im Osten auf der Atlantikseite. Wir essen zu Mittag im Ebony. Kein Schild weist auf dieses Lokal hin, und man findet es nur, wenn man sich durchfragt: man geht durch eine winzige dunkle 
Gasse, durch einen Hinterhof, eine wacklige Stiege hinauf und betritt dann ein Haus aus dem 17. Jh. mit einem grossen Speisesaal, einfach aber sauber.Das Restaurant soll eines der besten der Insel sein.. Und wir sind 
auch wirklich sehr angetan von dem Essen: Conch curry ( conch ist eine riesige Muschel, deren Fleisch koestlich schmeckt), Kingfish, Reis, Kuerbis, gruene Bohnen, callalou (Wie Spinat) und Brotfrucht.

Heute ist der 12. Januar mund wir haben beschlossen, noch 4 weitere Tage in Grenada zu bleiben und dann weiter zu segeln nach Carriacou , einer anderen Insel noerdlich von hier. Eigentlich wollten wir schon einen Tag frueher los; da das aber ein Freitag, der 13., ist und wir inzwischen sehr aberglaeubisch sind was Freitage angeht, haben wir die Abfahrt auf den Samstag verschoben.

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CHAP VI

Am 13. Februar segeln wir morgens um 9 Uhr von St. George's. Grenada Richtung Carriacou ab; die Insel gehoert zu Grenada und liegt etwa 35 Seemeilen /63 km)nordoestlich. Bei schoenstem Wetter segeln wir gemaechlich
nahe der Kueste lang im Wiondschatten der Insel. Ab und zu weht eine Boe aus einem der Taeler hinunter. Wir  fahren mit allen Segeln, haben aber auch noch den Motor an, damit wir bei Tageslicht in Carriacou ankommen. Es wird gegen 18 Uhr dunkel- schlecht, wenn man die Riffe nicht mehr erkennen kann und die sandigen Stellen, an denen man ankern muss, um die Korallen nicht zu beschaedigen. Wir fahren vorbei an der gruenen Kueste von Grenada, den dicht bewaldeten Bergen, Gouyave- dem kleinen Fischerdorf; ab und zu bunte Haeuser, ein Kokospalmenhain mit einer Huette.
Am Nordzipfel der Insel faengt es an zu blasen, die Wellen werden hoeher, vor uns liegen viele kleine unbewohnte Inseln: Sisters, les Tantes, Zuckerhut,, London Bridge (sieht aus einem bestimmten Winkel wirklich so aus!), Kick 'em Jenny. Der Wind weht nun stark aus Osten, und wir beschliessen, westlich an Kick 'em Jenny vorbei zu fahren-was man eigentlich nicht tun sollte, weil in dieser Gegend ein aktiver unterirdischer Vulkan
liegt, der 1989 zum letzten Mal ausgebrochen ist. Auf Hoehe der Inseln wird es ziemlich rauh, 3 bis 4 m hohe Wellen. Es macht Spass an Deck, und die mRagnar ist in ihrem Element. Je naeher wir Tyrell Bay kommen, um so ruhiger wird die See wieder.
Gegen 16 Uhr segeln wir in die Tyrell Bay hinein. Es liegen etwa 50 Segelschiffe dort. Wir ankern problemlos an einer sandigen Stelle- es gelingt auf nAnhieb! Sofort kommen  ein paar Einheimische mit Dinghies herbei und wollen uns Hummer, Limetten und Wein verkaufen und ein Restaurant empfehlen. Wir bedanken uns und vertroesten alle auf morgen, kochen eine herzhafte orange Linsensuppe mit Knoblauch und Ingwer und gehen beim Klang von Steeldrums und Dschembe-Trommeln und Windraedern schlafen, nachdem wir im Cockpit noch ein Glas Wein im hellen Vollmondschein getrunken haben.
Am naechsten Morgen fahren wir mit dem Dinghy in den Mangroventeil der Buch -ein gutes 'hurricane hole', das sich ziemlich tief ins Land erstreckt. Es liegen drei Wracks da, ansonsten sind wir die einzigen. Es ist heiss, die
Luft flimmert, Voegel kreischen, die Mangroven mit ihren tausenden von Wurzeln erscheinen uns undurchdringlich. Man kann sich gut vorstellen, dass sie einem guten Schutz vor einem Hurrikan bieten.
Hinterher lassen wir das Dinghy am Strand von Tyrell Bay liegen, festgebunden an einen Baum(in Carriacou gibt es so gut wie keine Kriminalitaet), und erkunden das Dorf. Ein paar Supermaerkte (in denen es aber nur das Allernoetigste gibt), ein paar rum shops (ganz einfache Bars), eine Segelmacherei, ein paar Restaurants, ein boat yard, den Yacht Club und eine echte italienische Pizzeria.
Danach nehmen wir den Bus nach Hillsborough, dem Hauptort der Insel, die insgesamt nur 20000 Einwohner hat. Es ist Sonntagmorgen, alle Geschaefte geschlossen, sogar die Bars, kein Verkehr. Nur in der Naehe der vielen
Kirchen sieht man viele Leute  im besten Sonntagsstaat. Die Haeuser wirken sehr gepflegt, bunt gestrichen, kaum Spuren vom Hurrikan Emily zu sehen, der 10 Monate nach Ivan Carriacou heimsuchte. Entlang der Hillsborough Bay ein sauberer weisser Sandstrand, tuerkises Meer, und am westlichen Rand Sandy Island, nur weisser Sand mit ein paar Palmen drauf. In der Bucht einige froehlich bemalte Boote. Whow! Gegen Mittag erwacht der Ort zum Leben. Wir gehen in eine Bar an der Hauptstrasse, die nach hinten eine Verandah direct am Strand hat.Aus den glaslosen Fenstern sehen wir Schwaerme von Pelikanen ueber das Wasser rauschen und sich dann ins Meer stuerzen und mit einem Fisch im Schnabel wieder auftauchen. Der Besitzer der Bar sitzt auf einem Stuhl am Tisch neben uns und haelt mit der Kappe ueber dem Gesicht ein Nickerchen. Wir gehen, sagen good-bye, aber er ruehrt sich nicht. Draussen erinnert sich Skip, dass er nicht bezahlt hat. Er geht zurueck, weckt den Mann und bezahlt. Der haette gar nichts gemerkt, es waere ihm wohl auch egal gewesen.
Carriacou gefaellt uns jeden Tag besser. Wir bleiben zwei Wochen und waeren noch laenger geblieben, wenn wir nicht nach Grenada haetten zurueckkehren muessen. Es gibt praktisch keinen Tourismus ausser den Seglern und den paar Leuten, die mit der Faehre ankommen und einige Stunden hier verbringen. Jeder kennt jeden, jeder scheint jede Menge Zeit zu haben, keine Eile, viel Geduld; viel Gescherze und Gelaechter.
Wir gucken uns per Bus die ganze Insel an. Jede Fahrt kostet 1 Euro, egal wie weit man faehrt. Man sitzt eingequetscht zwischen riesigen Pos und Busen, Kisten und Kanistern, bei Calypso und Reggae-Musik; es geht wild durch die Kurven, und dann wieder wird bruesk gestoppt wegen einem 'sleeping policeman' (Bodenschwelle).
Wir wandern auf den Mount Chapeau-Carre, den hoechsten Berg von Carriacou, den wir vom Schiff aus sehen koennen (etwa 350m). Zuerst ist der Weg bequem und breit, sauber gehalten von Ziegen und Kuehen, die dort grasen. Wir kommen an einem Haus vorbei und frage nach dem Weg zum Gipfel. Ein etwa 8-Jaehriger, Darell, begleitet uns ueber einen kaum zu erkennenden Pfad hiauf. Er springt selbst wie eine Ziege den steilen Berg hinauf, wir keuchend hinterher. Durch Gebuesch, an verlassenen ueberwucherten Huetten vorbei. Schlingpflanzen, stacheliger Spargel, poison ivy,praechtige rot und gelb bluehende Baeume. Oben ein wunderbarer Rundblick ueber die Insel, die Kueste, bis Grenada, Union Island,Petite Martinique, Petit St. Vincent.
Riffe,weisse Brandung an ihren Raendern, tuerkises Meer. Darell verzieht das Gesicht vor Schmerz: er wollte eine schoene Muschel aufheben- und der Einsiedlerkrebs innendrin beisst ihn in den Finger, und es dauert eine
Weile, bis wir ihn aus ihrer Umklammerung befreit haben!
Wir machen eine andere Wanderung von SixCrossRoads (Hillsborough) aus nach Dumfries an der Ostkueste zu einem schoenen Sandstrand, wo ein Mann manchineel-Stuempfe verbrennt /diese schoenen aber giftigen Baeume waren vom Hurrikan entwurzelt worden). Wir suchen den Weg nach Mount Pleasant und erfahren, dass auch er von Emily 'zerkaut' (chewed up) wurde. Der Mann meint aber, wir koennten ihn vielleicht finden. Also klettern wir ein Stueck den steilen Hang am Strand hoch, ueber Reihen von umgestuerzten Baeumen, durch Dornengestruepp. Dann lichtet sich der Pfad, und wir befinden uns hoch oben an der Steilkueste inmitten von wogendem Gras mit Kuehen. Duftende Frangipani-Baeume wachsen aus den Ritzen zwischen den Felsen und der Blick auf die Riffe zwischen Carriacou und Martinique ist einfach atemberaubend-  sie schimmern fast psychedelisch in allen Schattierungen von blau, gruen und tuerkis! Zauberhaft!
Wir klettern auf den Berg oberhalb von Grand Bay: steil, steil! Viele neue Haeuser in lindgruen, knallrot, rosa, lila und gelb mit rotten, gruenen oder blauen Daechern; dazwischen ueppige Vegetation, Bougainvilleas in violet,
rot und weiss, Schlingpflanzen mit glaenzenden Blaettern und rosa und blauen Blueten. Eine einzige Farbsymphonie. Wir klettern den Berg auf der anderen Seite wieder hinunter zum Meer, aber der Strand ist voller Abfall und Algen- also wieder hoch kraxeln.
Es ist sehr heiss, also gehen wir in einen rum shop, um was Kaltes zu trinken, und da bietet sich eine ire Szene: der Besitzer ist da, ein junger, cooler Typ; ein aelterer Betrunkener, der auf Dani (der nichts versteht) einredet und von Abenteuern labert, die man in der Jugend suchen muesse; und ein 'demonio' mit vielen Zahnluecken, einer loechrigen Hose mit einem Bein bis zum Knie und  dem andern bis auf den Boden und diabolischem Gelaechter
wegen Skips dreadlocks (Rasta-Frisur). Die Frau des Betrunkenen vor der Huette schreit drohend: Komm sofort da raus! Er ruehrt sich nicht, kriegt aber nix mehr ausgeschenkt. Dazwischen kommen Kinder rein, kaufen Kaese,
Eier und Chips und starren uns wie Ausserirdische an.
Danach laufen wir zurueck zum Paradise Beach, um uns abzukuehlen und im Schatten der Mangroven auszuruhen. Der Rastamann von der Bar uebt am Strand Schattenboxen, nicht gut, aber anhaltend und beeindruckend. Wir holen uns das Bier selbst aus dem Kuehlschrank und legen ihm das Geld auf die Theke.
Alles OK, man.
Wenn wir nicht die Insel erkunden, arbeiten wir auf dem Schiff: schleifen, lackieren, schleifen, lackieren, bis wir 6 Schichten drauf haben. Die anderen boaters und die Einheimischen beobachten uns genau und sind immer
auf dem neuesten Stand.
Wir fuehlen uns richtig wohl in Carriacou und ueberlegen, ob man sich hier nicht ein Haeuschen bauen sollte. Aber es gibt hier z.b. keine Buchlaeden, keine Presse,; Essen einzukaufen ist schwierig, weil es wenig Gemuese und Obst, fast kein Fleisch oder Milchprodukte gibt. Nur die Pampelmusen sind die besten auf der Welt!
Am Mittwoch, d. 1.2., fahren wir morgens wieder Richtung Grenada zurueck.
Das Wetter wear tagelang regnerisch und windig und der Schwell gross. Jetzt ist 2 Tage lang gutes Wetter angesagt. Mit perfektem NO-Wind und unter blauem Himmel segeln wir mit 5-6 Knoten  Richtung Sueden, ein wunderschoener Toern.
Am 7. Februar ist Unabhaengigkeitstag. Grenada ist seit 1974 keine englische Kolonie mehr. In seiner kurzen Geschichte ist es turbulent zugegangen. 1979 uebernahm der beliebte Fidel Castro-Fan Maurice Bishop die Regierung ; unter ihm gab es einen beachtlichen wirtschaftlichen  Aufschwung, der aber durch die US-Intervention  und seine Exekution 1983 abrupt beendet wurde. Der Hurrikan Ivan zerstoerte 2004 zwei Drittel aller Gebaeude und die gesamte Landwirtschaft, und seither ist Grenada voellig abhaengig von internationaler Hilfe. Man versucht nun, wieder eine eigenstaendige Wirtschaftsstruktur aufzubauen, aber die Muehlen malen sehr langsam.
Die 90000 Menschen hier sind sehr stolz auf ihr Land. Fast jeder traegt zur Zeit  eine Kappe, ein T-shirt, ein Tuch in den Landesfarben, die Kinder gruen,gelb,rote Baender in ihren vielen Zoepfchen. Die Staemme der Strassenbaeume werden angemalt, Gebaeude,Autos und Schiffe geflaggt. Die Strassen sind blitzsauber gefegt, und bis nachts werden die Rasen gemaeht.
Venezolanische, englische und franzoesische Kriegsschiffe liegen im Hafen.
Polizei und Militaer marschieren zur Uebung im Calypso-Rhythmus durch die Strassen. Am 7.Februar nachts um 1.30 Uhr gehen wir zum Freiheitsfest am Flughafen, einem  Reggaekonzert mit grenadischen und jamaikanischen
Musikern, das gegen 5.30 endet.

 


CHAP VII. Tobago

T O B A G O

Am 26. Februar gegen 16 Uhr segeln wir von Grenada ab in suedoestlicher Richtung nach Tobago, wo wir unsere Freunde Pit und Anni treffen wollen. Es sind 90 Seemeilen (162 km), und wir wollen bei Tageslicht ankommen. Schoenes Wetter und eine gute Brise aus NO, Kurs 120-130 Grad. Der Atlantik in dieser Gegend ist  eher flach und die Wellen daher steil, so dass das Schiff arg rollt. Morgens sehen wir Tobago und suedlich davon Trinidad vor uns auftauchen. Nach langen 21 Stunden umrunden wir Crown Point, die SW-Spitze Tobagos, und segeln mit Motor Richtung Scarborough, wegen der 4 Knoten starken Stroemung. Wir brauchen 3 Stunden fuer die 8 Seemeilen, mit dem Motor auf Hochtouren, und muessen hoellisch aufpassen, dass wir in dem engen, nur 5 m tiefen Kanal bleiben und nicht  auf ein Riff auflaufen. Nahe Scarborough erstreckt sich das Riff etwa 2 Seemeilen ins Meer hinaus, und es gibt nur eine einzige Markierung dafuer. Also muessen wir die Augen offen
halten und staendig beobachten, wo sich die Wellen brechen, denn die starke Stroemung schiebt uns in die Richtung des Riffs. Nachmittags um 4 Uhr haben wir es geschafft und ankern im Fischerhafen von Scarborough. Dort finden wir nur noch ein anderes Segelschiff vor.
Wir rudern mit dem Dinghy an den Steg und klarieren beim Zoll ein. Die Lady dort ist sehr nett und erklaert uns, dass wir am naechsten Tag auch noch bei Immigration einklarieren muessen (es ist ja Sonntag). Ausserdem gibt sie uns Auskunft ueber die Karnevalsaktivitaeten in den naechsten zwei Tagen und warnt uns vor zwielichtigen Elementen- es ist eine wilde Zeit.
In der Strasse entlang dem Hafen wummert aus riesigen Lautsprechern Karnevalsmusik. Die Strassen sind voller Geschaefte, Staende, Bars, Pizzerias. Ein riesiges Kreuzfahrtschiff liegt hochhaushoch direkt hinter den Hafengebaeuden. Es wimmelt von Leuten. Wir finden eine kleine coole Bar an einer Kreuzung etwas oberhalb des Hafens und beobachten von dort aus das abendliche Treiben.
Am naechsten Morgen wachen wir auf von laermender Musik und Geschrei. Es ist Karnevalsmontag, Jouvert genannt. Um 7 Uhr gehen wir mit unseren Papieren rueber zu Immigration, vorbei an mit Schlamm und Farbe beschmierten Gestalten mit glasigen Augen. Waehrend wir 2 Stunden lang Crewlisten,
Gesundheitsformulare etc ausfuellen, beobachten wir aus dem ersten Stock die Riesenmasse von jungen Leuten, die seit 4 Uhr morgens sich mit Schlamm und Farben beschmieren und trinken und tanzen bis zum Umfallen. Riesige Lastwagen, vollgestopft mit Lautsprechern, plaerren irrsinnig laute
Soca-Musik: immer wieder dieselben Ohrwuermer, shake it, shake it, shake it!
Zur Erholung gehen wir in unsere Bar, die die Leute das watering hole nennen, die Wasserstelle. Von da haben wir einen guten Ueberblick. Manchmal steht der ExPremier von Tobago hinterm Tresen, manchmal eine indisch aussehende Frau mit goldenen Vorderzaehnen.
Danach machen wir einen Spaziergang durch den Botanischen Garten. Dort machen wir Bekanntschaft mit einem sehr netten Mann, der uns ein Stueck begleitet und uns Baeume erklaert. Er hebt eine braune Schote auf, sagt wir sollten sie schaelen und probieren: es ist eine Tamarinde, sauer, aber gut.
Er zeigt uns Sapodilla-, Balsam-, feuerrote Korallenbaeume, riesige Ceibas (silk cotton trees) etc. Oben im Park spielt ein Mann sehr einfuehlsam auf einer sehr feinen steelpan.
Dann wandern wir durch Upper Scarborough. Das wirkt im Gegensatz zum Hafen verschlafen, sauber und ordentlich. Wir entdecken eine Baeckerei, die einen unglaublich leckeren Karottenkuchen verkauft. Danach wandern wir noch weiter die steile Strasse hinauf nach Fort George; um das alte Fort herum grosse Rasenflaechen mit uralten weit ausladenden Baeumen voller bluehender Schmarotzerpflanzen; unter den Baeumen picknicken Familien.
In der Zwischenzeit haben sich unten am Hafen und Markt die Leute versammelt, um den Kinderkarneval anzuschauen. Wir stehen am Endpunkt des farbenfrohen und froehlichen Umzugs, und die Kinder sind nach dem stundenlangen Tanzen etwas groggy. Wir auch. In der Bar treffen wir zwei
freundiche Tobager, die uns ueber die unterschiedlichen Musikstile aufklaeren, die unter dem Begriff Calypso firmieren. Es gibt zwei grosse Gruppen: Kaiso und Soca. Kaiso ist der traditionelle Calypso, er ist langsamer und der Text ist wichtig: er ist z.B. sozialkritisch  oder macht sich ueber Politiker lustig. Soca ist modern, schnell, diskoartig, er scheint inhaltsleer und simple (auch musikalisch), aber er bringt die Leute zum Tanzen! Karnevalsmusik ist Soca, je ohrrenbetaeubender, umso besser. Wir erholen uns davon, indem wir dismal die Reling des Schiffes abschleifen (ein niemals endender Job).
Bevor wir am Dienstag den Umzug der Erwachsenen angucken, essen wir bei Rasta Ma zu Mittag. Rastas sind gute Koeche, pieksauber. Sie kochen Fisch- und Fleischgerichte, aber auch viel Gemuese und Reis und sehr leckere Bohnen- und Maissuppen.
Der Umzug dauert Stunden: phantasievolle Kostueme in buntesten Farben, die Frauen alle in Bikinis, wildes Getanze. Mud-people, ueber und ueber mit Schlamm beschmiert; Teufel mit Mistgabeln. Nicht alle der Teilnehmer haben die Traumfiguren, die wir von Bildern kennen; es ist alles vertreten: Kleine
und Runde, Grosse und  Alte, Junge und Fette- manche mehr als man sich vorstellen kann. Alle tanzen bis zur Erschoepfung, und darueber hinaus. Man spuert eine ungeheuere Lebensfreude.
Nach dem Umzug zum Ausruhen ins watering hole. Die Szene dort koennte aus einem Fellini-Film stammen. Roemische Soldaten, Bauchtaenzerinnen, Schlamm-Leute, weisse Leute (=Schwarze, mit Kreide beschmiert und mie Masken auf)-  alle kommen den Huegel hinauf, manche voellig ausgelaugt, manche taufrisch. Maedchen in glitzernden Bikinis mit Fransen; dicke Mamas mit Tangas und Glitzerschmuck stapfen heimwaerts mit einem Regenschirm unterm Arm, ohne jegliche Komplexe, inmitten der voellig normal angezogenen Leute der Stadt. Besonders spektakulaer: ein bildschoenes 2 Meter-Maedchen im weiss-goldenen Bikini-Kostuem und langen Federn als Kopfschmuck beugt sich
nieder, um in ein Taxi einzusteigen.
Am 2. Maerz besuchen uns Pit und Anni und fahren mit uns nach Castara Bay.
Unterwegs halten wir an einer Bar, wo die Wirtin ein 2-Wochen altes Zicklein mit der Babyflasche fuettert. Jeden Sommer besucht sie eine andere karibische Insel. Wir fragen sie, welche ihr am besten gefallen hat, und sie sagt: Oh, Grenada-  ich liebe Grenada! Oh, St. Vincent- ich liebe
St.Vincent! St. Lucia-oh, I love St. Lucia!Oberhalb von Castara befindet sich ein grandioser Aussichtspunkt inmitten eines kleinen Parks mit Rasen und Seemandelbaeumen. Ganz weit unten sieht
man Castara Bay mit seinem weissen Sandstrand und die bewaldete buchtenreiche Westkueste Tobagos.
Tobago ist ausser Trinidad, mit dem zusammen es einen Staat bildet, die einzige karibische Insel, die frueher mit dem suedamerikanischen Festland verbunden war, sich davon jedoch schon vor 11 mio. Jahren geloest hat (Trinidad erst vor 11 000 Jahren). Deshalb gibt es hier Pflanzen, Voegel und
Eidechsen, die man auf anderen Inseln nicht findet. Tobago hat 210 verschiedene Vogelarten,viel mehr als jede andere Insel. Der Regenwald ist der ueppigste von allen, die wir gesehen haben.
Als wir unterwegs anhalten, um einen Wasserfall zu suchen, laufen wir durch ein Gebirgsbachbett, an dessen Ufern rotbluehender Ingwer und wilde Anturien und Heliconias und Callalou wachsen.


Zwei Tage spaeter verabreden wir uns mit Pit und Anni in Charlotteville an der NW-Spitze der Insel.Wir fahren mit dem Bus die Ostkueste entlang: enge Strasse, oefter mal eine Erdrutschstelle, Buchten, Straende. Zum Schluss noch mal einen so steilen  Berg hinauf, dass der Motor ueberhitzt, und dann
durch Haarnadelkurven hinunter nach Charlotteville. Unsere Freunde haben auf wundersame Weise die Lageskizze von einem Schatz bekommen. Diesen Schatz wollen wir jetzt bergen! Wir fahren ueber eine elendige Holperstrasse voller Schlagloecher einen steilen Berg hinauf und lassen das Auto stehen. Danach beginnt ein 15-minuetiger Abstieg durch den Regenwald: riesenhohe Baeume mit Philodendren, die sich bis oben um den Stamm ranken, Riesenbambus, Riesenfarne, Pflanzen mit so grossen Blaettern dass man sich damit bedecken koennte. Bunte Voegel. Wir waten durch einen klaren Bach und sehen durch das Laubwerk einen sandigen leeren Strand mit Kokospalmen, die Brandung und das
Meer. Der Garten Eden.
Pit findet den Schatz schnell, die Skizze ist genau; am Fuss eines Baumes, an den ein "Betreten verboten!- Schild genagelt ist, in einer Kokosnuss, alles bester pflanzlicher Natur. Wir sitzen im Schatten eines Seemandelbaums auf ein paar Bambushoelzern und geniessen das Paradies. Nachher fahren wir zum Hotel, wo Pit und Anni uns zur besten Piña colada unseres Lebens einladen. Die Voegel auf dem Verandahgelaender sind so zahm, dass man sie anfassen koennte.
Pit und Anni setzen uns dann in Speyside ab,von wo wir den Bus zurueck nach Scarborough nehen wollen. Da treffen wir eine gute Seele namens Joseph, der uns zeigt, wo wir die Fahrkarten kaufen koennen und auch ein paar Flachmaenner mit Rum, um uns mit noch zwei Freunden von ihm die Zeit bis zur Abfahrt zu vertreiben. Waehrend wir alle auf den Bus warten, gesellt sich auch noch die Pastorin dazu und klagt mir ihr Leid ueber schwer kontrollierbare Schaefchen und wie sie alles mit viel Liebe und Respekt (ein sehr wichtiger Begriff hier) in Griff bekommt. Der Bus kommt irgendwann tatsaechlich an, und alle verabschieden uns herzlich. Die Rueckfahrt durch die fruehe dunkle Tropennacht ist ein kurviges Abenteuer. Eigentlich ist es besser als bei Tag, weil man die Abgruende nicht sehen kann.
Am 4. Maerz fruehmorgens lichten wir den Anker und segeln ab nach Plymouth, wieder vorsichtig durch die Riffs, aber dismal MIT der Stroemung und fast 6 Knoten! Es ist ein wunderschoener Toern mit 20 Knoten Wind aus Ost und vorbei an den schoensten Straenden Tobagos um Pigeon Point herum. Gegen 13 Uhr kommen wir in der Courland Bay an. Wir sind das einzige Segelschiff hier. Nach einem Spaziergang durch Plymouth gehen wir den wunderbaren Strand entlang: Turtle Beach. Hier kommen in dieser Jahreszeit nachts die Schildkroeten an Land , um ihre Eier im Sand zu verbuddeln. Es gibt Hunderte von Voegeln hier, in der Luft, auf dem Wasser und auf den Fischerbooten. Die Pelikane sind die witzigsten.Sie ziehen ihre Krreise ueber dem Wasser und stuerzen sich dann ins Meer, um einen Fisch zu schnappen. Normalerweise kommen sie mit dem Fisch im Schnabel heraus und verschlingen ihn dann. Hier aber setzen sich die Lachmoewen auf ihre Koepfe, um ihnen den Fisch zu rauben. Frech! Aber die Pelikane sind schlauer: sie nehmen den Fisch schon unter Wasser ganz in ihren Schnabel und verschlingen ihn dann, wenn sie herauskommen, so dass die Lachmoewen keine Chance haben. Die grosse rote Sonne geht langsam unter und die Mondsichel steht schon hell am Himmel.
Karibische Abendstimmung.
Am Sonntag, dem 5. Maerz, segeln wir mit Pit und Anni von Plymouth nach Charlotteville. Es ist der erste Segeltoern fuer Anni ueberhaupt. Wir segeln nahe der Kueste, entlang an Englishman's Bay, Parlatuvier Bay und Bloody Bay und den Sisters Rocks. Anni moechte unbedingt Delphine sehen. Also schlage ich gegen die Bordwand, und Anni macht Delphingeraeusche. Und tatsaechlich-
wie von Zauberhand erscheinen sie ploetzlich, viele viele, und viel groesser und heller als die, die wir bisher gesehen haben.Ein Baby ist dabei. Sie spielen, tauchen unter dem Schiff  und kommen auf der anderen Seite wieder zum Vorschein. Anni ist entzueckt! Dann verschwinden sie, kommen aber
spaeter noch mal wieder.  Schliesslich kreuzen wir in die Man of War Bay hinein und gehen vor Charlotteville vor Anker und springen ins Wasser. Skip schrubbt gerade entlang der Wasserlinie der Ragnar, als ich einen grossen hellen Fisch entdecke, der um ihn herum schwimmt. Anni schreit:Ein Hai!!!
Worauf Skip schnell an Bord klettert . Im selben Moment  springt Dani auf der anderen Seite ins Wasser.Als wir ihm zurufen, da ist ein Hai!, hechtet er mit affenartiger Geschwindigkeit an Bord.(Spaeter erfahren wir, dass der Fisch kein Hai war, sondern ein Pilotfish, der sich an andere Fische heftet und sie von Plagegeistern befreit. Er blieb die ganze Zeit bei uns, und wir fuetterten ihn, Salat mochte er am liebsten, Tomaten weniger.)Am naechsten Tag holen uns Pit und Anni mit dem Mietauto ab, und wir fahren zu den Argylle Wasserfaellen bei Roxborough. Wir schlendern durch die
Kakaoplantagen und dann durch den Regenwald entlang dem Flussbett zu den  atemberaubenden Faellen. Wir steigen in das untere Becken und klettern dann  die Wurzelstufen hoch zum zweiten und dritten Becken, der "Rastadusche".
Steht man darunter und scheint die Sonne, kann man einen kreisrunden Regenbogen sehen. Man kann ihn in der Hand halten! Auf dem Weg zurueck kommen wir vorbei an Rastas, die entlang dem Weg  Lampenschirme aus Kalabasse verkaufen, Bambus-Aschenbecher, Kakaobaelle, und anderes.
Spaeter finden wir nach vielem Fragen das Richmond Plantation House. Pit faehrt in die Einfahrt und blockiert sie, als ein anderer Wagen auch hinein will. Er hupt und wartet dann sehr geduldig, bis Pit gewendet und sich an die Seite gestellt hat. Was fuer ein glueckliches Zusammentreffen! Der
Fahrer ist Arthur Jemmotte, der Leiter der Restaurierung des 300 Jahre alten Hauses . Er sagt, sie arbeiteten noch daran, aber er wuerde uns gerne erlauben, einen Blick ins Innere des Hauses zu werfen., wenn wir unsere Schuhe ausziehen. Unglaublich! Das Haus selbst und die Sammlung von
afrikanischen Skulpturen und Holzarbeiten darin muss man sich ansehen!
Danke, Arthur, fuer die freundliche Einladung und die interessanten Erklaerungen!
Auf dem Weg zurueck zum Blue Waters Inn koennen wir natuerlich einer Piña colada nicht widerstehen. Hmmm!!
Am naechsten Tag fahren wir alle mit dem Glasbottom- Boot nach Petit Tobago, der kleinen Insel gegenueber vom Hotel. Die Insel ist Naturschutzgebiet, und dort finden wir auch endlich  die Voegel, die uns ueber den ganzen Atlantik begleitet haben. Es sind Tropicbirds, die hier ihre Nester unter grossen
Anturiumpflanzen bauen. Ihre Jungen sind vor ein paar Tagen geschluepft. Sie haben ueberhaupt keine Angst vor uns. Nach dem Spaziergang ueber die Insel schnorcheln wir  auf dem Riff und beenden den Ausflug mit einer--- klar, Piña colada.
Am Freitag klarieren wir aus Charlotteville, wobei wir herausfinden, dass  man in jedem Hafen von Trinidad und Tobago ein- UND ausklarieren muss.
Am Samstagmorgen beobachten wir ganz relaxed, wie die Fischer ihre Netze an den Strand ziehen, setzen dann die Segel, waehrend wir noch vor Anker liegen und segeln dann nach NW  ab. Was fuer eine Fahrt!! Fuer uns ein Rekord: 90 Seemeilen in 12 Stunden! Jetzt sind wir wieder "zuhause", in St. George's, Grenada, liegen am Dock, haben gut gegessen und gehen zu Bett.
 


 

CHAP VIII Bequia, ST. Vincent

B E Q U I A


Wir sind zur Antigua Classics Regatta eingeladen worden, die vom 20 bis 25.
April stattfindet. Deshalb muessen wir nun die Inselkette hoch segeln, um rechtzeitig dort anzukommen. Am Samstag, d. 18. Maerz um 12 Uhr segeln wir von Grenada ab Richtung Bequia, einer kleinen Grenadinen-Insel suedlich von St. Vincent, 70 Seemeilen von St. George's, bei nordoestlichem Wind. Wir halten uns so nahe an der Kueste wie moeglich, um die Fallwinde, die die Taeler hinunterwehen, zu erwischen.Nach Einbruch der Dunkelheit kreuzen wir bis etwa 12 Seemeilen westlich von Union Island und dann zurueck bis 2 Seemeilen vor der Kueste. Dann wieder kreuzen bis 10 Seemeilen vor Bequia
und von dort in den Hafen von Admiralty Bay, wo wir gegen Mittag ankommen.Ein Einheimischer kommt uns mit seinem Boot entgegen und hilft uns, an einer Boje festzumachen. Um 15 Uhr klarieren wir bei Zoll und Immigration ein und sind 10 Minuten spaeter schon fertig. Rekord!
Admiralty Bay mit dem Fischerdorf Port Elizabeth ist eine grosse Bucht mit hellem Sandstrand fast rundum.Es ist ein Platz fuer Segelyachten- wir zaehlen etwa 170- , aber auch beliebt bei Megayachten und Kreuzfahrtschiffen. Es gibt viel zu beobachten, vor allem die grossen Segelschiffe mit 3,4 und sogar 5 Masten sind eine Augenweide. Entlang der Bucht verlaeuft ein Gehweg, bepflanzt mit Palmen, Zedern, Frangipanis und Blumen. Kleine bunte Haeuser saeumen das Ufer- Bars, Restaurants, Boutiquen, Internet-Cafés, Supermaerkte, Delikatessen, Markt, alles da, was das Herz begehrt.

Wir schlendern die Bucht entlang; die Einheimischen sitzen angezogen im Wasser und geniessen die Kuehle. Haendler bieten unter den einladenden Schattenbaeumen Bootsmodelle aus Kokosnussschalen an. Wir trinken ein Smoothie- Saft aus Mangos, Papayas und soursop. Hmmm! Danach essen wir die
in der ganzen Karibik  geruehmte lobster (Hummer)-Pizza im Mac's, eine wirkliche Gaumenfreude!! Und so viel, dass wir den Rest im doggy-bag mitnehmen fuer den naechsten Tag.
Am Montagmorgen, ganz frueh, bevor die Invasion von den Kreuzfahrtschiffen anfaengt, gehen wir auf den Markt, einer der besten der Karibik bisher. Die Haendler sind fast alle Rastas, wie immer unglaublich nett; sie lassen uns die Fruechte probieren, die wir nicht kennen- Passionsfrucht, Sternfrucht, golden apples usw.
Danach wandern wir ueber den Berg nach Friendship Bay. Das letzte Stueck der Strasse ist so steil wie eine Sprungschanze, und Dani und ich breiten unsere Fluegel aus und fliegen hinunter! Unten  biegen wir an einem Telefonmast rechts ab, schlagen uns ein Stueck durch die Buesche und geraten  wieder mal an eine traumhafte Bucht. Wir waten durch das kuehle Wasser,  bis wir an die Mosquito Bar kommen: dort verbringen wir die naechsten Stunden schaukelnd in den Stuehlen, die um die Bar herum von der Decke haengen! Natuerlich bei piña coladas- anders als die in Tobago, aber auch sehr lecker!! Nach einem wunderbaren Lunch mit Kuerbis und Suesskartoffeln nehmen wir ein Taxi und
fahren die Ostkueste von Bequia ab, so weit die Strasse reicht. Wir kommen vorbei anwunderschoenen leeren Sandstraenden, dahinter Kokosnussplantagen und weidende Kuehe.
Am Montag machen wir das Schiff sauber, schleifen und lackieren. Wir wollen in Antigua ja einen guten Eindruck machen!
In Admiralty Bay zu liegen ist wie in einem 5-Sterne Hotel zu wohnen. Um 7 Uhr morgens kommt der Brotmann mit seinem Boot vorbei und bietet frische Baguettes und banana bread an; dann kommt der Gemuesemann, dann der mit Wasser und Diesel, dann das Maedchen von der Waescherei, und wenn man zu traege is t,das Dinghy zu nehmen, kann man das Wassertaxi herbeiwinken.
Gerade sitzen Skip und ich im Internet-Café und beobachten das Treiben im Hafen ; wir sind hin und weg von der Musik, die gerade gespielt wird: tollste afrikanische Trommeln, nur Trommeln, sonst nichts, unglaublich der Rhythmus  und die Exaktheit der  Musiker . Wir haetten die CD gern, aber
leider ist es ein altes Band, das die E·x-Frau von jemandem zurueckgelassen hat...Not available.


ST. V I N C E N T


Am Donnerstag, 23.3., fahren wir weiter nach Wallilabou, St. Vincent, mit durchschnittlich 7.5 Knoten! Wieder mal eine Rauschefahrt, da  macht das Herz einen Huepfer! Wallilabou ist eine sehr malerische Bucht, und im wahrsten Sinne wie aus Hollywood, denn hier wurde Pirates of the Caribbean
gedreht, mit Johnny Depp. Sie haben die Kulissen stehen gelassen, und wenn man in die Bucht hineinfaehrt, hat man den Eindruck, dass man ein altes karibisches Fischerdorf vor sich sieht, mit alten Gemaeuern und palmwedelgedeckten Daechern, grossen Holzfaessern, einigen alten Saergen(
?). Bei naeherem Hinschauen entdeckt man dann, dass die Steine aus Styropor sind und die Haeuser nur aus Fassaden bestehen- dahinter befindet sich nur Gestaenge und Sperrholz.Aber es hat trotzdem was, es wirkt ganz gemuetlich.
Und zwischen diesen Kulissen leben ja auch ganz normal die Leute.
Als wir in die Bucht hineinfahren, kommt uns Smiley entgegen und hilft uns mit der Boje. Ausserdem muessen wir das Schiff auch mit einer Heckleine vertaeuen, die er an einer 50 m entfernten Palme festmacht. Er hilft uns auch , den folgenden Tag zu organisieren, denn wir wollen den Vulkan
besteigen!
Am naechsten Morgen um 6.30 Uhr holt uns "Brother" mit seinem Wassertaxi ab. Wir muessen eine Stunde bis zur Richmond Bay hinauffahren, von wo der Trail zum Soufriere-Vulkan abgeht. Wir fahren ganz nah an der Kueste lang, haarscharf vorbei an den Riffs und Felsen; in Cumberland Bay holen wir
unseren guide (Fuehrer) ab, Dannyman. Als wir ankommen, gucken wir hoch zum Kraterrand - ueber 1000 m steil hoch...Eine 2 ½ bis 3-stuendige Kletterei, zuerst durch ein ausgetrocknetes Flussbett mit schwarzem Sand (und Dannyman barfuss.), dann durch eine stellenweise, 70cm breite Schlucht, und dann hoch und immer hoeher, ohne ebene Stellen., durch dichtesten Regenwald mit 10m hohen Riesenfarnen. Teilweise ist der schmale Pfad  entlang dem Grat so schmal, dass, wenn man auf die Fuesse guckt, man beide Seiten des  nahezu vertikalen Hangs sieht. Und diese Haenge sind bewirtschaftet- Rastas haben saubere Furchen gezogen und mit Auberginen, Paprika und anderem bepflanzt.
Nach einem zermuerbenden feuchten und heissen Aufstieg durch den Wald lichtet sich ploetzlich die Landschaft und wird vulkanisch oede, nur ein paar Graeser gedeihen hier, und wir muessen unsere Jacken anziehen, weil es auf einmal kalt und windig ist. Und dann gelangen wir an den Kraterrand- ein
Riesenkrater, etwa 400 m tief. Wir muessen gebueckt laufen und hoellisch aufpassen, dass wir nicht hinunter geweht werden. Ab und zu wehen Wolkenfetzen an uns vorbei. Wir machen ein kurzes Picknick und dann geht's wieder bergab, mit grandiosem Blick ueber die spitzen Berge und die Kueste
von St. Vincent. Aber unsere armen Knie!! Auf halbem Weg erkennt Skip  richtig, weshalb der Vulkan Soufriere heisst: er laesst dich leiden /suffer!
Am naechsten Tag haben wir so einen Muskelkater, dass wir nicht wie geplant weitersegeln, sondern uns erst mal auskurieren, bevor wir weiter nach St. Lucia fahren.
 


CHAP IX.  ST. V incent, ST.  L ucia, M artinique, Dominica, Les  Saintes    und  Guadalupe,  Und Antigua


ST. V I N C E N T


Am Donnerstag, 23.3., fahren wir weiter nach Wallilabou, St. Vincent, mit durchschnittlich 7.5 Knoten! Wieder mal eine Rauschefahrt, da  macht das Herz einen Huepfer! Wallilabou ist eine sehr malerische Bucht, und im wahrsten Sinne wie aus Hollywood, denn hier wurde Pirates of the Caribbean gedreht, mit Johnny Depp. Sie haben die Kulissen stehen gelassen, und wenn man in die Bucht hineinfaehrt, hat man den Eindruck, dass man ein altes karibisches Fischerdorf vor sich sieht, mit alten Gemaeuern und
palmwedelgedeckten Daechern, grossen Holzfaessern, einigen alten Saergen( ?). Bei naeherem Hinschauen entdeckt man dann, dass die Steine aus Styropor sind und die Haeuser nur aus Fassaden bestehen- dahinter befindet sich nur Gestaenge und Sperrholz.Aber es hat trotzdem was, es wirkt ganz gemuetlich.
Und zwischen diesen Kulissen leben ja auch ganz normal die Leute.
Als wir in die Bucht hineinfahren, kommt uns Smiley entgegen und hilft uns mit der Boje. Ausserdem muessen wir das Schiff auch mit einer Heckleine vertaeuen, die er an einer 50 m entfernten Palme festmacht. Er hilft uns auch , den folgenden Tag zu organisieren, denn wir wollen den Vulkan
besteigen!
Am naechsten Morgen um 6.30 Uhr holt uns "Brother" mit seinem Wassertaxi ab.
Wir muessen eine Stunde bis zur Richmond Bay hinauffahren, von wo der Trail zum Soufriere-Vulkan abgeht. Wir fahren ganz nah an der Kueste lang, haarscharf vorbei an den Riffs und Felsen; in Cumberland Bay holen wir unseren guide (Fuehrer) ab, Dannyman. Als wir ankommen, gucken wir hoch zum Kraterrand - ueber 1000 m steil hoch...Eine 2 ½ bis 3-stuendige Kletterei, zuerst durch ein ausgetrocknetes Flussbett mit schwarzem Sand (und Dannyman barfuss.), dann durch eine stellenweise, 70cm breite Schlucht, und dann hoch und immer hoeher, ohne ebene Stellen., durch dichtesten Regenwald mit 10m hohen Riesenfarnen. Teilweise ist der schmale Pfad  entlang dem Grat so schmal, dass, wenn man auf die Fuesse guckt, man beide Seiten des  nahezu vertikalen Hangs sieht. Und diese Haenge sind bewirtschaftet- Rastas haben saubere Furchen gezogen und mit Auberginen, Paprika und anderem bepflanzt.
Nach einem zermuerbenden feuchten und heissen Aufstieg durch den Wald lichtet sich ploetzlich die Landschaft und wird vulkanisch oede, nur ein paar Graeser gedeihen hier, und wir muessen unsere Jacken anziehen, weil es auf einmal kalt und windig ist. Und dann gelangen wir an den Kraterrand- ein
Riesenkrater, etwa 400 m tief. Wir muessen gebueckt laufen und hoellisch aufpassen, dass wir nicht hinunter geweht werden. Ab und zu wehen Wolkenfetzen an uns vorbei. Wir machen ein kurzes Picknick und dann geht's wieder bergab, mit grandiosem Blick ueber die spitzen Berge und die Kueste von St. Vincent. Aber unsere armen Knie!! Auf halbem Weg erkennt Skip  richtig, weshalb der Vulkan Soufriere heisst: er laesst dich leiden /suffer!
Am naechsten Tag haben wir so einen Muskelkater, dass wir nicht wie geplant weitersegeln, sondern uns erst mal auskurieren, bevor wir weiter nach St. Lucia fahren.



ST.  L U C I A


Am Sonntag, den 26. Maerz, segeln wir weiter nach Norden, nach St. Lucia.
Mit Hilfe von Pancho machen wir in Benny's Haemony Beach an einer Boje fest und zur Sicherheit auch an einem Baum. Ausser uns sind noch etwa 3 andere Yachten hier, direkt am Fuss des kleinen Piton, einem von zwei zuckerhutaehnlichen ueber 700m steilen Bergen suedlich vom Fischeerdorf Soufriere, die eine der Hauptattraktionen von St. Lucia sind. Das Wasser ist kristallklar, so dass wir vom Deck aus die bunten Fische und Korallen sehen koennen.
Abends rudern wir die weite Strecke bis zu Benny's Restaurant. Seine Frau Marcelene ist eine exzellente Koechin, und das kreolische Abendessen lecker.
Wir fuehlen uns wie zu Hause mit dieser Familie!
Am naechsten Tag zeigt uns Junior, der Taxifahrer aus Soufriere, interesssante Orte in dieser Gegend: die tolle Aussicht, die man von La Haute Plantation auf die Pitons hat;die Fahrt durch den Vulkankrater, wo Schwefeldaempfe aus kochenden schwarzen Tuempeln wabern; das Dasheene Restaurant auf einem Bergsattel direkt zwischen den beiden Pitons. Der Blick raubt Skip buchstaeblich den Atem, er fuehlt sich wie erdrueckt  von dieser spitzen Bergmasse.Anschliessend zur Kakaoplantage Le Fond Doux Estate.
Theodora unsere huebsche junge und gut ausgebildete Begleiterin erklaert uns die verschiedenen Stadien der Kakaoproduktion: Pfluecken, Schaelen, Gaeren, Trocknen, Entfernen der aeusseren Schale (durch Tanzen auf den Bohnen in einem grossen eisernen Bottisch) , Mahlen ( mit einem Moerser, per Hand,15 Tonnen jedes Jahr).Dann wandern wir mit ihr durch den Park. Sie pflueckt
eine grosse reife gelbe Kakaofrucht vom Baum, oeffnet sie und sagt, wir sollten die weissen glibbrigen Samen lutschen und wieder ausspucken - nicht kauen oder schlucken. Wir sind ueberrascht, dass diese Dchungel-M&Ms, wie sie sie hier nennen,ueberhaupt nicht wie Kakao aussehen oder schmecken,
sondern eher wie unsere spanischen Cherimoyas, suess und sauer zugleich.Sehr lecker und erfrischend.

Bevor wir am naechsten Morgen weiter noerdlich nach der beruehmten Marigot Bay segeln, fahren wir noch um den kleineren Piton herum in die Bucht zwischen den Pitons. Zuerst gucken wir uns Bang an, eine kleine Ansammlung von Villen, Restaurants und Geschaeften, erbaut  unter der Leitung eines
englischen Lords fuer die internationale crème de la crème. Um diese Uhrzeit ist noch nichts offen, aber alles ist  mit viel Geschmack und Understatement gemacht.
Nebenan  gibt es ein luxurioeses Hotel inmitten von Rasenflaechen und Palmenhainen. Wir trinken Kaffee auf der Terrasse und kommen uns vor wie in einer Kunstwelt- der Kontrast zum Nachbardorf Soufriere ist krass. Sie haben sogar den schneeweissen Sand aus Guayana importiert. Wir verlassen den Ort fluchtartig /unfreundliches Personal, arrogantes Publikum). Am Rand des Areals sprechen wir mit einer Waerterin, die verhindert, dass ihresgleichen den Sandstrand betritt. Sie fragt uns, was unser naechstes Ziel ist, und auf unsere Antwort "Marigot Bay" sagt sie "Warum wollt ihr denn da hin?"
Als wir einige Stunden spaeter in Marigot Bay ankommen, fragen wir uns das auch. Die Bucht , die mal eine der schoenssten der Karibik gewesen sein muss, ist in die Haende von Investoren geraten, die kraeftig dabei sind, ihre Einzigartigkeit und ihren Charme zu zerstoeren. Obwohl sie beste Absichten haben: Umwelt schuetzen, naturgemaess bauen, Arbeit beschaffen etc.Die Einheimischen sehen diese Entwicklung auch mit sehr gemischten Gefuehlen: ihr alter Lebensstil geht verloren- im Austausch fuer was, fragen sie sich.
Wir fluechten am naechsten Tag nach Rodney Bay und geraten in eine Marina, die genauso gut irgendwo in Florida sein koennte. Wir schaetzen, dass wir mal wieder an Strom und Wasser angeschlossen sind und das Beiboot an Bord lassen koennen, aber die Resort-artige Umgebung und die Malls gefallen uns weniger.
Wir mieten ein Auto, um von dieser Kueste wegzukommen, auf der Suche nach dem karibischen St. Lucia. Im Inneren der Insel finden wir Labisab Plantation, einen Bauernhof, der schon seit Generationen in den Haenden einer Familie ist. Dieser Hof liegt sehr idyllisch zwischen zwei Bergbaechen, von denen der eine ein Becken bildet, in dem die Baptisten ihre Taufen abhalten.
Alles auf dieser Farm ist selbst hergestellt, sogar die Bretter fuer den Hausbau werden mit der Hand gesaegt. Die Staemme werden auf ein etwa 2.5m hohes Geruest gelegt. Ein Mann steht oben, ein anderer unten, und beide saegen gleichzeitig mit der langen Saege, der eine schiebt, der andere
zieht. Um die Arbeit zu erleichtern und unterhaltsamer zu machen, wird dabei gesungen und getrommelt. Der Hof ist vollkommen autark und produziert genug, um den Ueberschuss auf dem Markt von Castries zu verkaufen. Reich beschenkt mit goldenen Aepfeln, Mangos, Papayas und Kokosnuessen verabschieden wir uns von dieser freundlichen Familie. Auch sie haben Konzessionen an die neue Zeit gemacht; ab und zu veranstalten sie Besichtigungen fuer Touristen von Kreuzfahrtschiffen und demonstrieren z.B. Cassava-Brotbacken. Aber sie moechten auch gerne ihren eigenen Lebensstil beibehalten.
St. Lucia ist eine traumhafte Insel mit Hotelanlagen, die zu den schoensten der Welt zaehlen, ideal fuer ein paar Tage Ferien im Paradies. Vielen Einheimischen sind diese Anlagen jedoch suspekt. Sicher, sie schaffen Arbeitsplaetze, aber gleichzeitig auch Abhaengigkeit. Die traditionelle Familienstruktur droht zu zerfallen, wie uns der Bauer erzaehlt: frueher kamen alle Familienmitglieder des grossen Klans oefter an den Wochenenden zusammen, um sich gegenseitig beim Hausbau und der schweren Feldarbeit zu
helfen. Jetzt aber wollen einige nur noch gegen Bezahlung mitmachen. Viele fragen sich, ob Autos, Sofas, Mikrowelle und Computer den Verlust alter Werte  lohnen. Und was passiert, wenn ein Hurrikan die Hotels zerstoert?
Wir haben den Eindruck, dass die neuen Jobs im Tourismusbereich entfernt der Arbeit aehneln, die die Leute frueher auf den Pflanzungen der reichen Weissen verrichteten. Sie sind wieder die Dienstleister fuer die wenigen, die sich in ihren "gated ghettos" einigeln. Nur ganz wenige Einheimische partizipieren an dem neuen Reichtum.
Die Menschen, die wir in nicht vom Tourismus befallenen Gegenden treffen, scheinen viel freundlicher zu sein, voller Selbstvertrauen und Wuerde. Sie moegen in einfachen Holzhaeusern auf Stelzen leben, ohne Luxus, aber direkt am Meer oder an einem Bergbach mit kristallklarem Wasser. Das Klima  ist das ganze Jahr ueber mild, es gibt einen Ueberfluss an wilden essbaren Pflanzen und Tieren, keiner hungert.


M A R T I N I Q U E

Am Samstag, 1.April, segeln wir rueber nach Martinique und gehen vor Fort de France, der Hauptstadt, vor Anker. Wir machen uns auf die Suche nach Zoll und Polizei, es ist sehr heiss entlang den breiten leeren Strassen. Die Polizei gibt uns unsere Stempel, aber da das zollbuero geschlossen ist, muessen wir am Montag noch mal hin. Das tun wir, aber wieder Fehlanzeige: Yachties muessen jetzt in einem Geschaeft fuer Schiffszubehoer am anderen Ende der Stadt einklarieren.
Auch am Montag wirkt  Fort de France noch ziemlich leblos. Das liegt wohl an den rieigen Einkaufszentren nahe dem Flughafen, die die Stadtzentren veroeden wie auvh ueberall in den USA.Nachts wirkt die Stadt wie tot, ohne Bars und Restaurants, deprimierend.
Wir bleiben auf dem Schiff und schleifen und lackieren den Mast. Am Dienstag nehmen wir die Faehre nach Anse Mitan auf der anderen Seite der Bucht. Und geraten wieder in eine sterile Urbanisation, die genauso gut irgendwo im Mittelmeer liegen koennte. Es haelt uns nichts in Fort de France, und so
machen wir uns auf den Weg nach St. Pierre weiter im Norden.
Im 19. Jahrhundert nannte man St. Pierre das Paris der Karibik. Ed liegt malerisch am Fuss der Montagne Pelee, einem Vulkan, der 1902 ausbrach und die Stadt vollstaendig verwuestete. 30 000 Menschen kamen um, und auch heute sieht man noch viele Spuren dieser Katastrophe. Wir fuehlen uns nicht ganz wohl an diesem wunderschoenen, aber melancholischen Ort.
Etwas ausserhalb von St. Pierre befindet sich der Schmetterlingsgarten. Wir wollen uns unbedingt die Scmetterlinge dort ansehen.Leider koennen wir nur einen einzigen erspaehen, denn alle anderen sind einer Anti-Moskito-Spruehaktion vom Flugzeug aus zum Opfer gefallen. Auch die Voegel hat es erwischt. Trotzdem gefaellt uns dieser Garten, denn eine Gruppe von jungen idealistischen Leuten hat eine ganze Reihe von einzigartigen Musikinstrumenten aus Bambus gebaut und im Park aufgestellt,
damit die Besucher damit spielen koennen. Am Wochenende veranstalten sie Konzerte, und wir moechten auf dem Rueckweg deshalb noch mal hier Halt machen.


D O M I N I C A

Am Donnerstag, dem 6. April, weiter nach Dominica, bei schoenstem Segelwetter und einer guten Brise aus Suedost.Wie schoen, wieder auf einer echten karibischen Insel zu sein! Unsere erste Station ist Roseau, die Hauptstadt, eine quicklebendige bunte Stadt- das sieht man schon von weitem!
Nachdem Pancho uns geholfen hat, en einer Boje festzumachen, wandern wir die anderthalb Kilometer am Meer entlang bis zum Zentrum um einzuklarieren. Dann auf ein kuehles Bier in eine Kellerbar (Keller gibt es sonst nicht in der Karibik) und wieder zurueck zum Schiff. Es wird schon dunkel (gegen 18.30)
und ueberall sitzen die Leute vor ihren Haeusern, redden, trommeln, spielen, lachen. Es  gibt auch wieder Rastas, besonders liebenswuerdig und respektvoll. Fast jeder gruesst. Eine andere Welt.
Wir laufen durch den Botanischen Garten und die Stufen von Jack's Walk hinauf. Oben jede Menge Busse mit Touristen. Skip kauft fuer 5 EC $ 2 Coca Colas von einer der Ladies an den Souvenirstaenden. Nach einer Weile kommt sie zu uns hinueber und gibt uns 2 $ zurueck. Sie sagt, sie haette uns faelschlicherweise fuer Touristen gehalten.
Nach zwei Tagen segeln wir weiter nach Prince Rupert Bay und Portsmouth.
Wieder ein sehr schoener Trip mit genau dem richtigen Wind! Portsmouth ist ein kleines Fischerdorf, das noch pittoresker wirkt mit den riesigen rostigen Wracks, die der Hurrikan Lenny an den Strand gespuelt hat. Keiner hier hat das Geld, diese Wracks wegraeumen zu lassen.
Kurz nachdem wir geankert haben, kommt Martin, ein Freund von Pancho, mit seinem Boot Providence vorbei und bringt uns zum Indian River.
In Dominica, mehr als auf anderen karibischen Inseln, versuchen sie ihr kulturelles Erbe zu bewahren. Man sagt, dass, wenn Kolumbus jetzt zurueck in die Karibik kaeme, er nur noch Dominica wiedererkennen wuerde. Der Indian River ist einer von 365 Fluessen, die von den hohen Bergen herabkommen und einen Sumpf bilden, bevor sie ins Meer muenden. An der Muendung ist er etwa
50m breit und wird dann immer schmaler, bis die Aeste der Baeume und die Lianen einen Tunnel bilden. Die Wurzeln der bloodwood-Baeume entlang dem Ufer sind in Jahrhunderten zu bizarren skulpturen verwachsen. Wilder Hibiskus waechst in dichten Bueschen am Ufer, Kokospalmen, Farne. Es herrscht absolute Stille, unterbrochen nur von Vogelstimmen und dem Platschen der Paddel. Ein verwunschener Ort.
Am naechsten Tag nehmen wir auf's Geratewohl einen Bus, der uns irgendwo an der Strasse absetzt, als er abbiegen will. Es wuerde bald ein anderer kommen, der uns mitnehmen koennte nach Calabishie an der Nordost-Kueste.
Nach einer halben Stunde des Wartens in der Gluthitze machen wir uns zu Fuss auf den Weg und versuchen zu trampen. Wir laufen eine Schlucht entlang und sehen an einigen Stellen tief tief unten den Fluss durch die dichte tropische Vegetation schimmern.
Nach einer Weile haelt ein Auto und nimmt uns mit. Der Fahrer, Moise, und seine haitische franzoesischsprachige Frau Alexandrine fragen nach unserem Ziel. Auf unsere Antwort, dass wir uns ihre wunderschoene Insel angucken moechten, bieten sie uns an,eine Rundfahrt mit ihnen zu machen.
Zuerst fahren wir die Atlantikkueste hinunter. Auf dem Weg trinken wir etwas in einer Strandbar, danach stoppen wir an einer Huehnerfarm und kaufen Eier (die billigsten auf der Insel), danach Zitronen (limes) von einem Stand an der Strasse (der Besitzer selbst ist nicht da, wir lassen das Geld unterm
Topf). Ab und zu nimmt Moise einen Bauern mit Machete oder ein paar Arbeiter ein Stueck mit, gratis. Dann moechte Moise unbedingt zum Emerald Pool Wasserfall fahren, denn Alexandrine kennt den auch noch nicht. Wir haben inzwischen so viele Wasserfaelle gesehen, dass wir wahrscheinlich nicht
hingegangen waeren. Aber das waere ein grosser Fehler gewesen, denn dieser ist sicher einer der schoensten! 15 Minuten muessen wir im Regen durch den Regenwald laufen, aber wir werden nicht nass, denn die Baeume bilden ein schuetzendes Dach. Dieser Regenwald sieht ganz anders aus als die
bisherigen, denn das Klima ist hier oben viel kuehler und alle Staemme sind dicht bemoost. Es sieht maerchenhaft aus, wie eine Hobbitlandschaft.
Danach fahren wir das Layou-Tal hinab zum Meer. Auf dem Weg halten  wir wieder ab und zu an und kaufen Zuckerrohrsaft, gegrillte Bananen und Mangosaft. Es ist wie ein entspannter Familienausflug mit Reggaemusik. Was fuer ein Vergnuegen!!


LES  S A I N T E S    und  G U A D E L O U P E


Wir haben keine besonders grosse Lust auf noch eine franzoesische Karibikinsel, aber als wir in Bourg en Saintes ankommen, dem Hauptort einer kleinen Inselgruppe noerdlich von Dominica, sind wir angenehm ueberrascht.
Bourg en Saintes iswt ein winziges, gemuetliches  Fischerdorf mit einer voellig gemischten Bevoelkerung aus Bretagne und Karibik. Ein bezubernder Ort, wo wir gerne spaeter noch mal Halt machen wollen.
Da man hier nicht einklarieren kann, muessen wir am naechsten Tag weiter nach Guadeloupe, ein paar Seemeilen weiter noerdlich.

Wir ankern vor Basse-Terre, der Hauptstadt von Guadeloupe, und paddeln zum Zoll. Gott sei Dank bleibt Dani an Bord, denn waehrend wir an Land sind, schleift der Anker und Ragnar waere ohne uns hinaus auf's Meer oder  auf die Felsen getrieben. Da Basse-Terre kein sehr einladender Ort zu sein scheint und keinen guten Ankerplatz bietet, fahren wir weiter die Kueste hinauf bis Deshaies and der Nordspitze.
Die Bucht ist vollgepackt mit Schiffen, aber der kleine Ort ist voller Charme. Im L'Amer Restaurant feiern wir den 7. Vollmond seit unserer Absreise mit einem absolut koestlichen Abendessen.
Es waere schoen, wenn die franzoesischen Behoerden sich etwas mehr fuer die beduerfnisse der Yachties interessieren wuerden und Bojen installieerten, an denen man festmachen kann. Die Bucht von Deshaies ist ein guter Ankerplatz, aber nachts fegen die Thermowinde unter Umstaenden fast in Orkanstaerke die Berge hinunter. Wir ankern in 6m tiefem Wasser, mit 40m Kette, und nachts
ist die Kette fast horizontal gespannt von der Wucht des Windes. Nicht gerade ein Plaetzchen zum Ausruhen.


A N T I G U A


Am  Samstag, d. 15. April, segeln wir von Guadeloupe nach Antigua. Auf dem Weg sehen wir unsere ersten  (Buckel)Wale im Atlantik!!!  Zuerst sieht man kleine Springbrunnen, und dann springen diese kolossalen Tiere  in einem eleganten Bogen aus dem Wasser und tauchen wieder unter. Sie schwimmen unter unserem Kiel durch und verschwinden auf der anderen Seite in der Ferne.Lange
bevor wir Antigua ausmachen koennen, sehen wir Monserrat mit seinem rauchenden Vulkan am Horizont.
Am fruehen Nachmittag kommen wir in FLMOUTH Harbour an und machen in der Antigua Yacht Club Marina  am Dock fest. Jeden Tag mehr fuellt sich der Steg mit wunderschoenen alten klassischen Booten, eins toller als das andere. Als wir sehen wie sie glaenzen und schimmern, greifen auch wir zum Lappen und "Nevr Dull" - Messing- u. Bronzepolitur) und schreiben uns ein fuer den Concours d'elegance. Man kann ja nie wissen.
Am Freitagmorgen sitzen wir adrett gekleidet  im Cockpit , darauf bedacht , nichts mehr zu beruehren, und warten auf die Preisrichter. Und tatsaechlich: abends bei der Preisverteilung gewinnen wir den 3. Platz in unserer Kategorie (persoenliche Instandhaltung). Hurra!!!
Am Samstag, d. 22. April, ist der erste Regattatag. Um 10 Uhr started die Klassik-Klasse A (unsere), und dann alle 15 Minuten der Start der naechstschnellsten Klasse. Aber es herrscht absolute Flaute, und schliesslich  duempeln alle 55+ Boote um die Startlinie herum auf dem Wasser; die Segel flattern, man unterhaelt sich von Boot zu Boot, etwa eine Stunde lang bis eine leichte Brise die Flotte auseinander weht.
Die zweite Regatta , die Schmetterlingsregatta, findet am Sonntag statt.
Dieser Tag faengt gut an mit einer kraeftigen Brise, genau richtig fuer Ragnar. Wir umrunden die erste Boje direkt hinter der beruehmten Eleonora of London  und knapp vor Ranger-  den beiden beeindruckendsten Schiffen der Klassiker. Nachdem wir die Ziellinie durchfahren haben, segeln wir nach English Harbour zur Parade. Am Eingang der Bucht stellt sich Dani als Gallionsfigur auf den Bugspriet. Als wir an Cathrines Café  mit den vielen Zuschauern vorbeifahren und der Sprecher unser Boot  beschreibt und unsere Namen nennt, kriegen wir donnernden Applaus.
Am Montag, die Kanonen-Regatta. Eine Gerade von 6 Seemeilen, dann um eine Boje herum und wieder zurueck zur Startlinie und das Ganze noch mal. Da die kleinen Schiffe eine Stunde vor den Groessten starten, koennen wir die erste Boje umrunden bevor die Grossen uns eingeholt haben. Auf dem Weg zurueck rauscht Eleonora backbord an uns vorbei und Ranger kommt uns steuerbord
entgegen.  So viele der schoensten Schiffe der Welt  koennen wir hier bestaunen, dass wir nicht wissen, wohin wir zuerst gucken sollen. Diese Regatta ist der absolute Hoehepunkt, sheer bliss!!
Jeden Tag nach den Regatten gibt es Feste im Club, in Nelson's Dockyard in English Harbour, an Bord von Jambalaya (ein in Carriacou gebauter neuer Schooner) und last but not least-  die Champagner-Party auf Eleonora. Die Atmosphaere dieser Regatta ist einzigartig, denn es geht hier in allererster
Linie nicht um Wettkampf, sondern um sportsmanship. Alle Teilnehmer bilden eine Gemeinschaft, man gruesst sich, besucht sich, hilft sich gegenseitig, egal ob jemand von einer Luxusyacht ist oder vom Carriacou-Kanu mit quadratischem Segel. Abends wird auf dem Steg gegrillt und getrommelt und
getanzt.
Und noch eine Ueberraschung erwartet uns am letzten Abend, dem Abend der Preisverteilung: wir kriegen die Trophaee fuer den 2. Platz ueber die verkuerzte Regattastrecke!!

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CHAP X. Antigua - Guadeloupe - Les  Saintes - Dominica - Martinique

        Am 27.April kommen Skips Schwester April, ihr Mann Pieter und Sohn Bart in Antigua an Bord, sie wollen 8 Tage lang mit uns segeln. Da wir waehrend der Hurricane-Saison (von Mai bis November)nach Venezuela
ausweichen wollen, muessen wir wieder nach Sueden segeln und haben beschlossen, ihnen Dominica zu zeigen.Das ist eine englischsprachige karibische Insel, die noch sehr urspruenglich und  nicht amerikanisiert bzw.
Europaeisiert sit wie die franzoesischen.
Von Antigua segeln wir nach Deshaies, Guadeloupe, wo wir im Dunkeln und stroemenden Regen ankommen und ankern. Am naechsten Tag die kurze Strecke  hinueber nach Les Saintes, ud am folgenden Tag  nach Portsmouth, Dominica.
Martin, unser Begleiter vom letzten Mal, rudert uns wieder den Indian River hinauf, dismal im Regen, was aber auch seinen Reiz hat.
Am Nachmittag wandern wir mit unserem Brot-Mann den Berg oberhalb der Prince Rupert Bay hoch. Es ist einfach schoen, an Orte zurueckzukommen, wo wir schon Leute kennen! Breadman erklaert uns Pflanzen, die den Weg entlang wachsen: Zimtbaeume, Allspice-Baeume, karibische Aprikosenbaeume mit ihren riesigen, runden braunen Fruechten und die seltsamen Cashewnuss-Baeume, bei denen die Nuesse aus dem unteren Ende von einem rotten Apfel wachsen, den man auch essen kann. Brot-Mann pflueckt uns Guaven und Passionsfruechte und
erzaehlt uns, dass es in Dominica viele Boa constrictor gibt, harmlose Riesenschlangen, denen all diese Leckerbissen auch sehr gut schmecken. Von da an fassen wir unsere Umgebung auf Wanderungen etwas schaerfer ins Auge.
Nach einer sehr lauten Nacht , mit Trommeln und Soca-Musik aus Big Papa's Bar bis ins Morgengrauen (1. Mai "jump up") segeln wir nach Roseau im Sueden der Insel. Wir gehen wieder am suedlichen Ende der Stadt an eine Boje, nahe dem Tauchzentrum, von wo wir leicht einen Minibus ins Zentrum nehmen koennen. Noch schoener aber ist es, die Meile in die Stadt zu Fuss zu gehen,denn die Strasse ist gesaeumt mit Huetten und kleinen Buden, in denen alles angeboten wird, was man sich denken kann, und das Leben der Leute spielt sich am Strassenrand ab: kochen, essen, schwaetzen, duschen, spielen.
In der Stadt gehen wir durch die engen lebhaften Gassen mit ihren bunten Haeusern, kaufen ein paar Souvenirs und essen dann am Hafen im Cocorico ein leckeres karibisches Mal und trinken eine piña colada und denken dabei an Pit und Anni, die uns auf den Geschmack gebracht haben.
Unser Freund Pancho hat eine Rundfahrt im Kleinbus und eine Wanderung zum Victoria Wasserfall im Sueden Dominicas fuer uns organisiert. Auch dieser Teilder Insel ist dicht bewaldet und die feuerroten Flamboyant-Baeume stehen in voller Bluete. Unser junger Begleiter Christopher pflueckt uns verschiedene Fruechte und Nuesse von Baeumen am Weg- man kann fast ueberall anhalten und sich den Bauch fuellen, es ist wie im Schlaraffenland.
Ueber enge, steile und kurvige Strassen fahren wir zu Panchos Onkel Moses.
Er hat einen etwa 50 000 qm grossen Bauernhof in einem kuehlen Tal am Victoria Fluss. Moses ist ein etwa 50 Jahre alter Rasta mit Dreadlocks bis zu den Knieen, eine beeindruckende Gestalt. Er lebt hier allein, seinem
Bruder gehoert der Nachbarshof. Sein Hof ist komplett oekologisch bewirtschaftet, er erntet nur, was er fuer einen Tag braucht. Nichts liegt in Saecken herum, nichts wird faul oder schimmelig. Moses ist zu 95% autark;
das wenige Geld, das er braucht, verdient er sich mit Kursen in Kraeutermedizin und der Herstellung  von Bay-Oel (eine Art Lorbeer, aber aromatischer und mit grosser Heilwirkung bei Hautkrankheiten).
Christopher fuehrt uns zum Wassrfall. Da es gestern arg geregnet hat, ist der Fluss heftig angeschwollen. Wir muessen ih 5mal durchqueren.
Normalerweise kann man ueber Steine trockenen Fusses das andere Ufer erreichen, aber dismal muessen wir manchmal fast bis zur Huefte durch's Wasser. Die Felsen sind sehr glitschig und gross, so dass wir uns hochziehen   oder hochgezogen werden und auf der anderen Seite wieder auf dem Hosenboden hinunterrutschen muessen.
Als wir schliesslich an dem Wasserfall ankommen, wagen nur Skip und Bart in den Pool;er ist wie ein Hexenkessel, der orkanartige Wind  und das herabfallende Wasser peitschen ihnen ins Gesicht, sie koennen sich kaum auf den Beinen halten und wir sie kaum mehr sehen. Der Weg zurueck faellt uns viel leichter, denn jetzt kennen wir uns ja schon ein bisschen aus.
Als eir zurueck zum Hof kommen, hat Moses schon das Mittagessen vorbereitet und den Tisch unter einem Dach aus Palmwedeln gedeckt: weisses Tischtuch, fuer jeden eine Kalabasse und einen Loeffel aus Kalabasse. Moses stellt eine grosse Schuessel mit dampfender Calalou-Suppe auf den Tisch. Alles was sein Garten an dem Tag hergibt, befindet sich in dieser Suppe, die er mit Basilikum, Thymian, Zimt, Allspice, Schnittlauch und Milch aus frisch geraspelter Kokosnuss gewuerzt hat. Koestlich!
Nach dem Essen redden wir eine Weile ueber die Situation Dominicas und das Leben im allgemeinen, bedanken uns fuer seine Gastfreundschaft und verabschieden uns von diesem weisen und freundlichen Mann. Es war ein
einmaliges Erlebnis, von ihm eingeladen zu werden.Am naechsten Morgen segeln wir weiter nach Martinique, wo wir vor Sain Pierre ankern. Wir gucken uns die Stadt an, kaufen auf dem Markt Obst und Gemuese und finden nach langer Suche endlich Gasflaschen fuer den Herd.
Danach laufen wir zum Schmetterlingsgarten, wo wir wieder eine Menge Spass mit allden Bambusinstrumenten haben, die ueberall im Park aufgestellt sind.
Bart steppt auf Holzboxen in verschiedenen Groessen, die verschiedene Toene erzeugen; April gibt ein kleines Konzert auf dem Bambus-Klavier, wir drehen das riesige Regenmacher-Rad und Bambus-Mann spielt uns etwas auf den vielen Bambus-Instrumenten vor, die er gebaut hat und die klingen wie ein Bass, ein Saxophon, ein Banjo. Der Garten hat etwas Magisches, diesmal ist alles blitzsauber und in Zen-Manier gerecht. Ausser uns sind nur eine Handvoll anderer Leute da und wir entdecken sogar Schmetterlinge! (Das letzte Mal  gab es keine, weil sie bei einer Spruehaktion mit Flugzeugen alle getoetet worden waren)Am folgenden Tag, Samstag, segeln wir mit Motor nach Fort de France und ankern vor der Altstadt. Wir gehen in die Stadt, die an diesem Morgen voller
Leben ist. Auf dem Markt kaufen wir ein paar Mitbringsel, Gemuese und Gewuerze. Die Auswahl ist riesig und gut, die exotischen Gerueche machen einen fast benommen.
Nachmittags verabschieden wir uns von April, Pieter und Bart, die wieder zurueck nach Holland fliegen. Wir haben schoene Tage zusammen verbracht, obwohl das Wetter nicht immer ideal zum Segeln war und wir oefter als uns lieb war das "eiserne Segel" (Motor) benutzen mussten, weil der Wind genau aus der Richtung blies, in die wir fahren wollten.
 


CHAP XI. ST. Lucia - ST. Vincent - Bequia - Mustique

Nach ein paar Tagen  schrubben, wienern und relaxen in Martinique fahren wir am 9. Mai weiter nach Sueden. Da jetzt im Juni ernsthaft die Hurrikan-Saison anfaengt, muessen wir uns suedlich von 12 Grad Nord begeben. Grenada liegt auf 12 Grad N und ist in den letzten Jahren zweimal boese erwischt worden von den Hurrikanen Ivan und Emily, so dass wir noch weiter suedlich wollen, nach Venezuela.
Zuerst stoppen wir in Rodney Bay, St. Lucia, und geniessen ein paar Tage lang den Luxus, an Wasser und Strom angeschlossen zu sein. Was fuer ein Gefuehl, so lange duschen zu koennen wie man will, mal abends alle Lichter
brennen zu lassen, den Foen und die grosse Kuehlbox benutzen  und das Laptop anschliessen zu koennen. Obwohl wir uns nicht beklagen koennen: mit unseren 4 Solarplatten kommen wir gut ueber die RundenIn Rodney Bay explodiert ein Feuerzeug in Skips Hose: er kommt ziemlich blass zurueck, dankbar, dass alles noch heil ist.
Nach 3 Tagen ankern wir dann in der Pigeon Bay  (am Eingang von Rodney Bay), um uns vom Schiff aus das Jazz Festival anzuhoeren. Leider haben viele andere auch diese gute Idee, denn der sonst ruhige und idyllische Platz
fuellt sich mit -zig Charter-Katamaranen und Motorbooten aus Martinique und Guadeloupe, und der Laerm und die gefaehrlichen Manoever dieser Spezies von Fahrzeugen und jungen Crews geht uns ganz schoen auf die Nerven.
Am Montag, 15.5., fahren wir die kurze Strecke runter nach Soufriere, entlang der wunderschoenen huegeligen gruenen Kueste von St. Lucia. Wir gehen in Soufriere einkaufen und viele Leute begruessen Skip mit "White
Rasta! How you doing, mon? Where you been?" Wir essen wieder bei Benny fish Creole auf der Terrasse mit dem spektakulaeren Blick auf Palmen, Strand und Sonenuntergang, halten ein Schwaetzchen mit Marcelene und tuckern dann mit dem Dinghy zurueck zum Schiff.
Am naechsten Tag weiter nach St. Vincent, vorbei an den Pitons und dann in Rauschefahrt (z.T. 9 Knoten!) hinueber nach Wallilabou. Vor der Cumberland Bay treffen wir Brother mit seinem Boot, und um die Ecke kommt uns Smiley entgegen, hilft beim Festmachen an der Boje und der Palme. Der Obst-Mann kommt mit frischen Avocados, Ananas und Manos, der FischMann mit frisch gefangenem red snapper.

Am 17.5. segeln wir ein paar Meilen weiter nach Petit Byahaut Bay.Wir sind das einzige Boot hier. Nachts ist es pechschwarz um uns herum, das einzige Licht kommt von Gluehwuermchen und den Sternen.
Tags darauf weiter nach Bequia. Eigentlich wollten wir in Kingstown, der Hauptstadt von St. Vincent Halt machen, aber der Hafen ist nichts fuer Yachten. Admiralty Bay in Bequia ist wie immer ziemlich voll, rund 70
Schiffe. Bequia ist eines der beliebsten Segelziele in der Karibik. Es ist idyllisch, freundlich, ganz auf Yachties eingestellt. Man kann hier gut einkaufen, sie haben einen richtig guten Markt, ein tolles Delikatessengeschaeft, gute Restaurants, gute Internetbars und einen fantastischen Boot-Service.
Am Samstag machen wir einen Ausflug zum Moonhole. Ein amerikanisches Ehepaar hat dort vor 45 Jahren eine kleine felsige Halbinsel gekauft und 19 Haeuser darauf gebaut. Sie wollten etwas Neues machen, nur mit Materialien der Gegend, alles offen, nichts eckig, aber ohne eine Ahnung vom Bauen. Das Ergebnis ist entsprechend schoen-schaurig, einige Ecken sind sehr reizvoll, andere grauenvoll, und insgesamt scheint sich alles in Aufloesung zu befinden.
Am 23.5. segeln wir weiter nach Mustique, einer kleinen privaten Insel in Sichtweite von Bequia. Etwa 80 Haeuser /Palaeste fuer die haute haute volee gibt es hier. Die ganze Insel ist wie ein riesiger Park, makellos gepflegt, die Wege werden jeden Tag gefegt und gerecht, alle Leitungen verlaufen unterirdisch. Von den Besitzern sieht man fast nichts, sie halten sich hier fast nur im Dezember und Januar auf. Die Angestellten, etwa 1000 Personen, fahren in Golf-Carts herum und halten alles in Schuss. Es gibt ein Dorf fuer sie, eine Schule, eine Kirche. Es gibt keine Vebrechen, Wachmaenner beobachten die Kueste mit Argusaugen, es ist ein sicherer Ort.
In Britannia Bay gibt es ein kleines Fischerdorf  und etwa 30 Moorings fuer Yachten. Man kann hier drei Tage lang bleiben.Basil's Bar auf Stelzen ueber dem Wasser ist beruehmt fuer ihrBlues Festival im Januar, wenn die besten Musiker sich hier versammeln und auch Mick Jagger oefter mal spontan was singt. (Er hat auf Mustique auch ein Haus).
Die Insel ist wunderschoen, ein Ort des Friedens und der Ordnung, mit langen weissen, von Palmen umsaeumten Straenden, Mangroven, kristallklarem Wasser- ein Paradies, ohne die Probleme, aber auch das pusierende Leben der anderen Inseln.
Am zweiten Tag haben wir das Privileg, den Polizeichef kennenzulernen, als wir naemlich Dani ausloesen muessen, der sich aufgemacht hatte, eine Nacht unter freiem Himmel zu verbringen, bepackt mit Rucksack und selbstgemachter Haengematte. Sie nahmen ihn am Strand fest, weil er in seinem grunge-look (ausgefranste Jeans und loechriges Hemd) so gar nicht ins Schema der Insel passte und sie ihn fuer einen Terroristen hielten.
 


CHAP XII. Canouan - Tobago  Cays - Union  Island - Palm  Island


Nach 3 Tagen in Mustique fahren wir die 14 Seemeilen weiter nach Canouan. Es ist eine sehr zerklueftete Insel mit vielen weissen Straenden und kegelfoermigen Bergen. Die Insel ist zweigeteilt. Die noerdliche Haelfte
gehoert einer amerikanischen Firma (Trump), die hier einen Supergolfplatz und einige Luxushaeuser gebaut hat, alles sehr dezent und praktisch vom Meer her kaum sichtbar. Als wir uns das Gelaende ansehen wollen, geraten wir an einen Schlagbaum wie Checkpoint Charlie, und man erklaert uns, dass wir 100 US$ pro Tag und Person bezahlen muessen, um hineingelassen zu werden. Wir erwidern, dass die Mauer in Berlin schon lange nicht mehr existiert und kehren um. Noch nicht mal die Einheimischen duerfen in dieses Areal hinein (es umfasst eine Naturschutzzone) ohne zu bezahlen- der Gerechtigkeit halber muss man sagen, dass  man fueer den Preis auch ein Golf-Cart benutzen darf und Lunch bekommt.

Der Rest der Insel, das Dorf Charlestown, versucht vom Luxus dieses Raffles Resort zu profitieren. Es ist ein Bau-Boom zu beobachten, ueberall werden Haeuser hochgezogen, ohne dass aber erst eine Infrastruktur geschaffen worden zu sein scheint. Viele Strassen sind nicht geteert, und ueberall liegen Tonnen und Tonnen vonMuell herum. Wenn jeder, der etwas wegwirft, 100 US$ Strafe zahlen muesste (wie im Resort), waere die Insel reich.
Wir gehen vor dem luxurioesen und in balinesischem Stil gehaltenen Tamarind Beach Hotel an eine Boje. Sobald wir aus dem Hotel-Komplex hinauskommen, erscheint die Insel arm. In den "Supermaerkten" gibt es fast nur Dosen,noch nicht einmal Frischmilch; auf dem "Markt" noch nicht einmal Bananen. Man sieht keine Gaerten, das Land liegt brach und ist entweder voll Muell und Unkraut oder nackt und erodiert. Erst als am Samstag das Frachtschiff aus St. Vincent ankommt, gibt es einige Tomaten und Mangos.
Wir wandern entlang dem Kamm der Huegel und sehen im Osten den Atlantik und im Westen die Karibik und im Sueden - atemberaubend!- die Tobago Cays und Union Island. Nahe dem kleinen Flughafen hat Trump einen neuen Fischerhafen gebaut und eine Entsalzungsanlage. Aber insgesamt ist unser Eindruck von Canouan eher deprimierend.
Am Sonntag, 28.5., segeln wir schon frueh ab nach den Tobago Cays, einer Gruppe von 4 winzigen unbewohnten Inseln oestlich von Union Island. Sie sind vom Atlantik geschuetzt durch zwei Riffe: das aeussere End of the World Reef und das innere Horseshoe Reef. Das Wasser um die Lagune, in die wir vorsichtig (auf GPS sollte man sich hier nicht verlassen) durch einen engen Kanal hineinsegeln, ist ein Kaleidoskop vongruen, tuerkis, blau und aquamarin. Es ist maerchenhaft.
Wir fahren mit dem Dinghy an den Riffrand, wo es kleine Bojen gibt, an denen man festmachen kann, ohne das Riff zu beschaedigen. Die Korallen wachsen sehr, sehr langsam, zwischen 30 und 60 cm in 100 Jahren! Dani schnorchelt und ist voellig begeistert. Das Wasser ist kristallklar und nur 2m tief, und schon vom Boot aus sieht man die Korallen in ihren vielen Formen, bunte Fische, Seeigel, Seesterne.
In der Lagune liegen etwa 30 Schiffe, aber  es ist still und von den anderen sieht und hoert man wenig. Die Bilderbuchstraende der Inselchen sind leer, nur ein paar Leguane huschen durch das Kakteengestruepp.
Wir bleiben ueber Nacht. Von ferne sieht man die Lichter von Canouan und Union Island. Am Himmel die schmale Mondsichel und das Kreuz des Suedens.

Am 29 Mai fahren wir sehr vorsichtig durch die Suedpassage der Cayds nach Clifton auf Union Island. Mit Hilfe von Tiger machen wir an einer Boje sehr dicht am Strand fest. Wir haben kaum eine Handbreit Wasser unterm Kiel, und es ist ein Glueck, dass der Wind auf der Ostseite der Insel konstant aus O oder SO weht und nie aus SW, sonst saessen wir bald auf dem Strand.
Von weitem sieht Union Island viel grosser aus als es ist. Es gibt nur zwei Orte, Clifton und Ashton, beide im Sueden, aber sehr verschieden. Clifton hat einen Hafen und die entsprechende quirlige Atmosphaere. In Ashton sollte ein grosser Hafen von den Amerikanern gebaut werden, aber das Projekt wurde aus irgendwelchen Gruenden eingestellt, und so ueberlebt das Dorf auf Sparflamme. Das Wasser wird in Eimern vom Brunnen nach Hause transportiert.Weil es so wahnsinnig heiss ist, nehmen wir ein Taxi und fahren in einer Stunde alle Strassen der Insel ab. Der Grossteil der Insel ist unberuehrt, und einige Gebiete scheinen nur darauf zu erwarten, dass jemand sie erschliesst.
An einem Nachmittag nehmen wir ein Wasser-Taxi hinueber nach Palm Island.
Als wir an Land gehen wollen, gibt es drei Wege und an jedem steht ein Schild "Privat! Nur fuer Hotelgaeste."Wir stehen etwas ratlos da, als ein blauuniformierter Waechter herankommt und uns erklaert, dass wir den Strand entlang gehen koennen, aber an Land nur bis zur ersten Baumreihe.
Wir laufen also durch makellosen puderigen Sand, links kristallklares Wasser, rechts die strohgedeckten Luxusbungalows in Palmenhainen und tropischen Gartenanlagen. Das ideale Versteck fuer jemand, der sich von
allem zurueckziehen will. Alles inclusive 1000 US$ pro Tag. Weiter im Norden der Insel ein paar private Haeuser und ein etwas ungepflegter Golfplatz.
Als wir zum Steg zurueckkommen, moechten wir in der Bar etwas trinken, aber leider, leider sind nur Hotelgaeste erwuenscht. Im Souvenirladen kann man etwas Kaltes kaufen, und wir setzen uns unter einen Seemandelbaum und warten auf die Faehre, die die Angestellten zurueckbringt nach Clifton.
Noch ein Beispiel, was man aus einer karibischen Insel alles machen kann.
 



CHAP XIII. Carriacou  - Grenada  - Los  Testigos  -  Margarita  - Coche


Am 1. Juni segeln wir ab von Palm Island hinueber nach Carriacou, ein Katzensprung, denn zwei Stunden spaeter sind wir schon in der Hillsborough Bay. Um 10.30 Uhr haben wir einklariert, eingekauft und halten ein
Schwaetzchen mit dem Friedensrichter in seiner Bar. Danach fahren wir um die Ecke in die Tyrell Bay, ankern und lueften und reinigen das Schiff.
Vom 1. bis 8. Juni bleiben wir in Carriacou, unserer Lieblingsinsel. In Antigua haben wir Dave Goldhill kennengelernt, der sich in Windward an der Ostkueste ein gemuetliches Anwesen  in einem grossen Garten direkt am Strand gebaut hat. Sogar die Moebel hat er selbst gebaut und alles in kraeftigen karibischen Farben angemalt. Er hat   uns fuer Pfingstmontag eingeladen  zur Segelregatta auf der kleinen Insel Petite Martinique, die man von seiner Terrasse aus sehen kann.
Mit 18 Leuten fahren wir auf seinem Motorboot hinueber und fuehlen uns wie auf einem Familienausflug. Seine drei beeindruckenden Kinder sind dabei und einige Freunde aus Carriacou. Auf dem Weg schleppen wir ein havariertes Regattaboot ab, gehen etwas essen und gucken uns die robusten Holzschiffe an, die in traditioneller Weise am Strand gebaut werden.
Kurz vor Dunkelwerden fahren wir zurueck nach Carriacou und sitzen auf der Terrasse bei Rumpunsch und Eistee mit Pfefferminz, schwarzem Salbei und Zitronengras.
Am letzten Abend auf der Insel essen wir im Twilight am Hafen  Lambi (conch), als   sich neben uns eine Gruppe von Frauen versammelt um Gospels zu singen. Ein  Junge flitzt auf dem Skateboard vorbei, und eine Kuh trottet
am Strand gemaechlich heimwaerts. Tyrell Bay.

Am 8. Juni fahren wir von Carriacou bei schoenstem Segelwetter wieder Richtung Grenada, vorbei an Kick 'em Jenny, den Sisters, London Bridge und  Zuckerhut: eine Rauschefahrt bis fast hinein nach St. George's. Die
Hurrikansaison rueckt naeher und ganz Grenada bereitet sich vor; Bachbetten werden gereinigt, Daecher und Terrassen verstaerkt, Baeume von trockenen Aesten befreit.
Wir reparieren, flicken das Dinghy, waschen, kaufen Proviant, gehen zum Markt, treffen Freunde und gucken Fussballweltmeisterschaft im Grenada Yacht Club.Beim Spiel Trinidad/Tobago erscheint Skip im Club mit der Tobago-Flagge im Nacken, unter Beifall aller Einheimischen. Sie wollen nur eins- England besiegen. Leider klappt es nicht.
Es regnet viel, und die Moskitos plagen uns und auch die Schwaerme von rainflies, die wie grosse Motten aussehen, nur bei Regen auftauchen und danach wieder spurlos ver-schwinden.
Wir warten auf ein weather-window zwischen all den tropical waves, die von Osten auf und zu kommen, um nach Isla Margarita, Venezuela, zu segeln. Obwohl wir uns in Grenada wie zu Hause fuehlen, moechten wir doch alle jetzt mal wieder zu neuen Zielen aufbrechen.
Am Sonntag, 25.6.06, bei leichter Bewoelkung, 20 Knoten Wind aus SO und 2 Knoten westlicher Stroemung, fahren wir gegen 17.30 aus der Lagune von St. George's hinaus. Wir sind nicht allein,  vier andere Segelschiffe fahren in dieselbe Richtung. Bis Los Testigos sind es 90 Seemeilen, und dort kommen wir nach einer Rauschefahrt am naechsten Morgen gegen halb neun an. Wir ankern an der Playa Tamarindo von Testigo Grande. Es sind noch 15 andere Yachten da, davon 5 mit deutscher Flagge.
Wir sind sehr muede und wollen gerade alle etwas schlafen, als Pieter und Gina, die wir aus Barbados kennen, mit dem Dinghy herankommen- was fuer eine Ueberraschung! Sie sind auf dem Weg nach Trinidad und sagen, wir muessten uns bei der Kuestenwache melden. Wir kontaktieren sie auf Kanal 16, und sie wollen, dass wir zu ihnen hinueberkommen. Also den Anker wieder lichten und hinueber nach Iguana Grande. Wir ankern, lassen das Dinghy ins Wasser, paddeln zum blendendweissen Sandstrand und klettern den Huegel zum Buero
hinauf.
Jesús, der Chef, ein freundlicher junger Typ mit graublauen Augen, traegt uns in ein dickes Buch ein. Im Schnitt kommen hier taeglich 10 Yachten an! Alles geht problemlos vor sich. Eigentlich duerfen wir nur 2 Tage bleiben,
aber drei ist auch OK. Einklarieren muessen wir dann spaeter in Isla Margarita. Jesus ist froh, dass wir spanisch sprechen. Neulich kam eine tuerkische Yacht an und die Besatzung sprach nur tuerkisch.Er musste sich
mit Gesten und Skizzen verstaendigen, und es dauerte endlos, bis er alle Informationen hatte.
Danach fahren wir zurueck nach Testigo Grande und ankern neben Gina und Pieter.Auf dem Weg sehen wir die fantastische Playa Real von Testigo Pequeño, ueber uns die riesigen Fregattenvoegel und Pelikane. Wir schlafen
bis halb sechs, als zwei Franzosen im Dinghy herankommen und uns kleine Bonitos anbieten, gratis und frisch gefangen. Dann kommt Pieter und laedt uns zum Abendessen ein, sie haben auch Fische bekommen.Gina braet sie alle und wir essen sie mit Salat. Lecker!
Am naechsten Morgen gehen wir an Land. Am weissen Sandstrand liegt eine Flotte von bunten Fischerbooten mit hohem und sehr spitzem Bug. Den Strand entlang stehen etwa 10 Holzhuetten, umgeben von Palmen, Tamarinden und Flamboyantbaeumen. Der Rest der huegeligen Landschaft ist sehr karg, wuestenartig, nur bewachsen mit stacheligen Straeuchern und Kakteen. Ab und zu sieht man grasgruene und giftgelbe Eidechsen und Leguane vorueberhuschen.
Wir laufen auf die Ostseite der Insel; starke Brandung, viel angeschwemmtes ausgebleichtes Holz und die breite Spur (wie von einem Lastwagen) von einer Schildkroete, die da ihre Eier abgelegt hat.
In der Bar  erzaehlt uns die Wirtin, dass ihre Familie schon seit Generationen hier lebt. Es gibt etwa 250 Personen auf den Testigos. Das Leben hier ist nicht einfach, sie vergleicht es mit dem Leben auf einem
Schiff, man muss mit dem haushalten, was man hat. Wasser ist ein Problem: seit 5 Monaten hat es nicht geregnet, und sie hat einen Riesenberg Waesche, den sie nicht waschen kann. Ab und zu fahren sie nach Margarita zum
Einkaufen, hauptsaechlich Reis und Huelsenfruechte. Sie leben von Fischen; Gaerten gibt es nciht, es ist zu trocken.
Skip und Dani gucken sich das Spiel Brasilien-Ghana im Wohnzimmer ihrer Huette an, der Fernseher ist an eine grosse Autobatterie angeschlossen. Ich fluechte vor den Moskitos wieder in die ueberdachte Bar am Strand , neben mir im Tamarindenbaum ein Affe an einer langen Schnur. Ich unterhalte mich mit Sohn Daniel, der mir die 3 Tage alten, huebsch schwarz und weiss gepanzerten Schildkroeten zeigt, die er im Dunkeln von der Playa Guzman geholt hat: 175 Stueck!
Die Schildkroeten legen pro Tier etwa 200 Eier. Wenn es heiss ist, schluepfen sie nach 72 Stunden aus; wenn es regnet und kuehler ist, kann es auch Wochen dauern. Die Kleinen laufen dann  zum Meer und werden tagsueber
sofort von den Fregattenvoegeln gefressen. Deshalb holt Daniel sie zu sich, fuettert sie mit Fischstueckchen, bis sie groesser sind, und setzt sie dann am selben Strand ins Wasser. Nach 5-6 Monaten sind sie 500-600 kg schwer und kommen Jahre spaeter zum Eierlegen wieder an denselben Strand zurueck.
Daniel und auch seine Mutter sagen, dass ihnen das Leben hier sehr gefaellt. Sie koennen in Ruhe und Frieden leben, sie koennen alles offen lassen, hier klaut niemand etwas. Was fuer ein Unterschied zum restlichen Venezuela!
Nachmittags stellen sie den Fernseher ins chiringuito. Damit es nicht blendet, haben sie Wolldecken gegen die Strand- und Sonnenseite gehaengt. 12 Franzosen und wir sind da, um das Soiel Frankreich- Spanien anzugucken. Am Ende gewinnen die Franzosen, unterdruecken aber ihren Jubel,weil Danials einziger Spanier schwer geknickt ist. Danach laden wir, Dani, Gina, Pieter und Rob (ihren Freund aus Doninica) zum Essen ein: leckere Fischfrikadellen, Reis, Gemuese, Salat, 20 Bier, Kaffee - und das alles fuer 15 Euro.


Am 28. Juni ist der Himmel morgens frueh voller schwarzer Wolken, es sieht aus, als waere die Sintflut nahe.Aber nach einer Stunde hat sich alles verzogen, und wir fahren ab nach Margarita. Im ersten Drittel machen wir gute Fahrt, 6 Knoten, und haben die Stroemung mit uns. Danach muessen wir das eiserne Segel hissen. Das Meer ist glatt, und bald koennen wir die Testigos und Margarita sehen. Fregattenvoegel und Pelikane begleiten uns, und auch ein grosser knallgelber Schmetterling.
Um sechs Uhr abends ankern wir in der Bucht von Porlamar, wo schon um die 60 Yachten liegen.Ueber den Bergen der Insel ballen sich bedrohliche Wolken, es muss da oben viel regnen. Die Kueste aber ist knochentrocken. Der Himmel bietet ein  dramatisches Schauspiel inglutrot, blauschwarz, hellblau und
schwefelgelb. In den Hochhaeusern von Porlamar gehen die Lichter an.
Wir bleiben bis zum 13. Juli in Porlamar. Isla Margarita ist das groesste Touristenzentrum von Venezuela und Freihafen, d.h. man kann hier besonders gut und guenstig einkaufen. Ein Liter Diesel kostet 8 cents, die Fischer
kriegen es umsonst.
Die Innenstadt ist eine typisch suedamerikansiche Stadt mit tausenden von kleinen und kleinsten Geschaeften aller Art, Hunderten von Areperias (arepas sind kleine Maisfladen, gefuellt mit Huhn, Fisch oder Kaese), Geldwechslern (der offizielle Kurs ist  viel zu niedrig),Gemuese- und Obststaenden; Gutbewachte und ultramoderne Apartment-Hochhaeuser befinden sich direkt neben Slums. An der Peripherie werden grosse Malls gebaut und unzaehlige Hochhaeuser und Villen; dazwischen gibt es auch viele Bauruinen, die in der chaotischen Administration steckengeblieben sind.

Wir laufen kreuz und quer durch die Stadt, um sie zu entdecken, ab und zu nehmen wir auch ein Taxi, oft uralte amerikansiche Strassenkreuzer, die aussehen, als wenn sie gleeich auseinanderfallen wuerden. Einmal fahren wir
in einem ramponierten Lada, der nicht mehr richtig zu steuern ist  und keine Bremse hat. Einen Fuehrerschein braucht man hier nicht, eine Versicherung auch nicht und es dauert mindestens zwei Jahre, um ein Kennzeichen fuer ein neues Auto zu bekommen. Sehr haeufig werden Taxifahrer mit neuen Autos  mit der Waffe bedroht und gezwungen, ihren Wagen herzugeben.

Das Einklarieren in Porlamar ist ein langwieriges und raetselhaftes Geschaeft, das eine Woche dauert, obwohl wir alle drei schon in Grenada ein Ein-Jahres-Visum bekommen haben.
Nachts holen wir das Dinghy an Deck, denn man hat uns gewarnt. Manchmal fahren im Dunkeln zwielichtige Gestalten in Booten herum, und man muss staendig auf der Hut sein, aber auch wiederum nicht in Paranoia verfallen wie viele Leute. Auf alle Faelle haben wir eine Keule und den Handstrahler  bereitliegen.
Wir gucken uns die letzten Weltmeisterschaftsspiele in einer Bar in Sambil an, dem modernsten Einkaufszentrum. Dort ist eine unglaubliche Stimmung, vor allem beim Finale Italien gegen Frankreich, denn ein Grossteil der
Venezolaner hier ist italienischer Abstammung, und das Riesengebaeude hallt wider vom Jubel und den Tarantellas, die ueberall gesungen und getanzt werden.
An einem Sonntag fahren wir mit Arturo, unserem Fahrer, in seinem 30 Jahre alten Chevrolet (sein neues Taxi ist ihm geeraubt worden) einmal um den oestlichen Teil der Insel. Margarita ist in den Kuestenzonen wuestenaehnlich, hat aber einige sehr schoene Straende. Wir fahren nach La Asuncion, der Hauptstadt im Inneren, in einem gruenen Tal gelegen, und von da nach El Valle, einer anderen alten Stadt im Kolonialstil und mit der
beruehmten Kirche der Virgen del Valle, Patronin der Fischer. Hier gibt es riesige Mangobaeume und Parks - eine Augenweide nach all der trockenen Kakteenlandschaft.

Ein paar Tage spaeter faehrt und Veronica, eine Chilenin, die hier seit ueber 30 Jahren lebt, mit ihrem Auto in den westlichen Teil der Insel, die Peninsula de Macanao, die mit dem oestliche Teil nur durch einen schmalen
Sandstreifen verbunden ist. In Boca del Rio besichtigen wir das hochinteressante Meeresmuseum mit vielen Modellen von Fischerbooten (Margarita  ist beruehmt fuer seine Sardinenfischerei), beeindruckenden Wal-
und Fischskeletten, Muschelsammlungen etc. Auf dem Rueckweg geraten wir in einen sintflutartigen Regen und sehen einen Gaucho auf einem Pferd; beiden macht es offensichtlich viel Vergnuegen, durch den Regen zu reiten.
Es gibt keine Fluesse auf Margarita, und an der Kueste regnet es nur sehr selten. Das Wasser kommt ueber eine dicke Pipeline vom Festland.
Die Provinz Margarita heisst Nueva Esparta, und wir haben uns lange gewundert, warum. Die Ureinwohner liessen sich nicht gerne von den Spaniern kolonisieren und versklaven (Spanien holte im 16. Jh. jaehrlich bis zu 15 Tonnen Perlen aus den Austernbaenken hier; deshalb auch Isla Margarita, die Perleninsel) und leisteten heroisch Widerstand - wie die Spartaner. Die meisten Einheimischen sind eine Mischung aus Indiandern, Afrikanern (die Spanier holten afrikanische Sklaven hierher, um nach Perlen zu tauchen) und Europaeern. Auf den Doerfern ueberwiegt klar das indianische Element.
Es ist noch nicht lange her, dass Margarita sich zum internationalen Tourismusziel entwickelt hat. Noch vor wenigen Jahren war es eine abgelegene, verschlafene Insel und muss auf einmal mit all den negativen
Seiten des Tourismus fertigwerden (mangelhafte Infrastruktur, Verbrechen etc.). Man denkt nun sogar allen Ernstes daran, es ueber eine Bruecke mit Puerto La Cruz auf dem Festland zu verbinden - 70 km...
Nachdem wir noch einmal kraeftig Proviant in einem gigantischen Supermarkt eingekauft haben, fahren wir am 13. Juli ab nach Coche, einer kleinen Insel suedwestlich von Margarita. Kein Wind, das Meer wie ein Spiegel. Wir hissen nur das main stay-Segel und motoren.

Rechts von uns sehen wir rechts die gruenen Bergspitzen von Margarita, dann Cubagua, die Perleninsel, heute unbewohnt;  links den Gebirgszug der Araya-Halbinsel auf dem Festland und dann die Nordkueste von Coche mit ihren bizarren Sandsteinfelsen.
Nachdem wir die NW-Spitze von Coche mit ihrer gefaehrlichen, nur 1.80 m tiefen Sandbank , die 1.5 Meilen ins Meer hineinragt, umschifft haben, kommen wir gegen Mittag bei San Pedro, dem Hauptort von Coche an. Wir fahren vorsichtig durch das seichte Wasser, umrunden  all die  Fischerboote und ihre Netze und ankern schliesslich vor dem Paradise Resort noerdlich von San Pedro, das in der wuestenartigen Landschaft wie eine Oase wirkt: palmengedeckte Haeuser liegen versteckt zwischen Palmen und lila Bougainvilleas am pudrigen weissen Strand, der sich kilometerlang entlang der Kueste erstreckt. Es liegen schon 9 andere Yachten hier, alles Deutsche, die wir schon aus Margarita kennen.
Leider sind auch 3 Touristenkatamarane aus Porlamar hier, deren Gaesten es einen Mordsspass macht, mit Jetskis um die Boote zu rasen und einen Hoellenlaerm zu machen. Ganz toll finden sie es, dabei rueckwaerts auf dem
Sitz zu hocken. Skip stehen die Haare zu Berge; wie leicht koennen sie uns rammen oder sich in der Ankerkette verheddern. Gott sei Dank hoert der Spass um 16 Uhr auf, als sie alle zurueckfahren. Paradiesische Ruhe, bis um 19 Uhr - im Dunkeln - Hubschrauber tief und ohne Licht zwei Stunden lang ueber unsere Mastspitzen knattern.
Am naechsten Tag lassen wir das Dinghy in der Obhut von 2 Jungens am Strand und nehmen ein uraltes Chevrolet-Taxi mit enormen Lausprecherboxen nach San Pedro, kostet einen Euro. San Pedro ist ein sehr weitlaeufiger Ort mit bunten einstoeckigen Haeusern und breiten Strassen, alles ist sehr ordentlich und sauber. Sie haben neuerdings auch Kanalisation und eine Klaeranlage, auf die sie sehr stolz sind. Wir kaufen
Eier, Kuerbis und Brot und machen dann eine Inselrundfahrt: alles ist trocken und wuest, nur die Kakteen gedeihen hier. Ueber uns kreisen die Geier.
Zuerst fahren wir an die Playa El Amor, wo uns eine Horde Kinder empfaengt, die uns Muscheln schenken und uns die Sandsteinfelsen hinunter zum Strand fuehren, um uns den Elefant zu zeigen.Wind und Wetter haben das weiche Gestein ausgehoehlt und Skulpturen geschaffen in ocker, rot, braun und gelb.
Die Leute hier brechen sich kleine Stuecke heraus und reiben sich den Koerper damit ab, um die Haut geschmeidig zu machen. Die Kinder sind sehr gut erzogen, neugierig und helle. Sie nennen uns die Namen von all den vielen Muscheln, mit denen der Strand uebersaet ist. Es macht grossen Spass, mit ihnen zusammen zu sein.
Wir fahren durch Bichar, ein anderes Dorf, wo die Kommunionskinder in weiss durchs Dorf ziehen - es ist das Fest der Virgen del Valle. Im Schatten der Baeume vor ihren Haeusern doesen die Menschen in ihren Haengematten. Ein paar Kilometer weiter zeigt uns der Taxifahrer den Muschelfriedhof: Berge von Muscheln, die die Leute verzehrt haben. Von den Muschelhuegeln aus bietet sich uns ein grossartiger Blick auf El Saco, eine grosse Mangrovenbucht, die einen guten Schutz vor einem Hurrikan bietet.  Als Segler sollte man sich immer beizeiten nach solchen hurrican-holes umsehen, fuer den Fall eines Falles.
Zum Schluss fahren wir an den ausgedehnten Salinen vorbei, am kleinen Flughafen und der Eisfabrik. Das sind mit den drei Hotels und der Fischerei (das Meer brodelt hier buchstaeblich mit Fischen) die einzigen
Einkommensquellen der Menschen hier. 12000 leben auf der Insel, noch, denn die Geburtenrate ist sehr hoch. Wie ueberall in der Karibik sticht einem der enorme Anteil junger Leute ins Auge, und wir fragen uns, wie deren Zukunft wohl aussehen wird.


Am 20 Juli hissen wir alle Segel und fahren nach Cumana, der Stadt am Eingang zum Golfo de Cariaco suedwestlich von Coche auf dem Festland. Es ist sonnig, wolkenlos, das Meer glatt, eine gute Brise. Wir werfen die Angel aus, und schon nach wenigen Minuten zappelt ein ziemlich grosser Fisch an der Leine, ein ladyfish. Dani sprayt ihm Gin in die Kiemen, bis er einigermassen sanft entschlaeft. Leider ist er nicht so schmackhaft, wie wir uns das gewuenscht haetten.
Uf der Ueberfahrt halten wir staendig Ausschau nach verdaechtigen Booten, denn wir befinden uns ja mitten im Piratenland. Aber wir sehen nur kleine Frachtschiffe, Fischerboote und Faehren. Einmal kommt ein Fischkutter in
voller Fahrt auf uns zu, wir weichen aus, er manoevriert auch und kommt wieder direkt auf uns zu; an Bord kein Mensch zu sehen. Skip blaest ein paarmal kraeftig ins Nebelhorn; daraufhin springt eine Gestalt hinters
Steuer und dreht endlich ab.
Nachmittags kommen wir bei kraeftigem Wind in Cumana  an und finden nach einigem Suchen die sehr schmale und erst auf den allerletzten Metern markierte Einfahrt in die Marina Cumanagoto, wo wir am Dock festmachen,
direkt neben einem Kuestenwacheboot. 9 Euro pro Tag, Wasser und Strom inclusive, gut bewacht und mit einem grossen modernen Einkaufszentrum direkt nebenan.
Unser erstes Ziel am naechsten Morgen ist der gigantische Markt mit einem breiten Angebot an Obst und Gemuese. Cumana, die Hauptstadt der Provinz Sucre, ist im Zentrum eine ganz huebsche Stadt mit zwei lebhaften
Einkaufsstrassen, schattigen Baeumen und einem Spazierweg am Fluss Manzanares entlang.
An der Peripherie gibt es sehr arme und anscheinend gefaehrliche Viertel, aber auch ein barrio alto mit luxurioesen Villen, die rund um die Uhr bewacht werden. Wenn man durch die Stadt laeuft, ist es ratsam, nichts
Wertvolles dabei zu haben, also keinerlei Schmuck, Uhr, Kamera, Handy, Tasche. Wir fuehlen uns OK, vielleicht auch weil wir spanisch sprechen und die Leute sehr freundlich und hilfsbereit sind. Man muss halt staendig auf
dem qui vive sein und seine Umgebung genau beobachten.
Die Leute leiden selber sehr unter der Armut, Unsicherheit und Kriminalitaet , die nicht sein muessten, denn Venezuela ist ein sehr reicher Oelstaat.
Allerdings kommt der Reichtum beim kleinen Mann nicht an. Unter dem linken Regime von Chavez hat sich ein Staatskapitalismus  mit ueblen Folgen etabliert: schwerfaellige bis unfaehige Verwaltung, Korruption,
Vetternwirtschaft, Zusammenbruch von privaten Unternehmen, Einschraenkung der Pressefreiheit, parteiische Justiz, korrupte Polizei und Militaer usw.usf. Ueberall muessen die Leute Schlange stehen, in der Bank, in den
Behoerden, an der Fleischtheke etc.
Das Klima hier ist tropisch und sehr feucht, aber abends weht meist ein frischer kraeftiger Ostwind. Im Schiff ist alles feucht, Matratzen, Kissen und Kleidung sind klamm, und wenn wir sie nicht alle paar Tage zum Trocknen
in die Sonne legen, schimmeln sie.
Wir schleifen  und lackieren mal wieder Reling, Deckhaus und Masten. Skip sucht die boatyards, Schreinereien und Nautikgeschaefte ab nach notwendigen Ersatzteilen- was jedesmal eine interessante Tour durch das Labyrinth der
Stadt wird. Er kommt immer ganz zufrieden mit seinen Entdeckungen zurueck.

 


CHAP XIV. Puerto  Real  und  Laguna  Chica 

PUERTO  REAL  und  LAGUNA  CHICA  (Araya-Halbinsel, Golf von Cariaco)

10º 33.8 N                   10º 34.0 N
64º 07.6 W                   64º 04.6 W

Nach zwei Wochen in Cumaná beschliessen wir, am Donnerstag, 3. August weiterzufahren, so dass wir nicht noch ein Wochenende die miese und laute Live-Musik aus der Retro-Bar mit anhoeren muessen.
Um 10.30 segeln wir also Richtung Puerto Real auf der Nordseite des Golfs auf der Araya-Halbinsel. Es ist fast windstill, und wir setzen das "eiserne Segel", um die acht Meilen hinueberzufahren. Um die Einfahrt in die Bucht
von Puerto Real befinden sich ausgedehnte Untiefen, die sich viel weiter ins Meer erstrecken als auf den Karten ver-zeichnet, wie wir spaeter herausfinden.
Die Bucht selber geht tief ins Land hinein und endet an einem weissen sandigen Strand mit einer riesigen graugruenen Palme, deren Wedel steif nach oben ragen. Das winzige Fischerdorf sitzt auf einer schmalen Landzunge direkt am Eingang. Wir drehen eine Runde durch die Bucht und fahren dann weiter Richtung Laguna Chica, die kleine Lagune.
Auf dem Weg aus der Bucht heraus wird es auf einmal so flach, dass wir sanft auf Grund laufen.. Auf der Karte ist diese Stelle nicht markiert, und Dani, der am Bug Ausschau hielt, hat es auch erst im allerletzten Augenblick
gesehen und nicht verhindern koennen. Aber wunderbarer Weise beschaedigen wir den Kiel nicht- im Gegenteil: der leichte Druck auf den Kiel beseitigt die kleine Lekage, die wir hatten, und seither muessen wir kein Wasser mehr aus der Bilge pumpen!
Wir fahren 3 Meilen weiter nach Osten, bis wir die versteckte Einfahrt in die Laguna Chica finden, eine Bucht  etwa eine ¾ Meile lang und 1/8 Meile breit. Wir ankern auf der oestlichen Seite in etwa 8 Metern Tiefe.
Wir sind die einzige Yacht hier in dieser traumhaften Bucht, deren Kueste ueppig gruen bewachsen ist. Dieses Gruen hebt sich lebhaft ab von dem Blau des Meeres und dem Rostrot und Grau der kahlen Huegel im Hintergrund. Es ist ein prachtvolles Farbspiel, besonders am fruehen Morgen, spaeten Nachmittag und nach Regen.
Am Ende der Bucht liegt ein kleines Fischerdorf mit einigen verstreuten Haeusern, die umgeben sind von Kokospalmen, riesigen Mangobaeumen und allen moeglichen Arten von tropischen Obstbaeumen, in deren Schatten sich die Leute in Haengematten erholen. Es gibt eine winzige Kapelle fuer die Virgen de El Valle, Patronin der Fischer, zwei ebenso winzige Laedchen mit dem Allernoetigsten und eine kleine Bootswerft, wo sie die typischen Fischerboote mit dem hohen spitzen Bug bauen. Und natuerlich gibt es auch eine Bar, wo sich ganz selbstverstaendlich Ziegen, Schweine, Haehne und Hunde unter die Gaeste mischen.
Nach ein paar Stunden kommen ein paar Kinder angerudert und bringen uns einen grossen Eimer voller Mangos und Icacas (kleine weisse, champignonartige Fruechte). Wir unsererseits schenken ihnen Buntstifte und
etwas Zucker, denn sie erzaehlen uns, dass es im Augenblick in Venezuela keinen Zucker gibt und dass sie morgens ihren Kaffee bitter trinken muessen.
Nach Sonnenuntergang hoeren  wir das Lachen und Singen der Kinder ueber das Wasser hallen; sie tanzen vor ihren Haeusern, springen ab und zu ins Wasser und scheinen sich koestlich zu amuesieren.
Am Sonntagmorgen rudern wir an Land und wandern ueber die rote, staubige Strasse ueber den Huegel nach Langoleta, das Hauptdorf  in dieser Gegend.Die Strassen sind eng und gesaeumt von riesigen schattigen Baeumen. Die Leute sitzen auf kleinen Stuehlen vor den bunten einstoeckigen Haeusern und starren uns an, als ob wir von einem anderen Planeten gefallen waeren. Aber dann, nach dem ersten Schreck, sind sie sehr freundlich, gruessen und sprechen mit uns und wollen, dass wir sie fotografieren. Langoleta ist ein gemuetliches Dorf mit einem ziemlich grossen Dorfplatz und einer kleinen Kirche, vielen bunten Fischerbooten am Strand, Netzen entlang dem Wasser, kleinen Werften, und ueberall Huehner, Schweine und Hunde.
Als wir zurueck auf dem Schiff sind, rudern ein paar Jungs heran und fragen, ob wir ihnen eine Tauchermaske leihen koennen. Nach ein paar Stunden  kommen sie zurueck mit einem Eimer voll Muscheln, die sie uns schenken wollen, aber wir ueberlassen sie ihnen, weil wir denken, dass sie sie fuer ihre Familien brauchen.
Nach etwa einer Woche gehen uns einige Lebensmittel aus, und es ist fast unmoeglich, etwas zu kaufen. Man muss auch wissen, wann man z.B. an einem bestimmten Ort sein muss, um den Lastwagen zu erwischen, der Gemuese
verkauft. Der Wagen rollt langsam vorbei, waehrend der Lautsprecher droehnt "Zwiebeln, Gemuese, kauft eure Vitamine!" und die Leute aus ihren Haeusern stuerzen und ihn anhalten. Unter diesen Umstaenden beschliessen wir, nach Cumaná zurueckzufahren und uns fuer unser naechstes Ziel zu ruesten.
Am Dienstag, den 8. August, nach einem spektakulaeren Sonnenaufgang mit einem doppelten Regenbogen ueber der Kueste von Cumaná machen wir uns auf den Weg. Fast die ganze Strecke begleiten uns etwa 30 Delphine, die mit uns spielen, von einer Seite des Schiffs zur anderen tauchen und hoch aus dem Wasser springen. Das macht ihnen so viel Spass, dass sie noch nicht einmal die Schwaerme von Sardinen, die das Wasser unweit des Schiffs brodeln lassen, beachten.
Um 10.30 machen sind wir in Marina Cumanagoto am Dock, angeschlossen an Wasser und Strom, bringen die Waesche weg, duschen und gehen einkaufen.
 


CHAP XV. Laguna Grande

L A G U N A  G R A N D E          10º 34  N         64º03  W

Von Cumanà aus fahren wir am Montagmorgen, 14.8., frueh mit einem "por puesto" Taxi nach Puerto La Cruz, ca. 80 km westlich  Richtung Caracas, fuer 3.50 Euros. Im uralten klapprigen Strassenkreuzer - vorn Skip und ich,
hinten eine dreikoepfige einheimische Familie - schaukeln wir die steile kurvige Kuestenstrasse entlang ueber gruene Berge mit Regenwald und atemberaubenden Blick auf Buchten und Inseln vom Mochima  Nationalpark und
das karibische Meer.
Kurz vor Puerto La Cruz streikt unser Vehikel. Kurz darauf haelt ein anderes Taxi vor uns - der Elekriker! Was fuer ein Glueck! Er improvisiert irgendetwas mit den Draehten und Isolierband, und tatsaechlich schaffen wir
es bis zum Busbahnhof.
Wir erledigen einige Sachen in der Stadt und gucken uns dann die Marina Bahìa Redonda an - ein Treffpunkt fuer Yachties aus der ganzen Karibik in der Hurrikan-Saison. Es ist eine huebsche parkartige Anlage mit riesigem
Pool, gemuetlicher Bar (wo wie wild Domino gespielt wird), Geschaeften, Restaurant, aber auch ein "gated ghetto", rigoros gesichert mit Zaeunen und Wachen, denn sie liegt direkt neben einem sehr unsicheren Viertel, und ab und zu gibt es Ueberfaelle und Schiessereien. Die Marina in Cumaná ist zwar auch streng bewacht, aber immerhin koennen wir zu Fuss in die Stadt laufen, waehrend man sich in Bahìa Redonda eigentlich nur per Taxi bewegen kann.
Als wir zum Busbahnhof zurueckkommen, erfahren wir, dass die Strasse nach Cumanà wegen Bauarbeiten total gesperrt ist. Wir warten und warten und nehmen schliesslich einen hochkomfortablen Bus mit Klimaanlage, der nach 3 Stunden in der Schlange fahren in Cumanà ankommt.
Am 15.8. ueberqueren wir wieder den Golf von Cariaco, um diesmal in der Laguna Grande zu ankern. Die Delphine begleiten uns wieder fast die ganze Strecke. Wir motoren, denn es ist windstill.
Laguna Grande ist ein riesiges Areal mit vielen kleinen Buchten, an deren Ufern gruene Mangroven wachsen. Sie ist das ideale Hurricane-hole und ein maerchenhafter Ort mit menschenleeren hohen roten Bergen, die nur mit
einigen Dornbueschen und Kakteen bewachsen sind. Die  Taeler dagegen sind ueppig gruen, und einige Buesche bluehen jetzt eidottergelb.
Wir fahren die ganze Lagune ab und ankern schliesslich in einem schmalen Kanal zwischen einer Insel und dem Festland. Gegenueber von uns sehen wir in einem Kaktus ein Adlernest. Es ist wie eine Haengematte gebaut und darin sitzen 2 kleine Adler, die ununterbrochen von ihren Eltern gefuettert werden. Drumherum flitzen grasgruene Papageien. Wir hoeren einen Specht und sehen den Pelikanen zu, wie sie kopfueber ins Wasser plumpsen, um sich einen Fisch zu ergattern, unermuedlich, bis es zu dunkel wird.
Wir koennen die ganze Lagune ueberblicken und sehen hinter der schmalen Einfahrt die Berge vom Festland und abends ein paar Lichter vonCumanà. Bei Sonnenauf- und untergang, bei Regen und Sonne bietet sich uns ein
phantastisches Schauspiel: die wuestenartige Landschaft aendert staendig ihre Farben und spiegelt diese im Wasser wider. Ab und zu kommen Fischer vorbei, um in den Mangroven Muscheln zu suchen. Die Leute der Gegend kennen uns inzwischen und moegen uns, denn wir haben von einigen Fotos gemacht und sie ihnen mit der Faehre geschickt.
Am Wochenende kommt ein Pulk von 9 amerikanischen Yachten an. Sie ankern alle in unserer Naehe, machen einen Besuch mit ihren Dinghies und laden uns zur happy hour ein. Nette Leute, alles Ehepaare, die nach ihrer
Pensionierung auf dem Schiff leben.Viele sind schon jahrelang in der Karibik unterwegs. Sie sind alle etwas aengstlich, weil sie wenig spanisch sprechen, weil die politische Situation zwischen Venezuela und den USA z.Zt. nicht so gut ist und weil sie die Piraten fuerchten. Nach 2 Tagen sind wir wieder allein. Es ist wieder ruhig, nur die Tauben gurren, Adler ziehen ihre Kreise und grosse gelbgruene und rotbrraune Schmetterlinge landen auf dem Deck.
Nachts glitzert das Wasser wie die Milchstrasse. Wenn man es mit dem Paddel aufwuehlt, leuchtet es wie ein Lichtschweif! Wenn die kleinen Wellen ans Ufer schwappen, funkeln sie wie Phosphorkissen.
Am schoensten ist die Morgendaemmerung bevor die Sonne aufgeht. Das Wasser ist silbern und glatt wie ein Spiegel, es ist absolut still. Die Huegel sind schwarz, und man sieht gerade noch einen Hauch vom abnehmenden Mond.
Wir wollen auf einen  Berg wandern, aber im Tal auf dem Weg dorthin sehen wir uns vor einer absolut undurchdringlichen Wand von Dornenbueschen und Kakteen. Es gibt hiere keine Wege, nur Ziegenpfade, und sogar die Ziegen koennen nicht durch diese Vegetation hindurch. Man kann nur auf dem hoeheren Teil der Berge laufen, wo es zu trocken wird fuer die meisten Pflanzen. Aber man kann nicht durch die Taeler! Wir versuchen es an verschiedenen Stellen und geben dann auf.
Am 22.8. fahren wir zurueck nach Cumanà um Obst und Gemuese einzukaufen, diesmal fuer ein paar Wochen auf Vorrat. U.a. erstehen wir gruene Kochbananen, gruene Ananas, unreife Avokados und eine riesige Wassermelone
von 10 kg in Form einer grossen Gurke. Im Augenblick sitze ich zwischen zwei Buescheln von unreifen Bananen und neben mir in der Kiste liegen die Mangas (=grosse Mangos) und reifen, hoffentlich.
Der Wetterbericht hoert sich z.Zt etwas bedrohlich an. Von den Kapverden naehert sich ein Hurrikan den ostkaribischen Inseln, und von Trinidad bewegt sich ein Zyklon auf unsere Kueste zu. Fuer alle Faelle haben wir die Jib (Vorsegel) geborgen, das Bimini und das Verdeck ueber dem Deckhaus abmontiert und das Schiff mit noch mehr Tauen gesichert.

 


CHAP XVI. Peninsula de Araya
M E D R E G A L   V I LL A G E   ( Península de Araya)

10º 32.00 N     63º 48.20 W

25.9.06

Vor einem Monat sind wir in oestlicher Richtung von Cumaná abgesegelt. Unser Nachbar Eduardo, Nachfahre von einem Piraten aus der Clique von Stoertebecker, hatte uns ein paar Tips gegeben, wo wir im Golf von Cariaco sicher ankern koennen. Die Kueste ist fast menschenleer, nur ab und zu sieht man einige Fischerhuetten und Fischerboote.Die winzigen Buchten erschienen uns alle entweder zu wenig geschuetzt oder zu riskant in der Nacht, wir haetten dort nicht ruhig schlafen koennen.
Also fuhren wir weiter bis Medregal Village, ein Treffpunkt fuer Segler nicht weit vom oestlichen Ende des Golfs. Ein Belgier, Jean-Marc, hat da vor einigen Jahren ein kleines Hotel gebaut; es ist eine huebsche Anlage mit palmengedeckten Bungalows, gepflegten Gartenanlagen, Pool, Restaurant, Bar und - wichtig fuer die Boaties- Duschen. Viele Segler lassen ihr Boot hier vor Anker liegen und reisen monatelang durch Suedamerika oder nach Hause, waehrend sich Jean-Marc um das Schiff kuemmert. Er ist auch gerade dabei, einen Boatyard zu installieren, wo die Leute ihr Schiff aus dem Wasser holen und Reparaturen ausfuehren (lassen) koennen. Nachts patroullieren bewaffnete Wachen durch die Gegend. Es ist ein sicherer, beliebter Ort in einer ansonsten sehr unsicheren Gegend.
Ausserdem ist die Landschaft schoen: spitze gruene Berge, wie auf einer Kinderzeichnung, und ein schmaler ebener Kuestenstreifen, leider mit vielen Sumpfgebieten, wo es wunderschoene scharlachrote Ibisse gibt , aber auch viele Moskitos, die widerlich stechen. Gott sei Dank kommen sie nicht bis zum Schiff, wenn man weit genug draussen ankert.Aber wenn ich abends an Land gehe, dann nur mit Jeans, Stiefeln und langaermeligem Hemd.
Der Nachteil von Medregal ist, dass es buchstaeblich am Ende der Welt liegt.
Die Strasse von Cariaco bis hierhin ist zunaechst gut, wird dann aber immer schlechter, und die letzten Kilometer sind ein Slalom vorbei an Riesenkratern  und ein vorsichtiges Durchfahren von Graeben.
Das naechste Dorf liegt etwa 10 km entfernt, und es gibt weder Busse noch Taxis. Die Strassen im Dorf sind nur Wege, die meisten unpassierbar fuer Fahrzeuge. Im Dorf findet man fast nichts, es ist sehr sehr arm. Aber Strom
haben sie, auch eine Kirche und eine Schule, aber kein fliessendes Wasser.
Das muss in Tonnen per Fischerboot von  weither geholt werden.
Jean-Marc faehrt seine Gaeste in seinem Toyota Landcruiser mittwochs nach Cumaná, freitags nach Carúpano und samstags nach Cariaco.
Nachdem wir uns so lange in Cumaná und dem wuestenaehnlichen westlichen Teil der Araya-Halbinsel aufgehalten haben, ist es ein Vergnuegen, durch die ueppige tropische Landschaft  nach Carúpano am karibischen Meer zu fahren.
Leider koennen wir nicht an dieser schoenen Kueste entlang segeln, weil sie eine der gefaehrlichsten in der Karibik ist.
Carúpano ist eine kleine, quicklebendige Stadt, vor allem am 1. und 15. jeden Monats, wenn die Leute ihren Lohn kriegen und einkaufen koennen.
Nachdem wir schon nach einer Stunde Warten (30 Personen vor uns) unser Geld in der Bank bekommen haben (normalerweise steht man mindestens 4 Stunden in der Schlange), schlendern wir durch die Stadt, d.h. schlendern kann man hier nicht. Alle Buergersteige sind voller Staende, man faedelt sich zwischen ihnen durch. Die Trottoirs haben oft tiefe Loecher und sind manchmal einen halben Meter hoch, so dass man eher von einem Hindernislauf sprechen koennte.
Wir laufen bis zum Meer, von da zum Markt an der Peripherie und zurueck zur Plaza Cristóbal, wo wir uns in den Schatten der Baeume setzen und den Schuhputzern zugucken, wie sie Wanderstiefel mit Buerste und Seife
bearbeiten.
Es gibt erstaunlich gute Supermaerkte hier, Eisenwaren- und Nautikgeschaefte.Sogar einen Flughafen haben sie, wo an diesem Morgen auch Rosales angekommen ist, der Praesidentschaftskandidat der Opposition. Der
hat hier allerdings keine Chance, hier sind fast alle stramme Chavistas.
Klar, fuer die ganz Armen tut Chavez einiges, und das wollen sie nicht verlieren.
Carúpano war vor noch nicht allzulanger Zeit eine sehr unsichere Stadt. Das hat sich dann aber radikal geaendert, nachdem sich die beiden Mafia-Clans gegenseitig ausgemerzt haben. Seither ist Ruhe.
Was auffaellt sind die vielen arbeitslosen Jugendlichen (40% der Bevoelkerung unter 20 Jahre) und die elenden Ranchos (Huetten) besonders am Rand der Stadt.
Auf dem Rueckweg muessen wir nicht nur 9 Leute, sondern auch noch all die Tueten, Taschen und Kisten zwischen unseren Beinen und auf den Baenken verstauen. Wir sitzen wie die Sardinen in der Buechse, und das bei einer unertraeglichen Hitze. Jedes Mal, wenn wir ueber eine Bodenschwelle hopsen, stoehnen alle im Kollektiv und halten Eierkartons, Bierkisten, Holzbretter und Benzinkanister in Schach. Die Eiskisten fangen an zu lecken, das Fleisch   faengt an zu stinken.
VieleLeute fragen sich, was wir mit unserer Zeit  machen; z.B. in Carúpano einkaufen zu gehen ist ein 12stuendiger Ausflug, 2 Stunden Fahrt hin und 2 Stunden Fahrt zurueck. Es kann sich noch viel laenger hinziehen, wenn man an einer der vielen Polizeikontrollstellen angehalten wird.
An einem  Samstagmorgen fahren wir die paar Kilometer nach Cariaco auf den Markt, 45 Minuten. Der Markt ist riesig fuer das kleine Dorf, und vollgepackt. Die Leute schieben sich durch die dunklen, ueberdachten Gaenge.
Gerade haben wir als letztes rote Paprika gekauft und bezahlt, als ein aelterer Mann neben Skip seine Tuete mit kleinen Paprika fallen laesst.
Waehrend Skip sich bueckt, um sie aufheben zu helfen, klaut ihm der Komplice von hinten sein ganzes Geld aus der vorderen Hosentasche- keine kleine Summe. Eine perfeckte Falle. Als Skip sich umsieht und nach dem Dieb sucht, ist der und auch der alte Mann schon ueber alle Berge, in Sekundenschnelle.
Das war eine Lektion fuer uns:  zeig nie, wieviel Geld du dabei hast, und lass es nie los, auch nicht, um jemandem zu helfen.
Um diese Zeit im Sommer feiern die Leute im Golf von Cariaco die Virgen del Valle, die Patronin der Fischer. Sie kleiden sie staendig neu ein und fahren sie auf den geschmueckten Kuestenwacheschiffen von einem Dorf zum anderen.
Fischerboote begleiten die Prozession, Bands spielen Musik und an Land  wird abends getanzt bis spaet in der Nacht.In Medregal Village hatten wir eine gute Zeit. Es waren etwa 20 Yachten da, aus Kanada, USA, Schweden, Belgien, Frankreich, England, Neuseeland etc.etc.
Wir haben Barbecues gemacht, und Potlucks, wo jeder ein Gericht mitbringt. Viele der Segler sind schon seit Jahren in der Karibik und haben natuerlich ungezaehlte Geschichten auf Lager. Es hat uns gut gefallen, aber man muss auch aufpassen, dass man nicht zu laidback wird und der "port rot" einsetzt.
Ein Paar ist vor 11 Jahren von Florida zu einer Weltumsegelung aufgebrochen und hat es bisher bis Venezuela geschafft.
Jetzt sind wir also wieder in Cumaná, nur fuer ein paar Tage, und dann geht es Richtung Kolumbien und Panama. Die Hurrikane haben dies Jahr die Karibik verschont, Gott sei Dank. Wir hoffen, dass auch die letzten beiden Monate Oktober und November glimpflich ablaufen.

 


CHAP XVII. Mochima, El Oculto, Puerto la Cruz


M O C H I M A  , E L  O C U L T O        10º 20.95  N    64º 20.35  W

P U E R T O  L A  C R U Z                       10º 12.80 N     64º 40.20  W


Am 29. Sept. Motoren wir von Cumaná ab Richtung Westen, 12 Seemeilen bis zum Mochima Nationalpark, einem Naturschutzgebiet mit vielen Inseln, geschuetzten Buchten und Straenden. Es darf hier nicht gebaut werden, nur
die Fischer koennen die schon vorhanndenen Camps nutzen. Der suedliche (Festland-) teil des Parks ist dicht bewaldet, weil es dort nachmittags regnet; aber bis zu den Inseln kommt der Regen nicht, und sie sind deshalb
trocken und spaerlich bewachsen mit Kakteen und Dornengestraeuch.
Um 11 Uhr umrunden wir die bizarren Felsformationen am Eingang zur Bucht von Mochima, und 1 Stunde spaeter ankern wir vor Puerto Viejo de Mochima, einem kleinen Fischerdorf . D.h. es sieht aus wie ein Fischerdorf, aber seit sie vor einigen Jahren eine Strasse dorthin gebaut haben, leben die Leute hier eher vom Tourismus. Die Fischerboote werden als Wassertaxis benutzt und bringen die Touristen an die Straende in den vielen Buchten.
Das Dorf selbst besteht aus anderthalb Strassen und ein paar Haeusern, in denen man Zimmer mieten kann. Es gibt zwei Obst- und Gemuesebuden - eine mit halbverfaulten Waren und die andere mit Oeffnungszeiten je nach Bedarf: wenn die Señora genug eingenommen hat fuer den Tag, macht sie zu; ein paar Restaurants, ein paar Arepa-Staende, keine wirkliche Bar - jeder kauft sich die Getraenke im Geschaeft und trinkt auf der Strasse.
Die Leute versuchen, das Dorf sauber zu halten, das ist etwas Unerhoertes hier. (Generell ist Venezuela ein Riesendreckhaufen) Man sieht, dass sie sich Muehe geben; sie pflanzen Baeume und Straeucher, kehren die Wege,
streichen die Gebaeude in bunten Farben.
Am Ende des Dorfes stossen wir auf das "Haus im Tal" (auf deutsch), ueber und ueber bemalt mit Alpenszenen , Indianern am grossen Fluss etc. Der Besitzer ist offenbar deutscher Abstammung, sein Name ist Hans.
Es liegen sechs Boote vor Anker, die Bucht ist wunderschoen, umgeben von Mangroven und gruenen Huegeln. Wir fuehlen uns wie auf einem grossen See, denn das offene Meer koennen wir von hier aus nicht sehen. Unter der Woche ist es hier ziemlich ruhig, aber am Wochenende ist die Hoelle los.
Ununterbrochen rasen die Fischerboote ueber die Bucht, und vom Dorf her schallt bis in die fruehen Morgenstunden Reggaeton, wie sie hier die karibische Diskomusik nennen.
Um diesem Laerm zu entgehen, fahren wir am Freitag ein bisschen weiter westlich um die Manare-Halbinsel herum in die El Oculto- Bucht. Wir sind dort eigentlich nur 2 km weg von Puerto Viejo, aber es ist das andere
Extrem; es gibt nur ein Fischercamp hier, und es herrscht absolute Stille.
Ausser uns liegt noch eine englische Yacht hier, sonst gibt es keinen Verkehr. Abends geht der Vollmond ueber den Huegeln auf und es ist, als haetten wir das ganze Land fuer uns allein.
Nach einer friedlichen Nacht machen wir uns am naechsten Morgen auf nach Chimaná Secunda, einer anderen Insel des Parks. Es soll da ein Restaurant geben, wo auch Baumboas zum Essen hingehen (?) - das wollen wir doch unbedingt sehen. Da es windstill ist, motoren wir 3 Stunden durch die Inselgruppe; wir sind das einzige Schiff weit und breit.
Als wir uns Chimaná naehern, sehen wir schon von weitem die vielen Schiffe in der Bucht (es ist Samstag) und beschliessen, bis Puerto La Cruz durchzufahren.
Ausserhalb von Puerto La Cruz gibt es den El Morro- Komplex, wo sie aus einem Sumpfgebiet ein Areal mit Marinas und Urbanisationen gemacht haben.
Wir kontaktieren die Maremares-Marina ueber VHF, und am Eingang des Kanals wartet auch schon Dinghy mit einem Lotsen auf uns.
Verglichen mit El Oculto sind wir wirklich auf einem anderen Planeten gelandet! So eine marine Urbanisation haben wir noch nie irgendwo gesehen: Kanaele ueber eine Strecke von 10 oder mehr Kilometern, flankiert von bunten 2-stoeckigen Haeusern mit Terrassen davor und privaten Docks und Yachten.
Ein Gemisch von Stilen, von venezianisch (Venezuela bedeutet ja Klein-Venedig.)bis ultramodern, aber insgesamt nicht uebel und voller Leben.
Staunend fahren wir an all dieser Pracht vorbei - je weiter wir vordringen, umso luxurioeser wird es: grosszuegige Anwesen mit tropischen Gaerten, ein Golfplatz. Und schliesslich unsere Marina, die ein Teil des 5-Sterne Hotels Maremares ist. Das Lotsendinghy gibt unserem Schiff noch einen letzten Schubs, und wir sind an unserem Platz.
Um uns anzumelden, gehen wir den Steg entlang, ueber eine schwindelerregende Haengebruecke, die den Pool (4 Mio Liter.) ueberspannt, durch den Garten voller bluehender und duftender Frangipanibaeume in die gigantische kuehle Lobby. Whow! Der Service ist komplett: man kann sich das Fruehstueck aufs Boot/ ans Bett bringen lassen, wenn man es bezahlen will. Wir begnuegen uns lieber mit dem Sondertarif fuer Yachties.
Puerto La Cruz ist eine wohlhabende Stadt (Oel!), und viele reiche Venezolanerhaben hier ein Haus und Schiff. Es sit auch ein bevorzugtes Touristenziel fuer Einheimische, und Segler aus der ganzen Karibik kommen waehrend der Hurrikansaison hierher.
Maremares ist nur eine von vielen Marinas. Sie haben etwa 60 Plaetze, von denen die meisten von US-Schiffen belegt sind.Die Amerikaner bilden eine Gemeinschaft mit regem sozialen Leben; sofort werden wir zu einem Potluck eingeladen, zu Barbecues und Parties.
Das gute an Maremare ist, dass man ausserhalb des Hotelgelaendes zur Caribbean Mall laufen kann, und dass es sichere Strassen mit Geschaeften, Restaurants und Bars in der Naehe gibt. Zur Plaza Mayor Mall kann man mit
dem Dinghy fahren, man sollte es aber immer und ueberall mit Ketten und Schloessern sichern. Insgesamt erscheint diese Gegend ziemlich sicher, verglichen mit dem Rest des Landes. Alles ist bewacht hier, rund um die Uhr.
Wir sind mal wieder froh ueber Strom, Waschmaschine, Duschen , Internetanschluss. Am 11. Okt. muessen wir aber leider weichen, weil unser Platz reserviert ist fuer ein anderes Schiff. Am 12. Okt. ist Kolumbustag,
und viele Gaeste kommen fuer ein langes Wochenende - und zum doppelten Preis.
Wir wollen dann weiter die Kueste entlang nach Westen segeln statt wie geplant zu den Inseln Tortuga, Los Roques und Las Aves. Letzte Woche gab es in einer Posada (kleines Hotel) in Los Roques einen schrecklichen Mord, der das ganze Land schockiert hat. Eine junge Italienerin auf Hochzeitsreise wurde im Bett mit einem Kabel stranguliert. Die Moerder entwischten mit einer Kamera. Seither haben wir keine groessere Lust mehr auf paradiesische venezolanische Inseln.

 


CHAP XVIII  

C A R E N E R O ,  P U E R T O  C A B E L L O ,  C H I C H I R I V I C H E

 

  10º 31.65  N                      10º 28.9  N                                  10º 56.0  N

  66º 05.9   W                       68º 01.0  W                                 68º.14.5  W

 

 

Am 11. Oktober nachmittags segeln wir mit sehr gutem Wind ab von Puerto La Cruz, aber ab 22 Uhr muessen wir wieder motoren, weil es vollkommen windstill ist. Kurz vor Sonnenaufgang naehern wir uns der Kueste von Carenero und muessen langsamer fahren und das Tageslicht abwarten, um die Hafeneinfahrt zu finden, denn die Leuchtbojen funktionieren nicht. Ueber 20 groessere Motorboote kommen uns entgegen, sind wohl auf dem Weg nach Tortuga ueber das lange Wochenende. Wir denken, dass der Hafen wohl ziemlich leer sein muss.

Nach einer Meile durch die Einfahrt der Mangrovenbucht ankern wir vor dem Hotel- und Marina-Komplex. Zu unserer Ueberraschung liegen dort noch Hunderte von Motoryachten an den Stegen, entlang der Kaimauer und gestapelt auf em Trockenen. Noch nie haben wir so viele Yachten mit Aussenbordmotoren zusammen an einem Ort gesehen. E s kommt uns so vor, als ankerten wir an einer Bootsautobahn. Aber ab 18 Uhr, als es dunkel wird, ist es sehr ruhig und wir verbringen eine geruhsame Nacht.

 

Das Hotel und die Marina gehoeren einem wohlhabenden privaten Yachtclub, dessen Mitglieder hauptsaechlich aus Caracas kommen. Die Stadt Carenero selbst besteht aus vielen baufaelligen Haeusern, es gibt einige Bars, ein paar Gemuese- und Lebensmittelgeschaefte fast ohne Waren, ein paar Hamburgerstaende und nicht viel mehr. Alles ist heruntergekommen, die Leute sind offensichtlich sehr arm. Der Unterschied zwischen Yachtclub  und Dorf ist krass. Am Tag zuvor haben sie 2 Maenner gelyncht, die versuchten, ein Dinghy zu stehlen.

Mit dem Dinghy erkunden wir die Mangrovenkanaele, die Carenero mit dem groesseren und wohlhabenderen Higuerote weiter suedlich verbinden. Die Gegend ist ein weites, etwa 6 Seemeilen  grosses Labyrinth aus Kanaelen und Inseln, wo tausende von Voegeln wie in einem Paradies leben: Pelikane, Kormorane, Kraniche, Fregattvoegel und die wundervollen scharlachroten Ibisse.

Wir motoren etwa die Haelfte der Strecke, setzen Dani an Land ab, so dass er einen Bus nach Higuerote nehmen kann, und beschliessen, umzukehren , damit wir es mit dem wenigen Diesel zurueck zum Schiff schaffen. Aber nach 2 Meilen geht uns der Treibstoff aus und wir muessen den Rest des Wegs paddeln, in drueckender Hitze und gegen die hereinkommende Flut.

Ein anderes Mal fahren wir in der anderen Richtung in die Mangroven, dismal aber mit vollem Kanister. In den Mangroven kann man wunderbar Voegel beobachten, vor allem am spaeten Nachmittag, wenn sie alle an ihre Nistplaetze zurueckfliegen. Wir versuchen gute Bilder vom rotten Ibis zu machen, aber irgendwie – nachdem wir es endlich geschafft haben- gehen sie auf dem Weg von der Kamera in den PC verloren. Der Ibis laesst sich nicht so einfach fangen…

 

Nach einem Wochenende in Carenero machen wir uns auf den Weg nach Puert Cabello, und, typisch fuer diese Kueste, es ist wieder voellig windstill, und wir muessen motoren, 24 Stunden lang… Um Mittag herum, Dani macht die Wache, Skip schlaeft und Barbara sitzt auf dem Klo, hoeren und fuehlen wir einen Riesenkrach. Wir rasen an Deck und gucken nach achtern und sehen, dass wir einen riesigen Baumstamm gerammt haben, ungefaehr ein Meter im Durchmesser und 7 m lang. Wir schrauben wie wild die Bodenbretter auf, um zu sehen, ob wir einen Wassereinbruch haben. Gott sei Dank sehen wir keinen Schaden,  haben aber seither wieder Wasser in der Bilge. Irgendwas ist etwas aus der Form gegangen, vielleicht eine Naht?

Nachts sind wir umgeben von schweren Gewittern mit riesigen Blitzen, denen wir auszuweichen versuchen. Schliesslich aber geraten wir doch in eins, und es giesst so arg, dass wir unter dem Bimini die Hand nicht mehr vor Augen sehen koennen. Gluecklicherweise haben wir nur das main staysail oben; mit mehr Segelflaeche waeren wir sicher gekentert.

Bei Sonnenaufgang haben wir einen so starken Westwind, dass wir selbst mit Motor nicht mehr vorwaerts kommen. Wir hissen also die Segel und kreuzen langsam die Kueste entlang westwaerts, bis wir am spaeten Nachmittag Ensa Cata erreichen, 14 Seemeilen oestlich von Puerto Cabello. Die Bucht ist sehr malerisch und zu dieser Jahreszeit Gott sei Dank vollkommen leer. Wir springen ins Wasser und schlafen dann sehr ruhig. Am naechsten Morgen, wieder totale Flaute, motoren wir die restlichen Meilen bis Puerto Cabello, dem groessten  Naturhafen in Venezuela, letzte Bastion der Spanier.

Die Kueste von Carenero bis Puerto Cabello ist wunderschoen, tropisch gruen, steil, mit bis zu 3000m hohen Bergen dahinter, tiefen Taelern und vereinzelten Buchten mit weissem Sand. Der alte koloniale Teil von Puerto Cabello ist sehr pittoresk, sie haben die Gebaeude in bunten karibischen Farben  angestrichen, aber wenn man in die Haeuser hineinschaut, sieht man, dass die meisten Ruinen sind. Sehr symbolisch fuer den Zustand des Landes, aussen hui und innen verrottet.

In Puerto Cabello muessen wir ausklarieren und finden raus, dass unser ein-Jahres-Visum, das wir fuer viel Geld in Grenada bekommen haben, anscheinend nicht gueltig ist und wir das Land schon vor einem Monat haetten verlassen sollen. Sie koennten uns die Papiere nicht ausstellen… Nach einigen Stunden des Wartens in der Hafenbehoerde auf den zustaendigen Einwanderungsbeamten, der in einem tollen blauen Landcruiser anrollt, den wir finanzieren helfen, kriegen wir die Papiere aber schliesslich doch, muessen aber das Land innerhalb der naechsten 24 Stunden verlassen.

 

Wir wollen noch zwei Orte in Venezuela besichtigen. Den Morrocoy National Park, ein Mangrovensumpf, der nach unseren Karten mit Bojen markiert ist, und Chichiriviche. Als wir  an der Einfahrt zu dem Sumpf ankommen, sehen wir allerdings, dass die Kanaele weder markiert sind noch mit denen auf unseren Karten uebereinstimmen. Wir versuchen einige Stunden lang, den Weg zu einer der Marinas zu finden, die wir von weitem sehen, laufen dabei auf Grund  (Gott sei Dank Schlamm), fahren dann rueckwaerts wieder heraus, drehen um und fahren wieder ins offene Meer, das voller Baumstaemme ist…

Vier Stunden spaeter versuchen wir, die Hafeneinfahrt nach Chichiriviche zu finden, aber wieder gibt es keinerlei Markierung in dem Labyrinth von Landzungen und kleinen Inseln. Gluecklicherweise erbarmt sich ein Fischer, uns in den Hafen zu lotsen, wo wir vor einer kleinen Insel, dem Cayo Muerto (Toteninselchen), ankern. Ein gutter Name fuer unseren letzten Stopp in Venezuela.

Am naechsten Morgen bringt uns ein Fischer an Land. Chichiriviche ist eine Riesenbaustelle: neue Hafenanlagen werden gebaut, neue Strassen, die Haeuser werden neu angestrichen, Palmen gepflanzt, es kann mal sehr schoen werden. Aber die Leute erzaehlen uns, dass wahrscheinlich alles, ob es nun fertig ist oder nicht, nach der Wahl am 3. Dezember liegengelassen wird.

Am naechsten Tag lassen wir Venezuela endgueltig hinter uns. Der Toern nach Bonaire ueber Nacht ist phantastisch, der Wind weht aus der richtigen Richtung, und im Morgengrauen sind wir schon vor Bonaire. Nachts sehen wir viele Frachter und hoeren einen, den wir dann auch 5 Sekunden lang sehen, als er kurz seine Lichter andreht und dann wieder loescht, etwa 100 Meter hinter uns…Was fuer ein Schreck!!

Als wir in den Windschatten von Bonaire kommen, segeln  wir in toller Rauschefahrt mit 6.5 Knoten bis nach Kralendijk, dem Hauptort von Bonaire.

 


CHAP XIX

B O N A I R E  - K L E I N  C U R A Ç A O  - C U R A Ç A O

 

12º 09 N                11º 59.04 N                             12º 04.67 N

58º 17 W                58º 38.73 W                            58º 57.29 W

 

 

Einklarieren in Bonaire ist eine einfache Sache. Der Zollbeamte ist aeusserst hoeflich und nett. Zuerst sprechen wir englisch mit ihm, aber nachdem wir im Buero ein Schild in Papiamentu – eine Sprache, die 90 Prozent der Bevoelkerung spricht- gelesen und verstanden haben, wechseln wir zu spanisch. Papiamento ist eine kuriose Mischung aus Spanisch, Portugiesisch , Englisch und afrikanischen Sprachen. Der Beamte erzaehlt uns von seinen Reisen nach Holland und Deutschland, von seiner Tochter, die in Holland studiert und fuenf Sprachen fliessend spricht und ist auch hoechst interessiert an unserer Weltumsegelung.

Nach der Immigrationsbehoerde gucken wir uns Kralendijk an und laufen dann zurueck zu Karels Beach Bar, in deren Nehe wir an einer Boje liegen. Wir trinken ein paar Bier (Polar Ice, sehr kalt und mit wenig Alkohol, ideal fuer das heisse Klima), kommen ins Gespraech mit einem einheimischen Ehepaar (die Frau ist taubstumm, versteht aber alles auf Papiamentu, Spanish und Englisch) und fahren beschwipst zum Schiff zurueck (der wenige Alkohol zeigt doppelte Wirkung weil wir so muede sind) und schlafen aus.

 Am fruehen Abend treffen wir unsere belgischen Freunde von Petroushka, Christian uns Marinette, die 3 Schiffe weiter an einer Boje liegen und am Vortag angekommen sind von den Los Roques und Las Aves Inseln.

Wir trinken koestliche Caiprinhas (etwas Cachaça und viel lime juice), tauschen venezolanische Erfahrungen aus und beschliessen, am naechsten Tag gemeinsam eine Inselrundfahrt zu machen. Im Pick-up fahren wir ans Nordende der Insel zum Slaagbaai Mount Washington National Park. Dieser Park war frueher eine Plantage. Sie bauten Aloe an, machten Holzkohle und exportierten das Holz vom Divi Divi- Busch (zum Gerben). Der Besitzer verkaufte das riesige Areal dann an den Staat mit der Auflage, das natuerliche Habitat zu erhalten und einen Park draus zu machen.

Es gibt Salzsuempfe (saliñas) mit Flamingos, Kaktuslandschaften wie in Arizona, bizarre Felsformationen, die wilde Ostkueste, blendendweisse Buchten mit kristallklarem Wasser, jede Menge Iguanas und exotische Voegel.

Wie auf allen eher flachen Inseln in der Karibik gibt es keinen Regenwald, weil es kaum regnet. Die Landschaft ist voller gruener Dornenbuesche, absolut undurchdringlich.

Danach fahren wir in den suedlichen Teil mit seinen ausgedehnten Salzpfannen. Das Land ragt nur wenige Zentimeter aus dem Meer heraus, ideal fuer die Flamingos, die uebrigens so rot sind, weil sie so viele Krabben fressen.

Die Landschaft ist eine Synphonie von Farben: einige Salzecken schillern violett, einige gruenlich, die roten Flamingos, die schneeweissen Salzberge.

Am Strand Reihen von ehemaligen Sklavenhuetten, winzig, fuer 4 Personen, in denen die Sklaven die Woche ueber lebten. Am Wochenende durften sie nach Hause laufen, nach Rincón im Norden, wo ihre Familien lebten, 7 Stunden hin und 7 Stunden zurueck.

Wir fahren dann zurueck nach Kralendijk und schwimmen und schnorcheln im klaren Wasser, das von tropischen Fischen nur so wimmelt.Selbst vom Schiff und vom Land aus kann man Hunderte von unglaublich bunten Fischen beobachten.

Abends laden unsere Freunde uns ein zum Fischessen (Barakuda, Wahoo) und einer exquisiten Mousse au chocolat vom belgischen Koch.

Wir erfahren, dass Koenigin Beatrix die niederlaendischen Antillen besuchen wird. Also schmuecken wir zu ihren Ehren das Schiff mit all unseren Signalflaggen- wie sich herausstellt, sind wir die einzigen.

Auf Bonaire leben 13.000 Menschen.Alles ist sehr sauber und ordentlich, wie in Holland, und nach Venezuela eine Augenweide. Man kann jederzeit ueberall herumlaufen, sogar mit Kamera und Uhr, ohne dass man um sein Leben fuerchten muss. Aber im Supermarkt sind wir sehr erschrocken ueber die Moehren aus Holland: wir legen eine auf die Waage, und sie wiegt nur ein Kilo…

Danis Eltern kommen uns am 6. November fuer zwei Wochen besuchen. Eigentlich wollten wir sie in Curaçao treffen, finden es dann aber besser, dass sie nach Bonaire kommen, hier ein paar Tage bleiben und wir dann zusammen nach Curaçao segeln.

Am 10. November segeln wir in einer Rauschefahrt ab Richtung Klein Curaçao, ein unbewohntes winziges Eiland suedlich von Curaçao, 24 Seemeilen entfernt. Die Insel befindet sich nur 1 Meter ueber dem Meeresspiegel, man wuerde sie erst sehen,

wenn man schon fast da ist, waeren da nicht der nicht funktionierende Leuchtturm und das Wrack von einem Frachter auf der Ostseite.

Die Westseite besteht aus einem langen blendendweissen Sandstrand mit ein paar Palapas (Unterstaenden, die mit Palmwedeln gedeckt sind). Das Wasser ist unglaublich klar und schimmert in allen Arten von Blau. Wir ruhen uns 2 Tage aus, spazieren den Strand lang und quer ueber die Insel, schwimmen, schnorcheln und essen Fisch, den uns die Fischer schenken.

 

 

Am Sonntagmorgen geht es weiter die 14 Meilen nach Spaanse Water, einer Bucht in Curaçao, die zunaechst das Ziel aller Segler ist. Wir ankern in der Cabrietenbaai, neben einem Schiff mit 7 Hunden. Es ist nicht leicht, sich von dort zu bewegen, deshalb machen wir am Mntagmorgen Autostop, um in Willemstad einzuklarieren. Wir haben Glueck: das erste Auto haelt, und ein junges Maedchen faehrt uns zu einer Bushaltestelle.

Das Einklarieren ist geht schnell, erst beim Zoll in Punda, dann bei der Immigration und der Hafenbehoerde in Otrobanda auf der gegenueberliegenden Seite der St. Annabaai. Beide Stadtteile sind ueber die Koenigin Emma-Bruecke miteinander verbunden. Die Bruecke ist ein Kuriosum.Es ist eine Pontonbruecke aus dem 19. Jh., die sich fuer jedes Schiff, das in den Schottegat will, oeffnet, und zwar seitwaerts ueber die ganze Laenge.

Willemstad ist eine erstaunliche Mischung aus kolonialer hollaendischer Architektur und karibischer Farbenfreude. In Otrobanda hat man ein voellig heruntergekommenes Voertel restauriert, Kura Hulanda; es wird nun zum Teil als Hotel genutzt, es gibt Cafés und Restaurants und wunderswchoene schattige Plaetze.

Und wen treffen wir auch hier wieder?Die Koenigin. Sie scheint uns zu folgen. Hunderte von Schulkindern in properern Uniformen warten auf sie.Wahrend wir in einem Café sitzen, starren sie fasziniert Skip mit seinen dreadlocks an- ein weisser Rasta!

Curaçaohat 160000 Einwohner aus aller Herren Laender.Es ist eine tolerante, polyglotte Nation. Fast jeder spricht mindestens Papiamentu, Hollaendisch, Spanisch und Englisch. Bevor die Spanier im 17. Jh. die Insel “entdecken”, lebten araukaniche Indianer hier. Dann kamen die Hollaender, dann kurz die Englaender, dann Juden von ueberall her (die Synagoge wurde 1732 erbaut), dann Sklaven aus Afrika und schliesslich Menschen von ueberall, als 1914 das Oel im Maracaibo-See entdeckt und in Curaçao eine Raffinerie gebaut wurde.

Die Geshcaefte verkaufen alles und sind eingestellt auf jeden Geschmack. Entlang einem Seitenkanal ankern die bunten venezolanischen Gemuese- und Obstschiffe und bilden den “floating market”. Auf dem Weg zurueck vom Einklarieren finden wir keinen Bus zurueck zum Schiff und nehmen stattdessen ein Taxi zum Strada Supermarkt. Wir muessen Proviant kaufen fuer die naechste Etappe, denn in Kolumbien und auf den San Blas Inseln wird nicht viel zu finden sein. Das Strada erweist sich als einer der am besten ausgeruesteten und freundlichsten Supermaerkte in der Karibik, und der Besitzer bringt uns sogar kostenlos zum Schiff zurueck. Was fuer ein Service!

 

Nach zwei Tagen vor Anker am aeussersten Ende von Spaanse Water eschliessen wir, uns das Leben zu erleichtern und im Curaçao Yacht Club ans Dock zu gehen und ein Auto zu mieten. Michael, der Hafenmeister, ist ein netter und hilfsbereiter Mensch , wir sind mal wieder angeschlossen an Wasser und Strom, koennen Im Club duschen und haben jetzt sogar Wi-Fi! Mit Jaimes Hilfe reparieren wir einen block (heisst das so auf Deutsch?)des Grossschot in der Marina-Werkstatt – es ist die erste Marina mit Werkstatt! Generell sind die Leute hier unglaublich sympathisch und hilfsbereit.

 

CHAP XX Aruba , Cartagena de indias




 

A R U B A

 

12º 31 N    70º 02 W

 

Am Sonntagnachmittag, d. 19. November 06, verabschieden wir uns nach zwei vergnueglichen Wochen von Danis Eltern Jaime und Rosa, die wieder zurueck nach Mallorca fliegen.

Am naechsten Morgen rauschen wir nach dem Ausklaren die Westkueste von Curaçao hinauf bis zur Grote Knip, einer malerischen Bucht am Nordende der Insel. Wir ankern, essen was und gehen gegen 19 Uhr zu Bett, denn wir wollen nachts um 3 Uhr los Richtung Aruba, 58 Seemeilen westlich.

Mit gutem Ostwind, ruhiger See und Mondlicht rauschen wir ab,aber sobald wir aus dem Windschatten Curaçaos hinaus sind, werden die Wellen hoeher und hoeher und machen den Rest des Trips zu einer unangenehmen Berg- und Talfahrt, besonders um den suedlichen Zipfel Arubas herum, der nur 15 Seemeilen von venezolanischen Festland entfernt liegt.

Wir machen nachmittags um 2 Uhr in Oranjestad am Dock fuer Kreuzfahrtschiffe fest. Wir haben uns vorher ueber VHF angemeldet, und Immigration wartet schon auf uns. Dann laufen wir zum Zoll, finden aber niemanden vor, denn sie streiken gerade. Da wir nicht an diesem Dock bleiben koennen, schickt uns die Hafenbehoerde zur Renaissance-Marina nebenan.

Diese Marina gehoert zum feudalen Renaissance/Marriott Hotel-Komplex. Die Lage koennte nicht besser sein: man ist mitten in der Stadt, zahlt vernuenftige Preise und geraet in den Genuss vieler Einrichtungen des Hotels, z.B. Privatinsel mit Flamingos fast zum Anfassen, Privatstrand mit Palmen, Pool, Duschen etc. Marina-Manager Sanders, ein auf Curaçao geborener Hollaender, wartet schon mit seinem Dinghy auf uns, um uns in die enge Luecke am Dock zu bugsieren und uns bei der Loesung allerlei anderer Probleme zu helfen. Er ist ein 5-Sterne Manager in einer 5-Sterne Marina: er scheut sich nicht, ueberall selbst mit anzufassen, ist immer freundlich und hilfsbereit – der tuechtigste Manager, den wir bisher kennengelernt haben. Herzlichen Dank, Sanders!!

Aruba ist eine hollaendische Insel, die vom Tourismus lebt.Entlang dem langen weissen Sandstrand der Westkueste reiht sich ein Hotel ans andere, und in den 4 Tagen in Oranjestad machen 11 gigantische Kreuzfahrtschiffe in unserer Naehe fest.

Was am meisten ins Auge sticht, wenn man ankommt, ist die bonbonfarbene Architektur: ein hollaendisch-amerikanisches Disneyland, voller Souvenir- und Schmucklaeden (alles duty-free), Casinos und Kneipen. Aruba boomt. Aber wenn man ein paar hundert Meter aus dem Zentrum herauslaeuft, findet man auch echte Karibik bzw. Echtes Suedamerika. Aruba hat 110 000 Einwohner, davon sehr viele Immigranten aus Kolumbien, Venezuela und anderen karibischen Inseln.

Am interessantesten finden wir die Butterfly-Farm, ein tropischer Garten voll frei fliegender Schmetterlinge. Ein sehr kenntnisreicher Experte erklaert uns an blauen Morphos, Eulen, Schwarz-weissen Baumnymphen, Monarchen und Schwalbenschwaenzen jeglicher Farbe den Lebenszyklus der Schmetterlinge: wie jede Art nur auf einer spezifischen Pflanzenart ihre Eier ablegt und sich von ihren Blaettern ernaehrt; und dass sie normalerweise nur soviele Eier legen, dass die Pflanze die Raupen ernaehren kann ohne einzugehen. Wir beobachten einen Hochzeitstanz: das Weibchen laesst das Maennchen lange tanzen, bis es sich entscheidet ihn als Partner zu akzeptieren oder nicht. Nur die Kraeftigsten werden genommen, denn die Begattung dauert 2-3 Tage lang, 100 – 200 Eier muessen befruchtet werden. Es ist schon Nachmittag, die Schmetterlinge werden muede und daher besser fotografierbar.

 

Nachdem wir tagelang das Wetter im Internet beobachtet haben, entschliessen wir uns, am Samstag, d. 25. November, die beruechtigte Strecke von Aruba nach Cartagena de Indias (Kolumbien) zu wagen, 410 Seemeilen. Wir haben Glueck, der Wind blaest nur mit 20 Knoten und die Wellen sind nur 3-4 Meter hoch, kommen aber aus allen Richtungen, denn wir haben eine Stroemung aus Sueden, den Wind aus Nordost und in der Naehe von Barranquilla auch noch den Río Magdalena, der mit 6 Knoten nach Nordwesten drueckt. Wir segeln 20 Meilen vor der Kueste, und selbst da koennen wir noch genau die Grenze von blauem Meer- und gruenem Flusswasser erkennen; sie stossen mit solcher Wucht aufeinander, dass sich hohe Fontaenen bilden. Unterwegs sehen wir viele Tanker, aber nur 3 weitere Segelschiffe. Streckenweise begleiten uns Hunderte von Delphinen, und einmal sogar ein Schwarm von kleinen Walen, mindestens 30.

40 Seemeilen vor Cartagena auf einmal totale Flaute, so dass wir fuer den Rest der Strecke mit Motor fahren muessen. Am Mittwoch, dem 29. November, Skips Geburtstag, kommen wir nachts um 2 Uhr an der Einfahrt zur Bucht von Cartagena an. Diese Einfahrt heisst Boca Grande, ist aber nur 30 Meter breit, und man muss hoellisch aufpassen, dass man nicht die knapp unter der Wasseroberflaeche liegende Mauer rammt, die die Spanier als Piratenfalle errichteten. Da uns aber uebel aussehende Wolken auf den Fersen sind, wagen wir es, trotz Dunkelheit und Unkenntnis des Gebiets. Was fuer eine Erleichterung, als wir endlich die rote und gruene Boje passiert haben und uns im sicheren Gewaesser der Bucht befinden!

Im Schneckentempo tasten wir uns die riesige Bucht hinauf, bis uns ein Tanker und ein Containerschiff mit boesem Tuten aus dem Weg jagen. Cartagena ist der Hafen, in dem die Maxi-Containerschiffe, die nicht durch den Panama-Kanal passen, umgeladen werden. Panikartig raeumen wir das Feld und geben Vollgas, bis wir gegen 4 Uhr in der Naehe des legendaeren Club Nautico ankern.

 

 

 

C A R T A G E N A  D E  I N D I A S

 

10º 24.80  N    75º 32.50  W

 

 

Um 9 Uhr, nach ein paar Stunden Schlaf, kontaktieren wir mit Hilfe eines einheimischen Lotsen ueber VHF verschiedene Marinas und irren die Bucht au und ab auf der Suche nach einem Liegeplatz am Dock – und ankern dann zum Schluss doch wieder in der Naehe des Club Nautico, Treffpunkt vieler Segler in der Karibik.

Wir gehen an Land und klarieren problemlos ueber David, den Agenten des CN, ein. Er macht uns auch bekannt mit John, dem Dockmanager, der uns alle Informationen liefert, die wir brauchen , um Ersatzteile zu finden und Reparaturen ausfuehren zu koennen.

Im Club Nautico finden wir Segler aus aller Welt, darunter alte Bekannte, Rucksackreisende, die eine Mitsegelgelegenheit nach Panama suchen (die Panamericana zwischen Kolumbien und Panama ist ja immer noch nicht fertig gebaut), Kinder, Hunde, einen aelteren Deutschen mit einem riesigen schwarzen Holzkreuz, der fuer Jesus und Maria  im Wohnmobil um die Welt faehrt, und eine Nonne im schwarzen Habit, die Kaesebroetchen anbietet. Ein aussergewoehnliches Ambiente.

Ein paar Strassen entfernt stossen wir auf einen Supermarkt, durch den wir mit staunenden Augen und offenem Mund laufen, ohne etwas zu kaufen. Er bietet vieles, was wir schon lange nicht mehr gefunden haben: frisches Schwarzbrot, Himbeeren, Brombeeren, Truthahn, echten spanischen Chorizo, Schweizer und franzoesischen Kaese…

Auf em Weg zurueck bemerken wir, dass ein Schiff aus Palma am Steg liegt. Wir sagen hallo und treffen Sinto und seine Crew: den beruehmten mallorquinischen Weltumsegler Sinto, 75 Jhre alt und blind. Erlaedt uns zu sich ein, und bei spanischem Rotwein tauschen wir Erfahrungen aus, und er erzaehlt uns Geschichten asu seinem langen Seebaeren-Leben. Es ist unglaublich, wie er ohne Sehvermoegen sein Schiff perfekt manoevrieren und sich allen Herausforderungen stellen kann!

Wir haben eine lange Liste von Dingen gemacht, die wir besorgen muessen – Dichtungen, Schrauben, Schlaeuche, Haken, etc.etc. – und finden Gott sei Dank William, einen Taxifahrer, der nicht fragt, wo wir hin wollen, sondern was wir brauchen, so dass er die Fahrt durch das ausgedehnte Stadtgebiet planen kann. Wir hatten von vielen Leuten gehoert, es waerre schwierig bzw. Oft unmoeglich, in Kolumbien was zu kriegen, aber mit William erledigen wir alles an einem Morgen, er kennt jeden Winkel und jeden Fachmann.

Nachdem wir ein paar Tage auf dem Schiff gearbeitet haben, machen wir uns auf, das historische Cartagena zu erkunden. Vom CN sind es nur ein paar Schritte bis zum Puente Román, und dann ist man auch schon an der Stadtmauer, dem Bollwerk von San Lorenzo, und am  Anfang vom Getsemaní – Viertel. Cartagena ist eine faszinierende Stadt.Sie wurde 1535 von Pedro de Heredia gegruendet und ist voller wunderschoener Kirchen, Kloester, Palaeste, Plaetze mit schattigen Parks, Haeuser mit von prachtvollen Schlingpflanzen ueberwucherten Balkonen  und pulsierendem Leben.

Wir schlendern durch die kuehlen Gassen, durch die immer eine frische Brise weht, trinken eiskalte Fruchtsaefte aus Limonen, frischen Mangos und Ananas, fruehstuecken im tropischen Patio von Santa Clara – mit einem Tukan auf dem Stuhl neben uns,der ab und zu ein Stueck Mango stibitzt -, essen im Claustro vom Santísimo zu Abend, bewundern in den Bóvedas unter der Stadtmauer kunstvolle Handarbeiten und wandern fruehmorgens auf der Stadtmauer, insgesamt 8 Meilen. Die Spanier bauten riesige Befestigungsanlagen und Mauern um Cartagena herum, um sich so vor den englischen, franzoesischen und hollaendischen Piraten zu schuetzen, die versuchten, ihnen die Schaetze zu rauben, die sie selbst den Indianern Suedamerikas gestohlen hatten und die sie in Cartagena horteten, um sie dann auf ihren Galeonen nach Spanien zu verfrachten.

Cartagena ist ein Traum, man sollte es besuchen. Man koennte wochenlang durch die Stadt streifen und immer wieder etwas Neues entdecken. Seglern, die einen guten Platz fuer die Hurrikan-Saison suchen, koennen wie die Bucht von Cartagena nur empfehlen. Erleichtert haben wir auch besonders nach unseren Venezuela-Erfahrungen festgestellt, dass man sich in Cartagena so sicher fuehlen kann.

Cartagena gehoert zum Kulturerbe der Menschheit wie Venedig. Vieles in der Altstadt ist schon saniert, aber es wird auch noch viel restauriert und repariert, die Probleme vor allem mit der Infrastruktur sind gross. Aber die Stadt boomt – die Altstadt und auch Viertel wie z.B. Bocagrande, das uns bei unserer naechtlichen Ankunft vorkam wie Manhattan. Klar gibt es auch hier viel Armut – es ist immer noch die zweitaermste Stadt Kolumbiens. Aber man hat das Gefuehl, dass sich etwas tut. Es gibt viele kompetente Menschen, die sich maechtig ins Zeug legen, um die Situation zu verbessern.

Wir gehen in eine Buchhandlung, Abaco, trinken dort einen wuerzigen kolumbianischen Kaffee und freunden uns mit Javier an. Er erzaehlt uns, dass er einen Freund hat, Gonzalo, der seit zwei Jahren ein klassisches John Alden-Segelschiff restauriert und uns vielleicht behilflich sein koennte, denn wir haben seit einigen Wochen immer viel Wasser in der Bilge und muessen das Schiff aus dem Wasser holen und neu kalfatern.

Wir treffen uns mit Gonzalo – Architekt, Maler, Historiker-, und er zeigt uns sein Schiff – Angelo – und erzaehlt uns dessen faszinierende Geschichte und wie er es buchstaeblich in letzter Minute vorm Abwracken gerettet hat. Danach besichtigen wir mit ihm und seinem Freund Mario –dem contramaestro auf dem 3-Master Gloria, Schulschiff der kolumbianischen Kadettenschule –in Cartagenita eine kleine Werft.

 

Am Mittwoch, dem 6. Dezember, fahren wir die Bucht hinunter und durch einen Mangrovenkanal zur Ferroalquimar-Werft, wo die Ragnar mit einem Travelift aus dem Wasser geholt und aufgebockt wird. Nach ueber einem Jahr in tropischen Gewaessern ist der Rumpf noch erstaunlich sauber, kaum Algen und Muscheln. Nachdem wir 2 Tage geschrubbt und abgeschliffen haben (es gibt hier keine Hochdruckreiniger) ist alles vorbereitet fuer Estéban. Er ist Kalfaktor, und wir haben ihn ueber Gonzalo kennengelernt; er ist 60 Jahre alt und hat 45 Jahre Erfahrung. Er haemmert an den undichten Stellen das Sicaflex heraus und kalfatert neu, ohne Pause, 8 Stunden am Tag, zwei Tage lang. Wir staunen, und alle Arbeiter auf der Werft kommen herbei und staunen auch. Dann Anstrich mit Anti-Fouling und zurueck ins Wasser, und das alles in 5 Tagen – ein Rekord fuer hier.Die Arbeit ist perfekt, das Schiff leckt nicht mehr. Wir fahren wieder zurueck zum CN, wo John gluecklicherweise einen Platz am Dock fuer uns hat!

In den letzten Tagen haben wir regelmaessig das Wetter im Internet geckeckt und beschlossen, am Sonntag, d. 17. Dezember,das “Juwel der Karibik” zu verlassen. Juwel in jeder Hinsicht: als Kulturerbe und auch was die Freundlichkeit und Professionalitaet der Leute angeht. Einen besonderen Dank noch mal an Javier, Gonzalo und Mario, den gran maestro Estéban, Germán Spicker von “Ignacio Sierra”, William und John!

Unser naechstes Ziel sind ein paar kleine Inseln vor Panama, wo Internet und Telefonkontakte vielleicht nicht moeglich sein werden. Deshalb wuenschen wir euch allen jetzt schon froehliche Weihnachten und ein glueckliches neues Jahr und danken euch fuer euer Interesse an unserer Reise. Es ist schoen zu wissen, dass unsere Freunde mit Gedanken bei uns sind!

 

 

SAN BLAS, COLON, PANAMA CITY

 

 

 

 

Fruehmorgens am Sonntag, 17. Dezember, verlassen wir Cartagena. Die enge Bocagrande Ausfahrt erscheint uns dieses Mal noch schmaler als in der Nacht unserer Ankunft. 24 Stunden lang motorsegeln wir die 170 Seemeilen hinueber nach  Panama- das Meer ist glatt, es weht nur ein leichter  NO-Wind, wir fuehlen uns wie im D-Zug. Und dann sehen wir das Kuestengebirge und die ersten Riffe und Inseln. Der Pazifik ist ganz nah, aber bis dahin gibt es noch viel zu erkunden.

Wir sind jetzt in Kuna-Yala, dem autonomen Gebiet der Kuna-Indianeer, comarca de San Blas in Spanisch. Die Kunas sind eine der staerksten indianischen Nationen in Amerika. Sie haben ihre Sprache erhalten (viele, vor allem Frauen, sprechen ueberhaupt kein Spanisch) und ihren besonderen Lebensstil und die traditionelle Hierarchie der Stammesfuehrer auf lokaler und nationaler Ebene. Ihr Gesetz, dass das Land allen Kunas gehoert, hat eine Trennung von Reich und Arm verhindert.

Welche von den 360 Inseln und Eilanden sollen wir zuerst besuchen? Ein Blick auf die Seekarte genuegt: wir entscheiden uns fuer Snug Harbor und hoffen, dass er seinem Namen Ehre macht! Wir schlaengeln uns durch enge Luecken von Riffen, tasten uns an Sandbaenken vorbei und ankern schliesslich in einem tiefen, geschuetzten Becken zwischen fuenf unbewohnten Kokosinseln. Das Wasser ist so ruhig wie ein Teich.

Sofort kommen 4 neugierige Jungs im Einbaum (Ulu) angepaddelt. Erst stehen sie im Ulu und klammern sich an der Bordwand fest; dann klettern sie hoch und etzen sich auf die Reling, und dann werden wir Freunde und machen es uns gemuetlich. Sie sprechen etwas Spanisch und nennen uns u.a. die Namen und Preise von Fischen, Obst und Gemuese etc., so dass wir gut vorbereitet mit all den Verkaeufern in Einbaeumen verhandeln koennen.  Sie essen genuesslich die spanischen Weihnachtsgutseln, die Dani ihnen schenkt, wir geben ihnen Buntstifte, und dann springen sie Hals ueber Kopf in das Ulu und paddeln von dannen, denn einer der Sailas (Aeltesten) des Dorfs erscheint.

Er stellt sich vor und erklaert ernst, dass es in Playón  Chico den Kunas nicht erlaubt ist, an Bord von Yachten zu gehen. Sie koennen in ihren Einbaeumen sttehen und verkaufen, das ist OK.

Wir bezahlen 5 $ Ankergebuehr (Panama hat den Balboa als Waehrung, aber es ist der US-Dollar; die Scheine sind dieselben, nur einige Muenzen praegen sie selbst) und kriegen eine Quittung. Jetzt koennen wir so lange bleiben wie wir wollen und auch das Dorf ansehen. Dann kaufen wir drei groessere Fische fuer 1 $ und kochen ein leckeres Essen.

Am naechsten Morgen paddeln wir von einer Insel zur anderen. Diese winzigen Eilande voller Kokospalmen gehoeren jeweils einer Familie aus dem Dorf. Das Stehlen auch nur einer Kokosnuss wird empfindlich bestraft. Spaeter fahren wir nach Playón Chico, dem 1 172 Meilen entfernten Dorf. Auf einer kleinen Insel draengen sich 300 – 400 Wohnhuetten, Kuechenhuetten und Latrinenhuetten, alle aus Bambus gebaut und mit Palmwedeln (pencas) gedeckt und umgeben von Bambuszaeunen. In den Patios Mango- und Brotfruchtbaeume, Noni-Buesche (Heilpflanze), Bananenstauden.

Wir fahren neben einen Einbaum, der an einem Bambuszaun vertaeut ist. Ana und ihre Familie laden uns zu sich ein, und wir machen unser Dinghy fest und klettern in ihren Patio. Wir sitzen um das Herdfeuer, und die Frauen zeigen uns ihre Molas, kunstvolle Handarbeiten in Applikationstechnik, die sie als Einsaetze fuer ihre Blusen verwenden und die auch z.B. schoene Kissenbezuege sind. Wir kaufen zwei.

Danach zeigt uns Ana ihr Dorf und die Bruecke, die hinueber zum Festland fuehrt, wo es eine Schule gibt und daneben eine Landepiste fuer kleine Flugzeuge. Strassen gibt es in Kuna Yala so gut wie nicht. Im Dorf gibt es auch 6 Kirchen- von den Mormonen bis zu den Katholiken und Baha’I ist alles vertreten.

Wir schlendern die Startbahn hinauf und folgen einem Pfad entlang den Fluss, den wir mehrmals auf  Baumstaemmen, und klettern dann einen steilen, lehmigen Huegel hinauf zum Friedhof. In dieser geweihten Erde werden die Toten in tiefen Graebern bestattet. Ueber dem Grabhuegel wird ein Palmdach errichtet, daneben befinden sich Kuechenhuetten, in denen Frauen des Dorfs kochen, essen und in Haengematten liegen.Manche Frauen verbringen Monate auf dem Friedhof, um ihre Verstorbenen mit guttem Ratschlag auf ihrem Weg ins Jenseits zu begleiten. Die Atmosphaere ist entspannt, froehlich, und der Bñlick auf das Meer und die Inseln ist atemberaubend. Eine Frau sitzt am Grab ihres Sohnes und betet, aus einem Kessel steigt der Rauch von reinigenden Kraeutern. Wir koennen die Frauen in ihrer bunten Tracht fotografieren (eine ihrer wenigen Einkommensquellen) und laufen dann wieder den Huegel hinunter und muessen ueber die Landebahn rennen, weil ein Flugzeug zur Landung ansetzt.

 

Im Dorf kaufen wir in einem Laden 2 Colas und 2 Zigaretten und unterhalten uns mit einigen Dorfbewohnern.Nach dem feuchtheissen Dschungelausflug sitzt es sich angenehm kuehl in der dusteren Huette. Dann gehen wir ueber die sandigen Pfade zur Brothuette und kaufen kleine Brotzipfel, die wie ein Mini-Einbaum aussehen und frisch aus dem Ofen und mit Butter koestlich schmecken.

Wir brauchen Obst, aber im Laden gibt es nichts. Also gehen wir zu einer Huette mit einem grossen Mangobaum, und ein Junge klettert hinauf und pflueckt uns sechs. Danach suchen wir jemanden, der eine Bananenstaude besitzt. Und damit ist das Fruehstueck fuer den naechsten Tag gesichert, und Ana fuehrt uns durch das Gewirr von Huetten zurueck zum Dinghy. Allein haetten wir es nicht leicht gefunden.

Dani eroeffnet uns, dass er sich unbedingt einen Einbaum zulegen will. Nach 2 Stunden wird er tropfnass von einem Kuna zurueckgebracht. Er hatte ein kleines Kanu fuer 20 $ gefunden, wollte es aber erst ausprobieren. Da er ja 2 Meter gross ist, passte er aber nicht ganz hinein, verlor das Gleichgewicht und fiel nach 100 m mit Rucksack und Kamera ins Wasser und verlor einen Schuh. Die Leute vom Dorf retteten ihn und keonnen jetzt ihren Nachkommen eine witzige Geschichte mehr erzaehlen… Und Dani hat die Einbaum- Idee aufgegeben: waere sowieso viel zu schwer und sperrig gewesen. Zum Abendessen kocht Dani eine grosse Garnele und mehrere Langostinos. Davon gibt es hier an den Riffen jede Menge.

Am 21. Dezember fahren wir 18 Seemeilen weiter nach Isla Tigre, Digir Dupu, eine kleine kreisrunde Insel voller Palmhuetten. Am Dock begruesst uns Eduardo und fuehrt uns zur Sailatura, wo wir uns vorstellen und unsere Ankergebuehr entrichten. Das noerdliche Ende der Insel ist eine einfache, aber romantische Bleibe fuer Lonely Planet-Touristen, die hierher mit ihren Kajaks kommen und Trekking durch den Urwald machen. Vom Dorf ist dieses Hostal durch eine Bambuszaun getrennt. Das Dorf selbst macht einen sehr sauberen und ordentlichen Eindruck, es liegt kein Abfall herum, die Sandwege sind gefegt und breit. Alle Frauen haben Mola-Blusen an, Wickelroecke mit geschmackvollen Mustern, breite Waden- und Armbaender aus Perlen, Halsketten aus feinen Goldplaettchen, goldene Nasenringe, orange Kopftuecher und etwas Gesichtsbemalung.

Wir essen im Hostal zu Abend und gucken uns ein paar Kuna-Taenze an, denn sie feiern gerade ein Fest. Dann begleitet uns Eduardo durch die stockdunkle Nacht (es gibt hier keinen Strom) zum klapprigen Dinghy-Anleger, und ich frage: Gibt es hier auch Krokodile? Und Eduardo antwortet trocken: Nur in Naechten, in denen die Hunde NICHT bellen. Skip hat mich noch nie so schnell paddeln und aufs Boot klettern gesehen…

Am 223. Dezember ankern wir 6 Meilen weiter westlich in der Bucht von Narganá, einem “moderneren” Dorf mit Palmhuetten, aber auch vielen Hohlblockhaeusern, Kirchen, Schulen, einer Bank (die aber keine Kreditkarten nimmt) und Strom von einem Generator. Zusammen mit Corazón de Jesús auf der Nachbarinsel, mit der es ueber eine wacklige Bruecke verbunden ist und wo es auch eine Klinik gibt, haben sie eine Bevoelkerung von 2600 Personen. Minuten nach unserer Ankunft heisst uns Federico willkommen und bietet uns seine Dienste an: Waesche waschen, Muell entsorgen, Benzin besorgen und Essen.

Gegen Mittag faehrt er mit uns durch das mit Baumstaemmen und Aesten ueberaete Mangrovendelta des Río Diablo. Wir folgen dem maeandernden Fluss, vorbei an vielen Kokospalmen, Bananenstauden, Yucafeldern, gigantischen Mangobaeumen und Bambus. Wir sehen weisse Kraniche, giftgruene Papageien und rotkoepfige Spechte. Keine Alligatoren und keine Affen; letztere kommen erst im Mai, wenn die Mangos reif sind. Sie wissen, was lecker ist.

Federico ueberredet uns, ueber Weihnachten hier zu bleiben. Skip soll Santa Claus spielen. Waehrend sich Dani am 24. Dezember einen –diesmal- grossen Einbaum mietet und den Teufelsfluss hinaufrudert, zwaengt sich Skip in seinen roten Schlechtwetter-Anzug (ausgestopft mit Kissen) und setzt seine rote Nikolausmuetze auf und schultert eine grosse gruene Tasche voller Lutscher und Bonbons. Auf Skips Draengen begleite ich Federico und Sta. Claus im elfengruenen Outfit und fotografiere unseren Zug durch die Gassen. Wir werden in beiden Doerfern von Hunderten von Kindern und Erwachsenen umdraengt. Alle haben einen Mordsspass, und Federica sagt unentwegt, dass dieses Ereignis in die Annalen des Dorfes eingehen wird.

Als wir am Weihnachtsmorgen  weiter nach Green Island, Kanildup, segeln, ist das Cockpit voller fetter weisser Larven!? Als wir die Persenning vom Grosssegel schuetteln, fallen noch mehr Larven herunter. Wir hissen das Segel und sehen zu unserem Erstaunen einen fetten Flying Fish in den Falten, schon halb gefressen von den  Larven. Der Fisch kann nur in der Nacht der Ueberfahrt von Cartagena da gelandet

sein.

Wir gehen auf dem 200 Quadratmeter kleinen Eiland Waisaladup an Land und fuehlen uns wie Robinson Crusoe. Wir finden viele interessante Muscheln und Fischknochen im Sand, ein Sting Ray zieht ruhig am Wasserrand entlang und riesige Seesterne- Weihnachtssterne! – liegen ueberall im kristallklaren Wasser. Ein Kuna- Fischer verkauft uns 3 frische cureles fuer 1 $, und wir machen ein Weihnachtsessen.

Nachmittags kommt ein uns unbekanntes Paar im Dinghy ans Schiff, Renate und Dieter  von “Symi”. Sie meinen, wir haetten gemeinsame Freunde in Frankfurt, die Veteranos, fuer die jedes Jahr im Mai unser Freund Pit Knorr in seiner Finca in Mallorca ein Boule-Tournier organisiert. Kleine Welt!

Am 26. Dezember fahren wir weiter westlich durch das Insellabyrinth von San Blas, vorbei an zahllosen Eilanden mit nur einer  oder zwei Kokospalmen, kaum gross genus, um Insel genannt zu werden. Am fruehen Nachmittag ankern wir mit Hilfe der Brueder Idelfonso und Venancio gegenueber dem Dock von Mormake Dupu. Die Brueder haben 3 Container mit Molas mitgebracht, die sie alle im Cockpit ausbreiten. Venancio ist ein wahrer Mola-Meister und viele seiner Stuecke sind unwiderstehlich. Wir kaufen zwei, obwohl wir nicht mehr viel Bargeld haben und es in Kuna Yala keine Moeglichkeit gibt, an Geld zu kommen.

Dann begleitet uns Idelfonso ins Dorf, um uns dem Saila vorzustellen. Er fuehrt uns in den “congreso”, die grosse Versammlungshuette, wo sich alle Erwachsenen des Dorfs jeden Abend einfinden um zu beten und Dorfangelegenheiten zu besprechen. Der erste Saila ist gerade auf Reisen, deshalb empfaengt uns der dritte und fordert uns auf, auf einer Bank Platz zu nehmen, vor der der zweite Saila bequem in einer Haengematte liegt. Idelfonso, der gut Englisch und Spanisch spricht, praesentiert unseren Fall dem Saila, der nur Kuna versteht. Der Saila hoert gelangweilt zu und erteilt uns dann die Erlaubnis, einen Monat lang Gast seines Dorfes zu sein. Kostet 5 $. Wir danken dem Saila fuer sseine Gastfreundschaft, schuetteln ihm freundlich die Hand und besichtigen das Dorf.

Danach zeigt uns Idelfonso seine eigene geraeumige und ordentliche Huette.

Im erstaunlich kuehlen Schlafraum, wo er mit seiner Frau und fast 2jaehrigen Tochter in Haengematten schlaeft, zeigt er uns einen grossen Korb von Nuchus; das sind Holzpuppen, die als lebendige Wesen gelten und die Bescvhuetzer seiner Tochter sind.Sie wehren ueble Einfluesse ab und uebertragen gute Eigenschaften auf das Kind.Bilder duerfen wir von den Nuchus nicht machen, sie koennten deas uebelnehmen oder ihre Kraft verlieren. Wir verstehen das.

Mormake Dupu ist das authentischste und sauberste Inseldorf, das wir bisher gesehen haben. Es ist eine kleine Gemeinde von nur 14 Familien, etwa 300 Leute – eine Familie zaehlt eta 20 Personen, manchmal mehr, manchmal weniger. Die Insel ist winzig und dicht bebaut mit Bambushuettenzwischen denen sich Sandpfade winden. Fast alle Frauen sind traditionell gekleidet. Es gibt zwei Fernsehgeraete (mit Batterie),keinen Strom, keine staaendige Berieselung von CDs oder Radios. Die Leute stehen vor dem , Morgengrauen auf; die Frauen machen Feuer, die Maenner  fahren mit den Ulus zum Fischen hinaus oder aus Festland, wo sie im Urwald Obst und Gemuese ernten oder  Palmwedel, Bambus, Feuerholz oder Staemme holen.

Die meisten Maenner kommen gegen Mittag zurueck und widmen den Rest des Tages ihren Familien und dem Dorf. Alle groesseren Arbeiten wie Hausbau oder Bootsbau werden gemeinsam gemacht. Es ist ein sehr arbeitsames, ruhiges und friedliches Leben. Und ausserdem ein gesundes Leben: die Menschen hier haben im allgemeinen sehr durchtrainierte Koerper, sie sind ja staendig in Bewegung. Wir fuehlen uns rundum wohl hier, wie verzaubert. Die Leute sind sehr freundlich, kommen ans Schiff, um Fische oder Papayas oder Brot zu verkaufen oder ein Schwaetzchen zu halten.

 

Am Abend, gegen 19 Uhr, es ist schon stockdunkel, kommen Idelfonso, seine Frau, seine Tochter und 2 huebschen Nichten uns besuchen. Wir machen den Einbaum am Schiff fest, und alle Frauen klettern die Leiter hoch, die wir an die Reling gehaengt haben, denn die Kunas sind sehr kleinwuechsig. Wir fuehlen uns wie Riesen in ihren Doerfern. Alle beaeugen neugierig alles auf dem Schiff. Dani macht Kaffee und holt die letzten spanischen polvorones (Weihnachtsgebaeck) hervor, und wir verbringen ein paar gemuetliche und sehr vergnuegliche Stunden zusammen. Zum Schluss dauert es eine Weile, bis die Frauen herausgefunden haben, dass man die Leiter umgekehrt hinunterklettern muss. Kichernd und plappernd steigen sie in den Einbaum und verschwinden im Dunkeln.

Wir sitzen noch eine Weile im Cockpit und sehen ploetzlich in der Ferne ein grosses Feuer, das immer groesser wird. Auf dem Dorfdock versammeln sich die Dorfbewohner aufgeregt und stuerzen dann in ihre Boote, denn die Nachbarinsel Soledad Miriá steht lichterloh in Flammen! Idelfonso kommt vorbei und fragt, ob wir helfen koennen, falls sie uns brauchen. Natuerlich. Man sieht das gigantische Feuer aus grosser Entfernung, und ueber Funk setzen sich schnell alle Schiffe miteinander in Verbindung. Viele wagen in der Dunkelheit die riskante Fahrt an den Riffen vorbei, um nach Mormake Dupu zu gelangen, wohin die Leute von Soledad evakuiert werden sollen.

Um Mitternacht haben ein paar Deutsche kurz nach ihrer Ankunft schon eine Erste-HilfeStation eingerichtet, komplett mit Generator und dem einzigen elektrischen Licht der Insel. Um Mitternacht wird das Feuer kleiner. 114 Familien haben alles verloren, Haus, Kleidung, Essen. Gluecklicherweise gibt es nur wenige und nur leicht Verletzte, denn die Leute haben sich alle ins Wasser gerettet, wobei einige allerdings in Seeigel getreten sind. Am naechsten Morgen schicken alle Inselgemeinden und Segler der weiteren Umgebung Hilfe in Form von Kleidung, Nahrung, Wasser, Haushaltutensilien und allem , was sie entbehren koennen.

Das Feuer wurde von einer explodierenden Gasflasche in einer Huette ausgeloest. Idelfonso sagt, dass das mit dem traditionellen Herdfeuer nicht haette passieren koennen. Die Regierung in Panama hat Hilfe zugesagt und will den Erwerb von neuen Gasflaschen subventionieren. Nicht nur Idelfonso fragt sich einmal mehr, ob Modernitaet wirklich so ein Fortschritt ist.

Kuna Yala ist ein Land von seltener Schoenheit, und wir koennten hier ewig bleiben…Wir moechten am liebsten gar nicht mehr weg,  vor allem als Idelfonso uns  draengt, doch noch bis zum Pubertaetsfest von zwei Maedchen  Anfang Januar zu bleiben. Das ist jedes Mal ein grosses Ereignis. Neben dem congreso wird eine kleine Huette gebaut, in der die Maedchen 2 Tage vor dem Fest mit ihren Muettern wohnen und belehrt werden. Waehrend des etwa 3 Tage dauernden Fests werden Rituale durchgefuehrt, deren Sinn uns niemand so richtig erklaeren kann, aber es handelt sich wohl darum, dass die Maedchen auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter vorbereitet werden. Symbolisch werden Haengematten  fuer sie geflochten und von den Medizinmaennern des Dorfs Pakete aus Bananblaettern geschnuert, die Essen, Federn Rasseln, Muscheln u.ae. enthalten; wohl damit es ihnen an nichts mangeln moege.

Normalerweise trinken die Kunas sehr wenig, aber so ein Fest ist eine gute Gelegenheit, sich mal so richtig zu berauschen. Lange vor dem Fest sammeln sie Mengen von Zuckerrohr, pressen es zu Saft und lassen es in grossen Kruegen gaeren. Ab und zu wird es von 4 ausgesuchten Maennern probiert, die dann auch entscheiden, wann die chicha fertig ist und wann das Fest stattfinden wird.

Idelfonso kommt und sagt, der Saila habe von Skips Santa Claus-Vorstellung in Narganá gehoert und bitte ihn, dasselbe doch auch in seinem Dorf zu machen. In Mormake Dupu sind sie besser vorbereitet und bringen einen richtigen Nikolausanzug. Skip zwaengt sich hinein, und auf geht’s mit einem grossen Sack voller Bonbons. Zuerst machen wir eine Begruessungsrunde durch’s Dorf, begleitet von allen Kindern und vielen Erwachsenen; dann eine zweite Runde, wo alle Kinder vor ihren Huetten beschenkt werden; danach geht’s zum Dorfplatz, wo Skip und Idelfonso Bonbons in die Luft werfen und alle unter viel Gelaechter versuchen, so viel zu fangen wie sie koennen.

 

Am Norgen des 3. Januar ist es so weit: wir werden zum Chicha-Fest eingeladen! Wir gehen in die Versammlungshuette, die Frauen auf einer Seite, die Maenner auf der anderen. Um die Stuetzpfeiler  in der Mitte der Huette fangen die Maenner an, unter  wilden stampfenden Tanz Zoepfe aus langem Bast zu flechten; alle paar Minuten halten sie kurz inne und leeren eine Kalebasse mit Chicha. Nachdem die Zoepfe geflochten sind, wird auch uns Chicha angeboten. Man muss die Kalebasse austrinken, sie wieder fuellen lassen und dem naechsten reichen. Die erste Schale mit dem schmutzigbraunen Gebraeu ist nicht so leicht zu schlucken,  aber nach der dritten und vierten schmeckt es besser und besser… Nach zehn Schalen (nichts im Vergleich zu den Mengen, die die Leute aus dem Dorf, zu sich nehmen) tanzen und stampfen wir auch. Wie sie das 3 Tage lang aushalten ist ein Raetsel. Zwei Schalen am folgenden Tag sind genug, um uns sofort wieder total betrunken zu machen.

Die Atmospaere waehrend des ganzen Chicha-Fests ist sehr friedlich und entspannt. Jeder redet mit jedem, der Saila singt Blues in Spanisch, mit einem seligen Laecheln; die Frauen liegen in ihren Haengematten und rauchen ihre Pfeifen und kichern; Leute halten sich an den Bambuswaenden fest und stolpern auf die Baenke; andere spielen Bambusfloeten und tanzen und nehmen ab und zu einen Schluck aus der Kalebasse. Keiner wird laut oder aggressiv.

Am 5. Januar haben wir genug  gefeiert und fahren in Idelfonsos Einbaum zum Río Esadi auf dem Festland. Wir sind zusammen mit noch ein paar anderen Seglern neun Personen in dem engen Boot. Unsere Kniee beruehren beide Seiten des Kanus, und wenn jemand sich etwas zur Seite lehnt, um nach vorne zu gucken, kippt das Ulu fast um. Es ist ein Wunder, wie die Kunas in diesen wackligen Gefaehrten so weite Strecken ueber den offenen Ozean zuruecklegen koennen.

 

Am Samstag, dem 6. Januar, segeln wir um die Riffe herum nach den Cartí Inseln weiter westlich. Die schoenste der vier Inseln ist Yantupu mit 300 Leuten. Ein aufgeweckter Junge, Rudi, zeigt uns stolz sein blitzsauberes Dorf. Jede Huette ist umgeben von Blumenbeeten und einem Gemuesegarten und Obstbaeumen. Die Leute sind sehr traditionell, sehr freundlich und sehr stolz auf ihre Kultur. Sie vermieten auch 2 oder 3 Huetten, und wenn man ein entlegenes indianisches Dorf besuchen moechte, waere diese Insel ein gutes Ziel.

Zwei Tage spaeter segeln wir hinueber zu den Lemon Cays und ankern zwischen den aeusseren Riffen, nahe einem winzigen Eiland, wo wir wieder auf Renate und Dieter aus Frankfurt stossen.

Am 9. Januar verlassen wir die San Blas Inseln Richtung Colón am atlantischen Ende des Panama-Kanals. Mit gutem Wind segeln wir mit teilweise 10 Knoten  nah entlang der Kueste, innerhalb der Riffe. Etwa eine Stunde vor uns haben wir ein anderes Segelboot, bis wir uns der Isla Grande naehern. Das andere Schiff nimmt die aeussere, sicherere Route, waehrend wir uns durch eine enge Passage zwischen der Insel und dem Festland wagen und dann als Erste in Puerto Garrote gegenueber der Isla Linton ankommen, wo wir die Nacht ueber ankern.

Am naechsten Morgen wieder eine Rauschefahrt die Kueste entlang, dann durch das Breakwater von Colón bis zum Ankerplatz in den Flats, kurz vorm Kanal. Von ferne sehen wir etwa 100 Tanker und Frachtschiffe  vor Anker  liegen und warten, dass sie den Kanal durchqueren koennen. Alle 24 Stunden passieren zwischen 35 und 40 grosse Schiffe den Kanal.

Colón koennte eine schoene Stadt sein, aber es scheint, als ob es von Amerikanern und auch den Panameños vergessen worden ist. Die Haeuser sind in fuerchterlichem Zustand, die Strassen voller Muell und Dreck, und eine hohe Verbrechensrate macht es Auslaendern schier unmoeglich, durch die Stadt zu laufen. Deshalb haben wir leider keine Bilder machen koennen.

Ueber unseren tuechtigen Agenten Roberto bereiten wir den Transit vor: Zoll, Immigration, Hafenbehoerde, Kanalbehoerde, Vermessungsbehoerde. Der Ankerplatz in den Flats ist einer der dreckigsten, den wir je gesehen haben: eine brennende Muellhalde in der Naehe, Bulldozer die Erdverschiebungen machen, riesige Tanker und Frachter die verladen werden und  schmutzige Abgase und Zement und was nicht alles açausspucken. Das ganze Schiff ist mit einer oeligen Schmutzschicht ueberzogen. Wenn wir vom Cockpit zum Bug laufen, sind unsere Fusssohlen pechschwarz.

Schliesslich werden wir informiert, dass wir am Donnerstag, d. 17. Januar um 17 Uhr durch den Kanal fahren sollen. Aber um 14 Uhr bekommen wir eine Funknachricht, dass wir erst um 19.30 dran sind. Und dann erscheint unser Lotse um 17.30 und sagt, let’s go.

Also holen wir in aller Eile den Anker hoch und fahren Richtung erste Schleuse – bis der Lotse sagt, wir waeren viel zu schnell, wir muessten langsamer fahren… Nicht so einfach mit einem Rueckenwind von 25 Knoten. Wir muessen  die 6 Meilen bis zur Gatún-Schleuse im Rueckwaertsgang fahren, damit wir langsam genug sind…

In der Schleuse gehen wir laengs einem zu einere Yacht umgebauten Fischtrawler. Mit Hilfe von professionellen linehandlers, Robertos Bruedern, machen wir uns mit 6 Leinen fest. Wir sind froh, diese Hilfe an Bord zu haben, denn die Angelegenheit ist nicht so einfach, wie man denkt. Die Tore schliessen sich hinter uns, und das Wasser in der Schleuse faengt an wie in einer Waschmaschine zu brodeln.

Nachdem wir 27 Fuss gehoben worden sind, oeffnen sich die Tore, wir loesen alle Leinen und warten, bis der Trawler in der naechsten Schleuse ist. Und nochmal: laengsseits gehen, vertaeuen, die Tore schliessen sich wieder, das Wasser sprudelt bis zum naechsten Level in die Schleuse. Danach wiederholt sich die Prozedur ein drittes Mal, bis wir auf dem Niveau des Gatún-Sees sind, 26 Meter oder 85 Fuss ueber dem Meeresspiegel.

Dann motoren wir durch die stockdunkle Nacht  bis zu einer riesigen bequemen Boje (etwa 3m im Durchmesser) im See, an der wir festmachen und der Lotse von Bord geht.

Am naechsten Morgen wecken uns die Affen mit ihrem Gekreisch bevor gegen 6 Uhr der naechste Lotse ankommt. Wir fahren in aller Eile ab, durch den Monkey Cut und den Banana Channel – die kuerzere Route  fuer kleine Schiffe durch den groessten kuenstlichen See der Welt, Lake Gatún. Nach einer Weile meint der Lotse wieder mal, dass wir viel zu schnell waeren. Wir fahren im Leerlauf und driften etwa 40 Meilen ueber den See und den Kanal bis zur Pedro Miguel- Schleuse. Wir sind immer noch etwa eine Stunde zu frueh dran und bitten den Lotsen, doch irgendwo festmachen zu duerfen, weil wir einfach nicht langsamer fahren koennen. Kurz vor der Centennial Bruecke, einer wunderschoenen, fast aetherischen Konstruktion (von Bilfinger vor ein paar Jahren gebaut), machen wir an einer Mauer fest und essen erst mal gemuetlich zu Mittag.

Anderthalb Stunden spaeter fahren wir in die Pedro Miguel-Schleuse und machen an einem  dreistoeckigen Ausflugsdampfer mit etwa hundert amerikanischen Touristen fest. Alle winken und knipsen uns und fragen uns Loecher in den Bauch. Danach fahren wir noch durch die zwei Kammern der Miraflores-Schleuse, bis wir wieder auf Meerreshoehe sind.

In Colón hatten sie uns gesagt, wir sollten auf jeden Fall angeben, dass unser Schiff  bequem 8 Knoten fahren koenne, damit wir nicht eine Strafe von 440 $ zahlen muessten wegen Langsamkeit. Durch den gesamten Kanal waren wir aber nie schneller als 4 Knoten und ueber lange Strecken im Rueckwaertsgang oder Leerlauf….

Nach der Miraflores-Schleuse fahren wir durch den Balboa Reach, fahren unter der Puente de las Americas hindurch und zur Tankstelle im Balboa Yacht Club, wo wir Diesel und Wasser tanken und leider keinen Platz zum Ankern finden.

Jetzt wissen wir nicht, wohin. Es gibt in Panama City nicht viele Yacht Clubs oder Ankerplaetze, und  Januar ist Hauptsaison, alles ist voll. Ausserdem gibt es hier einen grossen Gezeitenunterschied von 5 bis 6 Metern. In unserer Not rufen wir Roberto, unseren Agenten in Colón, an. Er sagt, wir sollten in die Playita de Amador Bay fahren. Normalerweise darf man da nicht ankern, aber der netten Lady, die uns von ihrem Buerofenster aus sehen kann, muss unser Schiff wohl gefallen haben, denn sie sagt, es waere OK.

Jetzt sind wir also im Pazifik! Wir haben das Gefuehl eine Grenze ueberschritten zu haben. Jetzt beginnt ein neues Kapitel unserer Reise.

 


CHAP XXII. Panama City;

Islas Perlas Inseln

Wir bleiben von Mitte Januar bis Mitte Februar in Panama City, eine Metropole, die mit ihrer Skyline von weitem an Manhatttan erinnert. Von Playita de Amador aus, wo wir vor Anker liegen, muessen wir ueber einen etwa 6 km langen Deich fahren, der mit Aushub vom Kanalbau gebaut wurde und drei kleine ehemalige Inseln verbindet. Dieser Causeway ist ein Wellenbrecher und schuetzt die Kanaleinfahrt auf der pazifischen Seite. Das Aufschuetten wird immer noch fortgesetzt und der Deich verbreitert. Es werden darauf Messezentren, Museen, Parks, Geschaeftsviertel und Restaurants gebaut.

Wenn wir ueber diesen Causeway in die City fahren, kommen wir zuerst durch Balboa, ein Viertel, das frueher zur amerikanischen Kanalzone gehoerte und auch heute noch Sitz der Kanalgesellschaft ist. Man fuehlt sich da immer noch wie in den USA, alles ist grosszuegig angelegt, es gibt viele Parks, alles ist gepflegt.

Weiter entlang der Bucht kommt man nach Sta. Ana, ein voellig heruntergekommenes Viertel, wo man als Gringo oder als Europaeer besser nicht herumlaufen sollte. Daran grenzt die Altstadt, die gerade saniert wird. Einzelne Haeuser, Strassen und Plaetze sind schon sehr schoen restauriert worden und geben einem eine Ahnung von dem alten kolonialen Lebensstil. Wenn die Sanierung mal abgeschlossen ist, wird dies ein Viertel mit ganz besonderem Flair sein. Man findet dort Gallerien, das phantastische Kanal-Museum, Regierungsgebaeude, grosszuegige Wohnhaeuser, kleine feine Restaurants, Bars, Buchlaeden, alte Kirchen, die Kathedrale, einen Paseo entlang dem Meer.

Anschliessend an die Altstadt das chinesische Viertel mit Billiglaeden , dem Fischerhafen und dem Diebsmarkt, wo gestohlene oder geschmuggelte Waren verkauft werden. In der Dunkelheit nicht zu empfehlen. Weiter oestlich entlang der Bucht dann immer wohlhabendere und reiche Viertel. Die Investoren uebertreffen sich gegenseitig mit Ideen fuer noch ungewoehnlichere und edlere Wolkenkratzer, die Banken, Bueros, Luxusmalls und Luxusappartments beherbergen. Amerikaner, Russen und Chinesen sind sehr interessiert, Panama ist ein Steuerparadies.

Auf den Inseln im Pazifik soll alles sehr teuer sein, so dass wir Vorraete fuer einige Monate anlagen. In Panama City gibt es enorme Preisunterschiede in den Laeden der verschiedenen Viertel. Klar, denn der Durchschnittsstundenlohn liegt bei 1-2 $. Aber in den reicheren Vierteln finden wir natuerlich bessere Waren. Den ganzen Monat gehen wir fast jeden Tag einkaufen, Essen und Ersatzteile fuer alle Faelle.

In der Vía Argentina finden wir nach langem Suchen einen Buchladen, Argosy, der einem 84 Jahre alten Griechen, Jerry, gehoert und der eine aussergewoehnliche  Auswahl an Literatur und Kunstbuechern bietet, mit vielen ersten Ausgaben. Eine Fundgrube. Die Waende sind gepflastert mit sgnierten Fotos von Rita Hayworth ueber John Kennedy bis Margot Fonteyn. Der Laden ist ein Museum der Zeitgeschichte und Jerry voller interessanter Geschichten.

Panama ist ein Schmelztiegel von Menschen  aus ueber 50 Nationen, die wegen des Kanalbaus hierher kamen: Araber, Inder, Chinesen, Lateinamerikaner, Europaeer. Es ist ein Schnittpunkt von Ost und West, eine Mischung aller Rassen der Welt.

 

Die Seglergemeinde hat jeden Morgen von 8 bis 8.30 ein eigenes Funkprogramm auf Kanal 69. Es werden Sachen getauscht, Hilfe gesucht und angeboten, Erfahrungen ausgetauscht, Tipps gegeben. Im allgemeinen sind es die Amerikaner, die so etwas organisieren. Sie sind es auch, die staendig potlucks und Domino-Turniere veranstalten. Alle anderen ruempfen etwas die Nase ueber diese betriebsamen Amis, aber schliesslich machen doch alle mit und sind froh drueber.

Dani, mit dem wir seit 15 Monaten unterwegs sind, eroeffnet uns, dass er wieder zurueck nach Spanien moechte, und wir muessen nach jemand anderem Ausschau halten. Nachdem wir einige Zeit ueber Anschlaege im Yacht-Club und Leute Interessenten gesucht haben, finden wir schliesslich Gregor, einen 31-jaehrigen Traveller, der uns ueber den Pazifik bis  nach Australien begleiten will. Er hat schon einige Erfahrung auf Segelbooten, ist Vegetarier, kann kochen und versteht viel von Computern.

Mit all der Bauerei entlang dem Causeway, den Erd- und Baumaterialtransporten,  all den Lastwagen, die minderwertiges Diesel ohne Filter verbrennen, wird unser Schiff jeden Tag schwaerzer von oeligem Russ.

Am Tag bevor wir abfahren, kaufen wir noch frisches Gemuese auf dem Grosshandelsmarkt ein, wo die Erzeugnisse nur in 50-Pfund Saecken verkauft werden: Zwiebeln, Kuerbisse, Kartoffeln, Moehren, Grapefruit, Ananas,gruene Zitronen mit orangem Fleisch, eine ganze Staude Bananen. Alles unglaublich billig, ein Sack Grapefruit zu 2 $.Wir haben etwas Muehe, alles zu verstauen,einen Teil verschenken wir.

Am 15. Februar stechhen wir endlich in See. Unser erstes Ziel sind die Perlen-Inseln 40 Seemeilen vor der Kueste, noch im Golf von Panama. Es ist total windstill , und wir muessen  die ganze Strecke motoren. Am spaeten Nachmittag ankern wir vor Contadora, wohin sich der Schah von Iran fluechtete, als kein anderes Land der Welt ihn aufnehmen wollte. Es ist eine kleine Insel, Refugium der Reichen von Panama, aber auch wiederum nicht so exclusiv, wie es sich anhoert.

Am naechsten Tag segeln wir weiter suedlich und ankern zwischen der grossen Isla del Rey und dem winzigen Eiland Espíritu Santo. Nach Sonnenuntergang spielen wir mit dem leuchtenden Plankton im Wasser: wenn man einen Eimer Wasser hochholt und wieder ins Meer schuettet, sieht es aus wie fluessiges Feuer. Mit dem Bootshaken schreiben wir unsere Namen ins Wassser, und Gregor taucht und schwimmt und sieht aus wie ein Lichtmensch. Magisch.

Fruehmorgens segeln wir weiter bis zu einem der wenigen Doerfern am Suedzipfel der Isla del Rey. Auf den Perleninseln wohnen nur ganz wenige Menschen. Man sieht kein Haus, kaum ein Boot, fast nur Dschungel und leere weisse Straende, Pelikane und Fregattvoegel. Ein Garten Eden, ein Platz, an dem man den Rest seines Lebens als Einsiedler verbringen koennte.

In La Esmeralda fuellen wir noch mal die Wassertanks bis obenhin auf. Die Maenner in den pangas (kleine Boote) , die uns das Wasser und ein paar Papayas bringen, sind voellig betrunken und haben rote Augen, denn ganz Panama befindet sich mitten im Karneval. Kurz vor Dunkelheit fahren wir ab nach Suedwesten, Richtung Galápagos, 850 Seemeilen entfernt. Der Sonnenuntergang ist maerchenhaft, und am tiefblauen Himmel leuchtet die Sichel des Mondes und darueber ein heller Stern.

Ohne Motor von hier nach Galápagos zu fahren ist sehr schwer und zeitraubend wegen der vielen Flauten, wechselnden Winde und verschiedenen Stroemungen. Eines Nachts, bei sehr wenig Wind, drehen wir uns rueckwaerts im Kreis, und 10 Minuten spaeter dasselbe vorwaerts. Es ist als befaenden wir uns in zwei riesigen  Wirbeln.

Der warme El Niño- Strom kommt von Norden, der kalte Humboldt-Strom von  Sueden, der Aequatorialstrom von Osten, und der  Konteraequatorialstrom (oder wie immer man counter-equatorial uebersetzt) von Westen, und alle treffen in diesen Breiten aufeinander. Die Winde sind leicht, erst kommen sie aus NW, dann aus NO, dann aus SO, und dazwischen immer absolute Flaute. Insgesamt motoren wir 40 Stunden in den 7  ½  Tagen.

Am 25. Februar um 0.40 ueberqueren wir den Aequator auf 88º W. Mittags sehen wir Land! Die Luft ist so klar, dass wir Galápagos aus 100 Seemeilen Entfernung  sehen koennen. Am Montag, 26. Februar, um 11.30, ankern wir in der Academia Bucht von Puerto Ayora, Santa Cruz, nachdem wir an der oestlichen San Cristóbal – Insel und Santa Fé vorbeigefahren sind.

 


  CHAP XXIII. Galapagos

Hier in Puerto Ayorra lassen wir das Dinghy an Bord, denn es gibt viele gelbe Wassertaxis, die nur 50 cents kosten. Wir gehen zuerst zur Capitanía um einzuklarieren, wobei wir hoffen, dass unser Aufenthalt nicht allzu teuer wird. Wir haben viele Geschichten ueber Galápagos gehoert, man koenne nur 3 Tage bleiben, es waere suendhaft teuer, und waehrend der Hochsaison koenne man manchmal gar nicht bleiben; die Reglen aenderten sich staendig und wuerden von jedem Beamten nach Gutduenken ausgelegt, so dass es ratsam waere, einen Agenten zu nehmen. Wir gehen also etwas bang in die Capitanía – und alles geht sehr leicht und problemlos. Wir kriegen sofort eine Aufenthaltserlaubnis fuer 20 Tage (das Maximum), und es kostet uns nur etwa 200 $, d.h. pro Tag 10 $.

Danach geht’s zur Inmigración, wo wir mit 100 $ Parkgebuehr pro Person rechnen (das muessen alle mit dem Flugzeug ankommenden Tou8risten bezahlen) – und sie wollen nur 10 $ pro Nase! (In Ecuador wurde vor einigen Jahren der US – Dollar  als Zahlungsmittel eingesetzt. Wie in Panama praegen sie nur noch ihre eigenen Muenzen) Wir sind hocherfreut ueber diese Ueberraschung

Puerto Ayora ist mit seinen 22.000 Einwohnern der groesste Ort auf Sta. Cruz und auch von ganz Galápagos. Es ist ein huebscher, sauberer Ort mit gepflasterten Strassen, einfachen Haeusern, vielen Gaerten und bluehenden Baeumen. Man sieht viele Pickup-Taxis und viele Leute auf Fahrraedern. Diebstahl ist so gut wie unbekannt.

Entlang der Charles Darwin-Strasse am Wasser reihen sich Souvenir- und T-shirt-Shops, Gallerien, kleine Restaurants mit ueberdachten Terrassen und Bars und Reisebueros, die Tagestouren anbieten. Das ist der touristische Teil der Stadt. Der Rest ist eine normale Kleinstadt. Die Leute gruessen einen freundlich auf der Strasse, Hola! Buenos días!

Wir waren uns nicht ganz sicher, ob und wie wir Treibstoff und Trinkwasser finden wuerden und ob wir beides in Kanistern zum Schiff schaffen muessten. Auch diese Sorge stellt sich als grundlos heraus, denn als wir aufs Schiff zurueckkommen, kommt ein panga mit einem grossen Fass Trinkwasser an, und wir fuellen unsere Tanks auf, fuer 15 $. Jeden Morgen kommt auch ein panga vorbei und holt den Muell ab.

Wir sitzen im Cockpit und erfreuen uns an der Hafenszene. Pelikane gleiten ganz dicht uebers Wasser (sie sind hier nicht so ungeschickt wie in der Karibik), ab und zu landen sie auf unserem Bugspriet oder den Masten. Huebsche blaufusstoelpel stuerzen sich aus ueber 10m Hoehe ins Meer, schnappen sich einen Fisch und tauchen wieder auf. Ab und zu schwimmen riesige Wasserschildkroeten, Mantas und schwarze Meeresleguane vorbei. Seeloewen und Seehunde springen gerne auf Tauchplattformen und Dinghies und machen sich ueberall auf den Fischerbooten breit. Das niedrige Segelboot neben uns hatte neulich nachts Besuch von einigen Seehunden im Cockpit, wo der tierliebe Kapitaen und seine Frau schliefen.

Am Dock ist auch immer viel los. Wassertaxis fahren Touristen und Einheimische zu den vielen Charterbooten (grosse Catamarane und auch einige schoene alte dreimastige Schoner) und Motoryachten fuer Tauchfahrten, Schleppkaehne werden  entladen, grosse rote Sally Lightfoot-Garnelen krabbeln ueber schwarze Lavafelsen, und Seehunde gehen ab und zu an Land und gucken sich alles genau an, umringt von Leuten, die wiederum sie erstaunt anstarren.

Wir wandern hinueber zur Charles Darwin Station zu den Riesenschildkroeten, den gelben Landleguanen und vielen bunten Voegeln. Das Areal ist gut angelegt, mit Pfaden und boardwalks, damit man die Tiere ganz nah sehen kann, aber nicht stoert. Man kann bis auf wenige Zentimeter herangehen, sie sind ganz zahm. Die Schildkroeten machen, wenn sie ihren Kopf in Zeitlupe aus dem Panzer stricken, ein ganz komisches keuchendes Geraeusch und gucken einen unbeweglich an.

Die Insel ist sehr touristisch, aber es ist ein sehr leiser Tourismus. Die Leute, die hierher kommen, sind sehr interessiert an der Erhaltung der Natur und sehr umweltbewusst. Straende, Bars, Parties stehen nicht auf ihrem Programm. Alle sind zuenftig gekleidet, am liebsten  in Khakitoenen, mit Wanderschuhen und Hueten. Es gibt keine plaerrende Diskomusik, sondern gute Jazzmusik oder Klassiker wie Santana. Wohltuend. Was mir auffaellt ist der Anteil an sehr jungen Leuten. Es gibt Hotels fuer 15 $ die Nacht.

 

Am zweiten Abend werden wir zu einer Gallerie-Eroeffnung eingeladen. Ein reicher Investor (Skandinavier) hat das Geld fuer dieses Geschaeft gegeben, dessen Profit an die hiesige Kuenstlerkolonie gehen wird. Es werden wunderschoene Dinge aus Holz hier verkauft, dichtgeflochtene Koerbe aus Panama die als Wasserbehaelter dienen, Schmuck und gewebte Wandbehaenge. Nachher wird die Vernissage weiter gefeiert in der Bar nebenan, mit guter live Musik aus Ecuador und caipirinhas – unserem Lieblingsdrink, mit viel lime!

 

Frueh am naechsten Morgen  nehmen wir ein pickup-Taxi, um einen Ausflug in die Highlands von Sta. Cruz zu machen. Der Name unseres jungen Chauffeurs ist Byron, sehr poetisch. Unser erstes Ziel ist der Pinnacle, ein steiler kegelfoermiger Vulkan, der zweithoechste Punkt der Insel. Auf dem Weg dorthin kommen wir durch verschiedene Klimazonen, von der trockenen Kuestenregion in die fruchtbare, feuchte und meist wolkige Landwirtschaftszone mit Kaffee- und Bananenplantagen und dichten Waeldern mit langen silbernen und braunen Flechten in den Baeumen. Dann endet der befahrbare Waldweg, und wir lassen das Auto stehen und wandern weiter. Byron will uns begleiten, denn er war auch noch nie auf dem Vulkan.

Als naechstes kommen wir in die Miconia-Zone, die voellig bedeckt ist von diesem Busch mit glaenzenden gruenen Blaettern. Die einheimische  Miconia war fast voellig verdraengt worden von der Landwirtschaft und den eingeschleppten Chinin- und Guavenbaeumen. Eins der Hauptziele der Wissenschaftler hier ist es, wieder  Raum fuer  die urspruengliche Flora und Fauna von Galápagos zu schaffen. Das bedeutet, dass man Eindringlinge wie Schweine, Hunde, Katzen, Ratten, Ziegen und Maeuse, aber auch bestimmte invasive Pflanzen, die sich schnell vermehren  und einheimischen Arten  verdraengen, vernichten muss. Bei Pflanzen  wird das mit der chemischen Keule  gemacht, bei Tieren ueber Sterilisation. Haette man bisher nichts dergleichen unternommen, waeren die Inseln wahrscheinlich schon kahl gefressen und nichts mehr uebrig von der erstaunlichen Vielfalt von Lebewesen.

Weiter den Berg hinauf kommen wir in die Farnzone, wo es nur noch Moose, Flechten, Graeser und Farne gibt. Von ganz oben haben wir einen atemberaubenden Blick ueber Sta. Cruz und die umliegenden Inseln.

Auf dem Weg zurueck halten wir vor einem winzigen Laden und trinken ein paar Flaschen Wasser und kaufen ein Saeckchen Kaffee von der Santa Fé- Farm – der beste Kaffee der Welt, wie uns die Verkaeuferin versichert, oekologisch.

 

Unser naechstes Ziel sind die Gemelos (Zwillinge), zwei riesige versunkene Krater mitten in einem Margaritenwald . Wir haben ja schon riesige Margaritenbuesche in Mallorca, aber hier werden sie bis zu 15 m hoch und heissen Scalesia. Sie sehen aus wie Baeume, voller brauner Baerte, und in dem stroemenden Regen fuehlen wir uns wie Hobbits in diesem seltsamen Wald.

Danach fahren wir zur Primacias- Farm, einem Bauernhof mit Viehwirtschaft, der aber auch ein Refugium fuer frei umherlaufende Riesenschildkroeten ist. Auf dem Gelaende befindet sich auch ein Lavatunnel. Als wir die Treppen in den Tunnel hinabsteigen, graut es uns etwas, denn wir sehen dort einen Haufen ausgebleichter Knochen liegen – etwa von denen, die hinabstiegen und nicht mehr rauskamen? Der Tunnel ist ein langes schwarzes Gewoelbe. Je weiter man hinein laeuft, um so hoeher und spitzer wird es, es erinnert an eine Kathedrale. Funzelige Lampen geben ein schummriges Licht, durch die Ritzen tropft das Regenwasser von oben. Ploetzlich stehen wir vor einer Wand und koennen nicht weiter – bis wir sehen, dass unten am Boden ein schmaler Spalt ist. Wir muessen auf dem Bauch unter dieser Felswand durchkriechen, und als wir auf der anderen Seite ankommen, sind wir ueber und ueber mit Matsch beschmiert, aber doch ganz angetan von diesem Abenteuer. Wir fahren dann zurueck nach Puerto Ayora und sehen auf den Weiden Kuehe im Regen stehen. Auf vielen Kuehen stehen unbeweglich weisse Reiher.

In Puerto Ayora ist der Himmel wolkenlos und die Sonne brennt. Wir essen Bohnensuppe, Huehnchen mit Reis und Bananen und trinken einen frischen Mangosaft – alles fuer 10 $ fuer vier Personen.

 

Danach fahren wir zur Playa Garrapatero. Wieder stellen wir den Pickup ab und wandern den langen Pfad zum Strand hinunter, durch die Wildnis der Trockenzone mit ihren hohen Kaktusbaeumen, den silbrigen Palo Santos (benutzt als Weihrauch und Tranquillizer), den dottergelben Muyuyu- Baeumen und  den jetzt lindgruenen Dornenbueschen. Huebsche kleine Lavaeidechsen flitzen ueber den Pfad , und gelbe und rote Voegel fliegen von Kaktus zu Kaktus. Wir  klettern  durch ein Dickicht von Manchineelbueschen, eine Mangrovenpflanze mit sehr giftigen Aepfeln, und als wir die letzten Zweige beiseite schieben, werden wir geblendet von  pulverigem weissen Sand. Es ist gerade Ebbe. Schwarze Lavafelsen ragen aus dem nassen Sand, schwarze Meeresleguane raekeln sich darauf. In der Ferne sehen wir Santa Fé im blauen Pazifik. Wir haben die ganze grosse Bucht fuer uns allein – denke ich. Bis ich naeher ans Wasser laufe und einen wackligen Unterstand aus Staemmen und einer Plastikplane entdecke. Darunter sitzt bzw. thront etwas erhoeht ein Ranger und liest laut aus einem Buch. Ich gruesse ihn und frage ihn, was er liest, und er sagt laechelnd, Palabra de Dios, Gottes Wort. Danach liest er unbeirrt weiter bis wir viel spaeter wieder gehen.

 

Auf unserer Fahrt zurueck faengt es an zu regnen. Ein paar Bauern springen auf den Pickup, und wir fahren sie bis zu ihren Haeusern. In einem kleinen Dorf duschen sich Kinder unter dem dicken Wasserstrahl aus einer Regenrinne.

 

An einem anderen Tag machen wir einen Spaziergang zu den Grietas nahe dem Hafen. Wir laufen den Strand lang und dann durch Lavageroell, steigen eine steile Holztreppe hinunter und erblicken eine enge Schlucht aus schwarzem Lavagestein, die senkrechten Waende etwa 20 m hoch und gefuellt mit kristallklarem Wasser. Wir steigen ueber die riesigen runden Felsen ins Wasser – es ist sehr kuehl und erfrischend, auf dem Grund in etwa 5 m Tiefe sieht man  runde bemooste Steine und Papageifische. Sie muessen als Babies durch Ritzen in den Felsen in diese Grotte gekommen sein und koennen jetzt nicht mehr zurueck ins Meer. Am liebsten wuerden wir gar nicht mehr aus dem Wasser gehen, zurueck in die unbarmherzig brennende Aequatorsonne.

 

Da wir keinen cruising permit fuer die Inseln haben, nehmen wir ein Charterschiff zu der Isla Bartolomé. Es ist ein  8 m langes Motorboot, das schon bessere Tage gesehen hat. Es neigt sich arg nach backbord, und wenn alle 16 Passagiere  auf derselben Seite stehen, um etwas anzugucken, meint man, es wuerde gleich umkippen.  Der Kapitaen und seine Crew sind sehr sympathische Leute, das Essen ist gut. Auch mit dem Guide, Jorge, haben wir grosses Glueck.

Wir fahren fruehmorgens mit dem Bus ans Nordende von Sta. Cruz und steigen da aufs Schiff. Die Fahrt dauert etwa 3 Stunden. Wir kommen zuerst an Daphne Mayor vorbei, einer kleinen Vulkaninsel mit einem schoenen erloschenen Krater. Etwa 2 Meilen entfernt liegt Daphne Menor, die Schwesterinsel, die die Form eines Pfropfens hat – so als wenn der Krater sie wie einen Sektkorken ausgespuckt haette.

In Bartolomé ankern wir am Rand eines kreisrunden versunkenen Kraters. Die Insel sieht aus wie eine Mondlandschaft aus Sand und geschmolzener Lava. Jorge erzaehlt uns, dass sie 4 Millionen Jahre alt ist, 2 Millionen Jahre juenger als Santa Cruz, dass es also 2 Millionen Jahre dauert, bis sich Vegetation bildet. Er zeigt uns den Beginn dieses Prozesses: die ersten winzigen Flechten und Moose auf dem Gestein, die ersten graugruenen winzigen Sukkulenten (mit wasserspeichernden Blaettchen) und winzigen weissen Blueten, kleine Kakteen, Graeser. Kleine Eidechsen gibt es auch schon. Nahe der Sandbucht und nahe dem Wasser haben sich schon Mangroven breitgemacht und einige Kakteenbaeume.

Vom der Spitze des Vulkans aus bietet sich uns ein wunderschoener Blick ueber Bartolomé und die vulkanische Nachbarinsel Santiago mit ihrem neuen Lavafeld (vor 100 Jahren entstanden): es sieht aus als ob schwarze Schokolade aus dem Krater ins Meer geflossen waere, mit zwei roten ehemaligen Inseln wie zwei Kirschen auf einer mousse au chocolat.

Am Strand beobachten wir Haie im Wasser direkt am Strand, und besonders saftige und leuchtende rote Garnelen- sie haben erst kuerzlich ihren alten Panzer abgeworfen.

 

Am folgenden Tag besichtigen wir Seymour Norte mit demselben Guide und Schiff. Diese Insel ist nicht durch Vulkaneruption entstanden, sondern hat sich als Tafel aus dem Meer gehoben. Auch hier leben keine Menschen, sie gehoert Voegeln und Leguanen.

Als wir mit unserer kleinen Gruppe den Pfad entlanggehen, sehen wir Landleguane, manche ueber 100 Jahre alt. Dann sehen wir endlich die Blaufusstoelpel: einer steht direkt am Pfad, ein Ei zwischen den himmelblauen Entenfuessen. Weil er das Ei nicht einen Moment aus den Augen laesst, muss es das erste sein, das mit dem staerksten Kueken, das sie am meisten hueten. Die naechsten zwei Eier werden nicht mehr so geschuetzt.

Ein paar Schritte weiter sehen wir zwei beim Hochzeitstanz. Wenn sie langsam ein blaues Bein nach dem anderen heben wie ein Clown in uebergrossen Schuhen, sieht das schon wahnsinnig komisch aus. Sie spreizen ihre Federn, recken den Schnabel, dann die Schwanzfedern in die Hoehe, und das kann sich stundenlang hinziehen.

Dann sehen wir die Kolonien von Fregattvoegeln. Das sind riesige Voegel mit einer Fluegelspanne von ueber 2 Metern. Sie bauen ihre Nester auf den Dornenstraeuchern. Um den Weibchen zu imponieren, blasen die Maennchen eine Membran auf, die wie ein Kropf aussieht. Bei sehr jungen Maennchen sieht das aus wie ein glutroter praller Luftballon.

Die Kueken sind ganz weiss, sie sehen aus wie eine Kugel aus weissen Daunenfedern. Wenn sie ein Jahr alt sind, sind die Federn  am Koerper schwarz und am Kopf weiss. Erwachsene maennlicheFregattvoegel sind ganz schwarz, die Weibchen haben eine weisse Brust.

Seymour Norte ist ein tolles Erlebnis! Ein Must fuer Vogelliebhaber!!

 

 Nach dem Lunch auf dem Schiff fahren wir die halbe Meile bis nach Mosquera, einer winzigen Insel, die nur aus Sand besteht und von Lavafelsen umringt ist. Dort tummeln sich Hunderte von Seeloewen im Wasser, im Sand und auf den Felsen. Man kann mit ihnen schwimmen, aber Vorsicht mit den Bullen! Sie verteidigen sich und ihren Harem mit drohend gerecktem Kopf und Rumpf und mit grossem Geheul, und sie sind blitzschnell.


CHAP XXIV. Auf dem Rueckweg nach Sta. Cruz

Auf dem Rueckweg nach Sta. Cruz fahren wir mit dem Boot entlang der Ostkueste von Baltra, der Flughafeninsel vor Santa Cruz. Dort bewundern wir die vulkanischen Felsformationen, die riesigen Orgelpfeifen, Saeulen und Boegen aehneln.

 An einem andern Tag nehmen wir ein Charterschiff nach Floreana, der abgelegenen Insel im Suedwesten. Wenn man in Galapagos eine Tour macht, ist es sehr wichtig, dass man einen Fuehrer mit guten Kenntnissen nimmt, und auch einen, der sich auf die speziellen Interessen der Gruppe einstellen kann. Bisher hatten wir mit Jorge ausserordentliches Glueck, aber diesmal haben wir einen Guide erwischt, der ueberhaupt kein Interesse an Geschichte , Geographie oder Botanik oder irgendwas anderem hat. Er ist nur an Schnorcheln und Tauchen interessiert und zeigt uns ausschliesslich die Devil’s Crown, einen teilweise versunkenen Unterwasserkrater vor Floreana, dessen felsiger Kraterrand aus dem Meer ragt. Wenn man sich in der Mitte dieses Kreises aus bizarren Felsen befindet und die Seeloewen und Voegel beobachtet, ist das schon sehr beeindruckend.

Wir haetten aber auch gerne die Post Office-Bay besucht und das beruehmte Fass gesehen, das seit dem 18. Jahrhundert als Briefkasten dient. Bis heute werfen Seefahrer dort ihre Briefe ein und nehmen andere mit, die fuer Laender bestimmt sind, in die sie fahren. Wir haben Briefe vorbereitet und wollen welche ueber den Pazifik mitnehmen, aber leider ist das nicht moeglich. Wir sehen auch nicht die Flamingo-Lagune oder das Asilo de la Paz, wo Piraten eine wenn auch spaerliche Quelle mit Trinkwasser vorfanden, sehr kostbar in diesem Teil des Pazifik.

Auf der Rueckfahrt verzieht sich der Kapitaen zu einer Siesta und ueberlaesst das Steuer einem unfaehigen Crewmitglied, der einen Slalomkurs steuert. In gerader Linie sind es 35 Seemeilen bis Sta. Cruz, aber wir machen fast das Doppelte. Diese Tour ist so enttaeuschend, dass, wenn es unsere erste gewesen waere, wir wahrscheinllich keine andere gebucht haetten.

 Frueh am Samstag, den 17. Maerz, gehen wir noch mal auf den Wochenmarkt in Puerto Ayora und segeln dann mit leichtem Suedostwind, bei ruhigem Meer und sonnigem Wetter nach Isabela. Isabela ist die groesste Insel von Galapagos.Sie ist schmal, erstreckt sich aber ueber 100 km von Norden nach Sueden. Isabela besteht aus 6 aktiven Vulkanen, von denen die hoechsten mehr als 1700m hoch sind.

Leider geht die Sonne unter, als wir etwa 6 Meilen von Villamil entfernt sind, so dass wir im Dunkeln den schwierigen Weg durch die Riffe finden muessen. Wir suchen die Leuchtbojen, die die Einfahrt markieren sollen, finden aber nicht alle. Im Schneckentempo tasten wir uns vorwaerts bis wir in seichterem Wasser sind und ankern auf dem offenen Meer. Es wird eine unruhige Nacht, denn der Schwell und die Tide sind gross. Im Morgengrauen werfen wir  schliesslich den Anker vor Puerto Villamil, dem einzigen Dorf  (2000 Einwohner) der Insel. Wir sehen dann, dass es gut war nicht weiter zu fahren, denn einige der Bojenlampen funktionieren nicht und befinden sich auch nicht an den Stellen, an denen sie der Karte nach sein sollten.

Um 7 Uhr kommen oesterreichische Segler, die wir aus Sta. Cruz kennen, vorbei und laden uns zu einer Tour zu den Lavatunnels am Cabo Rosa ein. Insgesamt sind wir 10  Leute in einem offenen flachen Boot mit zwei 75 PS – Motoren . Henry, unser Guide und ein erfahrener Fischer, fliegt mit 30 Knoten ueber das Meer, und nach 40 Minuten schlaengelt er sich vorsichtig durch die Riffe in das Felsenlabyrinth vor Cabo Rosa.  Die Lagune ist voller bizarrer Lavafelsen. Viele von ihnen bilden Bruecken, unter denen wir mit geduckten Koepfen hindurchfahren. Die Kanaele sind teilweise so schmal, dass wir mit unserem Boot gerade hindurchpassen. Das Wasser ist kristallklar, es wimmelt von Fischen, Seehunden und Rochen. Das Areal ist etwa 30 Quadratkilometer gross, und wir wuerden uns allein hier hoffnungslos verirren und nie mehr herausfinden. Auf den Felsen Kakteen und Palo Santo-Baeume und viele viele Voegel, besonders Blaufusstoelpel und Lavamoewen. In einer Mangrovenlagune schwimmen Hunderte von riesigen Schildkroeten. Ein faszinierender, einzigartiger Platz!

Auf dem Rueckweg faehrt uns Henry am Union-Rock vorbei, der sich etwa 25-Meter hoch aus dem tiefen Meer erhebt. Seeloewen aalen sich darauf,  und Hunderte von Voegeln umschwirren ihn.

Wir erfahren, dass in der Nacht zuvor am Strand von Villamil sieben Wale gestrandet sind. Das ganze Dorf ist auf den Beinen, um sie zu retten, aber sechs sterben und werden im Sand beerdigt; der siebte ueberlebt und wird ins Meer hinausgezogen. Am unaechsten Tag sehen wir diesen einsamen Wal verloren durch den Hafen schwimmen. ER scheint nicht zu wissen, was er tun soll und wird pausenlos von Touristen belaestigt, die versuchen, ihn einzukesseln.

Die grossen Charterboote (in Besitz von auslaendischen Investoren) sind nicht gerade gut fuer die einheimische Wirtschaft, und die Leute beklagen sich arg darueber. Die Touristen werden mit Flugzeugen eingeflogen, dann von Bussen der Charterer zum Hafen  und in ihrenDinghies (statt der Wassertaxis)  zum Schiff gebracht. Dann essen und trinken sie an Bord und geben so gut wie kein Geld an Land aus.

 Wir organisieren einen Ausflug zum Sierra Negra- Vulkan, der den zweitgroessten Krater der Welt hat, neun mal elf Kilometer gross. Nach einer Stunde Fahrt mit dem Pick-up durch die unglaublich fruchtbare und gruene landwirtschaftliche Kuestenzone reiten wir 45 Minuten bis zum Krater , in dessen Tiefe ein gigantischer schwarzer Lavasee brodelt. Dann reiten wir am Kraterrand entlang und auf der auesseren Seite hinunter. Wir lassen die Pferde unter einem riesigen Jaboncillo- (Seifen-) Baum und wandern etwa zwei Stunden durch eine Mondlandschafts aus farbiger Lava zum Volcan Chico. Wir starren in bodenlose Fumaroles, aus denen Hitze und Schwefeldaempfe steigen. Es ist ein wolkenloser Tag, und wir haben eine phantstische Sicht ueber den suedteil der Insel, den Pazifik und den Isthmus von Isabela im Norden.

Als wir zum Club Nautico von Henry zurueckkommen, hat Mariana, seine Frau ein leckeres Fisch-Barbecue vorbereitet. Es wird ein sehr vergnueglicher Abend!

Nach dem Abendessen, im Stockdunkeln, muessen wir bei Ebbe Henrys Wassertaxi ueber die Sandbaenke und durch die Felsen ins tiefere Wasser schieben, bevor wir wieder zu unserem Schiff gelangen koennen.

Isabela ist eine wunderschoene Insel, die sich kein Besucher von Galapagos entgehen lassen sollte! Leider ist unsere Zeit in Galapagos fast abgelaufen. Am Donnerstag, den 22. Maerz, werden wir unsere 3000-Meilen-Reise nach  den Marquesas-Inseln beginnen…


CHAP XXV. Galápagos - Marquesas

G A L A P A G O S  _  M A R Q U E S A S    (22.3. – 18.4.07)

Nachdem wir uns nochmal in Danielitas Laedchen mit Tomaten, Gurken, Birnen, Aepfeln, Páprika und Ananas eingedeckt  une erfolglos versucht haben, die Fotos von Galápagos an Jaime und Dani zu schicken (das Internet in Puerto Villamil ist elend langsam), stechen wir am Donnerstad, d. 22. Maerz 07 um 15 Uhr in See. Wir fahren 210º, d.h. in suedwestlicher Richtung, um auf etwa 6º suedlicher Breite zu kommen, wo wir mit dem SO-Passat der Suedhalbkugel nach Westen segeln wollen. Der Himmel ist klar, das Meer ruhig, wir machen 5.4 Knoten. Es ist kuehl, und wir ziehen unsere Sweatshirts an. Backbord sehen wir eine breite Reihe von Walen, einige tauchen  unter dem Schiff durch auf ihrem Weg nach Westen.

Der Wind wird in den naechsten Tagen immer schwaecher, wir befinden uns in deer Kalmen-Zone und machen nur 60, 70 Seemeilen am Tag trotz starker westlicher Stroemung. Wir sehen ein Container-Schiff auf dem Weg nach Suedamerika, einen Seeloewen, viele Delphine, einen Manta und Schwaerme von grossen Motten. Wo die wohl herkommen?

Von 18 Uhr bis 6 Uhr wechseln sich Skip und Gregor alle 3 Stunden mit der Wache und dem Steuern ab. Die uebrige Zeit uebernehmen wir alle mal die Pinne. Ich koche meist, mache Fruehstueck und frische mein verschuettetes Franzoesisch auf.

Nach einer Woche sind es noch 2400 Meilen. Wir sind mit Hilfe des Motors auf 6º suedlicher Breite angelangt und nun in der Intertropical Convergence Zone, wo die suedlichen und noerdlichen Winde aufeinanderprallen. Der Himmel  ist voller Wolken, es regnet heftig und es ist kalt. Wir haben unsere Foulweather-Anzuege an und im Schiff ist alles feucht und faengt an zu schimmeln. Aber wir machen Fahrt, 7-8 Knoten, unser neuer Tagesrekord sind 174 Meilen!!

Da das auf die Dauer zu anstrengend wird, reffen wir erst das main-Segel und danach auch noch das main stay und muessen trotzdem meist mit den Fuessen steuern, um dem Druck auf die Pinne standhalten zu koennen. Aber wenigstens fliegt und rutscht uns beim Kochen nicht mehr alles durch die Gegend.   Ab und zu fangen wir einen Fisch, eine Dorade oeder einen Thunfisch. Sie sind so wunderschoen bunt, wenn man sie aus dem Wasser holt, aber nach kurzer Zeit verschwinden die goldenen, lindgruenen und leuchtendblauen Farben.

Nach 9 Tagen haben wir 1000 Meilen hinter uns gebracht, kein schlechter Schnitt angesichts all der Flauten am Anfang.

Am 10. Tag weht der Wind ploetzlich statt von SO aus NO und blaest mit Windstaerke 6 statt 3. Wir muessen gybe (?), haben damit aber ein Problem, weil sich die Backstag in dem Pudel verheddert hat. Gregor zieht seinen Klettergurt an, klettert auf den Mast und befreit die Stag.

Nachdem wir alles gesichert haben, flaut der Wind ab und blaest wieder aus SO. Am naechsten Tag dasselbe Theater: der Wind dreht wieder nach NO, und wir haben alle Muehe, aud unserem Kurs zu bleiben.

Am 7. April, dem 16. Tag, liegen noch 1000 Meilen vor uns, zwei Drittel sind geschafft! Der Himmel ist voller Kumulus-Wolken, aber es gibt auch klare blaue  Stellen. Ab und zu regnet es noch. Es ist wieder etwas kuehler. Vor ein paar Tagen fuehlten wir, dass der kalte Humboldt-Strom aus der Antarktis sich nicht mehr bemerkbar machte. Luft und Wasser wurden merklich waermer, es wurde zeitweise sehr schwuel.

Je naeher wir den Marquesas kommen, umso schwaecher wird die Brise. Von durchschnittlich 120 Meilen am Tag sind wir runter auf etwa 70. Es scheint als wuerden wir kaum vorwaerts kommen.

Am 24. Tag, 15.4., sind es noch 240 Meilen. Und fast kein Wind, und der mal wieder aus NO. Gemaess den Seekarten sollte es das in dieser Gegend um diese Zeit gar nicht geben. Wir muessen aufpassen, dass wir nicht zu weit suedlich geraten und Fatu Hiva, die suedlichste Insel der Marquesas , nicht verpassen.

In den letzten Tagen kommen wir nur im Schneckentempo voran. Jetzt sind wir schon so nah, aber es zieht sich endlos. Nachts sehen wir backbord das Kreuz des Suedens.

Orion, in der Karibik immer ueber der Mastspitze, liegt hier im Westen auf der Seite. Es ist unglaublich, wie voller Sterne die Sternbilder hier sind!

Am 15. April sehen wir unser viertes Schiff. Es duempelt uns entgegen, anscheinend ohne festgen Kurs. Alles an Deck ist hellerleuchtet, aber man sieht keine Leute und es meldet sich auch niemand ueber VHF.Ploetzlich faehrt es zielgerichtet und schnell ziemlich nah an uns vorbei. Wir sehen niemanden. Geisterhaft.

Bisher haben wir eine Tuete voller Abfall, hauptsaechlich Plastik und Folie. Blechbuechsen und Glas und Papier hgaben wir versenkt, ebenso die Bioabfaelle. Wasser haben wir noch genug an Bord, auch Diesel.

Am Mittwoch, 18.4., sind es noch 33 Meilen, kein Wind, 1.5 Knoten…Im Osten feuriges Morgenrot und bedrohliche Wolken, die schnell naeherkommen. Skip beschliesst, daas eiserne Segel zu setzen, obwohl die Dichtungen der Wasserpumpe ersetzt werden muessen und wir Gefahr laufen, dass der Motor ueberhitzt. Als es heller wird, koennen wir die gezackte Silhouette  von Fatu Hiva vor unserer Bugspitze erkennen, der suedlichsten der Marquesas-Inseln.

Es ist sonnig und klar, als wir uns der gruenen Steilkeuste im Osten der Insel naehern und sie auf dem Weg in die Baie des Vierges noeerdlich umrunden. Es ist eine winzige Insel, aber sie sit bis zu 1100m  hoch und von Wolken umhuellt.

Sobald wir um die Ecke gebogen sind, laeutet mein Handy, und Movistar heisst mich in Franz. Plynesien willkommen…Wir sind zurueck in der Welt, nach 27 Tagen voelliger Abgeschiedenheit.

Waehrend der 4 Wochen hatte ich das Gefuehl, sehr weit weg von allem zu sein, aber es war nie beaengstigend. Im Gegenteil, ich empfand die Weite des Ozeans und des Himmels als sehr berugigend und friedvoll, besonders nachts und im Morgengrauen. Ich hoerete nur die Musik des Schiffs und des Wassers, das rhythmische Knarren des Holzes, das Singen des Tauwerks, das Rauschen der Segel, das Klatschen und Brausen der Wellen.

Die Bay of Virgins zu finden ist gar nicht so leicht. Es gibt kein Dorf, keine menschlichen Behausungen zu sehen. Alles ist zieharmonikaartige Steilkueste mit spitzen gruenen Bergen und tiefeingeschnittenen gruenen Taelern. Es fahren keine Boote umher, alles ist wie unberuehrt und menschenleer. Wir naehern uns 3 Segelschiffen, die wir von weitem ausgemacht haben, und dann sehen wir zwei Fussballtore und eine weisse Kirche. Das muss es sein.

Wir fahren in die zauberhafte Bucht hinein. Auf beiden Seiten ragen phallusartige schwarze Felsen in den Himmel, ueber der Schlucht balles sich dunkle Wolken.Unten, da wo das Dorf versteckt hinter Palmen liegen muss, ist alles ueppig gruen. Wir ankern in 11m Tiefe in Sand.

Ausser uns sind noch 4 andere Schiffe da, von denen wir einige schon von Galapagos kennen. Wir sind tatsaechlich in Franz. Polynesien angekommen! Wir haben es geschafft!!


 CHAP XXVI

M A N I H I   (Tuamoto)       -       T A H I T I

14º 27’90  S   146º 02’20  W           17º 32’43  S    149º 34’22  W 

Am Samstag, 12.05.07, lichten wir um 7.40 den  Anker und machen uns auf die 490 Seemeilen-Reise nach den Tuamotu – Inseln. Das riesige Tuamotu – Archipel besteht aus Atollen, die sich ueber fast 2000 km in SO – NW –Richtung zwischen den Marquesas und Tahiti erstrecken. In Mururoa, im SO des Archipels, testeten die Franzosen im Januar 1996 ihre letzte Atombombe.

Von den 76 Atollen sind 30 unbewohnt. Auf dem Rest leben etwa 12000 Menschen.

Copra (getrocknetes Kokosnussfleisch), Fischerei und Perlenzucht sind die Grundlage ihres Einkommens.

Unter Seglern sind die Tuamotu beruechtigt als das Gefaehrliche Archipel, weil sie so flach sind. Man erspaeht sie erst, wenn man schon fast da ist – um so schlimmer, als sie auch von ausgedehnten Riffen umgeben sind, die je nach Tageszeit, Licht und Wetter schwer oder gar nicht erkennbar sind.

Die Tuamotu – Atolle sind die Reste erloschener Vulkane. Durch Wind-, Regen- und Wellenerosion werden die Spitzen und die Seiten der Vulkane abgetragen; es bildet sich Erde, auf der Pflanzen wachsen koennen. Gleichzeitig fangen Korallen an, um die Inseln herum Riffe zu bauen. Die oft hohlen Vulkankegel erodieren immer weiter, bis von ihnen ueber Wasser nichts mehr uebrig bleibt, waehrend die bis zu 3 m hohen Korallenriffe ringsum erhalten bleiben.

Das Ergebnis ist ein Ring von winzigen Motu (Inseln) um eine Lagune herum, wie eine Perlenkette. Manche Lagunen sind sehr seicht, in andere kann man durch natuerliche Kanaele hineinfahren.

Die ersten drei Tage weht eine angenehme Brise aus OSO, und wir rauschen entspannt ueber den blauen Pazifik. Schoen, so ein stetiger Passatwind! Abends sucht sich ein junger (aber grosser) Vogel die Ragnar als Logis aus. Erst klettert er auf die Leinen vom main-sail, balanciert unsicher darauf herum, hakt seine Fluegel um sie herum. Dann naehert er sich der Ruderpinne immer mehr und laesst sich schliesslich gemuetlich auf einer Seilrolle nieder. Nachdem Gregor ihn mit Schwarzbrot gefuettert hat, scheisst das zutrauliche Tier nach Herzenslust aufs Deck und schlaeft bis zum Morgengrauen.

Am Dienstagmorgen wird es etwas ungemuetlich. Wir ziehen unsere Schlechtwetteranzuege an und trotzen dem Regen, waehrend wir fast 8 Knoten machen. Danach stabilisiert sich das Wetter wieder, und am Mittwoch, 16.05., sehen wir morgens nach Sonnenaufgang das Manihi-Atoll im NW der Tuamotu vor uns liegen.

Wir segeln in sicherem Abstand an der NO-Kuste entlang bis zu der Laguneneinfahrt im NW.

Durch diesen nur 40 m breiten Kanal zu kommen, bedarf es genauen Timings (wegen der Tide: man kann nur bei Gezeitenwechsel durch; die uebrige Zeit  stroemt Meerwasser reissend in die oder aus der Lagune, mit bis zu 9 Knoten); und es mit Bravour unter voller Besegelung zu machen grossen seglerischen Koennens. Bravo Skip!! Aber die Mannschaft war auch nicht schlecht!

Wir fahren am Doerfchen Manihi auf dem Motu Paeua vorbei, quer durch die bis zu 45 m tiefe Lagune des Manihi-Atolls bis zum Ankerplatz fuer Yachten vor dem Motu Tatara. Es sind noch 7 weitere Schiffe da. Alle haben viel Platz um sich herum, man liegt ruhig, es ist still. Vor uns auf dem Motu wiegen sich die Palmen. Die Lagune ist so gross, dass man sie nicht ganz ueberblicken kann. Hier und da stehen Haeuser auf Stelzen im Wasser: das sind die Perlenfarmen.

Das Wasser ist sehr klar, sehr warm und wegen der hohen Verdunstung sehr salzig. Wie ein Aquarium ist es voller bunter Fische, die man schon vom Deck aus gut beobachten kann: Papageienfische, Nadelfische, Muraenen,  die bizarren Trompetenfische, freundliche Haie und viele andere Arten.

Am naechsten Morgen fahren wir mit dem Dinghy ins einzige  Dorf des Atolls, Manihi. Breite Sandwege, auf denen wenig Autos und viele Fahrraeder fahren und Fussball gespielt wird. Links und rechts Huetten aus Korallenbausteinen  inmitten von grossen tropischen Gaerten voller duftender Blumen und Obstbaeume.

Am Hafen hat sich das ganze 200-Seelen-Dorf versammelt, denn das Versorgungsschiff aus Tahiti ist gerade angekommen mit Brennstoff, Lebensmitteln, Gemuese, Moebeln etc. Wir gehen einige Male die Hauptstrasse rauf und runter auf der Suche nach einer Bar, aber es ist mal wieder Feiertag in Franz. Polynesien und fast alles ist zu. Die Leute gruessen uns jedes Mal freundlicher und zum Schluss schon wie alte Bekannte.

Nachmittags kommt ein grosses Kanu ans Schiff, mit einem einheimischen Kapitaen im Blumenhemd  und zwei jungen ernst aussehenden Maennern in dunkelgruenen Hosen,  bluetenweissen Hemden mit Namensschild und Krawatten. Wir starren sie fragend an, und der Skipper sagt, Wir sind nicht von der Polizei. Um so besser. Wer sind sie dann?  Aber keiner erklaert sich. Gregor fluestert, Ich glaub das sind Zeugen Jehovas!? Hm. Und tatsaechlich: es sind mormonische Missionare. Keiner von ihnen gibt einen Pieps von sich, aber sie schenken uns das Book of Mormon und machen dann die Runde zu den anderen Schiffen. Erst sind wir wegen dieser Begegnung voellig perplex; dann erscheint sie uns als so absurd auf diesem abgelegenen Atoll am Ende der Welt, dass wir uns vor Lachen nicht halten koennen und erst mal einen Lumumba (heisse Schokolade) mit viel Rum trinken.

Es stellt  sich heraus, dass der Kanubesitzer  Monsieur Fernand ist. Er ist auch der Baecker, der den Yachties morgens die Baguettes bringt. Am naechsten Tag packt er uns samt dem  Dinghy in sein Kanu und faehrt uns zu seiner Perlenfarm eine Meile vom Ankerplatz entfernt. Mit unserem 3PS-Motor haetten wir die Strecke gegen den Wind nicht geschafft.

Fernands Frau ist Meisterin in der Produktion von guten Perlen. Sie demonstriert uns den Pfropfvorgang in ihrer kleinen Werkstatt, die wie ein Operationssaal aussieht, voller Pinzetten, Zangen, Klemmen, Skalpelle.

Zuerst bringt ihre Tochter einige geoeffnete Perlmuttmuscheln (nacres), von denen sie die mit der besten Kolorierung am aeusseren inneren Rand aussucht. Dann  schneidet sie die Lippen um den Muskelrand ab, saeubert sie und  zerteilt sie  in winzige Stueckchen, die mit Meerwasser feucht gehalten werden.

Danach bringt ihre Tochter Kisten von  frischen geschlossenen Perlmuttmuscheln. Mit einer Zange oeffnet Madame vorsichtig die Muscheln ein kleines bisschen und schiebt mit einem spitzen Instrument eine winzige Kugel (incluse), die aus einer Mississippi-Muschel gewonnen wird und  auf die sie ein Lippenstueckchen gepackt hat, in die Muskeltasche der Muschel. Dieses Lippenstueckchen loest sich in drei Wochen auf, umhuellt die “incluse” und gibt der spaeteren Perle ihren silbergrauen Perlmutterglanz.

Dann wird die Muschel wieder geschlossen und im Dreierpack an Faeden ins Wasser der Lagune gehaengt. Nach 15, 16 Monaten kann geerntet werden.

Premium-Perlen sind sehr selten, sie haben viel Ausschuss. Aber trotzdem scheint es ein gutes Geschaeft zu sein. Heiss begehrt sind dunkle, silbergraue Perlen mit Perlmuttglanz. Die Geschaefte in Tahiti bieten sie zu teilweise horrenden Preisen an.

Wir werden mit vier Perlen beschenkt, bedanken uns, steigen in unser Dinghy und sehen, dass wir  weder die Paddel dabei noch den Benzintank aufgefuellt haben… Aber wir schaffen es.

Monsieur Fernand ist zwar hier geboren, aber eine Ausnahme in Manihi. Er war jahrelang in der Franzoesischen Marine, kennt die Welt und hat keine Beruehrungsaengste mit Fremden. Er sagt, dass, wenn man am Ende der Welt auf den Tuamotus wohnt,  man an Gott glauben MUSS. Sie sind hier weit ab von allem und voellig auf sich selbst gestellt. Jeden Moment kann ihnen alles genommen werden: die Atolle sind in staendiger Veraenderung begriffen, Zyklone verheeren sie, Stuerme, Tsunamis, Kokosnuesse koennen einem den Schaedel einschlagen. Aber Hunger muss niemand leiden. Sie haben Brotfrucht als Basis, Bananen jeder Art, Kokos, Unmengen von Fisch. Im Dorf gibt es 4,5 Kirchen. Die Menschen suchen Zuflucht im Glauben.

Am Samstag, 19.05., machen wir uns gegen 8 Uhr auf den Weg aus dem Manihi-Atoll heraus. Schoenes Wetter, leichte Brise aus SO. Im Kanal herrscht eine reissende Stroemung, und Skip ist schweissgebadet, als er die Ragnar heil unter Motor durch den brodelnden Engpass gesteuert hat. Draussen hissen wir das main stay und das stay sail und segeln mit 5.5 Knoten und Wind aus OSO Richtung Tahiti, 250 Seemeilen entfernt.

Am Sonntagabend dreht der Wind auf NO, er kommt also von achtern. Das ist fuer einen Schoner nicht so guenstig., denn man muss sehr praezise steuern, und es wird auf die Dauer anstrengend. In der Montagnacht faengt es auch noch fuerchterlich an zu regnen, und wir beschliessen, die letzte Strecke bis Papeete mit Motor und Autopilot zu segeln.

Im Morgengrauen sehen wir die gezackten gruenen Bergruecken von Tahiti und der Schwesterinsel Moorea, und gegen 17 Uhr werfen wir in der Baies des Orangers den Anker und machen entlang dem Boulevard Pomaré fest. Wir sind mitten in der Stadt und koennen endlich mal wieder direkt vom Schiff ans Land springen! Ausserdem haben wir auch mal wieder Wasser- und Stromanschluss – was fuer ein Luxus!

Es befindet sich an diesem grossen Kai nur noch eine andere Yacht,  Lady Jane, die wir schon kennen. Im Lauf der Tage fuellt es sich aber, allmaehlich trudeln die anderen Schiffe von den Marquesas und den Tuamotu ein. Frueher muss es hier am Stadtkai immer sehr voll gewesen sein, aber es gab viel Diebstaehle, und das Gros der Yachten geht jetzt in eine teure Marina am Flughafen.

Seit vier Wochen haben sie hier aber einen 24-Stunden Sicherheitsservice, so dass wir hier bleiben und uns auch sehr wohl fuehlen. Am Tag zahlen wir etwa 14 Euros Liegegebuehr. Es ist immer was los hier, viele Leute kommen vorbei, fotografieren, besichtigen das Schiff, Journalisten kommen vorbei und wollen Reportagen machen, Japaner und Chinesen von den Kreuzfahrtschiffen gegenueber geben uns ihre Visitenkarten. Es erscheint ein Artikel ueber uns in Les Nouvelles, mit Bild.

Wir klarieren in der Hafenmeisterei ein und muessen nun doch Skips Kaution fuer einen eventuellen Ruecktransport hinterlegen. Das Geld, ueber 1000 Euros, bekommen wir beim Ausklarieren aus Franz. Polynesien wieder zurueck.

Wir schlendern durch Papeete. Es ist eine kleine quirlige Stadt mit franzoesischem Flair: Bistros, Brasseries, huebsche kleine Kirchen, grosser Markt, viele Buchhandlungen, gute Geschaefte. Morgens Croissants, pain au chocolat, café au lait. Der Kellner, Tahitianer, imposant, mit Blumenkrone (jeden Tag eine andere), Blumenhemd und sanftem Hueftschwung. Die Frauen mit Blumenhueten, Gardenien / Hibiskus/Orchideen hinterm Ohr, Blumenketten aus duftenden Frangipanis und Tiare Tahiti um Hals und Schultern. Fast keine Jeans (Gott sei Dank, diese Weltuniform…), sondern froehliche Kleider mit Blumenmustern. Sanfte Bewegungen, alle entspannt, alle sehr hoeflich, nicht laut, nicht gehetzt, geduldig. Keine staendige Musikberieselung. Keine lauten Bars.

Was fuer ein Unterschied zur Karibik, besonders  den ehemaligen englischen Kolonien oder gar den hollaendischen mit ihren El Arenal- Zonen und ruepelhaften Touristen.

Abends gehen wir meist an einer Roulotte essen. Auf einem Platz hier am Hafen werden ab 17 Uhr  Restaurant-Trucks geparkt und drumherum Tische und Stuehle aufgestellt. Es gibt einen hohen chinesischstaemmigen Bevoelkerungsanteil hier, und Geschaefte und Restaurants sind fest in ihrer Hand. Man kann an diesen Roulottes sehr gut und verhaeltnismaessig billig essen und mit viel Vergnuegen die Leute beobachten. Die Chinesen, die ihre feuerspruehenden Woks schuetteln; die Tahitianer jeglicher Herkunft und Schicht, wie sie genuesslich ihre grossen Portionen verspeisen – oft als ersten Gang eine Crèpe  mit Riesenberg Schlagsahne, danach Riesenhamburger.

Wir ziehen Chow Mein mit Thunfisch und viel frischem Gemuese aus dem Wok vor. Und danach an der bretonischen Roulotte Buchweizencrepes, aussen etwas knusprig, mit Schokolade, Kokos, Banane und Schokoeis…. Dazu eine Flasche kalten cidre….

Wir klappern die Nautikgeschaefte ab nach Ersatzteilen. Die Jungs schleifen Reling und Deckhaeuser ab, denn der Lack hat auf der Ueberfahrt sehr gelitten. Skip lackiert neu, sechs Schichten. Ich leere Schraenke, entferne Kaefer, erneuere die Vorratslisten, mache Einkaufslisten, mache sauber, gehe zum Hautarzt (er entdeckt, dass ich eine Kontaktallergie gegen gewisse chemische Produkte habe und keinen tropischen Pilz) und zum Friseur. Der erste, der mal wieder Haare schneiden kann seit anderthalb Jahren.

Eine quirlige chinesische Tahitierin, Marie, und ihr viel juengerer Freund Eric laden uns eines Abends auf einen Drink ins Sheraton ein, nachdem wir hier am Kai ihre Bekanntschaft gemacht haben. Sie stammt von der Insel Raiatea, hat 14 Geschwister und drei erwachseneToechter (zur  Hochzeit von einer kamen letztes Jahr 600 Gaeste, alles Familie), war mit einem hohen franzoesischen Abhoerspezialisten verheiratet, der vor sieben Jahren starb, eroeffnete dann einen Catering-Service und will jetzt ein  Segelboot kaufen. Ein Energiebolzen!

Es wird ein lustiger Abend, und wir sehen nun auch endlich mal eine Show mit tahitischen Taenzen. Diese tahitischen Shimmies sind wirklich atemberaubend! Und die jungen Taenzer betoerend schoen mit ihren langen glaenzenden Haaren, in ihren bunten Kostuemen und  Grasroecken,  ihren geschmeidigen Hueften und kraftvollen Schenkeln.

Es faellt uns auf, dass es hier drei Geschlechter zu geben scheint, ausser dem maennlichen und dem weiblichen das androgyne. Und das wird als voellig selbstverstaendlich akzeptiert. Oft weiss man wirklich nicht, ob man Madame oder Monsieur sagen soll.

Am Sonntagmorgen gehen wir gutgekleidet  und ich mit einer Frangipani-Girlande in den Temple de Paofai, die protestantische Kirche.  Alle Frauen sind in reines Weiss gekleidet, haben Perlenkolliers angelegt und phantasievollste weisse Hutkreationen auf den Koepfen. Wir sitzen auf der Empore, es ist heiss, ich haette auch meinen Faecher mitbringen sollen. Der Pfarrer haelt die Predigt auf Tahitisch, das sich so anhoert, als bestehe es nur aus Vokalen. Dann singt die Gemeinde mit Inbrunst tahitische Choraele, so schoen, dass einem die Traenen in die Augen steigen.


CHAP XXVII. Tahiti (cont).  

 

Wir mieten uns einen Twingo, um einmal um die ganze Insel zu fahren. Tahiti hat die Form einer Eieruhr: die noerdliche Haelfte ist Tahiti Nui (gross), und die suedliche Tahiti Iti. Beide sind durch einen sehr schmalen Isthmus verbunden.

Es gibt in Tahiti nur eine grosse Ringstrasse um die Insel. Nur der Kuestenstreifen ist bewohnt, im Inneren gibt es weder Doerfer noch mit normalen Autos befahrbare Wege.

 Zu Rush-hour-Zeiten bilden sich riesige Staus, und Leute, die in Papeete arbeiten und ausserhalb wohnen, muessen morgens um 5 Uhr abfahren, um um 7 Uhr am Arbeitsplatz zu sein.

Es leben nur 170 000 Menschen auf der Insel, davon sind 70% Polynesier, 16% Demis (Mischung aus einheimischen “ma’ohis” und Europaeern / Chinesen), 16% Chinesen (Tinito) und der Rest Europaeer. Aber im oeffentlichen Bild erscheinen die Chinesen viel, viel zahlreicher.

Beide Inselteile bestehen aus steilen, spektakulaeren gruenen Maerchen-Bergen, die oft von Wolken verhuellt sind. Der hoechste ist ueber 1300m hoch. Spitze, enge Taeler durchschneiden die Berge, und alle paar hundert Meter fliesst ein Bach zu Tal und in die Lagune. Mit dem Regen, fruchtbaren Boden und milden Klima explodiert die Natur, alles ist gruen, gruen, gruen.

Um die gesamte Insel zieht sich im Abstand von 1 bis 4km ein Korallenriff. Es gibt einige mehr oder weniger enge Paesse, durch die man durch das Riff in die Lagune fahren kann. Aber wir sparen uns das fuer die anderen Gesellschaftsinseln auf und bleiben lieber in Papeete am Dock liegen.

Nahe Papeete und Faaa (Fa-a-a…), dem Flughafen, ballt sich der Verkehr wie in einer Grossstadt, und es ballen sich auch die Wohngebiete- einige davon sehr luxurioes. Je weiter suedlich man die Kueste hinunterfaehrt, umso einfacher werden die Haeuser und Huetten.

In Parara im Suedwesten gucken wir uns die Surfer an (Tahiti ist ein Surf-Paradies) und lernen auf der Suche nach tibetischen Gebetsfahnen, mit denen die Ragnar immer geflaggt ist, die Kunsthaendlerin und unermuedlich Reisende Brenda Chin Foo kennen, die da  ein kleines, aber feines buddhistisches Zentrum gegruendet hat.

Wir gehen in den Botanischen Garten mit Lotusteichen und grandiosen Baeumen, sitzen am Strand, vor uns die spiegelglatte Lagune mit einigen schilfgedeckten Haeusern auf Stelzen, weiter entfernt die weisse Brandung des Riffs und dahinter der tintenblaue Pazifik.

Dann ins Musée de Tahiti. Da zeigen sie u.a., wie die Atolle entstehen, Kleidung, Schmuck, Moebel, Werkzeuge der Polynesier, Fotos der alten Koenigsfamilie und auch eine Ausstellung zeitgenoessischer Kunst unter dem Motto “Tapu” (=Tabu), immer noch ein sehr aktuelles Thema hier.

 Die Tage rasen vorbei. Skip und Gregor schleifen und lackieren. 12 Schichten sollen ueberall drauf. 

Wir gucken uns zwei Austellungen im Rathaus an: tahitischen Schmuck, vor allem aus schwarzen Perlen und Muscheln, teilweise kiloschwer und sehr barock…, und Tifaifais, applizierte Bettdecken in wunderschoenen Farben und Blumenmustern, die man zur Hochzeit schenkt.

Jeden Abend gibt es auf dem Platz Vaiete am Hafen Tanzvorstellungen der zahlreichen tahitianischen Tanzschulen. Schon 3-Jaehrige stehen auf der Buehne, und Omas – jeder scheint hier zu tanzen! Alle in Grassroecken oder gebluemten Kleidern, geschmueckt mit Blumenketten (leis) und Blumenkronen. Schon ein Spektakel,wie alle wild mit den Hueften wackeln!

 Am Sonntag, d. 3. Juni,segeln wir mit unseren Freunden Marie und Eric zur Nachbarinsel Moorea. Das Meer ist ziemlich “agitée, und Eric ist gruen im Gesicht. Marie freut sich wie ein Kind. Nach 4 Stunden fahren wir durch den engen Pass in die malerische Baie de Cook hinein, umgeben von einem Kranz von 1000m hohen Bergen.

Es ist unglaublich schoen.

Marie hat ein wunderbares Mahl vorbereitet, und wir essen es im Cockpit. Nach der Papaya-Torte zu Gregors Geburtstag machen wir uns schnell auf den Rueckweg, denn der wird lang und rau: mit dem Wind auf der Nase, einer starken Duenung und verschiedenen Stroemen im Kanal zwischen den beiden Inseln. Eric leidet arg und stumm, und auch die segelbegeisterte Marie muss sich ein paarmal ueber die Reling beugen.

 Am naechsten Sonntag sind wir zum 80. Geburtstag von Maries Mutter eingeladen: Ihr muesst unbedingt kommen und Euch unsere Grossfamilie ansehen! Am Tag vorher machen wir uns auf die Suche nach einem Geschenk. Blumen sollten es nicht sein, hat uns Marie instruiert. Die Mutter ist eine praktische Frau, ein Geschenk sollte entweder Nahrung oder Kleidung sein. Vielleicht 3m Stoff fuer ein Kleid, aber aus Baumwolle, rot und nicht mit Blumenmuster, sondern mit Obstmotiv. Papeete ist voller Stoffgeschaefte, aber fast alle Stoffe haben Blumenmuster, wie wir rausfinden. Obstmuster gibt es nicht. Also kaufen wir stattdessen einen guten Shanghai Joyful Morning Tea, der dann huebsch in glueckbringendes Rot und Gruen verpackt wird.

Am Sonntagmittag holt uns Marie ab. Vor dem Haus sind etwa 30 Autos geparkt, denn der Mu-Clan ist gross, die Mutter hat 14 Kinder, die alle mit ihren Kindern und Kindeskindern gekommen sind, zum Teil aus Frankreich und Kalifornien.

Drei lange Tafeln sind auf einer ueberdachten Terrasse gedeckt. An einer praesidiert die alte Dame, die nur chinesisch spricht. Sie ist eine winzige, fragile Gestalt mit lieben, lebhaften Augen. Ihre Kinder haben’s ihr verboten, aber wenn keiner hinguckt, steigt sie mit Vorliebe auf Baeume und holt mit der Machete die Fruechte herunter.

 

Das Bueffet ist aufgebaut: grosse Toepfe und Schuesseln mit Fruehlingsrollen, Sushi, Gemuese aus dem Wok, Kloessen, handgemachten Nudeln und neun verschiedenen Fleisch- und Fischgerichten, jedes mit seiner eigenen Sosse. Und danach 11 Geburtstagstorten. Und knallrote Herzen mit Erdnuss-Fuellung, die Glueck bringen.

 

Die Familie ist eine wahrhaft kosmopolitische und interessante Mischung aus Chinesen, Polynesiern und Europaeern. Es gibt Buddhisten, Christen und Muslime. Von den Enkeln und Urenkeln spricht keiner mehr chinesisch. Alle sind sehr tuechtig und erfolgreich in ihrem Metier.

Nach vier Stunden ist der Schmaus zu Ende, und Marie bringt uns zum Schiff zurueck, hochbeladen mit Grapefruit und einem Karton voller Schokoladentorte.

 


 CHAP XXVIII. Moorea

 

M O O R E A

17º 30’78  S    149º 51’03  W

  

Am Montag, d. 11. Juni, verlassen wir Papeete. Marie und Eric kommen vorbei, um uns Abschiedsgeschenke zu bringen und au revoir zu sagen. Wir segeln nach Moorea, diesmal in die Opunohu-Bay, die im Norden (der Norden hier auf der Suedhalbkugel ist ja unser Sueden, die Sonnenseite) direkt neben Cook’s Bay liegt. Wir ankern in der Robinson’s Cove, wo auch der beruehmte Seefahrer Cook 1777 schon ankerte. Es ist sehr still, das Wasser so glatt und ruhig wie ein See.Ausser uns liegt nur noch ein weiteres Segelboot auf der anderen Seite der Bucht. Auf dem Wasser schwimmen die grossen Blueten des Purau-Baums, abends paddeln die Ma’ohis in ihren Ausleger-Einbaeumen um die Wette. Fischer werfen unter Kokospalmen ihre Angeln aus. Nahe den wenigen Haeusern und Huetten am Ufer, die von den Baeumen fast ganz verdeckt werden, steigt der Qualm von Kokosfeuern auf.

Moorea ist eine kleine Insel, die Kuestenstrasse um die Insel herum ist nur 62km lang. 12 000 Menschen leben hier, meist Polynesier und “Demis”, 50% sind unter 20. Viele von ihnen pendeln zwischen Tahiti und Moorea, und die anderen arbeiten in den vielen Luxushotels (Mooreas Straende sind weiss und gefragter als Tahitis schwarze), als Fischer oder in der Landwirtschaft. Moorea ist beruehmt fuer seine Ananas, Zitrusfruechte, Papayas und Mangos. 

Da es ausser den Schulbussen praktisch keine oeffentlichen Transportmittel gibt, machen wir Autostop, was hier nicht ganz so einfach ist wie auf den Marquesas. Man muss viel laenger warten. Dafuer erwischt man meist komfortable Jeeps oder Autos mit Klimaanlage und muss sich nicht auf der Ladeflaeche eines Pickup festkrallen.

 Am Ufer in Robinson’s Cove, gerade uns gegenueber, liegt ein schoenes altes Haus in einem idyllischen Garten. Wir klingeln mit der verrosteten Glocke am ueberwucherten Eingang. Hundegebell. Dann kommt eine alte Dame ans provisorische Pfoertchen, guckt zuerst etwas irritiert, oeffnet es aber dann erfreut, als wir ihr sagen, dass wir von dem Segelschiff gegenueber sind.

Wir sitzen auf der Terrasse und sie erzaehlt, dass ihre Eltern in den 20er Jahren aus Kalifornien hierherkamen und zeigt uns ihr Album: sie kamen auf einem viermastigen , 60m langen Schoner, gebildete und offensichtlich begueterte Leute, und kauften viel Land, ein ganzes Tal. Wie Pioniere bauten sie dann selbst das Haus, machten die Moebel selber und legten den schoenen Garten an. Um ein Haar waere dann spaeter Princesse Margaret ihr Gast gewesen- alles war vorbereitet-, aber im letzten Augenblick wurde der Besuch abgesagt.

Wir sitzen unter einer Kokospalme im Kreis. Die nette Dame holt eine Machete und hackt gekonnt die Spitze einer Kokosnuss auf. Wir trinken reihum das koestliche kuehle Kokoswasser und essen zusammen mit den beiden Hunden das noch zarte Kokosfleisch. Ein magischer Platz, dieser Garten…

 In den paar Tagen auf Moorea packt uns die Wanderlust, wir laufen, 10, 12km am Tag, zuerst durch ein Tal im Inneren hinueber zur Cook’s Bay, durch Mapé-, Mahagony- und Teakwaelder, vorbei an den silbergrauen Ananasplantagen. Es ist hier wie im Garten Eden, die Fruechte wachsen einem in den Mund, das Klima ist wie Balsam, die Naechte kuehl um diese Jahreszeit (Winter!) – 18º. Tagsueber  sind es um die 25º.

 Am naechsten Tag steigen wir auf den Col des Tríos Cocotiers (Drei-Palmen-Gipfel), ueber 1000m. Bis zum Belvedere, einem Aussichtspunkt auf 240 m, bringt uns ein netter Polynesier. Dann wandern wir 4 Stunden einen alten Pfad entlang, gut markiert und befestigt, durch einen bluehenden, wohlriechenden Regenwald, bis wir nach endlosen Serpentinen, bergauf und bergab, mehrere Baeche durchquerend, auf dem Kamm sind und mit einem ueberwaeltigenden Blick auf die Nord- und Suedseite der Insel, smaragdgruenen Lagune und den Pazifik  belohnt werden. Um uns herum die wildgezackten Berge im Herzen der Insel.

Zurueck zur Bucht nehmen wir einen anderen Weg und entdecken immer neue Pflanzen und Szenen. Die Tulpenbaeume stehen in voller Bluete, und an einigen Stellen sieht der Boden aus wie ein roter Bluetenteppich. Die Knie knacken etwas, und wir sind etwas hueftlahm, als wir die Bordwand hochklettern, aber hier zu wandern ist schon ein unvergessliches Vergnuegen und allemal die Anstrengung wert.

M Freitag, d. 15.06., lichten wir gegen 15 Uhr den Anker und machen uns auf den Weg nach Raiatea, einer der westlichen Gesellschaftsinseln, 100 Seemeilen entfernt. Wir denken die ganze Zeit, dass es erst Donnerstag ist – freitags segeln wir normalerweise nicht ab, Erfahrung und Segleraberglaube -, bis wir auf dem Riff festsitzen, an Heck und Bug eingeklemmt, koennen nicht vor und nicht zurueck…Skip und Gregor tauchen und stellen fest, dass es nicht weiter tragisch ist, aber mit Motor kommen wir nicht heraus. Es muesste uns jemand seitlich heruasziehen… Es ist aber kein anderes Boot in der Naehe.

Da kommen 4 Jetskis angebraust – in die stille Bucht. Sonst graust es uns vor diesem Anblick und Hoellenlaerm, aber dismal erscheinen sie uns wie von Gott gesandt. Skip ruft, Gregor pfeift – und ein Jetski kommt naeher. Ich erklaer ihm unsere Lage; er sagt, wir sollten ihm ein Seil herueberwerfen; er vertaeut es an seinem Jetski und zieht uns mit heulendem Motor aus dem Riff. Mittlerweile bete ich, dass es den Jetski nicht zerreisst, er sieht so zerbrechlich aus angesichts unserer 26 Tonnen… Die Ragnar hat nicht einmal einen Kratzer!

Kaum sind wir durch den Pass, gibt der Motor seinen Geist auf, und das an einem absolut windstillen Tag. Da frage ich mich, ob heute wirklich Donnerstag ist, sieht mehr nach Freitag aus. Stelle Nachforschungen an – und tatsaaechlich, es ist Freitag! Der Motor ist OK, aber wahrscheinlich ist das Diesel, das wir auf den Marquesas getankt haben, verschmutzt, oder es ist Kondenswasser im Brennstoff.

Nach kurzer Zeit laeuft der Motor wieder wunderbar, aber nach einer Stunde wiederholt sich die Geschichte. Danach jedoch motoren wir ohne weiteren Zwischenfall durch die windstille und sternenklare Nacht, bis wir im Morgengrauen die steilen Berge von Huahiné und Raiatea vor uns liegen sehen.

Durch den Passe Teavapiti fahren wir in die Lagune hinein. Vom Pass aus koennen wir in der Ferne die Silhouette von Bora-Bora und Taha’a erkennen und in der Naehe den Kai von Uturoa, dem Hauptort von Raiatea und zweitgroesste “Stadt” in Franzoesisch Polynesien.

 


CHAP XXIX. Raiatea

 R A I A T E A

 16º 40'96  S     151º 29' 15  W

 Raiatea, die "heilige Insel", ist, so denken die Polynesier, die Wiege ihrer 1000jaehrigen Zivilisation. Von hier aus wurden alle anderen polynesischen Inseln - von Hawaii ueber Tonga und Fiji bis Neuseeland - besiedelt und hier, auf dem internationalen Marae von Taputapuatea versammeln sich auch heute noch alle Maori-Clanchefs und halten ihre Rituale ab.

 Raiatea hat etwa 12000 Einwohner. Wie in Taha'a, der SChwesterinsel, leben  viele Menschen vom Vanilleanbau und von der Landwirtschaft und Fischerei. Hotels gibt es nur ganz wenige. In Uturoa, dem Hauptort, machen wir am Stadtkai fest.Das gefaellt uns immer gut, denn so kommen wir leicht in Kontakt mit den Leuten, brauchen kein Dinghy und haben die Geschaefte und Restaurants direkt vor der Nase. Allerdings oeffnet der Markt morgens um 4 Uhr und ist um 6 Uhr schon wieder geschlossen.

Das Zentrum besteht aus 2 Strassenzuegen, nicht zu vergleichen mit dem quirligen und glitzernden Papeete. Hier sind wir wieder im gemaechlichen Polynesien, keinerlei Hektik, wenig Verkehr.

 Nach ein paaar Tagen segeln wir durch die Lagune die Ostkueste hinunter bis zur Opoa-Bucht. Da machen wir an einem kleinen Betondock fest, gerade gross genug fuer die Ragnar. Es ist ein wunderschoener, ruhiger Platz mit Blick auf die Berge, das Dorf und die Lagune. Neben uns, direkt am Wasser, die Haeuser, jedes mit kleinem Bootssteg, und gleich um die Ecke Taputapuatea, die grosse Ritualstaette. Abends hoeren wir Trommeln und Ukulelen, auf dem Schulhof wird Musik gemacht und getanzt.

Wir wandern das idyllische Opoa-Tal mit seinen ueppigen Gaerten hinauf, bis ein Pick-up haelt und Mato, ein Nachbar und Bauer, uns fragt, ob wir bis zu seinem Feld mitfahren wollen.Das Feld liegt eingebettet und wohlbeschuetzt zwischen zwei heiligen Bergen, dem Oropiro und dem Ateatapu, beide 800 m hoch. Dort ist die Familie dabei, eine grosse gerodete Flaeche zu bepflanzen mit Ananas, Taro, Kuerbissen und Bohnen.

Mato moechte uns seinen Familienmarae zeigen, der im Regenwald oberhalb des Feldes liegt. Wir klettern , Mato mit Machete vorneweg, durch's Unterholz den steilen Hang hinauf. Auf einem kleinen Plateau voller Mapé-Baeume machen wir Halt. Der Marae ist voellig ueberwuchert, die Steine kaum noch zu sehen. Mato meint, sie muessten ihn unbedingt freilegen, das waere sehr wichtig fuer seine Kinder. Sie sollen nicht ihre Wurzeln verlieren.

In Opoa leben die Nachfahren der alten "arii" (Koenige) von Polynesien. Sie sind sehr traditionsbewusst, und ihr christlicher Glaube ist kraeftig gemischt mit ihrem alten Glauben. Oberhalb des kleinen Marae liegt noch ein anderer, sechsstoeckiger, den Mato uns auch gern gezeigt haette, aber es ist sehr heiss und der Wald fast undurchdringlich und abschreckend steil...

Wir laufen ein Stueck des weiten Wegs durch das Tal zurueck, kuehlen unsere Beine in dem klaren Bergbach. Dann kommt Mato mit seinem Pick-up wieder zurueck, bringt uns bis ans Schiff und beschenkt uns mit einer Bananenstaude. Nach einer Weile kommt seine Frau vorbei und bringt uns ein 2kg-Filet von einem Schwertfisch, der 183 kg wog, und eine grosse Tuete Grapefruit.

 Raiatea und Taha'a sind die Vanilleinseln. Der Boden und das Klima sind ideal fuer diese Pflanzen. Wir gucken uns eine "vanillère" in der Hotopuu-Bucht an: eine Bilderbuchplantage, wie ein grosser Park, mit schmucken Haeusern und bluehenden GAerten fuer die Arbeiter.Von dem berauschenden Vanilleduft wird man schon ganz benommen, wenn man den Berg hinaufkraxelt.

Vanille ist eine kletternde Orchidee, und die vanilla tahitensis ist von allen die aromatischste und saftigste und auch die teuerste. Alle Blueten muessen mit der Hand bestaeubt werden, man nennt das "mariage" . Nach 9 Monaten sind die Schoten reif und werden geerntet. Zuerst werden sie ein paar Tage in Hallen gelagert, bis sie braun sind, dann gewaschen und jeden Tag 4 Stunden auf Tuechern in die Sonne gelegt, dann eingewickelt und in Holzkisten gepackt, wo sie die Nacht ueber schwitzen. Dieser Prozess wird einen Monat jeden Tag wiederholt, damit sie ihre Feuchtigkeit verlieren und schrumpeln.

Dann werden sie nach Groesse sortiert und zwischen Daumen und Zeigefinger massiert, um das Oel auf die ganze Laenge zu verteilen. Danach werden sie einen Monat auf Tabletts gelegt, bis sie ganz trocken, aber trotzdem noch oelig sind. Jeder Anbauer hat so seine spezielle Geheimmethode, denn von diesem Prozess haengen der Geschmack und das Aroma ab, und damit der Preis. Vanille ist nach Saffran das teuerste Gewuerz. In der "Vanillère" produzieren sie jedes Jahr 10 Tonnen von 18000 Lianen, die in grossen Gewaechshaeusern gedeihen.

 Eines Morgens um 7 Uhr macht ein Fischerboot laengs der Ragnar fest, laute tahitische Popmusik droehnt uns in die Ohren, aiitete, aiitete, oa,oa...Mato kommt mit einem Lieferwagen, und ueber unser Deck werden Berge von Salat, Chinakohl, Gurken und Bananen geschleppt, Proviant fuer eine Woche auf See. Sie schenken uns davon einen so grossen Berg, dass wir gar nicht wissen, wie wir den lagern und konsumieren sollen. An Deck haben sie eine Rolle mit 40 km Leine und tausenden von Fischhaken. Gegen 10 Uhr kochen sie Mittagessen und laden uns dazu ein, und um 11 Uhr fahren sie Richtung Huahine ab, der Spuk ist vorbei und es ist wieder still.

 Am 25. Juni sind wir wieder zurueck in Uturoa am Kai, Es ist schlechtes Wetter, es regnet, und nachts wird es sehr kuehl. Die Duenung klatscht wie wild gegen den Kai, wir fuehlen uns wie in einer Waschmaschine. Die See ist sehr rauh, riesige Wellen donnern gegen das Riff,und in den Paessen entsteht ein gewaltiger Sog. Kein Wetter, um irgendwohin zu fahren, wir geben unseren Plan, nach Huahine zu fahren, auf.


  CHAPXXX. Taha'a

T A H A' A 

16º 40' 96  S   1511 29' 15  W 

Am 27.Juni segeln wir ueber die Lagune nach Taha'a. Wir gehen vor dem Taravana Yacht Club an eine Mooring-Boje, einen "corps-mort", wie es so schoen auf Franzoesisch heisst. Diesmal kommt der Wind aus Sueden, er wechselt zur Zeit staendig die Richtung, und in der Apu-Bucht ist es ziemlich rau.

Am naechsten Tag wollen wir um die Insel herum trampen. Die ersten 6 km muessen wir durch den stroemenden Regen laufen. Wir machen uns aus Elefantenohren-Blaettern Capes und Huete und werden trotzdem klatschnass, trocknen dann aber auch ebenso rasch wieder.

Das erste Auto, ein komfortabler Jeep, haelt. Ein sympathischer polynesischer Schulverwalter und seine Frau fragen, wo wir hin wollen. Irgendwohin, ist unsere Antwort, und dann fahren sie uns einmal rund um die ganze Insel. Wir unterhalten uns angeregt, und als wir uns verabschieden, sind wir uns einig, dass unsere 3 Stunden zusammen ein grosses "plaisir" waren.

Im gemuetlichen Taravana-Club erledigen wir unsere Internetarbeit, essen sehr gut zu Mittag, tauschen Buecher und unterhalten uns lange mit dem sympathischen jungen Besitzer, der in den USA zur Schule gegangen ist und perfekt Amerikanisch spricht.

 Am 30. Juni ankern wir in der Haamene-Bucht im Osten, einem 7 km langen Fjord mit einem huebschen kleinen Dorf am Ende. Diese Bucht ist so geschuetzt, dass man sich wie auf einem Teich fuehlt. Die Oberflaeche ist spiegelglatt. Abends paddeln wir im Mondlicht ueber die bezaubernde Bucht.

Am naechsten Tag, einem Sonntag, fahren wir in den Norden nach Patio, dem Hauptort der Insel. Normalerweise ist der Sonntag ein absoluter Ruhetag, alles ist zu, die Strassen wie leer gefegt. Aber in Patio scheint das ganze Dorf auf den Beinen zu sein. Es wird Basketball gespielt, Volleyball und Boule; in einem grossen Zelt unter Baeumen wird bei tahitischer Musik eine Hochzeit gefeiert und getanzt. Andere sitzen im Schatten unter Baeumen und geniessen die entspannte Atmosphaere, laid back...

Am Montag segeln wir nach Tapuamu im Westen und machen am Cargo-Dock fest. Wir koennen eine Nacht bleiben, muessen aber fruehmorgens Platz machen fuer einen Frachter. Abends sehen wir die Sonne golden ueber Bora Bora untergehen. Dann hoeren wir Trommeln, es wird getanzt.

 


 CHAP XXXI Bora Bora

B O R A  B O R A

 16º 30' 44  S    1511 45' 15  W

 Um 6 Uhr frueh am 3. Juli segeln wir durch den Paipai-Pass ab nach Bora Bora, 20 Meilen.Fast die ganze Strecke bis zum Tevanui-Pass, durch den man in die Lagune hineinfaehrt, ist es arg rau, und wir sind froh, endlich gegen Mittag am Dorfkai von Vaitape, dem einzigen Dorf der Insel, anzukommen.

Unsere Freunde von Lady Jane sind auch schon da und sehr zufrieden - es geht doch nichts ueber einen Kai mitten im Dorf! Es ist viel interessanter als an einem Strand oder Riff zu ankern. Und kosten tut's auch nichts.

Wie alle Orte in Franzoesisch Polynesien ist auch Vaitape in Feststimmung: von Ende Juni bis Ende Juli wird Heiva gefeiert, das nationale Winterfest. Um den grossen sandigen Dorfplatz stehen strohgedeckte Bambushuetten mit Restaurants, Snackbars, Billardtischen und Gluecksraedern (wo man ein Paket Kaffee oder Waschpulver gewinnen kann), alles voller einheimischer Grossfamilien.

Um den rechteckigen Platz, wo die Taenze stattfinden, haben die Familien ihr Territorium abgesteckt: bunte Bastmatten, mit Steinen beschwert,markieren die Tabu-Zone, die jeder respektiert. Sie bleiben auch nachts da liegen.

Morgens werden Wettbewerbe ausgetragen: die "mamas" flechten um die Wette Huete, Koeerbe und Matten aus Palmwedeln, die Maenner machen Kopra (einer oeffnet die Kokosnuss, der andere holt das Fleisch heraus; Reord: 100 Nuesse in 9 Minuten) und Speerwurf (sie muessen eine Kokosnuss treffen, die auf einen 10 m hohen Pfahl gespiesst ist). All dies wird stets begleitet von Trommeln. Ein kleiner Junge von vielleicht 6 Jahren schlaegt die groesste Trommel wie ein Profi, ueber Stunden, abwechselnd mit beiden Haenden, mit so unglaublicher Praezision und spielerischer Leichtigkeit und Fantasie, dass wir vollkommen sprachlos sind.

An einem andern Tag verwandeln ganze Clans Lastwagen in Gaerten, mit Palmwedeln, bunten Krotons, gelben Kokosnuessen, Gardenien. Sie arbeiten 12 Stunden mit viel Spass und Gelaechter daran, machen erst ein Bambusgeruest und schmuecken dann alles mit Pflanzen, so dass von dem Auto darunter nichts mehr zu sehen ist.

Vaitape gefaellt uns sehr, sehr gut. Die Mischung aus Einheimischen und wenigen Yachties und Touristen schafft eine besonders lebendige Atmosphaere.

Nach fast drei sehr schoenen Monaten in Franzoesisch Polynesien mit seinen unterschiedlichen Inseln und Kulturen werden wir uns bald auf den Weg nach den Cook Islands machen, etwa 500 Seemeilen entfernt.


CHAP XXXII  Rarotonga


R A R O T O N G A, C O O K I S L A N D S (24.7. - 7.8.2007)

21º 12' 29 S 159º 47' 11 W


Am Mittwochmorgen, 28. Juli, hissen wir die Segel, verlassen Bora Bora durch den Tevanui Pass und fahren in SW-Richtung ab nach Rarotonga, der Hauptinsel der Cook Islands, 540 Seemeilen entfernt. In den ersten zwei TAgten kommen wir nur langsam voran, es weht nur eine leichte Brise aus ONO bis SO und S. Am Samstag weht ein kraeftigerer Wind, und wir machen um die 6 Knoten.
In Papeete hat uns ein Freund, Albert, zwei Flaschen mit Post gegeben, von denen wir die erste am Samstag ins Meer werfen, auf 18º 37' S und 155º W. Der Wind wird noch staerker und wir machen 130 Meilen am Tag. Noch bei Tageslicht schlaengeln wir uns durch die oestliche Cook Inselgruppe.
Gegen 18 Uhr sehen wir Mauke suedlich von uns, gluecklicherweise noch vor Sonnenuntergang,dennLichter und Markierungen gibt es hier nicht. Dann flaut der Wind voellig ab, und wir motoren die restlichen 98 Seemeilen bis Rarotonga und kommen am 24. Juli morgens in Avatiu, dem Hauptort an.

Die Cooks sind ein demokratischer Staat, eng mit Neuseeland assoziiert und von ihm unterstuetzt. Er besteht aus 15 kleinen Inseln mit einer Bevoelkerung von etwa 1400 Menschen, die Englisch und Polynesisch sprechen und den neuseelaendischen Dollar als Waehrung haben. Die Inseln sind zusammen nur 240 Quadratkilometer gross, aber ihr Seegebiet erstreckt sich ueber sagenhafte 1.830.000 km.
Rarotonga hat nur einen, nach Norden hin offenen Hafen, und wenn der Wind aus noedlicher Richtung blaest, wird es ganz schoen rau. Wir werfen zwei Buganker aus und vertaeuen die Ragnar dann mit dem Heck zur Kaimauer. Zwischen Schiff und MAuer lassen wir eta 10 m Raum. Um an Land zu gehen, muessen wir uns im Dinghy an einem Seil bis zu einer wackligen Leiter hangeln und uns dabei staendig unter dem Gewirr von Tauen durchducken, mit denen all die Boote kreuz und quer festgemacht sind. Mit dem Schwell und den Wellen im HAfen ist das ein akrobatischer Akt, und mehr als ein Segler faellt dabei ins Wasser. Avatiu ist der bisher raueste Hafen, den wir erlebt haben.
Die Insel Rarotonga ist sehr bergig und bedeckt von dichtem Regenwald und wie die meisten anderen pazifischen Inseln nur entlang einem schmalen Kuestenstreifen besiedelt. Es gibt zwei oeffentliche Busse, die staendig die Rignstrasse entlangfahren, einer im Uhrzeigersinn, der andere in entgegen-gesetzter Richtung. Einmal ganz herum dauert etwa eine Stunde.
Durch den Regenwald gibt es ein Netz von Wanderpfaden, und wir laufen/ klettern/ rutschen und waten einmal quer ueber die Insel. Von Avatiu aus geht es durch ein schoenes TAl hoch ueber einen steilen Grat zur "Nadel", einem hohen weit sichtbaren Felsblock im Inneren, dann durch den dichten dunklen Wald auf der anderen Seite hinunter, den Papua-Fluss entlang, den man 7 oder 8mal durchqueren muss, bis man schliesslich an der Suedkueste wieder aus dem Dschungel auftaucht. Von da trampen wir auf einem Pritschenwagen zurueck nach Avatiu.
Die Stadt besteht im Wesentlichen aus zwei Strassenzuegen- entlang der Kuestenstrasse reihen sich Geschaefte, und an der oberren Parallelstrasse liegen die Wohnhaeuser. Alles ist sehr sauber und ordentlich. Die Blaetter der vielen Baeume und Straeucher werden jeden Tag gerecht, der Abfall aufgelesen, die Garten- und Parkanlagen gepflegt. Und die Leute sind ausserordentlich freundlich und immer bereit uns zu erklaeren, wo und wie wir unsere Probleme loesen koennen.

Wir kommen zu Beginn der Festwoche an. Im Auditorium ist jeden TAg was los. Alles ist nicht so professionell organisiert wie in Franzoesisch Polynesien, dafuer ist es uriger und herzlicher
und entspannter und die Taenze und Trommelkonzerte der Leute von den outer islands enthusiastisch.
Kein Wunder, dass sie bei Wettbewerben in Tahiti oft erste Preise erringen! Vor dem Auditorium veranstalten die Schamanen eine Lauf ueber heisse Steine. Auch Skip wagt sich
hinueber und kriegt zum erstenmal seit einiger Zeit wieder warme Fuesse!
Eines Abends gehen wir in ein Haehnchen-Restaurant im HAfen, aber es ist nicht so toll, ein gebratenes Haehnchen zu essen, wenn auf der Terrasse noch 10 oder 20 lebendige um einen herum
spazieren...
Die Einheimischen treffen sich jeden Abend zum Sundowner im Tarder Jack's, einer Bar direkt am alten HAfen, in deren gemuetlichem Restaurant man unter anderem eine sehr gute Pizza essen kann.
Nirgendwo in Franzoesisch Polynesien gab es so eine gute Bar-Atmosphaere: sobald man sich hinsetzt, sprechen die Leute links und rechts mit einem und garantieren einen unterhaltsamen Abend.

Nachdem wir im Internet das Wetter gecheckt haben, beschliessen wir, am Samstagmorgen, den 4. August, weiterzufahren. 10 Minuten bevor wir zum Ausklarieren in die Hafenmeisterei gehen wollen, erklaert uns Gregor, unser Crewmitglied, dass er noch auf der Insel bleiben will. Nun ist es aber nicht so leicht, Crew loszuwerden. Man kann nicht einfach jemanden in einem Land zuruecklassen. Gregor muss entweder ein Flugticket vorweisen oder einen Brief von einem anderen Kapitaen, der besagt, dass er ihn als Crew uebernimmt. Ausserdem stehen wir auf einmal ohne Crew da, und das in Rarotonga, das nicht ein idealer Ort fuer Crewechsel ist. Wir haengen Anschlaege aus und bleiben noch bis Dienstag in Rarotonga, da die Hafenmeisterei bis dahin geschlossen ist. Dann beschliessen wir, auf eigene Faust loszufahren, was wir eigentlich schon lange ausprobieren wollten.

Am Montag checken wir noch mal weatheronline.co.uk, mit denen wir bisher gute Erfahrungen gemacht haben. Fuer die naechste Woche werden 15 bis 20 Knoten Wind aus SO vorausgesagt, und das hoert sich fuer die 600 Seemeilen-Strecke nach Niue gut an.
Wir fahren am Dienstag, d. 7. August gegen 11 Uhr Richtung WNW ab, nachdem uns andere Segler mit den beiden Ankern geholfen haben. Gegen 18 Uhr flaut der Wind ab, und wir motoren die NAcht durch bis 6 Uhr morgens, als der Wind wieder aufkommt. eigentlich sollte er stetig aus SO kommen, tut er aber nicht. Stattdessen ist es ein sehr leichter Wind aus NO und N. Ausserdem geht das Barometer rauf und runter, ein Zeichen, dass sich ein Sturm naehert.
Am Donnerstag weht es kraeftig aus S und SSO, und am Nachmittag haben wir Boeen bis zu 35 Knoten. Am Freitagmorgen heult der Wind, 5 bis 6 m hohe Wellen rollen von hinten heran, der
Wind dreht von SSO nach O, und wir muessen "gybe" (ich kenne den deutschen Ausdruck nicht), damit das Schiff, nicht die Wellenkaemme hinunterrast und der Bug sich in die Welle vor uns
pfluegt.
Samstag ist der schlimmste Tag. Wir haben nur noch das gereffte mainstay SEgel gehisst, der Wind wht konstant mit 35 Knoten, die Wellenkaemme sind voll von weissem Schaum, und dann regnet es sintflutartig. Der Wind heult und die Wellen krachen gegen das Heck, als wir in der Sonntagnacht eine Riesenwelle hinunter in ein Wellental surfen - und alles auf einmal aufhoert: kein Wind mehr, keine Wellen, kein Geraeusch, um uns herum pechschwarze Nacht. Es ist, als befaenden wir uns in einem Vakuum oder im Auge eines Hurrikans. Gluecklicherweise kommt der Wind wieder sehr langsam aus Osten auf, und wir segeln bis etwa 20 Meilen nordoestlich von Niue.
Wir starten den Motor, fahren etwa eine Stunde - und der Motor setzt aus und laesst sich nicht wieder starten. Wir sehen absolut nichts, wir haben einen starken westlichen Strom, kaum Wind
zum Segeln, Alle Brennstoffleitungen verstopft, keinen Motor.
Endlich kriegen wir gegen 6 Uhr morgens Funkkontakt mit Niue.
Wir erklaeren unser Problem, und man verspricht uns Hilfe, wenn wir sie brauchen. Ausserdem meldet sich eine amerikanische Motoryacht hinter uns, die auch Hilfe anbietet. Wir fuehlen uns jetzt wenigstens nicht mehr allein.
In der Zwischenzeit versuchen wir fieberhaft, den Motor wieder in Gang zu setzen. Als letzten Trick trennen wir die Leitung vom Filter und stecken sie direkt in den Dieselkanister und halten den
Atem an - es funktioniert, der Motor laeuft!!
In dem Moment sind wir etwa 14 Meilen von der Kueste entfernt. Normalerweise braucht d. er Motor einen Liter Diesel pro Meile, und wir denken, dass ein 20 l-Kanister reicht, um in den HAfen von Alofi zu kommen. Aber nach 3 Meilen ist der erste KAnister schon leer, und der Motor bleibt wieder stehen. Also her mit dem naechsten Kanister! Wir haben vier und rechnen aus, dass wir damit gerade bis zu den Mooring-Bojen in Alofi kommen.Als die Sonne aufgeht, holt uns die Motoryacht hinter uns ein und bietet noch einmal Hilfe an.
Wir denken, dass es das Beste ist, wenn er nach Alofi faehrt und dort Hilfe organisiert, damit wir-falls unser Dieselvorrat reicht- direkt beim ersten Versuch die Mooring-Boje erwischen.
Als wir ankommen, warten schon zwei starke Dinghies auf uns und helfen uns, an der Boje festzumachen. In unserrem letzten KAnister ist noch ein knapper Liter uebrig, wir haben es
buchstaeblich mit dem letzten Tropfen geschafft.
Was fueer eine erste Fahrt allein das war, und was fuer eine Feuertaufe! Aber alles lief gut, es gab keine miese Laune, keine Panik. Wir haben gesehen, dass wir es schaffen koennen.

 


 CHAPXXXIII  Niue


N I U E

19º03'36 S 169º 55'56 W


Niue ist einer der am wenigsten bekannten Staaten der Welt, ein winziger Inselstaat mitten im Pazifik. Er besteht aus einer Insel mit einer stetig abnehmenden Bevoelkerung von etwa 1400
Menschen, groesstenteils Polynesiern. Die meisten emigrieren nach Neuseeland und Australien, wenn sie noch jung sind. Die Insel ist nur 260 qkm gross, das Seegebiet aber 390.000. Niue ist
eine Demokratie, assoziiert mit Neuseeland und massiv von ihm unterstuetzt. Die Leute sprechen Englisch und Polynesisch, die Waehrung ist der Neuseeland-Dollar.
Niue ist die groesste Koralleninsel der Welt. Sie ragt 30 m aus dem Meer, um sie herum befindet sich ein schmeles Riff. Es gibt keine Lagune. Die Einfahrtrinne zum kleinen Hafen des Hauptortes Alofi ist aus dem Riff gesprengt worden. Es ists die einzige Stelle, an der groessere Schiffe in Niue anlegen koennen.
Im Hafen gibt es 17 Mooring-Bojen, die in ca. 100 m tiefem Wasser an 2-4 Tonnen schweren Zementbloecken festgemacht sind und staendig ueberprueft werden (im Gegensatz zu vielen anderen Plaetzen, wo man boese Ueberraschungen erleben kann). Diese Bojen sind der einzige sichere Platz fuer Yachten. Entlang der Kaimauer sind der Schwell und die Tide so gross, dass Dinghies und kleine Fischerboote mit einem Kran aus dem Wasser gehievt werden muessen, sobald man ankommt.
Gleich nach unserer Ankunft am frueh am Montagmorgen, d. 13. August, klarieren wir bei Zoll, Polizei und Immigration ein und gehen dann in den YAcht Club, wo wir Mamata und Jim treffen, die Besitzer des Clubs, und Keith, den Kommandanten. Sie heissen uns sehr herzlich willkommen und versprechen uns bei der Loesung unserer Probleme zu helfen.
Keith faehrt mit uns eine Weile an der SW-Kueste der Insel herum und zeigt uns die Verwwuestungen, die der fuerchterliche Zyklon Olga (300 km/h) hier im Januar 2004 angerichtet hat. Alle Haeuser bis auf eins wurden entlang dem Kuestenstreifen zerstoert von den ueber 30m hohen Wellen und nur die Fundamente sind noch zu sehen. Neben einem Haus auf der anderen Seite der Kuestenstrasse war ein Schiff geparkt, das von einer WElle ins Land gespuelt , umgedreht und wieder an seinen alten Platz transportiert wurde. Die meisten Leute verloren alles, was sie hatten.
Ueberall auf der Insel sieht man Hunderte von verlasdssenen Haeusern. Neue duerfen entlang der wunderschoenen Steilkueste nicht mehr gebaut werden. Wenn man auf den Klippen steht und hinunterguckt aufs Meer, kann man sich nicht vorstellen, dass es Wellen von derartiger Hoehe und Wucht gibt.

Die Menschen hier sind ganz besonders freundlich, man winkt jedem zu, gruesst jeden, egal ob man zu Fuss geht oder im Auto sitzt. Trampen ist kein Problem, man haelt den DAumen hoch, und schon  haelt jemand und faehrt einen wohin man moechte.
Vier Tage arbeiten wir an unseren verstopften Leitungen und Filtern und versuchen, den Motor in Gang zu bringen. Wir sprechen mit allen Mechanikern und bringen ihnen die Teile zum Testen
(keiner will aufs Schiff kommen, denn allen wird schon beim Anblick eines Dinghies schlecht...).  Es scheint, dass wir nach soviel Autostop jetzt die ganze Inselbevoelkerung kennen. Am Freitag haben wir es endlich geschafft, der Motor laeuft wieder!!

Am Samstag ist Dorffest in Lakepa auf der anderen SEite der Insel, und wir mieten ein Auto. Dazu brraucht man einen Fuehrerschein von Niue. Auf der Polizei erklaert uns die Polizistin Maria,
dass schon alle anderen nach Hause ins Wochenende gegangen sind und sie allein keinen ausstellen koennte. Was aber weiter kein Problem waere. Wenn jemand danach fragte, sollten wir sagen, Maria haette gesagt, es waere ok. Das beruhigt uns total. Und Les, der Autoverleiher, der auch am Wochenende nicht arbeitet, sagt: kein Problem, wenn ihr das Auto nicht mehr braucht, werft den Schluessel in den Briefkasten.
Es gibt Gemuesestaende an der Strasse mit einer honesty box: man nimmt sich, was man will, und tut das Geld dann in die Schachtel.
Niue hat ein Gefaengnis, direkt am Golfplatz, mit einem Insassen (er hat seine Frau geschlagen) und einem Waerter, gitterlosen Fenstern und einem Gemuesegarten, in dem der Gefangene Gemuese fuer seine Familie zieht.
Am Samstagmorgen fahren wir frueh mit Freunden hinauf nach Lakepa, vorbei am Flughafen, auf dem jeden Freitag das Flugzeug aus Auckland landet. In Lakepa ist schon das ganze Dorf rund
um den riesigen Rasenplatz versammelt und fruehstueckt. An vielen Staenden gibt es Kokosporridge, Bananenkuchen und hochbeladene Teller mit Wuerstchen, Haehnchen, Schweinefleisch, Taroscheiben, Kuerbis, Papaya und Krautsalat. Die Frauen haben die ganze Nacht gekocht.
Eine junge Frau steht an einem kleinen Eisenherd und kocht in einem uralten Gusseisentopf, der schon ihrer Ururgrossmutter gehoerte uga. Uga bedeutet Kokosnussgarnele, eine riesige
Garnele, die etwa 60 bis 70 Jahre alt wird und sich von Obst ernaehrt. Wir haben schon viel davon gehoert, aber noch nie eine gesehen. Normalerweise laufen sie einem nicht ueber den Weg, denn sie sind NAchttiere und scheuen das Licht. Hier sehen wir sie zum erstenmal, angebunden mit einer Schnur. Und wir duerfen sie auch probieren, sie schmecken wie Hummer.
Skip macht beim Speerwerfen mit und schlaegt sich wachker. Der Speer soll weniger durch die Luft fliegen als moeglichst weit ueber den Rasen schlittern. Das ist leichter gesagt als getan!

Gegen Mittag fahren wir weiter auf der Ringstrasse um die Insel und halten an einigen sea tracks: jedes Dorf und jeder Klan haben ihren eigenen Zugang zum Meer. Im NO nahe Matalau
finden wir einen, der bei zwei Hoehlen oberhalb des Wassers endet. In den Hoehlen liegen Aus-legerkanus und Angelgeraet. 30 m unter uns schaeumt das Meer weiss, es sieht aus wie in einem
Hexenkessel.Im NW laufen wir zum Matapa Chasm, einer sehr engen Spalte in den Kalkfelsen mit einer  schmalen Verbindung zum Meer, etwa 100 m tief und gefuellt mit kristallklarem Wasser. Niue hat keine Fluesse, der Regen sickert durch das poroese Kalkgestein in den Basaltkrater vom erloschenen Vulkan unter der Insel und ins Meer. Daher haben sie hier sehr gutes und viel Trinkwasser und daher ist auch das Wasser um die Insel herum eines der klarsten der WElt.

Jeder der sea tracks ist verschieden. Manche fuehren zu kleinen Buchten voller Koralleninselchen und Becken, andere zu winzigen Straenden, einige durch Tropfsteinhoehlen wie Kathedralen, bevor sie sich zum Wasser hin oeffnen.

An der Strasse sehen wir ein grosses mysterioeses Schild: lady farmer's piggery!
Pigs for haircutting, pigs for ear piercing, pigs for weddings! Dann daemmert es mir: die Haarschneidezeremonie fuer kleine Jungens und das Ohrlaeppchen-Piercing fuer Maedchen werden
mit einem grossen Fest gefeiert, bei dem auch Geldgeschenke gemacht werden. 1998 bekam ein Maedchen aus Lakepa 38.000 $ zusammen!

Zum Schluss fahren wir an die Ostkueste, laufen 2 km durch den Regenwald und sehen, als wir herauskommen, eine Mondlandschaft von nadelspitzen Kolrallenfelsen vor uns soweit das Auge
reicht. Sie wurden von dem Spruehregen geformt, den die WEllen erzeugen, wenn sie mit voller Wucht gegen die Kueste krachen. Wir folgen dem schmalen Pfad und kommen an einen Abgrund. Tief unten in dem Loch sehen wir sandigen Grund, auf dem 20 bis 30 Kokospalmen wachsen! Wir klettern etwa 20 m eine vertikale Leiter hinunter in diese Oase. Was fuer ein Erlebnis! Dieser Kokoshain ist voellig umschlossen von senkrechten, spitzen hohen Kalkfelsen!
Auf dem Weg zurueck machen wir am Matavai Resort Halt, trinken einen Sundowner auf der Pool-Terrasse hoch ueber dem Pazifik, sehen die Sonne im Meer versinken und essen etwas zu Abend.Am Sonntag reinigen wir den Dieseltank und ruhen uns aus.

 


 CHAP XXXVI. Tonga

T O N G A

18º 39' 37 S 173º 59' 02 W



Am Samstag, d. 25. August, segeln wir gegen 9 Uhr ab Richtung Vava'u, Tonga, etwa 250 Seemeilen WNW von Niue. Wir sind zwei Tage unterwegs, verlieren aber einen ganzen Tag, weil wir die Datumgrenze ueberqueren, am Sonntag um 12 Uhr ist es auf einmal schon Montagmittag. Bei Sonnenaufgang am Dienstagmorgen sehen wir das Vava'u-Archipel vor uns liegen und tasten uns langsam die 6 Meilen das Insellabyrinth bis zum Port of Refuge von Nei'afu, dem Hauptort von Vava'u. Gegen 11:30 machen wir am Zollkai fest. Am Zollkai liegen schon mehrere Yachten. In wenigen Minuten naehern wir uns dem Dock, fahren rueckwaerts in eine enge Luecke und vertaeuen das Schiff - unter Beifall der Zoll-, Immigrations-, Landwirtschafts- und Gesundheitsbeamten, die uns aufmerksam beobachten. Sie meinen, dass sie noch ein Schiff so glatt und schnell anlegen gesehen haben. Die amerikanische Yacht neben uns hat fuer
dieses Manoever anscheinend 6 Stunden gebraucht. Wir fragen uns, wie sie das wohl bis hierher geschafft haben. Die vier Beamten klettern zu uns herunter (es ist Ebbe) und machen es sich gemuetlich. Etwa 2 Stunden lang unterhalten wir uns ueber Gott und die Welt, waehrend wir zwischendurch Fragebogen ausfuellen. Es scheint ihnene bei uns zu gefallen, denn sie machen keine Anstalten, das Schiff schnell zu verlassen. Schliesslich scheint der Hunger zu siegen, sie sagen good-bye, und wir suchen uns eine Mooring-Boje vor dem Yacht Club, an der wir festmachen.

Tonga (etwa 100.000 Einwohner) besteht aus vier Archipelen mit etwa 170 Inseln, von denen aber nur 36 bewohnt sind. Tonga war nie eine Kolonie und ist das einzig noch verbleibene polynesische Koenigreich. Es ist eine konstitutionelle Monarchie, in der der Koenig noch absolute MAcht hat. Es ist das erste Land westlich der Datumsgrenze, weshalb sie sich "das Land, in dem die Zeit beginnt" nennen. Die Vava'u-Inselgruppe ist Tongas Segelzentrum und ein Knotenpunkt fuer Pazifikueberquerer. Es gibt unzaehlige Korallenriffe, Kanaele und geschuetzte Ankerplaetze. Das Wasser ist kristallklar und ideal zum Tauchen und Schnorcheln. Und im Zentrum der Inseln liegt die riesige geschuetzte Bucht von Nei'afu, eins der besten "hurricane holes im Pazifik. Tonga ist der Ort, an dem Captain Bligh nach der Meuterei auf der Bounty auf einem kleinen Boot seinem Schicksal ueberlassen wurde.  Tonga liegt am Rand einer Kette von suedpazifischen Vulkanen entlang dem Tongagraben, dem zweittiefsten Ozeangraben der Welt, bis zu 10.000 m tief. Hier gibt es viel vulkanische Aktivitaet: das Internet faellt des oefteren aus wegen Erdbeben, und vor kurzem ist nicht weit von hier eine neue Insel entstanden und natuerlich noch auf keiner Seekarte verzeichnet. Man muss hier aufpassen. Wir haben auch gemerkt, dass wir moeglichst nicht direkt ueber einen der riesigen Unterwassergipfel fahren sollten, denn an den Stellen sind die Wellen besonders unberechenbar.

Mitten in der ersten NAcht in Nei'afu wachen wir verwirrt auf und gucken, ob wir noch auf dem Schiff sind. Wir liegen so ruhig wie in einem Haus, das Wasser bewegt sich nur, wenn ein Fisch
aus dem Wasser springt. Das letzte Mal, dass wir eine so ruhige Nacht gehabt haben, war im Lake Gatún in der Paqnama-Kanal-Zone. Es liegen etwa 100 Schiffe in der Bucht, aber es waere genug Platz hier fuer saemtliche Yachten im Pazifik. Es ist so geschuetzt, dass viele Segler gar nicht mehr weiterfahren und die Zyklonsaison ueber hier bleiben. Nei'afu ist ein kleiner Ort mit Laeden, Restaurants, Cafés und Bars entlang dem Wasser. Bis 1978, als der Koenig das Wahlfangverbot fueer Tonga erklaerte, war es ein Hafen fuer Wahlfangschiffe. Jetzt ist es die Basis fuer eine Flotte von Wahlbeobachtungsschiffen. Von Juni bis November, wenn die Buckelwale ihre Jungen gebaeren, kommen viele Touristen, um sich die Wale aus der Naehe anzusehen und mit ihnen zu schwimmen. Das ist ein gutes Geschaeft und sicher besser als sie zu toeten, aber die Wale werden durch die starken Motoren massiv gestoert, und es gibt viele Gegner dieses whale-watching unter dem Maentelchen des Oeko-Tourismus.

Am Morgen kommt uns ein aelterer Tonganer besuchen und bietet uns seine Dienste an. Er verkauft Brot,Anhaenger,Flaggen, Fisch, Hummer, will sich um die Waesche kuemmern etc. Ausserdem bringt er uns die ersten tonganischen Worte bei, u.a. faka'ofo'ofa (schoen), was in unseren Ohren alles andere als schoen klingt. Wir lassen uns ueberreden, zu einem "Tonga Feast" bei ihm zuhause zu gehen. Schliesslich sitzen wir beide in seinem Haus auf einer MAtte auf dem Boden, vor uns ein "Festmahl", das er uns anders versprochen und wir uns anders vorgestellt hatten, das wir aber auch so bald nicht vergessen werden...  Wir gehen zum Utukalongalu-Markt in der Naehe des Dinghy-Hafens. In frisch geflochtenen Koerben aus Palmwedeln und auf Bananenblaettern werden Wurzeln jeder Art angeboten: Yams,Maniok, Ufi, Taro; Kuerbisse, Bananen, Papayas, Chinakohl und anderes Gemuese. Viele Maenner tragen einen tupenu (Wickelrock, der sogar Skip sehr gut gefaellt), die Frauen lange Roecke und Blusen. Sowohl Maenner als Frauen tragen darueber ta'ovalas, eine tonganische Besonderheit- um die Huefte gewickelte Matten aus gewebten Pandanus-Blaettern, manche so fein, dass sie mehrere Hundert Dollar kosten. Diese ta'ovalas entsprechen unserem Anzug und Krawatte.
Frauen koennen stattdessen auch ein kiekie tragen, einen Guertel, von dem gewebte, Stoff- oder Baender aus Samen und Muscheln haengen.  Auf dem Markt wird auch Kunsthandwerkliches angeboten. Besonders beeindruckend sind die zum Teil riesigen Walskulpturen, Korbflechtereien, tapa cloth (Stoff aus Baumrinde) und Schmuck aus Knochen und Muscheln.
Nahe dem Markt liegt die Post. Tonga ist beruehmt fuer seine Briefmarken, einige so gross, dass auf einer Postkarte kaum noch Platz fuer die Adresse uebrig waere. Als wir eine der wenigen Strassen entlanggehen, kommen die Kinder gerade aus der Schule. Die Jungen tragen knallblaue Wickelroecke, einige mit Pandanus-Matten darueber; die Maedchen blaue brave Kleider. Die Muetter, die sie abholen, scheinen alle im Sonntagsstaat zu sein. ES gibt unglaublich viele Schulen, und jede hat ihre eigenen Uniformen, alle in kraeftigen FArben. Tonganer sind sehr gut ausgebildet, leider finden aber nur wenige in Tonga eine Arbeit und muessen deshalb auswandern. Wir kommen vorbei an Supermaerkten voller Dosen und vielen Eisenwarengeschaeften. Die Gebaeude sehen aus wie aus einem Wildwestfilm. Davor sitzen zahllose Maenner im Schatten von Baeumen, tatenlos. Wahrscheinlich sind sie alle benebelt von Kava. Kava ist das Nationalgetraenk. Es wird hergestellt aus den Zweigen und Wurzeln des Kavabuschs.
Sie werden getrocknet und dann zu feinem Pulver gemahlen und mit mehr oder weniger Wassergemischt. Das sieht dann aus wie Abwaschwasser. Der erste Schluck dieses bitteren Gebraeus aus einer Kokosnussschale versetzt einem einen leichten Schock. Danach werden Zunge und Lippen taub wie nach einem Zahnarztbesuch, der Koerper entspannt sich und man fuehlt sich leicht benebelt und unendlich traege. Kavatrinken ist sehr beliebt vor allem unter Maennern, Kavaparties dauern normalerweise bis in deie fruehen Morgenstunden. Kein Wunder, dass sie alle mit glasigen Augen herumsitzen.
Im Duty-free Shop stossen wir auf einen voellig berauschten Verkaeufer, der einschlaeft, waehrend er uns das Wechselgeld geben will. Wir muessen es ihm aus den Fingern nehmen, er scheint es gar nicht mitzukriegen. Seine Sekretaerin rollt die Augen.
Wir gehen im Tourist Office vorbei auf der Suche nach einem Leihwagen. Sie rufen die Firma an, um rauszufinden, wo sie ihr Buero haben, und es stellt sich raus, dass es gerade gegenueber ist.
Wir gehen hin und fragen, ob wir ein Auto mieten koennen. Ja, sie haben Autos, aber erst in fruehestens drei Wochen ist wieder eins frei.
Wir gehen weiter die Strasse runter,kommen an einem Taxiunternehmen vorbei und fragen dort nach einer Transportmoeglichkeit. Kein Problem, sagt der Taxifahrer, nehmt einfach das Taxi und fahrt damit. Also klappern wir die ganze zerklauftete Insel mit dem Taxi ab, und ueberall halten uns die Leute an, und wir muessen ihnen erklaeren, dass wir zwar ein Taxi fahren, aber keins sind.
Wir fahren alle geteerten Strassen von Vava'u ab, alle vor 5 Jahren mit EU-Geldern asphaltiert.
Die bange Frage ist nur: wer wird die Strassen reparieren, wenn sie Schlagloecher kriegen? Wir fahren durch kleine Doerfer, vorbei an Feldern mit Kava, Taro und unzaehligen Kokospalmen,
ueber causeways die Vava'u mit den kleineren benachbarten Inseln verbinden. Es sind noch nicht mal 10 Autos unterwegs, dafuer aber unzaehlige Schweine in allen Schattierungen. Sie geniessen totale Freiheit und scheinen sehr gluecklich zu sein. Bei Ebbe waelzen sie sich wonnevoll im  Schlimm der Riffe. Die Leute halten sie wie Haustiere und geben ihnen Namen, auf die sie auch hoeren.
Da es praktisch jeden Tag regnet, haben wir wenig Lust, zu den outer islands zu fahren und da zu ankern. Es ist so gemuetlich im Hafen von Nei'afu, dass unser Schiff langsam anfaengt ,
Moosbaerte und Muscheln anzusetzen. Fehlt nur noch der Fernseher. So faengt der "port-rot" an...

An einem Samstag fahren wir zu einem richtigen "Tonga Feast" am Ano Beach. Tonganer sind bekannt fuer ihre gute Kueche und ihre Esslust (im Durchschnitt ueber 3000 Kalorien pro Tag). Ein Tonganer wird nie satt, sagt man, er wird nur muede und hoert deshalb auf zu essen. Und diesmal ist es auch ein wahres Festessen mit Musik und Taenzen und Essen, das im Umu gekocht wird, einer Kuhle in der Erde, mit heissen Steinen und Blaettern ausgekleidet, auf die das in Blaetter verpackte Essen geschichtet und stundenlang sanft gegart wird).
Danach wird das Mahl in der Mitte des Tischs serviert. Bananenblaetter sind das Tischtuch. Teller werden aus halben Bananenstauden geschnitten, Kokosnussschaelen und ausgehoehlte gruene
Papayas dienen als Schuesseln. Alles schmeckt sehr lecker. Danach gibt es keinen Abfall, denn  die Reste werden an die Schweine verfuettert. Genial!
An einem Tag machen wir eine Tour durch Lucys und Hanitelis Botanischen Garten am 'Ene'io Beach. Haniteli war 38 Jahre lang Direktor fuer Landwirtschaft und Fischerei in Tonga, mit grossem Erfolg. Vor 30 Jahren begann er, den Garten anzulegen, der inzwischen etwa 500 verschiedene Pflanzen aufweist. SEin Ziel ist es, einheimische Pflanzen, die vom Aussterben bedroht sind, zu erhalten und neue Sorten einzufuehren, und das alles ohne Anwendung chemischer Mittel.
Nach einem 2-stuendigen sehr interessanten Rundgang durch den Garten oberhalb der idyllischen 'Ene'io Bucht gehen wir aum Besucherzentrum, wo gezeigt wird, wie einige Produkte des taeglichen Lebens aus Rohmaterialien hergestellt werden. Es werden Kava und Noni-Saft gemacht und in Windeseile Koerbe aus Palmwedeln geflochten. Kokosfleisch wird geraspelt, dann mit etwas Wasser gemischt und dann alles durch das braune Gewebe um die Kokosnuss herum geseiht, bis nur die Kokosmilch fertig ist. Eine Tonganerin demonstriert die Herstellung von tapa-cloth. Die fingerdicken Maulbeerstaemmchen werden geschaelt; die innere Rinde von der aeusseren getrennt, zum Bleichen ins Meer gelegt, getrocknet und dann mit einem Hammer immer breiter geklopft, bis ein Stueck Stoff entsteht. Viele Stuecke werden dann aneinander gehaemmert, so dass Stuecke von mehreren Metern entstehen, die dann bedruckt werden und als Umhaenge, Bettdecken, Matten etc. verwendet werden. Noch nie haben wir die verschiedenen Herstellungsprozesse so anschaulich vorgefuehrt bekommen. Wir sind begeistert! Zum Abschluss seerviert uns Lucy ein wunderbares Mittagessen mit Fisch, Taro-Chipsund Salat in ihrem gemuetlichen kleinen Restaurant mit Blick auf die Bucht.
Wir moegen die Tonganer. Sie sind hoefliche und sanftmuetige Leute, die gern singen und feiern.
Familie und Dorfgemeinschaft, Respekt fuer andere und persoenliche Wuerde sind ihnen wichtiger als Geschaefte und Anhaeufen von persoenlichem Reichtum, Dinge, denen sie eher skeptisch gegenueberstehen und die sie wenig beeindrucken. Sie sind auch sehr religioes. Jedes Dorf hat 3 oder 4 Kirchen, ei'afu noch mehr. Die Kirchenglocken fangen jeden Morgen um 5:30 an zu laeuten, um 6 Uhr fangen sie an zu singen. Sonntage sind Tage,an denen alles ausser den Baeckereien geschlossen ist, niemand arbeitet, niemand fischt, niemand macht Laerm, man hoert auch kein Radio.
In Tonga gibt es wenig Kriminalitaet. Wir fuehlen uns hier voellig sicher und wohl!


CHAP XXXVII. Fiji

F I J I

V A N U A L E V U, Savusavu

16º 46.71' S 179º 19.79' E

Nachdem es tagelang in Stroemen geregnet hat und wir auf dem Schiff festgesessen haben, gehen wir am Sonntagmorgen in die Kirche, um den wunderbaren Kirchenchor anzuhoeren und um sonniges Wetter zu beten. Die Gemeindemitglieder sind sehr freundlich und heissen uns willkommen. Und nach dem Gottesdienst hoert es auch tatsaechlich auf zu regnen!

Am Montag sind wir in "unserem" Dorf, Nukubalavu, zum lovo (Erdofen-)-Fest eingeladen. Sie feiern den Tag ihrer Schutzpatronin, der Heiligen Theresa, und alle Familien sind anwesend. Wir sind die einzigen Fremden.
Zuerst setzen wir uns in den Schatten von einem riesigen Mangobaum an einem kleinen Bach, wo ein paar Maenner nach einer Weile die Schichten von dampfenden Bananenblaettern entfernen, die den Berg von Tarowurzeln und Brotfruechten bedecken. Zuerst wird die groesste und schoenste Tarowurzel auf ein Blatt gelegt, mit der immer griffbereiten Machete in Scheiben geschnitten und dem Haeuptling gebracht. Und dann wird auch uns eine Tarowurzel gereicht, und wir essen sie mit Genuss. Sie schmeckt wie Kartoffeln, die man am Lagerfeuer backt.
Danach probieren auch alle anderen, ob alles gut geworden ist. Das uebrige Essen kochen die Frauen heute zuhause auf ihren Herden.
In Fiji ist es Sitte, vor dem Essen Kava zu trinken. Alle Maenner (und ich als Gast) sitzen um die Kavaschale und trinken reihum aus der Kokosschale, etwa zwei Stunden lang. In der Zwischenzeit bereiten die Frauen das Mittagessen und decken den "Tisch". In diesem Fall bedeutet das, dass sie die Dorfhalle mit Matten auslegen, auf die sie zwei lange Tuecher breiten. Auf die Tuecher stellen sie die Teller. Hier essen die Maenner, waehrend die Frauen in kleinen Gruppen nahe der Kueche essen.

Auf jedem Teller liegen eine ganze Garnele, ein ganzer Fisch, Huehnchencurry, Oktopus, Taro- und Brotfruchtscheiben und anderes Gemuese. Mit gekreuzten Beinen auf dem Boden zu sitzen, mit den Fingern vom Teller auf dem Boden zu essen und die Garnelenzangen aufzubrechen ist ziemlich unbequem und macht eine ganz schoene Sauerei. Aber das stoert niemanden. Es ist aber unfein, sich die Finger abzulecken, also steht man ab und zu auf und waescht sich die Haende unterm Hahn.

Nach dem Essen setzen wir uns wieder um die tanoa auf der Terrasse und reden, bevor wir uns auf den Weg zurueck machen. Mit unserem Freund Wais warten wir auf den Bus, der viel Verspaetung hat (Fiji-time). Gluecklicherweise kommt ein Taxi an, das einige Dorfbewohner herbringt. Da der Taxifahrer sowieso nach Savusavu zurueck muss, berechnet er uns nur 65 cents fuer die sechs-Dollar Fahrt.

Am naechsten Morgen regnet es wieder, und wir mieten uns ein Auto, um in den Norden der Insel und in die Sonne zu fahren. Die hohen Berge von Vanua Levu blockieren die Passatwinde und sind der Grund fuer die haeufigen Regenschauer an der Suedkueste, waehrend es auf der Nordseite viel trockener ist.

Nachdem wir durch dichten Regenwald die steilen Berge hinaufgefahren sind, kommen wir auf eine Art Hochplateau mit Pinienwaeldern. Besonders im Norden und an leichter zugaenglichen Stellen sind die einheimischen Hartholz-Waelder (z.B. Mahagonny) unter der britischen Kolonialregierung abgeholzt worden. Stattdessen pflanzt man nun die schnellwachsenden Pinien an, aus denen Sperrholz gemacht wird.

Dann kommen wir hinunter in das Zuckerrohrgebiet von Labasa. Jetzt ist gerade die Zeit der Zuckerrohrernte, und vor Fijis zweitgroesster Zuckermuehle stehen Hunderte von Lastwagen, hochbeladen mit Zuckerrohr, Schlange, um gewogen und entladen zu werden. Wir fragen einen der Fahrer, wie lange er schon wartet, und er antwortet, Oh, ungefaehr acht STunden, aber das ist kein Problem; danach muss ich noch eine Fuhre machen. Wir fragen uns, wie irgendwer beim Preis von 10 Fiji-Dollar pro Tonne Zuckerrohr noch iregendwas verdienen kann. Bei weiteren Nachfragen stellt sich heraus, dass die Zuckerindustrie seit 20 Jahren nur Verluste macht, aber darueber scheint sich keiner gross aufzuregen.

Die Stadt Labasa, die groesste von Vanua Levu, koennte sich auch irgendwo in Indien befinden. Ueberall sieht man kleine Hindutempel, winzige Moscheen mit gruenen Kuppeln, Schilder auf Hindu, Frauen in Saris und mit rotem Punkt auf der Stirn, indische Popmusik ertoent aus den Geschaeften. Nachdem wir in einem Hare Krishna Restaurant scharfes indisches Essen genossen haben, machen wir uns zurueck auf den Weg nach Savusavu. Von einem Aussichtspunkt hoch oben in den Bergen bietet sich uns ein phantastischer Blick auf eine dichte weisse Wolkenwand und sonst nichts.

Am Donnerstag nehmen wir einen Bus zur Buca Bay im Suedosten. Nach zweieinhalb Stunden ueber die holprige Piste kommen wir an einen Steg, von dem die kleine Sperrholzfaehre nach Taveuni abgeht. Taveuni ist eine der groesseren Inseln der Fiji-Gruppe. Die Fijis nennen sie auch die Garteninsel. Die Fahrt ueber die stille Bucht dauert zwei Stunden. Danach checken wir im First Light Inn in Wayevo ein. Das kleine Hotel im ersten Stock ist einfach und sauber und hat von der weitraeumigen Terrasse direkt ueberm Meer einen wunderschoenen Blick ueber die Somosomo Strait auf Vanua Levu.

Im selben Komplex im Erdgescchoss gibt es ein kleines Restaurant. Sie haben vier Gerichte zur Auswahl: ein halbes Haehnchen (eher eine halbe Taube), Hammelcurry, ein undefinierbares Gericht und ein viertes, das sie mit "Fleischknochen" beschreiben und eher verdaechtig aussieht. Es erinnert an zersaegte Oberschenkelknochen. Da ich Vegetarierin bin, frage ich, ob sie mir etwas mit Gemuese machen koennen. Die Kellnerin guckt mich etwas ratlos an, meint dann aber, das waer kein Problem. Und dann kommt ein Berg von vor Hammelfett triefendem Reis mit genau 6 Erbsen und 7 Maiskoernern...Als wir weggehen, sehen wir, dass der Name des Restaurants "The Cannibal Café" ist. (Woher kommen diese Fleischknochen? Das Hotel scheint jeden Abend voll zu sein, aber morgens sind immer Zimmer leer...Ich mach nur Spass!)

Einer der Gruende, warum wir nach Taveuni wollten, war, dass wir die Linie des 180. Laengengrades sehen wollten.Zwar finden wir diese Linie nicht, dafuer aber ein huebsches Schild und, nachdem wir einen Rugbyplatz ueberquert haben,eine kleine Kirche, die sich ruehmt, die einzige Kirche auf dem 180. Meridian zu sein.

Dann wandern wir entlang der Kuestenstrasse bis zur katholischen Mission, die 1907 auf einem Huegel in Wairiki von franzoesischen Missionaren erbaut wurde. Unser etwas unzuverlaessiger Lonely Planet-Fuehrer schwaermt von einem Gemaelde dort, das eine beruehmte Kanu-Sclacht zwischen Tonganern und Fijis in der Somosomo Strait darstellt. Schliesslich finden wir das Bild im Salon des Priesters, der es veraechtlich als armselig und geschichtsklitternd abtut. Wir koennen ihm nur beipflichten.

Am naechsten Morgen holt uns ein Taxi ab, um uns an die Ostkueste zum Bouma Nationalpark und nach Lavena zu bringen, den zwei Highlights von Taveuni. Es regnet mal wieder, es giesst in Stroemen und schliesslich wie aus Kuebeln. Die nichtasphaltierte Strasse wird fast unpassierbar, wir versinken im Schlamm,aber Patrick, unse Chauffeur, laesst sich nicht beirren. Bis wir dann an eine Stelle kommen, an der der Fluss auf ueber einen Meter ueber der tiefliegenden Bruecke angeschwollen ist und reissend talwaerts fliesst und wir wirklich nicht mehr weiter koennen. Wir kehren um, und Patrick faehrt mit uns stattdessen zur Waitavala Wasserrutsche, einem langen Wasserfall ueber flache Felsen im Regenwald, den man bei gutem Wetter hinunterrutschen kann. Aber bei diesen Wetterverhaeltnissen ist das nicht ratsam.

Da wir nichts anderes unternehmen koennen, fahren wir zu den Taveuni Estates an der Suedwestkueste und essen da eine tolle Puizza aus dem Holzofen. Dann kehren wir zurueck ins Hotel und gucken uns drei James Bond-Filme an.Sie haben zwar eine riesige Satellitenschuessel hier, aber nur zwei Kanaele. Auf denen laufen 24 Stunden am Tag entweder Bollywood-Schinken oder amerikanische Filme.

Als es am naechsten Morgen wieder schuettet und wir drueben auf der anderen Seite der Meerenge die sonnige, wolkenlose Kueste von Vanua Levu sehen, entscheiden wir spontan, unseren Aufenthalt in Taveuni abzukuerzen und die naechste Faehre zurueckzunehmen. Und so ist uns auch der Anblick von Boa Constrictor-Schlangen erspart geblieben,von denen - wie uns am naechsten Tag ein indischer Bekannter erzaehlt - es in Taveuni nur so wimmelt.

 


CHAP XXXVIII. Koro / Makogai
 

KORO
17º 14.43' S 179º 25.66' O


Nach 17 Tagen in Savusavu verabschieden wir uns am Donnerstag, d. 11.10., von all unseren neuen Freunden ausser Wais und setzen wieder die Segel. Wais, ein 21 Jahre alter Fiji, wird mit uns durch die Inselgruppe fahren, um seine Eltern in Kadavu, der suedlichsten Insel, zu besuchen. Wegen all der Formalitaeten kommen wir erst spaet weg und segeln am ersten Tag nur 5 Meilen die Kueste der Bucht entlang bis zum Cousteau Resort, einem wunderschoen gelegenen Gourmet-Hotel nahe der Einfahrt in die Bucht, das Michel Cousteau gehoert, einem der Soehne des legendaeren Ozeanographen. Abends sitzen wir im Cockpit und gucken uns den romantischen Sonnenuntergang an, waehrend sich im Osten ueber den Bergen schwarze Wolken ballen und es in Savusavu mal wieder in Stroemen regnet. Hier ueber der flachen Halbinsel weht eine Brise vom Meer die Regenwolken weg, es ist trocken und klar, der Nachthimmel voller Sterne, der junge Mond eine schmale Sichel. Nach einer ruhigen Nacht brechen wir am naechsten Morgen frueh auf nach Koro. Um 14 Uhr ankern wir direkt westlich von dem ausgedehnten Korallenriff im Nordosten der Insel, vor uns ein langer weisser Sandstrand und dahinter das Dorf Nacamaki. Wir paddeln alle drei an Land, um dem Chief des Dorfs ein Sevusevu zu bringen. Das muss man jedesmal machen, wenn man neu in ein Dorf kommt.
Es ist so, wie wenn man das erstemal von jemanden in sein Haus eingeladen wird und ein kleines Geschenk mitbringt. In Fiji besteht es normalerweise aus einem Buendel Kavazweigen, die man
schon huebsch verpackt in Zeitungspapier auf MAerkten kaufen kann. Es aehnelt einem Blumenstrauss.

Wir fragen einen jungen Mann aus dem Dorf nach dem Haus des Chiefs, und er fuehrt uns zu einem knallgelben Holzhaus, wo wir uns im Wohnraum auf MAtten niederlassen und auf den Chief warten. Er haelt nach der Feldarbeit eine Siesta und muss geweckt werden. Schliesslich erscheint ein hagerer aelterer Man mit ausdrucksvollem Kopf im Blumen-Sulu (Wickelrock) und Blumen-Hemd, setzt sich nieder auf den mit knallbunten Blumenmustern gefliesten Boden und lehnt sich gegen das blumig gemusterte Sofa mit den vielen Haekeldeckchen. Ich haette gern ein Foto von dieser Szene gemacht, aber wie es so oft geht - viele Bilder koennen wir aus Ruecksicht auf die Leute nicht machen.
Nach einer feierlichen Willkommensrede laedt uns der HAeuptling ein, das Dorf anzusehen und in der Dorfhalle Kava zu trinken. Wir duerfen frei auf dem ganzen Gebiet des Dorfes herumwandern und uns im Wald mit Essbarem eindecken. In Begleitung eines Mannes laufen wir etwa eine Stunde durch das idyllische Dorf, gruessen alle und sprechen mit vielen, verzichten dann aber trotz Draengens aufs Kavatrinken, weil wir noch vor der Ebbe mit dem Dinghy ueber das Korallenriff zurueck zum Schiff paddeln muessen.
Am naechsten Morgen machen wir uns frueh auf den Weg die Ostkueste hinunter zum naechsten Dorf, um Einkaeufe zu machen (in Nacamaki gibt es kein Geschaeft). Es geht 7,8 km bergauf und bergab durch den Regenwald und vorbei an Tarofeldern. Unterwegs treffen wir einen BAuern, Beni, der sich uns anschliesst und mit uns wandert. Es ist sehr heiss, und Beni meint, er koenne vielleicht ein Auto organisieren, das uns wieder nach Nacamaki zurueckbringt.
Um auf das Auto warten, klettern wir den Huegel hinauf zum Postamt , wo man zwar Zigaretten kaufen kann, aber nichts zu trinken. Wir fragen jemanden, ob wir irgendwo frischen Fisch kaufen
koennen, und er geht mit uns den Berg hinunter zur Dorfmitte, wo wir in einem Privathaus eine grosse Truhe voller Fisch finden, der exportiert werden soll. Wir suchen uns zwei praechtige
red snapper aus und stopfen sie in eine Plastiktuete.
Und wo gibt es Brot?Dafuer muessen wir einen steilen Pfad hinunter bis zu einem anderen Ort am Meer laufen, wo Skip seine KAppe abnehmen muss, denn in diesem Dorf ist es sehr unhoeflich, etwas auf dem Kopf zu haben. Das Brot ist noch warm und riecht koestlich.Dann klettern wir wieder bergauf bis zur Post, wo das Auto vielleicht schon wartet. Aber es ist
nichts zu sehen. Wir fragen den Mann auf der Post, wo wir was Kuehles zu trinken kaufen koennen, und er meint, im Haus unterhalb vom Fisch-HAus machten sie frischen Saft und Eis!! Erwartungsfroh laufen wir wieder bergab, aber das Haus ist geschlossen, es ist schon alles verkauft.
Eine freudliche Frau sagt, Wenn Ihr den anderen Huegel runtergeht, gibt es ganz unten ein Geschaeft, wo sie kuehle Getraenke verkaufen... Wais bietet sich an, allein hinunterzugehen, waehrend wir in Schweiss gebadet wieder den Huegel zur Post hinaufschleichen und uns unter einen kuehlen Mango-Baum setzen. 20 Minuten spaeter kommt Wais mit haengender Zunge und ein paar Flaschen voller bonbonfarbenem klebrigem Gebraeu wieder zurueck - es war das einzige, was sie hatten, aber es ist wenigstens kuehl.
Nach etwa zwei weiteren Stunden (it's Fiji time!) kommt auch unser Auto, ein Allrad-Pickup, und faehrt uns zurueck nach Nacamaki. Unterwegs erzaehlt uns Beni die Geschichte mit der Schildkroete.Die Schildkroete ist das heilige Tier des Dorfs.
Der Haeuptling stellte immer eine Schale mit Kava an den Strand, um die Schildkroeten anzulocken und willkommen zu heissen. Eines Nachts aber kam eine Schildkroete und fand die Schale leer. Sie versteckte sich im Gras und sah, dass, nachdem der Haeuptling die Schuessel wieder gefuellt hatte, ein Mann herankam und sie austrank. Die Schildkroete sprang aus ihrem Versteck und verwandelte den Mann zur Strafe in einen Baum. Seither waechst in Nacamaki ein Baum, den es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Die Fruechte des Baums haben die Form einer Schildkroete! Jedes Dorf in Fiji hat sein eigenes Totem-Tier und seine eigene Geschichte dazu. Als wir zurueck zum Schiff paddeln, trauen wir unseren Augen nicht: eine riesige Schildkroete
schwimmt um es herum und bleibt die ganze Zeit unseres Aufenthalts da!

Spaeter am Nachmittag gehen wir wieder ins Dorf, wo uns Keni auf seiner schattigen Terrasse zum Kavatrinken einlaedt. Wir erzaehlen ihm von der Schildkroete, und er sagt, Oh, die sind immer da, weil wir sie hier im Dorf nicht jagen und essen, sie sind heilig fuer uns. Kurz bevor die Sonne untergeht nehmen wir die Matten und die Kavaschale und setzen uns an den
Rand des Dorfrasens, gucken den Rugbyspielern zu und trinken noch mehr Kava. Keni spielt Gitarre und singt mit seiner Frau Fiji-Lieder. Als es sehr dunkel ist, ziehen wir wieder um, diesmal in die Dorfhalle, die schon voller Leute ist, die auch alle um Kavaschalen herumsitzen. Von draussen hoeren wir rhythmisches Klingen, in einem tiefen Metallgefaess wird mit einer schweren
langen Eisenstange abwechselnd von zwei jungen Maennern die Kava zerstampft. Drinnen spielen einige Maenner auf Gitarren und Ukulelen und singen dazu vielstimmig ihre etwas wehmuetigen Lieder. Nach und nach kommen auch die Frauen dazu, mehr und mehr Kava wird getrunken, es wird gescherzt, gelacht und gesungen. Viele Schalen spaeter, nachdem wir etwa 6 Stunden mit gekreuzten Beinen gesessen haben, wanken wir durch die dunkle Nacht zurueck zum Strand und tasten uns mit dem Dinghy zurueck durch das Korallenlabyrinth.


Am naechsten Morgen machen sich Skip und Wais auf, um im Regenwald Essen zu sammeln. Sie wandern eine Weile den Strand lang (wo sie wunderschoene Muscheln finden), bis Wais eine Kokospalme nach seinem Geschmack gefunden hat. Er macht aus seinem Hemd eine Schlinge, die er wie eine Klammer um seine Fuesse herumbindet, und auf geht's!  Fiji-Palmen sind die hoechsten der Welt, sie werden aelter als andere, ihre Staemme sind rot und die Kokosnuesse gelblich. In 30m Hoehe loest Wais eine Kokosnuss und schreit, Hier, fang!, laesst
sie dann aber auf einen FElsen klatschen, wo sie in 1000 Stuecke zersplittert. So ein Ding kann man unmoeglich fangen. Damit sie nicht aufbrechen, wirft Wais die naechsten in das Unterholz um
die Palme herum, so dass die Zweige den Aufprall daempfen. Nachdem er 15 Kokosnuesse hinuntergeworfen hat, klettert Wais wieder abwaerts, schlaegt mit der Machete von zweien die Spitze ab und fertig ist ein kuehler koestlicher Drink! Dann schlaegt er von allen anderen die dicke gruene aeussere Schale ab, so dass nur die kleine innere Nuss uebrig bleibt, die man viel besser transportieren kann. Eine Frau aus dem Dorf kommt vorbei und sagt, etwas tiefer im "bush" (so nennen sie hier den Wald) gaebe es wilde Orangen (so nennen sie die Zitronen, die aussen gruen und innen orange sind). Auf der Suche im bush laufen ihnen diverse Schweine und Ferkel ueber den Weg (ein  Spanferkel waer auch nicht schlecht!), allerlei Voegel schwirren herum, und schliesslich finden sie den Baum und ernten eine Tuete voller saftigster Zitronen. Ausserdem finden sie armdicke Bananen und Pawpaws (Papayas). In Fiji leidet niemand Hunger, praktisch alles kann man im Wald finden, Wurzeln jeder Art, spinataehnliche Blaetter, Pilze, Nuesse, Brotfruechte oder auch Boas, deren Fleisch lecker sein soll.


M A K O G A I

17º 26.53' S 178º 57.16' O

In der Fruehe am Sonntag, 14.10., segeln wir die 39 Meilen nach Makogai. In Fiji-Gewaessern au  segeln ist eine sehr heikle Angelegenheit wegen der ausgedehnten Korallenriffe, die sich meilenweit hinaus ins Meer erstrecken, meist nicht markiert sind und nur sehr enge Passagen in die Lagunen haben. Die Einfahrt in die Makogai-Lagune z.B. ist nur etwa 40 m breit und 4 Seemeilen lang. Man muss bei gutem Wetter zwischen 10 und 15 Uhr durchfahren, wenn der Sonnenstand gute Sicht auf die Untiefen zulaesst. Der Tiefenmesser allein genuegt nicht. Zwar haben wir auch ein paar waypoints fuer das GPS, aber darauf kann man sich nicht unbedingt verlassen. Schliesslich ankern wir in einer kleinen Bilderbuchbucht , die eigentlich eine "restricted area" ist, weil der Staat hier ein Forschungsprojekt durchfuehrt. Man versucht, Riesenmuscheln, die ausgestorben waren, wieder anzusiedeln. Makogai war von 1916 bis 1968 die Lepra-Insel fuer den ganzen Pazifikraum. 5000 Leprakranke lebten hier und wurden von franzoesischen Nonnen betreut. Es gab drei Siedlungen, je eine fuer Melanesier, Polynesier und Inder. Und 5 Gefaengnisse! Fuer die Armen, die verbotenerweise engere Beziehungen zum anderen Geschlecht geknuepft hatten.... Heute sind aus dieser ZEit noch einige Holzhaeuser uebrig, die sich in diesem Klima erstaunlich gut etwa 100 Jahre gehalten haben. An vielen Stellen sieht man auch Plattformen, wo mal HAeuser gestanden haben, dann aber zerlegt und an anderer Stelle wieder aufgebaut wurden.

Heute gibt es auf der Insel nur zwei Doerfer mit insgesamt 80 Menschen, das eine im Norden an unserer Bucht, und das andere im Sueden. Am Morgen nach unserer Ankunft wandern wir auf einem schmalen Pfad durch den Wald nach Sueden. Der Weg war mal breit und gut ausgebaut, ist aber jetzt fast voellig ueberwuchert. Entlang dem Weg stossen wir auf die ehemalige indische Station. Nach eineinhalb Stunden kommen wir auf einen Sattel zwischen zwei Huegeln mit einem phantastischen Blick ueber Inseln, Riffe und Meer bis hinueber nach Viti Levu, der Hauptinsel.
Wir steigen auf der anderen Seite hinunter ins idyllische Sueddorf. Umgeben von Bananenplantagen und Gemuesegaerten und inmitten von grossen RAsenflaechen liegen die buntgestrichenen Holzhaeuser verstreut. In der adretten neuen Schule, in der alle Inselkinder unterrichtet werden, haben sie gerade Pause. Der Lehrer schenkt uns ein paar Papayas. Dann gehen wir an die ehemalige Anlegestelle, wo noch einige verwitterte und verlassene Huetten stehen und ein Schild, "Welcome to Makogai", was in frueheren Zeiten ziemlich makaber gewesen sein muss.

Auf dem Rueckweg machen wir am Strand Rast, und Wais holt wieder Kokosnuesse von Palmen, denn wir haben einen hoellischen Durst, jeder trinkt mindestens 4 davon aus. Es ist erstaunlich, wie kuehl das Wasser in den Nuessen bleibt. Sobald wir stehenbleiben, stuerzen sich Millionen Moskitos besonders auf mich, meine Arme sind bedeckt davon und ich schlage frenetisch um mich. Wir muessen die ganze Zeit in Bewegung bleiben. Am Dienstag, 16.10., fahren wir wieder aus der Lagune hinaus durch den langen Pass und dann hinueber nach der Insel Ovalau. Nach viereinhalb Stunden ankern wir direkt vor der Sacred Heart Kirche von Levuka.


O V A L A U (L E V U K A )

17º 40.98' S 178º 50.17 O


Ovalau ist eine wunderschoene vulkanische Insel mit spitzen gruenen Bergen und einem schon lange erloschenen Krater in der Mitte. Levuka, der HAuptort mit heute 2000 Einwohnern liegt auf einem sehr schmalen Streifen Land zwischen der Lagune und den steilen Huegeln. Direkt hinter der Beach Street entlang dem Meer, der einzigen grossen Strasse, beginnt schon der Regenwald.

Anfang des 19. Jahrhunderts war Levuka ein Umschlagplatz fuer den HAndel mit Seegurken, Kopra und Schildkroetenpanzern und beruechtigt fuer wueste Raufereien und Saufereien. Nachdem Chief Cakobau 1874 das voellig verschuldete Fiji den Briten als Kolonie ueberliess, wurde Levuka die Hauptstadt des Landes. 3000 Europaeer siedelten sich hier an, gruendeten Plantagen, Handelsfirmen und Geschaefte, es gab 52 Hotels in der Stadt. Aber schon bald sah man, dass Levuka einfach zu wenig Platz hatte, um sich zur Hauptstadt entwickeln zu koennen, und die Kolonialregierung zog um nach Suva auf der groessten Fiji-Insel Viti Levu. Zur gleichen Zeit kollabierte der Kopra-MArkt, und Levukas Niedergang begann.

Heute erstreckt sich Levuka entlang dem WAsser zwischen Thunfischfabrik und Gun Rock. Viele der oeffentlichern und religioesen Gebaeude aus alter Zeit sind noch erhalten, besonders pittoresk aber ist die Haeuserzeile entlang der Beach Street. Es ist, als ob jemand vor 100 JAhren die Uhr angehalten haette. Einer der wenigen Orte in Levuka, wo man heutzutage etwas trinken kann, ist der alte Ovalau Club. Auf dem Schild am Eingang steht,"Members only! Guests welcome" - Nur fuer Mitglieder, Gaeste willkommen. Vorn in der Lounge droehnt das Fernsehen, in der Mitte ist die Bar und im hinteren Zimmer ein riesiger Snooker-Tisch. 6 Fijis spielen hier ein wildes Spiel, tragen ihre Queues wie Speere vor sich her, fuehren Kriegstaenze um den Tisch herum auf, heulen und schreien wie in einer Schlacht. Bei den WEltmeisterschaften sollten sie unbedingt ein Team aus Fiji dabeihaben, um die Spiele etwas aufzupeppen! Was fuer eine Show die machen koennen!

Unser Lieblingsrestaurant in Levuka ist Kim's Paak Kum Loong. Kim ist chinesischer Herkunft, in Savusavu geboren, und ein begnadeter Koch. Einmal in der Woche macht er ein Buffet mit etwa 30 verschiedenen Gerichten, eins leckerer als das andere! Eine Mischung aus chinesischer, indischer und Fiji-Kueche. Die Preise sind sehr guenstig, das Essen koestlich, es ist eins der besten Restaurants im Pazifik in dieser Kategorie, Segler sollten es unbedingt besuchen! Entlang dem Wasser verkaufen Baeuerinnen unter den Schattenbaeumen Taro, Kasava, Algen, Chili-
schoten etc. Der Prediger einer Sekte schreit sich die Seele aus dem Leib -Hallelujah! -, der Chor singt und tanzt.Schulkinder spielen KArten. Der Fischhaendler schlaeft fest ueber der Theke
seines kleinen Laedchens, bis eine Bekannte fest auf den Tisch haut, er erschrocken aufwacht und sie dann drohend verfolgt... Fuer ein paar Stunden mieten wir Moon und sein Allradtaxi (die meisten Strassen in Fiji sind nicht geteert) und fahren einmal rund um die Insel und nach Lovoni, dem einzigen Ort im Inselinneren, mitten im ehemaligen Krater. Moon meint, dass Fiji ein von Gott gesegnetes Land ist. Alles waechst von selbst, das Klima ist das ganze Jahr ueber angenehm, es gibt unzaehlige klare Bergbaeche, es gibt Fisch. Aber, meint Moon, das verleitet die Leute auch zur Faulheit. Bei der Inselrundfahrt brechen wir nach jeder Strassenkehre erneut in Ahs und Ohs aus, denn immer wieder bieten sich faszinierende Ausblicke auf Berge und Meer.

 


CHAP XXXIX.

K A D A V U

19º 02.84' S 178º 09.45' O


Drei Tage sitzen wir in Levuka fest, weil wir mit dem grossen Schwell, starken Regen und Suedwind nicht nach Sueden Richtung Kadavu abfahren koennen. Am Dienstag, d. 23. Oktober, blaest der Wind dann endlich aus NO, so dass wir den Anker hochholen und uns durch die hohen Wellen durch den Pass kaempfen. Zuerst muessen wir einige Stunden in suedoestlicher Richtung segeln, um die ausgedehnten Riffe vor Viti Levu, der groessten Insel von Fiji, zu umgehen, bevor wir suedoestlichen Kurs auf Kadavu nehmen koennen.
Fruehmorgens um 5 Uhr passieren wir den Leuchtturm des beruehmten Astrolabe Riffs noerdlich von Kadavu und fahren dann die Nordkueste entlang, bis wir zum Pass von Vunisea kommen, der fuenf Meilen vor der Bucht anfaengt und sich durch das Riff und Korallenkoepfe schlaengelt. Es gibt Markierungspfosten, die aber fuer uns nicht eindeutig sind, so dass wir vorsichtig im
Zickzack von einem Pfosten zum naechsten fahren, ohne ihnen allzu nahe zu kommen - man weiss ja nie... Nach einer bangen Stunde ankern wir dann in sandigem Boden nahe dem Dock von Vunisea, Kadavus groesstem Ort.
Das Haupttransportmittel in Kadavu sind die Holzboote der Einheimischen, alle mit starken Aussenbordmotoren ausgeruestet. Es gibt so gut wie keine geteerten Strassen, und die existierenden
Wege sind ausgewaschen und -wenn ueberhaupt- nur mit Allradfahrzeugen befahrbar. Auf dem Dock stapeln sich Berge von Baumaterial, das nach und nach erst ein Stueck per carrier (kleine LKWs) oder Boot und dann auf dem Ruecken an seinen Bestimmungsort transportiert wird.

Am naechsten Tag organisieren wir eins dieser Boote und fahren um das suedliche Kap herum nach Tavuki, wo Wais' Mutter mit ihrem zweiten Mann und ihren Kindern lebt. Als wir dort ankommen, ist es Ebbe, und wir muessen fast einen Kilometer durch den Schlick bis zum Anleger waten, nicht sehr angenehm, vor allem barfuss und wenn man den Schlamm mal naeher in Augenschein nimmt.
Es wimmelt nur so von Schlangenknaeueln (Wais meint, die waeren harmlos, auch wenn man drauf traete...), und ab und zu sieht man in einer Pfuetze auch eine der extrem giftigen braun-weiss
geringelten Wasserschlangen, die viermal so giftig wie eine indische Kobra sind, aber wohl nicht allzuviele Opfer finden, weil ihr Mund so klein ist...) Nachdem wir Wais' Mutter, seinen Stiefvater (Haeuptling von Soso, Kadavu) und kleinen BRuder begruesst haben, spazieren wir den Strand entlang zur Schule, um seiner Schwester Guten Tag zu sagen. Auf dem Weg begruessen uns viele Leute, wir sprechen mit einigen, alle sind sehr freundlich und hoeflich und interessiert. Wir duerfen nur bestimmte Pfade durchs Dorf benutzen, sie stehen voller Wasser vom Regen, so dass wir barfuss laufen wie alle anderen auch. Wir duerfen keine Kappen aufsetzen und auch keine Zigarette im Gehen rauchen, das waere schlechtes Benehmen. Gut, dass Wais sich auskennt. Wais bleibt ueber Nacht in Tavuki, und wir fahren mit dem waqa (Boot) zurueck nach Vunisea. Unterwegs besuchen wir noch ein anderes Dorf, in das man durch einen langen Mangroventunnel gelangt, wo der Film "Anaconda" gedreht wurde.
Kadavu wird auch Klein Neuseeland genannt, wegen der Landschaft und Form der Insel.Vunisea liegt auf einem Huegel, der einen sehr schmalen Isthmus bildet, so dass die Insel praktisch aus zwei Teilen besteht. Wir ankern in der noerdlichen Bucht und laufen am anderen Tag ueber den Berg zur riesigen suedlichen Soso-Lagune, wo wir ein Holzboot mieten, das uns zur Insel Galoa bringt.

Auch hier kommen wir wieder bei Ebbe an und muessen durch den Schlamm waten. Wir naehern uns dem Dorf auf dem Besucherpfad. Solange man nicht offiziell eingefuehrt ist, kann man sich nicht ueberall frei bewegen. Der Ruf "Es sind Fremde da!" geht wie ein Lauffeuer durch's Dorf. Dann begleitet uns ein Mann zum Versammlungshaus, wo der Haeuptling oder Koenig (Tui) schon mit seinen Aeltesten im Kreis sitzt. Wais stellt uns vor und bittet, das Dorf besuchen zu duerfen und uebergibt dem stellvertretenden Haeuptling unser Sevusevu, ein Buendel getrockneter
Kavazweige. Der Stellvertreter teilt dem chief in einer Rede etwas mit und uebergibt ihm dann das Geschenk. Dann haelt der Haeuptling selbst, ein feiner alter Mann mit europaeischen Gesichtszuegen,eine laengere Willkommensrede, waehrend der alle oefter mit dem Kopf nicken und "io" (ja) sagen. Dann schuetteln wir allen die Hand, d.h. wir muessen auf den Knieen zum Haeuptling rutschen, denn man darf ihn nicht ueberragen.Jetzt sind wir akzeptiert im Dorf. Die grosse Tanoa (Kavaschale) wird herangeschleppt, Silberfolie, ein Buendel Fasern aus Baum-Hibiskus. Die Kava wird zerstampft und in die Tanoa gegeben, zusammen mit etwas Wasser. Hier in Galoa wird die Kava nicht in ein Tuch geschlagen, sondern auf traditionelle Art mit dem Faserbuendel geschoepft und ausgewrungen. Die Kavakruemel bleiben in den Fasern haengen und werden auf die Silberfolie geleert und spaeter wieder verwendet. Dieser Vorgang wird so lang wiederholt, bis keine Kruemel mehr in der Schale sind. Und dann tritt der Mundschenk in Aktion. (Jedes dieser Rituale darf nur von bestimmten Familien durchgefuehrt werden). Statt die Kava wie sonst ueberall mit einer Kokosschale zu schoepfen, werden hier die Fasern mit Kava getraenkt und in die Trinkschale ausgewrungen.  Die Schale wird nach Rang zuerst dem Haeuptling, dann seinem Vize, Skip, mir, Wais etc. gereicht. Ich bitte immer um "low tide (Ebbe)", d.h. fuer mich fuellen sie die Schale nur halb. Die Maenner trinken "high tide (Flut)".
Vorm Trinken klatschen alle einmal in die Haende. Nachdem man die Schale auf einen Zug geleert hat, rufen alle "Ah! Maca!" und klatschen fuenfmal. Das Ritual ist hier anders als auf den anderen Inseln. Viele der Aeltesten sehen sehr europaeisch aus, der Schreiner und der Baumeister sogar deutsch. Auf der Insel strandeten wohl einige Europaeer, darunter ein Deutscher, dessen Schiff sank und der Geld und Gold in einer Bucht vergrub. Bisher haben sie den Schatz nicht geborgen, aber sie suchen immer noch danach.Es kommen immer mehr Maenner zum Kava-Trinken, darunter auch der Lehrer und die Bauarbeiter,die am Versammlungshaus arbeiten. Die Kava hier ist viel besser als anderswo, viel staerker auch, und relaxt noch mehr. Alle werden redselig und noch freundlicher. Zuerst sind die Aeltesten Wais und uns gegenueber etwas reserviert, aber Wais hat eine so sanfte, bescheidene und herzliche Art mit allen, dass sie schnell auftauen. Er ist zwar erst 22, hat aber etwas Serioeses und strahlt Selbstsicherheit und Autoritaet aus. Er ist sehr erwachsen und hat viel vom Leben kapiert. Sein Vater und Stiefvater sind bedeutende Haeuptlinge, er wird einem von beiden mal nachfolgen und bereitet sich auf diese Verantwortung vor.

Zum Schluss haelt Wais unsere Dankes- und Abschiedsrede, der Vize bedankt sich seinerseits und sagt, wir waeren jederzeit willkommen. Wir geben allen die Hand und sagen, vinaka vakalevu!

Galoa ist ein besonders huebsches Dorf in einem kleinen Tal. Die Leute sind gerade dabei, Stromkabel fuer jedes Haus unterirdisch zu verlegen. Die Haeuser liegen an den Haengen, umgeben
von bluehenden Gaerten, an dem kleinen Bach waechst Ingwer, unter riesigen Mango-Baeumen liegt die schmucke Kirche und davor unter einem spitzen Dach die Lali, die grosse Holztrommel
(slit drum), die als Glocke fungiert. Die Lali wurde vor der Christianisierung immer geschlagen, wenn es Menschenfleisch zu essen gab... Man kann sich nicht vorstellen, dass diese unglaublich
freundlichen und sanften Menschen einst so grausame Braeuche hatten. Auf Galoa gibt es einen Campingplatz, und die Dorfbewohner moechten liebend gern, dass wir dafuer Propaganda machen. Also, wenn Ihr mal an einem wunderschoenen exotischen Ort zelten wollt, macht Euch auf nach Galoa!

Am spaeten Samstagnachmittag kommen Wais' Geschwister aus der zweiten Ehe seines Vaters uns auf dem Schiff besuchen.Die Kinder waren noch nie auf einer Yacht und gucken sich alles genau und mit viel Ah! und Oh! an. Sie sind erstaunt ueber die vielen Buecher. In Fiji gibt es sogar in groesseren Orten kaum welche zu kaufen, in Savusavu befand sich der "bookstore" in der
Metzgerei und bestand aus ein paar schmuddeligen, gebrauchten Schinken. Am Sonntag sind wir zum Mittagessen bei Wais' Vater eingeladen. Das Haus sitzt oben auf dem Huegel, der den Isthmus bildet, und man hat einen grandiosen Blick auf die Lagunen auf beiden Seiten. Wir klettern den Berg hinauf, als Wais mit seinem kleinen Bruder uns entgegenkommt und meint, wir koennten vielleicht ein bisschen Eis mitbringen. Wir geben ihm Geld, und er besorgt den Nachtisch. Dann gehen wir zum Haus, wo wir mit Wais zusammen ein ueppiges Mahl verzehren, waehrend zwei seiner Schwestern mit Tuechern die Fliegen verscheuchen. Sein Vater sitzt vor dem Fernseher und guckt Gulong, eine philipinische Fernsehserie, englisch untertitelt, nach der alle verrueckt sind.Danach setzen sich auch die Mutter und die Geschwister an den Tisch und essen - der Vater hat als Familienoberhaupt als Erster und allein gegessen. Es herrscht, auch in der Familie, eine strenge Hierarchie. Zum Schluss kommt das Eis auf den Tisch - grasgruen, leuchtend rosa und orange, pfefferminzsuess. Ich krieg es nicht runter.

NAchdem wir uns bedankt und verabschiedet haben, rollen wir den Huegel herunter, paddeln zum Schiff und machen uns auf den Weg nach Suva, der Hauptstadt auf Viti Levu. Um 16 Uhr fahren wir ab und schaffen es gerade noch vor Dunkelwerden durch den Pass. Die ganze Nacht durch blaest der Wind aus SO, mal mit 10 Knoten, manchmal in Boeen um die 35 Knoten. Es ist kalt und regnerisch. Um 7 Uhr morgens fahren wir durch die schmalen Pass hinein in die Suva Bay und ankern vor dem Royal Suva Yacht Club.
 


CHAP XL. Suva


S U V A

18º 07.37' S 178º 25.48' O


Es ist der 30. Oktober, als wir in Suva ankommen. Das heisst, dass wir nicht mehr viel Zeit in Fiji verbringen koennen, denn im November faengt die Hurrikan-Saison an und wir sollten so bald wie moeglich nach Sueden aufbrechen. In Suva liegen nur noch wenige Yachten, die meisten sind schon letzte Woche abgefahren.
Es regnet fast ununterbrochen, und wir koennen nicht viele Fotos machen. Suva ist uns als sehr dreckig und unangenehm geschildert worden, aber wir finden die Stadt ganz schoen: den Yacht Club, das quirlige Stadtzentrum mit der Mischung aus Fijis, Indern und Chinesen, den Hafen bei Nacht, die Parks, die Vororte auf den Huegeln und die indischen Stadtviertel mit ihren Hindu-Tempeln und Moscheen und kunterbunten Haeusern. Auch das Fiji Museum ist hochinteressant. Dort gibt es eine grosse drua (Katamaran) aus dem 19 Jahrhundert, mit der die Fijis anscheinend bis Neuseeland und Hawaii gesegelt sind. Und auch ein Bambusfloss, das Tom Sawyer vor Neid erblassen liesse. Es hat sogar eine Feuerstelle! Die Kriegsknueppel und  Hochzeitskleider aus Baumrindenstoff sind auch sehr sehenswert.
Wir merken auch etwas von den Spannungen zwischen den verschiedenen Kulturen. Ein indischer Taxifahrer regt sich ueber die Fijis auf, fucking cannibals! Die Inder waeren die Treibkraft des
Landes, sie arbeiteten, waehrend die anderen auf der faulen Haut laegen, sie haetten die Geschaefte, das Geld, bauten die Haeuser - und die anderen wolten ihnen das alles wegnehmen. Die Inder zeigen ihren Reichtum gern und laufen mit Gold behaengt durch die Strassen und provozieren damit natuerlich die Fijis. Raubueberfaelle sind an der Tagesordnung, auch Einbrueche. Nach Einbruch der Dunkelheit kann man sich nicht mehr auf die Strasse wagen. Die Inder, die koennen, emigrieren, Fiji hat schon jetzt einen besorgniserregenden Mangel an Akademikern.

Wais geht seine Familie in New Town besuchen, wo eine Schwester seines Vaters lebt, seine big mama.Sie laedt uns zum Essen ein, aber leider hab ich mir den Magen gruendlich verdorben, und wir koennen nicht hingehen. Am Samstag packt Wais seine Sachen und nimmt die Faehre zurueck nach Savusavu. Wir sind alle traurig.Er laedt uns zu seiner Hochzeit ein, Skip soll sein Trauzeuge sein. Jetzt muss er nur noch seine zukuenftige Frau finden... Noch eine letzte Umarmung, und dann geht er aufs Schiff.
Nachdem wir tagelang Wetterkarten studiert und das Wetter diskutiert haben und alle ein andauerndes Hoch vorausgesagt haben, beschliessen wir, am Montag, d. 5. November, abzufahren.



Wir stehen um 6 Uhr auf, aber es regnet mal wieder in Stroemen, und die Sicht ist miserabel.Ein paar Stunden spaeter klart es auf, und wir versuchen, den Anker hochzuholen. Das geht nicht so
einfach, und dann sehen wir auch, warum. Der Anker hat sich in einem riesigen Reifen verhakt und die Ankerkette ist voller Muell und Morast. Es dauert eine Weile, bis wir den Anker befreit
und die Kette gesaeubert haben, und dann geht's los auf die 1200-Seemeilen-Reise nach Opua auf der Nordinsel von Neuseeland. Mit 6 bis 7 Knoten pfluegen wir durch die Wellen in Richtung SW.

Alle Wettergurus haben fuer die naechsten Tage stetigen Wind aus SO prophezeit, der nahe Neuseeland auf SW drehen wird. Die ersten 2 Tage behalten sie Recht, wir machen 156 bzw. 154
Meilen pro Tag.
Aber am Donnerstag flaut der Wind ab, wir starten den Motor, und ploetzlich hoeren wir einen lauten Knall und sehen, dass die Halterung aus rostfreiem Stahl, die die Gaffel und die Leine
des Grosssegels verbindet, zerbrochen ist. Die Gaffel kommt herunter, aber der Block bleibt oben. Da ich Skip nicht auf den Mast hieven kann, muss ich also hinaufklettern, ein Seil am Block befestigen und ihn hinunterziehen. Am naechsten Tag erweisen sich die Vorhersagen der Gurus als voellig falsch. Der Wind kommt aus Sueden, so dass wir ihn die naechsten zwei Tage auf der Nase haben, es ist ein eiskalter Suedwind mit heftigen Regenguessen, sehr unangenehm. Am Montagmorgen faellt das Barometer immer noch weiter, der Wind wird immer noch staerker, etwa
40 bis 50 Knoten, so dass wir die Fock bergen wollen.
Gerade als wir sie unten und gesichert haben, taucht das Schiff in ein Wellental und der Bugspriet in eine Welle, und als das Schiff wieder auftaucht, ertoent ein Krachen und der Bugspriet
zerbricht wie ein Streichholz und haengt im Wasser. Wir reagieren schnell, ziehen ihn auf die Seite, vertaeuen ihn laengs am Schiffsrumpf und Kabel, Netz und Leinen auf dem Vordeck. Wir drehen bei, bergen alle Segel ausser dem Grosssegel und vertaeuen die Ruderpinne und gehen schlafen. In 12 Stunden driften wir etwa 8 Meilen.

Am naechsten Morgen kommt ein leichter Wind aus SW auf und die See ist ziemlich ruhig, so dass wir das Vordeck aufraeumen koennen. Wir zerschneiden die Kabel, die den Bugspriet gehalten haben, das Netz, vertaeuen die Bobkinkette (?), raeumen das Deck so gut auf, wie wir koennen, damit wir weiterfahren koennen.Das wird ohne Bugspriet und Fock nicht einfach.
Am Mittwochmorgen faellt das Barometer immer noch, der Wind kommt immer noch aus SW und wird staerker. Das wird noch ein rauer Tag! Um 12 Uhr mittags haben wir 50 Knoten, und riesige Wellen brechen ueber das Schiff. Wir vertaeuen die Ruderpinne wieder in der Mitte, verzurren das staysail ganz fest und das main staysail lose, und dann geht es in rauer Fahrt in die
richtige Richtung. Die Wellen sind kurz und steil, und jede bricht und schlaegt mit Wucht gegen den Rumpf und sprueht Wasserkaskaden ueber das Schiff.

Gluecklicherweise dauern diese Stuerme nur etwa 24 Stunden, und um 6 Uhr am Donnerstagmorgen flaut der Wind ab, die See wird ruhiger, und schliesslich motoren wir den Rest des Tages weiter.
Am Freitagmorgen bei Sonnenaufgang sehen wir die Nordinsel, und um 12 Uhr fahren wir in die Bay of Islands hinein. Um 4 Uhr haben wir einklariert und liegen sicher am Dock der Opua Marina-heilfroh, in Neuseeland und am Leben zu sein.


 


 CHAP XLI. Neuseeland (Nordinsel)


Opua  35º 16.47'  S           Auckland  36º 49.28'  S
      174º 24.22' O                     174º 45.82' O



Von November 2007 bis April 2008 haben wir in Neuseeland eine Pause vom Segeln und von der Webseite gemacht.Einesteils mussten wir die Zyklon-Saison aussitzen, denn in dieser Zeit
ist es in der Zone um den Aequator zu gefaehrlich, andererseits waren wir aber auch ziemlich geschlaucht vom Ueberqueren des Pazifik und froh, mal wieder an Land zu sein.
Wir haben meist an unserem Schiff gearbeitet, repariert, abgeschliffen, 12 Lackschichten aufgetragen, gestrichen, geflickt, das Tauwerk in Ordnung gebracht, gesaeubert, Ordnung gemacht,
Proviant gekauft usw.  Ein paar Wochen lang sind wir aber auch durch Neuseeland gefahren, insgesamt 8000 km, und haben uns dieses wunderbare Land am Ende der Welt angesehen. Eigentlich wollten wir nur ein paar von den ueber 1500 Fotos auf die Webseite stellen, haben uns aber dann doch entschlossen, auch kurz unsere Eindruecke von hier zu schildern.

Man sieht hier in den Haefen und an der Kueste so viele Yachten, dass es scheint, als gaebe es mehr Schiffe als Einwohner. Fuer Segler ist Neuseeland ein Paradies. In Opua, Whangarei
und Auckland, der City of Sails, kann man praktisch alles finden und reparieren lassen. Die Kiwis sind sehr erfinderisch und hilfsbereit, irgendjemand hat immer eine Loesung parat.

Nachdem wir in Opua in der Bay of Islands festgemacht hatten und gerade mit den Immigrations-Beamten einklarierten, hoerten wir wie die Agrikultur-Inspektoren sich im Dinghy naeherten
und beim Anblick unseres Holzbootes sagten 'Ich wette, das sind Bohnenfresser'. Nachdem wir mit der Einwanderungsbehoerde fertig waren, nahmen die anderen uns in die Pflicht.

In Fiji hatten wir eine Liste mit den Sachen studiert, die man nicht nach Neuseeland reinbringen darf, z.B. Fleischkonserven, Gemuese und Obst, Muscheln, schmutzige Schuhe oder Fahrradreifen. Einiges hatten wir verschenkt. Das Erste, was der Beamte uns nun fragte, war 'Wo sind die Bohnen?' Bohnen waren nicht auf der Liste, und unsere Bohnen und Proteinquelle waren alle vakuum-verpackt, aber er sagte 'Nein! In dieses Land darf man keine Bohnen importieren!'

Wir hatten etwa 50 kg an Bord and arbeiteten uns langsam zu den Bohnen vor, die ganz zuunterst lagen. Erbsen sind OK, wenn sie gespalten sind, deshalb schlug Skip vor, die Bohnen mit dem
Messer zu spalten. Die Beamten lachten, 'Kommt nicht in Frage! Wir nehmen eure Bohnen mit!' und sie verschwanden mit drei Muellsaecken voll mit unseren besten japanischen Oeko-Adukibohnen, anderen Huelsenfruechten und Reis, Honig etc., etwas sauer, dass sie kein corned beef abschleppen konnten.

An Land hoerten wir uns um, wer unseren zerbrochenen Bugspriet reparieren koennte. Von drei Alternativen entschieden wir uns dazu, zwischen die beiden zerbrochenen Haelften ein neues
Holzstueck einsetzen zu lassen. Ashby's boatyard brauchte nur zehn Tage dazu, und das kurz vor Weihnachten. Nachdem wir auch unsere Ankerrollen und den Sturmanker wieder montiert hatten, segelten wir dann nach Auckland, gerade noch rechtzeitig zur freudig erwarteten Ankunft unserer Toechter und ihrer Freunde.

Nach dem gemuetlichen Opua, das nur aus ein paar Haeusern, einem Restaurant, einem Tante-Emma-Laden, der Marina und dem Boatyard besteht, gingen wir dann in der Bayswater Marina
ans Dock, nur zehn Minuten mit der Faehre vom Stadtzentrum von Auckland entfernt und mit bestem Blick auf Hafen und Skyline der Stadt.

Kurz nach unserer Ankunft hatten wir auf einer Autoauktion in Whangarei einen Nissan Van gekauft. Spaeter fanden wir raus, dass es besser gewesen waere, wenn wir uns die Anschlaege
an den schwarzen Brettern der Backpackers-Hotels angeguckt haetten, wo man die besten Angebote fuer gebrauchte Autos findet, denn die sind von Leuten, die ihr Flugticket schon in
der Tasche haben und ihr Auto unbedingt loswerden muessen. In Neuseeland ist es unerlaesslich ein Auto zu haben, denn die Entfernungen sind gross und das oeffentliche Transportsystem
unzureichend.

Auckland ist eine faszinierende Stadt mit ca. 1.3 Millionen Einwohnern, etwas weniger als ein Drittel der gesamten Bevoelkerung. Es ist das multikulturelle Zentrum des Landes und die
Hauptstadt des Suedpazifik, mit Hunderttausenden von Maoris, Polynesiern, Asiaten und Einwanderern aus der ganzen uebrigen Welt. Unsere liebste Frage ist 'Wo kommst du her?' und fuehrt immer zu einer interessanten Unterhaltung.
Auckland hat eigentlich nur in der City selbst viele Hochhaeuser. Der grosse Rest der Stadt besteht aus ein-, hoechstens zweistoeckigen Haeusern und Villen inmitten von groesseren Gaerten,
der Grund, warum Auckland von der Flaeche her zweimal so gross wie London ist, aber viel weniger Einwohner hat.
Es grenzt im Osten an den Hauraki Golf und Pazifik, im Westen ans Tasmanische Meer. Die Stadt ist auf etwa 50 erloschenen Vulkanen erbaut, von denen der hoechste und der mit dem
schoensten Park und Blick Mount Eden ist, etwa 200 m hoch. Das Klima ist das ganze Jahr ueber mild, es gibt Sandstraende in der Stadt und wundervolle Inseln ein paar Minuten entfernt mit
der Faehre.
Auckland besteht aus vielen kleinen Zentren, Doerfern, die eingemeindet wurden und ihren ganz eigenen Charakter erhalten haben, z.B. Parnell, Ponsonby, Mount Eden, Remuera.
Bayswater liegt auf dem North Shore, zwischen Devonport, einem der huebschesten und lebhaftesten Vororte, und Takapuna, das fuer seinen Sonntagsmarkt beruehmt ist, und nicht weit von
Glenfield, wo man im Industrial Park alles finden kann.

Am westlichen Rand von Auckland liegen die Waitakere Ranges, eine Berglandschaft mit alten und fast unberuehrten Waeldern, und dahinter die donnernden Surf-Straende von Pahia und
Karekare. Der Sand da ist so schwarz, dass man sich die Fuesse verbrennt, wenn die Sonne scheint. Es ist komisch, die Leute auf dem Weg zum Wasser zu beobachten. Sie gehen immer
schneller, huepfen von einem Bein aus andere, ruhen sich auf dem Handtuch oder Hut aus, bis sie endlich das kuehle Nass erreicht haben.

Im Nordosten, am 90-Mile-Beach, ist der Sand weiss und fein wie Mehl, der Strand ist breit und sehr lang, wenn auch nicht ganz 90 Meilen. Autos und Busse duerfen da lang fahren, mit
maximal 100 km, aber viele Autos , die keinen Allradantrieb haben, bleiben im Sand stecken, wenn sie Glueck haben, oberhalb der Flutgrenze...

Vor 150 Jahren war Neuseeland noch von dichten Urwaeldern bedeckt, mit unendlich vielen Arten von einheimischen Baeumen, Farnbaeumen, Moosen, Flechten und Voegeln. Die Maoris brannten zwar auch schon grosse Teile des 'bush' ab,liessen den Rest aber unberuehrt. Erst mit den europaeischen Siedlern begann ein Raubbau an der Natur, der einen fassungslos macht. 85 % der Waelder wurden radikal gerodet, um Weideland zu schaffen, Graeser, Pflanzen und Tiere wurden importiert, die die einheimischen bis zur Ausloeschung bedrohen. Erst um 1950 setzte
ein Umdenken ein, und heute wird fieberhaft versucht, das zu erhalten, was noch uebriggeblieben ist, es wird aufgeforstet, und Neuseeland hat sich an die Spitze der Oekobewegung gesetzt.
Sicher, Neuseeland ist ein malerisches Land mit all den gruenen Weiden und 70 Millionen Schafen, aber wenn das Land so ausdoerrt wie diesen Sommer, sieht man, was fuer grausame
Schaeden die Erosion angerichtet hat. Die Menschen haben sich buchstaeblich den Boden unter den Fuessen vernichtet, viele koennen hier nicht mehr existieren und wandern aus.

Heute werden die meisten der neugepflanzten Waelder wirtschaftlich genutzt- schnellwachsende radiata-Pinien, Monokulturen. Nur kleine Flaechen der alten Waelder sind noch erhalten, z.B.
der Waipoua Forest an der noerdlichen Westkueste. Einige der uralten Kauri-Baeume sind 2000 Jahre alt, majestaetische Riesen, die einen sprachlos, ehrfuerchtig und traurig machen.

Die Coromandel Halbinsel auf der Ostseite des Hauraki Golfs ist im Norden auch noch weitgehend mit den alten Waeldern bedeckt. Enge ungeteerte Strassen winden sich durch das
bergige Innere und entlang der felsigen Kueste. Viele Leute aus der Grossstadt haben hier ihre 'baches' (Ferienhaeuser), einige parken ihren eigenen Hubschrauber neben der Terrasse, und
riesige Traktoren ziehen ihre Boote ueber die weissen Sandstraende ins Meer.
Hahei ist ein besonders schoener Ort mit langem Strand, den grossartigen Cathedral Felsen und Hot Water Beach, wo man sich ein Loch in den Sand buddeln und in seinem eigenen beheizten Pool baden kann.


Suedlich von Auckland liegt Rotorua, eine der aktivsten Thermalgegenden von Neuseeland, mit zischenden Geysern, dampfenden heissen Quellen und brodelndem Schlamm. Die Luft ist voller
Schwefel und riecht nach faulen Eiern, was aber das Vergnuegen, z.B. im heissen Kerosene Creek zu baden, nicht schmaelert.
Etwas weiter suedlich liegt Taupo am gleichnamigen Kratersee. Von hier kann man die schneebedeckten Spitzen des Tongariro Nationalparks bewundern, die 3000 m aus dem Plateau
aufragen. Wir fuhren mit dem Sessellift hinauf auf einen der noch immer sehr aktiven Vulkane und froren wie die Schneider, aber der Blick von da oben machte alles wett.

Napier an der im Suedosten gelegenen Hawkes Bay ist eine sonnige, wohlhabende Stadt. Die Marine Parade ist ein grosser gepflegter Park entlang der Bucht. Auf der anderen Seite dieser
Strasse reihen sich wunderschoen restaurierte Holzhaeuser, Ueberlebende des schrecklichen Erdbebens 1931, das die restlichen Ziegelhaeuser der Stadt fast komplett zerstoerte. Napier
wurde danach sehr schnell wieder aufgebaut im Stil der Zeit, ArtDeco, mit seinen Zickzack-und geometrischen Mustern, Sonnensymbolen und Pastellfarben. In Napier fanden wir in Begleitung
unserer Freundin Anita den besten Bioladen und die besten Muffins unseres Lebens.

Neuseelaender sind absolute Kaffeenarren, aber ausserdem lieben sie auch alles Alte. Nirgends sonst haben wir so viele uralte Fahrraeder, Motorraeder und Autos noch im Gebrauch und auf
der Strasse gesehen wie hier. Wir sahen sogar einen liebevoll instand gehaltenen Zigeunerwagen von anno dazumal. Nicht zu reden von all den Museen mit Antiquitaeten wie z.B. dem Hyde Park Museum in Te Horo bei Wellington, das alles und jedes aufbewahrt und ausstellt.

Wellington an der Suedspitze der Nordinsel ist Neuseelands Hauptstadt. Es hat nur ein Zehntel von Aucklands Bevoelkerung, ist aber trotzdem die perfekte Hauptstadt. Es ist kompakt, sehr
pittoresk und vergnueglich, und man kann praktisch ueberall zu Fuss hin laufen.
Das Stadtzentrum ist der Civic Square, ein grosser, beliebter Platz voller interessanter Skulpturen und Aktivitaeten, verbunden mit der Hafengegend durch die geniale City-to-Sea Bridge.
Diese breite hoelzerne Bruecke, die von einem begnadeten Maori-Kuenstler geschaffen wurde, ist wundervoll dekoriert mit hoelzernen Skulpturen von Voegeln und Fischen und hoelzernen Teilen von Schiffen und ergaenzt sich harmonisch mit den Beton-, Metall- und Steingebaeuden und -Skulpturen des Civic Square, die von Architekt Ian Athfield gebaut wurden.
Waehrend Auckland das bedeutendste Handelszentrum des Landes ist, scheint Wellington mehr das kulturelle Herz zu sein. Viele Festivals finden hier statt, das neue Te Papa Museum wurde
hier errichtet, und die Kunstszene brummt.
Nahe dem Wasser, entlang Queens Street und Courtenay Place, ist die action in Wellington-Geschaefte, Cafés, Restaurants, Buchlaeden, Kinos. Leute in Anzug, Krawatte und Turnschuhen,
Hippies im 68er Stil, avantgardistisch aufgemotzte Figuren - es ist nicht nur multikulturell, es geht auch quer durch die Epochen. Wenn man die Leute auf der Cuba Street beobachtet,
kann man nur raetseln, in was fuer einem Jahr man sich gerade befindet.

Wellington hat nur wenig Platz, es wird eingequetscht von Huegeln. Viktorianische Villen kleben an den steilen Haengen, oft durch kleine Seilbahnen verbunden mit der Strasse. Neue
Viertel muessen in die umliegenden Taeler und auf die Bergruecken ausweichen.
Wellington wird auch 'windy city' genannt, wegen des eiskalten Windes, der unablaessig durch die Cook Strait zwischen Nord- und Suedinsel fegt. Man trinkt irgendwo an einer geschuetzten
Stelle einen Kaffee, die Sonne brennt und man zieht seine Jacke aus, biegt danach um die Ecke und zittert vor Kaelte.

 


CHAP XLII Neuseeland (Suedinsel)

Nach ein paar Tagen in Wellington nahmen wir die Faehre nach Picton am Queen Charlotte Sound, einem der Marlborough Sounds an der Nordkueste der Suedinsel. Die Sounds sind sehr lange, steile Gletschertaeler, die sich mit Wasser gefuellt haben und nun ein Labyrinth von Wasserwegen bilden. In der Cook Strait ist das Meer sehr rau, und es tuermen sich riesige
Wellen auf, aber wenn man dann im Sound ist, wird alles wieder ruhig.

Als wir in Picton ankamen, war es kalt und regnete in Stroemen. Wir wollten unter diesen Umstaenden unser kleines Zelt nicht aufschlagen, fanden aber auch keine Unterkunft und
fuhren deshalb weiter nach Havelock, der 'Hauptstadt der gruenen Miesmuscheln' (in Neuseeland gibt es alle moeglichen Arten von diesen Hauptstaedten: der Karotten, der
braunen Forellen, des Schafscherens...), 470 Einwohner,wo wir ein gemuetliches Backpackers Hostel mit einem prasselnden Kaminfeuer in einem umgebauten Schulhaus fanden. Gerade
richtig, um mal wieder trocken und warm zu werden.

Wir hatten gelesen, dass Nelson eine der sonnigsten Staedte Neuseelands ist, und deshalb fuhren wir am naechsten Tag dorthin. Auf einer Weltkarte sieht man, dass Neuseelands Suedinsel
noch viel suedlicher liegt als Australien und sogar Tasmanien. Segler nennen diese Breiten die 'roaring forties', die stuermischen Vierziger. Nur Feuerland liegt noch weiter suedlich.
Auf dieser Breite ist sonst alles offener Ozean, und dementsprechend uebel ist hier auch das Wetter. Aber wenn die Sonne scheint, und es auch nur ein bisschen waermer wird, laufen
die abgehaerteten Kiwis sofort in Shorts, T-Shirts und oft barfuss herum. Manchmal kamen wir uns schon etwas seltsam vor so verpackt in Jacke, Pullover, warme Hosen und Stiefel.
Aber wahrscheinlich ist es nur natuerlich, dass man in so einem Klima auch den kleinsten Sonnenstrahl ausnutzt.
In Nelson war es sonnig und um einige Grade waermer als in Havelock, und wir fanden ein schoenes Zimmer im Backpackers oben auf einem Huegel, mit grossartigem Blick auf die Stadt. Nelson hat so ein gutes Klima, weil es auf drei Seiten durch hohe Bergketten geschuetzt wird und nur im Norden offen zur See hin ist. Es liegt am Rand eines weiten, fruchtbaren Tals, in dem Obst und Gemuese und Wein angebaut werden.
Am Sonntagmorgen gingen wir runter auf den Markt, auf dem auch Brot,Kleidung und Kunsthandwerk verkauft werden. Wir trafen einen alten Mann, der Spielzeug verkauft, das er aus Alu-Dosen macht. Er ist ein Genie und fabriziert Modellboote, Autos, Flugzeuge, Fahrraeder und sogar Klohaeuschen. Seit 19 Jahren lebt er von dieser Arbeit und verkauft seine Sachen so gut, dass er gar nicht nachkommt.
Wir guckten uns auch die beruehmte Bead Gallery an, ein traumhafter Laden mit tausenden und abertausend Perlen jeglicher Art. Nelson wimmelt von kreativen Leuten, Maler, Toepfer, Modemacher, und daher ist es kein Wunder, dass hier auch das World of Wearable Art Museum (WOW) entstanden ist. Diese tragbare Kunst kann aus egal welchem Material gemacht werden- Federn, Dosenringen, Dosen, Muscheln, Rinde, Draht, Eierkartons, Essen - alles kann in bizarre Kleidungsstuecke verwandelt werden. Es gab sogar einen BH aus Stacheldraht, leicht masochistisch.

Auf unserm Weg an die Westkueste ueber das Spooners -Gebirge machten wir auf dem Hope Saddle Halt, dem hoechsten Punkt, und guckten uns die Aussicht an, als wir ins Gespraech mit einem aelteren deutschen Ehepaar kamen. Sie erzaehlten, dass sie schon seit Wochen mit ihren Fahrraedern kreuz und quer durch Neuseeland fuehren. Wir fragten sie, ob das nicht furchtbar anstrengend waere, dauernd das Rad bergauf schieben zu muessen, oft 50 km und mehr. Aber sie sagten, auf ihrem letzten Trip waeren sie von Alsaka nach Patagonien gefahren, 25 000 km, daher seien die 5000 km in Neuseeland eigentlich nur ein Klacks.

Tief beeindruckt stiegen wir wieder ins Auto und fuhren das Buller Gorge-Tal hinunter und stoppten, um uns die laengste Haengebruecke Neuseelands anzugucken, 110m. Die Bruecke besteht aus etwa 40 cm breiten Holzbrettern, die alle mit zwei Kabeln verbunden sind. Eigentlich ist es kein Problem, diese Bruecke langzugehen, aber wenn einem eine 250-Pfund-schwere Person entgegenkommt, tanzt man wie wild umeinander herum, weil die Bruecke naemlich auf und ab und seitlich schwingt.

Die Westkueste ist ein langer, wilder Kuestenstreifen zwischen dem Tasmanischen Meer und den Suedlichen Alpen. Wenn man von der Kuestenstrasse ins Land abbiegt, sieht man sich ploetzlich umgeben von den Ruinen einer ehemaligen Gold- oder Kohlenmine, oder man findet einen spiegelglatten verwunschenen See mitten im Urwald oder unwahrscheinlich milchich-tuerkis strahlende Wasserbecken in einer Schlucht. Viele der unzaehligen Fluesse haben diese psychedelische Farbe, die durch 'glacial flour', Gletschermehl, entsteht.
Biegt man zum Meer hin ab, gelangt man an kleine Buchten mit weissem Sand oder stille blaue Lagunen mit bunten Voegeln oder auch zu so bizarren Felsformationen wie denen von Punakaiki. Geologen koennen sich immer noch nicht genau erklaeren, wie diese Felsen entstanden sind. Sie sehen aus wie aufeinandergeschichtete Pfannkuchen oder besser ebene Steinplatten. Koennte man sie voneinander trennen, waeren es genug, um ganz Mallorca damit zu pflastern.

Suedlich von Hokitika, dem Jade (greenstone)- Zentrum von Neuseeland und auch dessen regenreichster Ort, fallen die Alpen innerhalb von 5 km von ueber 3000 m auf fast Meereshoehe ab, und mit ihnen der Franz Josef und der Fox Gletscher. Das Dorf am Fuss des Franz Josef Gletschers war von Touristen ueberschwemmt, riesige Busse verstopften die wenigen Strassen des Ortes, Helikopter und kleine Flugzeuge machten einen Hoellenlaerm, so dass wir die Flucht ergriffen und weiterfuhren zum Fox Gletscher. Dort war es bei weitem ruhiger, das Dorf hat sich seinen alpinen Charme bewahrt und der Gletscher ist sehr sehenswert - einen Gletscher, der in einen Regenwald muendet, gibt es nicht so oft.
Fuer die Nacht wollten wir am Ship Creek direkt an der Kueste unser Zelt aufstellen, es ist so ein malerischer Ort, aber wir wurden so wuetend von sandflies attackiert - einem von Neuseelands bestgehueteten Geheimnissen- , dass wir wild um uns schlagend wieder die Autotueren zuknallten und runter nach Haast fluechteten.

Unser Reisefuehrer hatte erwaehnt, dass die Leute von Haast auch Haastafarians genannt werden, und wir stellten uns also Haast als ein kleines gemuetliches Dorf vor, in dem die total
entspannten Bewohner sich genuesslich in Cafés bei guter Musik die Zeit vertreiben... Tja, was wir dann fanden, war eine Ansammlung von weit auseinander liegenden Farmen, ein bisschen wie im Wilden Westen, und in der einzigen Bar groelte eine Horde von betrunkenen Bikern.

Von Haast aus geht die Kuestenstrasse nur noch wenige Kilometer weiter suedlich und endet dann in Jackson Bay. Um ins Fiordland im Suedwesten zu kommen, mussten wir also die Suedlichen Alpen ueberqueren. Die enge Strasse ueber den Haastpass klettert in steilen Kurven das Haastflusstal hoch und ist eine der schoensten von Neuseeland. Man faehrt durch dichte Regenwaelder mit maerchenhaften Ausblicken auf Fluesse, Gletscher und Wasserfaelle. Auf der anderen Seite des Passes erstreckt sich ein weites Hochplateau mit Weideland und voller goldener Grasbueschel, die von weitem wie Schafe aussehen, und die grossen leuchtend blauen Seen Lake Hawea und Lake Wanaka, umringt von trutzigen schneebedeckten Felsformationen.

In Wanaka hielten wir an, um die Puzzling World zu besuchen - das verwirrende Haus der Illusionen mit vielen Spiegeln, schiefen Boeden und trompe l'oeil, die 'Halle der einen verfolgenden Bilder' und schliesslich das Labyrinth. Man musste alle vier Ecktuerme des Labyrinths finden, und das bei gluehender Sonne, die unbarmherzig auf uns herab schien. Obwohl man von einer Bruecke aus die Struktur des Labyrinths und all die verzweifelten und verschwitzten oder ehrgeizigen und wild entschlossenen Menschen beobachten konnte, war doch nicht auszumachen, wo der richtige Weg war.Wir brauchten drei Stunden, bis wir den Ausgang wieder gefunden hatten.

Danach fuhren wir die steile kurvige Crown Range Road hoch bis zum Gipfel auf 1120 m und auf der anderen Seite wieder hinunter, tief unter uns der schimmernde Lake Wakatipu und die oasenhafte gruene Ebene von Queenstown, umgeben von den riesigen schwarzen Felswaenden der Remarkables Berge.
Queenstown ist eins der Top-Reiseziele der Welt - aber wir hatten noch nie vorher davon gehoert. Es ist eine kleine und eigentlich ganz gemuetliche Stadt mit 8500 Einwohnern, aber sie ist auch
das neuseelaendische Zentrum fuer Extremsport: bungy-jumping, rafting, caving, jetboating, skydiving, hang-gliding, snowboarding, alles Sportarten, die noch nicht mal eine deutsche Entsprechung haben, ausser dem abseiling. Es sind hauptsaechlich junge Leute, die bei diesen gewagten Vergnuegen Kopf und Kragen riskieren, um sich ihre Adrenalinschuebe zu holen.

Nach einer Nacht in Queenstown fuhren wir 40 km weiter am Lake Wakatipu entlang bis Glenorchy, einem winzigen Dorf, wo wir sofort eine gute Unterkunft im Backpackers Hotel und Pub bekamen. Und ein tolles Abendessen mit Steaks und Prawns, die wir uns am Tisch auf heissen Granitsteinen selber garten. Die Szenerie hier ist noch einen Tick grossartiger als in Queenstown, kein Wunder, dass ein Teil von Lord of the Rings hier gedreht wurde.
Auf unserer Karte fanden wir einen Punkt mit dem Namen Paradise, und wir machten uns auf den Schotterweg dahin. Nach 20 km durch Bachbetten und Schlagloecher, vorbei an Waeldern und Weiden mit Schafen und Pferden, machten wir kehrt, ein bisschen enttaeuscht. Im Pub sagte man uns, dass Paradise nur eine Wiese ist. Wir waren also im Paradies gewesen, ohne es zu bemerken, denn wir waren zu arg damit beschaeftigt, das Schild zu suchen...

Direkt jenseits der Gletscher von Glenorchy befindet sich Fiordland, unser naechstes Ziel. Da aber keine direkte Strasse dahin fuehrt, mussten wir zuerst nach Manapouri, das der Startpunkt
fuer den Doubtful Sound ist.  Wir hatten ein kleines Chalet direkt am See gemietet, in einem Komplex von Unterkuenften, die alle verschieden sind. Man kann sich eine Blockhuette aussuchen,
ein bayrisches Chalet oeder einen umgebauten Lastwagen. Zwischen den Baeumen stehen Reihen von alten Morris Minors, pinball-Maschinen und andere Raritaeten. Es ist ein bizarrer Ort, der einem sehr freundlichen und etwas verschrobenen Schotten gehoert.

Wir nahmen die Faehre ueber den Lake Manapouri bis zum Elektrizitaetswerk und fuhren dann durch einen uralten mit Moosen voellig versponnenen Buchenwald ueber einen Pass bis zum Doubtful Sound, einem der abgelegensten ueberhaupt. Als wir ankamen, war das Wetter schon schlecht, aber der Kapitaen meinte, wir haetten Glueck, denn seit zwei Monaten haette es nicht mehr geregnet und deshalb haette es auch keine Wasserfaelle gegeben. Jetzt haetten wir aber die Chance, welche zu sehen.

Das Wetter wurde immer schlechter, der Regen fiel wolkenbruchartig und der Wind peitschte mit Hurrikanstaerke durch den Sound, so dass das Schiff praktisch stehenbleiben musste. Nach einer Weile klarte es jedoch auf, und wir konnten hunderte von grandiosen Wasserfaellen bewundern, die donnernd und spruehend die steilen Felswaende hinunter und durch den dichten Wald in den Sound schossen. Ein magischer Anblick.

Der Milford Sound ist fuer viele Neuseeland-Touristen das Highlight ihrer Reise. Um den Busverkehr von Te Anau zum Sound zu vermeiden, machten wir uns schon frueh auf die 120 km-Reise. Der erste Teil des Weges maeandert durch sanftes, huegeliges Weideland und Buchenwaelder bis hinauf zur Divide, der Wasserscheide, von der aus drei Flusssysteme nach Westen, Osten und Sueden ihren Lauf nehmen.Wir hielten an einem Aussichtsplatz an, ich stieg aus und wurde sofort von zwei Keas attackiert, papageienaehnlichen Voegeln mit scharfen Schnaebeln und Krallen. Sie verfolgten mich ueber den ganzen Parkplatz bis ich die Kamera zueckte - da hielten sie inne und posierten. Einer versuchte sogar, den anderen mit seinen Krallen und seinem Schnabel zu verscheuchen, als wollte er allein auf den Fotos sein.

Nach der Divide bogen wir ab in einen Waldweg nach Gunns Camp tief unten im Regenwald am Hollyford- Fluss, einem Ort wie vor hundert Jahren, mit winzigen Holzhuetten, einem kleinen Laden, einem Museum, Toast auf der Waescheleine und witzigen Schildern. Die Besitzer hoerten gar nicht mehr auf zu erzaehlen, es war, als verirrte sich kaum jemand mal hierher. Das einzig Unangenehme waren mal wieder die sandflies, sonst waere dies der perfekte Ort zum Relaxen gewesen.
Nachdem wir den duesteren und nassen Homer Tunnel durchfahren hatten (1200 m), kamen wir auf der anderen Seite in einem grandiosen Canyon und dem Milford Sound wieder ans Licht.

Auf dem engen Raum vor der Ablegestelle der Schiffe war die Hoelle los. Die meisten Touristen machen auf grossen Katamaranen, die mehr als 200 Personen fassen, eine mehrstuendige Tour durch den Sound. Wir hatten in weiser Voraussicht deshalb einen Nachttrip auf der alten, kleinen MY Friendship gebucht, die erst startet, wenn die anderen schon alle nach Hause gehen. Mit den anderen 10 Passagieren hatten wir also den Sound praktisch fuer uns allein, es waren nur noch ein oder zwei Fischerboote unterwegs.
Vertikale Felswaende ragen 1200 m aus dem Wasser, Mitre Peak mit seinen 1700 in der Mitte, gigantische Wasserfaelle stuerzen zu Tal. Ein Teil des Fjords liegt immer in tiefem Schatten,
Seehunde raekeln sich auf glatten Felsen. Wir fuhren langsam  bis zum offenen Tasmanischen Meer, durch eine Landschaft wie zu Urzeiten. In unserem kleinen Schiff fuehlten wir uns wie Insekten angesichts der Grossartigkeit dieser Umgebung.
Bei Einbruch der Daemmerung ankerten wir in einer geschuetzten Bucht und genossen noch eine Weile die Stille. Turgut der Skipper und Caroline der erste Maat bereiteten das Abendessen.
Nach dem leckeren Dessert sassen wir noch eine Weile beim Rotwein zusammen und gingen dann in unseren Kojen schlafen.

Am naechsten Morgen fuhren wir runter an die Suedkueste, nach Riverton, Invercargill und Bluff. An einigen Straenden suchten wir Edelsteine - Jade, Amethyst, Opale-, von denen die Kuesten
hier voll sind. Am Slope Point konnten wir fast bis zur Antarktis gucken. Fast.

In Papatowai an der Catlin-Kueste hatten wir ein Backpackers gebucht und erlebten eine Uebrraschung, als wir es schliesslich fanden: ein adrettes drei-Zimmer-Cottage mit allem Komfort auf einer Huegelkuppe mit Blick auf die Bucht und inmitten eines huebschen Gartens.
Das Haus war offen, aber es war niemand da, nur ein Schild 'Sucht euch ein Zimmer aus, und macht's euch gemuetlich!'

In Dunedin blieben wir drei Tage im Stafford Gables Hostel. Dunedin ist die zweitgroesste Stadt der Suedinsel nach Christchurch. Es ist Neuseelands schottische Stadt, das Edinburgh des Suedens.
Im 19. Jahrhundert bluehte es auf als Handelszentrum fuer die Goldgraeberorte im Inneren, und aus dieser Zeit stammen auch die imposantesten Bauwerke, die Universitaet und der Bahnhof.
Heute ist Dunedin eher ein Zentrum des Lernens und der Kultur. Das Oktagon, der achteckige gruene Platz in Herzen der Stadt, ist der Mittelpunkt. Hier befinden sich viele historische
Gebaeude, Banken, Bars, und von hier gehen die Hauptgeschaeftsstrassen ab. Dunedin ist eine Studentenstadt, voller Leben, Cafés, Musik und Gallerien. Es hat etwas Leichtes und Froehliches.

Die Stadt liegt am inneren Ende des Otago Harbour, einer langen Bucht, die flankiert wird von gruenen Huegeln voller reizvoller Villen. Im Sueden schuetzt die pittoreske Otago-Halbinsel
die Stadt vor dem Pazifik.
Auf der Halbinsel besichtigten wir Larnach Castle, mehr ein Schloss im neuseelaendischen als im europaeischen Sinn, aber mit einem sehenswerten Garten und grandiosem Blick. Danach
wollten wir unbedingt die gelbaeugigen Pinguine ansehen, eine sehr seltene, vom Aussterben bedrohte Art. Schliesslich sahen wir sechs Exemplare, es war wohl nicht die ideale Jahreszeit.
Die Armen waren in der Mauser und sahen etwas gerupft aus. Aber wir waren sehr beeindruckt von den Wildhuetern, die mit unglaublichem Einsatz dabei sind, diesen Voegeln wieder ein
lebenswertes Umfeld zu schaffen, indem sie Baeume und Buesche pflanzen, Niststaetten einrichten, Feinde fangen, sich um kranke Voegel kuemmern und ein System von Graeben und Verstecken bauen, das es den Besuchern erlaubt, die Tiere zu beobachten, ohne sie zu stoeren.

Auf unserm Weg entlang der Ostkueste stoppten wir in Oamaru, einer Stadt mit etwas extravagantem Charme. Die Altstadt besteht aus neo-klassischen, leicht vergammelten Gebaeuden voller
eleganter Saeulen mit Waeldern von Akanthus-Blaettern. Sie stammen aus der goldenen Zeit, als die Stadt noch das Zentrum der Verschiffung von Gefrierfleisch war.
Auf den ersten Blick schien die Stadt sonst nicht viel zu bieten,aber gluecklicherweise parkten wir vor einem Haus, in dem gerade eine Blumenschau gezeigt wurde. Die Dahlien waren so
enorm und praechtig, dass ich sie zuerst fuer Plastik hielt. Als wir wieder zurueck auf die Strasse gingen, hatte vor uns ein uraltes dampfgetriebenes Automobil geparkt und auf der anderen
Seite ein Hochrad. Neugierig bogen wir um die Ecke und stiessen auf eine tadellos gepflegte Dampflok, die gerade Dampf abliess und sich fuer ihre Weiterfahrt ruestete. Am Weg stand ein
gelbes Warnschild, 'penguins crossing'.

Als wir in Christchurch ankamen, war es kalt und regnete in Stroemen. Deshalb stiegen wir in eine alte, aber picobello erhaltene Strassenbahn, um eine Runde durch die Altstadt zu drehen. Wir
dachten, wir waeren in England, als wir durch die Strassen ratterten, vorbei am idyllischen Avon River, gesaeumt von gruenem Rasen, Trauerweiden und Haeusern im Gothic Revival-Stil; vorbei
an der anglikanischen Kathedrale, an Gloucester Street, Victoria Square und Oxford Terrace.
Spaeter sahen wir dann, dass Christchurch auch eine sehr moderne und quicklebendige neuseelaendische Stadt ist, die sich immer weiter in die fruchtbare Canterbury- Ebene hinein ausdehnt.

Wir haetten uns mehr Zeit fuer die Ostkueste nehmen sollen. Aber da wir die Faehre nach Wellington gebucht hatten, hielten wir uns nicht sehr lange in der Gegend um Christchurch auf, sondern
fuhren durch die Kaikorura Range nach Blenheim im Marlborough Country, wo wir uns in der Clos Henri-Winzerei noch ein paar Flaschen unseres bevorzugten Pinot Noir besorgten.
Am naechsten Tag nahmen wir dann die Faehre, die diesmal voller muhender und streng riechender, weil vielleicht seekranker Kuehe war. Nach 5000 km ruhten wir dann zwei Tage in Wellingtons YHA, einer der besten Jugendherbergen des Landes, aus, fuhren nach Napier zu unserer Freundin Anita, der wir ein bisschen im Garten halfen und die uns dafuer wunderbar bekochte, und dann zurueck nach Auckland.
 


CHAP XLIII   Neukaledonien

GRANDE TERRE und LIFOU

Nouméa 22º 35' S 166º 24 O Lifou (Chépénéhé) 20º 47.20 S 167º 08.17 O

Nach vier Monaten Marina in Auckland haben wir genug vom Grossstadtleben und segeln den Hauraki-Golf hoch zur kleinen Kawau-Insel. Wir ankern in der idyllischen Mansion-Bay, unser erster Ankerplatz nach fast 6 Monaten. Eigentlich wollen wir nur eine Nacht bleiben, aber es ist so friedlich und still hier, dass wir viel laenger verweilen, Seite an Seite mit Black Pearl und ihrem Eigner Brian.

Wir wandern durch den Pinienwald auf der Suche nach Wallabies, die es hier geben soll. Gut, dass wir einen Ranger treffen, den wir fragen koennen, um was es sich dabei handelt- sind es Voegel? oder Saeugetiere? oder was? Er lacht und erklaert, dass es kleine Kaenguruhs sind, die der fruehere Besitzer der Mansion aus Australien importiert hat und die inzwischen auf der Insel heimisch geworden sind.
Nach 5 km vergeblicher Suche kommen wir zurueck in den Park des Gutshauses, und da sitzen sie wie Statuen auf dem Rasen, in Gesellschaft mit einem bunten und einem etwas gerupft aussehenden weissen Pfau.
Spaeter laden wir Brian zum Abendessen ein. Er meint, er wuerde den Fisch besorgen, rudert um die Ecke und kommt 10 Minuten spaeter zurueck mit drei praechtigen Red Snappers, die er am Strand filetiert. Es wird ein gutes Mahl - frischeren Fisch und bessere Gesellschaft kann man sich nicht wuenschen.
Das Barometer faellt und faellt, und wir machen uns auf den Weg nach Opua in der Bay of Islands. In Ashby's boatyard holen wir die Ragnar aus dem Wasser, streichen sie mit Antifouling, reparieren die Kunststoff-Ummantelung der Masten und lackieren sie und machen ein neues Bug-Netz - alles mit Hilfe von Emma und Jon, einem jungen englischen Paar, das einige Jahre im Pazifik als Crew gesegelt ist und uns jetzt auf der Rueckreise begleiten will.


Am Dienstag, 6. Mai, setzen wir die Segel und machen uns auf nach Neukaledonien. Die Wettergurus haben uns geraten, 300 NM nach Norden zu fahren und dann in nordwestliche Richtung, wo wir auf ein kleines Tiefdrucksystem stossen wuerden, nach kurzer Zeit aber aus der stuermischen Zone heraus sein und den SO-Passat im Ruecken haben wuerden. Aber...
Das Tief wird staerker, das Barometer sinkt und sinkt. Am 8. Mai nachts blaest der Wind in Orkanstaerke aus NNW, der Richtung in die wir fahren muessen. Am 10. Mai zeigt das Barometer
997 Millibar an, Windstaerke 6, die Jib-Leine reisst und wickelt sich um den Propeller, so dass wir den Motor nicht mehr benutzen koennen. Brecher krachen ueber den Bug, das Schiff
rollt wie verrueckt, wir koennen uns kaum bewegen, uns ist uebel, wir koennen nicht kochen, alles ist nass, wir machen 6 Knoten nur mit dem stay-Segel.

Endlich nach 5 Tagen, steigt das Barometer wieder, der Wind flaut ab und dreht, und am Mittwoch haben wir totale Flaute. Wir drehen bei, und Emma springt mutig ins 5000 Meter tiefe Wasser und befreit den Propeller. Dann kommt der Wind wieder auf, und diesmal ist es der ersehnte SO-Passat. Wir fliegen mit 7 Knoten uebers Wasser, main-stay- und main-Segel fangen an manchen Stellen an zu reissen, aber Freitagnacht haben wir es endlich geschafft und suchen den Boulari-Pass in die Lagune um Grande Terre (Hauptinsel Neukaledoniens) und den Hafen von Nouméa. Grande Terre ist die drittgroesste Insel im Pazifik nach Neuseeland und Papua, und sie ist komplett von einer Lagune umgeben, der groessten der Welt.  Morgens um halb zwei tasten wir uns durch das Riff und die verwirrende Zahl von Markierungslichtern, bis wir den Kanal in die Bucht von Nouméa gefunden haben. Die Rangierlichter fuehren uns mitten durch einen vollgepackten Ankerplatz, so dass wir vorsichtig den unbeleuchteten Yachten ausweichen muessen. Um drei Uhr morgens machen wir endlich am Besucherdock fest. Wir haben 11 Tage fuer 1084 NM von Opua nach Nouméa gebraucht. Es ist nicht so leicht, nach und von Neuseeland zu fahren.

Neukaledonien wurde im 18. Jh. von Captain Cook "entdeckt", danach kamen franzoesische Seefahrer, britische Walfaenger, und schliesslich wurde es von Haendlern heimgesucht, die den Sandelholz-Waeldern den Garaus machten. Franzoesische und englische Missionare kamen, um dem Kannibalismus ein Ende zu bereiten und landeten nicht selten selber im Topf. Mitte des 19. Jhs. suchten die Franzosen eine guenstige strategische Basis und auch eine Alternative fuer ihre Strafkolonie in Gyuana und annektierten Neukaledonien.
Zwischen Franzosen und Kanaken (lokales Wort fuer die melanesische Bevoelkerung, zuerst ein Schimpfwort, inzwischen aber von ihnen akzeptiert) kam es schon bald zu Feindseligkeiten,
nachdem man die riesigen Nickelvorkommen entdeckt hatte und Frankreich Siedler nach Neukaledonien brachte und den Kanaken grosse Flaechen ihres Stammeslandes abnahm und in Viehweiden umwandelte. Die Kanaken revoltierten und wurden zur Strafe ins bergige Landesinnere verbannt, das sie nur mit Erlaubnis der Polizei verlassen durften. Sie unterstanden nicht franzoesischem Recht und wurden wie Menschen minderer Klasse behandelt.  Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass die Kanaken Weisse nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Besonders auf Grande Terre spuert man eine Spannung zwischen den Rassen, manchmal sogar Feindseligkeit. Sie vergeht aber, sobald man sich als Nicht-Franzose erweist,
und wenn man gar Amerikaner ist, fangen die Leute an zu strahlen. Waehrend des 2. Weltkriegs diente Nouméa den Amerikanern als Militaerbasis. Ihre Praesenz staerkte das Selbstvertrauen
der Melanesier,die von ihnen als Gleichrangige behandelt wurden.

Nouméa liegt malerisch auf gruenen Huegeln, an goldenen Straenden und gruenen Mangrovensuempfen.Die Innenstadt ist eine Mischung aus vergammelten Kolonialvillen, schlichten Betonbauten und modernster Architektur, einfachsten Geschaeftchen und Luxus-Shops, Nudelkuechen und edelsten Chocolateries. Die Buergersteige sind lebensgefaehrlich. In den Aussenbezirken lebt es sich weit besser, die Supermaerkte sind wohlgefuellt mit franzoesischen Produkten, man findet jeglichen europaeischen Luxus, die Einfamilienhaeuser liegen in huebschen Gaerten.

Das Herz der Innenstadt ist die Place des Cocotiers mit ihren riesigen Flammenbaeumen, Brunnen, Markt- und Konzertflaechen, wo jeden Donnerstagabend was los ist - Ausstellungen, traditionelle Taenze, Staende mit einheimischen Gerichten, mit Obst und Gemuese und Kunsthandwerk. Nouméa ist eine multikulturelle Stadt mit Kanaken, europaeischen Caldoches, einigen Polynesiern und Asiaten. Es gibt ein Chinatown, ein Quartier Latin, den malerischen Fisch- und Gemuesemarkt am Port Moselle, wo die Musiker fruehmorgens ihre Ukulelen spielen waehrend wir am Tresen einen petit café noir und ein pain au chocolat essen.

Wir fahren im Bus raus zum Tjibaou Kulturzentrum auf der Tina-Halbinsel. Tjibaou war der charismatische erste Praesident der linken Unabhaengigkeitsbewegung FLNKS. Das Zentrum besteht aus 10 stilisierten "grandes cases" (die traditionellen strohgedeckten runden Versammlungshaeuser). Es wurde von Renzo Piani entworfen, dem beruehmten italienischen Architekten, der auch das Centre Pompidou gebaut hat. Es harmonisiert perfekt mit seiner Umgebung , indem es in idealer Weise die traditionelle Bauweise und Formen in luftige, schwerelose moderne Strukturen uebersetzt. Ein architektonisches Glanzstueck!

Wir mieten uns einen kleinen Kia, um uns den Rest von Grande Terre anzusehen. Die Insel ist 500 km lang und durchschnittlich 50 km breit. Zuerst fahren wir die NW-Seite hoch und alles erinnert uns an Suedfrankreich, die guten Strassen, die schmucken Doerfer, die ueber 1000 m hohen Berge im Hintergrund, Supermaerkte, die Baeckereien mit den Baguettes.
In La Foa gibt es einen Skulpturengarten mit kunstvoll geschnitzten Totempfaehlen. Eine Hochzeitsgesellschaft feiert auf dem Rasen, eine Ukulele-Band spielt auf fuer die froehlich
gekleideten Gaeste, und die melanesische Braut und der weisse Braeutigam posieren vor den Totempfaehlen.
Dann fahren wir ueber die hohen Berge an die Ostkueste. Der Kontrast ist erstaunlich: das Meer ist hier tiefblau, der Pazifik, waehrend es im Westen milchig-blau war, das Korallenmeer;
die Ostkueste ist steiler Regenwald, die Westseite braune trockene Weiden. Auf der Ostseite sehen wir kaum noch einen Weissen. Wir sind in kanakischem Gebiet. Entlang der engen kurvigen Strasse voller Schlagloecher und mitten im Dschungel liegen winzige Doerfchen inmitten ihrer Gaerten. An der Strasse haben sich die Leute wacklige Staende gebaut, in denen sie Obst, ein paar Kokosnuesse oder Muscheln anbieten. Diese Kueste gibt uns das wirkliche suedpazifische Gefuehl zurueck. Die Leute laecheln und winken uns zu. An einer Stelle hat es sich eine Gruppe junger Maenner auf dem Asphalt gemuetlich gemacht - es faehrt hier ja selten ein Auto vorbei.

Als es anfaengt dunkel zu werden,finden wir gluecklicherweise eine Unterkunft in einem alten Beach Resort, ein ehemaliges ClubMed Hotel, das jetzt vom Stamm der Koulnoué gemanagt wird.
Es gibt heute ein spezielles Muttertags-Buffet. Die meisten der etwa 50 Gaeste sind Einheimische, alles robuste, freundliche, gut aufgelegte Leute, kleine Kinder, alte Grossmuetter. Immer
wieder kommen sie mit hochbeladenen Tellern vom unglaublich guten und reichlichen Buffet zurueck.
Was fuer ein Festessen! Danach gehen wir durch den Palmenhain zurueck zu unserem strohgedeckten runden Bungalow direkt am Meer - vor der Tuer liegt ein (lebendiger) Hirsch mit Halsband...- und sinken dann in unser absolut riesiges Bett, 3m breit und 2.50 m lang. In diesem Bett kann man eine ganze Familie unterbringen. Was fuer ein Luxus nach unserer engen Koje!
Am naechsten Morgen fahren wir nach Hienghène, einem kleinen Hafen mit traumhaftem Blick ueber die Bucht, pittoreske Felsen und die Berge. Und dann noch ein paar Kilometer weiter bis zum Ouaïème Fluss. Wenn wir noch bis zur Nordspitze wollten, muessten wir hier die uralte Faehre nehmen, die letzte ihrer Art.
Wir kehren um und nehmen die noerdlichste der drei Strassen ueber die Berge an die Westkueste und fahren die 450 km nach Nouméa zurueck ueber die glatte breite Strasse auf der "franzoesischen" Seite von Neukaledonien.


Am Mittwoch, 28. Mai, segeln wir von Nouméa aus um die Suedspitze von Grande Terre. Wir haben die Segel gerefft und ackern uns langsam nach Osten, gegen den Wind. Wir kreuzen hin und her durch das Labyrinth von Riffen und Inseln in der Lagune und schliesslich durch den Woodin-Kanal bis zur Baie du Prony, wo wir drei riesige Wale sehen. Es sind nur wenige Meilen, aber als wir endlich um 6 Uhr abends in der Bonne Anse ankern, ist es schon stockdunkel. Am Morgen sehen wir, dass wir uns in einer winzigen Felsenbucht befinden, umgeben von niedrigem Wald.  Wir segeln die Prony-Bucht hoch bis zur Carénage am noerdlichen Ende. Seit langer Zeit zum ersten Mal lassen wir das Dinghy ins Wasser, montieren unseren neuen Aussenbordmotor und erkunden den kleinen Fluss, der hier muendet. Nach einer letzten Flussbiegung waten wir bis zum kleinen Dock und springen in einen warmen Thermalpool.

Danach machen wir an einer Boje vor der Casy-Insel fest, gegenueber von der alten Strafkolonie, die jetzt vom Wald ueberwuchert ist. Die Insel und die Gewaesser sind heute ein Naturschutzgebiet.
Wir laufen durch den dichten verwunschenen Wald voller riesiger Cyccas und Saeulenaraukarien und Palmen, drei freundliche Hunde begleiten uns. Immer wieder stossen wir auf winzige weisse
Sandbuchten zwischen gruenblauen Felsen und dann auf unglaublich farbige alte Minen. Nachdem wir uns etwas verirrt haben, kommen wir wieder zurueck zu dem malerischen Hotel im Kolonialstil, das offiziell geschlossen ist, in dem man aber trotzdem bleiben kann, wenn man sein eigenes Bettzeug und was zu essen mitbringt. Ein relaxter Franzose mit Pudelmuetze sitzt auf einem wackligen Stuhl vor einer Telefonzelle und wartet auf einen Anruf und gibt uns Ratschlaege, wie und wann wir am naechsten Morgen am besten aus der Lagune herauskommen koennen. Das ist eine Wissenschaft fuer sich.

Im Morgengrauen machen wir uns auf den muehsamen Weg um das Cap Ndoua, das nicht naeher kommen will, Meter fuer Meter kaempfen wir uns gegen die Wellen und die Stroemung vorwaerts, obwohl Ebbe ist. Endlich koennen wir dann durch den Canal de la Havannah aus der Lagune herauskreuzen.  Fuer 15 NM brauchen wir 6 Stunden, mit gerefften Segeln und unter grossem Einsatz des Motors. Als wir im offenen Meer sind, nehmen wir noerdlichen Kurs auf Lifou, die groesste der Loyauté-Inseln, die noch zu Neukaledonien gehoeren.

Nach einer anstrengenden Nacht umrunden wir das Cap Lefèvre, fahren in die enorm grosse Santal-Bucht und ankern vor dem Dorf Chépénéhé. Wir sind erschoepft, nass, es hat ununterbrochen geregnet und ddas Schiff war schwer zu steuern. Wir schlafen den ganzen Tag und gehen erst am Sonntagmorgen an Land.
Das Dorf ist idyllisch, kleine Betonhaeuser und runde Strohhuetten - "cases"- in von Steinmauern umgebenen Kokoshainen, prachtvolle Gemuesegaerten und ueberall Blumen. Im Gemeinschaftshaus wird eine Hochzeit vorbereitet, Schweine haengen an Haken von den Balken, in einer Unzahl von Kochtoepfen brodelt Essen, das ganze Dorf ist auf den Beinen.
Wir halten ein Auto an - es ist der Baecker, der uns mitnimmt auf die Easo-Halbinsel. Zuerst ist er nicht sehr freundlich, aber als er erfaehrt, dass Skip Amerikaner ist, ist das Eis
gebrochen. Am aeussersten Ende der Halbinsel steht auf dem Dach einer Kapelle eine silberne Madonna. Man hat von hier einen wunderbaren Blick auf die Bucht, die Klippen und das
Riff tief unten. Das Wasser ist so klar, dass man sogar von dieser Hoehe aus muehelos die tropischen Fische und Korallen in allen Formen und Farben sehen kann.

Auf dem Rueckweg haelt ein netter Mann mit seinem kleinen Sohn und laesst uns einsteigen.Er fragt uns nach einer Weile, ob wir uns gerne die grande chefferie in Nathalo ansehen moechten,
den Sitz des Haeuptlings von Wetr, dem Norddistrikt von Lifou. Wir haben keine besonderen Plaene und sind offen fuer alles, was auf uns zukommt. Chanel freut sich und sagt, ihm gehe
es genauso, er moechte uns an diesem Sonntag gerne seine Insel zeigen. Da haben wir aber wieder mal Glueck!
Wir fahren nach Nathalo zur "grande case", einem kunstvollen grossen Rundhaus mit spitzem Strohdach, in einem von hoelzernen Palisaden umgebenen Areal. Hier finden die Zusammenkuenfte
der verschiedenen Clans statt, hier spricht der Stammeschef Recht und verteilt das Land des Stammes an die Familien. Die case hat zwei Tueroeffnungen, eine fuer den Chef, die andere fuer
die anderen. Tueren gibt es keine, die case ist jederzeit offen fuer jeden.
Chanel erzaehlt uns, dass seine Familie den Wetr-Stamm gegruendet hat und dass sie auch den Haeuptling stellte, ihre Macht aber an einen anderen Clan abgegeben, aber nichts von ihrem
Einfluss eingebuesst hat. Der Chef ist z.Zt. in Australien bei den Aborigines, und Chanel ist sein Stellvertreter. Normalerweise muss man als Besucher erst eine Erlaubnis einholen und oft
bezahlen, wenn man irgendwas besichtigen will, das auf Stammesland liegt (und das ist praktisch alles), sei es ein Dorf oder ein Wald oder ein Strand. Man kann nicht einfach irgendwohin wandern.
Mit Chanel sind wir also in besten Haenden.In der Naehe der grande case stehen das moderne grosse Wohnhaus des Chefs und die huebsche katholische Kirche mit ihren zwei Glockentuermen. Dann fahren wir im Auto des Stammeschefs zu Chanels Haus. Er laedt uns zu Kaffee und einem Imbiss ein, zeigt uns seinen weitlaeufigen Garten, seine Skulpturen und seine case - jeder hier hat ausser einem schlichten Betonhaus auch noch eine traditionelle Huette, die viel gemuetlicher ist.

Wir fahren mit Chanel, seiner Frau Marie-Odile, 3 seiner Kinder und seiner Schwester durch den Norden von Lifou, sprechen ueber Gott und die Welt, ihren Lebensstil, ihre Braeuche, die
Beziehungen zu Frankreich, die kommende Unabhaengigkeit Neukaledoniens. Wir sehen uns eine Vanillefarm an, einen Regenwald, Chanel zeigt uns verschiedene Pflanzen, aus denen sie ihre
Rundhaeuser bauen, und gelangen schliesslich an die Jokin-Bucht.
Das Dorf sitzt hoch oben auf den Klippen, und wir klettern eine lange steile Treppe hinunter bis zum Wasser. Gegenueber in den Felsen sieht man Hoehlen, in denen die Ahnen bestattet wurden- mit dem Gesicht zum Meer und Sonnenuntergang.
Zum Schluss kommen Chanel und sein 8-jaehriger Sohn Johnny an Bord der Ragnar. Es ist das erste Mal, dass sie auf einer Yacht sind (die meisten Yachties trauen sich nicht, Einheimische auf
ihr Schiff zu lassen). Johnny ist ein neugieriger Junge, der alles ausprobieren will, er zieht an jeder Leine, klettert ueberall hin, fasst alles an und wuerde am liebsten gleich lossegeln.
Diesen Tag wird er sein Leben lang nicht vergessen, meint Chanel. Jetzt kann er seinen Grosseltern aber was erzaehlen!
Nach einem emotionalen Abschied, vielen guten Wuenschen und dem Versprechen zu schreiben paddeln wir zurueck zum Schiff.

 



CHAP LXIV Vanuatu  Tanna


T A N N A

19º 32.07 S 169º 15.90 O


Nach zwei Tagen hart am Wind koennen wir am Donnerstag, 5. Juni, fruehmorgens endlich die NW-Spitze von Tanna sehen. Tanna ist eine der suedlichen Inseln von Vanuatu, etwa 140 NM nordoestlich von Lifou gelegen. Wir kreuzen, bis wir in den Windschatten der Insel kommen, und koennen dann dicht entlang der Kueste nach Sueden bis Lenakel fahren.
Wir ankern im Schutz des Riffs, an dem sich die Wellen brechen, und gegenueber vom Dorfdock, an dem die Southern Star, das rostige woechentliche Cargoschiff aus Port Vila, festgemacht hat.  Dock und Schiff wimmeln von Menschen, die entladen und beladen, warten oder nur einfach zugucken.
Es ist Ebbe, und wir paddeln im Dinghy durch das Gewirr von Korallen bis zum aschgrauen Strand und vertaeuen es an einem dicken Baum. Frauen in bunten KLeidern breiten ihre Waesche auf den Felsen zum Trocknen aus, Maenner sitzen im Schatten und rauchen, Feuer brennen hier und da, kleine Kinder paddeln in ihren Auslegereinbaeumen herum, alle sind guter Laune und lachen und winken.
Oben auf der Anhoehe ist der Zoll. Er oeffnet um 13.30, in einer halben Stunde. Wir fragen, wo die Bank ist und erfahren: ueber den Huegel, ueber die Bruecke, das weisse Haus auf dem naechsten Huegel. Die Strasse ist- wie alle auf Tanna- ungeteert, und die Bruecke nur ein Rohr im Flussbett. Wir wechseln etwas Bargeld (Kreditkarten koennen sie nicht nehmen) und laufen wieder zum Zoll. Wir haben Glueck,denn der Beamte kommt nach etwa einer Stunde zufaellig vorbei und begruesst uns sehr freundlich. Vor dem Gebaeude wartet dann schon der Quarantine-Beamte auf uns, und dann muessen wir ins benachbarte Dorf Isangel zu Immigration, ein Kilometer entfernt, sagen sie. Zeit und Entfernungen sind hier relative Begriffe, und deshalb machen wir Autostop.
Der erste Pickup nimmt uns auf der Ladeflaeche mit. Die Strasse ist in desolatem Zustand, aber die Landschaft umwerfend schoen. Die Leute entlang der Strasse lachen und rufen hallo. Nach
holprigen 4 oder 5 Kilometer kommen wir an, gerade als die Beamtin ihr Buero abschliessen will. Sie oeffnet es aber wieder und stempelt freundlich unsere Paesse.

Am Freitagmorgen um 5 Uhr beginnt der grosse Markt in Lekanel. Unter dem grossen Banyan-Baum breiten die Frauen ihr Obst-und Gemuese auf geflochtenen Matten und Koerben aus - Yamsbuendel, Bananenstauden, Trink-Kokosnuesse, Passionsfruechte, die meterlangen gruenen Bohnen, Taroblaetter, pfundschwere Avocados- , alles kunstvoll und farbenfroh arrangiert. Und alle sind guter Laune und freundlich. Was fuer ein befreiendes Gefuehl, im melanesischen Pazifik zu sein!

Captain Cook gab dem heutigen Vanuatu den Namen Neue Hebriden. Nach den Entdeckern kamen Haendler, die den Sandelholz-Waeldern den Garaus machten, und danch fing das grausame blackbirding an: die Einheimischen wurden unter falschen Versprechungen deportiert, um als billige Arbeitskraefte auf Baumwollplantagen und in Nickelminen zu schuften. Der Kontakt mit den Weissen dezimierte die Bevoelkerung von etwa einer Million im 19. Jh. auf 40 000 im Jahr 1935, da sie keine Abwehrkraefte gegen die eingeschleppten Krankheiten hatten.

Waehrend des amerikanischen Buergerkriegs kamen britische und franzoesische Siedler und kauften (illegal) das fruchtbarste Land auf, um Baumwolle anzupflanzen. Vanuatu war nie eine Kolonie, wurde aber Anfang des 20.Jhds. zum Anglo-franzoesischen Condominium der Neuen Hebriden erklaert, um den Siedlern dieser beiden Nationen Schutz zu bieten. Es gab zwei Polizei-Systeme, zwei Schulsysteme, zwei Waehrungen, zweierlei Gefaengnisse (in franzoesischen war das Essen besser, in den englischen die Unterkunft), zwei Rechtssysteme, etc. Franzosen fuhren auf der rechten Seite, Briten auf der linken, was einige Verwirrung stiftete.

Um 1960 gehoerten etwa 30% des Landes weissen Siedlern, die es fuer Kokosplantagen und Viehweiden rodeten. Die ni-Vanuatus empfanden das als Sakrileg,denn fuer sie bedeutet das Land ihre Lebensbasis, die es zu erhalten gilt. Das Land gehoert entweder den Staemmen oder der Regierung, nicht einzelnen Personen. Es kann nicht verkauft werden, sondern nur maximal 75 Jahre geleast. Eine Unabhaengigkeitsbewegung entstand, und 1980 wurde aus den Neuen Hebriden der Staat Vanuatu.

Vanuatu hat heute etwa 250 000 Einwohner, von denen die weitaus meisten Melanesier sind. Es gibt ueber hundert verschiedene Sprachen auf den 83 Inseln, untereinander verstehen sie sich
nicht, so dass Bislama (Pidgin English) als lingua franca dient. Daneben sind Englisch und Franzoesisch offizielle Sprachen.  Die meisten Menschen leben noch wie seit alter Zeit in ihren Dorfgemeinschaften im Dschungel und sind praktisch autark. Geld spielt noch keine grosse Rolle fuer sie, Tauschgeschaefte sind die Regel, obwohl Geld mehr und mehr an Bedeutung gewinnt, schliesslich muss Schulgeld und anderes gezahlt werden. Die Melanesier leben in ihren Gemeinschaften und teilen was sie haben und scheinen damit sehr zufrieden zu sein. Es gibt praktisch keine Verbrechen.

Wir mieten einen Allrad-Pickup und machen uns auf zum Mount Yasur - Vulkan. Matthew, unser unglaublich geschickter Fahrer, und Moses, ein gebildeter und freundlicher Ladenbesitzer aus
Lenakel,begleiten uns. Zuerst geht es ueber die holprigen ausgewaschenen Strassen durch Middlebush, das Gartenzentrum der Insel, an winzigen Dschungeldoerfern und franzoesischen und englischen Schulen und Kirchen vorbei, ueber einen Pass mit atemberaubenden Blick ueber Insel und Meer, und dann einen steilen Berg hinunter. Vom dichten gruenen Regenwald kommen wir hinaus in eine vulkanische Asche-Ebene auf der NW-Seite des Vulkans, eine Mondlandschaft aus Lavafeldern und einer monstroesen Asche-Duene, die sich bis zum Gipfel des Vulkans erstreckt.

Wir passieren ein Flussbett, zahlen im Dorf am Fuss des Vulkans unser Wegegeld, fahren hinauf und laufen zoegernd bis zum Kraterrand. Moses sagt, heute ist der Vulkan nur auf Stufe 2 aktiv,
es gibt aber 5 Stufen: bei 3 fallen kleine Felsen bis dicht an den Kraterrand, bei 4 fallen grosse Brocken auf einen, und bei 5 - vergiss es. Die Steine sind so heiss, dass sie einen auf der Stelle wegschmurgeln wuerden, es bliebe nichts uebrig.
Wir stehen direkt am Kraterrand und gucken vorsichtig in das immense Loch. Alle paar Sekunden zittert der Boden, grollt und explodiert der Berg, dichte gigantische Schwefelwolken quellen
aus der Tiefe, schwarze Asche und Felsen werden hunderte von Metern in die Luft geschleudert. Erschrocken laufen wir ein paar Meter zurueck und suchen Schutz hinter ein paar Felsen. Mount Yasur ist immer aktiv.

Nach einer Weile an diesem heissen, vibrierenden Platz fahren wir wieder zurueck in den Wald, diesmal auf der Suche nach dem Giant Banyan tree. Vorher essen wir aber noch in einer gemuetlichen Strohhuette am Strand zu Mittag, Reis, Fisch, Yams, Taroblaetter und Papayasaft, alles gut und fuer nicht mal 2 Euros.
Man sagt, dass dieser Baum der groesste lebende Organismus auf der Welt ist, dass er so gross wie ein Fussballfeld ist. Aber all diese Vergleiche werden diesem Baum nicht gerecht, er ist
unbeschreiblich. Wir versuchen ihn auf Fotos zu bannen, unmoeglich, man kann nur einen Bruchteil davon erfassen. In Ehrfurcht stehen wir vor diesem Wesen und fuehlen uns wie Ameisen.
Wenn ich als Kind so einen Kletterbaum gehabt haette....Moses klettert hinauf, bis wir ihn nicht mehr ausmachen koennen, Matthew schwingt an den langen Luftwurzeln hin und her, und wir
traeumen davon, ein Baumhaus zu bauen.

Tanna ist eine der Inseln, auf die wir eines Tages zurueckkehren moechten. Das Land und die Leute haben uns tief beeindruckt, wir waeren gerne noch laenger geblieben.
Am Sonntag, 9. Juni, fahren wir weiter nach Port Vila auf Efaté. Diesmal ist das Wetter schoen, das Meer ruhig und der Passat gerade richtig fuer eine 24-stuendige suedpazifische
Rauschefahrt.
 

 


V A N U A T U



Efaté Island, Port Vila

17º 44.85 S 168º 18.63 O


Nach einer 24-stuendigen Rauschefahrt machen wir am 9. Juni um 9.30 Uhr an einer Boje im geschuetzten Hafen von Port Vila fest. Auch schoen, wieder in einer Stadt zu sein, mit 24-Stunden-
Markt, franzoesischen Cafés (eins heisst Suesse Suende und haelt was es verspricht...) und franzoesischen Supermaerkten. Port Vila ist eine interessante kosmopolitische Mischung aus
pazifischer, franzoesischer und englischer Kultur; entlang dem Wasser moderne Gebaeude, einige Hochhaeuser, Geschaefte, Hotels, und dahinter Wellblechhuetten, Baumhaeuser - die ersten
Schritte, sich eine neue Existenz und Behausung zu schaffen.

Wir nehmen die kleine Faehre hinueber nach Ifira,ein Katzensprung von Port Vila, eine kleine paradiesische Insel mit huebschen kleinen Haeusern in Gaerten, Fusswegen (keine Autos), Hibiskus-Hecken,riesigen Mangobaeumen, Schweinen, Huehnern und freundlichen Leuten. Nichts deutet darauf hin,  dass man nur Minuten von der Hauptstadt entfernt ist. Dem Stamm, der auf Ifira lebt, gehoert die Gegend von Port Vila; das Land wird geleast. Die Leute von Ifira arbeiten tagsueber in der Stadt und kommen spaetnachmittags zurueck in ihre Idylle, wo sie im Regenwald leben wie seit Jahrhunderten, aber mit fliessendem Wasser, Strom und modernem Komfort.

Wir bitten um Erlaubnis und wandern einen Pfad entlang, als sich ein kleines Maedchen und ihre drei Brueder zu uns gesellen. Sie wollen uns ihre Insel zeigen, und wir folgen ihnen ueber Stock und Stein, durch den dichten Wald, an malerische Straende und auf hohe Klippen und schliesslich zu ihrem Haus und Garten mitten im Regenwald. Mit der Zeit schliessen sich immer mehr Kinder an, wir fuehlen uns wie die Rattenfaenger von Hameln, und als wir zurueck zur Faehre kommen, sind wir eine grosse Gruppe; alle wollen wissen, woher wir kommen, wohin wir fahren, wollen fotografiert werden, geben uns kleine Geschenke - eine Frangipani-Bluete, eine Muschel, eine Passionsfrucht.

Vanuatu entwickelt sich langsam zu einem attraktiven Touristenziel. Die Strassen auf Efaté werden asphaltiert, Hotels aller Klassen werden gebaut, Restaurants und Bars eroeffnet. Vanuatu ist auch ein Steuerparadies und deswegen interessant fuer Investitionen.
Nach einer Woche fahren wir weiter nach Norden, denn wir wollen uns unbedingt das letzte Landdiving dieses Jahres angucken, das am 21. Juni auf Pentecost stattfindet. Wir segeln bei
hellem Vollmond Richtung Malekula und kommen fruehmorgens in der Bucht von Port Sandwich im Suedosten der Insel an.


Malekula Insel
16º 26.35 S 167º 47.04 O

Diese Bucht ist sehr tief und sehr gross, perfekt geschuetzt vor tropischen Stuermen. Wenn wir gewusst haetten, wie sicher sie ist, waeren wir vielleicht in der Zyklon-Zeit hier geblieben.
Es ist ein idyllisches Plaetzchen mit goldenen Sandstraenden und von Kokospalmen gesaeumt. Drei Fluesse muenden hier. Die Dorfbewohner rudern in ihren Einbaeumen zu den Feldern entlang den Fluessen, Kinder spielen am Ufer auf ihren Ukulelen und singen dazu.

Wir rudern an Land und machen uns auf den Weg nach Lamap, einem kleinen Dorf. Wir wandern durch winzige saubere Siedlungen, viele Leute kommen aus ihren Haeusern und begruessen uns und gehen ein Stueck des Wegs mit uns. An einer Kurve riechen wir den Duft von frischem Brot und finden den Baecker in einer kleinen Huette. Er hat gerade frische Baguettes aus dem Ofen geholt, einem umgebauten Oelfass. Heisshungrig essen wir das noch dampfende leckere Brot. Auf dem Rueckweg winkt uns ein Pastor zu sich, der gerade in einem Steinofen Essen zubereitet. Er sagt, dass Gott es gut meint mit ihnen, dass er sie reichlich mit fast allem versorgt, was sie zum Leben brauchen und dass sie gluecklich sind. Bevor wir uns verabschieden, gibt er uns einen Beutel voll Bananen und Pampelmusen mit auf den Weg und sagt, wir muessten unbedingt wiederkommen. Die Menschen hier sind unglaublich herzlich.

Wenn sie hier Geld brauchen (fuer Reis, Zucker, Salz, Seife, Kleider und Schulgeld), ernten sie Kokosnuesse und roesten sie und verkaufen dann das Kopra. Ueberall hier gibt es Kokoshaine,
unter denen Kuhherden grasen. Ein Wunder, dass nie eine Kuh von einer fallenden Kokosnuss getroffen wird!


Ambrym Insel
16º 08.58 S 168º 06.87 O

Am 18. Juni fahren wir weiter nach der Nachbarinsel Ambrym. Nach einer tollen rauschenden Fahrt durch die Passage zwischen den Inseln ankern wir in der Ranon-Bucht nahe am schwarzen Sandstrand. Ambrym hat zwei grosse, aktive Vulkane.
Wir gehen an Land und freunden uns mit Jeffrey an, einem netten jungen Mann, der das neue Touristen- Informationszentrum des Dorfs Lolihor leitet. Er zeigt uns sein Dorf und verspricht
uns, einen Ausflug zu einem der kastom- Doerfer in den Bergen fuer uns zu organisieren, wenn wir von Pentecost zurueckkommen. Der Tourismus hier steckt noch in den Kinderschuhen, nur eine Handvoll Yachten kommt jedes Jahr vorbei und ab und zu ein kleineres Kreuzfahrtschiff. Aber sie versprechen sich ein kleines Einkommenfuer das Dorf davon.


Pentecost Insel, Homo Bay
15º 57.20 S 168º 11.50 O


Am Donnerstag, 19. Juni, nach noch einem fantastischen 2-Stunden Toern, kommen wir auf Pentecost an und ankern vorm Dorf. Der Sand auch hier ist vulkanisch schwarz und uebersaet mit dunklen Kieseln. Hinter einer Reihe von maechtigen Baeumen versteckt sich das Dorf. An Land begruesst uns Chief Luke, der Haeuptling, und erlaubt uns, das Dorf zu besichtigen und
laedt uns spaeter zum Kava-Trinken ein. Er sagt, wir koennten am Samstag die Landdiving-Zeremonie ansehen.

Jeden Maerz bauen die Maenner von Sued-Pentecost 35m-hohe Tuerme aus Banyan-Baumstaemmen und -Zweigen, die sie mit Lianen zusammenbinden. Diese Tuerme haben sieben kleine Plattformen auf verschiedener Hoehe und werden auf einer steilen Anhoehe mit wunderbarem Blick auf das Land und das Meer errichtet.
Eine Legende erzaehlt, dass vor langer Zeit ein Mann von Pentecost seine Frau auf einen riesigen Banyan-Baum verfolgt hatte, aus was auch immer fuer Gruenden. Als er sie fassen wollte,sprang sie von dem Baum, und er hinterher. Er sah zu spaet, dass sie Lianen um ihre Knoechel gebunden hatte.
Seit dieser Zeit wird dieses Ereignis in einigen Doerfern jedes Jahr wieder nachgespielt. Es ist ein spektakulaerer Sprung, der viel Mut erfordert. Mit dem Sprung soll der Geist des Mannes
besaenftigt werden, und es ist auch ein Geschenk an die Goetter, um eine gute Ernte zu gewaehrleisten. Im Westen waren diese Spruenge das Vorbild fuers Bungyjumping.

Jeder Springer sucht sich seine Lianen selbst sorgfaeltig aus, und die aelteren Maenner pruefen sie auf ihre Staerke und Elastizitaet. Im Alter von 8 Jahren werden die Jungen beschnitten und
koennen dann zum ersten Mal springen. Jedes Jahr springen etwa 60 Maenner. Der Boden vor dem Turm wird von Steinen gesaeubert und gelockert. Die Frauen tanzen in weissen Grasroecken in der Naehe. Der juengste Springer kommt zuerst an die Reihe und springt aus bis zu 9 m Hoehe.

Alle Springer und Helfer tragen nur ihre roten "nambas" (Penishuellen). Die Springer bereiten sich vor, waehrend seine Freunde die Lianen festbinden. Wenn er bereit ist, hebt der Springer seine
Haende und teilt den Zuschauern seine intimsten Gedanken mit. Die Leute hoeren auf zu singen und tanzen und stehen schweigend da, denn es koennten ja seine letzten Worte sein.
Schliesslich klatscht der Springer in die Haende, verschraenkt seine Arme, lehnt sich nach vorn und faellt. Die Lianen bremsen den Fall abrupt, nur sein Haar wird den Boden beruehrt haben, damit die Yams besser gedeihen. Die Zuschauer tanzen und stampfen und bruellen.

Der letzte Sprung wird vom "chief of the tower" gemacht. Er springt vom hoechsten Punkt und muss weit nach vorn springen, um die herausragenden Aeste zu vermeiden.
Das Landdiving ist ein spannendes Ereignis, es wird einem flau beim Zusehen. Manche Springer springen ohne zu zoegern, aber vor allem die jungen brauchen manchmal eine ganze Weile, bis sie es endlich wagen. Es ist eine grosse Mutprobe.

Nach dem Ritual paddeln wir zurueck zum Schiff, und kurz danach kommt der Sohn von Haeuptling Luke in seinem kleinen Einbaum und bringt uns Pampelmusen, Spinat, snake beans, Kraeuter und eine Kakao-Frucht. Der Vater von Luke hat den Brauch eingefuehrt, Yachties mit Obst und Gemuese zu beschenken, und Luke fuehrt ihn fort, eine sehr nette Geste. Wir revanchieren uns mit Buntstiften fuer die Kinder und einem Stueck Stoff.

Am naechsten Tag segeln wir zurueck nach Lolihor auf Ambrym. Das ganze Dorf ist auf den Beinen, denn es wird ein grosses Fest gefeiert zur Einweihung des ersten Telefons und Internet-Anschlusses. Am Tag danach machen wir uns mit Jeffrey auf den Weg zum Nachbardorf, um einen Rom-Tanz anzugucken.
Wir klettern den steilen Pfad hoch durch den Regenwald, immer weiter hinauf, bis wir endlich in das kastom-Dorf kommen, ein Dorf, das noch lebt wie zu Urzeiten und in dem noch all die alten
Braeuche erhalten sind. Es besteht aus etwa 20 Huetten mit Waenden aus gewebtem Bambus und und Daechern aus Palmwedeln.

Wir gehen zum heiligen Ritualplatz, um den sich die Leute schon versammelt haben. Die Taenzer im inneren Kreis haben nur ihre nambas an, manche haben eine rote Hibiskus-Bluete im Haar. Die Taenzer im aeusseren Kreis tragen lange, dicke Umhaenge aus getrockneten Bananenblaettern und hohe, kegelfoermige Masken. Alle stampfen und singen vor den riesigen Tamtams (aufrecht stehende Schlitz-Trommeln) und Totempfaehlen, die um den heiligen Kreis herum errichtet sind.

Obwohl wir mehrere Leute nach dem Sinn der beruehmten Rom-Taenze fragen, kann oder will uns niemand eine zufriedenstellende Antwort geben. Sie haben wohl viel mit Zauberei zu tun, Ambryn ist Vanuatus Zauberzentrum.
Zauberei ist eine Sache der Maenner, tabu fuer Frauen, was auch erklaert, dass die Rom-Taenzer alle Maenner sind. Zauberei wird benutzt fuer gute Ernten, um Stuerme und boese Geister
zu bannen, Vulkane unter Kontrolle zu halten und zum Heilen. Es gibt wohl auch schwarze Magie, aber all das ist kein Thema, das mit einem Touristen eroertert wird.

Waehrend des Rom-Tanzes halten sich die Frauen in einiger Entfernung vom heiligen Kreis und der heiligen Huette (waehrend ein immenses Schwein direkt daneben sich wohlig in seiner Kuhle suhlt). Wir Auslaender (fuenf), auch wir Frauen, duerfen naeher ran gehen und fotografieren, aber es ist streng verboten, die Taenzer anzufassen (wer wuerde denn eh auf die Idee kommen?) oder zu nahe an die Tamtams, Totempfaehle und die heilige Huette zu gehen. Sogar Jeffrey darf das nicht.

Tamtams sind Ambryms und Malekulas grosse Trommeln, die aus einem Brotfruchtbaum gemacht werden. Sie werden benutzt, um verschluesselte Nachrichten zu uebermitteln, die Dorfbewohner zu versammeln und auch als Orchester fuer Feste. In Nord-Ambrym haben sie Hahnen-Gesichter. Es dauert etwa 160 Stunden, um ein kleines 2.5m Tamtam zu machen. Das Design gehoert bestimmten Familien und kann nur kopiert werden, wenn man eine Gebuehr bezahlt. Einige Trommeln haben drei und mehr Gesichter und sind entsprechend teuer, ein Statussymbol.

In den Doerfern herrscht eine strenge Hierarchie. Nur Maenner, die viele Schweine besitzen und Feste fuer das Dorf organisieren koennen, koennen die hoechsten Stufen der Gesellschaft erreichen. In Lolihor gibt es zwoelf soziale Stufen.
Normalerweise leiht sich ein zwanzig-jaehriger junger Mann fuenf bis zehn Eber, um den Brautpreis bezahlen zu koennen. Sobald er kann, kauft er ein paar Sauen, die die Basis fuer seinen
zukuenftigen Reichtum und seinen Status bilden. Es kann lange dauern, bis er seine Schulden bezahlt hat. Dann macht er ein Yam-Fest, und ein paar Jahre danach eine grade-taking-
Zeremonie, die ihn auf der gesellschaftlichen Leiter eine Sprosse hoeher bringt. Es liegt bei jedem selbst, wie hoch er klettert.

Am Mittwoch, 25. Juni um Mitternacht segeln wir ab nach Nord-Malekula. Wir ankern in der Norsup-Bucht, in der Naehe des Docks von Vanuatus groesster Kopra-Produzierender Plantage.
Viele Maenner und Frauen sitzen vor riesigen Bergen von Kokosnuessen, loeffeln das Fleisch heraus und roesten es.
Die Plantagengebaeude aus Wellblech sind rostig und alles sieht etwas vergammelt aus. Laengere Zeit haben sie hier keine Kokosnuesse mehr geerntet, weil der Preis fuer Kopra zu niedrig war.
Jetzt hat er wieder angezogen, und jeder ist beschaeftigt.
Morgens wachen wir von blaerrender Musik und Lautsprechern auf: Digicel hat einen Bus am Dock geparkt und verkauft die ersten Handies. Die Leute sind fasziniert und stehen in langen
Schlangen, um dieses tolle Ding zu erstehen.

Wir springen auf einen Pickup, um nach Lakatoro zu fahren, der Verwaltungshauptstadt der Provinz. Die Strasse ist nicht asphaltiert, sehr schlammig und hat tiefe Fahrrinnen. Wir
werden durchgeschuettelt und krallen uns fest, bis unsere Knoechel weiss sind. Schlamm spritzt uns voll, wir werden patschnass.
Schliesslich halten wir im "Stadtzentrum", einem Supermarkt, einer Metzgerei und einem neuen Digicel-Laden, aus dem laute Rockmusik ertoent. Absolut jeder scheint hierhergekommen zu
sein, um ein Handy zu erstehen.
Auf dem Markt einige hundert Meter weiter gibt es nur ein paar Yams, etwas Chinakohl, nicht viel mehr.
In der oberen Stadt nahe den Verwaltungsgebaeuden gibt es ein kleines Kulturzentrum mit einem interessanten kleinen Museum. Wir erkundigen uns, ob es irgendwo ein Fest gibt, das wir besuchen koennten, aber wir wuerden eine Woche warten muessen, und das erscheint uns etwas lang.
Malekula ist eine faszinierende Insel mit vielen aussergewoehnlichen Braeuchen, aber wir haben nicht mehr soviel Zeit, leider. Wir muessen wegen der verschiedenen Winde und Stroemungen
eine festgelegte Route und einen Zeitplan einhalten. Deswegen beschliessen wir, weiterzufahren nach Luganville auf Espiritu Santo.


Espiritu Santo Insel, Luganville
15º 31 S 167º 10 O

Espiritu Santo ist unsere letzte Insel in Vanuatu. Eigentlich wollten wir noch weiter nach Norden fahren, zu den Banks Inseln etc., den Solomon Islands... Man brauchte Jahre, um diese
Gegend zu erkunden.
Im Segond Channel zwischen Espiritu Santo und Aoré ankern wir 100 m vor dem Beachfront Resort, etwas ausserhalb der Stadt, aber der bequemste Platz fuer Segelboote.
Im zweiten Weltkrieg war Luganville eine amerikanische Basis, mehr als eine halbe Million amerikanischer Soldaten war hier stationiert, im Segond Channel lagen an die hundert Schiffe,
um das Vorruecken der Japaner zu stoppen.
Sogar noch heute sieht man ueberall die alten grossen Wellblechhuetten, umgewandelt in Garagen, Werkstaetten, Haeuser. Es gibt einen guten 24-Stunden-Markt, breite Strassen und einen neuen Teil mit schoenen modernen Haeusern, wo sich Steuerfluechtlinge einen Zweitwohnsitz mit Blick auf den Pazifik gebaut haben.
Viele Touristen kommen hierher zum Tauchen. Das beliebteste Ziel ist das Wrack der USS President Coolidge, ein von der Navy beschlagnahmter Luxusliner, der sank, nachdem er auf zwei Mienen gelaufen war. Ein anderes begehrtes Ziel ist der Million Dollar Beach, wo die Amerikaner nach dem Krieg ihr ganzes Kriegsmaterial versenkten. Sie wollten es zu Schleuderpreisen verhoekern, aber niemand war daran interessiert. Also schoben sie es mit Bulldozern von einer Klippe ins Meer, und bei Ebbe kommen interessante Sachen an die Oberflaeche.
Mit den Amerikanern ging es den Leuten hier auf Santo gut, das merkt man auch heute noch. Als Amerikaner wird man hier besonders herzlich aufgenommen, und viele hier in Santo imitieren die Amis in Kleidung und Verhalten.

Wir sind ein bisschen traurig, dass wir Vanuatu nun hinter uns lassen muessen, ein in vieler Hinsicht grossartiges Land mit faszinierender Kultur, ein grossartiges Segelrevier mit Hunderten
von guten Ankerplaetzen, sehr wenigen Korallenriffen, guten Tagesstrecken von Insel zu Insel und sicheren hurricane holes.
Wir beschliessen, direkt von Luganville nach Port Moresby in Papua Neuguinea zu fahren, 1300 NM.

 





P A P U A N E W G U I N E A , Port Moresby

9º 28' S 147º 09.20 O



Nach 10 Tagen und 1300 Seemeilen schnellen Segelns ueber die Coral Sea fahren wir durch die extrem raue und schwierige Basilisk Passage in die Bucht von Port Moresby und ankern am Sonntag, 13. Juli, in der Marina des Royal Papua Yacht Club.
An der Einfahrt in die Marina stehen Wachhaeuschen, das Gelaende ist umzaeunt, und schwarz gekleidete bewaffnete Wachen patroullieren auf dem Deich. Im Club raet man uns, nicht ohne
eine Wache auf die Strasse zu gehen, nicht mal zum 300 m entfernten Supermarkt, und im Auto immer die Tueren zu verriegeln. Ein gated ghetto.
Das Clubhaus ist das luxurioeseste bisher: Bars mit riesigen Bildschirmen, Restaurant, eine riesige Terrasse mit wunderbarem Blick auf Sonnenuntergang ueberm Meer und Marina, Spielsalons,
ein Fitness Centre, wie man es in einer Metropole nicht besser findet, Duschen, Waschsalon.
Aber leider nur ein Computer, und der funktioniert nur selten und zum Schluss ist er total ueberfordert. Der Yacht Club ist der Treff all der australischen, kiwi und englischen expats
in Port Moresby. Yachties wie wir finden nur hoechst selten ihren Weg nach hier, es kursieren zu viele Horrorgeschichten ueber PNG.
An der Strasse gegenueber vom Club stehen ein paar armselige Huetten, an der Haltestelle verkaufen einige Leute einzelne Zigaretten und Betelnuesse oder uralte Schokoriegel oder was immer sie finden konnten, womit sie ein bisschen Geld fuer diesen Tag verdienen koennen, nicht mehr als der Gegenwert von ein paar Bier im Club.


Nachdem wir zwei Tage auf den Zollbeamten gewartet (die Behoerden hier sind etwas langsam) und endlich einklariert haben, duerfen wir am Dock festmachen und in die Stadt. Das Erste,
was wir machen, ist, unbewacht zum Supermarkt um die Ecke zu marschieren, kuehn wie wir sind.
Jeder auf dem Weg gruesst uns freundlich, spricht mit uns und wuenscht uns einen guten Tag. Und wir fuehlen uns in keiner Weise bedroht. Auf unserer Reise haben wir oft erfahren, dass man viel mehr ueber die schlechten Dinge an einem Ort spricht als ueber die guten Seiten. Zweifellos hat PNG ein 'raskol' (Bandit) -Problem, besonders in den groesseren Staedten. Es gibt Ueberfaelle und grauenhafte Geschichten, aber wir haben nichts dergleichen erlebt.

Am naechsten Morgen gucken die Wachen erstaunt, als wir wieder durchs Tor spazieren und selber ein Taxi herbeiwinken. Ein rostiges, etwas ramponiertes Gefaehrt haelt, der Fahrer ist Daniel, ein Huli wigman aus dem suedlichen Hochland (sie heissen so, weil sie zu speziellen Anlaessen aeusserst dekorative , aus ihrem eigenen Haar gewebte Peruecken tragen; dazu bemalen sie ihre Gesichter in Gelb und rotem Ocker).Er versucht nicht, uns uebers Ohr zu hauen, sondern will den richtigen Preis von Anfang an. Und er bietet uns an, uns zu einem sehr vernuenftigen
Preis laengere Zeit herumzufahren. Wir erklaeren ihm, dass wir uns die Stadt angucken und fotografieren wollen, dass wir aber etwas besorgt sind wegen unserer teuren Kamera. Er meint,
das waer kein Problem, sein Bruder Simon wuerde mitkommen und uns begleiten, dann waeren wir sicher.
Wir verabreden uns fuer den naechsten Tag, aber zuerst faehrt Daniel uns zum Holiday Inn, wo wir im Reisebuero mit Debbie sprechen wollen. Wir wuerden uns gern eins der beruehmten
singsings (Feste) ansehen oder eine Tour irgendwohin machen, um etwas mehr von PNG zu sehen. Schliesslich ist PNG eins der kulturell, geographisch und biologisch interessantesten Laender
der Welt.
Das Warwagira Masken-Festival in New Britain, der ehemals deutschen Kolonie, hat schon vor ein paar Tagen angefangen, und auf die Schnelle koennen wir dahin keinen Flug kriegen. Die Fluege sind unregelmaessig, und die Piloten streiken gerade. Ein Jammer, denn dieses Fest ist eins der bedeutendsten.
Wie waere es mit einem Abstecher in die Sepik-Region, einer phantastischen Fluss-Landschaft, die man mit dem Amazonas vergleichen kann, mit einer grossartigen Kunst-Tradition? Nicht
leicht zu organisieren und extrem teuer. Unsere Hoffnung schwindet.
Simon hat uns angeboten, uns als Fuehrer in seine Heimat zu begleiten, das ist natuerlich sehr attraktiv, wuerde aber auch laenger dauern, dafuer haben wir keine Zeit mehr.

Wir gehen etwas frustriert zum Buffet-Lunch ins Holiday Inn. Ueber uns haengt ein Kronleuchter aus 50 bis 60 Penis-Huellen mit kleinen Laempchen in den Oeffnungen.

Am naechsten Morgen erforschen wir mit Daniel und Simon die Stadt. Zuerst fahren wir in die Town, das Geschaeftsviertel von Port Moresby, mit einigen Hochhaeusern, Banken, einem Luxus- Hotel und Geschaeften. Die Strassen sind uebersaet mit blutroten Flecken, und wir fragen, ob hier eine Schlacht stattgefunden hat. Aber es ist nur von der Spucke der Betelnuss- Kauer.
Dann geht's zum Koki-Markt, wo man den besten Fisch bekommt. Gegenueber liegt Koki Village, eine Siedlung auf Stelzen im Wasser, die vom Stamm der Motu bewohnt wird, dem Stamm dieser Gegend. Mit Daniel und Simon, den Hulis aus dem Hochland, koennen wir uns nicht in die Siedlung wagen, das waere gefaehrlich. Sie sprechen kein Motu, sondern nur ihre eigene Sprache, Englisch und Tok Pisin, die offiziellen Sprachen in einem Land mit ueber 800 verschiedenen Sprachen.

Danach fahren wir nach Boroko, einem der sichereren Distrikte der Stadt, mit vielen Geschaeften und einem Kunsthandwerks-Markt. Die Leute starren uns neugierig an, kein Wunder, denn wir sind die einzigen dimdims (Weissen) weit und breit, von den Weissen, die in Port Moresby arbeiten, kaem kaum einer auf die Idee, zu Fuss in der Stadt herumzugehen. Die Atmosphaere ist relaxt, ruhig, und wir fuehlen uns sicher, aber Daniel behaelt sein Taxi scharf im Auge, und Simon beobachtet unsere Umgebung unablaessig.
Dann besuchen wir den Gordons Markt, den groessten im Land. Hier gibt es ein sehr grosses und buntes Angebot an Obst und Gemuese, Tabak und Fleisch, an einem Stand wird gerade ein Wallaby (kleines Kaenguruh) zerlegt. Die Leute sind alle sehr freundlich und lassen sich gern fotografieren und gucken sich dann froehlich die Bilder an.

Dann besuchen wir das Parliament Haus (in Tok Pisin wird Haus wie auf deutsch geschrieben) mit seiner eindrucksvollen Mosaik-Fassade. Nebenan ist das National Museum, das heute
geschlossen ist. Aber es stellt sich heraus, dass der Waerter ein bro' ist, also auch ein Huli wigman, und er oeffnet das Museum fuer uns, und wir haben es ganz fuer uns allein.
Eine Schatzkiste! Es gibt da ein phantastisches Ausleger-Kanu, das ueber und ueber mit Kauri-Muscheln geschmueckt ist, einzigartige Masken, Schilde, Totempfaehle und einen ausgestopften
Cassowary-Vogel, PNGs groessten Vogel, mannshoch, mit 15cm -langen Krallen und Knieen, die er vorwaerts und rueckwaerts beugen kann.

Auf dem Weg zurueck zum Auto kommen wir an einem kleinen Betelnuss-Stand vorbei. Daniel und Simon kaufen welche, knacken sie und kauen. Ploetzlich produzieren sie jede Menge Speichel, den sie sehr gekonnt in einem Strahl ausspucken. Als sie gruendlich genug gekaut haben, nehmen sie einen daka (mustard-stick), lecken dieses Hoelzchen ab und stippen es in Korallenpuder. Sie beissen ein bisschen davon ab, kauen wieder und spucken wieder, dieses Mal blutrot. Ihr Mund und die Zaehne sind jetzt ganz rot. Alle Leute hier kauen Betel.
Skip will es auch versuchen, aber er hat den Bogen mit dem Spucken nicht raus! Inzwischen hat sich eine Gruppe von Leuten um uns versammelt. Sie lachen gutmuetig und machen Skip Mut.
Schliesslich ist sein Zahnfleisch auch blutrot, aber er will die Prozedur nicht wiederholen. Es war wohl zu schrecklich.

Am Sonntag werden wir von Brian eingeladen zu einem Ausflug in die Berge. Wir sind eine grosse Gruppe aus Freunden und einigen Mitgliedern seiner Familie. Brian ist Weisser, wohnt aber
seit zig Jahren in PNG und hat einige Kinder adoptiert. Er ist inzwischen mehrfacher Grossvater.
Nach der Duerre und dem Staub von Port Moresby wird die Landschaft gruener und saftiger, je hoeher wir die kurvige Strasse durch das Laloki-Tal hinauf kommen. In Crystal Rapids bildet
der Fluss ein grosses Becken, bevor er in mehreren Stufen zu Tal fliesst.

Auf dem gepflegten Rasen mit riesigen, rotbluehenden Baeumen gibt es Baenke und Unterstaende zum Grillen. Crystal Rapids ist ein beliebtes Ziel fuer ein Picknick am Sonntag, Familien mit
Kindern sitzen im Wasser (alle mit Kleidern) und erfrischen sich im kuehlen Wasser. Ein sehr idyllischer Ort. Aber nur am Sonntag ist hier so viel los, unter der Woche scheint die Strasse
zu gefaehrlich zu sein. Obwohl Brian meint, dass er ueberall ohne Furcht hinfaehrt, egal wann. In all den Jahren ist er nur einmal ueberfallen worden.

Am folgenden Samstag fahren wir mit unseren australischen Freunden Faye und David zum Ela-Beach-Markt, einem grossen Kunsthandwerksmarkt, zu dem einmal im Monat Leute aus ganz PNG kommen, um ihre Sachen zu verkaufen und zu tanzen.

Wir haben unsere Zeit in PNG sehr genossen dank unseren Freunden, die sich ruehrend um uns gekuemmert haben. Aber es war auch ein bisschen frustrierend, nicht mehr im Land herumreisen
zu koennen. Vielleicht kommen wir eines Tages hierher zurueck, mit viel Zeit. Die Leute sind auch hier generell sehr freundlich und vertrauenswuerdig, und es ist schade, dass eine
kleine Gruppe von 'raskols' dem Land so einen schlechten Ruf verpasst hat.

Am 27. Juli segeln wir von Port Moresby ab, die letzten 200 Seemeilen im Pazifik. Montagnacht kommen wir in den Bligh Channel und die Torres Strait. Jeder hat uns vor den Wellen und den
Stroemungen hier gewarnt, aber als wir in die Meerenge kommen, ist das Wasser wie ein Spiegel,  es regt sich kein Lueftchen, und wir muessen motoren. Die vielen kleinen Inseln scheinen
ueber dem Horizont zu schweben wie eine Fata Morgana.
Am Mittwochmorgen kommen wir vorbei an Tuesday und Wednesday Island und ankern dann vor Thursday Island, das zu Australien gehoert. Der Pazifik liegt nun endgueltig hinter uns.

 





A U S T R A L I E N


T h u r s d a y I s l a n d , Torres Strait
10º 35.20 S 142º 13.40 O

Wir benachrichtigen den Zoll von unserer Ankunft, und bald darauf stuermen sieben freundliche Beamte unser Schiff - Immigration, Zoll und Gesundheit/ Landwirtschaft. Drei durchsuchen das
Deck, oeffnen alle Luken, gucken in die leeren Kanister und leeren die Wasserkanister, um zu sehen, ob etwas darin versteckt ist. Unten nehmen zwei Beamte alles auseinander, oeffnen
alle Schraenke, gucken in jede Dose, waehrend die zwei anderen uns mit Fragen und Formularen bombardieren.
Die Frage 'Habt ihr was zu deklarieren?' ohne uns genau zu sagen, was wir deklarieren muessen, ist verwirrend fuer uns. Die Suesskartoffeln koennen wir nicht behalten, auch nicht den
Knoblauch oder den Ingwer oder die Mandeln. Alles aus Holz muss deklariert und auf Holzwuermer untersucht werden, aber auf einem Holzboot -wo soll man da anfangen und enden?

Schliesslich hat der Gesundheitsbeamte wohl genug gesehen und verlaesst das Schiff. Hinterher findet der Zollbeamte aber etwas (Holzfloeten, Beinrasseln aus Samenhuelsen), das wir voellig
vergessen haben und das zwischen den Kleidern verstaut war, damit es nicht zerbricht, so dass der Gesundheitsbeamte wiederkommen muss.
Nach vier Stunden ziehen sie endlich alle ab, nachdem sie uns noch einen schoenen Tag gewuenscht und uns gesagt haben, dass wir nochmal auf allen Behoerden vorbeischauen sollten, um den Rest der Papiere zu erledigen. Ich habe besonders Probleme mit meinem Pass, dem neuen, in Wellington ausgestellten maschinenlesbaren Superpass, der zwei etwas verschiedene Nummern hat. Aber ein Anruf bei der vorgesetzten Behoerde in Brisbane klaert dieses Problem dann. Was fuer ein Zirkus.
Kein Wunder, dass viele Segler es vorziehen,an Australien vorbeizufahren.
Die australischen Torres Strait-Inseln liegen in einer besonderen Quarantaene-Zone, und wir muessen sogar eine Genehmigung fuer alles einholen, was wir in dieser Zone kaufen und aufs Festland mitnehmen wollen. Sie haben eben eine Heidenangst davor, dass irgendwelche Insekten und Keime eingeschleppt werden, die schaedlich fuer das Land sind. Aber insgesamt sind die Beamten alle sehr freundlich in diesem buerokratischen Tohuwabohu.

Es ist nur eine kurze Strecke im Dinghy bis zum Dock, aber auf dem Rueckweg muessen wir gegen eine Stroemung von 8 Knoten ankaempfen, die Wellen sind kurz und steil, und jedesmal werden wir nass bis auf die Haut. Wir werden nicht nur nass, sondern haben auch Angst, ins Wasser zu fallen, das voller Krokodile und giftiger Wasserschlangen ist.

Das Dorf besteht aus nur zwei Hauptstrassen. Die Leute sind sehr nett und entspannt, keiner ist in Eile, denn auf diesem winzigen Eiland kann man sowieso nicht viel machen. Thursday
Island war mal der groesste Perlenhafen in Australien, mit hunderten von Perlenschiffen, aber davon ist nichts mehr uebrig.

Nach drei Tagen segeln wir weiter Richtung Darwin, 740 Seemeilen weiter westlich. Mit einem guten Passatwind machen wir, nachdem wir an Boobie Island und einigen gefaehrlichen Untiefen
vorbei sind, 140 Seemeilen Fahrt pro Tag, kreuzen den Carpentaria-Golf und die Arafura-See. Hinter Cape Don beginnt der Van Diemen-Golf, der Wind flaut ab, und wir muessen motoren.

Um durch den Golf und die Clarence Strait zwischen dem Festland und Melville Island zu fahren, muessen wir einen exakten Zeitplan beachten. Wir muessen mit der Flut bis zu den Abbott Shoals hineinfahren und dann mit der Ebbe durch den engen Howard Channel wieder hinaus in die Timor See, noerdlich von Darwin, nicht so leicht bei Nacht, mit Tankerverkehr und 9.5 Knoten. Fast auf der ganzen Strecke ab Thursday Island sind wir in seichtem Wasser. Sogar um Darwin herum mit seiner 8m-Tide ist es sehr wichtig, immer genau zu wissen wo man ist, damit man nicht irgendwo auf einer Sandbank ein oder zwei Meilen vor der Kueste landet.
Am Freitag, dem 8. August, ankern wir endlich zwischen einer Sandbank und der Einfahrt zur Cullen Bay Marina.


D a r w i n , Northern Territory

12º 27.24 S 130º 49.46 O

Wir fragen ueber Radio, ob wir in die Marina koennen, aber zuerst muessen der Rumpf und all die Wasserauslaesse des Schiffs von der Fischereibehoerde inspiziert werden, damit die Marina
nicht mit der gruenen Muschel infiziert wird. Die netten Taucher der Behoerde kommen auch sehr schnell und alles ist in Ordnung.
Aber erst am Montag duerfen wir durch die Schleuse in die Marina hinein. Wir haetten auch weiterhin vor Anker liegen koennen, aber mit der extrem hohen Tide ist wir leicht bei Ebbe auf einer
Sandbank enden koennen. Und in diesen Gewaessern zu schwimmen ist auch nicht so verlockend wegen der Krokodile. Jedes Jahr holen sie 200 Krokodile hier aus dem Wasser, um sie an anderen weiter entfernten Orten wieder auszusetzen, aber dass sie alle fangen ist nicht garantiert.

Wegen dem Schleusensystem ist Cullen Bay Marina wie ein grosser Teich mit Finger-Docks, alle besetzt. Aber wir haben Glueck, denn wir finden noch einen Platz an einem Privatdock, das
zu einem der Millionaershaeuser gehoert, die entlang dem Ufer gebaut wurden. Ein schoener, ruhiger Platz.



 


D A R W I N

12º 27.24 S 130º 49.46 O


Fuer viele Segler bedeutet Darwin das Tor zum Indischen Ozean. Am ersten Morgen, auf unserem Weg in eins der vielen Cafés um die Marina herum, treffen wir daher hocherfreut einige alte Freunde wieder, die wir schon eine ganze Weile nicht gesehen haben.
Wir tauschen Erfahrungen aus, einige haben die Zyklonzeit an der australisschen Ostkueste in Queensland verbracht, andere haben hurricane holes auf einer der tropischen pazifischen Inseln gefunden. Und jetzt fahren ein paar direkt Richtung Kapstadt (eine 6000 Seemeilen- Reise!), und andere nehmen die Indonesien- Singapur- Malaysia- Thailand- Route so wie wir.

Nach dem Fruehstueck halten wir ein Auto an, und eine freundliche aeltere Dame nimmt uns mit ins Zentrum. Es ist ein seltsames Gefuehl, wieder in der westlichen Welt zu sein: palmengesaeumte saubere, breite Strassen ohne Schlagloecher, Fussgaengerzonen mit vielen modernen Geschaeften und Cafés, Brunnen, gepflegte Rasen, tropische Gaerten, Blumenbeete, und hellhaeutige, blonde Menschen.

Darwin ist eine schoene, moderne Stadt, die meisten Haeuser sind Neubauten, nachdem der Zyklon Tracy am Heiligen Abend 1974  60 % der Stadt zerstoert hat. Keins der Haeuser war fuer diese Art Wind gebaut. Nun sind die Fassaden gegen herumfliegende Truemmer geschuetzt und die Daecher an den Fundamenten verankert und so hoffentlich geruestet gegen einen zukuenftigen Sturm.

Der Bauboom geht immer noch weiter. Um den riesigen Hafenkomplex herum entstehen Apartment-Hochhaeuser, eine neue Marina, ein beeindruckendes Convention Centre und eine kuenstliche Wellenlagune (schwimmen sollte man nicht an einem der vielen Straende von Darwin wegen der Krokodile und toedlichen Quallen).

Donnerstags und Sonntags, wenn am Spaetnachmittag die Sonne ueber dem Meer untergeht, gehen die Einheimischen und Touristen zum Mindil Beach Market. Es wimmelt von Jongleuren, Clowns, Didgeridoo-Bands, Staenden mit leckeren Gerichten aller asiatischen Laender, aber auch roadkill cafés, wo Fleischspiesse von ueberfahrenen Kaenguruhs, Wasserbueffeln, Krokodilen und Straussen verkauft werden. An einer Unzahl von Staenden kann man Kunsthandwerk erstehen, Bilder, Perlen, Schmuck,Bumerangs, Huete aus Samenkapseln, oder sich von einem chinesischen oder Thai Masseur durchwalken lassen. Tausende von Leuten picknicken auf dem Rasen oder im Sand, waehrend die Sonne glutrot am Horizont untergeht.

In Darwin findet man fast alles, und wir nutzen die Gelegenheit, uns ein paar Ersatzsaettel aus Stahl fuer die Gaffel machen zu lassen, das Kuehlsystem fuer den Motor zu ueberholen, die Segelnaehte nachzunaehen und das Schiff fuer die lange heisse Rueckreise fit zu machen.

Wir haben Glueck: ein paar Tage nach unserer Ankunft faengt das Aboriginal Music and Arts Festival an, eins der highlights vonn Darwin. Wir gehen zum Eroeffnungskonzert im Park an der Esplanade und hoeren uns die aboriginal Gruppen an, eine Band aus Ost-Timor heimst den groessten Applaus ein. Am naechsten Tag klappern wir mit einem von der Stadt gestellten unentgeltlichen Bus die Kunstgallerien ab, die aboriginal Kunstmesse im Convention Center und im Museum of the Northern Territory.

Darwin ist die Hauptstadt des Northern Territory, Australiens Top End. Von den 21 Millionen Australiern sind nur 2.2% Aborigines, die Ureinwohner des Landes, und die meisten von ihnen leben im NT. Ihnen gehoert etwa die Haelfte des Landes, hauptsaechlich Arnhem Land oestlich von Darwin, wo sie ihren traditionellen Lebensstil mit dem westlichen verbinden:
tagsueber gehen sie auf die Jagd, sind aber um 6 Uhr abends rechtzeitig zu den Fernsehnachrichten wieder zuhause.
Die Kunst der Aborigines hat Australiens Kunstszene wesentlich beeinflusst. Malen, Schnitzen und Drucken sind  traditionelle Techniken, die eine spirituelle Verbindung herstellen zwischen dem Leben ihrer Ahnen und ihrem gegenwaertigen, zwischen den Leuten und ihrem Land.
Die Aborigines sind kuenstlerisch sehr talentiert, und wir wuerden gern ein Bild erstehen, aber die Preise sind sehr hoch, ihre Kunst wird weltweit geschaetzt. Wir koennen sie uns leider nicht leisten.

An einem Abend gehen wir ins Amphitheater im Botanischen Garten zu einem koreanischen Percussion-Orchester, das uns alle zu rasendem Applaus, Mitklatschen und Mittanzen bringt.

Freunde haben uns gesagt, wir muessten uns unbedingt den Kakadu Nationalpark ansehen, um einen Eindruck von dieser Ecke Australiens zu kriegen. Wir leihen uns fuer zwei Tage ein Auto und fahren erst in den Mary River Park, wo wir mit einem Ranger den Fluss hinunterfahren: riesige Krokodile liegen unbeweglich am Ufer in der Sonne, nur wenige Meter von uns entfernt, ueber uns fliegen tausende von Voegeln, weisse Kakadus, bunte Zaunkoenige, riesige schwarze mit knallroten Schwanzfedern. In den Bambusdickichten haengen tausende von Fledermaeusen.

Wir fahren weiter oestlich zum Kakadu Park. Die Eukalyptuswaelder links und rechts vom Highway sehen verkohlt aus. Bevor das Unterholz zu dicht und hoch wird, wird es verbrannt, damit nicht wilde Feuer entstehen, die fuer das Land katastrophal sind und es zerstoeren. Die Spitzen der Baeume sind gruen, und auf dem Boden ueberstehen vor allem die Cyccas  (palmenaehnliche Pflanzen) diese Kur sehr gut, sie sehen kerngesund und leuchtend gruen aus. Auch den 3 bis 4 Meter hohen Termitenhuegeln scheint das Feuer wenig auszumachen.

Der Highway verlaeuft schnurgerade, ueber zig Kilometer. Ab und zu ueberholen wir road trains, enorme Lastzuege, die bis zu fuenf maechtige Anhaenger ziehen. Man braucht mindestens einen Kilometer, um so ein Monster zu ueberholen.
Wir sind jetzt am Ende der Trockenzeit, aber Markierungsstaebe am Strassenrand lassen ahnen, dass die Gegend auch ganz anders aussehen kann. Die Strasse kann bis anderthalb Meter ueberflutet werden, und sie liegt schon wesentlich hoeher als das umliegende Land, die sogenannten flood plains. Jetzt ist diese Ebene gruen und voller Billabongs, Teiche, wo sich allerlei Getier tummelt, vor allem Krokodile. Sie koennen 20 km ueber Land von einem Billabong zum andern wandern.

Gegen Abend kommen wir in Jabiru an, an der Grenze zu Arnhemland, und uebernachten im Gugudja Crocodile Inn. Von der Luft aus gesehen sieht dieses Hotel wie ein Krokodil aus. Unser Zimmer liegt etwa auf Hoehe der dritten Rippe...
Am naechsten Morgen fahren wir frueh nach Ubirr, um uns da die Felsmalereien anzusehen. Das Tor wird gerade geoeffnet, als wir ankommen, und wir haben das Gelaende ganz fuer uns allein.
Aus der weiten Ebene erheben sich hier die Reste von einem Millionen Jahre alten Gebirge, dramatische Felsformationen mit Ueberhaengen. Und in den Nischen sieht man Zeichnungen aus rotem und gelben Ocker, Tiere und Menschen, die mindestens 8000 Jahre ueberstanden haben und von den mimi-spirits gemalt wurden, wie die Legende erzaehlt. Oben von einem Plateau
aus hat man einen wunderbaren Blick auf das umliegende weite gruene Land und eine Kette von Billabongs, voller Wasserbueffel, Krokodile, Wallabies (kleine Kaenguruhs), Voegel und Schlangen. Es ist ein magischer Ort, man kann sich kaum davon trennen. Aber die Touristenbusse sind inzwischen angekommen, und wir fluechten. Wir machen noch an einigen Stellen Halt, wandern noch zu einigen Billabongs (trotz der Krokodil-Warnschilder), immer vorsichtig die Gegend ausspaehend, und machen uns dann auf die lange, bruetend heisse Fahrt zurueck nach Darwin.

 





CHAP LXVII   I N D O N E S I E N


T I M O R , Kupang

10º 09.60 S 123º 34.44 O

Am Dienstagmorgen, den 26. August, fahren wir durch die Marina-Schleuse, tanken noch mal voll mit zollfreiem Diesel und machen uns auf den Weg nach Bali. Zunaechst steuern wir Rote an, eine kleine Insel vor Timor, etwa auf halber Strecke, 480 Seemeilen entfernt. Der Wind ist schwach, und wir muessen einen Teil des Wegs motorsegeln. Das Wetter ist schoen, die See glatt, alles bestens. Etwa 40 Meilen vor Rote sehen wir am Freitag, wie uns ein gigantischer Wal ueberholt. Er ist laenger als unser Schiff (13.50 m) und nur wenige Meter von uns entfernt.

In der Nacht fallen ploetzlich unsere Navigationslichter auf den Masten aus und auch der Autopilot und Kuehlschrank tun's nicht mehr. Man hat uns vor den unbeleuchteten indonesischen Fischerbooten gewarnt, aber wir sind es, die als einzige ohne Licht fahren und den anderen Schiffen mit der Taschenlampe unsere Anwesenheit signalisieren muessen.

Am naechsten Morgen umrunden wir die Nordspitze von Rote und wollen in einer idyllischen Bucht ankern, aber der Anker geht nur 20 m runter, dann streikt er. Wir haben offensichtlich ein grosses Problem mit den Batterien, drehen um und fahren Richtung Kupang auf Timor, um eine Loesung zu finden. Kurz vor der Stadt sehen wir eine Flotte von Fischerbooten liegen, werfen per Hand den Anker aus und gehen erstmal voellig erschoepft schlafen.

Zwei Stunden spaeter werden wir von lauten Rufen wach: die Fischer gestikulieren wild und bedeuten uns, dass wir am falschen Platz geankert haben, in sehr seichtem Wasser, und dann sehen wir, dass wir mit zunehmender Ebbe schon fast auf dem Trockenen sitzen. Wir dachten, wir haetten in Sand geankert, sehen aber jetzt, dass es stattdessen dicke Felsbrocken sind. Wir haben riesiges Glueck, der Anker hat sich nicht verhakt, und Skip kann ihn aus eigener Kraft hochhieven. Danach fahren wir eine halbe Meile weiter und ankern direkt vor dem Stadtzentrum.

Jetzt sind wir in Kupang, was wir auf jeden Fall vermeiden wollten, denn jeder hatte uns davor gewarnt. Vor zwei Wochen machten naemlich die 116 Schiffe der Darwin-Singapur-Rallye hier Halt und hatten grosse Probleme mit dem Zoll. Am Ende musste jede Yacht 10% des Schiffswertes als bond zahlen, eine Riesensumme. Ueber einen freundlichen boatboy, der uns mit Diesel und kaltem Bier versorgt, hoeren wir von Napa Rachman, einem Agenten, der uns behilflich sein koennte. Und das ist er. Tagsdarauf, am Sonntag, kommt er erst mit dem Quarantaene-Beamten, dann mit dem von Immigration, und nachdem wir wieder Fragen nach Leichen/ Affen/ Papageien und ansteckenden Krankheiten an Bord negativ beantwortet haben, koennen
wir unsere gelbe Q-Flagge einholen, und Skip kann an Land rudern und ein paar kalte Getraenke und eine wunderbar gegrillte Krabbe so gross wie ein Hummer zurueckbringen.

Wir sind so uebermuedet, dass wir frueh schlafen gehen. Um 4.30 Uhr werden wir vom muezzin geweckt, der die Muslime zum Gebet ruft. Nach einer Weile schlafen wir wieder ein, aber nach einer Stunde werden wir wieder geweckt. Es ist Ramadan, die Muslime duerfen einen Monat lang tagsueber nichts essen und trinken, nur nachts, und der Muezzin teilt ihnen mit, wann die Nacht beginnt und zuende ist.

Gegen 8 Uhr erwacht die Stadt zum Leben. Die Geschaefte oeffnen, Hunderte von Motorraedern und Bemos (oeffentliche Minivans) rasen hupend durch die engen Strassen und Gassen. Die Bemos sind wild bemalt, und zwar ueberall, so dass man kaum noch durch die Fenster und Windschutzscheibe sehen kann. Sie sind mit blinkenden Lichtern geschmueckt, die Tueren stehen offen, ein Helfer steht auf dem Trittbrett und versucht schreiend noch mehr Passagiere hineinzustopfen. Auf dem langen, staubigen und heisssen Weg zum Markt, Unrat und einem Hindernis nach dem anderen ausweichend, springen wir schliesslich auch auf eins.
Wir sind 17 Personen in dem Gefaehrt, das fuer acht gebaut ist, und fuehlen uns wie in einer Sardinendose. Der Schweiss rinnt in Stroemen, aber die Leute erdulden alles stoisch. Sie sind Schlimmeres gewoehnt.

Napa zeigt uns die Stadt, kauft mit uns ein, kaum jemand spricht ein paar Worte Englisch, und mein Indonesisch steckt noch ganz in den Kinderschuhen, obwohl es mir schon ein bisschen nuetzt. Es ist auch nicht einfach mit den Rupiahs: 13 000 etwa sind ein Euro, und man rechnet mit Tausenden und Millionen. Napa macht uns mit Hani bekannt, einem netten Mechaniker, der auf
die Masten klettert und die Gluehbirnen ersetzt, die Lampe ueber dem Kartentisch repariert, die einen Kurzschluss hatte, und der auch versucht, neue Batterien fuer uns aufzutreiben. Wir wandern von einem Laden zum anderen, bis wir schliesslich in einem modernen Autozubehoerladen mit dem kompetenten chinesischen Besitzer sprechen, der uns versichert, dass wir so etwas technologisch Kompliziertes wie Gel-Batterien in Kupang nicht finden werden und es besser waere, wenn wir direkt nach Bali fahren.

Der Zoll hat uns bis jetzt in Ruhe gelassen, dank Napas Einfluss und der Entschuldigung, dass wir nur einen Notstopp eingelegt haben. Aber jetzt wird es eng, lange halten sie nicht mehr still. Fruehmorgens am 3. September holen wir wieder mal den Anker per Hand hoch und machen uns auf den Weg, nachdem wir uns von unserem freundlichen Napa verabschiedet haben und er uns versprochen hat, dass er seinen Freund, der Hafenmeister von Balimarina ist, unsere Ankunft mitteilen wird und ihn auch bitten wird, einen Liegeplatz bereitzuhalten, damit wir Reparaturen ausfuehren koennen.

Nach 48 Stunden durch die Sawu See zwischen Flores und Sumba haben wir wieder mal Glueck, als wir in dem kleinen Kanal zwischen Rinca und Kodé eine Ruhepause einlegen wollen. Es gibt dort nur eine Mooring-Boje, und an der machen wir fest.
Rinca ist eine bergige und scheinbar oede Insel zwischen Flores und Sumbawa und Teil des Komodo Nationalparks, Heimat der Komodo-Drachen. Nur Taucher und Yachties verirren sich hierher.

Die meisten Reisefuehrer neigen etwas zur Uebertreibung, wenn sie die Attraktionen eines Ortes beschreiben, und unserer sagt, dass man am Strand von Rinca die Drachen, Hirsche, Makake-Affen und Wildschweine beobachten kann. Und so ist es, haargenau. Schon als wir festmachen, spazieren ein paar Komodos den Strand entlang, als sie verschwinden, kommen die
Wildschweine, die Hirsche und die Affen. Ein Spektakel.

Am fruehen Nachmittag paddeln wir im Dinghy an Land. Zuerst sehen wir nichts, entdecken dann aber einige Drachen im Halbschatten der Baeume, perfekt getarnt. Wir wagen uns nicht allzu nah ran und koennen auch keine guten Bilder machen, weil sie total mit der Umgebung verschmelzen. Dann sehen wir, wie uns einer am Ufer entgegenwatschelt. Wir springen  ins Dinghy und lassen uns auf ihn zu treiben, bis wir nur 4 bis 5 Meter entfernt sind und ihn gut im Bild haben.

Diese Drachen sind eigentlich riesige Echsen, sie werden bis zu 3 Meter lang. Sie haben enorme, 15 cm lange Klauen, scharfe Zaehne und eine lange gruengelbe gegabelte Zunge, die sie staendig vorschnellen lassen. Ihre Koepfe sind klein, ihre Kinnladen aber maechtig; der Hals ist lang und duenn, der Koerper geschuppt und massiv, die Beine kurz und dick und der Schwanz dick und stark, so dass er als Waffe benutzt werden kann.

Sie fressen Insekten, Voegel, Fische und auch grosse Tiere wie Wildschweine, Bueffel und Hirsche, sie koennen eine Ziege ganz verschlingen. Sie lauern ihrer Beute auf, beissen sie und warten dann darauf, dass die sieben toedlichen Bakterien in ihrem Speichel ihre Wirkung tun, bis zu zwei Wochen, um sie dann zu vertilgen. Sie fressen auch Ihresgleichen, weshalb die kleinen Komodos zu ihrer eigenen Sicherheit fuenf Jahre auf Baeumen leben, bis sie einen Meter gross sind.
Sie greifen auch Menschen an und toeten sie. Ihr Geruchssinn ist sehr ausgepraegt, sie koennen etwas bis zu 11 Kilometer Entferntes riechen. Auf Rinca leben etwa 11 000 von ihnen.

Die Drachen am Strand scheinen nicht hungrig zu sein und sind an Menschen gewoehnt, aber man muss trotzdem staendig auf der Hut sein. Sie erscheinen sehr plump und langsam, koennen aber grosse Schnelligkeit entwickeln und sind gute Schwimmer. Es ist schon ein Erlebnis, sie in Freiheit und aus solcher Naehe zu beobachten.

Nach zwei Tagen machen wir uns auf den Weg nach Bali, am Sonntag, den 7. September. Wir fahren durch den westlichen Kanal hinaus, Minuten, bevor ein maechtiger Regenguss ueber dem Ankerplatz niedergeht. Als wir den Selat Sape zwischen Komodo und Sumbawa durchqueren, werden wir von dem enormen Gezeitenstrom in diesem Kanal sechs Meilen nach Sueden
abgetrieben. Erst nachdem wir die Suedkueste von Sumbawa erreicht haben, koennen wir einen steten Westkurs entlang dieser 150 Seemeilen-langen Insel einhalten.

Gegen Mittag des naechsten Tages erreichen wir den Selat Alas zwischen Sumbawa und Lombok. Und wieder schiebt uns die Stroemung nach Sueden, und wir koennen unseren Blick nicht vom GPS-Kompass lassen, damit wir nicht ins offene Meer abgetrieben werden. Aber diese beiden Selats sind nichts gegen den 35-Meilen Selat Lombok zwischen Lombok und Bali. Inzwischen wissen wir schon ganz gut, wie wir mit diesen starken Stroemen umzugehen haben und bewegen uns seitlich vorwaerts, indem wir 40 Grad hoeher steuern als unser eigentlicher Kurs.

Morgens am 9. September sind wir vor der Kueste von Sued-Bali, vollkommen erschoepft von dem Kampf mit der Stroemung die ganze Nacht hindurch. Wir suchen die Einfahrt in den Hafen von Benoa und koennen sie nicht finden, es gibt keine Markierung, alles sieht gleich aus an dieser flachen Kueste. Schliesslich gegen 9 Uhr sehen wir Faehren aus dem Kanal kommen und fahren hinein. Nach ein paar hundert Metern wimmelt es ploetzlich von Motorbooten Jetskis und Bananenbooten um uns herum, am Himmel sehen wir Fallschirme und fliegende Luftmatratzen, so dass wir schon denken, wir spinnen. Fliegende Luftmatratzen sind der letzte Schrei hier. Sie werden von Motorbooten hochgezogen, mit drei, vier Leuten drauf. 

Endlich finden wir auch Balimarina, wo wir an der Nomadess laengsgehen, einer luxurioesen US Maxi-Rennyacht, und herzlich von den Balimarina-Leuten begruesst werden. Die Marina ist voellig ausgebucht wegen der ARC-Rallye, aber Napa hat sein Wort gehalten, der Hafenmeister war auf unser Kommen vorbereitet und hat eine Loesung gefunden.
 


J A V A

Yogyakarta

Nachdem wir eine Woche in Balimarina unser Schiff wieder in Ordnung gebracht haben, neue Gel-Batterien gefunden und installiert, abgeschliffen und lackiert und die Mastlampen ausgewechselt und viele andere Kleinigkeiten repariert haben, beschliessen wir, Ferien vom Schiff zu machen und ein paar Tage nach Java zu fliegen. Wir nehmen das Flugzeug
um 6 Uhr morgens und kommen kurz vor sechs an, Java hat eine Stunde Zeitunterschied.

Wir bleiben im Fuenf-Sterne-Hotel Melià, das im Stadtzentrum liegt und von dem aus wir in die Altstadt laufen koennen.  Unser feudales Zimmer kostet mit Fruehstueck nur knapp ueber zwanzig Euros.  Yogya, wie es kurz genannt wird, ist eine quirlige 500 000 Einwohner Stadt (wenn man die Vororte mitzaehlt, hat es noch viel viel mehr) mit ueber 20 Universitaeten und einer riesigen Studentenschaft. Das beliebsteste und schnellste Verkehrsmittel sind Motorraeder, die kreuz und quer durch die Stadt flitzen und alles zuparken, sie stehen in dichten Reihen vor Geschaeften, auf Buergersteigen, auf der Strasse, so dass man es als Fussgaenger nicht gerade leicht hat. Der Linksverkehr scheint chaotisch, Fahrzeuge kommen von rechts und links, von hinten und vorn, haarscharf an einem vorbei - man muss hier eiserne Nerven haben, wenn man sich in dieses Gewuehl begibt. Aber wir sehen nirgendwo einen Unfall.

Auf dem Weg zum Kraton, dem Sultanspalast und Herz der Stadt, lernen wir Dibiyo kennen, der uns zwei Tage durch die Stadt fuehren wird. Bevor wir uns mit ihm treffen, gucken wir uns allein den Sultanspalast an. Normalerweise werden da traditionelle Taenze mit Gamelan-Orchestern aufgefuehrt, aber es ist Ramadan, der muslimische Fastenmonat, und daher findet zur Zeit nichts dergleichen statt. Wir schlendern durch den Park, sehen uns die verschiedenen Pavillons und Ausstellungen an und machen uns dann mit Dibiyo auf eine Entdeckungstour durch die aeltesten Bezirke der Stadt um den Kraton herum. Wir sind heilfroh, ihn gefunden zu haben, denn er fuehrt uns an Plaetze und in Gassen, in die wir uns allein nicht gewagt oder die wir nicht gefunden haetten. Und er verlangt nicht einmal etwas dafuer.

Der sehr beliebte Sultan lebt immer noch im Kraton und ist auch so etwas wie der Oberbuergermeister der Stadt. Waehrend Jakarta das wirtschaftliche und Finanzzentrum von Indonesien ist, ist Yogya Javas Seele, sagt man. Java ist die bevoelkerungsreichste indonesische Insel mit 120 Millionen Einwohnern, die Haelfte der Gesamtbevoelkerung. Yogya ist eine moderne Stadt, aber in dem grossen aeltesten Distrikt um den Kraton herum scheint die Zeit stillzustehen. Man hoert nichts von dem Grossstadtlaerm nur wenige Meter entfernt, die Leute leben ein ruhiges, beschauliches Leben hier, entweder in kleinen Haeuschen in engen Gassen voller Blumentoepfe und ohne Autos oder in breiteren stillen, baumbestandenen Alleen und Villen in tropischen Gaerten.

Die Altstadt ist aufgeteilt in viele kleine Bezirke, kampung. An manchen Strassenecken sieht man einen Unterstand mit einer Trommel, die an einer Schnur von der Decke baumelt. Jeder maennliche Einwohner muss einmal an bestimmten Tagen nachts Wache schieben, und wenn er etwas Verdaechtiges bemerkt, mit einem bestimmten Klopfzeichen die uebrigen Bewohner des
kampung warnen, sei es dass irgendwo ein Feuer ausgebrochen ist oder sich Gesindel herumtreibt oder was auch immer.
Morgens und nachmittags wechseln sich Maenner und Frauen ab, die Strassen zu fegen und zu kochen... Das System scheint sehr erfolgreich zu sein angesichts der sauberen Gassen. Es gibt keine Verbrechen, keine verschmierten Waende, keine zerbrochenen Scheiben, die Leute lassen ihre Haeuser offen stehen, und die Kinder koennen nach Herzenslust herumtollen und spielen. Jeder passt auf und fuehlt sich verantwortlich.

Wir laufen die dicke weiss gekalkte Stadtmauer entlang, an der man Obstbaeume aller Art gepflanzt hat, so dass sich jeder, der hungrig ist, davon nehmen kann. Vor fast allen Haeusern stehen oder haengen Vogelkaefige mit Singvoegeln, die fruehmorgens an die frische Luft gebracht werden, damit sie die anderen Voegel hoeren koennen und zu noch besserem Singen angespornt werden. Der Vogelmarkt ist voller Leute, die hohe Summen fuer einen besonders gut singenden Vogel bieten. Es werden Preise bis zu 20 000 Dollar bezahlt fuer einen besonders schoenen Hahn oder praechtigen anderen Vogel. Aber es werden auch Schlangen verkauft, und Kaninchen, und exotische, vielleicht unter Artenschutz stehende Tiere... Nahe dem Vogelmarkt ist der Obst- und Gemuesemarkt mit einer Unzahl von exotischen Produkten und Herbalisten, die einem eine Mixtur aus Kraeutern gegen jegliche Krankheit zusammenstellen. Die Vielfalt der Farben und Gerueche machen einen ganz benommen.

Am Abend, kurz vor Sonnenuntergang, gehen wir in eine sehr enge Gasse, in der der pasar sore stattfindet. Wir koennen uns kaum durch die Menschenmenge quetschen, die hier ihr Abendessen einkauft - das erste Mahl des Tages im Fastenmonat. Die ganze Gasse ist voller Essensstaende mit sehr lecker aussehenden Gerichten. Wir kaufen fuer uns drei eine Riesentuete voller Sachen, Fisch, Fleisch, Tofu, Reis, Gemuese,Suesses, setzen uns dann unter einen grossen Baum und warten, bis die Muezzins das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang angekuendigt haben und geniessen dann die koestlichen Gerichte und trinken dazu Eistee. Fuer drei Dollar haben wir soviel gekauft, dass wir nicht alles essen koennen. Wir nehmen den Rest mit ins Hotel und essen ihn spaeter.

Am naechsten Morgen fuehrt uns Dibiyo ins Haus des aeltesten Batikmeisters von Yogya, den wir bei seiner Arbeit beobachten koennen. Dibiyo erklaert uns die Batiktechnik, wie man bestimmte Flaechen des Stoffs mit Wachs bedeckt, bevor man ihn in eine bestimmte Farbe taucht. Das Wachs wird nach dem Trocknen wieder entfernt und gemaess dem Muster wieder auf andere Stellen aufgetragen, bevor der Stoff ins naechste Farbbad getaucht wird. Dieser Vorgang wird so oft wiederholt, bis das Muster und die Farben vollstaendig sind.

Dibiyo zeigt uns auch die Kueche eines typischen indonesischen Restaurants, etwas, was bestimmt nicht viele Touristen sonst sehen. Das Essen wird noch ueber offenem Feuer gekocht, die Waende sind schwarz von den Flammen, die Koeche hocken meist auf der Erde und schneiden und schnippeln und hantieren mit Moerser und Stoessel, grillen Satés.

Alle 200 Meter gibt es eine Moschee, und fuenfmal am Tag rufen alle Muezzins der Stadt auf zum Gebet, und die Stadt vibriert foermlich von ihren Gesaengen. Man sieht keine verschleierten Frauen. Einige tragen ein Kopftuch, aber die meisten sind westlich gekleidet, wenn auch sehr dezent, mit laengerem Rock und langaermeligen Blusen. Viele Indonesier versichern uns, dass sie keine Fanatiker sind und mit ihren christlichen, Hindu und buddhistischen Landsleuten in Toleranz und Frieden leben wollen.

Am Nachmittag begleitet uns Dibiyo zur Bushaltestelle nach Prambanan, etwas ausserhalb der Stadt. Wir steigen in den wohl langsamsten Bus unseres Lebens, der Fahrer schlaeft an jeder roten Ampel ein und wacht bei gruen immer nur halbwegs auf, aber schliesslich kommen wir an unserem Ziel an. Prambanan ist eine Gruppe von 1200 Jahre alten Hindu-Tempeln, ein World Heritage Monument. Leider wurden die meisten der spektakulaeren Tempel im Jahr 2004 arg beschaedigt durch das starke Erdbeben und sind jetzt von Baugeruesten umgeben. Es wird lange dauern, bis jeder der hundertausende von Steinen wieder an seinem Platz ist.


Borobudur

Am naechsten Morgen nehmen wir den Bus nach Borobudur, ein kolossales buddhistisches Monument, vergleichbar mit Angkor Wat in Kambodscha und nicht weit entfernt von Yogya. An der Bushaltestelle in Borobudur nehmen wir eine Rickscha, die uns zu unserem Hotel im Park faehrt, sie ist so schmal, dass wir beide kaum Platz drin haben, aber es ist eine vergnuegliche Art der Fortbewegung. Und dann sehen wir es, Borobudur, wie es sich hoch und maechtig aus der Ebene mit ihren gruenen Reisfeldern und sich wiegenden Palmenwipfeln erhebt. Es ist ein sehr beeindruckender Bau, der die Lavafluesse vom benachbarten 3000 m hohen Merapi-Vulkan ueberstanden hat, Erdbeben, Terroristenbomben und Millionen Flipflops von Touristen, und so schoen und raetselhaft geblieben ist, wie er schon vor 1200 Jahren gewesen sein muss.

Nachdem wir jede der neun verschiedenen Ebenen des riesigen Gebaeudes, das einem tantrischen Mandala nachempfunden ist, umrundet haben und ganz oben angekommen sind, sitzen wir staunend und ehrfuerchtig da und geniessen den Blick auf die weite Ebene zu unseren Fuessen und den rauchenden Vulkan. In den zwei Tagen in Borobudur steigen wir wieder und wieder
die steilen hohen Stufen hinauf und koennen nicht genug kriegen von diesem spirituellen Ort, der Ruhe und dem Frieden, den er ausstrahlt. Wie uns, so geht es wohl auch all den anderen Besuchern. Wenn sie einmal oben sind, sind sie sprachlos, vielleicht aber auch nur kurzatmig...

Borobudur stellt die buddhistische Vision des Kosmos dar: auf den drei unteren Ebenen werden in phantastischen Reliefs die Leiden der Menschheit dargestellt, die nie genug kriegen und zufrieden sein kann, sondern immer noch mehr Wuensche hat. Die oberen Ebenen sind dann die Phasen der Befreiung von diesen Wuenschen, und die oberste ist vergleichbar mit Nirvana, der Erleuchtung und Weisheit, dass das irdische Dasein nur ein unwichtiger Aspekt des Daseins ist.

Wir wandern durch den grossen Park, kommen zu den Elefantenstaellen und machen auf Ela und Mori einen einstuendigen Ausritt auf einen Huegel, von wo wir einen wunderbaren Ausblick auf Borobudur haben. Auf einem Elefanten zu reiten ist fuer mich eine besonders vergnuegliche Erfahrung, es kommt mir vor, als haette ich das schon oefter getan, und ich moechte am liebsten gar nicht mehr runtersteigen!

Danach besichtigen wir im Museum ein Schiff, das ein Englaender nach einem der Reliefs in Borobudur hat bauen lassen und das auch eine Reise von Java bis nach Sierra Leone in Westafrika gemacht hat.

Spaeter nehem wir ein dokar zum Mendut Tempel, einem kleinen Tempel nicht weit entfernt und etwas aelter als Borobudur. Ein dokar ist ein zweiraedriger bunter Karren, vor den ein kleines Pferd mit Gloeckchen und Bommeln gespannt ist, noch eine Art der Fortbewegung in Indonesien. Mendut beherbergt einen 3 m hohen Buddha, der in westlicher Art mit den Fuessen auf dem Boden sitzt, flankiert von Avalokiteshvara (Chenrezig) und Vairapana. Sehr schoene und beeindruckende Statuen. Aber sobald wir wieder draussen sind, werden wir von Souvenirverkaeuferinnen regelrecht belagert. In Indonesien muss man an vielen Orten den Preis runterhandeln. Wenn sie 100 Rupiah sagen, muss man 20 dagegen bieten, und wenn man mehr als 50 bezahlt, denken sie, man waere bloed genug. Aber sogar, wenn man was gekauft hat, geben sie keine Ruhe. Das kann ganz schon nervig sein.

Nach fuenf Tagen in Java fliegen wir zurueck nach Denpasar, um uns Bali anzusehen.

 



B A L I

Benoa Harbor, Balimarina


8º 44.44 S 115º 12.80 O

Nach einem sehr kurzen Besuch von Kuta und Seminyak, Balis Haupttouristenzentren, wo die Preise bis zu zehnmal hoeher sind als anderswo und alles nur Geschaeftemacherei ist, beschliessen wir, fuer ein paar Tage nach Ubud in Zentralbali zu fahren, das zwar auch touristisch, aber auch kulturell hochinteressant ist. Hier trifft man auf eine andere Art von Touristen, es sind eher Leute, die Ruhe suchen und einen tieferen Einblick in die balinesische Kultur haben moechten.

Wir nehmen uns im Artini 3 Hotel ein Zimmer mit Balkon und Blick auf den grossen ueppigen Garten mit Pool und die umliegenden Reisfelder. Das Hotel besteht aus zwei grosszuegigen Haeusern im balinesisschen Stil. Es wird von Darma, einem jungen freundlichen Manager, geleitet. Die Atmosphaere ist relaxt, die Angestellten, alles Mitglieder von Darmas grosser Familie, sind nett und hilfsbereit. Auf jeder Treppenstufe, im Bad, auf dem Bett liegen duftende Frangipani-Blueten. Ein Auto mit Chauffeur steht zur Verfuegung, wenn man in die Stadt will, und es holt einen
auch wieder ab. Und das Ganze ist nicht teuer.

Am Tag unserer Ankunft gehen wir auf Darmas Anraten zu einem Legong-Tanz im Wasserpalast. Dieser Palast im Zentrum der kleinen Stadt, die eher doerflichen Charakter hat, ist sehr idyllisch mit dem Teich voller rosa Lotus und das perfekte Szenarium fuer den Legong am Abend. Wie verzaubert beobachten wir die Taenzer in ihren golden schimmernden Kostuemen, ihre unglaublich biegsamen Finger und Koerper, ihre ausdrucksvollen Augen, waehrend sie eine Geschichte aus dem Hindu-Epos Ramayana tanzen.

Am naechsten Morgen wandern wir durch die Reisfelder noerdlich von Ubud und entlang den Bewaesserungskanaelen. Wir kommen an eine Bruecke ueber einen sprudelnden Bergbach und dann auf einen Bergruecken, wo ein Balinese einen kleinen Stand errichtet hat,an dem wir kuehles Wasser kaufen koennen. Kurz danach treffen wir eine balinesischen Maler, der uns ein Stueck durch die Reisfelder begleitet, dann eine enge Schlucht hinunter (er nimmt mich eine Weile huckepack...),ueber eine sehr wacklige Bambusbruecke, und die andere Seite der Schlucht wieder hinauf, bis wir auf einem anderen Pfad ueber einen wunderschoenen Bergruecken bequem wieder zurueck nach Ubud laufen koennen. Nach vier Stunden sind wir froh, dass uns der Artini-Chauffeur abholen kommt und uns ins Hotel zurueck bringt, wo wir in den Pool springen und relaxen koennen. Die Umgebung von Ubud ist maerchenhaft.

Am folgenden Tag mieten wir uns ein Auto mit Chauffeur, um in die Berge zu fahren. Wegen des dichten Verkehrs bitten wir Budi, die Seitenstrassen zu nehmen, die durch kleine Doerfer fuehren, von denen fast jedes gerade irgendein Fest feiert. Die Strassen sind mit gelben Fahnen auf hohen Bambusstoecken geschmueckt, die Frauen in ihren schoensten Sarongs tragen Koerbe und Schalen mit Ofergaben auf dem Kopf (manche bis zu 30 kg schwer!) zum Tempel, Kinder in kostbaren Kostuemen und mit goldenem Kopfschmuck laufen in Reihen die Strasse entlang, und Maenner mit schwarz-weiss gewuerfelten Sarongs und Kopftuechern, den Kris (zeremonieller Dolch) im Guertel. Die Dorftempel sind mit Baendern und Blumen geschmueckt, mit Vogelkaefigen und bunten Drachen, es werden Raeucherstaebchen verbrannt, aeltere Leute bereiten Opfergaben aus Blumen und Essen fuer Verbrennungszeremonien vor, Taenzer in exotischen Kostuemen und Masken fuehren Taenze auf.

Bali hat eine lebendige Hindu-Tradition, jeder ist staendig mit irgendeinem Ritual beschaeftigt, ihr ganzes Leben ist von der Religion bestimmt, und sie scheinen damit sehr gluecklich zu sein.

Nachdem wir in vielen Doerfern angehalten und gestaunt und Fotos gemacht haben, erreichen wir unser erstes Ziel, Bedugul am Branan See, hoch oben in den Bergen, wo wir den Botanischen Garten ansehen wollen. Und was finden wir in diesem Garten mitten auf dieser paradiesischen tropischen Insel? Ein Gewaechshaus voller Kakteen und Sukkulenten, die wir zuhause in unserm Garten in Mallorca haben.

Ueber eine andere kleine und sehr abgelegene Strasse fahren wir viele Kilometer durch Clementinenhaine, bis wir in der Gunung Batur- Gegend ankommen. Dort essen wir in einem Restaurant mit wunderbarem Blick auf den Kratersee und die umliegenden rauchenden Vulkane (alle mehr als 1000 m und mehr hoch) zu Mittag. Es ist etwas kuehl hier oben und die Landschaft etwas trocken, ausserdem ist es zu touristisch, so dass wir froh sind, als wir wieder aus den Bergen heraus und in den gruenen Reisfeldern und dem milden Klima von Bangli sind.

Die einzigartigen balinesischen Reisterrassen bilden ein perfektes oekologisches System. Sie werden von dem kristallklaren Wasser der Berge bewaessert und sind aeusserst fruchtbar wegen der vulkanischen Asche. Tagsueber fuehren die Hirten ihre Enten in die ueberfluteten Felder, nachts fangen die Jungens da Froesche und Aale. Zwischen den drei jaehrlichen Reisernten wird Gemuese auf den abgeernteten Feldern angebaut sowie auch auf den Flaechen zwischen den Feldern. Die Felder werden gehegt und gepflegt, man sieht kein Unkraut. Vergleicht man diese
Reisfelder mit denen auf Java, ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Auf dem Weg zurueck fahren wir bei Darma vorbei, der uns zur Zeremonie anlaesslich des 6. Monats seiner kleinen Tochter eingeladen hat. Nachdem wir seine Familie kennengelernt haben und etwas von der balinesischen Spezialitaet babi guling (gegrilltes Spanferkel) gekostet haben, machen wir uns auf den Weg nach Ubud. Wir muessen am naechsten Tag ins Artini 2 umziehen, weil wir unseren Aufenthalt verlaengert haben und unser Hotel ausgebucht ist. Das Artini 2 ist aehnlich wie das Nummer 3, aber naeher am Stadtzentrum, und statt einem Auto mit Chauffeur haben wir jetzt Motorraeder mit Chauffeur zur Verfuegung. Das ist besser fuer die oft wegen Umzuegen verstopften Strassen, und es macht auch Spass.

Einen Morgen lang mache ich einen Kochkurs in der beruehmten Casa Luna mit, wo unsere Gruppe von etwa 12 Leuten (die meisten in den Flitterwochen) lernt, ein zeremonielles Menue vorzubereiten. Es schmeckt hervorragend! Abends sehen wir uns einen Kecak-Tanz im Pura Dalem Taman Kaja an. Fuer diesen Tanz sitzt und tanzt eine Gruppe von ueber 100 Maennern aus diesem Kampung (Bezirk) in konzentrischen Kreisen um eine Feuersaeule herum und begleitet die Taenzer mit hypnotisierenden 'kecak,kecak'-Rufen. Am Ende der Geschichte tanzt ein Mann in Trance mit blossen Fuessen durch die lodernden Berge von Kokosschalen.

Am naechsten Morgen fahren wir zurueck nach Balimarina und bereiten unsere Weiterreise nach Borneo vor. Am fruehen Sonntagmorgen, den 5. Oktober, motoren wir aus dem Hafen hinaus und durch den Selat Lombok nach Norden, gegen die Tide und mit sehr wenig Wind. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir die Nordostspitze von Bali. Der heilige  Vulkan Gunung Agung erhebt sich maechtige 3000 m empor. Wir nehmen Kurs auf Pulau Kangean, eine Insel zwischen Borneo und Bali. Am folgenden Mittag haben wir eine totale Flaute. Der Motor tut's nicht mehr, die Filter sind voellig verstopft von dem fuerchterlichen indonesischen Diesel. Waehrend Skip die Filter auswechselt, geht einer der Filterzylinder kaputt, und da sitzen wir nun ohne Wind, ohne Motor, schon in Sicht von Kangean, und treiben auf dem Meer und fragen uns, was wir jetzt tun sollen.

Da sehen wir am Horizont eine Yacht. Wir stellen das VHF-Radio an, und ploetzlich sagt eine Stimme, 'Hi Ragnar! What are you doing there?' Es sind Tiffany und Bruce, befreundete Amerikaner auf Vixen. Sie kommen naeher und leihen uns eine Schraubzwinge, mit der wir den Filter an seinem Platz halten koennen. Wir beschliessen, zurueck nach Bali zu fahren, wo wir hoffen, einen neuen Zylinder auftreiben zu koennen.

Am Mittag des naechsten Tages ankern wir vor Lovina an der Nordkueste von Bali (8º 09.62 S 115º 01.31 O), wo zwei Fischer, Benny und Damon, auf ihrem Spinnenboot mit breiten, gekruemmten Auslegern herbeikommen und versprechen, uns zu helfen.

Lovina besteht aus einer Gruppe von Fischersiedlungen und kleinen Touristendoerfchen. Auf dem schwarzen Sandstrand liegen viele bunte Spinnenboote, die jetzt Touristen zum Delphin-Beobachten, Schnorcheln und Tauchen hinaus fahren. Fischen lohnt sich fuer die Fischer nicht mehr, seit der Preis fuer Treibstoff so in die Hoehe gegangen ist. Vom Schiff aus sehen und hoeren wir auf der einen Seite des Dorfs die Hindus, wie sie den ganzen Tag lang mit Zeremonien und Singen beschaeftigt sind, auf der anderen Seite die muslimischen Fischer, deren Muezzins fuenfmal
am Tag die Glaeubigen zum Gebet aufrufen. Manchmal wird das ein bisschen viel, vor allem wenn sich alles vermischt. Aber wir fuehlen uns hier trotzdem sehr heimisch, weil sich Benny und Damon ruehrend um uns kuemmern. Sie bringen uns Treibstoff und Obst und Gemuese, kuemmern sich um die Filterbeschaffung, laden uns zu sich nach Hause ein, bewirten uns mit Kaffee und Nuessen und gruenen und rosa Reiskuchen und laden uns sogar zur Hochzeit von Damons Schwester ein.

Schliesslich treibt Damon einen Doppelfilter in Denpasar auf, den sie aus einem alten Mercedes-Bus ausgebaut haben. Wir installieren ihn, und am Sonntag fahren wir ab. Aber nach zehn Meilen faengt der Filter an zu lecken, und wir muessen wieder umkehren. Nachdem Damons Onkel aus Benoa Harbor eine Dichtung aus einem synthetischen Material gemacht hat (Kupferdichtungen sind nicht aufzutreiben), versuchen wir es am Dienstag noch einmal und nehmen Kurs auf Pulau Bawean, wo wir am Donnerstag, den 15. Oktober, gegen Mittag ankommen und in einer schoenen Bucht im Norden der Insel ankern.
 



P U L A U B A W E A N

5º 43.86 S 112º 40.20 O

Am Freitagmorgen fahren wir an Land und mieten einen alten Van mit Chauffeur und fahren einmal rund um die Insel. Sie ist ziemlich abgelegen, denn der Flughafen ist erst im Bau. Die Leute starren uns an, als ob sie noch nie einen Weissen gesehen haetten, aber sie sind sehr freundlich, und wir lachen viel, waehrend wir mit unseren paar Woertern Indonesisch versuchen, uns verstaendlich zu machen.

Am Samstag fahren wir spaetnachmittags von Bawean ab Richtung Kumai River in Suedborneo. Der Wind ist nur schwach, wie fast immer in der Java See, und wir muessen fast die ganze Strecke motoren, bis wir am Montag gegen 13 Uhr nach 10 Seemeilen den Fluss hoch vor Kumai ankern, auf der der Stadt gegenueberliegenden Flussseite.

 


B O R N E O

Kumai


2º 44.47 S 111º 44.04 O

Die Muendung des Kumai ist sehr seicht und voller Sandbaenke. Es gibt nur einen sehr schmalen tiefen Kanal, der im Zickzack zum richtigen Flusslauf fuehrt. Nach heftigen Regenfaellen (wir sind jetzt in der Monsunzeit) schwimmen riesige floating islands im Fluss (grosse Stuecke Land mit Palmen und Baeumen drauf, die vom Ufer abgebrochen sind), grosse Schiffe fahren auf und ab, und Fischer legen Netze und Reusen aus. Gluecklicherweise fahren wir bei Flut flussaufwaerts, denn bei Ebbe kann leicht eine 8 Knoten starke Stroemung entstehen.

Nachdem wir geankert haben, bietet uns Aki seine Hilfe an. Er kann uns an Land bringen, Diesel fuer uns besorgen und auch ein klotok (Boot) fuer den Besuch des Tanjung Puting Nationalparks organisieren, um die Orang Utans anzusehen.

Am fruehen Mittwochmorgen holt uns ein knallblaues klotok ab, ein junger Mann, der unser Boot in der Zeit, wo wir weg sind, hueten wird, kommt an Bord, und wir machen uns auf den Weg in den Nationalpark, fuenf Stunden den Segonyer hinauf, ein Nebenfluss des Kumai. Am Anfang ist der Fluss noch sehr breit. Das Wasser ist noch salzig und daher sind die Ufer ein undurchdringliches Dickicht aus Palmen, die ja gerne mit den Wurzeln im Salzwasser stehen. Weiter oben wird die Vegetation immer mehr urwaldaehnlich, ein Zeichen, dass die Tide nicht mehr so weit geht. Der Fluss wird schmaler und schmaler. Dann biegen wir ab in einen Seitenarm, der noch enger wird, vielleicht 10 m. Der Urwald waechst ueber unseren Koepfen zusammen, und wir fahren wie durch einen Tunnel, bis wir schliesslich Camp Leaky erreichen und neben zwei anderen Klotoks festmachen und an Land gehen.

Nach einer halben Stunde kommen wir an die Fuetterungsstation, wo die Ranger gerade Bananen fuer die Orang Utans ausgelegt haben. Schon in der Mitte des Flusses hatte ich einen Baum gesehen, dessen Wipfel sich wie wild bewegten; ich guckte genauer hin und sah einen riesigen Orang Utan zwischen zwei Baeumen schaukeln, und das war ein so starkes Bild, dass ich eine Gaensehaut bekam. Und jetzt koennen wir sie von ganz nah sehen, nur wenige Meter entfernt. Langsam kommt der ganze Clan heran, der Boss, die Muetter mit den Babies und die Kinder. Sie schwingen sich von Ast zu Ast, Haende und Fuesse und den Mund voller Bananen, jeder eine ganz eigene Persoenlichkeit, sehr sehr menschenaehnlich. Einige beachten gar nicht die wenigen Menschen, die ihnen zugucken, andere gucken uns neugierig an, so wie wir sie, und posieren wie Models fuer ein Foto-Shooting. Es gibt etwa 5000 Orang Utans hier im Park. Sie sind voellig frei und scheinen sehr freundlich, man koennte ihnen die Hand geben, aber anfassen ist streng verboten. Fasziniert gucken wir ihnen zu, sie sind sehr drollig und voellig ungeniert. Der Boss liebt Milch mit Honig. Er nimmt manierlich die grosse Schuessel in beide Haende und trinkt sie in einem Zug leer und leckt und schleckt sich den Mund, bis der Ranger die Schuessel nachfuellt. Skip moechte gerne so einen Orang Utan an Bord haben, der waer ideal zum Auf-den-Mast-Klettern - wir brauchten kein Kletterharness und nichts...

Eigentlich wollten wir die Nacht im Camp Leaky verbringen, aber als wir zum klotok zurueckkommen, treibt sich der Boss am Steg herum und guckt sich neugierig das Boot an. Vor ein paar Tagen ist ein Orang Utan in einem Boot davongepaddelt, und bisher wurden beide nicht mehr gesehen... Also beschliessen wir, ein kleines Stueck flussabwaerts zu fahren und an einem Busch festzumachen. Wir verbringen einen gemuetlichen Abend an Bord und hoeren den Urwaldgeraeuschen zu.

Am naechsten Morgen fahren wir noch zu einer andern Station und dann nach Tanjung Harapan, einem kleinen Dorf, in dem die Familien der Goldgraeber leben, die vier Stunden den Fluss hoch in der Goldmine arbeiten. Wir schlendern durch das Dorf, bis es anfaengt sintflutartig zu regnen und wir zum Schiff zurueckrennen muessen. Ein paar proboscis-Affen (die mit der Schlabbernase) sitzen in einem Baum und starren uns neugierig an. Danach wollten wir noch zu einer anderen Station, aber nach dem Regen gibt es da zu viele Muecken, und wir fahren stattdessen zurueck nach Kumai.

Da unser cruising permit bald ablaeuft, denken wir, dass es besser ist, wenn wir schon in Kumai aus Indonesien ausklarieren. Das ist kein Problem, bedeutet aber eine Menge Rumrennerei. Zuerst muessen wir nach Pangkalan Bun, der Hauptstadt von Zentralborneo (eine sehr huebsche Stadt 20 km von Kumai), wo wir bei Immigration und Zoll auschecken muessen, dann zurueck nach Kumai wegen Quarantine und Hafenmeisterei. Alles zusammen kostet uns das 10 Dollar. Spaeter hoeren wir, dass Boote, die in Nongsa Point auf Batam ausklarierten, hunderte von
Dollar an Gebuehren zahlen mussten.

Am 25. Oktober fahren wir los Richtung Singapur, 625 Seemeilen entfernt. Nach fuenf Tagen Flaute ueberqueren wir am Mittwoch, den 29. Oktober, um 15.56 den Aequator auf 105º 28.10 O und sind zurueck in der noerdlichen Hemisphaere, nach 20 Monaten im Sueden!

Donnerstagnacht kommen wir suedlich von Pulau Bintan in einen Sturm, 30 Knoten Wind, hohe Wellen, als der Motor wieder aussetzt (verdrecktes Diesel..) Drei Stunden treiben wir im Kreis in einem whirlpool, aus dem wir nicht raus koennen, ein wenig schoenes Gefuehl. Aber um 6 Uhr morgens schaffen wir es endlich herauszukommen und fahren den Selat Riau zwischen den Inseln Batam und Bintan hoch. Einfahrten in Selats sind immer kritische Punkte. In Tanjung Pinang auf Bintan ankern wir mitten in der Flotte von Fischtrawlern. Wir haben noch 20 Liter Treibstoff.
 


B I N T A N

Tanjung Pinang


0º56.20 N 104º 26.50 O

Waehrend Skip mit einem kleinen Sampan Treibstoff besorgt, kommt ein Hafenpolizei-Inspektor, Mr. Sirait, an Bord. Zuerst denke ich, wir koennten eventuell in Schwierigkeiten kommen, weil wir schon ausklariert haben, aber als ich ihm erklaere, dass wir einen Notstopp eingelegt haben, weil wir Diesel brauchen und Motorprobleme haben, sagt er nur, ' No worries! Es ist OK!' Er will noch nicht mal Papiere sehen. Er fuehlt sich wohl auf unserm Schiff und sitzt und sitzt. Dann bringt er Skip in die Stadt, faehrt ihn auf seinem Motorrad zu einer ATM, und dann meint er, wir sollten doch alle zusammen den chinesischen Tempel und die mit Eidottern gestrichene huebsche Moschee ansehen. Ein netter Mensch. Auch mit den Fischern um uns herum fuehlen wir uns sofort wie zuhause. Wir liegen alle sehr dicht beieinander, so dass eine Art Party-Atmosphaere entsteht. Wenn unser Schiff einen der Trawler beruehrt, lachen die Fischer und schieben es einfach ein bisschen zur Seite.

Am Freitag (!!), den 31. Oktober, fahren wir wieder ab und ankern ein paar Meilen noerdlich vor der kleinen Insel Buau (1º 02.75 N 104º 13.56 O). Wir ruhen uns aus, waehrend wir auf den Gezeitenwechsel warten, und gegen 17 Uhr machen wir uns auf den Weg in die Singapore Strait und Raffles Marina an der Westkueste von Singapur, gegenueber von Malaysia.

Eine Stunde spaeter setzt der Motor wieder aus, und nachdem Skip 10 Minuten Diesel gepumpt hat, springt er wieder an und wir koennen weiterfahren. Es ist wieder absolute Flaute, alle 10, 15 Minuten setzt der Motor aus. Aber wir haben inzwischen den Bogen raus und brauchen nur noch ein paar Minuten, um ihn wieder in Gang zu bringen. Man muss schon ziemlich verrueckt sein, nachts, ohne Wind und mit defektem Motor die Singapore Strait zu ueberqueren, aber wir haben keine andere Wahl. Diese Schiffahrtsstrasse ist eine der meistbefahrenen auf der Welt, alle 10, 12 Minuten passiert ein riesiger Frachter oder Tanker, und man muss die Manoever exakt timen: direkt und mit voller Kraft auf die Seite des Monsters  zusteuern, bis man nur wenige Meter entfernt ist, dann parallel zu ihm fahren, bis es an einem vorbei ist, und dann hinter ihm rueber und beten, dass der Motor nicht aussetzt, bis man aus dem Weg vom naechsten Monster ist.
Skip steht am Bug und gibt Anweisungen, ich an der Pinne und steuere Ein Wunder, dass uns bei diesem gefaehrlichen Manoever nicht ein einziges Mal der Motor verreckt ist, wir haben
einen Schutzengel gehabt.

Sobald wir drueben sind, setzt der Motor aus, und ein Sturm mit Regen und Gewitter setzt ein, so dass wir kaum noch was sehen koennen. Wir schlaengeln uns durch die Unzahl von vor Anker liegenden Frachtern aller Art und steuern den Ankerplatz fuer kleine Schiffe oestlich der Stadt an, wo wir ankern (und der Anker greift sofort und gut) und schlafen gehen.

Gegen neun Uhr Samstagmorgen, den 1. November, ist der Sturm vorueber, und wir motoren entlang der Suedseite des Hafens von Singapur zwischen hunderten von vor Anker liegenden Frachtern und Tankern hindurch. Der Motor setzt immer haeufiger aus, aber endlich, endlich, gegen 17.30 kommen wir in der Raffles Marina an, die wir von unseren Problemen informiert hatten. Eine ganze Gruppe von Leuten hilft uns und freut sich, dass wir es geschafft haben!

Nach zwei Tagen finden wir endlich MTU, eine deutsche Firma (Mercedes-Tochter), die uns einen netten und kompetenten jungen Mechaniker, Ong, schickt, der schnell die Quelle unserer Probleme entdeckt: ein kleines Stueck Stoff in der Zuleitung zum Filter... Unglaublich. Ong sagt, das waer ziemlich normal, viele Boote aus Indonesien haetten grosse Probleme mit dem voellig verdreckten indonesischen Treibsstoff. Nachdem wir alle Tanks and alle Treibstoffleitungen gesaeubert, neue Filter und neue Kupferdichtungen eingebaut haben, laeuft unser Motor wieder normal, und wir koennen jetzt Singapur erkunden!

Indonesien ist ein phantastisches Reiseland, obwohl es fuer Segler auch ein Albtraum sein kann mit seinen Flauten und ploetzlichen heftigen Boeen, extrem starken Stroemen, haeufigen und starken Gewittern, den whirlpools und vielen Hindernissen wie den Fischfallen aus Bambusbuendeln, die ohne Markierung oder Beleuchtung bis zu 20 Seemeilen vor der Kueste auf dem Wasser schwimmen, Fischernetzen quer ueber die Kanaele, unzaehligen Fischtrawlern mit gleissenden bunten und/ oder blinkenden Lichtern, Wracks, Untiefen, nicht markierten Riffen, floating islands Baumstaemmen und dem sehr verschmutzten Treibstoff. Aber die interessante Kultur, die Landschaften und die Freundlichkeit der Menschen machen all das wieder wett.

 


S I N G A P U R

1º 17.60 N 103º 45.70 O

Da Raffles Marina auf der Westseite der Singapur-Insel liegt, d.h. sehr weit weg vom Stadtzentrum, stellt die Marina den Seglern einen kostenlosen Pendlerbus zur Verfuegung, der sie zum naechsten MRT-Bahnhof bringt. Nach der haalstuendigen Busfahrt kommen wir am Bahnhof an, finden heraus wie man am Automaten einen Fahrschein loest, steigen dann in den Zug und kommen nach einer weiteren halben Stunde Fahrt mitten in Little India im Herzen der Stadt an, leider nicht genau da, wo wir eigentlich hin wollen.

Wir fragen einige freundlich Leute, wo der Laden liegt, in dem unser Kabel repariert werden kann, aber da wir unterschiedliche Antworten bekommen, nehmen wir lieber ein Taxi. Wir fragen dann die nette Verkaeuferin nach dem naechsten Internet-Café. Sie erklaert uns, dass wir zunaechst nach links, dann ein paar Strassen spaeter rechts abbiegen und dann ein paar hundert Meter geradeaus gehen muessen. Aber als wir das Geschaeft verlassen, sehen wir direkt auf der anderen Strassenseite ein Internet. In diesem Teil der Welt sind die Leute sehr bemueht und nett, aber irgendwie haben sie manchmal Probleme damit, einem eine klare Wegbeschreibung oder einfache Auskunft zu geben.

Nachdem wir unsere e-mails gecheckt und beantwortet haben, fragen wir trotzdem wieder jemanden nach dem Weg zur naechsten Post, so schnell geben wir ja nicht auf. 'Oh, diese Strasse runter, links um die Ecke und dann 100 Meter weiter auf der linken Seite'.
Nachdem wir eine Stunde herumgewandert sind, nehmen wir wieder ein Taxi (Gott sei Dank sind sie hier sehr billig) und kommen nach einer Viertelstunde am Postamt an. Wir kaufen Briefmarken fuer unsere Sammlung und eine neue malaysische SIM-Karte fuer unser Handy, und dann frage ich die Beamtin, in welcher Ecke der Stadt sich das Restaurant befindet, in dem ich gerne zu Mittag essen wuerde. Eine andere Beamtin kommt dazu, und zusammen machen sich die beiden Damen an die Arbeit. Sie waelzen Telefonbuecher, Stadtfuehrer, Stadtplaene, rufen bei verschiedenen Stellen an und bitten um Auskunft und finden nach ungefaehr einer Stunde tatsaechlich heraus, wo diese Strasse ist, naemlich nahe dem Sim Ling Turm. Wir machen uns auf den Weg, aber das Restaurant hat leider schon geschlossen. Also begnuegen wir uns mit einem frischen Mangosaft und Reis mit Huhn in einer Garkueche.
Es ist inzwischen schon so spaet, dass wir uns beeilen muessen, damit wir den letzten Pendlerbus erwischen. Es war ein langer Tag, wir haben sehr wenig geschafft und sind muede von der Lauferei.

Am naechsten Tag planen wir unseren Ausflug in die Stadt ein bisschen besser und nehmen den ersten Bus, damit wir mehr Zeit zur Verfuegung haben. Aber als wir im Zentrum ankommen, ist noch alles geschlossen, die Geschaefte machen hier erst um 11 oder 12 Uhr auf. Dafuer haben wir die Stadt aber auch fast ganz fuer uns alleine und koennen sie viel besser erforschen. Langsam
aber sicher finden wir heraus, wie hier alles funktioniert.

Das groesste und belebteste Geschaeftszentrum von Singapur befindet sich an der Orchard Street und ihren Seitenstrassen.  Hier liegen die besten Malls, aber auch viele kleinere Geschaefte, und hier kann man wirklich alles und jedes finden ohne dass man weit laufen muss, von allen Luxusmarken der Welt ueber Lebensmittel bis zur chinesischen Medizin. In einer Mall finden wir drei
Stockwerke voller Friseursalons, einer neben dem anderen, an die hundert. Singapur erinnert ein bisschen an New York, aber auch an San Francisco, es ist aber viel kompakter und irgendwie auch gemuetlicher mit den Alleen, den Cafés mit kleinen Brunnen (die Chinesen muessen immer ein Wasserspiel im Haus haben, es hat mit Feng Shui zu tun, Wasser bringt Reichtum), den vielen food stalls an denen man schnell was Leckeres essen kann, und den guten und billigen oeffentlichen Transportmitteln. Ein Einkaufsparadies.

Nach und nach erkunden wir die Stadt, besichtigen chinesische Tempel mit tausenden von goldenen Buddhas und unglaublich kitschige indische, laufen durch indische und chinesische Gassen voller Laeden und Staende mit Essen, Elektronik, Seide, Batik, Schuhen und grauenhaften Souvenirs. Die indischen Obststaende sind hochgetuermt mit Durians, den stacheligen, unangenehm riechenden, aber schmackhaften Fruechten, die die Asiaten so lieben, mit Sternfruechten, roten Rambutans, tiefrosa Drachenfruechten (sie faerben so arg, dass ich mir Handschuhe anziehen muss, um sie zu schaelen),Mangosteens, Mangos und suessen Dukus die aussehen wie kleine Kartoffeln. Wir laufen durch den Colonial District mit seinen alten Kirchen und Kloestern und dem
beruehmten Raffles Hotel, entlang dem Singapore River und zum Esplanade - Theatres on the Bay, eine supermoderne Alu-Struktur, die aussieht wie zwei umgedrehte Durians oder Fliegenaugen.

Singapur hat ungefaehr viereinhalb Millionen Einwohner. Die meisten wohnen in staatlich subventionierten Apartment-Tuermen, die man ueberall auf der Insel findet. Die Wohlhabenderen leben in den futuristischen luxurioesen Hochhaeusern. Aber beide Arten von Wohnanlagen stehen inmitten von Rasen und Gruenanlagen, alles ist frisch gestrichen und sauber und ordentlich. Wenn jemand dabei erwischt wird, wie er eine Zigarettenkippe wegwirft, muss er eine saftige Strafe zahlen, desgleichen wenn er spuckt (eine eher chinesische Untugend). Singapur ist eine wohlorganisierte Stadt, mit einer boomenden Wirtschaft. Drei Viertel der Bevoelkerung sind Chinesen, der Rest Malayen, Suedinder und einige wenige Eurasier. Es scheint, dass alle gut miteinander auskommen, obwohl jede Gruppe ihre eigenen Traditionen und ihre eigene Religion pflegt und man ab und zu Klagen ueber die chinesische Dominanz hoert.

 


 M A L A Y S I A


P o r t D i c k s o n


2º 28.75 N 101º 50.40 O

Nach zwei Wochen in der Grossstadt fahren wir weiter nach Malaysia, das am der Raffles Marina gegenueberliegenden Flussufer beginnt. Nach 48 Stunden durch die starken Tidenstroeme und den massiven Schiffsverkehr und mit dem Wind auf der Nase egal in welche Richtung wir die Malakka-Strasse hinauffahren, kommen wir in der Admiral Marina suedlich von Port Dickson an. Es ist der ideale Platz fuer das Schiff, hier koennen wir es ganz beruhigt liegen lassen, waehrend wir uns das Land angucken. Die Malakka-Strasse ist nachts voll von hunderten von Fischtrawlern (tagsueber sieht man keine), die staendig den Platz wechseln, aber das Schlimmste sind die hunderte von Metern langen Schlepper, die oft kurz vor unserem Bug den Kurs wechseln, so dass wir Muehe haben, schnell darauf zu reagieren und eine Kollision zu vermeiden.

Wir fahren in die Stadt und klarieren ein, eine einfache und schnelle Prozedur bei den verschiedenen Behoerden. Wir mieten uns von einem der Marinaarbeiter ein winziges Auto, ohne Vertrag oder Papiere, das ist nicht noetig. Er gibt uns nur den Schluessel und sagt 'Ich wuensch euch viel Spass', und dann fahren wir los nach Melaka, 90 km suedlich von Port Dickson. Sie
scheinen mit ihren Autos ein ganz gutes Zusatzgeschaeft zu machen.

Als wir in Melaka ankommen, sind alle Schilder auf Malaysisch oder Chinesisch. Wir parken das Auto am erstbesten freien Platz, und der erste Mann, den wir nach der Adresse des Hotels fragen, das uns empfohlen wurde, ist der Besitzer. Sein Hotel ist ausgebucht, aber er empfiehlt uns ein anderes in derselben Strasse, das Puri Hotel, ein sehr schoen restauriertes altes Herrenhaus im Zentrum von Chinatown.

Melaka war schon im 15. Jahrhundert unter dem Sultan eine wohlhabende und wichtige Stadt, denn es liegt ja strategisch sehr guenstig am suedlichen Ende der Malakka-Strasse, ideal fuer den Handel mit China, Indonesien und Siam. Chinesische Siedler liessen sich hier nieder, Araber und Inder. Im 16. Jahrhundert eroberten die Portugiesen die Stadt, ein Jahrhundert spaeter die Hollaender und danach die Briten, Kolonialmacht bis zur Unabhaengigkeit Malaysias 1957. Melaka heute ist eine Mischung all dieser verschiedenen Voelker und Kulturen. Es gibt sogar noch Nachfahren der Portugiesen, die bis heute eine Art Portugiesisch (cristao) sprechen.

Wir wandern in der gluehenden Hitze durch die Strassen und Gassen, bis wir zum Town Square kommen mit seinem alten Stadthuys und der ebenfalls rostroten Kirche im hollaendisschen Stil. Hier parkt auch die Trishaw-Flotte mit ihren unglaublich geschmueckten Gefaehrten. Jeder Fahrer versucht die anderen noch zu uebertreffen mit Blumenschmuck, Statuen, Baendern und
Lichtern und sogar Stereoanlagen,aus denen Reggae, hard rock, country oder chinesische Musik toent. Dankbar, nicht mehr in der gluehenden Hitze und in Schweiss gebadet herumlaufen zu muessen, steigen wir in Baby Jacksons Trishaw. Er faehrt uns vom Town Square an den Kais, modernen Malls und Hochhaeusern entlang zum Sultanspalast und den Ruinen vom portugiesischen Fort, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die hollaendisch anmutenden Haeuser von Chinatown und das Meer hat. Danach faehrt er uns zurueck zum Stadthuys, bietet uns aber angesichts der schweren schwarzen Regenwolken an, uns noch kostenlos bis vors Hotel zu bringen- ein netter Kerl! Er ist uebrigens Nachfahr der Portugiesen und katholisch, und sehr stolz darauf.

Da das Hotel so gut ist und wir so muede, gehen wir im Hotel-Restaurant was essen - ein Riesenfehler. Nachdem wir den braunen Mischmasch runtergeschlungen haben, machen wir uns trotz des stroemenden Regens auf die Suche nach etwas Appetitlicherem und einem Tiger-Bier. Hier in Suedostasien ist das Essen in den Garkuechen oft sehr viel besser als in den Restaurants, und viel billiger. Ueberhaupt essen die Leute hier selten zuhause, sie gehen in die kleinen Garkuechen oder holen sich das Essen an den Essenskarren auf der Strasse.
Frueh am naechsten Morgen, bevor die Touristen und Autos die Gassen verstopfen, laufen wir durch Chinatown und besichtigen Tempel, Moscheen, alte Herrenhaeuser, Antiquitaetengeschaefte und den letzten Schuhmacher fuer gebundene Fuesse. Sein Vater machte noch seidene Schuehchen fuer die verkrueppelten Fuesse reicher Frauen (sie nahmen diese Tortur auf sich, um reich zu heiraten, denn eine Frau mit normalen Fuessen hatte bei einem reichen Mann keine Chance). Der Sohn macht die winzigen Schuhe noch immer, aber heute sind sie nur noch Souvenirs, wenn auch eher grausige. Er arbeitet 2 Tage an einem Paar, es kostet etwa 20 Euro. In seinem Kundenbuch finden sich illustre Namen, z.B. der von Jacques Chirac, der auch ein Paar erstand. Im Laden findet man alte Fotografien von den Frauen mit den verstuemmelten Fuessen, keine von ihnen laechelt, sie sehen gequaelt aus.

Als wir wieder zurueck in der Marina sind, fragt uns der Besitzer des Autos, ob wir unseren Treibstofftank auffuellen wollen, und meint, wir sollten doch ausnutzen, dass wir das Auto haben, um Diesel an der Tankstelle zu holen, da waere es um fast die Haelfte billiger als in der Marina. Ein sehr guter Rat! Nach sechs Fahrten mit jedesmal acht Kanistern haben wir soviel  gespart wie uns das Leihen des Autos, das Hotel und das Essen in Melaka gekostet haben.
 


 K u a l a L u m p u r

Unser Trip nach dem 100km entfernten Kuala Lumpur faengt an mit einem 5-Euro Taxi bis zum Busbahnhof in Port Dickson, dann einer 2-Euro Busfahrt bis Seremban, einer 1.50-Euro Zugfahrt bis Kuala Lumpur und 60 cents Monorailbahn bis zum Hotel. Das oeffentliche Verkehrssystem hier ist ausgezeichnet - bis auf die schreckliche Busfahrt, waehrend der der Busfahrer die ganze Zeit mit seinem Handy telefoniert und wie ein Spanier mit beiden Haenden herumfuchtelt und das Steuerrad mit den Knieen bedient. Kein Wunder, dass man von sovielen grauenhaften Busunfaellen in der Zeitung liest.

Als wir in Kuala Lumpur Sentral aus dem Komuter Train von Seremban steigen, haben wir den Eindruck, auf einer Riesenbaustelle gelandet zu sein. Alles um uns herum sieht vergammelt aus, die Gehsteige und Strassen sind voller Schlagloecher und die Haeuser verkommen. Dritte Welt. Aber in der Ferne sehen wir auch die glitzernden Petronas-Tuerme, lange Zeit die hoechsten der Welt.  Schliesslich finden wir den Monorail-Bahnhof und fahren in den noerdlichen Teil der Stadt, ins Goldene Dreieck, und da finden wir uns ploetzlich in einer modernen Metropole wieder.

KL, wie es normalerweise genannt wird, ist Malaysias Hauptstadt und groesste Stadt. Viel von der alten Bausubstanz ist schon zerstoert worden, aber es sind immer noch einige Kolonialbauten uebrig und auch die alten Stadtviertel von Chinatown, Little India und die malayischen Kampung sind erhalten. Dieser multikulturelle Charakter macht KL zu einem faszinierenden Ort.

Von unserem Hotelzimmer haben wir einen atemberaubenden Blick auf die Skyline von KL und nachts die sich staendig veraendernden Formen und Lichter der Petronas-Tuerme. Wir gehen zuerst in die Lake Gardens am Rand der Innenstadt. Dieser weitlaeufige Park bietet viele Attraktionen, aber das Highlight ist der Vogelpark mit 160 Vogelarten, von den seltsamen hornbills bis zu den extrem seltenen cassowaries. Man merkt kaum, dass dieses tropische Paradies mit Teichen und Wasserfaellen von einem Netz ueberspannt ist. Leuchtend bunte Papageien fliegen umher und setzen sich auf Kopf und Schultern, Stoerche und Pfauen wandern frei herum. Eine Gruppe von arabischen Touristen faellt uns auf- die Maenner in Rapper-Kleidung, die jungen Frauen bis auf die Augen schwarz verschleiert.
Gegenueber vom Bird Park ist der Orchid Garden mit einer unglaublichen Anzahl von Orchideen in allen Farben, sogar in Blau.Und etwas weiter entfernt ist der Butterfly Park mit einer angeschlossenen Ausstellung von Spinnen und Kaefern, gigantischen und exotischen Exemplaren wie z.B. dem Kaefer mit dem Menschengesicht-Muster auf dem Ruecken.

Direkt angrenzend an die Lake Gardens ist der Merdeka (Unabhaengigkeits-) Square, waehrend der Kolonialzeit das Herz der Stadt, und in seiner Naehe mehrere attraktive Kolonialbauten im Moghul- und maurischen Stil, einige futuristische Hochhaeuser mit islamischen Elementen und das moderne Islamic Arts Museum mit weiten offenen und hellen Raeumen, atemberaubenden Kuppeln, glasierten Ziegeln und beeindruckenden Ausstellungsstuecken.
Wir entdecken ein libanesisches Restaurant mit koestlichen Gerichten aus dem oestlichen Mittelmeer - mal was anderes als Reis und Curries, Fischkopfsuppe und Frosch-Porridge... Nebenan gibt es ein Café mit koestlichem Schokoladenkuchen und Aiskrim (herrlich, wie sie sich hier die englische Sprache einverleiben!).

Da unser GPS nicht mehr richtig funktioniert und uns nur noch 0º Breite und 0º Laenge meldet, sehen wir uns in der Sun Yat Plaza Mall nach einem neuen um. Wir sind sprachlos ob der sechs Stockwerke mit Elektronik und der Vielfalt der Auswahl an high-tech Produkten. Sogar billige Handies kommen jetzt schon mit eingebauten GPS und chart plotters und internet connection. Aber die Anleitung fuellt ein Buch dick wie ein Telefonbuch, und deshalb bleiben wir beim schlichten und leicht zu handhabenden Garmin GPS.

Wir wandern zu den Petronas Towers und der riesigen glitzernden Suria KLCC Mall und trinken im Le Dome einen Espresso mit Blick auf den See und Park und die Skyline. Dann laufen wir hinueber zum Menara KL Tower, von dem aus man einen besseren und mindestens 100 Meter hoeheren Blick als von der Skybridge der Petronastuerme hat. Von da oben sieht man, was fuer eine gruene Stadt KL trotz des Baubooms ist.

Am noerdlichen Rand der Stadt sind die Batu Caves. Eine Treppe mit 272 Stufen fuehrt von den Hindu-Tempeln am Fuss des Bergs hinauf zum Temple Cave. Waehrend wir die steilen Stufen hinaufklettern, sitzen Affen auf den Gelaenderpfosten und gucken sich die Touristen an. Ganz oben befindet sich ein Schrein und an den senkrechten, nach oben offenen bewachsenen Felswaenden klettern Rudel von Affen herum.
 


 P u t r a j a y a

Von den Batu Caves fahren wir mit unserem malayischen Taxifahrer nach Putrajaya, 20 km suedlich von KL. KL ist Malaysias Handels- und Finanzzentrum, waehrend Putrajaya Regierungs- und Verwaltungssitz ist. Putrajaya ist eine Stadt aus der Retorte, bis ins Detail um einen riesigen kuenstlichen See herum geplant fuer 350 000 Menschen. Auf 38% der Stadtflaeche
werden Parks und Feuchtgebiete angelegt, man gibt sich sehr umweltbewusst.

Da bisher erst etwa 50 000 Menschen hier wohnen, die Infrastruktur aber schon komplett ist, wirkt die Stadt geisterhaft. Es gibt nur sehr wenige Autos auf den breiten Strassen und Bruecken, und wenn ueberhaupt, dann nur ganz wenige Fussgaenger, es gibt keine sichtbaren Geschaefte oder Cafés, kein Leben. Nur vor der beeindruckenden riesigen Moschee aus rosa Granit
und dem pompoesen Sitz des Premierministers findet man Gruppen von malaysischen Touristen im Sonntagsstaat. Und neben der  Moschee gibt es sogar Restaurants mit Blick auf den See und eine Mall auf der unteren Ebene. Da ich mich von Kopf bis Fuss haette vermummen muessen, gehe ich nicht in die Moschee, es ist sehr heiss. Skip hat es leichter und besichtigt sie und ist
ganz ueberwaeltigt von der Schoenheit und dem Licht der grossen Kuppel.

Neun ultramoderne Bruecken ueberspannen den See, die laengste ist 435 m lang und der Bruecke in Isfahan, Iran nachempfunden. Jedes oeffentliche Gebaeude ist in einem sehr eigenwillligen und gewagten Stil gebaut, manchmal an der Grenze des guten Geschmacks. Putrajaya soll mal ein Touristenmagnet werden und ausserdem die Modernitaet und Fortschrittlichkeit Malaysias
demonstrieren. Das ganze Projekt muss Unsummen verschlingen, alles wird von Petronas finanziert, dem nationalen Gaskonzern. Unser Taxifahrer ist sehr stolz auf diese Stadt, aber gleichzeitig denkt er auch, dass das Geld vielleicht besser in die armen Regionen des Landes geflossen waere.

 


 P e n a n g, George Town

5º 25' N 100º 21' O

Von Port Dickson fahren wir die Kueste hoch nach Penang, schon fast an der thailaendischen Grenze. Wir muessen wieder motoren, denn der sehr leichte Wind kommt wieder mal genau aus der Richtung, in die wir fahren. Es regnet, die Sicht ist schlecht, und deshalb fahren wir entlang der Westkueste um die Insel herum, auch in der Hoffnung, dass wir vielleicht die letzten
12 Meilen von der Nordwestecke bis George Town im Nordosten segeln koennen. Aber denkste.

Die malaysische Kueste ist sehr seicht, bis weit hinaus. Noch bei drei Meilen vor der Kueste und der Insel haben wir nur fuenf Meter Wasser unterm Kiel, nicht gerade das beste Revier fuer Segler. Ausserdem wimmelt es hier von Fischerbooten, Netzen und Fischfallen, man muss einen Slalom fahren. Da wir nicht in dem klebrigen Schlamm ankern wollen, fuer den Suedostasien
beruechtigt ist, machen wir in der Tanjung City Marina vor George Town am Dock fest.

George Town ist die Hauptstadt der Insel Penang, es ist die aelteste britische Siedlung der Malakka-Strasse und eine lebendige, bunte, hauptsaechlich chinesische Stadt voller verfallender shophouses, beeindruckender Architektur aus der Kolonialzeit und Trishaws, die die Menschen durch die breiten Strassen und engen Gassen kutschieren. Auf Schritt und Tritt sieht man Szenen wie aus alter Zeit: Rattanweber, Tofumacher, Raeucherstaebchenmacher, Wahrsager, Holzschnitzer, und das alles vor der Kulisse der Wolkenkratzer des modernen George Town.

Ausser den ueblichen chinesischen und indischen Tempeln gibt es hier auch vergoldete Thai und burmesische Pagoden und kunstvolle chinesische Clan-Haeuser. Seit Juli 2008 ist George Town Unesco World Heritage site. Vielleicht hilft dieser Status, das riesige Potential an schoener alter Bausubstanz zu retten. Es muss aber schnell etwas unternommen werden, denn in dem
tropischen Klima ueberwuchert und zersetzt die Natur alles in rasendem Tempo. Das sieht zwar sehr pittoresk aus, ist aber  auch sehr gefaehrlich und unhygienisch.

Es ist so bruetend heiss, dass wir immer im Schatten der Arkaden die engen Gassen entlang schleichen, d.h. da , wo es moeglich ist, denn die sogenannten Buergersteige sind fest in der Hand von Geschaeftsleuten und Handwerkern und werden als Parkplaetze missbraucht. Ab und zu retten wir uns in eins der renovierten kuehlen Peranakan-Haeuser, die jetzt  umfunktioniert sind zu Restaurants, Cafés oder Museen. Diese Haeuser gehoerten im spaeten 19. Jh. reichen Baba-Nyonya-Familien. Peranakan bedeutet Mischling, d.h. ein Chinese oder Thai (baba) heiratete eine malayische Frau (nyonya).

Wir besuchen auch den groessten buddhistischen Tempel Malaysias, Kek Lok Si, auf einem der umliegenden Huegel. Der Bau dieses imposanten Komplexes aus mehreren Kloestern und bunten Pagoden wurde 1890 begonnen, und es wird immer noch mehr hinzugefuegt.

An der idyllischen Nordkueste befindet sich Batu Ferringhi, Penangs Touristenzentrum mit Hotels und Apartment-Hochhaeusern. Diese Gegend wurde 2004 von dem Tsunami boes erwischt, beschaedigte zahllose Gebaeude und machte die grossen Fischersiedlungen dem Erdboden gleich. Unser Taxifahrer zeigt uns die Ruinen seines Hauses, in dem er gerade schlief, als der Tsunami
am 25. Dezember um 12.45 ueber ihn hereinbrach - eine Welle so hoch wie ein fuenfstoeckiges Haus. Er wurde von Schutt und Moebeln eingeklemmt, aber gerettet. Zwei Jahre spaeter wurde er von einer Frau gekidnapt. Die Frau fesselte ihn mit seinem Sicherheitsgurt, setzte ihm eine Klinge an die Kehle und schlug ihn dann bewusstlos. Als er wieder zu sich kam, lag er schwer verletzt in einem Bachbett. Die Polizei glaubte ihm seine Geschichte nicht, machte sich sogar noch lustig ueber ihn. Da er sich weigerte, den Polizisten Geld zu geben, unternahmen sie auch nichts, um den Fall aufzuklaeren. Weder die Frau noch das teure Taxi wurden je gefunden. Der Taxifahrer hat ausser seinem Besitz auch jegliches Vertrauen in die Behoerden verloren.

Am Hafen, wo der Tsunami keine Schaeden anrichtete, stehen noch einige chinesische Clan-Siedlungen - Holzhaeuser, die auf Stelzen ueber dem Wasser stehen. Hier leben die Lims und die Chews ein scheinbar idyllisches Leben, nur ein paar Meter entfernt von der verkehrsreichen Hafenstrasse.

Eigentlich wollten wir noch zwei Tage ueber die 13.5 km- lange Bruecke hinueber aufs Festland fahren und uns die Cameron Highlands ansehen mit ihren kuehlen Waeldern und Teeplantagen, aber dann sehen wir doch davon ab. Jeden Tag lesen wir von katastrophalen Erdrutschen ueberall im Land, die von den Monsunregen und der unkontrollierten Bauerei verursacht werden.

 



L A N G K A W I

6º 17.64 N 99º 41.82 O

Am Nachmittag des 14. Dezember verlassen wir Georgetown, Penang, in Richtung Langkawi, der letzten Insel in Malaysia. Nordoestlich der Insel ziehen schwarze Wolken auf, es faengt an zu stuermen und zu regnen wie aus Kuebeln. Aber nach einer halben Stunde ist der Spuk zuende und macht einer stetigen kraeftigen Brise aus NO Platz.Wir segeln die ganze Nacht hindurch und ankern in einer idyllischen Bucht vorm Eingang zur Rebak Marina. Um 11 Uhr fahren wir durch einen schmalen Kanal in die Marina hinein und machen am Ponton-Dock fest.

Rebak Marina ist Teil eines Luxus-Resorts auf der winzigen Insel Rebak, die einzige Verbindung mit Langkawi ist das Wassertaxi. Es gibt einen schoenen Park, einen grossen Pool und weissen Sandstrand, Massagen unter Palmen und mit Meerblick, ein gutes Buffet, freundliches Personal - alles auch fuer die Segler, der perfekte Ort zum Relaxen.
Rebak hat auch einen grossen boatyard, der sehr gut geeignet ist, die Schiffe aus dem Wasser zu holen und Reparaturen durchzufuehren.Auf dem Trockenen ersetzen wir den wormshoe unterm Kiel, der etwas zerkratzt war, streichen einige Stellen mit Antifouling, lassen das Bimini nachnaehen und sind nach drei Tagen wieder im Wasser und koennen rueber nach Telaga Marina auf Langkawi fahren.

Telaga ist eine neue Marina mit einem kleinen 'Dorf' im mediterranen Stil, voller russischer Investoren und Touristen. Da am Wochenende der Hafenmeister nicht da ist, muessen wir zum Ausklarieren nach Kuah, dem Hauptort der Insel. Wir mieten von einem Mann vor dem Marinabuero ein Auto. Er fragt, ob wir ein gutes oder schlechtes wollen, und wir fragen ihn, was denn der Unterschied waere. Das schlechte ist dreckig , muss mit zwei Kabeln gestartet werden und hoert sich an wie ein Formel 1 -Wagen ohne Schalldaempfer. Fuer zwei Euros mehr nehmen wir deshalb das gute Auto, das sogar mit einer Langkawi-Karte in russisch ausgestattet ist.

Wir fahren erst nach Kuah, klarieren aus und kaufen in einem der vielen Duty-free-shops ein und fahren dann noerdlich um die Insel. Langkawi ist vom Meer aus gesehen eine wunderschoene Insel mit hohen gruenen Bergen, weissen Straenden und vielen kleinen vorgelagerten Inselchen, aber an Land gibt es nicht viel zu sehen.

Am Montag, den 22. Dezember lassen wir Malaysia hinter uns und fahren die 140 Seemeilen nach Ao Chalong auf der Insel Phuket in Thailand.
 


           T H A I L A N D

P h u k e t

7º 49.28 N 98º 21.42 O (Ao Chalong)

Der Hafen von Ao Chalong liegt in einer riesigen, landschaftlich sehr attraktiven und gut geschuetzten Bucht zwischen den Inseln Phuket und Ko Lon. Als wir ankommen, liegen schon etwa 100 Yachten dort vor Anker ausser den vielen Thai Fischer- und Charterbooten. Ao Chalong ist ein port of entry und Treffpunkt fuer Segelboote vor der Ueberquerung des Indischen Ozeans. Wir finden dort viele Freunde wieder.

An Land ist es sehr schwierig, irgendetwas zu organisieren. Kaum jemand spricht Englisch oder eine andere Sprache, Wegbeschreibungen sind sehr konfus, der Preis fuer eine Taxifahrt ein Raetsel - manche Fahrer wollen 1000 baht fuer eine Fahrt, andere 300. Aber dann finden wir raus, dass es am billigsten ist, ein Auto zu mieten.

Wir haben Glueck und finden einen reellen Fahrer, der uns nach der Stadt Phuket bringt, wo wir einen noch ,besseren Tuktuk-Fahrer finden, der etwas Englisch spricht und uns durch die ganze Stadt faehrt und auch zu einem Obststand. Er fragt uns, ob wir schon mal eine Durian gegessen haben - nein, haben wir nicht, wir haben viele in Singapur gesehen, uns aber nicht richtig getraut, sie zu probieren, weil sie von westlichen Leuten immer als sehr stinkig und eklig beschrieben wird. Die Frau am Stand oeffnet also eine Durian fuer uns, wir probieren sie - und sie schmeckt wie koestlicher Vanillepudding und riecht ueberhaupt nicht schlecht. Wir nehmen ein ganzes Tablett davon mit. Aber nach mehreren Stunden im Tuktuk und der Mittagshitze verstehen wir, warum die Leute sich ueber den unertraeglichen Geruch beklagen und warum siese Frucht nicht ins Flugzeug mitgenommen werden darf.

Das Tuktuk bringt faehrt uns dann hinauf zu dem riesigen weissen Buddha oberhalb von Ao Chalong. Der Berg ist so steil, dass wir oefter denken, wir muessten aussteigen und das Tuktuk schieben, aber schliesslich schafft das kleine Vehikel es doch von selbst. Der Buddha sitzt hoch oben ueber der Bucht von Ao Chalong, man sieht ihn vom Meer aus schon viele Meilen, bevor man in den Hafen hineinfaehrt.

In Ao Chalong suchen wir eines Tages den Gemuesemarkt. Wir fragen verschiedene Taxifahrer, wo der sich befindet, aber darueber sind sie sich uneins. Schliesslich streiten sie sich ueber den Standort und den Preis dahin, so dass wir es vorziehen, uns zu Fuss auf die Suche zu machen. Ein Mann sagt uns, wir sollten die naechste Strasse links nehmen (wobei er nach rechts weist), ein
anderer meint , wir sollten geradeaus gehen, was wir dann auch tun, und nach sechs Kilometern Asphalt in der gluehenden Hitze kommen wir schliesslich zum Markt in Rawai, dem naechsten Dorf. Es war die Anstrengung wert, denn hier finden wir bestes frisches Gemuese und Staende mit Essen voller Thai-Koestlichkeiten und Haushaltwaren.

Am Sonntagmorgen, den 28. Dezember, segeln wir mit Werner, einem Bekannten,der nach Thailand gekommen ist um uns zu helfen, nach Ko Phi Phi Don. Viele Reisefuehrer beschreiben diese Insel als die schoenste der Welt. Und es ist wahr, diese gruene Insel mit ihren hohen Kalksteinfelsen und kleinen weissen Sandbuchten mit tuerkisem Wasser ist traumhaft. Aber als wir um die Suedspitze herum in den Hafen von Ton Sai fahren, sehen wir uns ploetzlich inmitten von einer Flotte von speedboats, longtail und Charterbooten, die mit Hoellenlaerm in alle Richtungen rasen, vollgepackt mit weissen Touristen. Es ist einer der lautesten und unruhigsten Ankerplaetze, die wir je gesehen haben. Sogar noch nachts rasen Boote ohne Licht ueber unsere Ankerkette. Und als wir frueh am nechsten Morgen los wollen, muessen wir erst warten, bis der Wind das Schiff vor uns, das direkt auf unserer Ankerkette liegt, zur Seite geblasen hat, so dass wir unseren Anker einholen koennen.

Wir kreuzen dann die Westkueste von Ko Phi Phi Don entlang, um uns die Kueste naeher anzusehen, und kommen nachmittags in Ao Nang an der Kueste von Krabi an. (8º 01.47 N 98º 49.21 O)

Ao Nang ist ein huebsches kleines Touristendorf zwischen dem Meer und gruenen zuckerhutartigen gruenen Kalksteinbergen. Die Sandstraende hier sind meilenlang, unterbrochen von pittoresken Felsen - ein Paradies fuer Touristen. Hunderte von longtail boats (kanufoermige Ex-Fischerboote mit starken Dieselmotoren ohne Schalldaempfer) bringen die Touristen zu kleinen Inseln weiter draussen, zu hongs und Straenden und Luxus-Resorts, die nur zu Wasser erreichbar sind. Fuer die, die hier vor Anker liegen, ist das sehr nervig.

Ein netter und ehrlicher Taxifahrer aus Krabi (in den Touristendoerfern sind die Preise haushoch, faehrt man auch nur ein paar Meilen landeinwaerts, normalisiert sich alles) bringt uns zum Tigerhoehlentempel (Wat Tham Seua), einem sehr weitlaeufigen buddhistischen Tempelkomplex. Noch in der Kuehle des Morgens machen wir uns auf den Aufstieg zu dem goldenen Buddha auf der Bergspitze. 1237 Stufen sind zu erklimmen, jede mehr als 25 und mehr Zentimeter hoch und nur 15 cm schmal und bevoelkert von Affen. Die Treppe ist so steil, dass wir uns am Gelaender hochziehen und festhalten muessen, um nicht zu fallen. Links und rechts stehen goldene Stupas entlang dem Weg und oben mehrere goldene Buddhas. Der Blick auf die Ebene, Kueste und die maerchenhaften Kalksteinberge ist fantastisch.

Als wir wieder unten am Fuss des Bergs ankommen, sind unsere Waden und Kniee wie Wackelpudding, wir koennen kaum laufen. Troestlich, dass es den anderen Leuten auch nicht besser geht. Wir laufen ein bischen umher und geraten an eine weitere Treppe, unschluessig, ob wir sie in Angriff nehmen sollen oder nicht. Nach einigen hundert Stufen fuehrt uns der sanft abfallende
Pfad in ein verstecktes Tal mit senkrechten schroffen Felswaenden und Dschungel. Hier leben die Moenche in einfachen Huetten und Hoehlen. Es ist ein sehr friedlicher, abgelegener Ort mit grossen Buddha-Schreinen unter riesigen Felsueberhaengen und in Hoehlen.

Zurueck in Ao Nang essen wir eine Pizza in einem Restaurant an der Kuestenpromenade. Wie so oft in den Touristenorten koennen wir nicht mit Sicherheit erkennen, welchen Gechlechts die Kellnerinnen sind - es gibt hier jede Menge ladyboys, junge Maenner, die sich anziehen und geben wie Frauen. Der einzig normal Aussehende ist der Tellerwaescher - bis er in Stoeckelschuhen aus der Kueche kommt.

Am naechsten Tag bringt uns unser Fahrer zum Khao Phanom Nationalpark, einem Regenwald entlang einer 1350 m- hohen Bergkette, in dem es noch Tiger, Leoparden, Schwarzbaeren etc, gibt. Sie machen sich Gott sei Dank rar. Drei Stunden lang laufen und klettern wir erst den elf-stufigen Wasserfall hoch und dann durch den dichten Dschungel mit dem nur schwach erkennbaren Pfad. Fast ganz oben verschwindet der Pfad und da wir nicht durch das Unterholz wollen, schlittern und hangeln wir uns an Lianen und Wurzeln wieder hinunter zum Eingang.

In der Silvesternacht sehen wir uns das Feuerwerk entlang der Kueste vom Schiff aus an. Tausende von Wunschlaternen (umgedrehte zylinderfoermige Plastiktueten mit einem Kerzenhalter in der Oeffnung; die Hitze der Kerze laesst die Tuete in den Himmel steigen, zusammen mit einem Zettel voller Wuensche) schweben am Himmel und ueber dem Wasser, ein sehr schoenes Schauspiel.

Am naechsten Tag fahren wir 10 Seemeilen zu der kleinen Felseninsel Ko Hong (8º 04.95 N 98º 40.74 O), wo wir an einer Mooring-Boje vor dem Eingang des hong festmachen. Ein hong ist eine mit Meerwasser gefuellte Hoehle, deren Decke eingestuerzt ist, so dass sich eine Art Lagune gebildet hat, die von steilen Felswaenden umgeben ist. Der Eingang ist normalerweise sehr
schmal. Ko Hong ist ein besonders spektakulaerer hong mit Stalaktiten und bunten Kristallformationen, vielen Baeumen und sogar Mangroven. Ein magischer Ort - bis wieder diese laermenden speedboats kommen. Gluecklicherweise verschwinden sie bei Ebbe, denn dann wird das Wasser im Eingang zu seicht.

Am naechsten Tag segeln wir wieder zurueck nach Ao Chalong und warten auf guenstiges Wetter fuer die Fahrt nach Sri Lanka. Am 10. Januar geht es los. In den ersten zwei Tagen schaffen wir etwas ueber 200 Meilen, bis wir in den Great Channel zwischen den Nikobaren und Sumatra kommen, wo der Wind anfaengt, mit 20-25 Knoten aus NNO zu wehen. Mit doppelt-gerefftem main sail und mainstay sail und dem staysail brausen wir ueber den Indischen Ozean, 170 Seemeilen am Tag, mit 8.5 - 9 Knoten - absolut toll!! Am Samstag, den 17. Januar erreichen wir nach sieben Tagen und 10 Stunden Dondra Head an der Suedspitze von Sri Lanka. Sobald wir diese Spitze umrundet haben, flaut der Wind ab, die Stroemung verschwindet, und wir driften sanft durch die Nacht entlang der Suedwestkueste. Bei Sonnenaufgang sind wir 4 Meilen von Galle Harbor entfernt, in den man aus Sicherheitsgruenden nur bei Tagesicht einfahren kann.



 


        S R I L A N K A

G a l l e


6º 01.97 N 80º 13.43 O


In der Hafeneinfahrt von Galle warten wir auf die Marine, die uns in den abgesperrten Hafen lotsen muss. Er ist total abgesperrt, weil man eventuelle Bombenanschlaege der Tamil Tigers befuerchtet. Schnellboote und Taucher der Marine kontrollieren bei Tag und Nacht das Areal und abends hoert man die Detonationen von Wasserbomben, die gezuendet werden, um Saboteure fernzuhalten. Auf der Kuestenstrasse von Galle braust der Verkehr, wir sehen die Festung, Palmen, Stupas, Buddhas, Moscheen, Ruinen und moderne Haeuser.
Ein Muezzin ruft zum Gebet.

Schliesslich duerfen wir in den Hafen. Er ist voller Yachten, und wir muessen mit dem Heck am Dock fuer Frachter festmachen. Wenn wir an Land gehen wollen, muessen wir uns mit dem Dinghy ein paar Meter bis zur Mauer hangeln und dann ueber eine dicke Kette und einen riesigen Puffer hinaufklettern, bevor wir aufs Dock steigen koennen.

Zum Einklarieren haben wir eine Agentur genommen, die Windsors. Sie erledigen den ganzen Papierkram. Da der Hafen Hochsicherheitszone ist, braucht man zunaechst einen Hafenpass, und der Hafenmeister kriegt seine compliments, vier Flaschen Bier. Danach kommt der Zollbeamte, betrunken und mit langer Fahne und etwas sauer, dass wir keinen Whisky an Bord haben, von dem er was abzweigen kann. Stattdessen wankt er mit zwei Flaschen Wein in einer huebschen Tasche davon. Dann muessen wir zu Immigration, wo wir glatt und schnell ein 30-Tage-Visum bekommen, und koennen endlich den Hafenbezirk verlassen. D.h., wir muessen erst noch vorbei an Maschinengewehrposten und Bergen von Sandsaecken, und unsere Paesse werden von einer Gruppe von Sicherheitssoldaten kontrolliert und die Nummern notiert.

Wir nehmen ein Tuktuk, um an einer ATM srilankische Rupiahs zu holen. Der Verkehr ist frenetisch, die Ueberholmanoever irrsinnig. Rasende Busse, unzaehlige Tuktuks, Motorraeder, dazwischen Maenner in Sarongs und Frauen in Saris. Danach faehrt uns DeeDee. der Tuktukfahrer, zu einem Restaurant direkt am Sandstrand mit grossen Schattenbaeumen und gewaltigem Schwell. Das Essen ist sehr gut und billig.

In den naechsten Tagen gucken wir uns Galle an (90 000 Einwohner). Es war zunaechst ein portugiesisches Fort und ein wichtiger Stuetzpunkt fuer die Schiffahrt zwischen Europa und Asien. Die Hollaender zerstoerten die portugiesische Anlage und bauten eine neue, enorme Festung, die bis heute erhalten ist. Innerhalb der Festung befindet sich die Altstadt mit alten Kolonialbauten und shophouses. Von den Festungsanlagen aus hat man einen weiten Blick ueber den Indischen Ozean und die neue Stadt. Junge Maenner riskieren ihr Leben bei gewagten Spruengen vom 18m hohen Felsen in das nur 2m flache Wasser.

In der labyrinthischen neuen Stadt brodelt das Leben. Die Gerueche der Maerkte, Obst- und Gemuesestaende, Gewuerzlaeden und Garkuechen machen einen ganz benommen. Entlang dem Strand liegen die Fischerboote, und die Fischer verkaufen den frisch gefangenen Fisch unter den Baeumen entlang der Strasse. Etwas ausserhalb des Zentrums ist die Stadt ruhig und doerflich,
bunte Haeuser in ueppigen Gaerten voller Blumen, Obstbaeume und Gemuese. An vielen Strassenecken sieht man grosse Buddha-Schreine, liebevoll mit frischen Jasmin- und Seerosenblueten geschmueckt. Gut genaehrte Kuehe laufen frei herum, wie in Indien.

75% der 20 Millionen Einwohner Sri Lankas sind Singhalesen und Buddhisten, 20% Tamilen und Hindus und der Rest Muslime. Es wird hauptsaechlich singhalesisch gesprochen und geschrieben, sehr zum Missfallen der Tamilen , die ihre eigene Sprache und Schrift haben und sich staendig von den Singhalesen uebervorteilt fuehlen. Und das schon seit ueber 1000 Jahren, ein Konflikt, der erst jetzt vielleicht beigelegt wird. Die Tamil Tigers liegen in den letzten Zuegen, die Leute sind des Krieges muede. Bevoelkerung und Wirtschaft und besonders der Tourismus haben stark unter dem 30-jaehrigen Konflikt gelitten.

Nach einer Woche in Galle mieten wir ein Auto mit Fahrer, Laki, und machen uns auf die Reise ins Innere des Landes. Selbst zu fahren waere zu anstrengend und gefaehrlich, niemand scheint sich hier an Verkehrsregeln zu halten, die Manoever sind waghalsig, die Verkehrsschilder oft nur in singhalesisch oder nicht vorhanden.

Wir nehmen die westliche Kuestenstrasse in Richtung Colombo, sie scheint ein einziges langes Strassendorf zu sein. Diese Gegend wurde 2004 boes von dem Tsunami erwischt, und man sieht noch viele Ruinen. Aber es gibt auch sehr viele neue Haeuser und Hotels, und die Strasse ist in gutem Zustand. An einer Stelle bemerken wir, dass da ueberhaupt nichts waechst, keine Palmen, nicht mal Unkraut. Es war hier, dass der Tsunami einen Zug ueberflutete. Ueber 1500 Menschen kamen dabei um.

In einem der Doerfer, Ambalangoda, gehen wir ins Maskenmuseum, um die fantastischen und kostbaren Feuer-, Kobra- und Pfauenmasken anzusehen und auch diejenigen, die zur Austreibung von Krankheitsdaemonen getragen werden.

Kurz vor Colombo zweigt die Strasse nach Kandy ab. Sri Lanka ist groesstenteils eine wellige Ebene, nur eine Region im suedlichen Teil, das hill country, ist sehr bergig, die hoechste Erhebung, Mount Pedro, ueber 2500 m hoch. Die Hauptstadt des hill country ist Kandy. Die Strasse dahin ist eng, kurvig und sehr befahren, aber Laki ist ein vorsichtiger und erfahrener Fahrer,
und wir vertrauen ihm. Ab und zu haelt er an einem Stand und kauft uns Paeckchen mit geroesteten Cashews, Beutelchen mit sonnenheissen Ananas, Mangos oder Jackfruit- Stueckchen. In Strassenrestaurants essen wir Reis und Curry mit Linsendal, Sambol(geroestete Chillies), Pappadams, etwas Fleisch, Chutney und Gemuese, und das alles fuer ein, zwei Euros. Dazu das
gute srilankische Ginger Beer.

Das Essen ist wie ein Buffet angerichtet, man bedient sich selbst. Sri Lanker essen normalerweise mit den Fingern der rechten Hand. Man verknetet den Reis mit den anderen Sachen zu kleinen Haeppchen, die man dann gekonnt und ohne dass man was verliert in den Mund steckt. Wir als Auslaender kriegen Loeffel und Gabel, man isst mit dem Loeffel und schiebt mit der Gabel.

KANDY liegt auf 500 m Hoehe inmitten von steilen gruenen Bergen an einem grossen See, sehr malerisch. Die Innenstadt ist voller alter Laeden, die mich an meinen Kinder-Kaufladen erinnern. Es gibt viele Antiquitaeten- und Edelsteingeschaefte, Restaurants und Hotels. Aber die Hauptattraktion ist der Buddha-Zahn-Tempel. Es ist schon dunkel, als Laki die sehr steile, gewundene Strasse hinauf zum guesthouse "Nature Walk" faehrt.


Der freundliche Besitzer, Sarath, hatte frueher ein Hotel in Tangalle an der Suedkueste, das vom Tsunami zerstoert wurde. Mit einem Regierungskredit baute er dann dieses neue Gaestehaus in den Bergen. Erst am fruehen Morgen sehen wir, wie schoen der Blick von unserer Terrasse auf die Berge ist. Auf den Stromleitungen turnen graue Eichhoernchen und auf den Baeumen und Daechern nebenan eine Horde von Affen. Die Pension ist makellos sauber, und zum Fruehstueck gibt es leckere hoppers, srilankissche schalenfoermige Reispfannkuchen mit Curry. Uebernachtung und Fruehstueck kosten 20 Euros, das Logis und Essen des Fahrers zahlt die Regierung.

Am naechsten Morgen fahren wir frueh weiter nach SIGIRIYA in der Ebene noerdlich von Kandy. Alles ist saftig gruen, Waelder,Reisfelder Gaerten und die Pfefferplantagen, wo die Pfefferplanzen, ein Schlinggewaechs, sich um die Staemme von Baeumen winden. (Die Pfefferkoerner wachsen wie Johannisbeeren an einer Rispe. Wenn sie reifen, werden sie rot. Erntet man sie dann, waescht sie in Wasser und laesst sie trocknen, werden sie weiss. Laesst man sie an der Pflanze trocknen, werden sie schwarz. Gruener, weisser, roter und schwarzer Pfeffer kommen also alle von derselben Pflanze.) Die Strasse ist eine Allee mit uralten Baeumen, deren Kronen einen Tunnel bilden.

Sigiriya ist ein massiver Felsblock (der Pfropf von einem inzwischen erloschenen Vulkan)aus ockerfarbenem Stein, der 200 m aus der gruenen Ebene aufragt. Es war schon um 300 v.Ch. eine buddhistische Einsiedelei, wurde dann im 5. Jh. n.Ch. eine Festung mit koeniglichem Palast auf dem obersten Plateau und weitlaeufigen und kunstvollen symmetrischen Wasser- und Felsengaerten um den Fuss des Monolithen herum, die noch erhalten sind, samt Fontaenen, die in der Regenzeit noch funktionieren.

Der Aufstieg ist sehr steil, ueber eine Eisenkonstruktion an der Aussenseite der senkrechten oder sogar ueberhaengenden Felswand. Guckt man hinunter, kriegt man ein mulmiges Gefuehl - nichts fuer nicht Schwindelfreie. Auf halber Hoehe hat man in einer geschuetzten Gallerie schoene alte Fresken mit vollbusigen Frauen entdeckt. Ganz oben hat sich der Koenig einen
riesigen swimming pool bauen lassen, 21x27 m gross, mit praechtigem Rundblick auf die Ebene mit ihren Waeldern, Plantagen, Reisfeldern und Bewaesserungsteichen, in denen Elefanten baden. Ueberall in dem Felsen befinden sich kleine Nischen fuer das gigantische Bambusgeruest, ueber das die Leute den Felsen hinaufkletterten und auch den Koenig tragen mussten.

Dann fahren wir ueber Dambulla und Matale wieder zurueck Richtung Kandy. DAMBULLA ist beruehmt fuer seinen buddhistischen Felsentempel. Die fuenf Hoehlen voller Buddha-Statuen wurden mit der Hand in den Granit gehauen, sowohl die Hoehlen selbst als auch jede einzelne der vielen Figuren. Die Hoehlen strahlen eine sehr starke Energie voller Frieden und Ruhe aus, es ist, als befaende man sich in einem buddha field. Die Decken sind bis in den letzten Winkel mit bunten Lotussymbolen bemalt.

In Sri Lanka sind viele der Buddhas in liegender Stellung dargestellt und sehr gross, 10 m und mehr. In der Naehe der Schreine findet man auch immer die schoenen, weissen Dagobas (Stupa), Wahrzeichen Sri Lankas.

In Kandy wandern wir mit Janika, dem Hotelkoch, durch den tollen BotanischenGarten mit der Coco-de-mer-Allee, den Gewuerzgaerten, den riesigen schiefen Araukarien und Kauri-Baeumen, Orchideen, der Palmensammlung, den Seerosenteichen, Affenhorden und tausenden von gigantischen Fledermaeusen (fruit bats), die wie Saecke in den Wipfeln haengen. Der Park ist voller Menschen, die hier ihren Sonntagmorgenspaziergang machen, und hier und da sieht man auch Brautpaare mit ihren Fotografen. Am Hochzeitstag ist die Braut in Weiss gekleidet, am Tag danach in Rot.

Dann essen wir im Restaurant des Parks Reis und Curry, und Janika bestellt uns ein Wattalapam- Dessert, er meint, das muessten wir unbedingt probieren. Und er hat Recht: es ist himmlisch! Frisch aus dem Ofen, eine Art pudin mallorquin, aber aus Kokosmilch, Eiern, Kardamom und jaggery (Palmzucker).

Am Spaetnachmittag sehen wir uns Kandy-Taenze an, bei denen die Taenzer wie Derwische im Kreis herumwirbeln und Flipflops machen, Feuer schlucken und barfuss ueber gluehende Kohlen laufen.

Bevor wir am naechsten Morgen weiterfahren nach Nuwara Eliya, besuchen wir noch den Buddha-Zahn-Tempel. Es regnet in Stroemen. 1998 zuendeten die Tamil Tigers neben dem Eingang eine 250kg-Bombe, die sehr viel Schaden anrichtete. Deshalb muessen wir durch zwei Kontrollen mit Taschendurchsuchung und Leibesvisitation.

Der Tempel am See, einst Teil des koeniglichen Palastkomplexes, ist fuer Sri Lanker sehr wichtig und voller gutgekleideter Menschen, sogar zu dieser fruehen Stunde. Sie stehen in langer Reihe, um einen sekundenlangen Blick auf das silberne stupafoermige Gefaess zu werfen, in dem der Buddhazahn eingeschlossen ist. Er wurde aus Buddhas Verbrennungsscheiterhaufen gerettet und unter dramatischen Umstaenden nach Sri Lanka gebracht. Jetzt liegt er in diesen matrjoschkaaehnlichen sechs Gefaessen wie in einer Zwiebel mit sechs Haeuten.

Wir fahren hoeher in die Berge, nach NUWARA ELIYA auf 2000m. Das Panorama muss toll sein, aber leider sehen wir fast nichts davon, alles ist wolkenverhangen.Erst kurz vor unserem Ziel sind wir endlich aus den Wolken heraus und koennen die Landschaft voller Teeplantagen und terrassierter Gemuesegaerten bewundern. Es ist sehr kuehl hier oben, die Leute tragen Anoraks ueber ihren Sarongs und Saris und Wollmuetzen auf den Koepfen.

Tee ist eins der Hauptexporterzeugnisse von Sri Lanka, und er wird in den Highlands angebaut, seit die Kaffeebuesche alle an einer Krankheit eingingen. Die meist tamilischen und weiblichen Teepfluecker pfluecken immer nur die obersten zwei hellgruenen Blaettchen von einem Busch, eine anstrengende Arbeit auf diesem steilen Terrain.

Nuwara Eliya wird auch Little London genannt wegen des kuehlen, nebligen Klimas. Frueher war der Ort eine britische hill station, und auch heute noch gibt es viele englische Villen und Gaerten, einen Golfplatz und eine Pferderennbahn. Aber ansonsten ist die Stadt ziemlich unansehnlich mit ihren grauen, leicht vergammelten Betonhaeusern und vielen Bettlern. Aber der mittelalterliche Basar ist ein Ort wie aus 1001 Nacht. Skip kauft eine Flasche Arak (Palmschnaps), um ihn zu probieren,aber das ist ein so scheussliches Getraenk, dass wir es im Hotel zuruecklassen.

Am naechsten Tag nehmen wir den Zug nach ELLA. Er soll um 9.30 abfahren, kommt aber erst vier Stunden spaeter aus Colombo an. Laki hat uns Fahrscheine erster Klasse besorgt, damit wir im observation-Wagen am Ende des Zuges sitzen koennen, und springt hinein noch bevor der Zug haelt, um uns gute Plaetze zu sichern. Aber die Scheiben sind klein, wir sitzen mit dem Ruecken zur Fahrtrichtung und haben ein aelteres irisches Ehepaar mit zwei unleidlichen Kindern vor uns, die sich mit Obst bewerfen und keine Sekunde stillsitzen koennen.

Bis Ella ist es nicht weit, aber es liegt 900 m tiefer als Nuwara Eliya. Der Zug muss durch 43 Tunnel, Berge rauf, Berge runter, einmal muss er sogar eine Schleife um den ganzen Berg herumfahren, nur um 30 m tiefer zu kommen. Die Ausblicke sind atemberaubend, die Abhaenge fast senkrecht, nur Zentimeter von den Gleisen entfernt. Die Wagen ruckeln und zuckeln und schaukeln wie wild.

Es wird wieder merklich waermer, als wir uns Ella naehern. Nach dreieinhalb Stunden holt uns Laki am Bahnhof ab und faehrt zum Guesthouse an einem steilen Hang. Erst am Morgen sehen wir bei Sonnenaufgang, wie grandios der Blick auf die bergige Landschaft ist. Wir wandern ueber alte gepflasterte Pfade hinauf zum Little Adam's Peak, durch Teeplantagen aehnlich wie durch Weinberge. Die Teebuesche werden auf etwa einen Meter zurueckgeschnitten. Hier und da stehen Zypressen und Terpentinbaeume, um etwas Schatten zu spenden. Inmitten der Plantagen befinden sich auch die einfachen Haeuschen der Teepfluecker, die uns freundlich zuwinken. Jeder pflueckt pro Tag drei 6-8kg-Saecke voller Teeblaetter, etwa 2000 pickings, und verdient damit nicht mal 50 cents. Die Plantage sorgt allerdings fuer Unterkunft, Verpflegung, Schulbildung und medizinische Versorgung. Ein paar Kinder betteln um Geld und Kugelschreiber und wollen unbedingt fotografiert werden.

Danach fahren wir durch den Ella Gap hinunter in die Ebene. Es wird wieder heiss, statt Tee und Nadelbaeumen gibt es wieder Palmen, Bananenstauden, Mangos und Reisfelder. Ein- Meter- lange Warana ueberqueren die Strasse und machen in der Mitte Halt, um uns zu beobachten.

BUDURUWAGALA, unser naechstes Ziel, liegt schon im Yala Nationalpark. Die riesigen Baeume stehen bis zu den Kronen im Wasser, in dem Krokodile lauern, bunte Voegel schwirren von Ast zu Ast. Als wir in Buduruwagala ankommen, sind wir die einzigen Touristen. Zusammen mit einem Ranger laufen wir einen Pfad entlang, er zeigt uns einige Termitenhuegel und meint, das seien die Lieblingsbehausungen fuer Kobras. Schliesslich kommen wir in eine Lichtung, und da sehen wir die riesige glatte Felswand mit dem 15m-hohen Dipankara-Buddha-Relief, umgeben von 6 weiteren Figuren. Nur ein Moench in orangeroter Robe ist noch da, sonst ist der Ort leer und magisch. In Vollmondnaechten veranstalten die vier Moenche, die hier leben, puja-Zeremonien. Schade, dass wir dann nicht hier sein koennen.

Dann geht es weiter nach Tissamaharama. Und wieder kreuzen Warana unsern Weg, Laki faehrt vorsichtig und fasziniert um sie alle herum. In den Suempfen und gefluteten Reisfeldern stehen graue Wasserbueffel bis zum Bauch im Wasser, immer in Gesellschaft von weissen Reihern, denen es auch auf den Bueffelruecken gut gefaellt. Die Strasse ist leer, die Landschaft weit und ruhid und vor Hitze flirrend. Die Fluesse sind vollstaendig von blauen und rosa Seerosen und weissen und rosa Lotusblueten bedeckt. Laki dreht die singhalesische Musik auf Hochtouren und hopst gluecklich auf seinem Sitz herum.  Am Strassenrand Staende voller Obst und Gemuese und Stapel von leckerem Bueffelyogurt in flachen Tonschalen.

Nachdem wir in Tissamaharama im Hotel eingecheckt haben, fahren wir nach Kataragama. Dort liegen in einem riesengrossen Park voller huebscher silbergrauer Affen, Kuehe, Bueffel und Tempelelefanten buddhistische und Hinduschreine und eine Moschee. Es ist ein heiliger Ort fuer alle drei Religionen und voller weissgekleideter Menschen, die Lotusblueten und Schalen voller Obst als Opfergaben darbringen und vor den Schreinen pujas abhalten.

Auf dem Rueckweg nach Galle sehen wir uns in Dondra Head an der Suedkueste den Leuchtturm an, der uns so lange den Weg gewiesenhat.Er ist erst vor ein paar Tagen nach der Renovierung wieder geoeffnet worden. Wir duerfen als Erste sogar den Schalter fuer das Leuchtfeuer betaetigen, eine besondere Ehre. Was fuer ein Jammer, dass man in Europa jetzt alle Leuchttuerme stilllegen will!

Unsere letzten Tage in Galle verbringen wir damit, das Material fuer die website zu updaten, Proviant und Wasser zu bunkern und das Schiff auf die 1400-Seemeilen-Reise nach Salalah in Oman vorbzubereiten. Wir werden alleine fahren, denn Werner hat beschlossen, wieder nach Mallorca zurueckzufliegen.

Mike von Mike Yacht Service ist uns eine grosse Hilfe, er liefert Wasser und Waren ans Schiff (die Hochsicherheitszone ist nicht fuer viele zugaenglich), laesst uns bei sich zuhause an unserem Computer arbeiten (der mit der Schiffsbatterie nicht funktioniert) und seine broad-band internet-connection benutzen. Er gibt uns sehr gute Tipps fuer die Reise ins Land, leiht uns seinen Reisefuehrer, gibt bereitwillig Auskunft ueber Preise und gute Geschaefte - ein immer freundlicher und ehrlicher Mensch.
 


F a h r t  v o n G A L L E , S R I L A N K A to S A L A L A H , O M A N



Vor unserer Abfahrt von Galle am 5. Februar haben wir entschieden, nicht nach Cochin and der indischen Suedwestkueste zu segeln, wie eigentlich geplant. Die Zeit wird ein bisschen knapp und die Strecke waere ziemlich rau. Wir muessen auf jeden Fall vor Mitte Maerz durch den Golf von Aden, da danach der Wind von NO auf SW dreht und damit die Passage fuer unser Schiff unmoeglich macht.


Also nehmen wir direkt Kurs auf Salalah, Oman, eine 1700 Seemeilen-Reise, nur wenig kuerzer als die Atlantik-Ueberquerung von den Kapverden nach Barbados. Zuerst fahren wir von Galle leicht nordwestlich in Richtung des 8-Grad-Kanals zwischen den Malediven und den Lakkadiven (Indien). Das Wetter ist sonnig und warm, die See ruhig, und die NNO-Brise so leicht, dass wir motorsegeln muessen.
Die ersten 60 Meilen sind wir noch im Windschatten Sri Lankas und kommen nur langsam voran. Aber dann erwischen wir den Wind, der durch die Palk-Strait zwischen Indien und Sri Lanka weht und segeln 170 Seemeilen in 24 Stunden. Danach geraten wir in Indiens Windschatten, und der NNO-Wind flaut wieder merklich ab.

Nach unserem Trip von Phuket nach Galle dachten wir, wir wuerden ebenso rasch von Galle nach Oman kommen und haben deshalb einen Stopp in Uligan , einer idyllischen, abgelegenen Insel im Thiladhunmathee-Atoll der noerdlichen Malediven ins Auge gefasst, aber als wir nur wenige Meilen von Uligan entfernt sind, ist es schon dunkel. Es ist zu gefaehrlich, ins Atoll hineinzufahren, und wir beschliessen, nicht beizudrehen bis zum naechsten Morgen und 12 Stunden Zeit zu verlieren, sondern weiterzufahren nach Salalah.

Wir segeln durchschnittlich 110-120 Meilen am Tag. Manchmal flaut der Wind komplett ab, er ist sehr wechselhaft, nicht der stetige kraeftige Monsunwind den wir zu dieser Jahreszeit und in dieser Gegend erwartet haben. Da unser Schiff so schwer ist (22 t), brauchen wir eine einen guten Wind um vorwaertszukommen, 15-20 Knoten sind ideal. Es ist weiterhin sonnig und warm , die See ruhig.  Es gibt wenig Verkehr, ein Segelboot oder einen Frachter pro Tag. Danach nichts mehr. Diese Ecke scheint weit ab von allem. Wir sehen keine Flugzeuge mehr, keine Satelliten. Alles ist ruhig, friedlich, angenehm. Skip und ich wechseln uns alle drei Stunden mit den Wachen und dem Steuern ab. Um Treibstoff zu sparen, schalten wir den Autopilot nicht ein.

Am Anfang machen uns die Flauten Sorgen. Wir wissen nicht, wie lange sie dauern werden und ueberlegen, ob es besser ist, sie auszusitzen oder auszufahren. In unseren Tanks sind 420 Liter Diesel, in den acht Kanistern nochmal 160. Wir koennen damit knapp 600 Meilen fahren, das bedeutet, dass wir mindestens 1100 segeln muessen. Ausserdem besteht auch immer das Risiko eines Notfalls, fuer den wir gewappnet sein und genuegend Treibstoff vorraetig haben muessen.

Wie ueblich sind wir am zweiten Tag ziemlich erschoepft, aber dann gewoehnen wir uns wieder an den Rhythmus. Die See ist so ruhig, dass wir jeden Tag kochen koennen. Wir haben jede Menge Vorraete an gutem srilankischem Schweizer Kaese, ungesalzenen und frisch geroesteten Cashews, Gemuese, Papayas, Ananas, Mangos und den phantastischen Wassermelonen.

In den ersten Tagen sehen wir keine Voegel mehr, nicht mal Fische - sehr seltsam, sogar im riesigen Pazifik sieht man immer Voegel! Ab und zu weht eine Brise mit heisser Luft heran und mit dem Geruch nach Frangipanis oder Rauch oder modrigem Holz. Oder, wenn der Wind mehr aus noerdlicher Richtung kommt, kalte Himalayaluft. Orion steht am spaeteren Abend direkt ueber uns, aufrecht und nicht mehr auf dem Kopf wie auf der Suedhalbkugel. Wir sehen den Nordstern wieder, und den grossen Wagen. Der Himmel ist uebersaet mit sehr hellen Sternen - bis der Vollmond sie alle erblassen laesst.

Eines Tages kommt ein Frachtschiff mit einer riesigen Bugwelle vorbei, in der sich ein Schwarm von Delphinen tummelt. Sie springen meterhoch aus dem Wasser, ein wunderbares Schauspiel! Danach sehen wir auch wieder fliegende Fische, tausende. Sie fliegen wie Silberpfeile ueber sehr lange Strecken. Nachts landen sie auf dem Deck, und morgens finden wir sie sogar unter Deck - sie sind durch die offenen Luken hereingeflogen. Alles ist voller Fischschuppen. Fruehmorgens ist es oft sehr bewoelkt, und es sieht aus, als ob es gleich anfnagen wuerde zu regnen, aber wenn die Sonne aufgeht, loesen sich die Wolken in nichts auf.

Nach dem 8-Grad-Kanal geraten wir in einen starken westlichen Strom und befuerchten schon, dass wir mit ihm und dem NNO-Wind an die somalische Kueste getrieben werden , aber schliesslich dreht der Strom nach NNO und der Wind nach NO, so dass wir direkten Kurs auf Salalah nehmen koennen. Die Stroeme im nordindischen Ozean sind kompliziert. Der vorherrschende Richtung im Winter ist westlich. Aber im Februar und Maerz beginnt im oestlichen Teil der suedarabischen Kueste eine kreisfoermige, nach NO gerichtete Stroemung im Uhrzeigersinn. Sie schiebt einen manchmal so weit nach Westen, dass wir staendig unseren Kompasskurs korrigieren muessen, der bis zu 20º und mehr vom GPS-Kurs (true course) abweicht.

Am Donnerstag, d. 12. Februar, haben wir die Haelfte des Wegs geschafft, das ist immer ein gutes Gefuehl. Wir haben nicht allzuviel Treibstoff verbraucht, wir machen immer noch 110 Seemeilen am Tag, nicht sehr viel, aber OK. Und wir haben festgestellt, dass immer fruehmorgens der Wind abflaut, aber am Nachmittag dann wieder aufkommt, so dass wir uns in der Hinsicht keine Sorgen mehr machen.

Jetzt sehen wir auch wieder Voegel, erst ein, zwei, dann immer mehr, je naeher wir der Arabischen Halbinsel kommen. Fliegende Fische gibt es in Huelle und Fuelle, hunderte von Delphinen spielen um unser Schiff herum, springen hoch aus dem Wasser, drehen sich in der Luft und machen die tollsten Kunststuecke, und oft sehen wir Flossen und Wasserfontaenen von Finwalen. Bambusstaemme schwimmen im Wasser, ab und zu sehen wir in der Ferne ein Frachtschiff, aber keine Fischerboote.  Die Sonnenauf- und -untergaenge sind toll, die Sonne eine grosse tiefrote Kugel am Horizont. Es gibt keine green flashes wie in der Karibik, denn die Luft ist voller Sand- und Schmutzpartikel - Indien und Mumbai sind nicht weit! Je weiter noerdlich wir kommen,
umso kuehler werden die Naechte. Ueber unseren Sweatshirts und langen Hosen tragen wir unsere Schlechtwetteranzuege, sogar Socken und Schuhe und Wollmuetzen. Manchmal vermeinen wir, die Lichter von Schiffen am Horizont zu erkennen, aber es ist die Biolumineszenz im Wasser, die von den grossen Placken von Plankton herruehrt, die ueberall im Wasser treiben -sie glueht
manchmal so stark, dass man in ihrem Licht Zeitung lesen koennte.

Etwa 200 Seemeilen vor der omanischen Kueste aendert ein grosses Cargoschiff ("Netherland"), das gerade in Richtung Persischem Golf aus dem Sicherheitskorridor herauskommt, seinen Kurs, um uns achtern zu ueberholen. Wir kontaktieren ihn ueber VHF und danken ihm (ein Riese, der einem Zwerg aus dem Weg geht!) und schwaetzen ein bisschen. Er meint, wir sollten uns nicht allzuviel Sorgen wegen der Piraten machen, Kriegsschiffe der EU, USA, Russlands, Indiens, Chinas, Japans und Malaysias patrouillierten staendig durch die gesamte Gegend. Neue Zwischenfaelle gaebe es nur suedlich von Suqutra nahe der somalischen Kueste. Der Kapitaen fragt, ob wir irgendwas brauchen. Skip lacht und sagt,'Eine Flasche gekuehlten Champagner!' Aber Alkohol haben sie nicht an Bord, sorry, und wir fragen uns, wie sie ihn wohl zu uns heruebergeschafft haetten? Dann wuenscht er uns eine sichere Fahrt.

Am naechsten Morgen kommt uns ein anderes Cargoschiff entgegen, volle Pulle. Skip ruft ihn ueber Funkt und fragt ihn, wie er uns ueberholen will. 'Am Bug!' In Windeseile muessen wir das Schiff herumreissen, machen eine Patenthalse (jybe) und vermeiden so einen Zusammenstoss. Das Ungetuem faehrt gefaehrlich nahe an unserm Bug vorbei. Spaeter am Tag haben wir unsere erste Begegnung mit einem Kriegsschiff, einem amerikanischen. Sie fragen uns nach unseren Daten (Name des Schiffs, Nationalitaet, wo registriert?, Name des Kapitaens, Anzahl der Crew, woher/wohin, etc.), geben uns aber keinerlei Information ueber die Piratensituation ausser 'Es ist ueberall sehr gefaehrlich!' Das ist sehr troestlich zu wissen.

Die schleimige, gruengelbliche Biomasse im Wasser wird immer dichter. Wenn die Ragnar nachts durchs Wasser pfluegt, glitzert die Bugwelle silbergruen, und die Wellenkaemme strahlen wie fluessiges Silber. Das Fahrwasser sieht aus wie ein gruenlich-silberner Kometenschweif. In der glatten Wasseroberflaeche spiegelt sich der Sternenhimmel. Tagsueber, wenn die Sonne in einem bestimmten Winkel auf das Plankton trifft, blitzen grelle Lichter auf, die mich in ihrer Anordnung und Intensitaet an die Scheinwerfer einer Landebahn erinnern. Das Plankton ist natuerlich eine saftige Weide fuer die Wale, von denen es hier wimmelt.

Auf den letzten 150 Seemeilen ist absolute Flaute, das Wasser ist wie Oel. Wir motoren bis Mina Raysut, dem Hafen von Salalah, und kommen dort fruehmorgens am Freitag, d. 20 Februar, an. Normalerweise ist Freitag kein guter Tag fuer die Ankunft in einem muslimischen Hafen, aber als wir um 6.30 die Hafenbehoerde ueber Funk rufen, antworten sie sofort und lenken uns in die Ecke, die fuer Yachten reserviert ist (der Hafen ist sehr gross und hauptsaechlich Marinebasis und Containerhafen).

 


O M A N


S A L A L A H / Mina Raysut

16º 56.16 N 54º 00.36 O


Etwa 40 Yachten draengeln sich hier auf engstem Raum, und es ist schwer, noch einen Platz fuer uns zu finden. Wir ankern, sind aber nicht zufrieden, weil wir nicht genug Platz um uns herum haben. Skip kontaktiert die Hafenbehoerde und fragt, ob wir zusaetzlich noch an der Kaimauer festmachen koennen. 'Kein Problem, macht das!' Skip paddelt mit zwei Leinen an die Mauer und
macht sie fest, als jemand ueber VHF sagt, 'Nicht an der Mauer! An den Felsen!' Also die Leinen wieder einholen. Die Felsen sind weiter weg, die Ankerkette ist nicht lang genug, wir muessen neu ankern, zwei Dinghys helfen uns, das Schiff zur Seite zu  bugsieren. Skip paddelt mit den Leinen zu den Felsen und macht die Taue fest, was nicht einfach ist. Nach zwei Stunden harter
Arbeit haben wir Ragnar endlich sicher vertaeut und paddeln an Land, um einzuklarieren. Die Zoll- und Immigrationsbueros sind eine Meile entfernt, und es ist gluehend heiss. Gluecklicherweise kommt gerade ein netter Zollbeamter am Dock vorbei und faehrt uns mit seinem Van dahin.

Nach den gruenen tropischen Inseln erscheint uns Oman wie eine Mondlandschaft. Die massive Bergkette, die sich die ganze suedarabische Kueste entlangzieht, besteht aus der Ferne gesehen nur aus Felsen ohne jegliche Vegetation. Rotbraun und schwarz ragt sie ueber 1000 m steil aus der weissen und braunen Kuestenebene auf.

Da der Handelshafen 15 km von Salalah entfernt ist und es keine oeffentlichen Transportmittel gibt, brauchen wir ein Leihauto. Aber wir haben wieder mal Glueck: am Dock steht Mohamed, der noch einen Wagen zur Verfuegung hat. Er gibt uns ohne weiteren Papierkrieg einfach die Schluessel. Nachdem wir durch die Sicherheitssperre sind, fahren wir ueber die Stadtautobahn entlang dem Meer in die Stadt. Wir ueberholen LKWs voller Ziegen und Kamele, die die Strasse entlang wandern und in den Duenen weiden.

Salalah liegt in der weiten staubigen Ebene, mit 170 000 Einwohnern Omans zweitgroesste Stadt. Es scheint eine einzige riesige Baustelle zu sein, mit breiten Boulevards und einer Unzahl an neuen Gebaeuden, die ueberall wie Pilze aus dem Sand schiessen. Oman (ca. 2 Millionen Einwohner) wird seit 1970 von Sultan Qaboos regiert, einem sehr beliebten volksnahen Herrscher, der Versprechen haelt und das Land behutsam modernisiert. Als er auf den Thron kam, gab es im ganzen Land nur zwei Volksschulen (keine anderen), zwei Krankenhaeuser und 10 km asphaltierte Strasse. Jetzt gibt es ein riesiges Strassennetz; Elektrizitaet, eine Schule, eine Moschee und ein Krankenhaus sogar im abgelegensten Beduinendorf (in Shisr nahe der Rub al Khali-Wueste sehen wir eine grosse moderne Schule, in der 15 Schueler von 9 Lehrern unterrichtet werden!). Der Sultan beendete den Buergerkrieg und befriedete das Land. Es hat eine sehr niedrige Verbrechensrate, gut ausgebildete Arbeitskraefte, keine Arbeitslosigkeit. Der Bedarf an auslaendischen Experten ist gering.

Da Oman im Gegensatz zu anderen arabischen Laendern nur geringe Oelvorkommen hat, hat der Sultan intensiv in Erziehung, Schulen, und Universitaeten investiert; ausserdem in landwirtschaftliche Projekte, um das Land autark zu machen, und in Hotels, Marinas und Ferienhaeuser fuer Touristen.

Entlang dem Meer befindet sich die kleine Altstadt von Salalah, Hafah, ein Labyrinth von aelteren Haeusern und Strassen, von denen jede auf bestimmte Dinge spezialisiert ist. In einer gibt es nur Geschaefte fuer Herrenkleidung, in einer anderen fuer Damenkleidung, in anderen fuer Suessigkeiten, Handys, Haushaltwaen, Schmuck etc. Es ist einfach, hier einzukaufen, aber man hat
die Qual der Wahl, die Anzahl der Geschaefte ist riesig.

In den grossen neuen Teilen der Stadt gibt es gut ausgestattete Supermaerkte, Einkaufszentren, einen weitlaeufigen hygienischen Fisch-, Obst- und Gemuesemarkt, viele neue Moscheen, ein neues Fussballstadion (Omanis sind begeisterte Fussballfans), ein futuristisches Messegebaeude und Theater, Luxushotels, Universitaeten. Manche Strassen sind Palmenalleen, es gibt ein paar schoene Gaerten, aber die meisten Haeuser stehen einfach im Sand, ohne Gruen herum.  Man sieht auf den breiten Strassen wenig Menschen. Es ist zu heiss zum Laufen,jeder faehrt in einem neuen, klimatisierten Van herum. Praktisch alle Frauen tragen die schwarze Abeyya und sind von Kopf bis Fuss verhuellt, man sieht nur die Augen.

Zwischen dem alten und neuen Teil der Stadt, um den Sommerpalast de Sultans am Strand herum und auch an der Peripherie gibt es ausgedehnte Plantagen von Kokos- und Dattelpalmen, Bananen, Papayas und Gemuese. Sobald der Boden bewaessert wird, spriesst es wie toll. Insgesamt macht Salalah einen sehr wohlhabenden Eindruck, alles ist gut organisiert, sauber und ordentlich. Und die Leute sind sehr freundlich.

Im Hafen treffen wir unser Ex-Crewmitglied Gregor, der jetzt auf einer anderen Yacht faehrt. Er hat einen Ausflug in die Wueste organisiert und fragt, ob wir uns anschliessen wollen. Am naechsten Morgen fahren wir mit den 4WD-Vans hoch in die Berge und sehen, dass sie nicht oede, sondern voller Pflanzen sind. Unser Fahrer und Guide Mohamed erklaert, dass die gesamte Kuestenregion zwischen Juni und September gruen wird. Es ist die Regenzeit hier, und die Ebene, die Berge und Wadis (Taeler) verwandeln sich in gruene Weiden und Waelder mit Quellen, Fluessen und Wasserfaellen. Dhofar ist dann ein beliebtes Reiseziel fuer Touristen der anderen arabischen Laender, in denen es zu der Jahreszeit unertraeglich heiss wird (bis 50º und mehr!)

Hinter dem Pass geht es allmaehlich hinunter in die Wueste, die in drei Kategorien eingeteilt wird: die Felsenwueste, in der die Weihrauchbaeume (frankincense) wachsen; die ebene Sandwueste und die Sandduenen.   Wir fahren vom Highway ab in den Wadi Dawkah, ein oedes felsiges ausgetrocknetes Flusstal voller Gazellen und Weihrauch-Baeume. Es sind eigentlich Buesche, die aus den Kalkfelsen wachsen, blattlos und fast leblos sehen sie aus mit ihrer abblaetternden Rinde und den abgebrochenen Aesten. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass sie es waren, die ueber Jahrtausende enormen Reichtum in dieser Gegend schafften.

Weihrauch ist das Harz, das aus der Rinde quillt, nachdem man sie etwas geschaelt hat, und das dann in der Sonne gehaertet wird. Es wird in der Kirche benutzt, aber auch als Parfuem und Medizin fuer allerlei Gebrechen. Dhofar, die Gegend um Salalah, produziert die beste Qualitaet. Im 2. Jh. n. Chr. wurden 3000 Tonnen davon nach Griechenland und Rom exportiert, und zwar von Sumhuram aus, dem heutigen Khor Rori nahe Salalah.

Danach fahren wir weiter hinunter in die ebene Wueste, die so flach wie ein Teller ist, Sand bis zum Horizont. Zuerst ist die Strasse asphaltiert, aber dann eine Piste, ueber die Mohamed mit 100 km/h rast. Wir lassen eine kilometerlange Staubfahne hinter uns. In der Gegend hat man grosse unterirdische Wasservorkommen gefunden, und ist jetzt dabei, Farmen zu gruenden, auf denen Gras/Heu fuer fuer die Kamele , Gemuese und Obst angebaut werden sollen. Es ist schockierend, ploetzlich so ein grasgruenes Feld mitten in der Wueste zusehen! Fast tun einem die Augen weh! Am Horizont sieht man Seen - aber es ist die Spiegelung des Himmels in der aufsteigenden Hitze der Wueste, die wie Wasser aussieht. Die Farbschattierungen des Sands sind faszinierend schoen: ein Kaleidoskop von heliotropblau, ockergelb, braun und schneeweiss, und darueber das intensive Lavendelblau des Himmels.

Auf dem Weg zu den Sandduenen bei Shisr fahren wir durch einen Wadi voller Grastuffs, hoher silbergrauer Sukkulenten mit runden fleischigen Blaettern und golfballgrossen giftigen Melonen. Danach sehen wir die Duenen, die sich berghoch aus der Ebene erheben. Mohamed muss sich sehr konzentrieren, um in dem weichen Sand huegelauf- und ab nicht steckenzubleiben. Wir klettern eine Duene hinauf und verbrennen uns trotz Sandalen fast die Fuesse in dem heissen Sand. Von oben hat man einen atemberaubenden Blick auf die unendlich weite Ebene und den Ozean von Duenen der Rub al Khali-Wueste (Empty Quarter), die sich bis weit in den Yemen und nach Saudi Arabien erstreckt.

Auf dem Weg zurueck machen wir Halt an einem Wuestencamp und essen Kamelfleisch, Huehnchen, Reis, Bohnen und Datteln zu Mittag und trinken dazu mit Kardamom gewuerzten Kaffee.

Am Abend treffen wir den Kapitaen-Leutnant der Fregatte "Rheinland-Pfalz", die in Mina Raysut liegt, um einen Convoy von Handelsschiffen durch den Golf zu begleiten. Heinrich gibt uns die neuen Wegepunkte des Sicherheitskorridors und meint, wir sollten soviel Treibstoff wie moeglich mit auf die Fahrt durch den Golf nehmen, denn wir haetten eine totale Flaute zu erwarten
und muessten wahrscheinlich die mehr als 600 Seemeilen motoren.

Wir kaufen also noch mehr Kanister, bis wir schliesslich 700 Liter Diesel an Bord haben. Der Liter kostet 25 Euro Cents, und die Qualitaet ist die beste, die wir je gesehen haben. Jetzt sind wir gut geruestet fuer's Spiessrutenlaufen durch den Golf, hoffen wir.

Am letzten Tag in Oman fahren wir von Salalah oestlich an der Kueste entlang nach Taqa, Khor Rori (wo wir die Ruinen der alten Weihrauch-Hafenstadt Sumhuram besichtigen) und Mirbat mit seinen riesigen Sandstraenden und ehemals wunderbaren Handelshaeusern, die leider total dem Verfall preisgegeben sind.

Am Mittwoch, d. 25. Februar, fahren wir frueh zu Zoll und Immigration um auszuklarieren, aber der zustaendige Immigrationsbeamte muss zuerst ein Kreuzfahrtschiff abfertigen. Zurueck am Kai erfahren wir von einem Freund, dass wir sowieso erst von der Hafenbehoerde ein Papier brauchen. Wir fahren also den Berg hinauf in das Hafenbuero, bekommen die Besscheinigung, lassen sie dann von der Finanzbehoerde abstempeln und fahren zurueck zu Immigration. Wir haben Glueck, den Beamten diesmal gerade noch zu erwischen, bevor er fruehstuecken geht. Nachdem wir auch beim Zoll ausklariert haben, fahren wir endlich am Mittag ab.
 


S A H L A H - A D E N


Von den vielen Yachten im HAfen haben sich 24 einer Rally-Gruppe angeschlossen, die die ganze Strecke bis Aden, ueber 600 Seemeilen, im 10-Seemeilen-Abstand zur Kueste im Convoy segeln will. Nach reiflicher Ueberlegung entscheiden wir und dagegen. Erstens ist das Fahren im Convoy problematisch, weil man sich dem Langsamsten der Gruppe anpassen muss. Zweitens ist ein grosses Stueck der yemenitischen Kueste alles andere als sicher. Wir wollen dem Rat des Fregattenkapitaens folgen und so schnell wir koennen durch den Korridor fahren, aber nicht direkt suedlich von Salalah auf den Korridor zusteuern, sondern -um Meilen und Treibstoff zu sparen - diagonal auf ihn zufahren.

Am zweiten Tag, Donnerstagmorgen, sehen wir ein Kriegsschiff und rufen es uber VHF. Nachdem wir ihnen unsere Daten durchgegeben haben, informieren wir sie, dass wir entlang dem Nordrand des Korridors fahren wollen. Sie antworten, dass wir jederzeit jemanden ueber VHF erreichen werden koennen. Das beruhigt uns.

Um 11 Uhr sehen wir 5 Schnellboote auf uns zu rasen und denken, 'Oh! Jetzt kommen die Piraten!' Aber es sind nur freundliche Fischer. Am Nachmittag sehen wir um die 30 Fischerboote, die einen Thunfischschwarm verfolgen, der wiederum von einem Delphin-Schwarm gejagt wird. Die Fischerboote rasen abwechselnd an die Spitze der Thunfische und werfen ihre Angeln aus,
die Delphine springen vor Freude ueber die fette Beute meterhoch aus dem Wasser. Das Meer brodelt vor Aktivitaet. Fische, Delphine und Fischerboote verschwinden am Horizont.

Spaeter am Abend, schon im Dunkeln und waehrend meiner Wache, sehe ich wie die Fischerboote mit angeschalteten Lichtern  zurueckkommen. Aber ich sehe auch, wie sich uns zwei Schnellboote ohne Licht und in rasendem Tempo naehern und uns knapp vor unserm Bug kreuzen. Ich kann sie kaum sehen, so schnell sind sie, und kann praktisch nur ihre Benzinfahne riechen.
Waren das vielleicht Piraten?   Spaeter in Aden sprechen wir mit dem Hafenmeister. Er sagt, dass die Fischer alle mit Licht fahren, und dass Boote ohne Licht Piratenboote sind. Er ist ueberzeugt, dass es Piraten waren. Mag wohl sein: wir waren noch nicht im Korridor, aber ein Kriegsschiff war in der Naehe, das mag sie abgeschreckt haben. Oder sie waren nicht an unserem Segelschiff interessiert.

Am Freitag gegen 15 Uhr kontaktiert uns ein britisches Flugzeug, das anscheinend weiss, wer wir sind, und sagt uns, wir sollten wie geplant weiterfahren. Etwas spaeter sehen wir mit Schrecken zwei groessere Fischerboote mit 15-20 Mann an Bord und drei kleineren Booten im Schlepp. Piraten?

Wegen dem dichten Plankton im Wasser muessen wir alle drei bis vier Stunden stoppen und die Seewasser-Filter fuer die Motorkuehlanlage reinigen, die voellig verstopft ist von dem leuchtend-blauen Schleim. Nachts ist es sehr schwierig, zwischen den Lichtern der Handelsschiffe im Korridor und der Biolumineszenz im Wasser zu unterscheiden. Es ist, als fuehre man durch ein Lichtermeer.

Am Samstag raet uns ein Tankerkapitaen, nachts ohne Licht zu fahren, weil wir jetzt in einer sehr gefaehrlichen Zone sind, die etwas westlich von Al Mukalla beginnt und sich 150-200 Seemeilen westlich hinzieht. Diese Zone wird von Handelsschiffen nur nachts und im Convoy durchfahren.  Ohne Licht zu fahren macht uns natuerlich verdaechtig - die Cargoschiffe und Tanker aendern ihren Kurs, um uns aus dem Weg zu gehen,  sie suchen die Gegend mit Scheinwerfern ab und schiessen sogar Leuchtraketen ab, weil sie denken, wir waeren Piraten! Wir sind ziemlich angespannt und nervoes.

Am Sonntagabend in der Daemmerung kommt ein Kriegsschiff in voller Geschwindigkeit auf uns zu. Wir schalten schnell die Dreifarbenlaterne auf dem Mast an, und danach verlangsamt es das Tempo und dreht ab. Wir kontaktieren es ueber Funk. Er meint, wir sollten unsere Positionslichter an Bug und Heck anmachen, damit niemand denkt, dass wir Piraten sind. Er sagt auch, wir sollten bis ungefaehr 80 Seemeilen von Aden im Korridor bleiben, bevor wir Kurs auf Aden nehmen.

Am Montagnachmittag fliegt ein Helikopter, der wohl auch von uns gehoert hat, ueber uns hinweg und informiert uns, dass der Weg nach Aden stoerungsfrei ist und wir nichts befuerchten muessen. Wir sind sehr dankbar dafuer, denn wir sind das einzige Schiff auf der ganzen Strecke. Ueberhaupt waren wir das einzige Segelboot im Korridor.

Am Dienstag, d. 3.Maerz, bei Sonnenaufgang, naehern wir uns dem Aeusseren Hafen von Aden. Damit verlassen wir den letzten Ozean, den wir auf unserer Reise ueberquert haben. Jetzt bleibt uns nur noch das Rote Meer, bevor wir zurueck sind im Mittelmeer!    Um 8.30 ankern wir im Inneren Hafen, nahe dem Prince of Wales Pier. Wir sind sehr erleichtert, es geschafft zu haben!! Wir sind all den Streitkraeften der Koalition sehr dankbar, dass sie uns durch den Golf von Aden begleitet und uns beschuetzt haben. Es war gut zu wissen, dass wir jederzeit in Kontakt mit ihnen sein konnten und uns im Notfall immer jemand zu Hilfe gekommen waere.
 


Y E M E N


A d e n

12º 47.49 N 44º 58.72 O


Das Einklarieren in Aden ist ein kurzer, problemloser Prozess. Danach besuchen wir den freundlichen Hafenmeister, mit dessen Hilfe wir einen Aufpasser fuer die Ragnar fuer die Zeit unserer Reise ins Landesinnere und einen Mechaniker fuer die Reparatur einer Winsch und die Ueberpruefung unseres Motors organisieren.

Auf dem Weg sehen wir hunderte von Maedchen aus der Schule kommen, alle bis auf die Augen mit der schwarzen Abeyya verschleiert, darunter Jeans und Turnschuhe. Sie winken uns zu.

Aden sieht arg runtergekommen aus, ganze Stadtteile liegen noch in Ruinen vom letzten Buergerkrieg, und alles ist mit einem Grauschleier aus Wuestensand bedeckt. Aber es ist trotzdem eine faszinierende Stadt, mit den hohen oeden Bergen ringsum, den spitzen Felsen, den armseligen Huetten an und in den steilen baumlosen Berghaengen, den biligen grauen Betonblocks, den grandiosen Ausblicken auf das Meer und dem turbulenten, bunten Leben in den engen Gassen.

Am ersten Tag jagen wir von Behoerde zu Behoerde, um Visa und Reisegenehmigungen zu beantragen, Genehmigungen fuer's Reparieren zu bekommen, Geld zu wechseln und eine SIMcard fuer's Telefon zu finden, die Winsch in eine Werkstatt zu transportieren, den Mechaniker an Bord zu bringen etc. Nadr vom Post-Kiosk des Prince of Wales Pier und seine maennlichen Verwandten helfen uns mit Taxifahrten, Telefonanrufen, gutem Rat und heissem suessen Tee. Wir sind voellig uebermuedet, uns schwimmt der Kopf von all dem Gerenne, dem Kennenlernen von all den Abdullahs, Ahmeds und Mohameds, und an Land wanken wir noch wie betrunken herum, aber am ersten Tag ist alles schon bestens organisiert und teilweise erledigt.

Am zweiten Tag kommt Basam, der Super-Mechaniker, mit einer Tuete voller Qat-BLaetter als Geschenk. Das ganze Volk kaut nach dem Mittagessen Qat. Ein Beutel kostet 2.50 US$, sehr teuer in einem Land, in dem 45% unter der Armutsgrenze leben und weniger als 2$ pro Tag zur Verfuegung haben. Ausserdem ist es ein Irrsinn, dass 55% des Wassers im Land fuer den Qat-Anbau verbraucht werden.

Wir stopfen uns aus Hoeflichkeit den Mund voll mit hellgruenen Blaettern von der Spitze der Zweige und kauen auch. Der Brei wird in einer Backe deponiert und dann immer mehr Blaetter nachgeschoben und gekaut und gekaut. Der Ball in der Backe wird immer groesser, und es wird immer schwieriger zu kauen, denn man produziert viel gruenen Speichel der die Tendenz hat, einem aus den Mundwinkeln zu fliessen, besonders wenn man sprechen will. Um das zu verhindern, grunzt man mehr als man spricht, und schliesslich sieht man aus, als haette man einen riesigen Tumor im Gesicht. Nach vier Stunden hat die Qual ein Ende, man darf alles ausspucken...

Qat mindert den Appetit und macht die Leute doesig. Im Mund hat man ein taubes Gefuehl wie nach dem Zahnarzt. Wir sind nicht begeistert davon.

Am Abend gehen wir in eine Garkueche an einem grossen Platz am Hafen und essen Chapatis mit Huehnchen. Besteck gibt es nicht, und man darf nur mit der rechten Hand essen, da die linke die schmutzige ist, mit der man sich auf der Toilette waescht statt Klopapier zu benutzen. D.h. man muss mit einer Hand ein Stueck Chapati abbrechen, Fleisch/ Sauce und Gemuese darin einwickeln und dann alles manierlich essen, ohne dass was runterfaellt. Das ist ein Kunststueck! Mit den Fingern zu essen ist mindestens so schwer und muss so geuebt werden wie mit Besteck umzugehen!

Am naechsten Tag fahren wir in die Aden Mall, weil es da ein gutes Internet Café gibt und Lulu's Hypermarket, wo wir sogar Parmesan finden. Der erste Stock der Mall ist zu unserer Verblueffung voller Geschaefte mit eleganten und sexy Abendkleidern, und wir fragen uns, wo die Frauen hier die wohl anziehen? Und finden nach langen Fragen von einer philippinischen Kellnerin heraus: zuhause! Und wann? Zu Hochzeiten! Davon gibt es viele, denn der Kinderreichtum ist enorm, Frauen und Maenner sind ausserhalb der Familien streng voneinander abgeschottet und haben keinerlei Gelegenheit, sich einen Partner zu suchen. Das wird von Heiratsvermittlerinnen uebernommen. Sogar die Hochzeit wird von Maennern und Frauen getrennt gefeiert. Wozu also all diese extravaganten Kleider, fragen wir uns.

Die Aden Mall ist eine Luxus -Mall im Stadtteil Crater, der, wie der Name sagt, im Krater eines erloschenen Vulkans liegt und auch so aussieht. Es ist ein bizarrer Anblick, wie die Maenner vom Land in langen Wickelroecken, karierten Hemden und Jackett, mit zipfligenTurbanen, den Dolch im Guertel, Haendchen haltend und etwas unsicher durch diesen glitzernden Konsumtempel wandern. Die aelteren Maenner faerben sich Bart und Haare hennarot. Aber nicht diese Maenner stehen in der Mall im Zentrum der Aufmerksamkeit, sondern Skip mit seinem Rasta-Zopf ist der Hit, und viele Maenner wollen zusammen mit ihm fotografiert werden.

Am Dienstag, 10. Maerz, fahren wir mit dem Bus nach Sana'a. Die Fahrt hinauf in die Hauptstadt des Yemen kostet 8.50 $ und dauert 8 Stunden. Von Arab Town, dem neuen Stadtteil von Aden auf dem Festland, fahren wir durch die graue Ebene und dann in die Berge. Der Bus ist ein neuer Mercedes, und die Strasse gut. Die Berge sind eine graubraune grandiose Felsenlandschaft, mit Doerfern auf den Bergspitzen, weil sie da besser vor Angriffen feindlicher Staemme und wilder Tiere geschuetzt waren und weil jedes Fitzelchen ebenen Landes fuer die Landwirtschaft genutzt wird.

Entlang der Strasse und besonders in der Naehe von Doerfern tuermt sich der Abfall. Baeume, Buesche und Felder sind uebersaet mit rosa und blauen Plastiktuetenueten, manchmal erscheint es schon karnevalesk. Aber niemand scheint Anstoss an dem Muell zu nehmen.   Viele Berghaenge und Taeler sind kunstvoll terrassiert und sauber gepfluegt und geeggt und warten auf den ersehnten Regen.  In den Doerfern sehen wir Maerkte mit gutem Obst und Gemuese, Gras und Heu fuer die Esel und natuerlich Qat ad libitum. Nach dem Mittagessen in Damt kommen wir nur noch langsam voran, denn jetzt ist Qat-Zeit, und das Land wird schlaefrig. Gegen 17 Uhr kommen wir am Bab al Yemen, dem einzig erhaltenen Tor zur Altstadt Sana'as, an.
 



 S a n a' a

Wir nehmen ein Taxi zum Hotel Da'ud in der Altstadt. Eigentlich ist es nur ein kurzer Weg, aber unsere Tasche ist schwer, wir haben warme Sachen mitgenommen, die Naechte sollen hier oben kalt sein. Das Taxi ist typisch fuer den Yemen, ein Schrotthaufen, rostig, mit losen Stossdaempfern, kaputten Tueren, ohne Spiegel, mit aus den Halterungen haengenden Lampen, innen ausgekleidet mit Teppichstuecken und warmen Lammfellen und voll von 1000 Kinkerlitzchen. Kurz vor'm Hotel wird die Gasse so schmal, dass wir an der Hauswand entlang schrammen, aber das ist eh egal.

Das Hotel ist ein restauriertes towerhouse. Wir muessen 55 steile und unregelmaessig hohe Stufen bis in den 5. Stock hinaufklettern und kommen nur mit Muehe und keuchend oben an. Wir merken, dass wir auf 2400 m sind! Wir haben ein Badezimmer und sogar eine Dusche in der Mitte des kleinen Raums, mit warmem Wasser und genug Druck. Der Boden ist pitschnass wie ueberall hier auf Klos und in Baedern (man kennt ja kein Klopapier und waescht sich mit einem Wasserschlauch). Aber das Zimmer ist sehr gemuetlich, mit grossen Fenstern nach zwei Seiten und einem Blick auf die Altstadt und die hohen Berge ringsum, dass es uns die Sprache verschlaegt! Wir fuehlen uns wie in einem Maerchen von 1001 Nacht!

Schon seit langer Zeit habe ich davon getraeumt, mal nach Sana'a zu reisen - und jetzt sind wir da! Ich kann es kaum fassen. Wir stellen unser Gepaeck ab und schlendern durch die Stadt, die ein einziger grosser Souq ist, der exotischste Ort unserer Reise, anders als alles was wir bisher gesehen haben: 14000 Haeuser aus Adobe und Ziegeln, mit weissen Gipsverzierungen um
Fenster und Tueren, mit Gipsfriesen, bunten Glas- und Alabasterfenstern, kein Haus gleicht dem anderen. Manche stehen auf 2000 Jahre  alten Fundamenten. Jede Gasse ist auf eine Sparte spezialisiert- Guertel, Dolche, sheeshas (Wasserpfeifen), Schals, Kleider, Teppiche, Keramik, Korbwaren, Huelsenfruechte, Rosinen, Datteln, Honig, Musikinstrumente, Kraeuter, Gewuerze, incense, helwa (Suessigkeiten), Schmuck, Silber, Gold- ein Kaleidoskop von Farben und Geruechen. Alles ist voller Menschen - Frauen in schwarzen Abeyyas, Kinder mit Rollern, die Maenner fast alle mit Dolch im goldenen Guertel. Aber es gibt kein Gedraenge, alles ist sehr ruhig. Es gibt nur wenige Touristen. Viele Leute sagen 'marhaban!' zu uns,' welcome', und fragen woher wir kommen.   Die Strassen sind gepflastert, und alles macht einen tadellos sauberen Eindruck. Sana'a ist ein Unesco World Heritage Site und man hat viel Geld und sonstige Hilfe in seine Restaurierung gesteckt.

Abands wird es empfindlich kuehl, und wir essen im Beduinenzelt des Hotels einfach und sehr gut zu Abend. Der Koch macht ein herrliches Fladenbrot , das er erst ueber einem Korb formt und dann gegen die Innenwand eines grossen heissen Topfs klatscht wo er es kurz backt. Es ist etwas knusprig und hauchduenn. Er bringt dazu Huehnchen mit Reis, Hummus aus Kichererbsen,
Auberginenpueré und Gurkensalat und lime juice. Alkohol gibt es im Yemen wie in anderen arabischen Laendern nur in den teuersten Hotels zu astronomischen Preisen.

Gegen 4 Uhr morgens wecken uns die Muezzins , die einer nach dem anderen zum Gebet rufen. Hohe Stimmen, tiefe, einer kraechzt wie ein Rabe, einer ist kurzatmig, ein anderer moduliert gekonnt. Sana'a hat 4 Millionen Einwohner und alle 200m oder so eine Moschee... Wenn alle Muezzins singen, erscheint einem die Stadt wie ein gigantisches Bienenhaus.

Mit Mohamed, dessen Familie das Hotel gehoert, fahren wir in die Umgebung von Sana'a, und zwar zuerst in den Wadi Dahr. Ein Wadi ist ein meist trockenes Flusstal. Wir sehen uns das Dahr-Tal zunaechst vom Hochplateau aus an, von wo es wie ein gruener Canyon aussieht. Dort treffen wir auch Harry Potter, einen etwa 11-jaehrigen yemenitischen Jungen, der ein Sprachgenie ist. Er spricht englisch, deutsch, franzoesisch, italienisch, spanisch und wohl auch japanisch ohne Akzent und nennt sich je nach Sprache Harry Potter, Javier, Konrad Adenauer, Jacques Chirac etc. Die Yemeniten sind fuer ihre Intelligenz beruehmt, man sagt, sie waeren die gescheitesten Araber.

Auf dem Weg hinunter in den Wadi Dahr kaufen wir an einem Stand saftige Birnen und Pflaumen und fahren dann zum Rock Palace, Dar el Hajar. Dort lebte einer der Imane, die einen Teil des Nord-Yemens beherrschten. Der Palast ist ein riesiges faszinierendes Gebauede auf einem Felsensockel, mit tiefen Brunnen, Haremstrakt fuer vier Frauen, wunderbaren Dachterrassen, gemuetlichen Raeumen mit grossen Fenstern und Blick nach allen Seiten, Patios und Springbrunnen. Unten im Hof sehen wir, wie Maenner einen Hochzeits-Dolchtanz auffuehren. Es ist Donnerstag (also wie unser Samstag), und es wimmelt von Schulklassen. Die Lehrerinnen einer Maedchenklasse haben zur besseren Erkennung Baseballkappen ueber ihren schwarzen Abeyyas.

Dann fahren wir nach Thilla in den Haraz-Bergen. Thilla sitzt am Fuss eines grossen Felsblocks, auf dessen Spitze die Ottomanen ein Fort bauten. Es ist eine sehr pittoreske Stadt mit praechtigen alten tower houses, die denen Sana'as aehneln, und einer dicken Stadtmauer mit sieben Toren. Als wir ankommen, folgt uns ein Schwarm von jungen Leuten, die unsere Guides sein oder uns was verkaufen wollen. Als sie sehen, dass wir an keinem von beiden interessiert sind, bleiben sie trotzdem, um sich angeregt mit uns zu unterhalten.
Danach geht's ins naechste Dorf, Shibam, wo wir sehen, wie arm der Yemen ist. Fast die Haelfte der 20 Millionen Yemeniten ist bettelarm. Die Arbeitslosigkeit ist erschreckend, ebenso der Kinderreichtum - die Haelfte der Bevoelkerung ist weniger als 15 Jahre alt. Sana'a ist die am schnellsten wachsende Stadt der Welt. Im Norden des Landes tobt ein Buergerkrieg zwischen den Beduinenstaemmen.  Die Regierung hat die Lage nicht unter Kontrolle, obwohl sie ein Drittel des Staatsbudgets fuer Militaer und Sicherheit ausgibt.  Die Leute sind unzufrieden.
In Shibam essen wir yemenitisch zu Mittag, in einem gemuetlichen und sauberen Restaurant mit riesigem Speisesaal, Sitzkissen entlang den Waenden und niedrigen Tischen. Wir sehen uns die Hoehlenwohnungen in den Felsen an (jetzt nicht mehr bewohnt) und fahren weiter nach Kawkaban, 400 m senkrecht oberhalb von Shibam, eine uneinnehmbare Festung mit einem Dorf. Der Blick von da oben auf die weite Hochebene mit ihren Doerfern tief unten ist wunderbar, aber die Armut des Dorfs bedrueckend.

Unser Guide Mohamed erzaehlt uns, dass er seit einem Jahr verheiratet ist. Seine Mutter hat seine Frau ausgesucht, er hat sie bei der Hochzeit zum erstenmal gesehen und ist mit der Wahl zufrieden. Wir kommen mit Frauen so gut wie nie in Kontakt, sie leben in ihren Familien. In Hotels, Restaurants und Geschaeften arbeiten nur Maenner, man sieht keine Frauen. Schulbildung wird fuer Maedchen als nicht noetig erachtet. Wenn sie ein paar Koransuren lesen koennen, ist das genug. Das war in Oman sehr anders.

Ahmed Al Tayyib von Marib Tours in Sana'a hat uns in Windeseile eine Reise in den Hadramaut organisiert, und am Samstag, dem 14. Maerz fliegen wir nach Sayun im Osten des Landes. Ueber Land kann man nicht dorthin gelangen wegen des Buergerkriegs zwischen einigen Beduinenstaemmen im Norden des Yemen. Wir fliegen zunaechst ueber gigantische Sandduenen und dann ein Hochplateau, dass von unzaehligen Canyons durchzogen ist und von oben aussieht wie ein Gehirn.  Nach einer Stunde sehen wir den gruenen Wadi Hadramaut und landen in Sayun.
 



 Wadi Hadramaut

Sayun ist der Hauptort des Hadramaut -Tals, idyllisch mit den ockerfarbenen Adobe-Hochhaeusern vor den roetlichen und sandfarbenen Felsen der Bergketten und inmitten von gruenen Dattelhainen und Feldern. Wir sehen uns den Beduinenmarkt an und den Sultanspalast und trinken Tee mit Abdulqadr, einem Lehrer, der fliessend BBC-Englisch spricht und Buecher ueber die Geschichte des Hadramaut schreibt. Er hat sich Englisch selber beigebracht, ist nie aus dieser Gegend herausgekommen. Ein beeindruckender Mann.

Unser Hotel ist das Alhawta Hotel, ein Juwel, einfach und sehr geschmackvoll. Nach der groessten Hitze holt uns unser freundlicher Fahrer Abdullah dort wieder ab, und wir fahren nach Shibam, einer 2500 Jahre alten Stadt mit etwa 500 Haeusern aus Adobe auf engstem Raum, die hoechsten acht Stockwerke hoch. Der ganze Ort wirkt duester und trostlos, die Leute sind sehr arm und wenig freundlich, und deswegen begeben wir uns lieber auf die andere Seite des Flussbetts, in dessen Sand hunderte von Jungens Fussball spielen, und klettern auf einen Huegel, von dem aus man einen guten Blick auf das Tal, Shibam und den Sonnenuntergang hat. Abdullah spricht wenig Englisch, bemueht sich aber nach Kraeften, uns Arabisch beizubringen. Wir
bemuehen uns redlich und sind auch ganz erfolgreich und Abdullah stolz wie ein Vater.

Im Hotel sind noch ein paar Franzosen und eine Gruppe Koreaner, mit denen wir spaeter noch etwas zusammensitzen und zu Beduinenmusik mit Floeten, Tambourin und Trommeln tanzen.

Am naechsten Morgen, meinem Geburtstag, fahren wir nach Tarim und Aynat. Wir kommen durch einige Doerfer, die vor vier Monaten vom Regen zerstoert wurden. Es regnete eine Woche lang ununterbrochen, und der Wadi schwoll dermassen an (16 m!), dass er die Haeuser an seinem Ufer mit sich riss. Die anderen, die nicht mit (teurem) Gips wasserdicht gestrichen waren, loesten sich buchstaeblich auf. Wenn man jetzt das wieder trockene Flussbett sieht, kann man sich diese Katastrophe nicht vorstellen.
Tarim ist ein geschaeftiger Ort mit kleinem Markt und freundlichen Menschen. Viele der Bewohner sind in andere Laender emigriert und schicken von dort Geld an ihre Familien, deshalb der bescheidene Wohlstand hier. In einem kleinen Laden lernen wir einen netten alten Beduinen mit charaktervollem Kopf und blauen Augen kennen und trinken zusammen eine Tasse suessen Tee. Gegen Abend wollen wir nochmal auf dem Felsen bei Shibam den Sonnenuntergang angucken, lassen es dann aber sein, weil ich etwas Bauchweh habe und bleiben stattdessen im Hotel.

Gegen 21 Uhr ruft der Hotelmanager an und sagt, in Shibam sei eine Bombe explodiert, auf unserm Huegel, bei Sonnenuntergang.  Drei Koreaner aus unserm Hotel seien getoetet worden und ein Yemeni. Die Regierung habe ein Flugzeug bereitgestellt und wuerde alle Auslaender in der Gegend sofort nach Sana'a ausfliegen. Ob wir auch mitfliegen wollten.

Uns ist, als haette uns der Schlag getroffen. Die Stimmung im Hotel ist gedrueckt, die Koreaner laufen mit verweinten Gesichtern herum, alle sind hektisch am Packen. Ahmed aus Sana'a ruft uns an und ist unendlich erleichtert, dass uns nichts passiert ist.
Das Personal ist entsetzt und schimpft ueber diese Extremisten. Nach einigen Telefonaten zwischen Hotelleitung, Reiseagentur und Regierungsstellen beschliessen wir, unsere Reise wie geplant mit Abdullah nach Al Mukalla an der Kueste fortzusetzen und von da zurueck nach Aden zu fliegen. Allerdings besteht die Regierung darauf, dass uns zwei bewaffnete Soldaten begleiten.
Im Hotel ist es gespenstisch leer, wir sind die einzigen Gaeste, schwer bewacht von Sicherheitspolizei.

Frueh am Morgen kommt uns Abdullah nach unserem einsamen Fruehstueck abholen. Er ist sehr betroffen. Das Attentat trifft ihn sowie das Hotelpersonal auch persoenlich, denn auf absehbare Zeit werden keine Touristen mehr in den Hadramaut kommen.  Alle sind niedergeschlagen und sagen, wie leid ihnen das alles tut und dass wir willkommen sind, dass sie unsere Freunde sind, dass man tolerant sein muss und keine Gewalt anwenden soll und dass sie uns eine sichere Reise wuenschen. Insh'allah! Insh'allah!

Wir klettern in den Van, vorn ein Soldat mit Gewehr und hinten einer. Skip will vom Auto aus eine Beduinin mit Hexenhut, die eine Ziegenherde die Strasse entlang treibt, fotografieren. Sie zueckt ihren Stock und erwischt das Auto, richtet aber keinen Schaden an.

Wir fahren in ein Seitental des Hadramaut, den Wadi Do'an, zuerst nach Al Hajjarayn. Abdullah faehrt ueber das holprige Kopfsteinpflaster ins Dorf hoch, und wir laufen zu Fuss mit unserer bewaffneten Eskorte wieder hinunter. Das Dorf wirkt eher feindselig, obwohl uns einige Leute auch freundlich gruessen. Aber ich fuehle mich hier, wie schon in Shibam, nicht ganz wohl. Die zwei Soldaten sichern die ganze Zeit die Gegend, und wir sind froh, als wir wieder im Auto sind.

Spaeter erfahren wir, dass Al Qaeda das Attentat fuer sich reklamiert hat, weil sie die arabische Halbinsel frei von Touristen haben wollen. Der Koreaner, der fuer seine Regierung die Hintergruende des Anschlags recherchieren sollte, wurde ermordet.

Al Khurabaya, das letzte Dorf im Wadi Do'an ist ein Bilderbuchdorf mit neuen Schulen, neuer Klinik, geteerten Strassen, einem Schwimmbad, vielen restaurierten Haeusern und einem
kunterbunten Palast. Der Geldsegen hier kommt von einem saudischen Geschaeftsmann, dessen Familie ihre Wurzeln in diesem Dorf hat - so wie auch der Bin Laden Clan! (Davon spricht man in dem Dorf aber nicht.) Viele Yemenis aus dem Hadramaut sind nach Saudi-Arabien gegangen, dort reich geworden und unterstuetzen jetzt ihre Heimatdoerfer. Skip meint, er habe einen Mann
auf der Strasse gesehen, der genauso aussah wie Osama Bin Laden...

Vom Wadi Do'an fahren wir ueber eine neue Strasse mit vielen Haarnadelkurven auf's Hochplateau und dann Richtung Al Mukalla im Sueden. Die Gegend ist baumlos, aber voller niedriger aromatischer Pflanzen und Bienenstoecke. Der yemenitische Honig ist beruehmt und sehr teuer und sehr gut - in Sayun haben wir etwas davon gekauft. Und jetzt verstehen wir auch, warum er so teuer ist - es muss eine Menge Arbeit sein, diese Bienenstoecke in der abgelegenen Gegend zu warten.  Wir kommen an den Resten einer Mauer vorbei, die einst die Grenze zwischen dem Nord-Yemen und dem britisch besetzten Sueden bildete.

Die Strasse hinunter nach Al Mukalla ist sehr steil und kurvig und fuehrt durch das Muendungsgebiet des Hadramaut, das mehrere Kilometer breit ist. Die Flut vor vier Monaten hat dort die Bruecken und Strassen weggerissen, und der Verkehr staut sich auf den holprigen Umleitungen. Auch die Strasse vom Flughafen in die Stadt ist teilweise weggerissen worden und jetzt noch
leicht ueberflutet.

Al Mukalla ist staubgrau, am Vermodern und Verfallen, und voller somalischer Fluechtlinge, denen es noch schlechter als den Einheimischen geht. Auf dem Fischmarkt kaufen wir einen frischen Fisch und bringen ihn zu einem Restaurant in der Naehe, wo der Koch ihn salzt, in ein Drahtgestell setzt und in einem Feuerloch backt. Danach bringt er ihn mit Gurkendip und einem
knusprigen wagenradgrossen Fladenbrot an unseren Tisch. Es schmeckt sagenhaft gut! Eine gute Idee, so ein Restaurant! Der Saal ist voller Leute, alles Maenner, ich bin die einzige Frau.

Am naechsten Morgen verabschieden wir uns von Abdullah und fliegen nach Aden. Denken wir. Aber dann merken wir, dass wir nach Osten statt nach Westen fliegen, Richtung omanische Grenze! Und erfahren, dass wir zuerst nach Al Ghaida im Osten und von da zurueck nach Aden fliegen...

Nach Al Mukalla erscheint uns Aden, wo uns Nawas und Mohamed abholen, ein Ort des Wohlstands! Alle sind superfreundlich zu uns, als wir ausklarieren. Die Beamten haben die Backen dick geschwollen von Qat, flaezen sich auf Baenken oder unter'm Tisch auf der Erde und gucken Fussball - was fuer ein Land!

Am Samstag, 21.Maerz, muessen wir noch tanken, bevor wir abfahren nach Eritrea. Erst fahren wir ans fuel dock, dann muss Skip Diesel-Gutscheine kaufen, und erst dann koennen wir tanken. All dieser buerokratische Kram mit Genehmigungen, Gutscheinen etc. ist ein Ueberbleibsel der Sowjets, die ein paar Jahre den sozialistischen suedlichen Teil des Yemen berieten. Nachdem wir
auch die zwoelf 20-l -Kanister gefuellt und dem Tankwart sein Baksheesh gegeben haben, setzen wir endlich mal wieder die Segel (der Wind kommt aus der richtigen Richtung und ist kraeftig genug!) und fahren mit fast 5 Knoten Richtung Bab al Mandeb, das 'Sorgentor' am suedlichen Ende des Roten Meeres. Die yemenitische Kueste ist sehr malerisch mit ihren hohen Bergen und schroffen Felsen in allen Farbnuancen und dem weissen Sand in den Taelern. Es ist sonnig und warm und das Segeln eine Wonne.

Am Sonntagmorgen fahren wir um die Insel Mayun herum ins Rote Meer hinein. Das Gebiet ist Militaergebiet, und es ist nicht ratsam, sich der Insel zu sehr zu naehern, denn man koennte beschossen werden. Dann fahren wir die Westkueste des Yemen hoch, oestlich an Hanish al Kubra vorbei, durch die schmale Passage zwischen den Inseln Jabal al Zuqar und Abu Ali und dann
hinueber auf die afrikanische Seite und in den South Massawa Channel.

Am Montag flaut der Wind immer mehr ab, und wir muessen motorsegeln. Am Mittwochmorgen kaempfen wir im Kanal zwischen Shumma und Assarca gegen einen bis zu 5 Knoten starken Strom an. Wir haben Angst, es nicht zu schaffen und wie so viele andere Yachten auf einem Riff zu landen. Kreuzend und mit dem Motor auf Hochtouren kommen wir schliesslich aus dieser Situation heraus, muessen dann aber noch eine Untiefe umfahren, die auf der Seekarte nicht richtig markiert ist. Die Karten des Roten Meeres basieren alle auf ungenauen Messungen aus dem 19. Jahrhundert, und viele Gebiete sind ueberhaupt noch nie vermessen worden. Vorsichtig fahren wir weiter, immer den Tiefenmesser beobachtend, bis wir zu unserem Schrecken , aber auch unserer Erleichterung in zwei Meter Entfernung eine provisorische Plastikboje entdecken, die jemand auf der nur 1.60m tiefen Stelle montiert hat.

Das Wetter ist inzwischen weniger gut, es ist sehr bewoelkt, es nieselt, das Meer ist rau, und der Wind kommt aus NW. Es ist so diesig, dass wir die Kueste nicht ausmachen koennen, und auch die flachen Inseln in dieser Gegend erst, wenn wir schon kurz davor sind. Schliesslich bekommen wir VHF-Kontakt mit der Hafenmeisterei, die uns erst ans entfernte Ende des Hafens leitet, dann in den inneren Hafen und an den Kai, wo wir am 25.3. gegen 13.30 festmachen.
 



 E R I T R E A


M a s s a w a

15º 36.80 N 39º 28.30 O

Es sind noch 2 amerikanische Yachten in Massawa, die wir schon kennen. Der Kai ist bequem fuer uns, wir koennen leicht hinaufsteigen.Zudem ist das Hafengelaende gut bewacht. Um 16 Uhr kommt Michael, der Hafenmeister, und begleitet uns zu Immigration und Zoll.  Als wir ankommen, wirken der Hafen und die Stadt wie tot, aber als die lange Mittagspause beendet ist (es kann am fruehen Nachmittag bis zu 50º heiss werden), fuellt sich alles mit Leben. Mit Michael geht das Einklarieren schnell. Wir bezahlen die Liegegebuehr von 15$ pro Tag fuer die ersten fuenf Tage. Danach wird es pro Tag nur noch 8$ kosten. Fuer die erste Zahlung muss man Dollar offiziell in Nacfa umtauschen, zum Kurs von 1:15. Auf dem schwarzen Markt ist der Kurs hoeher.

Auf den Hafenbehoerden arbeiten viele Frauen, und wir sind froh, mal wieder unverschleierte Gesichter, Arme und Beine zu sehen. Eritrea ist zur Haelfte muslimisch und (meist) christlich-orthodox und die Muslime nicht so streng wie auf der arabischen Halbinsel. Wir kriegen wie schon im Yemen zunaechst einen shore pass, mit dem man durch die Sperre in die Stadt kann. Danach holen wir uns Visa zu 50$ fuer einen Monat und dann im Tourismusbuero Reisegenehmigungen fuer Asmara. Auch hier wird das Umherreisen streng kontrolliert.

Die Altstadt von Massawa liegt auf einer Insel, die ueber Deiche mit der Taulud-Insel und dem Festland verbunden ist. Massawa war Jahrhunderte lang der bedeutendste Handelshafen Aethiopiens, seine Verbindung mit dem Rest der Welt. Das heutige Eritrea wurde nacheinander von Aegyptern, Tuerken, Italienern und Briten (bis 1952) beherrscht und dann gemaess einer UN-Resolution Aethiopien uebergeben. Die Eritreer fuehlten sich benachteiligt, es bildeten sich Unabhaengigkeitsbewegungen, und ein 30-jaehriger Krieg mit Aethiopien begann.
1993 wurde Eritrea nach einem Referendum zum unabhaengigen Staat und UN-Mitglied. 1998 brach erneut ein 2-jaehriger Krieg mit Aethiopien um ein kleines Stueck Wueste aus, in dem Massawa wochenlang bombardiert wurde. Von diesem Krieg hat sich Massawa bis heute noch nicht erholt.

Die Stadt sieht noch immer wie ein Truemmerfeld aus. Die einst praechtigen Haeuser im ottomanischen und italienischen Stil haben riesige Bombenkrater, die Holzbalkone verrotten, aber trotzdem spuert man noch den Charme dieser Stadt. Inzwischen ist Massawa ein Unesco World Heritage Site, aber das Geld laesst auf sich warten. In den notduerftig renovierten Untergeschossen leben Menschen, befinden sich Cafés und Geschaefte mit dem Allernoetigsten. Die Strassen sind ungeteert und staubig. Es herrschen   Arbeitslosigkeit und Armut, aber trotz alldem ist Massawa ein freundlicher Ort.

Die Eritreer sind stolz auf ihre Unabhaengigkeit. Sie haben sehr wenig Geld, es mangelt an allem, aber sie haben sich vorgenommen, es aus eigener Kraft zu schaffen, langsam und beharrlich.

Gegen Abend, wenn es etwas abkuehlt, beleben sich die Gassen. Die Leute sitzen auf meist kaputten Plastikstuehlen vor den Cafés und unter den Arkaden. Sie kochen vor den Haeusern auf kleinen Holzstoevchen Kaffee, waschen ihre Kinder und die Waesche in Plastikschuesseln und kochen. In den Restaurants gibt es wenig Auswahl, aber die Stimmung ist froehlich. Die meisten Leute gruessen uns und wollen mit uns reden. Oft werden wir gefragt, ob wir nicht ein Buch in Englisch fuer sie haetten, irgendwas zu lesen, und wir verschenken Taschen voller Buecher und freuen uns darueber, dass jemand lesen will!

Auf der Nachbarinsel Taulud ist die Lage besser, es gibt einige moderne Hotels und Gebaeude, einige aeltere sind restauriert worden, und die Strassen sind in Ordnung.

 


 A s m a r a

Am Freitag, 27.3., fahren wir morgens um 6 Uhr zum Busbahnhof auf dem Festland und nehmen den Bus nach Asmara, 116 km entfernt, 2$ pro Person, 4 Stunden Fahrt, denn die Hauptstadt des Landes liegt auf 2450 m Hoehe. Wir bekommen die letzten Plaetze ganz hinten und sitzen eingezwaengt von Gepaeck. Die Strasse ist in gutem Zustand und der Fahrer besonnen. Wie im Yemen gibt es viele Kontrollposten, die unsere Paesse und Reisegenehmigungen checken.

Parallel zur Strasse verlaeuft eine von den Italienern gebaute Schmalspurbahn, die bis Asmara und Keren geht. Sie wurde in den Kriegen beschaedigt, und heute fehlt das Geld fuer die Reparatur. Nachdem wir die Kuestenebene und die ersten Huegel passiert haben, wird die Landschaft wieder eben, in der Ferne zeichnet sich aber schon die 3000m hohe Bergkette ab, die wir ueberwinden muessen.

Die Strasse zieht sich in grossen Kehren immer hoeher hinauf, ein Meisterwerk des Strassenbaus so wie auch die Eisenbahnlinie.  Ab Nefasit wird die Strasse noch steiler, die Haarnadelkurven noch enger. Wir denken, gleich sind wir oben, aber dann geht es immer noch hoeher und hoeher hinauf, bis wir das Staedtchen spielzeugklein tief unten im Tal liegen sehen. Die Abgruende sind
schwindelerregend, die Stuetzmauern wahre Kunstwerke. Die Berge sind hier oben bedeckt mit Kakteen, die unseren higochumbos aehneln, nur mit viel boesartigeren Stacheln. Es gibt auch viele Eukalyptusbaeume. Die Berghaenge sind voller Terrassen, manchmal hunderte uebereinander.

Etwa 20km vor Asmara lassen wir den knapp 3000m hohen Pass hinter uns und fahren wieder bergabwaerts und von den Wolken in die Sonne.  Auf den Mauern am Strassenrand sitzen Herden von Pavianen und warten darauf, von den Autofahrern mit etwas anderm als mit Kakteenfruechten gefuettert zu werden. Sie sehen alle kugelrund aus. Gegen 10 Uhr kommen wir in Asmara an.

Wir fragen einige Leute nach dem Asmara Central Hotel, in dem wir bleiben wollen, aber niemand kann uns Auskunft geben, bis ein gutgekleideter aelterer Herr auf uns zukommt und uns fragt, ob er uns helfen kann. Nach kurzem Nachdenken meint er, 'Kein Problem, ich bringe euch dahin!' Das Hotel liegt in einer Seitenstrasse der Harnet Street, der Prachtstrasse von Asmara,
einer Palmenallee. Die katholische Kathedrale, die in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts von Franziskanern erbaut wurde, liegt gleich um die Ecke. Wir checken ein, stellen unsere Tasche ab und gehen mit Asres ins Café Moderno auf der Harnett Street. Da sitzt man urgemuetlich unter der Marquise, trinkt espresso oder macchiato, isst Schokoladen-Donuts und beobachtet die Leut
Es gibt viel zu sehen hier, schwarz verschleierte Frauen wie im Yemen; andere, die von Kopf bis Fuss in meterlange knallbunte Tuecher gehuellt sind; Bauersfrauen in weissen Mulltuechern; sehr huebsche junge Maedchen in Jeans und Tops, Stiefeln, hohen Absaetzen; Muslime in weissen langen Hemden und weissem Fes; orthodoxe Priester mit maechtigen Baerten und schwarzen Soutanen; aeltere Maenner in Anzuegen mit breiten Revers, italienischen Schuhen und Hueten wie aus einem alten italienischen Film, die uns mit 'buon giorno!' begruessen. Eine unglaubliche Mischung aus Afrika, Arabien und Westen.

Asmara wurde in den Kriegen nicht zerbombt wie Massawa und hat immer noch den Charakter einer italienischen Stadt.  Mussolini, der 1922 an die Macht kam, wollte am Horn von Afrika ein neues Roemisches Reich schaffen, brauchte dafuer eine starke Basis und investierte deshalb kraeftig in Eritreas Infrastruktur, Landwirtschaft und Industrie und machte aus Asmara
ein 'piccola Roma'. Um 1930 boomte das Land.

Abends scheint die ganze Stadt auf den Beinen zu sein. Alle Strassen sind voller Menschen, die die Strassen entlang flanieren und in einem der unzaehligen Cafés ihren espresso oder macchiato trinken. Viele gruessen uns und sprechen mit uns, denn Touristen sind sehr rar.

Samstags ist der bedeutendste Markttag in Asmara. Nur wenige Meter vom Zentrum wimmelt es auf dem riesigen Marktgelaende, das aus vielleicht zehn mal zehn Haeuserblocks besteht, von Leuten, hauptsaechlich Frauen. Es gibt grosse Markthallen fuer Obst und Gemuese, Huelsenfruechte, Gewuerze, second hand- Kleider und -Schuhe, Haushaltwaren, Kunsthandwerk etc. Ein westliches Einkaufszentrum ist nichts dagegen.

Ueber Travelhouse mieten wir ein Auto mit Fahrer, um auf den Montagsmarkt nach Keren und dann von da zurueck nach Massawa zu fahren.   Es sind 90 km durch das Hochland bis Keren. Nach 10 km platzt ein Reifen, aber unser Fahrer Asmerom, ein sehr gutaussehender und netter Mensch, ist Mechaniker und montiert schnell einen anderen, der noch abgefahrener aussieht als der alte, d.h. er hat gar kein Profil mehr. Gut, dass es nicht regnet.

Der Markt findet mitten im trockenen Flussbett statt und ist einer der buntesten, die wir bisher gesehen haben. Die Menschen haben ihre Waren auf grossen Matten aus getrockneten Palmblaettern ausgebreitet, die Bilen-Frauen der Gegend alle in farbigen Gewaender mit schoenen Mustern gehuellt, die Maenner in Wickeltuechern oder bodenlangen Hemden, mit Turbanen auf dem Kopf. Es wird mit Kamelen und Ziegen gehandelt, mit Brennholz und Holzkohle, frischen Datteln, Kraeutermedizin, Matten, Koerben und schwarzer Keramik.

Dann zeigt uns Asmerom einen maechtigen Baobab-Baum, diesen afrikanischsten aller Baeume, der grosse Mengen Wasser speichern kann. Der hohle Stamm dieses speziellen Baums ist so gross, dass man darin einen Marienschrein errichtet hat. Man sagt, dass der Baum Wunder wirken kann, und es kommen viele Frauen hierher, die einen Ehemann suchen oder ein Kind haben wollen.  Als wir einen Blick auf den Schrein werfen wollen, sehen wir, dass darin eine Familie mit Baby wohnt.

Zurueck nach Massawa fahren wir entlang der neuen Strasse ueber Filfil. Sie fuehrt durch den Green Belt Nationalpark und drei verschiedene Klimazonen. Hier befindet sich das einzig noch erhaltene Waldgebiet von Eritrea. Vor 100 Jahren waren noch 30% des Landes von dichtem Wald bedeckt, jetzt ist es nur noch dieses eine Prozent.

Zuerst fahren wir vom Hochplateau auf 2500 m die leeren Serpentinen hinunter durch Waelder voller wilder Olivenbaeume und Aloes und kommen dann von den Wolken in den ueppigen tropischen Regenwald und in ein Flusstal voller Mango- und Orangenbaeume. Weiter oestlich und noch tiefer sind wir wieder in der Wueste mit ihren Akazien.

Im Regenwald machen wir Halt im Sabur Recreational Center und essen etwas zu Mittag, und danach macht uns Kudusan, die sympathische Wirtin, Kaffee. Das Zubereiten von Kaffee ist in Eritrea ein Ritual. Zuerst werden die gesschaelten weissen Kaffeebohnen ueber einem Holzkohlenstoevchen geroestet (das Aroma ist koestlich!), dann in einem Moerser zerstampft und in einen kleinen Keramikkrug gegeben. Dann wird Wasser hinzugefuegt und der Krug auf die Glut gesetzt. Wenn das Wasser anfaengt zu kochen, wird mehrmals etwas davon ausgegossen und wieder zurueckgeschuettet, bis der Kaffee fertig ist. Kudusan setzt etwas Ingwerpulver zu, andere Leute nehmen Kardamom. Serviert wird der Kaffee in winzigen Taesschen, von denen man drei trinken sollte; nur eins waere eine Beleidigung.  Diese Zeremonie dauert eine Weile, aber sie eine wunderbar entspannende Art Kaffee zu trinken!

In Massawa bereiten wir alles zur Abfahrt nach Port Sudan vor, denn der Wetterbericht ist guenstig, nicht allzuviel Nordwind ueber die naechsten vier Tage. Wir sind gespannt auf den Sudan. Unser erster Eindruck von Afrika war ungemein positiv.

 



S U D A N



P o r t S u d a n

19º 36.53 N 37º 13.37 O


Es gibt drei verschiedene Routen, um von Massawa nach Port Sudan zu fahren. Die eine verlaeuft entlang der Kueste nach Suakin (einem unter Seglern beliebten alten Hafen, beruechtigt fuer seinen Sklavenhandel bis nach dem 2. Weltkrieg und heute nur noch ein kleines Dorf voller Ruinen, ohne Bank/ Internet usw.), eine Route durch Untiefen und Riffe und unkartographierte
Gewaesser, die fuer unser Schiff nicht ungefaehrlich ist. Die mittlere Route geht entlang der auesseren Riffe, sie ist etwas bequemer, aber auch noch voller heikler Stellen. Diese Routen sind mehr fuer Tagessegeln. Deshalb waehlen wir die weiter von der Kueste entfernte Route, die zwar 80 Meilen laenger ist, es uns aber erlaubt, die Naechte durchzusegeln. Der NNW-Wind
ist nur schwach, so dass wir das meiste der 320 Seemeilen mit Motor segeln. Am Dienstag, d. 7. April, ankern wir in Port Sudan.

Port Sudan ist eine der freundlichsten Hafenstaedte, die wir auf unserer gesamten Reise angelaufen haben. Der Ankerplatz befindet sich direkt vor dem Stadtzentrum, so dass wir praktisch alles vor der Nase haben. Ungefaehr zehn Haeuserblocks bilden das riesige Marktareal, das voller Geschaefte, Staende und Leben ist. Die Leute sind hoeflich, neugierig und warmherzig, sie fragen uns woher wir kommen und wohin wir fahren, und alle wollen fotografiert werden.

Ahmed, unser Agent, nimmt uns mit zum Fischmarkt ausserhalb der Stadt an der Lagune , wo wir eine grossen Fisch kaufen, der an Ort und Stelle entschuppt wird und den wir dann in ein Zeltrestaurant auf der anderen Seite der Strasse bringen, wo er fuer uns perfekt gekocht wird. Wir sitzen inmitten zahlreicher sudanesischer Familien, die hier auch ihr Freitagsessen verzehren. Der Fisch ist koestlich und so frisch wie man sich nur wuenschen kann.

Danach nehmen wir ein Tuktuk und fahren in das nahegelegene Fischerdorf, in dem alle Huetten aus Treibgut gebaut sind. Die Fischer sind so stolz auf ihr Dorf, dass sie mich auffordern, Bilder von ihnen, den Haeuschen und "Zaeunen" drumherum zu machen. Zuerst hat man den Eindruck, als sei alles nur ein Schrotthaufen, aber wenn man naeher hinguckt, ist alles sehr ordentlich gemacht, sie verwenden halt alles, was angeschwemmt wird. Das Dorf wirkt wie ein modernes Kunstwerk.

Abends fuellt sich die breite Promenade entlang dem Hafen mit Leben: die Leute sitzen in Gruppen auf grossen Teppichen, trinken Tee der von den Teekochern an ihren Staenden zubereitet wird, spielen Schach, Backgammon und Karten; ambulante Verkaeufer laufen mit ihren Waren herum, draengen sie aber niemandem auf, sondern warten, dass jemand Interesse zeigt. Gruppen von Maennern rauchen Shishas, Wasserpfeifen; mitten auf der Promenade steht ein Pool-Tisch. Alles ist aeusserst friedlich und entspannt und leise, es plaerrt keine Musik. Wir sind hier die Exoten, und die Leute kommen auf uns zu, begruessen uns, setzen sich zu uns oder bitten uns zu sich, laden uns zum Tee ein, oder zu Nuessen und Suessigkeiten,und sprechen mit uns und wollen wissen, wie wir Port Sudan finden. Wir lieben es! Es ist eine einmalige, fast magische Stimmung hier.

Bisher gibt es nur sehr wenige Touristen in Port Sudan, und die meisten kommen zum Tauchen. Es gibt nur sechs, sieben Tauchboote, und die spektakulaeren Riffe sind noch intakt und nicht ueberlaufen und beschaedigt wie in Aegypten.

Ein Rat an Segler: wenn ihr in Port Sudan ankommt, nehmt Kontakt mit Ahmed Foti auf. Er ist der beste Agent, freundlich und ehrlich, und ausserdem spricht er auch fliessend deutsch, weil er 10 Jahre in Berlin gelebt hat.


 A E G Y P T E N



P o r t G h a l i b

25º 32.02 N 34º 38.33 O


Am fruehen Sonntagmorgen, 12. April, fahren wir Richtung Port Ghalib in Aegypten ab, eine Strecke von 450 Seemeilen. Wieder nehmen wir die aeussere Route, um die gefaehrlichen Riffe und besonders das umstrittene Grenzgebiet zwischen Aegypten und Sudan zu umgehen, das voller Militaerposten ist und wo man als Segler in Schwierigkeiten kommen kann.

In den ersten drei Tagen ist absolute Flaute, so dass wir 350 Meilen lang motorsegeln. Wir sehen pro Tag hoechsten ein oder zwei weitere Schiffe. Am Mittwoch jedoch kommt ein starker Nordwestwind auf, Windstaerke 6 etwa, und wir brauchen 36 Stunden fuer die restlichen hundert Meilen bis Port Ghalib mit dem Wind direkt auf der Nase.

Als wir vor Port Ghalib ankommen, ist es schon dunkel und etwa 22.30. Der Kanal in die Marina ist zwar markiert, aber die Lichter nicht von den vielen anderen bunten Lichtern der Stadt zu unterscheiden. Nachdem wir die Hafenmeisterei ueber VHF kontaktiert haben, schicken sie uns einen Zodiac, der vor der Einfahrt in die Marina auf uns wartet. Wir folgen den Wegepunkten fuer die Marina und stossen fast mit ihm zusammen, bevor wir ihn sehen. Er lotst uns in das Hafenbecken, wo uns schon eine Gruppe von Marinaangestellten und Zollbeamten erwartet, uns beim Festmachen hilft und dann einklariert. Danach schlafen wir wie die Murmeltiere.

Am Morgen darauf wird uns erst bewusst, wie schmal der Kanal in die Marina ist, mit einem Pier, das direkt bis an den Rand der Fahrrinne reicht, und dem Wrack einer deutschen Segelyacht auf einem Riff nur wenige Meter vom Kanal entfernt. Wir haben Glueck gehabt!

Port Ghalib ist eine Stadt aus der Retorte, die von einem kuweitischen Milliardaer gebaut wird. Beruehmte Architekten haben sie entworfen, nur die besten Materialien werden verwendet. Bisher sind erst 20% des Projekts verwirklicht. Einige Hotels sind schon in Betrieb, aber bisher gibt es nur wenige Touristen, und die Stadt erscheint etwas geisterhaft, obwohl nachts alles
beleuchtet ist und man den Eindruck bekommt, als sei schon jedes Haus und Apartment bewohnt. Geschaefte sind offen, aber es fehlen die Kunden. Die aegyptischen Angestellten haben jede Menge Zeit fuer Schwaetzchen. Die Strassenfeger tun nur so, als ob sie was wegkehrten. Das Wachpersonal hat auch nichts zu tun. Aber alle sind rundum zufrieden, klar.

Weil die Ragnar so ein pittoreskes Schiff ist, duerfen wir als einziges Segelschiff an der Corniche im Zentrum festmachen, die eigentlich nur fuer Luxusyachten gedacht ist, und muessen nicht um die Ecke in den kleinen Yachthafen, der weit weg liegt von den Restaurants und der Geschaeftsstrasse. Unsere Waesche trocknen wir aus Ruecksicht meist nachts... und befreunden uns mit
allen Wachleuten und Angestellten.

Wir organisieren eine Reise ins Landesinnere und fahren mit unserem Fahrer Romany, einem jungen Kopten aus Al Quseir, durch die Arabische oder Oestliche Wueste nach Luxor. Diese Strasse vom Roten Meer an den Nil ist nachts geschlossen und voller check-points, besonders ab dem Niltal. Da muessen wir unsere Reisegenehmigung zeigen und der Touristenpolizei ein Bakschisch zahlen - sie gehoeren zu den bestbezahlten Leuten Aegyptens.

Wir bleiben zwei Tage und Naechte in Luxor, gucken uns die wunderbaren und unvergesslichen Tempel von Karnak und Luxor an, das Tal der Koenige, den Hatshepsut- Tempel in Deir al Bahri und machen mit Mussa eine Fahrt auf dem Nil. Danach fahren wir weiter nach Aswan am ersten Nilkatarakt. Jeder Zentimeter Boden im Niltal ist bearbeitet, es gibt pro Jahr drei Ernten hier. Die Fellachen leben in Adobe-Haeusern und reiten auf Eseln, so wie schon seit Jahrtausenden. Je weiter nilaufwaerts wir kommen, um so enger wird das Tal, an manchen Stellen reicht die Wueste bis ans oestliche Nilufer.

In Aswan besichtigen wir den High Dam, ein sehr beeindruckendes Meisterwerk der Ingenieurkunst, und dann den Isistempel auf der Insel Philae im Lake Nasr. Dieser Tempel waere voellig im gigantischen Stausee verschwunden, wenn die Unesco ihn nicht gerettet haette. Er wurde auseinandergenommen und auf der Nachbarinsel wieder aufgebaut. Als wir dort ankommen, sind Gott sei Dank nur wenig Touristen da, und wir koennen in Ruhe diesen grossartigen, gut erhaltenen Tempel bewundern.

Danach fahren wir mit einem kleinen Schiff durch das magische Naturschutzgebiet des ersten Katarakts, durch das Schilf und Dickicht voller Voegel und vorbei an riesigen runden Felsen. Auf der westlichen Seite des Flusses erheben sich turmhohe Wuestenduenen, in die die Nubier, die durch den Dammbau ihre Wohngebiete verloren, neue farbenfrohe Doerfer gebaut haben.
Kinder vergnuegen sich im Fluss, Kamele warten auf Touristen, und auch wir halten Einzug in einem nubischen Dorf auf dem Kamelruecken.

Am zweiten Tag in Aswan wollen wir mit Romany und Mary, unserer Begleiterin, nach Abu Simbel fahren, 280 km suedwestlich von Aswan und nur 40 km von der sudanesischen Grenze entfernt. Alle Autos, die diese Strasse durch die Libysche Wueste benutzen wollen, muessen das in einem Konvoy tun. Als wir um 3.30 Uhr in der Frueh am Startpunkt erscheinen, finden wir raus, dass der Konvoy wegen Sandsturm abgeblasen wurde. Aber spaeter am Morgen wird die Strasse doch freigegeben, und am fruehen Nachmittag, in der groessten Hitze des Tages, treffen wir in Abu Simbel ein, zusammen mit zig Reisebussen und Touristen aus aller Welt, die sich alle die grossartigen Tempel von Ramses II und Hathor ansehen wollen. Auch diese Tempel wurden von der Unesco gerettet, bevor sie im Lake Nasr versunken waeren. Sie wurden in mehr als 2000 gigantische Bloecke von 10 bis 40 Tonnen zerschnitten und dann 65 m hoeher in einen kuenstlichen Berg hinein wieder aufgebaut.

Am Mittwoch, d. 29. April, fahren wir von Port Ghalib weiter Richtung Port Suez, 300 Seemeilen. Nach dem Wetterbericht sollen wir die ganze Strecke ueber guenstiges Wetter haben, aber wie so oft im Roten Meer spielt das Wetter nicht mit. Am Donnerstag faengt es an zu stuermen, und zwar aus Nordwesten, unserer Fahrtrichtung. Wir kommen nur unendlich langsam voran, halten uns dann naeher an der Kueste, weil es da weniger stuermt, fahren durch ein Gebiet mit Riffen, die nur 50 m auseinander liegen und suchen dann Schutz in der Marina von Ras Abu Soma, 14 Seemeilen suedlich von Hurghada. 26º 50.92 N 33º 59.05 O. Auch in Ras Abu Soma wird schwer gebaut, ein riesiger 5-Sterne- Hotelkomplex fuer wohl meist deutsche Gaeste. Club Robinson und Kempinski sind vertreten.

Der Wind legt sich erst am uebernaechsten Tag. Eigentlich waere es schoen gewesen, eine Weile im Golf von Suez und an der malerischen Sinai-Kueste zu bleiben, aber alle guide books raten, ohne Stopp bis Port Suez durch den Golf zu fahren, wenn das Wetter es zulaesst. Der Golf ist beruechtigt fuer seinen starken und unberechenbaren Wind.

Am Sonntagabend haben wir eine ungewoehnliche absolute Flaute und eigenartige optische Illusionen. Das Wasser scheint die Bergseiten hinaufzuklettern; Bojen und Oelplattformen sind in einem Augenblick zum Greifen nah, im naechsten scheinbar Meilen weit weg; Schornsteine an Land vervielfaeltigen sich, werden hoeher, dann wieder niedriger; grosse Frachtschiffe
scheinen zu verschwinden, nur um im naechsten Moment wieder aufzutauchen. Es ist unmoeglich, die Entfernungen einzuschaetzen.

Schliesslich kommen wir am 4.Mai in Port Suez an, genau in dem Augenblick, als es anfaengt aus Sueden zu stuermen. Kurz  danach dreht der Wind auf Nordwest und verwandelt sich in einen Sandsturm.


 P o r t S u e z

29º 56.80 N 32º 34.41 O


Andere Segler haben uns schon eine Menge Geschichten ueber die Aegypter erzaehlt, die staendig versuchen, die Auslaender uebers Ohr zu hauen, zehnmal oder hundertmal mehr zu verlangen als den richtigen Preis, unverschaemt Bakschisch zu fordern oder sich das Offenhalten einer Tuer mit einem Dollar bezahlen zu lassen. Bis jetzt haben wir wenig schlechte Erfahrungen in dieser
Hinsicht gemacht.

Als wir in Port Suez an Land gehen, sind wir auf das Schlimmste gefasst. Aber zu unserem Erstaunen sind die Leute sehr ehrlich und grosszuegig. Der Bus in die Stadt kostet nur ein halbes aegyptisches Pfund, auf dem Markt muessen wir nicht handeln, denn wir zahlen den ueblichen Preis, jeder ist hilfsbereit, Leute fahren uns mit ihren Autos zu den Orten, an die wir wollen und
laden uns zum Tee ein, in den Restaurants essen wir gut und billig. Der Hafenmeister erklaert das damit, dass Port Suez keine Touristenstadt ist, dass die Stadt genug Industrie hat und die Leute genug Arbeit finden.

Wegen dem Sandsturm koennen wir erst am Donnerstag, d. 7. Mai, unsere 44-Meilen-Fahrt durch den Suez-Kanal nach Ismailia beginnen, das auf der Haelfte der Strecke liegt. Am Abend zuvor sagte man uns, wir wuerden um 8 Uhr morgens losfahren. Aber um 5 Uhr morgens klopft jemand an den Schiffsrumpf und ruft, 'Ragnar! Macht den Motor an! Wir fahren los!' Wir steigen aus dem Bett, machen die Leinen los und machen uns mit Hamed, unserem netten, gemuetlichen Lotsen auf den Weg.

Der Kanal ist sehr schmal, und es ist ein eigenartiges und etwas bedrohliches Gefuehl, von den uebergrossen Containerschiffen nur wenige Meter von uns entfernt ueberholt zu werden. Die Bugwelle laesst uns wie wild hin- und herschaukeln. Nachmittags um 2 Uhr haben wir den ersten Teil geschafft und legen im Ismailia Yacht Club an.


 I s m a i l i a

30º 35.10 N 32º 26.35 O

Da wir in Port Suez kein Diesel tanken konnten, haben wir praktisch keinen Treibstoff mehr. Die anderen Segler sagen uns, dass es in Ismailia so gut wie unmoeglich ist zu tanken und dass am Vortag die Kanister von Leuten, die an einer Tankstelle Diesel kaufen wollten, beschlagnahmt wurden.

Als wir dem Hafenmeister von unserem Dilemma berichten, sagt er nur, 'Kein Problem! Wartet bis 6 Uhr, wenn die Wachen am Tor wechseln, und versucht es dann!' Um 6 Uhr stehen also 10 Segler mit etwa 100 20-Liter-Kanistern vor dem Tor und warten auf Taxis, die sie zu Tankstellen fahren sollen. In Aegypten ist es illegal, Treibstoff in Kanistern in einem Taxi zu transportieren. Es ist auch illegal, an einer Tankstelle Treibstoff in Kanister zu tanken. Und es ist illegal, volle Kanister in den Hafenbereich zu schleppen. Das bedeutet jede Menge Bakschisch.

Zuerst muss die Torwache geschmiert werden, 2 US$ pro Kanister. Dann der Tankwart, 20%. Dann der Taxifahrer, zehnmal mehr als normal. Aber schliesslich schaffen wir das alles, unsere Tanks und Kanister sind voll und wir koennen beruhigt fahren. Wir haben Glueck, denn als wir den letzten Trip machen, vermurkst ein Australier alles, weil er der Wache nichts mehr zahlen will und die allen anderen, die noch was holen wollen, es nicht mehr erlaubt.

Ismailia wurde waehrend des Kanalbaus gegruendet. Ferdinand de Lesseps, der Direktor der Suez Canal Company wohnte hier und auch viele andere Europaeer. Der historische Teil der Stadt ist huebsch, mit grossen Villen aus dem 19. Jahrhundert, weiten Rasenflaechen, Alleen und dem Suesswasser-Kanal, der flankiert ist von Parks mit bluehenden Baeumen und Blumenbeeten. Es ist fast wie eine gemuetliche, europaeische Stadt.

Am Sonntagmorgen, 10. MAi, sind wir morgens um 5 Uhr startklar fuer den zweiten Teil des Kanals. Um 9 Uhr ist unser Lotse immer noch nicht da. Der Hafenmeister sagt, er kaeme um 10. Der Lotse ist zwar nicht sehr von Nutzen, aber man muss einen haben. Er kommt endlich um 11 Uhr, und das Erste, was er sagt, ist, 'Wir sind spaet dran! Fahrt 6 Knoten!' Wir kontern und sagen, dass wir nur 4.5 Knoten machen koennen, denn inzwischen haben wir einen scharfen Nordwind, gegen den wir an muessen. Der Lotse, Samir, wird ungeduldig, schwaetzt nunterbrochen auf dem VHF, klopft mit Haenden und Fuessen und guckt jede Minute auf die Uhr wie das weisse Kaninchen in Alice im Wunderland, 'Es ist spaet! Es ist spaet!' Skip sagt ungeruehrt, 'Warum sind wir denn nicht wie vorgesehen um 5 Uhr losgefahren?'

Die ganze Strecke ueber puscht uns der Lotse und sagt, wenn wir bei Dunkelwerden nicht Port Said erreicht haetten, dann muessten wir an einer Signalstation Halt machen und da die Nacht ueber bleiben. Unser urspruenglicher Plan war, gegen 2 Uhr in Port Said anzukommen und dann direkt weiterzufahren Richtung Malta. Aber als wir gegen 8 Uhr abends in Port Said ankommen, beschliessen wir, stattdessen in der Marina von Port Fouad am anderen Ufer zu bleiben und am naechsten Morgen weiterzufahren.


 P o r t F o u a d (Port Said)

31º 15.42 N 32º 18.90 O

Normalerweise gibt man dem Lotsen ein Trinkgeld von maximal 10US$. Als wir unserem Lotsen 10$ in die Hand druecken, guckt er den Schein veraechtlich an und schuettelt unglaeubig den Kopf, 'Tsk! Was soll denn das?' Wir sind muede und wollen ihn so schnell wie moeglich loswerden, lassen uns deshalb nicht auf eine laengere Diskussion ein und geben ihm schliesslich noch einen 10-Dollar-Schein, weil wir keinen kleineren haben. Danach verlangt er noch eine Stange Zigaretten, ein T-shirt, eine Baseballkappe und eine Flasche Pff!Pff! (Parfuem)... Wir schreien ihn nur an, 'Verlass jetzt das Schiff, und zwar SOFORT !'

Danach erklaert uns der Marina-Manager, es koste 21$ pro Nacht und wir brauchten am naechsten Tag einen weiteren Lotsen, der uns die 100 m aus dem Hafen hinausbegleiten muesste, es koste 30$. Aber wenn wir ihm die 30$ jetzt zahlen wuerden, wuerde er dafuer sorgen, dass wir frueh los koennten und nicht auf einen Lotsen zu warten brauchten. Solche Gauner! Am Ende sind wir heilfroh, aus Aegypten herauszukommen und haben keine Lust mehr auf eine Rueckkehr.

Am Montagmorgen, d. 11. Mai, um 8.30 Uhr passieren wir Boje Nummer 5 und sind wieder im Mittelmeer, Richtung Malta. In den ersten Tagen haben wir guenstigen Nordwind, aber als wir 20 Meilen noerdlich der libyschen Grenze sind, dreht der Wind und kommt aus Westen. Deshalb aendern wir unseren Plan und nehmen Kurs auf das Ostende von Kreta. Am Freitag, den 15. Mai, segeln wir morgens um die Nordostspitze der Insel, dann in den Golf von Mirabello und machen nachmittags in der Marina von Agyos Nikolaos fest, 517 Meilen von Port Said und wieder in Europa!!


 G R I E C H E N L A N D


K r e t a


Agios Nikólaos

35º 11.15 N 25º 43.19 O


Agios Nikólaos ist ein malerisches Fischerdorf mit einem geschuetzten Hafen und einer kleinen Lagune im Golf von Mirabello. Die steilen Strassen und Treppen sind gesaeumt von schattigen Baeumen, vielen kleinen Geschaeften und Tavernen. Heutzutage ist die Stadt auch ein gutbesuchtes Touristenziel, hat aber ihren traditionellen Charakter und Charme beibehalten.

Wir freunden us mit Giannis an, dem jungen Besitzer eines Restaurants am Ammos Beach nahe der Marina, wo es koestliche griechische Mézedes gibt - Vorspeisen, die leicht eine vollstaendige Mahlzeit machen, wenn man mehrere davon bestellt. Nach all dem Reis und den Curries in Asien geniessen wir die gefuellten Zucchini-Blueten, die gefuellten Weinblaetter, Zucchini-Baellchen, puerierte Bohnen mit Kraeutern, gegrillte Sardinen und Tintenfisch, das knusprige sebstgebackene braune Brot mit Olivenoel und den selbstgemachten Raki, der wie der beste Grappa schmeckt.

Von Agios Nikólaos aus fahren wir aufs Katharo Plateau (1150 m), ueber eine schmale, kurvige und leere Strasse, durch eine magische Felsenlandschaft voller knorriger Baeume und aromatischer bluehender Pflanzen und mit wundervollem Blick auf die Kueste und den Golf. Tausende von Schafen und Ziegen weiden an den Haengen, und in der Ferne sieht man die noch hoeheren schneebedeckten Berge.

Wir machen an einer kleinen Taverne Halt, mit der sich im Sommer Katerina, eine 65-jaehrige Frau aus Kritsá, etwas Geld dazu verdient. Sie hat hier oben ihren Obst- und Gemuesegarten und macht ihren eigenen Kaese. Sie bewirtet uns mit einer koestlichen Gemuesesuppe, selbstgebackenem Brot und himmlischem Schafsyoghurt mit Thymianhonig und Rosinen in Sirup. Und zum Abschied schenkt sie uns eine Plastiktuete voller Mandeln, einen grossen Becher voller selbsteingelegter Oliven und eine grosse Dose Yoghurt.

Nachdem wir uns ein paar Tage ausgeruht haben, wollen wir weiterfahren, aber der starke Westwind (Windstaerke 6) macht das unmoeglich. Als es am Samstag, d. 23. Mai, morgens gegen vier Uhr endlich etwas ruhiger ist, machen wir uns auf den Weg nach Malta und hoffen, dass wir es diesmal schaffen. Bei Sonnenaufgang haben wir das beruechtigte Kap Agio Ioannis umrundet, der Wind kommt gluecklicherweise aus Norden, und so koennen wir die 100 Seemeilen bis ans westliche Ende von Kreta segeln.

Frueh am Montagmorgen sehen wir eine seltsame Wolke am nebligen Horizont - es ist der beruehmte Dreimaster Sea Cloud unter vollen Segeln! Ein grossartiger Anblick! Wir drehen bei, damit wir ihn besser beobachten und fotografieren koennen. Voller Bewunderung nimmt Skip ueber VHF Kontakt mit dem Kapitaen auf und gratuliert ihm zu dem tollen Schiff - 'What a beautiful
ship!', aber der deutsche Kapitaen antwortet nur trocken 'Of course she is.' An so einen wenig freundlichen Ton muessen wir uns erst mal wieder gewoehnen.

Am Mittwoch sind wir noch circa 100 Meilen von Malta entfernt - die gesamte Strecke ist etwa 580 Meilen lang. Der Wind dreht von Sued auf West und dann auf Nord. Jedesmal wenn wir kreuzen, dreht der Wind auch und wir haben ihn wieder auf der Nase. Wir kreuzen und kreuzen. Abends um 6 Uhr weht der Wind so stark aus Westen, dass wir beschliessen, Kurs auf den Suedosten von Sizilien zu nehmen. Aber nach 10 Minuten dreht er wieder auf Nord, so dass wir wieder kreuzen und wieder Kurs auf Malta nehmen.

Am Donnerstagmorgen haben wir einen starken Schwell aus Nordwesten, einen starken Strom aus Suedwesten und Westwind und befinden uns nur 10 Meilen vor der Suedwestspitze Maltas. Wir haben die Nase voll, bergen alle Segel und fahren mit dem Motor auf Hochtouren nach Norden bis auf Hoehe von Valletta, der Hauptstadt von Malta.

Es ist nicht ratsam, im Dunkeln in den Hafen hineinzufahren, denn die Zufahrt ist unbeleuchtet, und auch die Einfahrt in die enge Marsamxett Bucht (die noerdliche Bucht, die von den meisten Yachten angefahren wird) ist nicht markiert. Aber wir wagen es trotzdem, denn wir sehen die Silhouetten der Festungen auf beiden Seiten der Einfahrt gegen die Lichter der Stadt.

Wir versuchen, mit einer der Marinas Kontakt aufzunehmen, erhalten aber keine Antwort. Deshalb machen wir an der ersten Mooring-Boje, die im Lazaretto Creek frei ist, fest - einer Miniboje mit einem Tau, das nicht dicker als ein Schnuersenkel ist. Aber das Wasser ist still wie ein Teich und wir sind totmuede. Wir fallen ins Bett und schlafen bis zum naechsten Morgen wie die Ratzen. Um 7.30 Uhr am Freitag, d. 29. Mai, antwortet uns schliesslich die Manoel Marina und sagt, wir koennten laengsseits gehen.

Viele Weltumsegler denken, das Mittelmeer waere ein Klacks, aber....